Freitag, Dezember 06, 2019

Kurzreviews November/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 12 Filme und 4 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat November gesehen habe:


Serien-Staffeln
Downton Abbey (Series 6) (2015) - (7-7,5+)
Downton Abbey - The Finale (2015) - (8)
Das Büro [The Office(Season 2) (2005-2006) - (7-7,5+)
Spartacus: Blood and Sand - Motion Comic (2009-2010) - (6,5-7)

Filme
Downrange - Die Zielscheibe bist du! [Downrange(2017)
Ein Scharfschütze auf Teenie-Pirsch. Wäre im Kurzfilm-Format besser aufgehoben gewesen, die meiste Laufzeit verbringen Jäger und Opfer mit gegenseitigem Belauern, auf Dauer nicht die spannendste Entwicklung, gen Ende steigt die Blödheit der Beteiligten obendrein sprunghaft an. Der Gewaltgrad ist deftig, suhlt sich andererseits nicht zu ausgiebig in Gekröse, wenn er was zeigt, dann allerdings blutigst und zeigefreudig. (6)

Das Cabinet des Dr. Caligari (1920)
Ein maßgebliches Meisterwerk des Stummfilms, das eine unüberschaubare Anzahl an Filmemachern nachhaltig beeinflusst hat. Dabei sind es in erster Linie die Bauten Walter Reimanns, Hermann Warms und Walter Röhris, allgemein das expressionistische, anamorphotische Szenenbild, die zum stärksten Ausdrucksmedium werden, das von alptraumhaften Entwicklungen erzählt, von Hörigkeit gegenüber wahnhaften Tyrannen und von einem verunsichernden Ausgang, den manch einer als Wiederherstellung der zuvor fälschlich angezweifelten Autoritäten deuten mag. Ich persönlich sehe darin viel mehr die derangierende Umkehrung dessen, was Wahnsinn, was Vernunft ist, den jähen Siegeszug des Wahns, dem die Vernunft zu guter Letzt unterliegt. Für mich ein sinisterer, unheilverkündender Schlusspunkt. (9)

Ein Wunderschöner Sonntag [素晴らしき日曜日 Subarashiki Nichiyōbi (One Wonderful Sunday)] (1947)
Dürfte selbst bei Kurosawa Akira-Fans unter dem Radar fliegen, eher in den niedrigeren "Unter ferner liefen"-Bereichen etwaiger Listen rangieren. Mir hat er in hingegen gut gefallen: ich mochte die Anklänge an den Neorealismus, die authentischen Straßenzüge des Nachkrieg-Tokios, das allgegenwärtige Sentiment des "über-die-Runden-Kommens", die Begegnungen mit anderen Städtern und ihren Nöten, sowieso das sympathische Pärchen, das stets zwischen Verzweiflung ob ihres sozialen Existenz-Kampfes einerseits, unerschöpflicher, wenn auch schwach glimmender Lebensbejahung andererseits pendelt, im Grunde genommen nicht mehr als einen schönen Sonntag zu verleben gedenkt, alle weltlichen Problem zur Abwechslung beiseiteschieben möchte und sei es nur für diesen einen schicksalhaften Tag. Ihre nachempfindbare Notlage, ihr Überlebenskampf, ihr Streben nach einfachen, elementaren Formen des Glücks, sowie ihr unprätentiöses, fehlerbehaftetes Wesen macht sie als normale Menschen greifbar, zugänglich, ihr schweres Los bedrückend. Kurosawa legt fernerhin offen, wo er das erfahrbare Glück für seine Hauptfiguren situiert und wo nicht, denn ständig stehen die unglückbringenden Situationen im Zusammenhang mit unzureichenden finanziellen oder materiellen Mitteln, alldieweil die beiden Erfüllung zumeist in sich selbst und untereinander finden. Gen Schluss kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass in diesem Sinne der Lyriker im Regisseur mit Kurosawa durchgegangen ist, wenn er ein Hoffnung spendendes Konzert allein auf die Kraft der Imagination bauend dadurch heraufbeschwört, dass er Hauptdarstellerin Nakakita Chieko die vierte Wand durchbrechen und einen zu gleichen Teilen zutiefst herzergreifenden und furchtbar verkitschten Appell an die Zuschauer richten lässt. Hierbei treibt Kurosawa Gutmütigkeit und Optimismus ein wenig übereifrig auf die Spitze. Demgegenüber fühlte ich mich selbst von dieser recht unverhohlenen umweglosen Manipulation ungewöhnlich gerührt und betroffen, empfand besagtes Konzert im Grundsatz als gelungene emotionale Kulmination der Odyssee des Paars. Ein schöner Sonntag, ein schönes Paar, ein schöner Film. (7,5)

Intacto (2001)
Eigensinniger Thriller aus spanischen Landen, der sich reizvoll dem Thema Glück widmet, die Mitglieder eines vor der Öffentlichkeit verborgenen Club von "Glückspilzen" in absonderliche bis lebensgefährliche Untergrund-Wetten gegeneinander antreten lässt, die das Glück der Spielenden immer wieder auf die Probe stellen: je größer das einem vom Schicksal zugedachte Glück, desto höher die Gewinnchancen. "Intacto" präsentiert Glück und Zufall als eine dem einen Menschen innewohnende, beinahe messbare Energie, die dem einen mehr, dem anderen weniger anteilig zu eigen ist, so dass eine regelrechte Rang- und Stufenordnung vorherrscht, die sich daran bemisst, welchen Dusel die Beteiligten etwa in Unfällen bewiesen haben. Hinzu kommt die sonderbare Fähigkeit mancher der von Fortuna besonders großzügig bedachten Subjekte, qua Berührung weniger gesegneten Seelen ihr Glück zu entziehen und auf sich zu vereinen. In dieser kuriosen Gruppierung finden sich die Protagonisten, die sich aus gänzlich unterschiedlichen Beweggründen auf das Spiel einlassen, auf die ein oder andere Weise wieder. Juan Carlos Fresnadillos solide Inszenierung des faszinierenden Sujets bringt diese merkwürdige Welt gekonnt vor unseren Augen zur Entfaltung und vollbringt den Kraftakt, ihr einen glaubwürdigen, nachvollziehbaren Anschein zu geben, gleichzeitig dem Drama, welches die Protagonisten am eigenen Leib erfahren, gebührend Rechnung zu zollen. Das Spiel mit dem Glück entfaltet nämlich erst mittels seiner Figuren, dessen verschiedenartigen Motiven und verschiedentlich manischen bis selbstzerstörerischen Tendenzen seine ominöse Sogwirkung, weswegen man dem Film zu Lasten legen mag, dass er ausgerechnet dort bloß an der Oberfläche zu kratzen scheint (eine Umsetzung als Serie fände ich durchaus interessant). "Intacto" ist außer Zweifel ein Erlebnis fernab des handelsüblichen 08/15-Thrillers. (7)

Brust oder Keule [L'aile ou la cuisse(1976)
Eine meiner Lieblingskomödien seit Kindestagen, selbstverständlich war die Tricatel-Fabrik (das Pendant zur Kaugummi-Fabrik in "Rabbi Jacob") eines der aufregendsten Highlights für unsere Kinderaugen, das gastronomische Setting, das in einer französischen Komödie ganz ohne Frage einen angemessen Platz findet, bot aber auch abseits davon Vergnügliches und Erinnerungswürdiges am laufenden Band. Jedenfalls braucht man kein Feinschmecker und Kenner der Haute Cuisine sein, um an dem bunten Treiben aus kulinarischen Köstlichkeiten, wie Unköstlichkeiten, familiären Verwicklungen und natürlich dem typischen Louis de Funès-Humor seine Freude zu haben. Und wenn man unsere zeitgenössische Esskultur betrachtet, macht sich "L'aile ou la cuisse" nachgerade wie ein Abgesang auf die Kunst des handgemachten Kochens, eine leibhaftige Satire auf den Triumph der Fabrikkost und schlimmstenfalls eine dystopische Vision unserer gastronomischen Zukunft aus. (Kindheitsnostalgie-Bonus: 9)

Engel der Verlorenen [醉いどれ天使 Yoidore Tenshi (Drunken Angel)] (1948)
"Yoidore Tenshi" bedeutete einen Entwicklungsschritt von grundlegender Bedeutung in Kurosawa Akiras Karriere in vielerlei Hinsicht: es war sein erstes Werk frei von Bevormundung und Einmischungen durch externe Kräfte, seine erste Film Noir, seine erste ausführliche Demonstration eines schicksalgebundenen Lehrer-Schüler-Verhältnisses, seine erste Zusammenarbeit mit Komponist Hayasaka Fumio und nicht zuletzt: die zukunftsweisende fruchtbringende Zusammenarbeit mit seinem Lieblingsdarsteller für die nächsten zwei Jahrzehnte: Mifune Toshirō. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass "Yoidore Tenshi" Kurosawas erster Film war, der voll und ganz ihm gehörte, mit Herz und Seele seinem Geist entsprang, seine Vision am unmittelbarsten zum Ausdruck brachte. Er ist ein starkes, charakteristisches Drama, das abermals und nicht zum letzten Mal das Ringen um Individualität und Freidenkertum thematisiert, ein tristes Bild der japanischen Nachkriegsgesellschaft zeichnet, sich den Bewohner der Elendsviertel zuwendet, den Verarmten, den Betrogenen, den Betrügern, den Verlorenen. Stellvertretend steht im Zentrum unbestreitbar die Beziehung von Shimura Takashis runtergekommenen, barschen Arzt zu Mifunes hitzköpfigen Möchtegern-Yakuza-Boss. Derweil der eine der Not gehorchend seine Bestimmung am Rande der Gesellschaft zu akzeptieren gelernt hat, das Beste aus seiner Lage zu machen gedenkt, in seiner Rolle des dem Alkohol zugetanen Engels der Verlorenen geradezu aufgeht, hängt der andere Illusionen an, greift nach den unerreichbaren Sternen, verleugnet für hohle Versprechungen von sinnentleerten Wohlstand, Glanz und Glamour und sinnentleerte Yakuza-Schwüre sich und die Menschen um sich herum, merkt nicht, dass er nie zu den Oberen gehört oder gehören wird, von ihnen bloß als nichtswürdiger Untertan, Tunichtgut, Strohmann, Lückenbüßer, nichtsahnender Lakai missbraucht wird - im besten Fall. Shimuras Dr. Sanada müht sich nach Kräften ab, ihm den rechten Weg zu weisen, einen Weg, der womöglich weder Reichtum noch Ruhm offeriert, der letztlich jedoch Seelenheil versprechen würde. Freilich, seine Hilfe kommt zu spät, der Indoktrinierung kann er nur schwerlich und mühsam beikommen. Am Ende folgt die bittere Erkenntnis, das Scheitern, der Sturz in einen Abgrund ohne Wiederkehr. Und doch entlässt Kurosawa den Zuschauer mit einem letzten optimistischen Hoffnungsschimmer am Horizont und dem zuversichtlichen Appell an kommende Generationen. (8)

Ein Streunender Hund [野良犬 Nora inu (Stray Dog)] (1949)
"Nora inu" knüpft an viele in "Yoidore Tenshi" erschlossene Konstituenzien nahtlos an: neben seinen Habitués (die Meister-Lehrling-Beziehung zwischen Mifune Toshirō und Shimura Takashi, Musik von Hayasaka Fumio) nimmt sich Kurosawa Akira erneut das Nachkriegs-Japan zur Brust, konzentriert er sich einmal mehr auf die Menschen am Rande der Gesellschaft. Seine zweite Film Noir profitiert enorm von den vielseitigen, authentischen Schauplätzen, die ein facettenreiches Ebenbild des von einer Hitzewelle erfassten Tokios und seiner Bewohner evozieren, welches höchst realistisch, zugleich bedeutsam expressiv anmutet. In einigen brillant inszeniert Momenten fühlt man sich richtiggehend hineingesogen in die Schattenwelt der Armut, des Hungers, der Obdachlosigkeit, fühlt sich verschwitzt, verschmutzt und erschöpft am Ende der Kräfte. Natürlich kommt dem Wetter und den Naturgewalten in Kurosawas Œuvre seit jeher eine besondere Bedeutung zu, aber ich glaube niemals wieder war die drückende Tropenhitze derart allgegenwärtig spürbar oder die Erlösung durch das mächtige Gewitter vergleichbar befreiend. In ihrer Funktion der Wiedergabe der Gemütsverfassung der Stadt und der Anspannung der Protagonisten werden sie im Zuge dessen zum besonders mächtigen Instrument, dass Kurosawa meisterlich zum Einsatz bringt. "Nora inu" erweist sich nämlich als ausgeprägt psychologisches Krimi-Drama, das das Innenleben seiner Protagonisten, Nebenfiguren, des gejagten Waffen-Diebs unnachahmlich kunstvoll und feinverflochten vermittels eines komplexes Netz der Wechselseitigkeiten aus Personen, Umständen, Lokalitäten und Stimmung nach Außen kehrt und in Verbindung zu setzen versteht, mal direkt, mal indirekt, stets subtil und bis zum Finale fesselnd. Für mich ein Meisterwerk. (9)

Das Stumme Duell [(静かなる決闘 Shizukanaru Kettō (The Quiet Duel )] (1949)
Kurosawa Akiras einzige Adaption eines zeitgenössischen Theaterstückes und theaterhaft wirkt "Shizukanaru Kettō" von Anfang bis Ende: eingezwängt in das restringierende Korsett des arg begrenzenden Klinik-Settings (abgesehen von der brillanten Eröffnungs-Sequenz im Feldlazarett), sich auf ein überschaubares Ensemble beschränkend, das ortsfest vor starren Theaterkulissen spielt, vermittelt er allumfassend das Gepräge eines faden Bühnenstücks. Dem sich unablässig im Kreis drehenden Plot des Lebens und Leidens eines moralisch aufrechten, unverschuldet an Syphilis erkrankten Arztes, mangelt es in praxi an Hingabe und Energeia. Von Kurosawa als Podest für Mifune Toshirō Schauspielkunst erdacht, schien dem Regisseur entweder wenig daran gelegen, den Vorgängen Leben einzuhauchen, oder ihm fehlte schlechtweg der Raum, um seinen ausgeprägten Stilismen nutzbringend einzusetzen. So oder so entbehrt "Shizukanaru Kettō" dringend benötigte Dynamik und Dramatik, ist darüber hinaus um ein Dilemma arrangiert, das arg konstruiert und bemüht wirkt. Sengoku Norikos Krankenschwester bleibt einer der rar gesäten Aspekte, die Interesse erwecken, derweil die Haupthandlung reichlich immobil erscheint. (5)

La Grande bellezza - Die große Schönheit [La Grande bellezza (The Great Beauty)(2013)

Skandal [醜聞/スキャンダル Sukyandaru, a.k.a. Shūbun (Scandal)] (1950)
Die japanische Presse von 1950, vor allem die vor Skandalen nur so blühenden Boulevard-Blättchen motivierten Kurosawa Akira dazu, direkte (und berechtigte) Kritik an deren schamlosen Invasion des Privatlebens anderer zu üben (zu deren Betroffenen er sich selbst zählte). Herausgekommen ist "Shūbun", ein Drama mit starker Tendenz zum Melodramatischen, bei dem Kurosawa bisweilen arg dick aufträgt, statt einer differenzierten Auseinandersetzung lieber zu Polemik greift. Ich werde das dumme Gefühl nicht los, dass Kurosawa seinem Wesen nach zu sehr Poet ist, zu emotional aufgewühlt, um dieser Form der Gesellschaftskritik eine erstrebsame diskursive Struktur, eine besonne Argumentation zu Grunde zu legen. Zu einseitig ist seine Anklage, zu platt seine Schwarz-Weiß-Malerei: die Presse bzw. die Herausgeber des beschuldigten Blättchens sind unzweideutig niederträchtige, abgefeimte Bösewichte, denen kein Mittel schändlich genug sein kann, um an ihr Ziel zu gelangen, Mifune Toshirō und Yamaguchi Yoshiko dagegen moralisch lautere Leidtragende, die sich bloß verteidigen. Die Ausnahme bildet Shimura Takashis vom Schicksal gebeutelter Anwalt, der zwar das Herz am rechten Fleck trägt, gleichwohl aus der Not heraus den Winkelzügen und Überredungskünsten des trickreichen, abgebrühten Blattmachers erliegt und zu dessen Bauernopfer wird. Tatsächlich rutscht Kurosawas Blick unversehens vom eigentlichen Kern der Handlung, dem Diskurs Pressefreiheit gegen Schmähkampagnen, ab, um an dessen Stelle in schwülstiger Weise Shimuras Charakter mitsamt Kind und Kegel, seine kläglichen Lebensbedingungen und insbesondere dessen engelsgleiche Tochter in den Mittelpunkt zu rücken. Obgleich ich poetischem Realismus bei aller Liebe zugetan bin, kann ich nicht umhin dieses Abgleiten des Erzählfokus zutiefst ablenkend und unsachgemäß zu nennen, eine Abkehr von der nüchternen Betrachtungsweise, die erforderlich gewesen wäre. Vergleichbar zu "Shizukanaru Kettō" dreht er sich mit den Gewissensbissen des larmoyanten Anwalts zudem unablässig im Kreis, lässt Shimura unablässig gequält in die Kamera grimassieren, bevor er in der finalen Gerichtsverhandlung eine Hopplahopp-Auflösung aufbietet. Tut mir leid: eine ätzende, gesellschaftskritische Abrechnung oder auch nur eine Auseinandersetzung zum Thema Presse und Meinungsfreiheit liegt Kurosawa überhaupt nicht. (5)

Rashomon - Das Lustwäldchen [羅生門 Rashômon (Rashomon)] (1950)

Gosford Park (2001)
Die Robert Altman-Julian Fellowes-Kombo bot sich nach abgeschlossener "Downton Abbey"-Sichtung geradewegs an, kann gewissermaßen ein zwingender Abschluss genannt werden. Zum einen macht es Spaß zu sehen, wie hier gewisse Elemente ihre Pendants in "Downton Abbey" vorwegnehmen, allen voran Maggie Smith, die ihre Lady Crawley bereits wunderbar prä-channelt. Zum anderen ist es aufschlussreich, Altmans weitaus weniger schmeichelhaften, minder romantisierten Perspektive auf das Adel-Bediensteten-Verhältnis beizuwohnen, deren hierarchische Bedingungen er weitaus schärfer geschnitten und bitterer abbildet. "Gosford Park" ist ein hinreißendes Ensemble-Stück, prall gefüllt mit tollen Darstellern, das sich herzlich wenig um seinen Krimi-Plot kümmert (wer eine Whodunit erwartet, ist hier gänzlich fehl am Platze) und lieber seine Figuren und ihre Beziehungen untereinander betrachtet, beobachtet und subtil kommentiert. (8)





















12 - 7,5 (89,5)

Mittwoch, November 06, 2019

Kurzreviews Oktober/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 21 Filme und 8 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Oktober gesehen habe:


Serien-Staffeln
Downton Abbey - The London Season (2013) - (7,5)
Archer 1999 (Season 10) (2018) (6-7)
Ghul [Ghoul(2018) - (5,5-6,5)
Channel Zero: Candle Cove (Season 1) (2016) - (6-7)
Downton Abbey (Series 5) (2014) - (7-7,5)
Downton Abbey - A Moorland Holiday (2014) - (7,5)
Das Büro [The Office(Season 1) (2005) - (6,5-7+)
Sandokan - Der Tiger von Malaysia [Sandokan] (1976) - (6-7)

Filme
Tad Stones und das Geheimnis von König Midas [Tadeo Jones 2: El secreto del Rey Midas (Tad the Lost Explorer and the Secret of King Midas)] (2017)
Ganz das Sequel: ein bisschen höher, schneller, lauter, derweil im Kern dasselbe kindgerechte Indiana-Jones-Abenteuer, bunt, rasant und vergnüglich, wobei die Mumie Nerv-Potential besitzt. Der sympathische Everyman-Held Tad Stones/Tadeo Jones, sowie die kreativen Action-Szenen halten allweg durchgängig bei Laune. (6)

Wrong Turn 6: Last Resort (2014)
Aus Jux und Tollerei in umgekehrter Reihenfolge: der letzte der verhalten reüssierenden Backwood-Horror-Reihe, weniger beängstigend als ungustiös, wenn es daran geht, das Familien-Erbe anzutreten, was in concreto bedeutet die Inzucht-Linie fortzuführen. Demgemäß unangenehm sexualisiert, was die Nummernartigkeit der Gewalt-Einschübe fast deutlicher zu Tage treten lässt. (4,5)

Wrong Turn 5: Bloodlines (2012)
Den fand ich unterhaltsam: die Belagerung der Polizei-Station durch die Inbreds, auf die Befreiung ihres sardonischen und widerlichen Ziehvaters abzielend, ist zwar schön-blöd logikbefreit, aber auch herzlich unsinnig niederträchtig, blutrünstig und schadenfreudig, wobei ich ihm ein Minimum an Spannung zugestehen möchte. (5,5)

Unheimliche Begegnung der dritten Art [Close Encounters of the Third Kind(1977)
Director's Cut. Steven Spielbergs stilbildender Science-Fiction-Klassiker, ein optischer Genuss, inhaltlich entzückend naiv und positiv gestimmt, bisweilen beinahe religiös in seiner Ikonographie, zweifelsohne wegweisend im Bereich der Special Effects und seiner Portraitierung der außerirdischen Fremden als freundliche, erlösende Besucher, die unseren Erfahrungshorizont natürlich ohne böse Absichten erweitern möchten. (7,5)

Die Goonies [The Goonies(1985)

Chaos im Netz [Ralph Breaks the Internet(2018)
Disney-Propaganda-Szenen à la dem hiesigen Prinzessinnen-Kabinett erzeugen bei mir inzwischen übelste Bauchschmerzen in einem Maße, das mich sonst allenfalls bei religiösen oder politischen Agitations-Machwerken überkommt. Zum Glück halten sich solche im "Wreck-it Ralph"-Sequel in Grenzen. Ralphs und mehr noch seiner Freunden Vannellopes aus dem Vorläufer bekannte Emanzipation-Bestrebungen zur Behauptung seines bzw. ihres Stellenwerts eines Individuums in einer konformistischen Gesellschaft (blanker Hohn in einer Disney-Produktion...) konfrontieren Phil Johnston und Rich Moore im zweiten Teil durchaus pointiert mit den Auswüchsen des Internets. Das geschieht wohl gemerkt ohne jemals die Sphäre einer ausgemachten Satire zu tangieren, vorsichtige Kritik mag sich nichtsdestotrotz zwischendurch bemerkbar machen. Die Darstellung der Netzwelt in Form und Gestalt einer schillernden, kunterbunten, eine Vielfalt an reizüberflutenden Eindrücken darbietenden Megalopolis, um nicht zu sagen eines Sündenpfuhls der Marke Hure Babylons, ist eine opportune kindgemäße Reifikation des komplexen abstrakten Gebildes "Internet", des unaufhörlichen Verkehrs, des ständigen Kommens und Gehens, des Miteinanders, seltener: des Gegeneinanders, allgemein des "Vernetztseins". Freilich stets versöhnlich, leicht verdaulich, unangenehme Themen höchstens dünngesät anschneidend, lieber knuffigen Verweisen und Anspielungen Raum gebend. In jedem Fall eine sympathische Variation des "Bauerntrampels, den es in die Stadt zieht", in deren Verlauf beide Charaktere eine nachvollziehbare Wandlung durchlaufen und an ihren Konflikten reifen. (7)

Joker (2019)
Der Aufreger der Saison, das Massenphänomen, der R-Rated-Erfolg (der dankenswerterweise den unsäglichen "Deadpool" vom Thron der gewinnträchtigsten R-Rated-Erfolge gestoßen hat), der rohe Psychopath im Comic-Einerlei, der aufbegehrende Underdog, der Beweis, dass aneckende, Risiken in Kauf nehmende Filme genauso Kasse machen können und dass das Kino nicht verkümmernd auf brachiale Publikumsverblödung à la Disney kontingentiert werden muss...
Manch einer mag Todd Phillips vorwerfen, einen platten Abklatsch von Martin Scorseses "Taxi Driver" fabriziert zu haben und das nicht von ungefähr: Parallelen, Zitate und Referenzen sind überdeutlich vorhanden, er sucht regelrecht ostentativ die Nähe zum legendären großen Bruder. Allein, wo die einen Plagiat schreien, halten andere das Konzept der Pastiche oder Hommage dagegen. Für mich persönlich kommt die Umdeutung und Rekontextualisierung der gefährlichen, psychopathischen Innenansicht und Weltanschauung eines Travis Bickle als Joker-Origin-Story einem kleinen Genie-Streich gleich: die Transponierung von Themen, zuzüglich zu stilistischen und formellen Eigenarten, der fragwürdigen Erzählperspektive, der unmittelbaren Exponierung des Innenlebens des Charakters, der sich der Zuschauer in der Folge ausgesetzt sieht, der unverhohlenen politischen Brisanz auf den beliebten und berüchtigten Comic-Bösewicht bietet sich vorbehaltlos an. Zumal "Joker" auch abseits seiner "Taxi Driver"-Affinität genug Eigenständigkeit zu bieten weiß. Zuvorderst ist er keineswegs die einfallslos lineare Provenienz-Geschichte des 08/15-Marvel-Helden, die nichts weiter zu erzählen hat, außer das Übermensch A von Punkt B nach Punkt C gegangen ist, um Superheld X zu werden und ERJB Y zu besiegen. Live. Die. Repeat.
Joaquins Phoenix Joker dahingegen ist eine verlorene Seele, ein von vorneherein gebrochener Mann, ein allein gelassener Außenseiter, eine arme Sau, ein Mensch auf der Suche nach Zuwendung, Zugehörigkeit und einer Identität, von der er glaubt, sie der ihn umgebenen Gesellschaft gefällig formen zu müssen. Geplagt und verstört gerät er dergestalt in einen unaufhaltsamen Strudel aus Gewalt und Aversion gegenüber seiner psychischen Disposition, zurückgestoßen, sich selbst überlassen, verlacht. Anknüpfpunkte und helfende Hände sucht er vergebens.
Wenig überraschend gerät dies zur schauspielerischen Tour de Force für Phoenix, der den bemitleidenswerten Tropf Arthur Fleck eine erschreckend intensive Performance beschert, der beizuwohnen zum schmerzhaften Zeugnis gerät. Konsequent ist man an seine Perspektive, seine Sichtweise der Dinge, seiner Version der Geschehnisse gebunden und muss sich mehr als einmal fragen, ob das, was man soeben zu sehen bekam, tatsächlich der Realität entsprach oder nicht doch einem Gespinst des Wahns der Hauptfigur entsprang. Man ist gefangen im Kopf des Protagonisten, teilt seine Erfahrungen, nimmt Teil an seinen Demütigungen, sieht die Welt durch seine Augen - und die Welt, die einem solcherart begegnet, ist ein kaputter, kalter, abweisender Moloch, der einem nichts als Feindschaft und Zurückweisung entgegenzubringen vermag. Das auf dieses Martyrium der Befreiungsschlag mittels der gewaltsamen Ablehnung der ihm angedachten Rolle in der Gesellschaft folgt und er in deren Anti-These aufgeht, wird gemeinhin als Aufforderung zur Revolution und Griff zur Waffe fehlgedeutet. Aus dem einfachen Grund, dass vielfach eine Kausalität in konsekutiver Geradlinigkeit postuliert wird, die in diesem Fall einfach nicht gegeben ist, viel mehr eine komplexe Interdependenz zwischen den verschiedenen Einflüssen und Faktoren vorherrscht. Fraglos birgt seine Apotheose zur in Wahrheit unverschuldeten und unbeabsichtigten Inkarnation der wütenden Masse und sein kurzfristiger Weg dorthin einiges an brisantem Diskussionspotenzial. Wohingegen expressis verbis darin der Reiz von "Joker" liegt, dass man sich argumentativ nicht bloß auf den Höhepunkt von Arthur Flecks Leidensweg, auf sein Aufgehen in der gewalttätigen Gestalt des Jokers beschränkt, sondern die Treppenstufen dahin begreift und Empathie entwickelt. Wehret den Anfängen. Denn in dem Fall wäre ein Joker für die Pop-Kultur und die Gesellschaft gar nicht erst von Nöten. (8,5)
Taxi Driver (1976)
Da es gerade passt: Martin Scorseses legendärer Neo-Noir, ein moralisch zutiefst und bewusst ambivalentes Bild eines in der Gesellschaft gestrandeten und verlorenen Mannes, einerseits vor dem thematischen Hintergrund des Vietnamkriegs und der Watergate-Affäre zeitgebunden, andererseits von universeller Relevanz (was ein "Joker" nachdrücklich unterstreicht), ein Ausschnitt eines prekären Aspekts der Gesellschaft, ausdruckstark gespielt von Robert De Niro, nachhaltig und überkommend inszeniert. Gehörte nie zu meinen Lieblingen, ein überlebensgroßes Ding ist er nichtsdestoweniger, speziell aufgrund seiner Ambiguität. (8)

Parasite [기생충 Gisaengchung(2019)
Bong Joon-hos bissige Sozial-Satire ist zunächst einmal wunderbar räumlich dreidimensional: lustvoll kostet er jeden seiner Schauplätze maximal aus, vergrößert, engt ein, bewegt und transformiert Zimmer, Gemächer, Innen- und Außenareale korrespondierend zu seinen Protagonisten, körperlich wie geistig. Unter diesen Bedingungen wird die Illustration des Klassenkampfes zu einer in höchstem Maße plastischen Angelegenheit: Aufstieg und Fall, Täuschung und Entlarvung, Armut und Reichtum, die kleinste soziale Ungleichheit, all das findet seine Entsprechung in ausgedehnten oder beengenden Räumlichkeiten, im architektonischen und landschaftlichen Auf und Ab, sowie in den kataklystischen Folgen der Naturgewalten, welche die einen unbeschadet überstehen, alldieweil die anderen um alles kämpfen müssen. Joon-ho bewegt sich in diesem teuflischen Reigen der Gesellschaftsschichten auf einem schmalen Grat zwischen lakonischen Humor und bitterem Drama, lässt seine Protagonisten einen riskanten Spießrutenlauf absolvieren, bis am Schluss unweigerlich und gnadenlos die Katastrophe über alle ohne Ausnahme hereinbricht, ganz gleich ob arm oder reich. Alle schmieden sie Pläne und hängen Zukunftsvisionen an, von Blindheit geschlagen, dass sie ein ungerechtes System dadurch bloß bestärken, gleichwohl niemals überkommen werden. Und somit finden sie sich in einem hoffnungslosen Teufelskreis, einer stumpfen Diallele gefangen. (8)

Annabelle 3 [Annabelle Comes Home(2019)
Das "Conjuring"-Spin-off "Annabelle" war ein Rohrkrepierer vor dem Herrn, sein Prequel "Annabelle: Creation" (ebd.) in Angesicht dessen eine nicht zu unterschätzende positive Überraschung und Teil 3 ist... in jeder Hinsicht ein Franchise-Produkt, nett formuliert: eine bessere Trailershow für weitere potentiell ausschlachtbare Spin-off-Grusel-Fratzen aus der Abstellkammer der Warrens, dargebracht in Gestalt einer mäßig schaurigen Geisterbahnfahrt vorbei an den verschiedenen angestaubten, in den Regalen des Hinterzimmers versauernden Spuk-Erscheinungen, als wolle man ausloten, welche von diesen beim Publikum gut genug resonieren, um ihnen ihre eigenen Ableger zu spendieren. Ist das gruselig? Nein. Vollends durchschaubar ohne Frage. (4)

Unknown Identity [Unknown(2011)
Die erste der Jaume Collet-Serra-Liam Neeson-Kollaborationen, ein grundsolider, fesselnder Reißer mit Hitchcock'scher Prämisse, der seinen Protagonisten in fremder Umgebung, dieses Mal das altbekannte Berlin, aussetzt, die Identität raubt und in der Folge gnadenlos die Jagd auf ihn eröffnet, Bourne-Assoziationen inklusive. Schwächelt nach Hinten raus, ansonsten verlässliches Action-Thriller-Terrain. (6,5)

96 Hours [Taken(2008)

Höllenfahrt nach Santa Fé [Stagecoach(1939)
aka "Ringo". John Fords vielbeschworener Western-Klassiker, der den Grundstein für seine langjährige Partnerschaft mit John Wayne legte bzw. Waynes Karriere erst richtig durchstarten ließ. Eine meisterhafte Sektion eines Mikrokosmos verschiedener Repräsentanten von Archetypen der Gesellschaft, eingefangen und verdichtet in der Enge der eponymen Postkutsche, konterkariert vermittels der endlosen Weite der Prärie, imposant gefilmt, gen Ende gar inklusive für die Zeit beeindruckender Stunts. Ein Meisterstück! (8)

Downton Abbey (2019)
Ein Geschenk an die Fans der Serie mit Herz und Seele. Man mag stänkern, dass es sich hierbei inhaltlich und strukturell um einen besseren Zweiteiler handelt, der nicht zwangsläufig den Umweg über die große Leinwand nötig gehabt hätte. Aber warum sollte Fans das kümmern? Im Gegenteil hat es was Herzbewegendes, das Anwesen Downton Abbey in schwelgerischen, glanzvollen Breitwand-Aufnahmen zu genießen, obendrein die Lords und Ladies mitsamt Bediensteten im prächtigen Kinoformat ausgelassen tanzen, leiden, lieben und konspirieren zu sehen. Jeder bekannte und liebgewonnene Charakter hat im Rahmen der Möglichkeiten seine Szene und offen gelassene Entwicklungen des finalen Weihnachts-Specials werden für alle zufriedenstellend abschließend ausformuliert. Sicherlich leichte Muse und nichts für Anti-Royalisten (es sei denn, man ist wie ich ein kleiner Brenson, ergo den Crawleys und ihrem pompösen Adelsleben unerklärlicherweise zugetan), ein wunderschönes Wiedersehen ist es demungeachtet alle Male. Nicht zu vergessen: sollte es der Letzte bleiben, wäre der Kinofilm ein herzbewegender Abschied vom Highlight der gesamten Serie: Maggie Smith(7,5)

Judo Saga - Die Legende vom großen Judo [姿三四郎 Sugata Sanshirō (Sanshiro Sugata)] (1943)
Kurosawa Akiras Debut (sieht man von "Uma" ab), noch im Klima der Zeit und unter Zensurregiment Japans während des Zweiten Weltkriegs entstanden, weswegen unter anderem 17 Minuten aus dem fertigen Produkt geschnitten wurden und wahrscheinlich unwiederbringlich verloren sind. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist "Sugata Sanshirō" eine bemerkenswert eigenständige, stilsichere und vor allem ungewöhnlich introvertierte Betrachtung seines Heroen Sanshirō und seines Werdegangs. Das auf dem Weg zum unbesiegbaren Judo-Meister infolge der Zensuren unbillige Lücken entstehen, die in meiner Fassung unter Zuhilfenahme von Texttafeln zu überbrücken versucht werden, trübt den Gesamteindruck, was nicht daran rüttelt, dass bereits Kurosawas offizielles Erstlingswerk ein starkes und bildkräftiges Stück Kino darstellt. (7)

Pets 2 [The Secret Life of Pets 2(2019)
Numero uno ist ein von mir gerne angeführtes Beispiel für den Typus "hyperaktiver Animations-Kinderfilm", seine Weiterführung hat mich anfänglich sogar derart angenervt, dass ich kurz davor war, der Chose ein Ende zu bereiten. Glücklicherweise fängt er sich und nachdem er seine unterschiedlichen Einzelepisoden auf den Weg gebracht hat, habe ich mich doch noch gut unterhalten gefühlt. Im besonderen Harrison Ford in der Rolle des lapidaren Farm-Hundes Rooster reißt einiges wieder raus. "Pets 2" ist zudem stellenweise hinreißend schön animiert (6,5)

Wir [Us(2019)
Jordan Peeles zweiter Soziopolitischer Horrorfilm nach dem erfolgreichen "Get Out" gehört wie dieser zu dem Typus Horror, der zu schlau für sein eigenes Wohl ist, bzw. der sich zu schlau fühlt, als ihm in Wahrheit gut zu Gesicht steht (siehe auch: "Hereditary"). Ich meine damit, dass er ca. in der ersten halben Stunde zugegeben effektiv eine beängstigende, lauernde Bedrohung aufbaut, alsbald jedoch sich besser darin gefällt, sein verkopftes Szenario auszubauen, stärker einer Satire zuneigt. Das macht er wohlgemerkt nicht schlecht, zumal er mit guten Darstellerleisungen punktet, seine Intensität hält er hingegen nicht aufrecht und präsentiert uns sein Plädoyer gegen soziale Ungleichheit auf dem Umweg einer hanebüchene Science-Fiction-Horror-Mär, die derart abstrus ausfällt, dass sie kaum eine Verbindung zur Realität herzustellen vermag (geschweige denn ängstigt), allerhöchstens im exegetischen Bereich, wenn Peele in einer Vielzahl an Szenen "ask me what it means" zu schreien scheint (wenigstens in dieser Hinsicht nicht in einem vergleichbar über die Strenge schlagenden Maße wie der hohle "Hereditary"). Alles nicht verkehrt und auf einem wichtigen gesellschaftskritischen Grundgedanken fundiert, eine sonderlich durchdringende Wirkung stellte sich bei mir dahingegen nicht ein. Musik und Schluss-Twist mochte ich indes. (7)

Am allerschönsten [一番美しく Ichiban utsukushiku (The Most Beautiful)] (1944)
Kurosawa Akiras zweites Schaffen steht nachdrücklicher unter dem Propaganda-Scheffel und wird in dieser Weise zu seinem ambivalentesten Frühwerk: die teils im dokumentarischen Stil dargebrachte Geschichte einer Gruppe Fabrikarbeiterinnen, die Präzisionslinsen für den Kriegseinsatz herstellen und in Zeiten des Notstands sich selbst aus freien Stücken zum Wohle des Vaterlands an die Grenze des Belastbaren und Menschenmöglichen treiben, geizt nicht mit patriotischen Gesten, fröhlichem Liedersingen von Stücken, die vom Sieg der japanischen Krieger über die mongolischen Horden handeln, hingebungsvoller Marschkapellen-Aufmarschiererei und allgemein an den Tage gelegte Opferbereitschaft für die größere Sache. Auf der anderen Seite verblüfft Kurosawa, neben der allgegenwärtigen Leidenschaft, die in Bildern und Inszenierung ruht, vermöge der tiefen Sensibilität gegenüber seinen Protagonistinnen (tragende weibliche Rollen sind im Œuvre des Regisseurs ohnehin eine bezeichnende Ausnahme), von denen er einzelne gezielt herauspickt und ihr Einzelschicksal immer mal wieder in den Fokus rückt. Bei Kurosawa rangierte "Ichiban utsukushiku" ganz oben auf der Liste seiner eigenen Lieblingsfilme, womöglich nicht zuletzt, weil er Hauptdarstellerin Yōko Yaguchi bei den Dreharbeiten kennen und lieben lernte. Woran es auch liegen mag: Beachtung verdient er allemal. (7)

Sugata Sanshiro Fortsetzung [續姿三四郎 Zoku Sugata Sanshirō (Sanshiro Sugata Part II)] (1945)
aka "Judo Saga II". Das Kurosawa Akira von der Propaganda-Abteilung aufgezwungene Sequel (Trivia: der Verlautbarung nach eines der ersten Sequels, dem ein frugales "Teil 2" an den Titel angehängt wurde), dementsprechend wenig begeistert runtergekurbeltes Loblied auf den japanischen Kampfesgeist und Wiederstandwillen gegenüber den niederträchtigen Amerikanern, die ins nachteilige Licht zu rücken das Drehbuch keine Gelegenheit auslässt (Sanshirōs müheloser Sieg gegen den überheblichen US-Boxer gleicht einer für den Amerikaner blamablen Stummfilm-Slapstick-Komödie). Insofern hat Kurosawa vielen modernen chinesischen Martial-Arts-Filme (etwa "Fearless" oder "Ip Man", mehr noch "Ip Man 2") die Blaupause geliefert, wie man traditionsbewusste und moralisch lautere Kampfsportler, die ihre altehrwürdige Kampfkunst gegenüber dem modernen westlichen Mächten erfolgreich verteidigen, in Szene zu setzen hat. Drum würde ich "Zoku Sugata Sanshirō" zu Kurosawas unter der Aufsicht des japanischen Zensor-Rats entstandenen zugänglichsten, da weitestgehend ambitionslosesten Werken zählen. Gleichwohl blitzt Kurosawas Talent selbst hier unverkennbar auf, hauptsächlich beim Subplot um die Rivalität zwischen Karate und Judo, insbesondere hinsichtlich des Schicksals Tsukigata Ryūnosukes einstmaligen Widersachers aus dem Vorgänger, sowie des schönen Finales mit dessen Brüdern. (6,5)

Die Männer, die dem Tiger auf den Schwanz traten [虎の尾を踏む男達 Tora no o wo fumu otokotachi (The Men Who Tread on the Tiger's Tail)] (1945)
Kurosawa Akiras nächstes Projekt entstand in der turbulenten Zeit des letzten Kriegsjahres und des Übergangs: die Niederlage stand bevor, die japanische Zensur ging, die der amerikanischen Besatzungsmacht kam. Kreativ erdrückt von den Rahmenbedingungen geriet Kurosawas Adaption des Kabuki-Stücks "Kanjinchō" zu einer ungemein knapp gefassten, theaterhaft komprimierten Bearbeitung des Ursprungsmaterials. Abgesehen von dem Umstand, dass "Tora no o wo fumu otokotachi" die Ehre zuteilwird, Kurosawas erster Jidai-geki eiga zu sein, ist das Endresultat ein schnörkelloses, makelloses, besonders in der zentralen Szene am Grenzposten hochspannendes Drama, aufgelockert durch den an das amerikanische Kino gemahnenden Comic Relief-Charakter Enomoto Ken'ichis, einem beim japanischen Publikum beliebten Komödianten. Hervorragen tut einmal mehr Sugata Sanshirō-Darsteller Fujita Susumus nuanciertes Spiel, das bis heute Zuschauer rätseln lässt, ob er Yoshitsune und sein Gefolge erkannt hat oder nicht. (7,5)

Kein Bedauern für meine Jugend [わが青春に悔なし Waga seishun ni kuinashi (No Regrets for Our Youth)] (1946)
Kurosawa Akiras erster Nachkriegsfilm, der sehr zum Missfallen des Regisseurs mehrfach umgeschrieben wurde, ist angesiedelt vor dem Hintergrund des Takigawa-Vorfalls, in dessen Verlauf der Universitäts-Professor Takigawa Yukitoki von seinem Lehrstuhl an der Universität Kyoto gefeuert und ein Student wegen Hochverrats hingerichtet wurde. Allerdings stellt dieser Zwischenfall bloß das Stimulans dar, welches die Handlung in Gang setzt, deren Hauptaugenmerk auf Hara Setsukos Yagihara Yukie und ihrer Suche nach Erfüllung, nach dem, was das Leben ausmacht, liegt. Ihr Entwicklungsweg ist eng verknüpft mit denen zweier Studenten, von denen der eine sich dem Konformismus beugt, alldieweil der andere sich politisch engagiert, was ihm im Endeffekt zum Verhängnis wird. Ihre Verbindung zu letzterem (bravourös: Fujita Susumu) wird auschlaggebend für ihr existentialistisches Streben, das auf die Gegenwehr des beschränkten, ignoranten Gesellschaftsdenken trifft, dafür im Triumph dieses Strebens mündet. In ihrem über zwölf Jahre währenden Existenzkampf spiegelt sich deutlich Kurosawas Philosophie, wie auch das Nachkriegs-Japan, das sich ähnlich neu zu finden und zu orientieren hatte. Dabei ist Regisseur und Drehbuchautor Kurosawa weniger an politischen Verwicklungen gelegen als am seelischen Fortgang seiner Protagonistin, überwältigend verkörpert von Hara Setsuko und, sieht man von "Ichiban utsukushiku" ab, die einzige weibliche Hauptakteurin in seinem Schaffenswerk. Trotz Problemen bei der Produktion aufgrund von Einmischung dritter sind Kurosawa einige exzellent arrangierte Sequenzen gelungen, welche die Figurenkonstellation und Aufgewühltheit Yukies ausdrucksvoll wiedergeben. (8)




















21 - 6,9 (144,5)

Dienstag, Oktober 22, 2019

Kurzreviews September/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 17 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat September gesehen habe:


Serien-Staffeln
Voll daneben, voll im Leben [Freaks and Geeks(Season 1) (1999-2000) - (7,5-8,5+)
Marianne (Season 1) (2019) - (6,5-7+)
El Hierro - Mord auf den Kanarischen Inseln [Hierro(Season 1) (2019) - (7-7,5)
Downton Abbey (Series 4) (2013) - (7-7,5)
Chernobyl (2019) - (7,5-8,5)

Filme
10 Cloverfield Lane (2016)
Mary Elizabeth Winstead und John Goodman sind die halbe Miete (über John Gallagher Jr. lässt sich gleichfalls nichts Schlechtes sagen), ansonsten ist das zwar ein manierliches Kammerspiel und nicht unspannendes Psychoduell Winstead gegen Goodman, sehr viel mehr jedoch nicht. (6)

The Hallow (2015)
Auf das Wesentliche konzentrierter Horror, der sich bei klassischen irischen Gruselstoffen zu bedienen scheint und damit ganz gut fährt: ein bisschen garstige Naturgeister und -mystik hier, ein bisschen Body-Horror da, ein Kampf auf verlorenen Posten gegen eine zunehmend eskalierende Bedrohung und die ein oder andere Härte. (6)

The Boogey Man (1980)
Von Ulli Lommel erwarte ich weiß Gott keine Großtaten. Offen gesagt gefiel mir die scheinbar seicht psychologische Ausrichtung zu Beginn sogar, bis Lommel sich dann doch entscheidet, lieber wahl- und ziellos beim kontemporären Slasher zu räubern und zu einem inhomogenen Mischmasch zusammenzukleistern. Obendrein verliert er die Protagonisten an einer Tour aus dem Blickfeld, um irgendwelches egales Teenie-Kanonenfutter im Vorbeigehen zusammenhanglos durch den Fleischwolf zu drehen. Sonderlich beängstigend ist das nicht und was das mit dem "Boogey Man" zu tun hat, wo doch die meiste Zeit ein unheimlicher Spiegel die mörderischen Signale emittiert, erschließt sich einem ebenso wenig. (3)

Long Weekend (1978)
Der bedauerlicherweise sträflichst vernachlässigte Mensch gegen Natur-Thriller aus Australien, komprimiert in seinen Mitteln und Wegen, gleichzeitig komplex in seinem Themenkreis, dessen einzelne Facetten sich ungeahnt überschneiden und beeinflussen, allgemein untereinander ein feinmaschiges Netz aus Bedeutungszusammenhängen bilden. Ein ungemein verdichtetes Drama, das seine Protagonisten attackiert, verletzt, entlarvt und entblößt, sie hin und her wogen, letztlich wie die unglückselige, verdammte Mannschaft eines leckenden, in Seenot geratenen Schiffes ins selbstverschuldete Verderben fahren und an den Klippen ihrer eignen von Blindheit geschlagenen Ignoranz zerbersten lässt. Ein außerordentliches, subtiles Meisterwerk in Form und Inhalt von in Kürze schwer erfassbarer Vielschichtigkeit. (9)

Long Weekend (2008)
30 Jahre später versuchte sich Jamie Banks an einem Remake des Geheim-Klassikers, wobei der Regisseur der nahezu makellos zwingenden Schlüssigkeit und Geschlossenheit des Originals wenig hinzuzufügen wusste, sodass er sich darauf beschränkte, Colin Egglestons Werk annähernd eins zu eins nachzustellen, maximal punktuelle Variationen beizutragen. Drum erweist sich "Long Weekend" 2008 in der Hauptsache als derselbe Film, eine manierliche Mimikry-Leistung, deren wenige Änderung indessen das, was keiner Änderung bedurfte, minimal aufbrechen. (7)

Once Upon a Time in... Hollywood (2019)
Exakt das, was Titel und Regisseur versprechen: ein Hollywood-Märchen, eine hingebungsvolle Hommage, eine Quentin Tarantino-Meta-Fantasie (in dem er endlich wieder ausgiebigst seinem Fuß-Fetisch frönen durfte...). Ich würde sogar wagen, ihn als Tarantinos "Ed Wood" zu bezeichnen: wie Tim Burton hat er niemals zuvor in vergleichbarer Weise seinem Medium seine Liebe offenbart, es vergleichbar betont in den Mittelpunkt seines Schaffens gestellt (sic!), wie Burton gibt er sich mit Haut und Haar der märchenhaften Verklärung seines Sujets und seiner Charaktere hin, insbesondere Sharon Tate betreffend, wie Burton schwelgt er schwärmerisch im Reich seiner Leidenschaft, schöpft Macht aus der Kraft der Fiktion. "Once Upon a Time in... Hollywood" ist Tarantinos zutiefst persönliche, schwärmerische, romantische Liebeserklärung an das Filmemachen, den 60er-Jahre-Film, den er speziell über die doppelbödige Brad Pitt-Leonardo DiCaprio-Kombination repräsentiert, und die Zeit des Umbruchs, die diese Epoche des Kinos darstellt, nicht zuletzt an seine Märchen-Prinzessin, der er das Happy End schenkt, dass ihr im wahren Leben beklagenswerter Weise nicht vergönnt gewesen war. Sozusagen nimmt er sie und alle anderen Figuren vor der Gefahr, die durch die harte Realität entsteht, in Schutz, überkommt jene vermittels der Macht des Kinos, liefert zudem das, was die Geschichte den Opfern schuldig geblieben ist: genüsslich brutale, blutige, gnadenlose Rache an ihren Peinigern, welche Tarantino schonungslos degradiert und über die er mittels seines Mediums triumphiert, so wie er das Kino in "Inglourious Basterds" einst erfolgreich über den Faschismus triumphieren lies. (8,5)

Wolfen (1981)
Sträflichst vernachlässigt zum Zweiten: Michael Wadleigh packender und atmosphärisch ungemein dichter urbaner Horror-Thriller fristet leider nach wie vor ein unseliges Schatten-Dasein in der Domäne der Geheimtipps. Fraglos verbirgt sich unter dem Genre-Deckmantel eine nicht allzu subtile Ökobotschaft. Das lindert die Wirkung des erschreckend alptraumhaften Porträts städtischer Abgründe und Abstumpfung hingegen keineswegs, im Gegenteil verknüpft Wadleigh die mystischen, übernatürlichen Elemente geschickt mit Bildern der in Trümmer liegenden South Bronx, den politischen Verwicklungen und Albert Finneys zynischen Noir-mäßigen Ermittler, der sukzessive das Schlummernde, Verdrängte wiederentdeckt, welches der aggressive, skrupellosen Urbanisierung zusehends zum Opfer fällt und ihr ihre Rücksichtslosigkeit gewissermaßen in gleicher Weise heimzahlt. Obschon der Aspekt der Indianer-Mystik somit die Grundlage für die dezent eingesetzten übernatürlichen Vorkommnisse konstituiert, bildet sie und der mit ihr assoziierte Kampf der Ureinwohner um den verbliebenen Rest ihrer Traditionen und ihres Lebensraumes bloß eine Teilmenge des tristen Gesamtbildes, das "Wolfen" zeichnet. (8,5)

Royal Corgi - Der Liebling der Queen [The Queen's Corgi(2019)
Kein großer Wurf, ist im Vergleich zu anderen grell-bunten, hyperaktiven Animations-Kinderfilmen wie "Pets" allerdings kaum nennenswert schlechter und natürlich durch und durch formelhaft: putzig-flauschiger privilegierter Held wird aus seinem Luxusleben gerissen und lernt eine andere, einfachere Art des Lebens kennen und lieben, garniert mit ausgefallenen, verrückten Underdog-Charakteren. Richtig in die Pötte kommt er nicht und fährt mit angezogener Humor-Handbremse, tut ansonsten nicht weiter weh. (5)

Hellboy - Call of Darkness [Hellboy(2019)
Oh weh. Womit soll ich nur beginnen (ausartender !!!Rant-Alarm!!!)?
Zunächst muss ich vorausschicken, dass ich ein großer Fan von Mike Mignolas Vorlage bin, die ich für ein über einen langen Zeitraum zur wahren Größe gereiftes, düsteres Fantasy-Horror-Meisterwerk halte, dessen Universum sich übrigens ununterbrochen weiterentwickelt. Guillermo del Toros "Hellboy" und "Hellboy II: The Golden Army" gehören ihrerseits trotz und aufgrund aller kreativen Freiheiten ganz ohne Frage zu meinen Lieblings-Comic-Verfilmungen, da sie Mignolas Werk im Kern begriffen und seine Impulse mustergültig weitergesponnen haben. Die Entscheidung des Studios, del Toros Trilogie im Geiste nimmermehr den ihr gebührenden krönenden Abschluss zu gönnen, ihr im Hinblick auf die schwächelnden Einkünfte eiskalt den Stecker zu ziehen, war eine dementsprechende immense Enttäuschung (freilich keine Überraschung). Der Ankündigung eines Reboots, das selbstverfreilich die werbewirksame Behauptung kolportierte, dass es sich mit den fremden "näher am Original"-Federn schmücken würde, stand ich infolgedessen skeptisch gegenüber. Trotz alledem und ungeachtet der katastrophalen Reaktionen wollte ich dem Reboot eine Chance einräumen, egal wie tief sich meine Erwartungshaltung auch situieren mochte. Anscheinend war bodenlos nicht tief genug...
Ich bin entsetzt. Entsetzt ob der Realität, in welchem unterirdischen Ausmaß Neil Marshall & Co. das Ding in den Satz gesetzt haben. Ihr "Hellboy" ist eine zerhackstückelte, chaotische Totgeburt, ein Möchtegern, eine abscheuliche "Deadpool"-"Transformers"-Farce, die "I, Frankenstein"-Version eines "Hellboy", ein misslungenes CGI-Gewitter gemäß dem Tom Cruise "The Mummy"-Debakel. De facto macht "Hellboy" 2019 alles falsch, versteht alles falsch, ignoriert alles, was Mignola und del Toro geschaffen haben. Er ist die von findigen Mark-Strategen gefilterte Verdummungs-Ausgabe, angepasst an die kontemporäre Superhelden-Seuche, speziell an den missglückten "Deadpool", dessen Machern, allen voran Ryan Reynolds, man zumindest zugestehen konnte, wenigstens Hingabe für ihr Projekt aufgewendet zu haben. Etwas, was sich für "Hellboy" nicht im Ansatz behaupten lässt, der dennoch versucht, seinem Helden den respektlosen, keck-unverschämten Anstrich eines Wade Wilson zu verpassen. In concreto bedeutet das ein tonal unfassbar missglücktes Oszillieren zwischen üblen Humor-Versuchen, dumme Witzeleien in den unpassendsten Momenten auf der einen Seite, verächtlich hingerotzten "ernsten" Momenten, die selbst dann hinter lustlosen CGI-Kloppereien zurückstehen, auf der anderen.
Aber das ist nicht das, was die Individualität von Hellboy ausmacht oder je ausgemacht hat. Sicherlich ist er sich weder in den Comics, noch in beiden vorangegangen Adaptionen für einen trockenen Spruch zu schade. Derweil dieses einzelne, magere Attribut für einen blendenden Nicht-Charakter der Marke Deadpool ausreichen mag (tut es in Wahrheit dort gleichfalls nicht), sind Hellboys One-Liner allerhöchstens eine Randerscheinung, seine Unverwechselbarkeit zeichnet sich alldieweil durch so viel mehr aus. Eines seiner grundlegendsten Wesensmerkmale ist etwa sein Status des Wanderers zwischen den Welten, der einesteils in das Reich der Fabelwesen und Monster gehört, anderenteils die Welt der Menschen vor seinesgleichen zu beschützen hat, sich zu diesem Zwecke auf einem Vernichtungsfeldzug wider seiner Artgenossen befindet und sich ständig im Kampf auf Leben und Tod mit Wesen befindet, denen er sich im tiefsten Innern verbunden fühlt, mit deren Motiven und Beweggründen er durchaus sympathisieren kann, sofern es sich nicht um die schrecklichsten Weltuntergangs-Strategien handelt. Dieses ich wiederhole GRUNDLEGENDE Dilemma wird im Reboot gänzlich in der Funktion einer vergessenswerten Nebenhandlung marginalisiert, eine unschöne Begleiterscheinung der Figur, die allerhöchstens arbiträr nach dem Motto "Oh, das müssen wir ja noch unterbringen" eingestreut wird, allein um sie im nächsten Moment fallenzulassen. Stattdessen werden Action und Sprücheklopfen als Kernstück des Geschehens fehlgedeutet und forciert.
Um das klarzustellen: der Einsatz von missglücktem CGI ist zwar ein (von mir dito) allzu gern herangezogener Kritikpunkt am Reboot, argumentiert am eigentlichen Kern des Problems dieser filmischen Katastrophe jedoch vorbei. Schlimmer macht sich der desaströse Umgang mit den elementaren Konstituenzien der Vorlage aus, die leichtfertig geopfert oder an den Rand gedrängt werden, um nichtssagender Nachäffung Platz zu geben. Man mag von del Toros Version halten was man will, zum mindesten wusste er sowohl Hellboys Naturell angemessen in Szene zu setzen, als auch den mythischen Wesen Gravitas und Tragik zu verleihen, derweil Marshall praktisch alle zu Witznummer herabsetzt, ein Kuriositätenkabinett von Freaks kreiert, das er regelmäßig der Lächerlichkeit Preis gibt (Milla Jovovichs Ober-Hexe, Hellboys ultimativen Endgegner wohlgemerkt, miteingeschlossen) oder zu simplen Monstern erniedrigt, einzig und allein dazu gedacht, von Hellboy blutigst und abscheulich gnadenlos zermatscht zu werden, ohne merkliche Konsequenzen für ihn selbst.
Del Toro hatte zudem im Kontrast zu Marshall sein Handlungsgerüst zu jeder Zeit im Griff, wusste um Maß und Richtung seines Stoffes. Marshall und Autor Andrew Cosby zeigen sich hingegen hoffnungslos überfordert mit dem Umfang des adaptierten Materials, bekommen all das Drama, all die Tragik, die gesamte epische Bandbreite, welche dieses Hellboys-Epos erfordert hätte, zu keinem Zeitpunkt unter einen Hut. Ständig entgleitet ihnen das Geschehen, zerfasert in Einzelepisoden, die sie nicht mehr zu einem kohärenten Ganzen zusammenzufügen vermögen. Gemessen an den Erzählungen, die sie sich aus den Comics herausgepickt haben, hätte es einer vollständig anderen Herangehensweise bedurft - die sich tonal außerdem eindeutig für eine Richtung hätte entscheiden müssen. Strukturell furchtbar unzusammenhängend und ohne durchdachte Dramaturgie steuern sie dergestalt auf ein Höhepunkt-loses Finale zu, dass einem Schlag ins Gesicht gleicht, weiß man um den Ausgang des Pendants im Comic, das sich eben nicht als halbherziges Episödchen eignet (der gesamte Nimue-Erzählbogen stellt, lässt man "Hellboy in Hell" außen vor, die Kulmination von Hellboys Lebensweg dar!), um schamlos Sequels anzuteasern (zuzüglich einer inzwischen obligatorischen, furchtbaren Post-Credit-Szene), die in dieser Form hoffentlich niemals das Licht der Welt erblicken. Überhaupt wirkt es als haben Marshall und Cosby die Vorlage weniger studiert, eher ziellos durchgeblättert, wahllos Seiten rausgerissen und willkürlich in das eigene Werk geklatscht, ohne auf den größeren Kontext und emotionalen Zusammenhalt zu achten. Da hilft es wenig, dass man viele an sich willkommene Elemente aus den Comics wiedererkennt (z.B. Ben Daimio), wenn sie ihrer grundlegenden Wesensart beraubt wurden: Mysterien und Rätsel, die in Comic-Form über Jahre hinweg Bestand hatten, werden lachhaft vorschnell aufgelöst und stümperhaft hingeschludert (wie zum Beispiel Hellboys Ursprung), Charaktere gewaltsam in ein Korsett gezwungen, dass ihnen nicht passt (Alice mutiert in der vorliegenden Form zu einer besonders nervigen und überflüssigen Kampf-Amazone, die praktisch gar nichts mehr mit ihrem Comic-Figur gemein hat) oder unsinnig ausgetauscht (warum Merlin und nicht Morgan le Fay?). Hinzu kommen der schrecklich unpassende Einsatz von Pop-Songs (man Vergleiche dies mit dieser wunderschönen, wohlüberlegten, darum herzerwärmenden Szene aus "Hellboy 2") und die allenthalben hundsmiserable Inszenierung.
Del Toro hat Kinomagie lebendig werden lassen. Marshall (ich will ihm nichts Böses, selbst ein besserer Regisseur hätte hier nichts retten können, die Schuld verorte ich habituell an den Produzenten, die kein eigenständiges Produkt, sondern ein stumpfsinniges Plagiat im Sinn hatten) hat einen furchtbaren B- bis C-Horror-Action-Film gedreht, der tut als wäre er mehr. Meine Einstellung gegenüber dem Reboot schwankt daher zwischen Wut, ob der grausamen Vergewaltigung der Vorlage, und Traurigkeit, dass für diesen Schwachsinn ein echter "Hellboy" geopfert werden musste - denn dieser wäre del Toros abschließender dritter Teil gewesen. Und kommt mir bloß nicht mit Box-Office-Argumenten, schließlich ist dieser Rohrkrepierer an den Kino-Kassen verdientermaßen krachend und abstrafend durchgefallen. Das Geld hätte also getrost an einen womöglich keine Rekorde brechenden, dahingegen allerwenigstens inhaltlich und künstlerisch zufriedenstellenden Teil 3 mit Ron Perlman verschwendet werden können. Ernsthaft! (1)

Das China Syndrom [The China Syndrome(1979)
Ein beängstigender, wenn auch einseitig geschilderter polemischer Polit-Thriller, erfüllt von einerseits berechtigter Skepsis und Kritik gegenüber den rücksichtslosen Machenschaft einer Industrie, die aus blankem Gewinnstreben auf Kosten der Sicherheit und Menschenleben am falschen Ende spart, im Störfall gar Bauernopfer ins Feld führt, andererseits nebenher an den Medien, ihrem Kratzfüßeln vor Vertretern besagter Industrie, ihrem Umgang mit der Wahrheit und nicht zuletzt ihrem weiblichen Personal. Alles zugegeben hochspannend und mitreißend dargebracht - und Jack Lemmon ist sowieso toll. (7,5)

Logic Room - Der Tod ist unberechenbar [La habitación de Fermat (Fermat's Room)(2007)
Der Thriller für die Liebhaber von mathematischen Logik-Rätseln unter den "Saw" und "Cube"-Fans, nicht unbedingt von Logik notabene, dafür ist er zu reißerisch, zieht gekonnt zunehmend die Spannungsschraube an, bietet Wendungen am laufenden Band und erhöht den Druck auf Probanden und Zuschauer gleichermaßen. (6,5)

Der große Eisenbahnraub [The The Great Train Robbery(1903)
Kann man nicht viel zu sagen, ein exemplarisches filmhistorisches Dokument, eine schnieke Frühleistung des Actionfilms, flott, temporeich und für die Zeit nicht unterschätzen innovativ. (8)

Hell's Resident [Películas para no dormir: Para entrar a vivir (Films to Keep You Awake: To Let)] (2006)

Anger of the Dead (2015)
Für einen günstig produzierten B- bis C-Zombie-Horror beinahe ordentlich, klaut sich natürlich einiges zusammen, gerne von "The Walking Dead", wirkt dadurch und aufgrund des eingeschränkten Budgets wie eine schwache Doppelfolge besagten großen Bruders. Geht schlimmer. (3,5)

John Wick: Kapitel 2 [John Wick: Chapter 2(2017)
Wie sein direkter Vorgänger chic anzuschauender Style over Substance, sieht schmuck aus, ist rasant, mit einer nicht zu verachtenden Prise Härte choreografiert und... damit hört es ehrlich gesagt auf. Darin unterscheidet sich das Sequel kaum vom Erstling, ergeht sich höchstens verstärkt in seinem verqueren World-Building eines Profikiller-Kosmos-Franchises. Unter diesen Bedingungen und dem Eindruck, dass Kapitel 2 bereits im Hinblick auf den Nachfolger im Gedächtnis konzipiert wurde, ergibt sich bestenfalls das Bild eines Zwischenstücks, eines Intermezzos, einer Sprosse auf dem Weg zum Ziel. Darin (und den unzähligen weiteren geplanten Spin-offs und Serien-Ablegern und watt-weiß-ich) nähert sich "John Wick" unangenehm der Franchise- und Serien-Struktur eines MCU oder kontemporärer Serien-Unterhaltung an. (6)

Shaun das Schaf - Der Film: UFO-Alarm [A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon(2019)
Shauns zweites Kino-Abenteuer, ein herziges, witziges, flauschiges und kuscheliges Science-Fiction-Märchen, gespickt mit liebevollen Easter Eggs und Hommagen an das Genre, nicht minder hinreißend wie sein erster Ausflug auf die Leinwand. (7,5)

John Wick: Kapitel 3 [John Wick: Chapter 3 - Parabellum(2019)
Knüpft grosso modo in allen Punkten, inhaltlich wie formell, nahtlos an den Vorläufer an. Zunächst einmal setzt er am Cliffhanger des Antezessors an und führt das durchgestylte Treiben, das durchchoreografierte Schießen, Schlitzen und Schlagen, das Sterben und Töten, sein formvollendetes Killer-Ballett übergangslos fort. Darüber hinaus bleibt Chad Stahelski seinem Style over Substance-Konzept konsequent treu, bietet ein unaufhörliches, abwechslungsreiches Action-Dauerfeuer in Hochglanzoptik, das abseits des Dauerbeschusses kaum Schritt hält. So richtig packen vermag das Spektakel demnach nicht, es fehlt schlicht ein emotionaler Überbau, den John Wicks Debüt etwa noch vorzuweisen hatte, die beste und zugleich originellste Action-Szene, der Schlagabtausch im Waffen-Museum, wo sich die Kontrahenten unter Einsatz aller sich um sie herum in Schaukästen befindlichen Hieb- und Stich-Waffen beharken, verbrät Stahelski gleich zu Beginn und erreicht niemals wieder einen gleichartigen Höhepunkt. Erfreulich ist die Beteiligung von Darstellern wie Mark Dacascos, Anjelica Huston, Yayan Ruhian oder Cecep Arif Rahman, das (aus Teil 2 wiederholte) Wiedersehen zwischen Neo und Laurence "Morpheus" Fishburne betrachte ich daneben als besonderen Gag und ein sympathisches Augenzwinkern. (6,5)























17 - 6,3 (106,5)

Montag, Oktober 14, 2019

Action Man

Ja...

Montag, September 30, 2019

Kurzreviews August/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 5 Filme und 4 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat August gesehen habe:

Serien-Staffeln
Happy! (Season 2) (2019) - (7-8,5+)
Downton Abbey (Series 3) (2012) - (7-7,5+)
Downton Abbey - A Journey to the Highlands (2012) - (7,5+)
Star Trek: Deep Space Nine (Season 7) (1998-1999) - (10)

Filme
Malta sehen und sterben [Pulp(1972)
Mike Hodges und Michael Caine zum zweiten: im Gegensatz zum trist-grauen "Get Carter" präsentiert sich "Pulp" im sommerlichen Sonnenschein Maltas, was allerdings nicht bloß einen Schauplatzwechsel ausmacht, sondern der grundverschiedenen tonalen Ausrichtung des Films gebührend Rechnung zollt, die einer regelrechten Parodie auf den Noir-Pulp-Krimi (ergo der Titel) gleichkommt. Eine reichlich trockene Parodie wohlgemerkt, ganz und gar britischem Understatement verhaftet, bisweilen entwaffnend spitzzüngig in mancher schlagfertigen Dialogzeile, nicht zuletzt qua Caines sprödem Off-Kommentar, der sich nicht zwangsläufig mit den realen Abläufen decken muss. In jedem Fall eine äußerst eigenwillige, anspielungsreiche Krimi-Komödie, wie es sie kein zweites Mal gibt. (7,5)

Das Verborgene Gesicht [La cara oculta(2011)
Dramaturgisch vergleichbar zu "El habitante incierto", schließlich krempelt Andrés Baiz ähnlich Guillem Morales die Handlung nach ungefähr der Hälfte seiner Laufzeit einfach um - was hüben wie drüben einen bis dato nicht sonderlich aufregenden Thriller kurz vor knapp die rettende Hand reicht, der bis dahin wie eine zähe Kopie von "What Lies Beneath" anmutet, ab dann zumindest die ein oder andere fiese Überraschung parat hält. (6)

La Isla mínima - Mörderland [La isla mínima(2014)
Starkes Krimi-Drama angesiedelt in Spanien kurz nach Ende der Franco-Diktatur, dessen Schrecken den Bewohnern noch merklich in den Gliedern steckt: alle wirken gelähmt, betäubt, zutiefst verunsichert, die Stimmung ist durchgehend drückend, von Misstrauen gegenüber der staatlichen Autorität im Allgemeinen, den beiden grundverschiedenen Ermittlern im Speziellen geprägt, die beide zu allem Überfluss ihr eigenes Kreuz zu tragen haben und sich im Verlauf der Ermittlungen zur Konfrontation ihrer persönlichen Vergangenheit gezwungen sehen. Die Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart, sowie das Plädoyer aus der Vergangenheit zu lernen, um nicht ihre Fehler zu wiederholen, sind Themen, die somit klar im Fokus stehen und in einem subtilen Appell an kommende Generationen münden. Verpackt ist das in der sich schleichend entwickelnden und sukzessive intensivierenden Jagd auf einen Serienkiller, die für die nötige Spannung sorgt. In gewisser Weise könnte man "La isla mínima" Spaniens Antwort auf "True Detective" nennen. (8)

Hierro - Insel der Angst [Hierro(2009)
Der Alptraum einer jeden Mutter: das eigene Kind an die Ungewissheit verlieren. Obgleich der finale Twist ein wenig zu vorhersehbar ausgefallen ist, macht Gabe Ibáñez unterstützt von Elena Anayas eindringlichem Schauspiel insgesamt einen ordentlichen Job, die Verzweiflung einer Mutter in filmische Form zu übertragen, ihrer Verlorenheit, ihrem Gefühl des Alleingelassenseins Ausdruck zu verleihen. Unter anderem erreicht er dieses Gefühl, indem er seine Protagonistin auf der Insel El Hierro gewissermaßen aussetzt, ein allgegenwärtiges Gefühl der empfundenen Feindseligkeit evoziert. Von der Stimmung her gleicht er sich der Kummer seiner Hauptfigur an, was nachhaltig das Erzähltempo drückt. Für ein Debüt anerkennenswert. (6)

Sukeban Boy [おいら女蛮(スケバン) Oira sukeban(2006)

















5 - 5,5 (27,5)

Sonntag, September 29, 2019

Kurzreviews Juli/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 9 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Juli gesehen habe:


Serien-Staffeln
Downton Abbey (Series 2) (2011) - (7-7,5+)
Christmas at Downton Abbey (2011) - (7,5)

Filme
Aktion Mutante [Acción mutante(1993)
Exzentrische Sci-Fi-Satire, ein kompromisslos belämmerter Kampf der sowohl körperlich, als auch was kriminelle Durchführungskraft anbelangt behinderten Terroristen gegen die von Schönheit besessene High Society. Wie von Álex de la Iglesia gewohnt voller kapriziöser Charaktere und absurder Situations-Komik, ein groteskes Chaos, bei dem man sich nie sicher sein kann, was als nächstes passiert, wer als nächstes über den Jordan geht und wohin sich die Figuren entwickeln, zudem deftig, wenn auch comichaft im Gewaltgrad. Freilich liegt de la Iglesia der Unterhaltungs-Faktor mehr am Herzen, weniger der ätzende Verriss der Adonis-Kultur und des Schönheitswahns. (7)

Fortress of Amerikkka (1989)
Eine etwas andere Trash-Spielart im Vergleich zum herkömmlichen Lloyd Kaufman-Wahnsinn, dennoch unterhaltsamer Action-Trash, herrlich dilettantisch, ergibt hinten und vorne keinen Sinn, doch geht flott über die Bühne. (Trash-Skala: 6)

Deep Star Six (1989)
Das zweite "Abyss"-"Alien"-Amalgam neben "Leviathan" und da Unterwasser-Sci-Fi immer geht: chic-atmosphärisches Genre-Werk, dass nie an das Niveau der großen Vorbilder heranreicht, im Rahmen seiner finanziellen, filmemacherischen, tricktechnischen Möglichkeiten nichtsdestoweniger lauschig unterhält. (6,5)

Helldriver [ヘルドライバ Nihon bundan: Heru doraibâ(2010)
Uff, was für eine irre Achterbahnfahrt durch den Nippon'schen Splatter-Wahnsinn. Nishimura Yoshihiro lässt dem Zuschauer wahrhaftig keinen Raum zum Atmen, fetzt in einem ungehörigen Tempo durch diese unglaubliche, unfassbar kreative Splatter-Odyssee epochalen Ausmaßes tief hinein ins Zombie-Metzel-Land. Trotz der für einen derartigen Horrorfilm aufgeblähten Laufzeit (die Opening Credits flimmern tatsächlich erst nach einer dreiviertel Stunde (!) über den Bildschirm) kommt de facto zu keiner Sekunde Langeweile auf, ständig ist was los, an einer Tour überraschen Nishimura und sein FX-Team mit der nächsten abgefahrenen Sequenz Gedärme filetierenden Einfallsreichtums, die die jeweils vorherige scheinbar mühelos übertrifft, bis zum schwer in Worte zu fassenden Ultra-Finale. Stets setzen Regie und Drehbuch dem Geschehen die blutverschmierte Krone auf und dieser Krone setzen sie abermals die Krone auf und so weiter und sofort. Dass das alles nicht fürchterlich viel Sinn ergibt, fällt kaum ins Gewicht, schließlich steht der Fun-Splatter-Overkill unbestritten im blutüberströmten Mittelpunkt und bei der halsbrecherischen Geschwindigkeit mit der sich alles entwickelt, kommt man schlicht und einfach nicht dazu, das haarsträubende Gesehen zu hinterfragen. Was für den einen zu viel des Guten bedeutet, rasch zu Ermüdungserscheinungen führt, bereitet dem anderen im rechten Bewusstseinszustand ein höllisches Vergnügen. (7,5)

Horny House of Horror [ファッション·ヘル(ス) Fasshon heru(2010)
aka "Fashion Hell". Schlägt in dieselbe Kerbe, gleichwohl kompakter (schlappe 72 Minuten dauert der Schalk) und weitaus weniger größenwahnsinnig angelegt, ein simpler Titten, Blut und Gedärme-Exploiter, in dem drei japanische Pornosternchen gnadenlos eine fast zu bemitleidende Clique zerhäckseln, bis am Schluss nur noch eine oder einer erschlafften Gliedes auf den verbleibenden Gliedmaßen steht. Kurzweilig! (6,5)

Edison (2005)
Hatte David J. Burke etwa eine moderne Version von "L.A. Confidential" im Sinn gehabt? Zumindest kommt es mir so vor, betrachtet man diese Geschichte einer korrupten Spezialeinheit, die sich unverhältnismäßige Freiheiten rausnimmt, im Endeffekt selbst zu kriminellen Methoden greift, dazu den Frischlings-Reporter, der sich die Aufgabe auferlegt hat, sie mithilfe eines ihrer von Gewissensbissen geplagten Mitglieder zur Strecke zu bringen, ferner... naja, halt Cameo-Kevin Spacey. Curtis Hansons exzellenten Klassiker zu reproduzieren kann bei allem Verständnis einzig vermessen genannt werden und ein solches Unterfangen wäre so oder so schwierig zu bewältigen gewesen. Ein Meister seines Faches ist Burke nicht unbedingt, die subtile Art liegt ihm nicht, dementsprechend reißerisch fällt "Edison" aus, oberflächlich die Charaktere, überspannt die Inszenierung, derweil er sich bloß scheinbar komplex gibt, im Grund genommen höchst geradlinig und vorhersehbar bis zum Baller-Finale verläuft. Bestenfalls solider Thriller. (5)

Avengers: Endgame (2019)
Woran liegt es eigentlich, dass aktuelle Disney-Blogbuster, ungeachtet ob "Star Wars" oder MCU, sich weigern einzusehen (wie ihr Publikum übrigens gleichermaßen), dass ein unnötiger, aufgepfropfter zweiter dritter Akt den Bogen deutlich überspannt, dramaturgisch übers Ziel hinausschießt und emotional im Nichts verpufft? Das hat bereits "Harry Potter and the Deathly Hallows Un, Dos" und "The Hobbit" nicht gutgetan, den ohnehin schwachbrüstigen hauseigenen "Rogue One" und "Star Wars: Episode VIII - The Last Jedi" hat es den (fälligen) Todesstoß versetzt.
"Avengers: Endgame" reicht das Endspiel zum Endspiel nach, folgt damit dem Trend, den Abschluss einer mehrteiligen Film-Reihe aufzuteilen (ohne es Teil 2 nennen zu müssen, die cleveren Schlingel), nicht weil es gilt, die längere Laufzeit erzählerisch oder künstlerisch nutzbringend auszufüllen, sondern um dem Publikum die letzte Runde ein zweites Mal verkaufen zu können, noch mal kräftig abzukassieren, bevor man endgültig den Deckel draufmacht. Dass dabei aufeinander angewiesene Hälften eines Ganzen gewaltsam getrennt, sie dramaturgisch nachgerade zerschlagen werden, gerät vollständig zur Nebensache, Hauptsache ist die Kasse stimmt. Dabei gefällt "Endgame" anfänglich dadurch, sich nicht von Anfang an als bunte Superhelden-Klopperei zu geben. Die Leftover-Stimmung zu Beginn ist zunächst eine gelungene Wiederaufnahme der dramatischen Ereignisse von "Infinity War", die Marvel natürlich nicht konsequent schwermütig verfolgt, sondern durch lustige Auftritte von Professor Hulk, dem fett gewordenen Thor oder Ant-Man auflockert. Ja nicht dahin gehen, wo es wehtut. Wenig überraschend sind die verbleibenden Heroen flugs bei der Hand mit dem immer hanebüchenen Allzweck-Rettungsring einer Zeitreise, die darauf abzielt, Thanos berühmt-berüchtigtes Fingerschnippen umzukehren. Das artet in einem zum Mindesten unterhaltsamen Heist-Movie aus, wenn sich kleinere Helden-Grüppchen in unterschiedlichen Zeit-Ebenen die Infinity-Steine zurückholen müssen. So kreativ waren die MCU-Filme schon lange nicht mehr, zumal es sogar Raum schafft für den ein oder anderen Charaktermoment, beispielsweise das Aufeinandertreffen von Stark Junior und Senior. Im Finale des Finales des Finales gibt's dann nochmal zünftig aufs Maul, was zu diesem Zeitpunkt selbstverfreilich lediglich eine pflichtschuldige Dreingabe darstellt, eine überraschungsfreie, obligatorische Massenschlägerei ohne Witz und Esprit (inklusive einer hochnotpeinlichen, anbiedernden Zurschaustellung starker Weiblichkeit, die deswegen unnötig und blamabel wirkt, weil die Heldinnen bereits auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen streiten, eine bekräftigende Szene wie diese gar nicht nötig gehabt hätten, die sie letztlich doch nur wieder kategorisiert (eine gelungenere Auseinandersetzung dazu liefert übrigens"Astro City" mit Winged Victory)), an deren Ende Thanos, was sonst, den Helden unterliegt und alle wieder brav ihr Franchise fortführen können.
Der Eindruck eines unter großen Mühen und schmerzlichen Opfern errungener Sieg stellt sich niemals ein. Selbst der (dieses Mal konsequente) Tod bzw. das Ausscheiden einiger beliebter Figuren geht kaum zu Herzen, verraucht wie das total misslungene Ableben eines Han Solo in "The Force Awakens", denn sie erwecken äußerstenfalls den Eindruck des "Herausschreibens" eines unliebsamen oder Franchise-müden Darstellers aus einer mittelprächtigen, langlebigen Soap Opera. (6)

Jack rechnet ab [Get Carter(1971)
Klassiker des Brit-Noir, ein kaltblütiger Gangster-Thriller vor der grau-tristen Kulisse Newcastles, dessen Kriminelle durchgehend als abgebrühte, verrohte Subjekte dargestellt werden, einschließlich Michael Caines Jack Carter, der sich realiter keinen Deut aufrechter oder anständiger verhält, zöge man den direkten Vergleich zu den von ihm zur Strecke gebrachten Widersachern, so abscheulich sich deren Vergehen auch herausstellen. Ein gefährlicher, gewalttätiger Psychopath, dessen von Fans wenig überraschend als bewunderungswürdige Coolness verklärte Kaltschnäuzigkeit ihn überhaupt erst befähigt zur sprichwörtlichen Axt im Walde zu werden, skrupellos seine Rache-Gelüste durchzusetzen und unter seinen gleichsam ruchlosen Kollegen gnadenlos aufzuräumen. In letzter Konsequenz gibt es in diesem Sumpf keine Helden, keine Gewinner, keine Moral. (7,5)

Das Urteil - Jeder ist käuflich [Runaway Jury(2003)
Solider, aufregungssüchtiger Justiz-Thriller nach John Grisham (wem sonst), zur Gänze auf den oberflächlichen Effekt hin ohne Tiefgang inszeniert, weswegen das allem zugrunde liegende Drama, immerhin die elementare Motivation der Protagonisten, unglücklicherweise zum reinen trivialen Twist-Futter verkommt. (6)



































9 - 6,4 (58,0)

Freitag, September 27, 2019

Kurzreviews Juni/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 7 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Juni gesehen habe:


Serien-Staffeln
Downton Abbey (Series 1) (2010) - (7-7,5)
Das Geheimnis von Twin Peaks [Twin Peaks(Season 2) (1990-1991) - (7-9)

Filme
Surf Nazis Must Die (1987)
Dieser Titel und Troma... das muss zwangsläufig die Erwartungen und Vorstellungskraft von abgründigen Trash-Fans schüren! Umso verwunderlicher das Ergebnis, das weitestgehend grelle Trash-Unterhaltung à la Lloyd Kaufman umschifft: "Surf Nazis Must Die" scheint in einer nie klar umrissenen "Mad Max"-artigen Post-Apokalypse angesiedelt, einer verwahrlosten, verkommenen, verlassenen Welt, in deren Beton-Ruinen sich unterschiedlichste Ausprägungen von Surfer Gangs tummeln, die sich jeweils unter einem stereotypen Themen-Banner zu sammeln scheinen. Zuvorderst die niederträchtige, rücksichtslose eponyme Nazi-Gang, welche sich aus solch illustren Namensträgern wie Adolf ("Führer of the new beach"), Eva oder Mengele zusammensetzt und die die Allein-Herrschaft über den Strand anstrebt. Darin erschöpft sich das aufsehenerregende, skandalträchtige Potenzial hingegen beinahe, nach dem ersten Auftreten der "Surf-Nazis" kommt keine Fahrt auf, die Geschichte bleibt konfus, wer mit wem warum wird niemals ganz ersichtlich. Erst gen Ende zieht Peter George das Tempo allmählich an, wenn die Mutter eines von der Nazi-Gang ermordeten afroamerikanischen Ölarbeiters aus dem Altenheim ausbricht, sich wehrkräftig bewaffnet und über die Wellen-Faschos kommt gleich einem unaufhaltsamen, gichtkranken Rachegeist, der alles hinfort fegt (ernsthaft: die Nazis haben keine Chance!). Zu dem Zeitpunkt ist der Film allerdings schon fast vorbei. (Trash-Skala: 5)
Mord nach Plan [Murder by Numbers(2002)
Durchschnittlich spannender Thriller nach Alfred Hitchcock, der sich immerhin vordergründig psychologisch gibt, speziell bei den beiden Tätern und Sandra Bullocks Ermittlerin. (6)

Speed (1994)
Höchstwahrscheinlich im Bewusstsein der Allgemeinheit DER High Concept-Action-Thriller schlechthin, ein adrenalingeladener Genre-Klassiker, der das Minimal-Konzept fetzig und schweißtreibend in Szene zu setzen versteht. Zudem der einzige anguckbare Film aus Jan de Bonts gescheiterten Regie-Karriere. (8)

Tales from the Crapper (2004)
Nicht jede von Troma und Lloyd Kaufman in die Welt gesetzte filmische Kackwurst wird mit einem regenbogenfarbenen Trash-Zuckerguss überzogen ausgeliefert: das unter chaotischen Bedingungen und vor dem Hintergrund juristischen Heckmecks entstandene irgendwie-Episoden-Arschwisch "Tales from the Crapper" bewegt sich ganz dicht am Rand des selbst für Trash- und Troma-Fans bedenklich erträglichen Nicht-Niveaus. Da reiht sich ein inhaltloses, geschmacksbefreit improvisiertes Dilletanten-Schmuddelstückchen an das nächste, ohne Sinn und Verstand hintereinandergeschaltete Amateurfilmchen ratlos kreisend um Sex, Gewalt, Sex, bizarre Maskeneffekte und Sex. Erwähnte ich Sex? Sex. Ab und an auf Troma-Art unterhaltsam, muss man die Schmerzgrenze hierbei enorm hoch, die Toleranzgrenze extrem niedrig ansetzen und wenn man denkt es geht nicht niedriger, holt man sich lieber die Schaufel aus dem Schuppen. (Trash-Skala: 1,5)

Harte Jungs - Bad Boys [Bad Boys(1995)
Ein weiterer "fand ich den im Teenageralter geil"-Kandidat. Heute empfinde ich Michael Bays Allotria bemerkenswert dated, handwerklich missglückt und großflächig nervig protzig. Was paradoxerweise nicht bedeuten soll, dass ich keinen Spaß an dem Unfug hatte, "geil" ist hingegen nicht mehr die Vokabel, die ich dafür heranziehen würde. Einen fetten Dämpfer erfährt der Spaß überdies an jeder anderen Ecke, hinter der Bays aufgeblähte, sinnenstellte Manierismen hervorlinsen. (6)

Captain Marvel (2019)
Marvel/Disney-Auswürfe sind ja per se am Marketing-Reißbrett entworfene Ungetüme, befreit von jedwedem profitmaxierenden Marketing-Strategien höchstens hinderlich im Weg stehenden künstlerischen Ambitionen, intellektuellem Anspruch oder anderen überflüssigen Ballast und Unwägbarkeiten. Es allen bloß recht machen, keine Zielgruppe vergraulen, Mundgerecht verpackt, zu einer undefinierbaren Masse vorgekaut, nostalgisch gewürzt, lau aufgewärmt, alle Ecken und Kanten abgeschliffen.
Seit "Black Panther" und nun "Captain Marvel" hält hinzukommend die PC-Kultur mit wehenden Fahnen unübersehbaren Einzug ins Franchise, ersterer durch seinen sich der "Black Lives Matter"-Debatte anbiedernden Gestus, letztere durch eine pseudo-feministische Ausprägung. Derweil beide hehre, wichtige Anliegen hegen, wirken sie in diesen beiden der misslungensten MCU-Beiträge frappant deplatziert, einerseits zwar in den Mittelpunkt gerückt, andererseits infolge des bequemen, leicht konsumierbaren, jeden Diskurs-Anknüpfpunkt vermeidenden Naturell der MCU-Fließbandindustrie unsachgemäß marginalisiert, obendrein fürchterlich trivialisiert. Man kann und darf solche unsere Gesellschaft belastendende, zutiefst die Gemüter erregenden Problematiken nicht zur Diskussion stellen, wenn man erstens sich den entsprechenden Gruppierung einzig und allein deswegen marketingtechnisch motiviert gefällig gibt, um für sie einen Köder auszulegen, der sie zum Kauf verleiten soll, ohne auf ihre Sorgen, Bedürfnisse und Forderungen eingehen zu müssen, sowie zweitens keine Stellung zu den dargebrachten Streitpunkten bezieht, die heiklen Themenkomplexe um alles bereinigt, was sie überhaupt erst ausmacht, sie aller diskursiven Energie beraubt, darauf abzielend niemanden auf die Füße zu treten, ja niemanden zu verprellen und vom Konsum abzuhalten. Das kann bei derart komplexen Brennpunkten überhaupt nicht funktionieren, was unter anderem die problemlose Vereinnahmung von "Black Panther" durch übereifrige PC-Zeloten wie diverse Alt-Right-Gesinnungsgenossen gleichermaßen in aller Deutlichkeit demonstriert. Letzen Endes will Marvel freilich gar nichts zur Diskussion stellen, weswegen dieses rein kosmetische PC-Getue bei beiden im munteren argumentativen Nichts versumpft. Leider scheint diese Rechnung für Disney aufzugehen.
"Captain Marvel" gehört zu den besonders vergessenswerten Beiträgen zum MCU, eine brave, biedere und grässlich öde Origin-Story, die nicht zufällig eine weibliche Superheldin, deren Rolle nicht zufällig von einer frisch gekürten Oscar-Preisträgerin besetzt wurde, mal eben zur mächtigsten Vertreterin ihrer Zunft hochjazzt. Carol Denvers erweist sich dahingegen als zu T'Challa/Black Panther mindestens ebenbürtig eintönige Protagonistin, an der nichts exzeptionell erscheint, die sich durch nichts hervorhebt, abgesehen von der kosmischen Trallala-Kraft, die sie gehörig hart zuschlagen und gehörig hell leuchten lässt. Hinzu gesellt sich ostentative 90er-Jahre-Nostalgie, ein bisschen Blogbuster Video hier, ein wenig Ninties-Tech da, No Doubt für den Soundtrack... voilá! Fertig ist die wohlschmeckende 90s-Nostalgia-Girl-Power-Suppe. Passend dazu fühlt sich der Film stellenweise an wie einer der unzähligen Dutzendware-Fantasy-Sci-Fi-Serien desselben Jahrzehnts.
Um nicht nur zu lästern sei gesagt: was die Hauptfigur nicht hergibt, müssen üblicherweise die Nebendarsteller richten. Ben Mendelsohn, überhaupt die gesamte Skrull-Storyline, hat mir tatsächlich gut gefallen, gemessen daran, dass dadurch allerwenigstens der Versuch unternommen wurde, dem Gut-Böse-Schema etwas Graufärbung zu verleihen. Jude Law macht eine gute Figur, das Wiedersehen mit Lee Paces Ronan ist erfreulich, ich fand sogar den Katzen-Gag witzig. Und Samuel L. Jackson ist selbstredend eine Klasse für sich. Davon abgesehen ist "Captain Marvel" für mich qualitativ kaum mehr als eine 90s-Girl-Power-Marvel-Variante von "Green Lantern". (5)

Zombiegeddon (2003)
Äh, ok... was war das nochmal? Irgendein übermäßig amateurhaftes Zombie-Trash-Gedöns? Glaub schon. Man sieht: ist viel von Hängen geblieben... (Trash-Skala: 2)






























5 - 4,8 (33,5)

Montag, August 26, 2019

Kurzreviews Mai/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 16 Filme und 7 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Mai gesehen habe:


Serien-Staffeln
Rick and Morty (Season 1) (2013-2014) (6,5-8+)
Rick and Morty (Season 2) (2015) (6,5-8,5+)
Miami Vice (Season 1) (1984-1985) - (7-8,5)
Rick and Morty (Season 3) (2017) (6,5-7,5)
Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer [Game of Thrones(Season 8) (2019) - (8-8,5)
Deadwood (Season 1) (2004) - (8-8,5+)
Das Geheimnis von Twin Peaks [Twin Peaks(Season 1) (1990) - (7-8,5)

Filme
The Dark Side of the Moon (1990)
Eines der unzähligen "Alien"-Plagiate im B-Movie-Gewand, zu dem sich nicht erheblich mehr sagen lässt. (B-Movie-Skala: 5)

Dunkirk (2017)
Filme die an mir vorübergehen, die Erste: Christopher Nolans Kriegsfilm kommt mir ungemein technokratisch vor, wie eine mechanische Sektion der Ereignisse in Dünkirchen im Jahre 1940, klinisch zerlegt und unterkühlt präzise neu arrangiert. Hinsichtlich der technischen Umsetzung ist das demzufolge zweifelsohne beeindruckend, insbesondere der Versuch eine allumfassende Erfahrung des Geschehens zu kreieren, wiederzugeben und zu evozieren. In der Hauptsache kommt dabei Nolans experimentellem Umgang mit der Wahrnehmung von Zeit Bedeutung  zu, wie er verschiedene, einander überlappende Zeit-Ebenen unterschiedlicher Dauer parallel montiert und nebeneinander ablaufen lässt, dieselben Vorkommnisse aus zeitlich, räumlich und personell variierenden Perspektiven in unterschiedlichen Zeiträumen präsentiert, wodurch sich das jeweilige Zeitempfinden je nachdem scheinbar auszudehnen oder zusammenzuziehen, dessen Relativität regelrecht greifbar zu werden scheint. Dieser aposteriorische Ansatz verdient äußerste Wertschätzung und ringt Bewunderung ab. Dahingegen kann man sich niemals des Eindruckes erwehren, hier einem fraglos faszinierten Wissenschaftler bei der Arbeit zuzusehen, mit ihm gemeinsam distanziert und unbeteiligt durch ein Vergrößerungsglas auf eine Versuchsanordnung zu blicken, die er nach Belieben steuert und manipuliert und für die such das Setting subaltern herausstellt. Resultierend nimmt das Gezeigte zu keiner Sekunde mit, schafft keine emotionale Resonanz und wirkt seltsam entmenschlicht, besonders schwerwiegend in Momenten, die vor allen anderen Emotionen erzeugen sollten - ein altbekanntes Problem in Nolans Schaffen, der per se nicht in der Lage zu sein scheint, den menschlichen Faktor genuin zu erfassen. (6)

5 Zimmer Küche Sarg [What We Do in the Shadows(2014)
(Inzwischen in Serie gegangener) Geheimtipp aus Neuseeland, der das Kunststück fertigbringt dem hinlänglich angestaubten Vampir-Horror und der nicht minder angestaubten Mockumentary-Gattung tatsächlich frischen Wind einzuhauchen. Das liegt zuvorderst daran, dass "What We Do in the Shadows" trotz aller Albernheiten niemals Gefahr läuft, zur hysterischen, überkandidelten Parodie zu verkommen, nicht wie vergleichsweise die ZAZ-Chaos-Komödien in einem vollkommen aus der Realität fallenden Meta-Universum angesiedelt ist, sondern stets bei seinen nahbaren Charakteren bleibt, sie in einer zwar komödiantischen, nichtsdestoweniger kohärenten Welt agieren lässt, ihnen den Freiraum gestattet, ihren Lebensstil, ihre Subkultur entschlossen zu vertreten und Recht auf ihr Außenseitertum in der verschlafenen Abgelegenheit Neuseeland stolz zu verteidigen und zu behaupten. Die Figuren, ihre Anachronismen und die an den Tag (oder die Nacht?) gelegte Selbstverständlichkeit des trocken dargebrachten Vampir-Alltags machen somit das Gros des Witzes aus. Und das funktioniert, obendrein vor Kulisse Neuseelands, das an sich bereits das Flair hinterwäldlerischer Abgeschiedenheit evoziert, vorzüglich und generiert unzählige urkomische Begegnungen. (7,5)

The Body [El cuerpo(2012)

Die Ehre der Prizzis [Prizzi's Honor(1985)
Filme die an mir vorübergehen, die Zweite: schauspielerisch gibt's nichts zu bemäkeln, namentlich Anjelica Huston verdient jede ihr zuteilgewordene Bekundung und Form des Lobes. Den Film an sich fand ich alldieweil kreuzöde, träge und uninteressant, musste ihn mehrmals beginnen, bevor ich ihn schlussendlich mit meiner unablässig davon wandernder Konzentration ringend zu Ende bringen konnte. Viel hängen geblieben ist nicht. (5)

Coach Carter (2005)
Penetrant-bemüht auf Inspiration gebürstetes Sportler-Drama, ostentativ in jedem Gestus der Verständigung und der pseudo-sozialkritischen Milieubetrachtung, im selben Augenblick derart von sich selbst überzeugt, dass es komplett ignoriert, wie formelhaft und oberflächlich es seine Charaktere behandelt, um wie viele Meilen und Kilometer eine ernstzunehmende, bewegende Wiedergabe der Schicksale der Beteiligten verfehlt wird. Samuel L. Jackson passt andererseits perfekt in die Rolle des Coaches und macht das ganze einigermaßen erträglich. (4)

Max Schmeling (2010)
Schlagt mich (hö hö hö), aber den fand ich für Uwe Boll-Maßstäbe ansehnlich, im Vergleich mit dem tumben 08/15-ARD/ZDF/Degeto-Geschichtsbewältigungs-Drama diesem ebenbürtig oder zumindest unwesentlich schlechter. Dass Henry Maske keinen sonderlich begabten Schauspieler abgibt, dürfte niemanden verwundern. Überrascht hat mich Bolls für seine Verhältnisse kompetenter Umgang mit diesem Handicap, wie er diese Schwäche halbwegs ins Gegenteil verkehrt und zu seinem Vorteil zu nutzen versteht, Maskes beeindruckende Boxer-Physis nicht ungeschickt in den Fokus zu rücken, seine etwas grobschlächtige Art und Sprechweise zum kontrastierenden Wesenszugs Schmelings macht. Mag ein Zufallstreffer gewesen sein. Ansonsten ist das insgesamt Bolls mutmaßlich verträglichstes Werk, wie gesagt: ein Standard-TV-Geschichts-Drama mit Nazi-Bezug. (5,5)

Dead or Alive: Final (2002)
Zu Miike Takashis krönendem Abschluss der Trilogie (Teil 1, Teil 2) fehlen mir glattweg die Worte. Er scheint mir ein Wanderer zwischen den Welten zu sein, eine irrmachende Erfahrung und Verschmelzung, eine Kulmination der beiden Vorgänger in einer wilden Fusion gegen allen Widerstände, die sich herzlich wenig um eine klassisch nachvollziehbare Narrative schert. Das ist nicht ungewöhnlich für Miike, wird von ihm in diesem Fall jedoch auf die Spitze getrieben, was den Zugang zusehends erschwert. Möglicherweise war "Dead or Alive: Final" auch niemals anders gedacht. (7)

Der Sturm [The Perfect Storm(2000)
Tricktechnisch außer Zweifel höchst beeindruckend und wegweisend, inhaltlich konträr dazu platt pathetisches bis ablenkend reißerisch, ständig auf Nebenschauplätze abschweifend in einem Maße, dass das existenzialistische Überlebens-Drama rund um George Clooneys Trawler-Crew regelrecht marginalisiert wird, zumal sich Clooneys Bill Tyne nachgerade manisch verhält und seine Mannen am laufenden Band rücksichtslos in Lebensgefahr bringt. Mag für an tumbes Spektakel gewöhnte amerikanische Mainstream-Sehgewohnheiten angemessen sein, verfehlt in Wahrheit jeden Anflug einer ernstzunehmenden dramatischen Seemanns-Tragödie. (4,5)

Verrückt nach Mary [There's Something About Mary(1998)
Extended Cut. Der Höhepunkt und das Aushängeschild von Peter und Bobby Farrellys Komödien-Schaffenswerk, zugleich der wahrscheinlich größte Erfolg ihrer Karriere. Und daran gab's seinerzeit beinahe kein Vorbeikommen, immer wieder wurde mir vorgehalten, wie brüllend komisch die "Wichse im Haar"-Szene sei, was für ein ausuferndes Vergnügen die Zahnklammer-Szene darstelle, und, und, und. Trotz alledem blieb mir der Kino-Besuch erspart, so dass ich nicht in seinen Genuss kommen konnte, bevor die Heimkino-Auswertung anstand und... ich fand ihn leidlich amüsant. Diesen Eindruck hat die erneute Sichtung bestätigt: er hat seine witzigen Momente, allerdings sind es eher die Darsteller, die voller Innbrunst das schräge Figureninventar zum Leben erwecken und das Ding am Laufen halten. Die vielen kleinen Peinlichkeiten und besonders der Gross-out-Humor wirken jedenfalls heute reichlich zahm und gestrig, im Grunde genommen hatten sie diesen Punkt damals schon frühzeitig erreicht. (6)

Brother (2000)
Kitano Takeshis erste und einzige US-Ko-Produktion, von der er sich selbst nicht allzu begeistert zeigte. Grundsätzlich stimme ich Roger Eberts prägnant formulierter Aussage zu, dass "Brother" ein typischer Kitano-Film ist, bloß nicht sein bester. Warum das so ist, lässt sich hingegen schwer in Worte fassen. Zunächst bringt Yamamotos Ankunft in L.A. eindrucksvoll Entfremdung und Verlorenheit zum Ausdruck, was maßgebliche Unterstützung von Joe Hisaishis großartigem Score erfährt, den ich zu den besten Kitano-Hisaishi-Kollaborationen rechne. Im weiteren Verlauf entfaltet sich eine gewalttätige Gangster-Saga, in der die Bandenmitglieder reihenweise ins Gras beißen. Wer aufgrund dessen ein Action-Feuerwerk erwartet, kennt indessen Kitano schlecht und wird umgehend eines Besseren belehrt: wie in "Sonatine" haftet den Bandkriegen nichts glorreiches, triumphales an. Die Feuergefechte gehen rabiat, gnadenlos und schmucklos von statten und sind fluchtartig vorbei, der Tod eines Menschen wirkt unterdessen stets bitter, betrüblich und im höchsten Maße sinnlos, was am deutlichsten bei Yamamotos langjährigem Weggefährten zu Tage tritt, der sich für seinen Aniki unnötig opfert. Ein düsteres, blutrotes, schweres Leichentuch liegt über der gesamten Handlung und der Ausgang scheint von Anfang an gewiss, nicht zuletzt Kitanos Protagonisten, der lediglich auf das Unvermeidliche zu warten, geradezu darauf zuzusteuern scheint. Dadurch erscheint "Brother" nahezu bleiern, fatalistisch, kann auf der anderen Seite seine Figuren selten von ihrer menschlichen Seite zeigen, wie es ihren Pendants in "Sonatine" vergönnt war. Diese wenigen Ausnahmen beschränken sich in erster Linie auf Terajima Susumu, der den besagten Weggefährten Yamamotos verkörpert, und Omar Epps. Knapp formuliert sieht man in "Brother" die meiste Zeit Kriminellen beim Sterben zu und das über einen unselig langen Zeitraum hinweg, da zwar der Tod an sich schnell und unversehens eintritt, die Opfer auf dem Weg dorthin jedoch einen langen, mitleidlosen Prozess durchlaufen. Bei einer Sache lehne ich mich hinzukommend weit aus dem Fenster, auf die Gefahr hin, zu viel rum zu interpretieren: womöglich kann man "Brother" Kitanos politischstes Werk nennen, allerwenigstens erscheint es auffällig, dass hier eine Koalition ausschließlich ethnischer Minderheiten versucht sich zu behaupten, nur um am Ende einer kaukasischen, gesichtslos bleibenden Gruppierung zu unterliegen. Wie gesagt: vielleicht ist das zu viel des Guten. (7,5)

Zatoichi's Vengeance [座頭市の歌が聞える Zatôichi no uta ga kikoeru(1966)
Irgendwann muss bei einer derart langlebigen, zudem inhaltlich relativ gleichförmigen Reihe der Punkt kommen, an dem man sich zwangsläufig wiederholen muss. Im Falle von "Zatoichi" bin ich mit "Zatôichi no uta ga kikoeru" (dem ein gehörig generischer englischer Titel verpasst wurde, der eine Verwechslung mit "Zatoichi's Revenge" praktisch vorprogrammiert) wohl an diesem Punkt angelangt, an dem ich höchstens die Standards und Standardmäßigkeit des Gezeigten runterbeten kann. Wobei "Zatôichi no uta ga kikoeru" sattsam denkwürdiges zu bieten weiß, beispielsweise den blinden Biwa-spielenden buddhistischen Priester, der Ichi Paroli bietet, oder die verbitterte Prostituierte Oshino, sowie Ichis Beziehung bzw. Einfluss auf  den Jungen Taichi. Insofern ist der inzwischen 13. Teil abermals hochwertige Jidai-geki-Unterhaltung, die sich im guten oberen Mittelfeld eingliedert. (7)

Stan & Ollie (2018)
Erfindet das Genre des Biopics nicht neu, erzählt im Gegenteil recht konservativ von der Freundschaft, die kurzzeitig in eine Krise gerät, bevor die verwandten Seelen schlussendlich wieder zusammenfinden. Was ihn für Fans des Duos reizvoll macht, ist der Blick hinter die Kulissen des porträtierten Abschnittes im Leben der zwei, der großzügig Raum für sentimentale Betrachtungen und Rückbesinnung gibt, sowie Steve Coogans und John C. Reilly herausragendes Schauspiel. Mir hatten sich in der Schluss-Szene gar Tränchen in die Augen geschlichen, irgendwas muss Jon S. Baird also richtig gemacht haben. (7)

Aquaman (2018)
Hatte ich meine Freude dran, "G.I. Joe: The Rise of Cobra" nicht unähnlich. James Wan gibt sich ganz und gar dem bunten Comic-Tumult hin und präsentiert uns eine spaßige Unterwasser-Achterbahnfahrt voller Schauwerte, Gedöns und Liebe zum Detail, zuzüglich zu den tollen, altgedienten Nebendarstellern. Im Gegensatz zum MCU legt er das dankbarerweise nicht epochaler an als es ist und sein sollte, konzentriert sich vollends auf das schwungvolle Abenteuer des Underdogs unter den DC-Helden, dessen Schwimmflossen Jason Momoa vermöge seines Charismas und seiner bloßen Präsenz prächtig ausfüllt. Die Unterwasser-Welt und all ihre Eigenarten stellen ein weiteres dickes Plus der Verfilmung dar und geben optisch mindestens so viel her wie die Weltraum-Ausflüge der "Guardians of the Galaxy". Viele MCU-Gurken wünschten sich, sie könnten jemals den Unterhaltungsfaktor von "Aquaman" erreichen. (6,5)

Schatten der Wahrheit [What Lies Beneath(2000)
Ja, es ist bloß eine an Hitchcock angelehnte Fingerübung aus den Händen von Robert Zemeckis, der dem Meister sicherlich nicht das Wasser reichen kann, trotzdem genügend Spannung produziert und in Gestalt dieses kleinformatigen Thrillers überzeugt. Mehr sollte das doch gar nicht werden. (6,5)

Takeshi Kitanos Dolls [ドールズ Dōruzu (Dolls)] (2002)
Wo "Brother" ein einziger betrüblicher Todesreigen war, ist "Dolls" eine episodenhafte, poetische, bildschöne Meditation über die Liebe, inklusive all der Melancholie und Tragik, die bei Kitano Takeshi zu erwarten war. Denn ähnlich wie es sich bei "Brother" keinesfalls um ein heroisierendes Gangster-Epos handelt, braucht man bei "Dolls" nicht auf eine kitschige, rosarote Märchenwelt der Zuckerguss-Liebe zu hoffen. Hingabe, Aufopferung und Verlust spielen bei Kitano eine ebenso ausschlaggebend Rolle, wie das reine, schwer fassbare Gefühl des Verliebtseins, das er versucht, jenseits von kindischer Liebelei oder verklärtem, hohlen Schmonzetten-Getue, zu ergründen und zu erfassen. Demzufolge offenbaren die verschiedenen Blickwinkel auf die Liebe bei "Dolls" stets ein zweischneidiges Schwert, das auf die ein oder andere Weise Erfüllung und Verdammnis zugleich zu verheißen scheint, eine untrennbare Symbiose bedeutet, die kein Übel, das man um des Guten willen in Kauf zu nehmen hat, darstellt, sondern sich als elementarer Wesenszugs der verschiedenen Beziehungen herausstellt. Ohne den Schmerz keine Liebe. Ohne Liebe keine Zweisamkeit. (8)
































16 - 6,3 (100,0)