Montag, September 30, 2019

Kurzreviews August/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 5 Filme und 4 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat August gesehen habe:

Serien-Staffeln
Happy! (Season 2) (2019) - (7-8,5+)
Downton Abbey (Series 3) (2012) - (7-7,5+)
Downton Abbey - A Journey to the Highlands (2012) - (7,5+)
Star Trek: Deep Space Nine (Season 7) (1998-1999) - (10)

Filme
Malta sehen und sterben [Pulp(1972)
Mike Hodges und Michael Caine zum zweiten: im Gegensatz zum trist-grauen "Get Carter" präsentiert sich "Pulp" im sommerlichen Sonnenschein Maltas, was allerdings nicht bloß einen Schauplatzwechsel ausmacht, sondern der grundverschiedenen tonalen Ausrichtung des Films gebührend Rechnung zollt, die einer regelrechten Parodie auf den Noir-Pulp-Krimi (ergo der Titel) gleichkommt. Eine reichlich trockene Parodie wohlgemerkt, ganz und gar britischen Understatement verhaftet, bisweilen entwaffnend spitzzüngig in mancher schlagfertigen Dialogzeile, nicht zuletzt qua Caines sprödem Off-Kommentar, der sich nicht zwangsläufig mit den realen Abläufen decken muss. In jedem Fall eine äußerst eigenwillige, anspielungsreiche Krimi-Komödie, wie es sie kein zweites Mal gibt. (7,5)

Das Verborgene Gesicht [La cara oculta(2011)
Dramaturgisch vergleichbar zu "El habitante incierto", schließlich krempelt Andrés Baiz ähnlich Guillem Morales die Handlung nach ungefähr der Hälfte seiner Laufzeit einfach um - was hüben wie drüben einen bis dato nicht sonderlich aufregenden Thriller kurz vor knapp die rettende Hand reicht, der bis dahin wie eine zähe Kopie von "What Lies Beneath" anmutet, ab dann zumindest die ein oder andere fiese Überraschung parat hält. (6)

La Isla mínima - Mörderland [La isla mínima(2014)
Starkes Krimi-Drama angesiedelt in Spanien kurz nach Ende der Franco-Diktatur, dessen Schrecken den Bewohnern noch merklich in den Gliedern steckt: alle wirken gelähmt, betäubt, zutiefst verunsichert, die Stimmung ist durchgehend drückend, von Misstrauen gegenüber der staatlichen Autorität im Allgemeinen, den beiden grundverschiedenen Ermittlern im Speziellen geprägt, die beide zu allem Überfluss ihr eigenes Kreuz zu tragen haben und sich im Verlauf der Ermittlungen zur Konfrontation ihrer persönlichen Vergangenheit gezwungen sehen. Die Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart, sowie das Plädoyer aus der Vergangenheit zu lernen, um nicht ihre Fehler zu wiederholen, sind Themen, die somit klar im Fokus stehen und in einem subtilen Appell an kommende Generationen münden. Verpackt ist das in der sich schleichend entwickelnden und sukzessive intensivierenden Jagd auf einen Serienkiller, die für die nötige Spannung sorgt. In gewisser Weise könnte man "La isla mínima" Spaniens Antwort auf "True Detective" nennen. (8)

Hierro - Insel der Angst [Hierro(2009)
Der Alptraum einer jeden Mutter: das eigene Kind an die Ungewissheit verlieren. Obgleich der finale Twist ein wenig zu vorhersehbar ausgefallen ist, macht Gabe Ibáñez unterstützt von Elena Anayas eindringlichem Schauspiel insgesamt einen ordentlichen Job, die Verzweiflung einer Mutter in filmische Form zu übertragen, ihrer Verlorenheit, ihrem Gefühl des Alleingelassenseins Ausdruck zu verleihen. Unter anderem erreicht er dieses Gefühl, indem er seine Protagonistin auf der Insel El Hierro gewissermaßen aussetzt, ein allgegenwärtiges Gefühl der empfundenen Feindseligkeit evoziert. Von der Stimmung her gleicht er sich der Kummer seiner Hauptfigur an, was nachhaltig das Erzähltempo drückt. Für ein Debüt anerkennenswert. (6)

Sukeban Boy [おいら女蛮(スケバン) Oira sukeban(2006)

















5 - 5,5 (27,5)

Sonntag, September 29, 2019

Kurzreviews Juli/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 9 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Juli gesehen habe:


Serien-Staffeln
Downton Abbey (Series 2) (2011) - (7-7,5+)
Christmas at Downton Abbey (2011) - (7,5)

Filme
Aktion Mutante [Acción mutante(1993)
Exzentrische Sci-Fi-Satire, ein kompromisslos belämmerter Kampf der sowohl körperlich, als auch was kriminelle Durchführungskraft anbelangt behinderten Terroristen gegen die von Schönheit besessene High Society. Wie von Álex de la Iglesia gewohnt voller kapriziöser Charaktere und absurder Situations-Komik, ein groteskes Chaos, bei dem man sich nie sicher sein kann, was als nächstes passiert, wer als nächstes über den Jordan geht und wohin sich die Figuren entwickeln, zudem deftig, wenn auch comichaft im Gewaltgrad. Freilich liegt de la Iglesia der Unterhaltungs-Faktor mehr am Herzen, weniger der ätzende Verriss der Adonis-Kultur und des Schönheitswahns. (7)

Fortress of Amerikkka (1989)
Eine etwas andere Trash-Spielart im Vergleich zum herkömmlichen Lloyd Kaufman-Wahnsinn, dennoch unterhaltsamer Action-Trash, herrlich dilettantisch, ergibt hinten und vorne keinen Sinn, doch geht flott über die Bühne. (Trash-Skala: 6)

Deep Star Six (1989)
Das zweite "Abyss"-"Alien"-Amalgam neben "Leviathan" und da Unterwasser-Sci-Fi immer geht: chic-atmosphärisches Genre-Werk, dass nie an das Niveau der großen Vorbilder heranreicht, im Rahmen seiner finanziellen, filmemacherischen, tricktechnischen Möglichkeiten nichtsdestoweniger lauschig unterhält. (6,5)

Helldriver [ヘルドライバ Nihon bundan: Heru doraibâ(2010)
Uff, was für eine irre Achterbahnfahrt durch den Nippon'schen Splatter-Wahnsinn. Nishimura Yoshihiro lässt dem Zuschauer wahrhaftig keinen Raum zum Atmen, fetzt in einem ungehörigen Tempo durch diese unglaubliche, unfassbar kreative Splatter-Odyssee epochalen Ausmaßes tief hinein ins Zombie-Metzel-Land. Trotz der für einen derartigen Horrorfilm aufgeblähten Laufzeit (die Opening Credits flimmern tatsächlich erst nach einer dreiviertel Stunde (!) über den Bildschirm) kommt de facto zu keiner Sekunde Langeweile auf, ständig ist was los, an einer Tour überraschen Nishimura und sein FX-Team mit der nächsten abgefahrenen Sequenz Gedärme filetierenden Einfallsreichtums, die die jeweils vorherige scheinbar mühelos übertrifft, bis zum schwer in Worte zu fassenden Ultra-Finale. Stets setzen Regie und Drehbuch dem Geschehen die blutverschmierte Krone auf und dieser Krone setzen sie abermals die Krone auf und so weiter und sofort. Dass das alles nicht fürchterlich viel Sinn ergibt, fällt kaum ins Gewicht, schließlich steht der Fun-Splatter-Overkill unbestritten im blutüberströmten Mittelpunkt und bei der halsbrecherischen Geschwindigkeit mit der sich alles entwickelt, kommt man schlicht und einfach nicht dazu, das haarsträubende Gesehen zu hinterfragen. Was für den einen zu viel des Guten bedeutet, rasch zu Ermüdungserscheinungen führt, bereitet dem anderen im rechten Bewusstseinszustand ein höllisches Vergnügen. (7,5)

Horny House of Horror [ファッション·ヘル(ス) Fasshon heru(2010)
aka "Fashion Hell". Schlägt in dieselbe Kerbe, gleichwohl kompakter (schlappe 72 Minuten dauert der Schalk) und weitaus weniger größenwahnsinnig angelegt, ein simpler Titten, Blut und Gedärme-Exploiter, in dem drei japanische Pornosternchen gnadenlos eine fast zu bemitleidende Clique zerhäckseln, bis am Schluss nur noch eine oder einer erschlafften Gliedes auf den verbleibenden Gliedmaßen steht. Kurzweilig! (6,5)

Edison (2005)
Hatte David J. Burke etwa eine moderne Version von "L.A. Confidential" im Sinn gehabt? Zumindest kommt es mir so vor, betrachtet man diese Geschichte einer korrupten Spezialeinheit, die sich unverhältnismäßige Freiheiten rausnimmt, im Endeffekt selbst zu kriminellen Methoden greift, dazu den Frischlings-Reporter, der sich die Aufgabe auferlegt hat, sie mithilfe eines ihrer von Gewissensbissen geplagten Mitglieder zur Strecke zu bringen, ferner... naja, halt Cameo-Kevin Spacey. Curtis Hansons exzellenten Klassiker zu reproduzieren kann bei allem Verständnis einzig vermessen genannt werden und ein solches Unterfangen wäre so oder so schwierig zu bewältigen gewesen. Ein Meister seines Faches ist Burke nicht unbedingt, die subtile Art liegt ihm nicht, dementsprechend reißerisch fällt "Edison" aus, oberflächlich die Charaktere, überspannt die Inszenierung, derweil er sich bloß scheinbar komplex gibt, im Grund genommen höchst geradlinig und vorhersehbar bis zum Baller-Finale verläuft. Bestenfalls solider Thriller. (5)

Avengers: Endgame (2019)
Woran liegt es eigentlich, dass aktuelle Disney-Blogbuster, ungeachtet ob "Star Wars" oder MCU, sich weigern einzusehen (wie ihr Publikum übrigens gleichermaßen), dass ein unnötiger, aufgepfropfter zweiter dritter Akt den Bogen deutlich überspannt, dramaturgisch übers Ziel hinausschießt und emotional im Nichts verpufft? Das hat bereits "Harry Potter and the Deathly Hallows Un, Dos" und "The Hobbit" nicht gutgetan, den ohnehin schwachbrüstigen hauseigenen "Rogue One" und "Star Wars: Episode VIII - The Last Jedi" hat es den (fälligen) Todesstoß versetzt.
"Avengers: Endgame" reicht das Endspiel zum Endspiel nach, folgt damit dem Trend, den Abschluss einer mehrteiligen Film-Reihe aufzuteilen (ohne es Teil 2 nennen zu müssen, die cleveren Schlingel), nicht weil es gilt, die längere Laufzeit erzählerisch oder künstlerisch nutzbringend auszufüllen, sondern um dem Publikum die letzte Runde ein zweites Mal verkaufen zu können, noch mal kräftig abzukassieren, bevor man endgültig den Deckel draufmacht. Dass dabei aufeinander angewiesene Hälften eines Ganzen gewaltsam getrennt, sie dramaturgisch nachgerade zerschlagen werden, gerät vollständig zur Nebensache, Hauptsache ist die Kasse stimmt. Dabei gefällt "Endgame" anfänglich dadurch, sich nicht von Anfang an als bunte Superhelden-Klopperei zu geben. Die Leftover-Stimmung zu Beginn ist zunächst eine gelungene Wiederaufnahme der dramatischen Ereignisse von "Infinity War", die Marvel natürlich nicht konsequent schwermütig verfolgt, sondern durch lustige Auftritte von Professor Hulk, dem fett gewordenen Thor oder Ant-Man auflockert. Ja nicht dahin gehen, wo es wehtut. Wenig überraschend sind die verbleibenden Heroen flugs bei der Hand mit dem immer hanebüchenen Allzweck-Rettungsring einer Zeitreise, die darauf abzielt, Thanos berühmt-berüchtigtes Fingerschnippen umzukehren. Das artet in einem zum Mindesten unterhaltsamen Heist-Movie aus, wenn sich kleinere Helden-Grüppchen in unterschiedlichen Zeit-Ebenen die Infinity-Steine zurückholen müssen. So kreativ waren die MCU-Filme schon lange nicht mehr, zumal es sogar Raum schafft für den ein oder anderen Charaktermoment, beispielsweise das Aufeinandertreffen von Stark Junior und Senior. Im Finale des Finales des Finales gibt's dann nochmal zünftig aufs Maul, was zu diesem Zeitpunkt selbstverfreilich lediglich eine pflichtschuldige Dreingabe darstellt, eine überraschungsfreie, obligatorische Massenschlägerei ohne Witz und Esprit (inklusive einer hochnotpeinlichen, anbiedernden Zurschaustellung starker Weiblichkeit, die deswegen unnötig und blamabel wirkt, weil die Heldinnen bereits auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen streiten, eine bekräftigende Szene wie diese gar nicht nötig gehabt hätten, die sie letztlich doch nur wieder kategorisiert (eine gelungenere Auseinandersetzung dazu liefert übrigens"Astro City" mit Winged Victory)), an deren Ende Thanos, was sonst, den Helden unterliegt und alle wieder brav ihr Franchise fortführen können.
Der Eindruck eines unter großen Mühen und schmerzlichen Opfern errungener Sieg stellt sich niemals ein. Selbst der (dieses Mal konsequente) Tod bzw. das Ausscheiden einiger beliebter Figuren geht kaum zu Herzen, verraucht wie das total misslungene Ableben eines Han Solo in "The Force Awakens", denn sie erwecken äußerstenfalls den Eindruck des "Herausschreibens" eines unliebsamen oder Franchise-müden Darstellers aus einer mittelprächtigen, langlebigen Soap Opera. (6)

Jack rechnet ab [Get Carter(1971)
Klassiker des Brit-Noir, ein kaltblütiger Gangster-Thriller vor der grau-tristen Kulisse Newcastles, dessen Kriminelle durchgehend als abgebrühte, verrohte Subjekte dargestellt werden, einschließlich Michael Caines Jack Carter, der sich realiter keinen Deut aufrechter oder anständiger verhält, zöge man den direkten Vergleich zu den von ihm zur Strecke gebrachten Widersachern, so abscheulich sich deren Vergehen auch herausstellen. Ein gefährlicher, gewalttätiger Psychopath, dessen von Fans wenig überraschend als bewunderungswürdige Coolness verklärte Kaltschnäuzigkeit ihn überhaupt erst befähigt zur sprichwörtlichen Axt im Walde zu werden, skrupellos seine Rache-Gelüste durchzusetzen und unter seinen gleichsam ruchlosen Kollegen gnadenlos aufzuräumen. In letzter Konsequenz gibt es in diesem Sumpf keine Helden, keine Gewinner, keine Moral. (7,5)

Das Urteil - Jeder ist käuflich [Runaway Jury(2003)
Solider, aufregungssüchtiger Justiz-Thriller nach John Grisham (wem sonst), zur Gänze auf den oberflächlichen Effekt hin ohne Tiefgang inszeniert, weswegen das allem zugrunde liegende Drama, immerhin die elementare Motivation der Protagonisten, unglücklicherweise zum reinen trivialen Twist-Futter verkommt. (6)



































9 - 6,4 (58,0)

Freitag, September 27, 2019

Kurzreviews Juni/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 7 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Juni gesehen habe:


Serien-Staffeln
Downton Abbey (Series 1) (2010) - (7-7,5)
Das Geheimnis von Twin Peaks [Twin Peaks(Season 2) (1990-1991) - (7-9)

Filme
Surf Nazis Must Die (1987)
Dieser Titel und Troma... das muss zwangsläufig die Erwartungen und Vorstellungskraft von abgründigen Trash-Fans schüren! Umso verwunderlicher das Ergebnis, das weitestgehend grelle Trash-Unterhaltung à la Lloyd Kaufman umschifft: "Surf Nazis Must Die" scheint in einer nie klar umrissenen "Mad Max"-artigen Post-Apokalypse angesiedelt, einer verwahrlosten, verkommenen, verlassenen Welt, in deren Beton-Ruinen sich unterschiedlichste Ausprägungen von Surfer Gangs tummeln, die sich jeweils unter einem stereotypen Themen-Banner zu sammeln scheinen. Zuvorderst die niederträchtige, rücksichtslose eponyme Nazi-Gang, welche sich aus solch illustren Namensträgern wie Adolf ("Führer of the new beach"), Eva oder Mengele zusammensetzt und die die Allein-Herrschaft über den Strand anstrebt. Darin erschöpft sich das aufsehenerregende, skandalträchtige Potenzial hingegen beinahe, nach dem ersten Auftreten der "Surf-Nazis" kommt keine Fahrt auf, die Geschichte bleibt konfus, wer mit wem warum wird niemals ganz ersichtlich. Erst gen Ende zieht Peter George das Tempo allmählich an, wenn die Mutter eines von der Nazi-Gang ermordeten afroamerikanischen Ölarbeiters aus dem Altenheim ausbricht, sich wehrkräftig bewaffnet und über die Wellen-Faschos kommt gleich einem unaufhaltsamen, gichtkranken Rachegeist, der alles hinfort fegt (ernsthaft: die Nazis haben keine Chance!). Zu dem Zeitpunkt ist der Film allerdings schon fast vorbei. (Trash-Skala: 5)
Mord nach Plan [Murder by Numbers(2002)
Durchschnittlich spannender Thriller nach Alfred Hitchcock, der sich immerhin vordergründig psychologisch gibt, speziell bei den beiden Tätern und Sandra Bullocks Ermittlerin. (6)

Speed (1994)
Höchstwahrscheinlich im Bewusstsein der Allgemeinheit DER High Concept-Action-Thriller schlechthin, ein adrenalingeladener Genre-Klassiker, der das Minimal-Konzept fetzig und schweißtreibend in Szene zu setzen versteht. Zudem der einzige anguckbare Film aus Jan de Bonts gescheiterten Regie-Karriere. (8)

Tales from the Crapper (2004)
Nicht jede von Troma und Lloyd Kaufman in die Welt gesetzte filmische Kackwurst wird mit einem regenbogenfarbenen Trash-Zuckerguss überzogen ausgeliefert: das unter chaotischen Bedingungen und vor dem Hintergrund juristischen Heckmecks entstandene irgendwie-Episoden-Arschwisch "Tales from the Crapper" bewegt sich ganz dicht am Rand des selbst für Trash- und Troma-Fans bedenklich erträglichen Nicht-Niveaus. Da reiht sich ein inhaltloses, geschmacksbefreit improvisiertes Dilletanten-Schmuddelstückchen an das nächste, ohne Sinn und Verstand hintereinandergeschaltete Amateurfilmchen ratlos kreisend um Sex, Gewalt, Sex, bizarre Maskeneffekte und Sex. Erwähnte ich Sex? Sex. Ab und an auf Troma-Art unterhaltsam, muss man die Schmerzgrenze hierbei enorm hoch, die Toleranzgrenze extrem niedrig ansetzen und wenn man denkt es geht nicht niedriger, holt man sich lieber die Schaufel aus dem Schuppen. (Trash-Skala: 1,5)

Harte Jungs - Bad Boys [Bad Boys(1995)
Ein weiterer "fand ich den im Teenageralter geil"-Kandidat. Heute empfinde ich Michael Bays Allotria bemerkenswert dated, handwerklich missglückt und großflächig nervig protzig. Was paradoxerweise nicht bedeuten soll, dass ich keinen Spaß an dem Unfug hatte, "geil" ist hingegen nicht mehr die Vokabel, die ich dafür heranziehen würde. Einen fetten Dämpfer erfährt der Spaß überdies an jeder anderen Ecke, hinter der Bays aufgeblähte, sinnenstellte Manierismen hervorlinsen. (6)

Captain Marvel (2019)
Marvel/Disney-Auswürfe sind ja per se am Marketing-Reißbrett entworfene Ungetüme, befreit von jedwedem profitmaxierenden Marketing-Strategien höchstens hinderlich im Weg stehenden künstlerischen Ambitionen, intellektuellem Anspruch oder anderen überflüssigen Ballast und Unwägbarkeiten. Es allen bloß recht machen, keine Zielgruppe vergraulen, Mundgerecht verpackt, zu einer undefinierbaren Masse vorgekaut, nostalgisch gewürzt, lau aufgewärmt, alle Ecken und Kanten abgeschliffen.
Seit "Black Panther" und nun "Captain Marvel" hält hinzukommend die PC-Kultur mit wehenden Fahnen unübersehbaren Einzug ins Franchise, ersterer durch seinen sich der "Black Lives Matter"-Debatte anbiedernden Gestus, letztere durch eine pseudo-feministische Ausprägung. Derweil beide hehre, wichtige Anliegen hegen, wirken sie in diesen beiden der misslungensten MCU-Beiträge frappant deplatziert, einerseits zwar in den Mittelpunkt gerückt, andererseits infolge des bequemen, leicht konsumierbaren, jeden Diskurs-Anknüpfpunkt vermeidenden Naturell der MCU-Fließbandindustrie unsachgemäß marginalisiert, obendrein fürchterlich trivialisiert. Man kann und darf solche unsere Gesellschaft belastendende, zutiefst die Gemüter erregenden Problematiken nicht zur Diskussion stellen, wenn man erstens sich den entsprechenden Gruppierung einzig und allein deswegen marketingtechnisch motiviert gefällig gibt, um für sie einen Köder auszulegen, der sie zum Kauf verleiten soll, ohne auf ihre Sorgen, Bedürfnisse und Forderungen eingehen zu müssen, sowie zweitens keine Stellung zu den dargebrachten Streitpunkten bezieht, die heiklen Themenkomplexe um alles bereinigt, was sie überhaupt erst ausmacht, sie aller diskursiven Energie beraubt, darauf abzielend niemanden auf die Füße zu treten, ja niemanden zu verprellen und vom Konsum abzuhalten. Das kann bei derart komplexen Brennpunkten überhaupt nicht funktionieren, was unter anderem die problemlose Vereinnahmung von "Black Panther" durch übereifrige PC-Zeloten wie diverse Alt-Right-Gesinnungsgenossen gleichermaßen in aller Deutlichkeit demonstriert. Letzen Endes will Marvel freilich gar nichts zur Diskussion stellen, weswegen dieses rein kosmetische PC-Getue bei beiden im munteren argumentativen Nichts versumpft. Leider scheint diese Rechnung für Disney aufzugehen.
"Captain Marvel" gehört zu den besonders vergessenswerten Beiträgen zum MCU, eine brave, biedere und grässlich öde Origin-Story, die nicht zufällig eine weibliche Superheldin, deren Rolle nicht zufällig von einer frisch gekürten Oscar-Preisträgerin besetzt wurde, mal eben zur mächtigsten Vertreterin ihrer Zunft hochjazzt. Carol Denvers erweist sich dahingegen als zu T'Challa/Black Panther mindestens ebenbürtig eintönige Protagonistin, an der nichts exzeptionell erscheint, die sich durch nichts hervorhebt, abgesehen von der kosmischen Trallala-Kraft, die sie gehörig hart zuschlagen und gehörig hell leuchten lässt. Hinzu gesellt sich ostentative 90er-Jahre-Nostalgie, ein bisschen Blogbuster Video hier, ein wenig Ninties-Tech da, No Doubt für den Soundtrack... voilá! Fertig ist die wohlschmeckende 90s-Nostalgia-Girl-Power-Suppe. Passend dazu fühlt sich der Film stellenweise an wie einer der unzähligen Dutzendware-Fantasy-Sci-Fi-Serien desselben Jahrzehnts.
Um nicht nur zu lästern sei gesagt: was die Hauptfigur nicht hergibt, müssen üblicherweise die Nebendarsteller richten. Ben Mendelsohn, überhaupt die gesamte Skrull-Storyline, hat mir tatsächlich gut gefallen, gemessen daran, dass dadurch allerwenigstens der Versuch unternommen wurde, dem Gut-Böse-Schema etwas Graufärbung zu verleihen. Jude Law macht eine gute Figur, dass Wiedersehen mit Lee Paces Ronan ist erfreulich, ich fand sogar den Katzen-Gag witzig. Und Samuel L. Jackson ist selbstredend eine Klasse für sich. Davon abgesehen ist "Captain Marvel" für mich qualitativ kaum mehr als eine 90s-Girl-Power-Marvel-Variante von "Green Lantern". (5)

Zombiegeddon (2003)
Äh, ok... was war das nochmal? Irgendein übermäßig amateurhaftes Zombie-Trash-Gedöns? Glaub schon. Man sieht: ist viel von Hängen geblieben... (Trash-Skala: 2)






























5 - 4,8 (33,5)

Montag, August 26, 2019

Kurzreviews Mai/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 16 Filme und 7 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Mai gesehen habe:


Serien-Staffeln
Rick and Morty (Season 1) (2013-2014) (6,5-8+)
Rick and Morty (Season 2) (2015) (6,5-8,5+)
Miami Vice (Season 1) (1984-1985) - (7-8,5)
Rick and Morty (Season 3) (2017) (6,5-7,5)
Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer [Game of Thrones(Season 8) (2019) - (8-8,5)
Deadwood (Season 1) (2004) - (8-8,5+)
Das Geheimnis von Twin Peaks [Twin Peaks(Season 1) (1990) - (7-8,5)

Filme
The Dark Side of the Moon (1990)
Eines der unzähligen "Alien"-Plagiate im B-Movie-Gewand, zu dem sich nicht erheblich mehr sagen lässt. (B-Movie-Skala: 5)

Dunkirk (2017)
Filme die an mir vorübergehen, die Erste: Christopher Nolans Kriegsfilm kommt mir ungemein technokratisch vor, wie eine mechanische Sektion der Ereignisse in Dünkirchen im Jahre 1940, klinisch zerlegt und unterkühlt präzise neu arrangiert. Hinsichtlich der technischen Umsetzung ist das demzufolge zweifelsohne beeindruckend, insbesondere der Versuch eine allumfassende Erfahrung des Geschehens zu kreieren, wiederzugeben und zu evozieren. In der Hauptsache kommt dabei Nolans experimentellem Umgang mit der Wahrnehmung von Zeit Bedeutung  zu, wie er verschiedene, einander überlappende Zeit-Ebenen unterschiedlicher Dauer parallel montiert und nebeneinander ablaufen lässt, dieselben Vorkommnisse aus zeitlich, räumlich und personell variierenden Perspektiven in unterschiedlichen Zeiträumen präsentiert, wodurch sich das jeweilige Zeitempfinden je nachdem scheinbar auszudehnen oder zusammenzuziehen, dessen Relativität regelrecht greifbar zu werden scheint. Dieser aposteriorische Ansatz verdient äußerste Wertschätzung und ringt Bewunderung ab. Dahingegen kann man sich niemals des Eindruckes erwehren, hier einem fraglos faszinierten Wissenschaftler bei der Arbeit zuzusehen, mit ihm gemeinsam distanziert und unbeteiligt durch ein Vergrößerungsglas auf eine Versuchsanordnung zu blicken, die er nach Belieben steuert und manipuliert und für die such das Setting subaltern herausstellt. Resultierend nimmt das Gezeigte zu keiner Sekunde mit, schafft keine emotionale Resonanz und wirkt seltsam entmenschlicht, besonders schwerwiegend in Momenten, die vor allen anderen Emotionen erzeugen sollten - ein altbekanntes Problem in Nolans Schaffen, der per se nicht in der Lage zu sein scheint, den menschlichen Faktor genuin zu erfassen. (6)

5 Zimmer Küche Sarg [What We Do in the Shadows(2014)
(Inzwischen in Serie gegangener) Geheimtipp aus Neuseeland, der das Kunststück fertigbringt dem hinlänglich angestaubten Vampir-Horror und der nicht minder angestaubten Mockumentary-Gattung tatsächlich frischen Wind einzuhauchen. Das liegt zuvorderst daran, dass "What We Do in the Shadows" trotz aller Albernheiten niemals Gefahr läuft, zur hysterischen, überkandidelten Parodie zu verkommen, nicht wie vergleichsweise die ZAZ-Chaos-Komödien in einem vollkommen aus der Realität fallenden Meta-Universum angesiedelt ist, sondern stets bei seinen nahbaren Charakteren bleibt, sie in einer zwar komödiantischen, nichtsdestoweniger kohärenten Welt agieren lässt, ihnen den Freiraum gestattet, ihren Lebensstil, ihre Subkultur entschlossen zu vertreten und Recht auf ihr Außenseitertum in der verschlafenen Abgelegenheit Neuseeland stolz zu verteidigen und zu behaupten. Die Figuren, ihre Anachronismen und die an den Tag (oder die Nacht?) gelegte Selbstverständlichkeit des trocken dargebrachten Vampir-Alltags machen somit das Gros des Witzes aus. Und das funktioniert, obendrein vor Kulisse Neuseelands, das an sich bereits das Flair hinterwäldlerischer Abgeschiedenheit evoziert, vorzüglich und generiert unzählige urkomische Begegnungen. (7,5)

The Body [El cuerpo(2012)

Die Ehre der Prizzis [Prizzi's Honor(1985)
Filme die an mir vorübergehen, die Zweite: schauspielerisch gibt's nichts zu bemäkeln, namentlich Anjelica Huston verdient jede ihr zuteilgewordene Bekundung und Form des Lobes. Den Film an sich fand ich alldieweil kreuzöde, träge und uninteressant, musste ihn mehrmals beginnen, bevor ich ihn schlussendlich mit meiner unablässig davon wandernder Konzentration ringend zu Ende bringen konnte. Viel hängen geblieben ist nicht. (5)

Coach Carter (2005)
Penetrant-bemüht auf Inspiration gebürstetes Sportler-Drama, ostentativ in jedem Gestus der Verständigung und der pseudo-sozialkritischen Milieubetrachtung, im selben Augenblick derart von sich selbst überzeugt, dass es komplett ignoriert, wie formelhaft und oberflächlich es seine Charaktere behandelt, um wie viele Meilen und Kilometer eine ernstzunehmende, bewegende Wiedergabe der Schicksale der Beteiligten verfehlt wird. Samuel L. Jackson passt andererseits perfekt in die Rolle des Coaches und macht das ganze einigermaßen erträglich. (4)

Max Schmeling (2010)
Schlagt mich (hö hö hö), aber den fand ich für Uwe Boll-Maßstäbe ansehnlich, im Vergleich mit dem tumben 08/15-ARD/ZDF/Degeto-Geschichtsbewältigungs-Drama diesem ebenbürtig oder zumindest unwesentlich schlechter. Dass Henry Maske keinen sonderlich begabten Schauspieler abgibt, dürfte niemanden verwundern. Überrascht hat mich Bolls für seine Verhältnisse kompetenter Umgang mit diesem Handicap, wie er diese Schwäche halbwegs ins Gegenteil verkehrt und zu seinem Vorteil zu nutzen versteht, Maskes beeindruckende Boxer-Physis nicht ungeschickt in den Fokus zu rücken, seine etwas grobschlächtige Art und Sprechweise zum kontrastierenden Wesenszugs Schmelings macht. Mag ein Zufallstreffer gewesen sein. Ansonsten ist das insgesamt Bolls mutmaßlich verträglichstes Werk, wie gesagt: ein Standard-TV-Geschichts-Drama mit Nazi-Bezug. (5,5)

Dead or Alive: Final (2002)
Zu Miike Takashis krönendem Abschluss der Trilogie (Teil 1, Teil 2) fehlen mir glattweg die Worte. Er scheint mir ein Wanderer zwischen den Welten zu sein, eine irrmachende Erfahrung und Verschmelzung, eine Kulmination der beiden Vorgänger in einer wilden Fusion gegen allen Widerstände, die sich herzlich wenig um eine klassisch nachvollziehbare Narrative schert. Das ist nicht ungewöhnlich für Miike, wird von ihm in diesem Fall jedoch auf die Spitze getrieben, was den Zugang zusehends erschwert. Möglicherweise war "Dead or Alive: Final" auch niemals anders gedacht. (7)

Der Sturm [The Perfect Storm(2000)
Tricktechnisch außer Zweifel höchst beeindruckend und wegweisend, inhaltlich konträr dazu platt pathetisches bis ablenkend reißerisch, ständig auf Nebenschauplätze abschweifend in einem Maße, dass das existenzialistische Überlebens-Drama rund um George Clooneys Trawler-Crew regelrecht marginalisiert wird, zumal sich Clooneys Bill Tyne nachgerade manisch verhält und seine Mannen am laufenden Band rücksichtslos in Lebensgefahr bringt. Mag für an tumbes Spektakel gewöhnte amerikanische Mainstream-Sehgewohnheiten angemessen sein, verfehlt in Wahrheit jeden Anflug einer ernstzunehmenden dramatischen Seemanns-Tragödie. (4,5)

Verrückt nach Mary [There's Something About Mary(1998)
Extended Cut. Der Höhepunkt und das Aushängeschild von Peter und Bobby Farrellys Komödien-Schaffenswerk, zugleich der wahrscheinlich größte Erfolg ihrer Karriere. Und daran gab's seinerzeit beinahe kein Vorbeikommen, immer wieder wurde mir vorgehalten, wie brüllend komisch die "Wichse im Haar"-Szene sei, was für ein ausuferndes Vergnügen die Zahnklammer-Szene darstelle, und, und, und. Trotz alledem blieb mir der Kino-Besuch erspart, so dass ich nicht in seinen Genuss kommen konnte, bevor die Heimkino-Auswertung anstand und... ich fand ihn leidlich amüsant. Diesen Eindruck hat die erneute Sichtung bestätigt: er hat seine witzigen Momente, allerdings sind es eher die Darsteller, die voller Innbrunst das schräge Figureninventar zum Leben erwecken und das Ding am Laufen halten. Die vielen kleinen Peinlichkeiten und besonders der Gross-out-Humor wirken jedenfalls heute reichlich zahm und gestrig, im Grunde genommen hatten sie diesen Punkt damals schon frühzeitig erreicht. (6)

Brother (2000)
Kitano Takeshis erste und einzige US-Ko-Produktion, von der er sich selbst nicht allzu begeistert zeigte. Grundsätzlich stimme ich Roger Eberts prägnant formulierter Aussage zu, dass "Brother" ein typischer Kitano-Film ist, bloß nicht sein bester. Warum das so ist, lässt sich hingegen schwer in Worte fassen. Zunächst bringt Yamamotos Ankunft in L.A. eindrucksvoll Entfremdung und Verlorenheit zum Ausdruck, was maßgebliche Unterstützung von Joe Hisaishis großartigem Score erfährt, den ich zu den besten Kitano-Hisaishi-Kollaborationen rechne. Im weiteren Verlauf entfaltet sich eine gewalttätige Gangster-Saga, in der die Bandenmitglieder reihenweise ins Gras beißen. Wer aufgrund dessen ein Action-Feuerwerk erwartet, kennt indessen Kitano schlecht und wird umgehend eines Besseren belehrt: wie in "Sonatine" haftet den Bandkriegen nichts glorreiches, triumphales an. Die Feuergefechte gehen rabiat, gnadenlos und schmucklos von statten und sind fluchtartig vorbei, der Tod eines Menschen wirkt unterdessen stets bitter, betrüblich und im höchsten Maße sinnlos, was am deutlichsten bei Yamamotos langjährigem Weggefährten zu Tage tritt, der sich für seinen Aniki unnötig opfert. Ein düsteres, blutrotes, schweres Leichentuch liegt über der gesamten Handlung und der Ausgang scheint von Anfang an gewiss, nicht zuletzt Kitanos Protagonisten, der lediglich auf das Unvermeidliche zu warten, geradezu darauf zuzusteuern scheint. Dadurch erscheint "Brother" nahezu bleiern, fatalistisch, kann auf der anderen Seite seine Figuren selten von ihrer menschlichen Seite zeigen, wie es ihren Pendants in "Sonatine" vergönnt war. Diese wenigen Ausnahmen beschränken sich in erster Linie auf Terajima Susumu, der den besagten Weggefährten Yamamotos verkörpert, und Omar Epps. Knapp formuliert sieht man in "Brother" die meiste Zeit Kriminellen beim Sterben zu und das über einen unselig langen Zeitraum hinweg, da zwar der Tod an sich schnell und unversehens eintritt, die Opfer auf dem Weg dorthin jedoch einen langen, mitleidlosen Prozess durchlaufen. Bei einer Sache lehne ich mich hinzukommend weit aus dem Fenster, auf die Gefahr hin, zu viel rum zu interpretieren: womöglich kann man "Brother" Kitanos politischstes Werk nennen, allerwenigstens erscheint es auffällig, dass hier eine Koalition ausschließlich ethnischer Minderheiten versucht sich zu behaupten, nur um am Ende einer kaukasischen, gesichtslos bleibenden Gruppierung zu unterliegen. Wie gesagt: vielleicht ist das zu viel des Guten. (7,5)

Zatoichi's Vengeance [座頭市の歌が聞える Zatôichi no uta ga kikoeru(1966)
Irgendwann muss bei einer derart langlebigen, zudem inhaltlich relativ gleichförmigen Reihe der Punkt kommen, an dem man sich zwangsläufig wiederholen muss. Im Falle von "Zatoichi" bin ich mit "Zatôichi no uta ga kikoeru" (dem ein gehörig generischer englischer Titel verpasst wurde, der eine Verwechslung mit "Zatoichi's Revenge" praktisch vorprogrammiert) wohl an diesem Punkt angelangt, an dem ich höchstens die Standards und Standardmäßigkeit des Gezeigten runterbeten kann. Wobei "Zatôichi no uta ga kikoeru" sattsam denkwürdiges zu bieten weiß, beispielsweise den blinden Biwa-spielenden buddhistischen Priester, der Ichi Paroli bietet, oder die verbitterte Prostituierte Oshino, sowie Ichis Beziehung bzw. Einfluss auf  den Jungen Taichi. Insofern ist der inzwischen 13. Teil abermals hochwertige Jidai-geki-Unterhaltung, die sich im guten oberen Mittelfeld eingliedert. (7)

Stan & Ollie (2018)
Erfindet das Genre des Biopics nicht neu, erzählt im Gegenteil recht konservativ von der Freundschaft, die kurzzeitig in eine Krise gerät, bevor die verwandten Seelen schlussendlich wieder zusammenfinden. Was ihn für Fans des Duos reizvoll macht, ist der Blick hinter die Kulissen des porträtierten Abschnittes im Leben der zwei, der großzügig Raum für sentimentale Betrachtungen und Rückbesinnung gibt, sowie Steve Coogans und John C. Reilly herausragendes Schauspiel. Mir hatten sich in der Schluss-Szene gar Tränchen in die Augen geschlichen, irgendwas muss Jon S. Baird also richtig gemacht haben. (7)

Aquaman (2018)
Hatte ich meine Freude dran, "G.I. Joe: The Rise of Cobra" nicht unähnlich. James Wan gibt sich ganz und gar dem bunten Comic-Tumult hin und präsentiert uns eine spaßige Unterwasser-Achterbahnfahrt voller Schauwerte, Gedöns und Liebe zum Detail, zuzüglich zu den tollen, altgedienten Nebendarstellern. Im Gegensatz zum MCU legt er das dankbarerweise nicht epochaler an als es ist und sein sollte, konzentriert sich vollends auf das schwungvolle Abenteuer des Underdogs unter den DC-Helden, dessen Schwimmflossen Jason Momoa vermöge seines Charismas und seiner bloßen Präsenz prächtig ausfüllt. Die Unterwasser-Welt und all ihre Eigenarten stellen ein weiteres dickes Plus der Verfilmung dar und geben optisch mindestens so viel her wie die Weltraum-Ausflüge der "Guardians of the Galaxy". Viele MCU-Gurken wünschten sich, sie könnten jemals den Unterhaltungsfaktor von "Aquaman" erreichen. (6,5)

Schatten der Wahrheit [What Lies Beneath(2000)
Ja, es ist bloß eine an Hitchcock angelehnte Fingerübung aus den Händen von Robert Zemeckis, der dem Meister sicherlich nicht das Wasser reichen kann, trotzdem genügend Spannung produziert und in Gestalt dieses kleinformatigen Thrillers überzeugt. Mehr sollte das doch gar nicht werden. (6,5)

Takeshi Kitanos Dolls [ドールズ Dōruzu (Dolls)] (2002)
Wo "Brother" ein einziger betrüblicher Todesreigen war, ist "Dolls" eine episodenhafte, poetische, bildschöne Meditation über die Liebe, inklusive all der Melancholie und Tragik, die bei Kitano Takeshi zu erwarten war. Denn ähnlich wie es sich bei "Brother" keinesfalls um ein heroisierendes Gangster-Epos handelt, braucht man bei "Dolls" nicht auf eine kitschige, rosarote Märchenwelt der Zuckerguss-Liebe zu hoffen. Hingabe, Aufopferung und Verlust spielen bei Kitano eine ebenso ausschlaggebend Rolle, wie das reine, schwer fassbare Gefühl des Verliebtseins, das er versucht, jenseits von kindischer Liebelei oder verklärtem, hohlen Schmonzetten-Getue, zu ergründen und zu erfassen. Demzufolge offenbaren die verschiedenen Blickwinkel auf die Liebe bei "Dolls" stets ein zweischneidiges Schwert, das auf die ein oder andere Weise Erfüllung und Verdammnis zugleich zu verheißen scheint, eine untrennbare Symbiose bedeutet, die kein Übel, das man um des Guten willen in Kauf zu nehmen hat, darstellt, sondern sich als elementarer Wesenszugs der verschiedenen Beziehungen herausstellt. Ohne den Schmerz keine Liebe. Ohne Liebe keine Zweisamkeit. (8)
































16 - 6,3 (100,0)

Montag, August 19, 2019

Kurzreviews April/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 11 Filme und keine Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat April gesehen habe:


Filme
Poultrygeist: Night of the Chicken Dead (2006)
Troma, wie es Spaß macht, sein sollte und augenscheinlich ausschließlich Lloyd Kaufman auf die Beine gestellt bekommt: grelle, lustvoll Grenzen des guten Geschmacks überschreitende und jedwede Form von political correctness durch den Kakao, die Scheiße, die Kotze oder andere anti-appetitlicher Substanzen ziehende Groteske, ideen- und temporeich, obendrein unsagbar dämlich. Kurzum: 1a Trash! (Trash-Skala: 7,5)

Der Vorname (2018)
Sönke Wortmanns Remake der französischen Komödie reiht sich nahtlos ein in solche filmgewordenen Ensemble-Theaterstückchen à la Roman Polanskis "Der Gott des Gemetzels": eine gepflegte Assemblee von Angehörigen der besseren Gesellschaft oder wenigstens der oberen Mittelklasse wird durch einen vordergründiger Aufhänger, in diesem Falle die skandalöse Namensgebung des anstehenden Nachwuchses, die als kaum mehr als Mittel zum Zweck fungiert, das einzig dazu dienen soll, den schmückenden und Streitigkeiten, Unannehmlichkeiten oder allenthalben unverträgliche Geheimnisse verhüllenden gutbürgerlichen Putz zum Bröckeln zu bringen, ihres bornierten, in Konventionen erstarrten Schutzwalls beraubt, damit zur Auseinandersetzung und Aussprache gezwungen. So weit, so bekannt. Wortmann und Autor Claudius Pläging ringen dem nichts Neues ab, liefern gemeinsam mit den emsigen Darstellern zum Mindesten zuverlässige Zerstreuung, mal witzig, mal dezent dramatisch, bis zum Schluss alle ein wenig weiser sind - indessen ohne an der grundlegenden Struktur des Problems gerüttelt zu haben. (6,5)

Das Geheimnis von Marrowbone [Marrowbone(2017)
Beachtenswerte Mischung aus Waisen-Drama und wohldosierten Gruselanteilen, glänzt vor allem dank der herausragenden Jungdarsteller und die gleichermaßen traurige, wie spannende Handlung. (7)

Der Unsichtbare Gast [Contratiempo(2016)
Oriol Pauls eigenem "The Body" nicht unähnlicher Thriller, der sich wie ebenjener den finsteren Abgründen der menschlichen Seele, insbesondere der gefühlskalten, entmenschlichten High Society, widmet. Bis zum alles entlarvenden Finale schildert er ein packendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Frager und Befragtem, Täter und Rachsüchtigem, hält dabei die Ungewissheit und Anspannung gekonnt aufrecht. Den Twist mag man vorausahnen können, das tut der Spannung hingegen keinen Abbruch, hierzu ist die allem zugrundeliegende Tragödie, die eiskalte Berechnung, die abstoßende Unmenschlichkeit, sowie das entlarvende Taktieren der Beteiligten zu packend. Der Weg ist das Ziel, die Auflösung lediglich ein befriedigend inszeniertes Zusammenkommen aller Stränge, ein zwingender abrundender Schlusspunkt den Paul daruntersetzt. (7,5)

Julia's Eyes [Los ojos de Julia(2010)
Hier lässt mich mein Gedächtnis ein wenig im Stich, zum einen aufgrund des langen Zeitabstands, zum anderen da ich ihn damals bereits in einem mächtig übermannenden Dämmerzustand sah. Ausnahmslos wollte er mich nicht überzeugen, dabei bedient sich Guillem Morales in fachgerechter Manier des Tropus des blinden bzw. sukzessive erblindenden Protagonisten, der sich, einer seiner essentielle Sinne beraubt, einer sich nach und nach zuspitzenden Bedrohung ausgesetzt sieht und Morales weiß die unglückselige, dräuende Lage seiner Hauptfigur bisweilen nervenaufreibend in Szene zu setzen. Was mich an "Los ojos de Julia" letztlich gestört hat, kann ich leider kaum noch benennen, ich meine, Morales Inszenierung hielt nicht immer dem Einfallsreichtum des Drehbuchs, die aus der Blindheit Belén Ruedas resultierenden Gefahrensituationen immer wieder aufs Neue kunstfertig zu variieren, stand. Genaueres vermag ich nach einer etwaigen Zweitsichtung zu sagen. Bis dahin: (6,5)

Die Lustige Welt der Tiere [Animals Are Beautiful People(1974)
Über die der Entstehungszeit geschuldeten politischen Unkorrektheiten und grenzwertigen Ausrutschers des Kommentators müssen zartbesaiteter PCler unbedingt hinwegsehen können. Mir haben sie jedenfalls nicht geschadet, ganz gleich wie oft wir "Animals Are Beautiful People" in Kindestagen gesehen haben und bis heute stoßen sie mir weniger sauer auf als sie vielleicht sollten. Ein Grund dafür ist, dass er mehr unterhaltsamer Tierfilm denn professioneller Dokumentarfilm sein möchte. Der Unterhaltungsfaktor ist dementsprechend hoch, vermöge der verspielten Montagen, der gewählten Musik und der prächtigen Bilder. Er verzichtet nicht auf die Vermittlung von lehrreichen Informationen über die abgebildete Tierwelt, legt andererseits eine fluffige Leichtfüßigkeit an den Tag, die sich unverkennbar an ein kindliche Faszinationsvermögen richtet. Sicher: er kommt etwas angestaubt daher und man sollte ihn nicht allzu ernst nehmen. Ein vergnügliches Erlebnis ist er nach wie vor. (7)

Kikujiros Sommer [菊次郎の夏 Kikujirô no natsu (Kikujiro)] (1999)
Kitano Takeshi lässt zur Abwechslung die Yakuza ruhen, konzentriert sich statt dessen auf den herzerwärmenden Road Trip eines kleinen Jungen, der sich in Begleitung von Kitanos Kikujiro auf die Suche nach seiner verschollenen Mutter macht. Dem elementaren Prinzip des Road Trips folgend, stellt hierbei der Weg das Ziel dar und somit lernen sich die beiden unterwegs selbst und einander besser kennen, geraten in teils absurd komische, teils betrübliche Situationen, schließen ungewöhnliche Freundschaften mit Außenseitern, wie sie selbst welche sind. Trotz der Abstinenz von Gangstern und Gewaltausbrüchen erweist sich das unverkennbar als Kitano-typische Lebensreflexion, dieses Mal aus der Sicht eines Kindes, die der Regisseur einfühlsam und voller kindlicher Naivität wiedergibt, insbesondere in den malerischen Traumsequenzen. Dazu gesellen sich seine wiederkehrenden Stilmittel, etwa Kitanos Malereien, Engel- und Strandmotive, zuzüglich zu den Slapstick-artigen Einlagen. Denn "Kikujirô no natsu" ist fraglos Kitanos bis dato leichtherzigstes, familientauglichstes Werk, obgleich die für ihn obligaten melancholischen Zwischentöne ebenfalls anklingen, den frohgemuten Albernheiten stets eine unterschwellig bittere Erkenntnis über das Leben anlasten. Zum Schluss entlässt "Kikujiro" Masao, Kikujiro und den Zuschauer gleichwohl hoffnungsfroh und mit vielen schönen, denkwürdigen Erinnerungen und Erlebnissen. (8)

Zeit zu leben und Zeit zu sterben [A Time to Love and a Time to Die(1958)
Douglas Sirks außergewöhnlicher Anti-Kriegsfilm, den er mit den Mitteln des Melodramas erzählt und in dem er ein authentisches Bild Deutschlands und der Deutschen hinter der Front zeichnet. Authentisch, nicht weil er einer historischer oder dokumentarischer Präzision anhängt, sondern weil er um eine Darstellung der Deutschen bemüht ist, die dem Menschen dahinter gerecht wird, ihren Fehlern und Vorzügen ebenso Rechnung zollt wie ihren weniger vorzüglichen, bis gar monströsen Schattenseiten, nicht zuletzt dem Herzen verhaftet ist. Der daraus resultierende Querschnitt der Bevölkerung erzeugt einen wesentlich glaubwürdigeren, aufrichtigeren Eindruck der breiten deutschen Gesellschaft zu jener Zeit als es jede um krampfhafte, lehrreiche historische Akkuratesse bedachte (die Sirk mitnichten opfert!) deutsche Fernsehproduktion unserer Zeit sich jemals könnte. (9)

Be Cool - Jeder ist auf der Suche nach dem nächsten großen Hit [Be Cool(2005)
Einfallsloser Aufguss, der allen potenziellen Charmes des Vorgängers munter über Bord wirft, um für die nichtssagende Aufsteiger-Geschichte des entzückenden, herzensguten, talentierten Pop-Sternchens, dem Chili Palmer, von der Filmbranche offenbar angeödet, pflichtschuldig auf die Beine zu kommen hilft, Platz zu machen. Das stinkt durchgehend fürchterlich nach Selbst-Beweihräucherung der Musikszene statt nach geistreicher Satire und mäandert durch zahlreiche reizlose Sub-Plots vorbei an marginal interessanten Nebencharakteren bis zum öden Finale, hinzukommt eine Myriade bequem vermarktbarer Gesangs-Einlagen von Christina Milian & Gaststars. Ein Highlight gestehe ich ein: die "Pulp Fiction"-Tanz-Reminiszenz von John Travolta und Uma Thurman. Ansonsten ist "Be Cool" mit vergessenswert noch glimpflich umschrieben. (5)

Rocket Man [The Best of Times(1986)
Überraschenderweise fand ich, der Sportfilmen nicht sonderlich begeistert gegenübersteht, den ganz sympathisch. Ein bisschen bieder und männlicher Eitelkeit anhängend, ja. Der zwanglose, lockere Ton, sowie Robin Williams und Kurt Russell machen aus diesem kleinen Verlierer-Märchen zumindest unterhaltsame Kurzweil. (6)

Uncertain Guest - Du bist nicht allein. [El habitante incierto(2004)
Anfänglich passabler Paranoia-Thriller, der wirkungsvoll mit den urtümlichen Ängsten vor dem im ungewissen Dunkeln, in den irritierenden nächtlichen Geräuschen, tarnenden Schatten und uneinsehbaren Winkeln eines einsamen Hauses lauernden Unbekannten spielt. Über sich hinaus wächst er allerdings erst, wenn er im späteren Verlauf die Situation umkehrt, den Verängstigten selbst zum "schwarzen Mann", zum unbekannten, verstohlenen Besucher macht, der in den toten Winkeln, immerzu knapp außerhalb der Sichtweite seinem Opfer nachsetzt, es beobachtet und unentdeckt im Geheimen an dessen Leben teilhat. Das ist derart herrlich abgründig und bizarr mitreißend, dass ich diesen Kniff glattweg genial nennen würde. Das rettet für mich den bis dahin überdurchschnittlich ordentlichen Streifen. (7)






















11 - 7,0 (77,0)

Montag, August 05, 2019

Kurzreviews März/II/2019

Okay, das war eine besonders lange Blogpause, die ich mir gegönnt habe, beziehungsweise die ich zwangsläufig einlegen musste. Es gab privat unbeschreiblich viel zu tun und ein Blick auf die folgenden Listen offenbart, dass ich über einen längeren Zeitraum hinweg kaum Filme gesichtet habe, die Reviewlisten entsprechend kurz, eine gar leer ausgefallen sind. Wie dem auch sei: nach erfreulich verlaufenden Prüfungen und einem Kurz-Urlaub habe ich mich hingesetzt, um zumindest eine der ausstehenden Listen zu Ende zu bringen. Ich hoffe, dass ich die anderen fehlenden Reviewlisten alsbald ebenso nachreichen kann, idealerweise über den Monat August verteilt und ohne halbmonatliche Einteilung. Hoffentlich stellt mir der lange zeitliche Abstand zu einigen der zu besprechenden Sichtungen kein Bein...

Wie dem auch sei: hiermit präsentiere ich wiederum die 15 Filme und 1 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat März seit der letzten Liste gesehen habe:


Serien-Staffeln
Sex Education (Season 1) (2019) - (8-9)

Filme
Zatoichi's Revenge [座頭市二段斬り Zatôichi nidan-kiri(1965)
Ichi rächt seinen alten Massage-Lehrmeister, der einer Intrige des diesmaligen Yakuza-Magistrat-Konglomerats inklusive des fähigen Ronins, der sich an Ichi messen möchte, zum Opfer gefallen ist und hinterrücks gemeuchelt wurde. Abgesehen von Reihen-typischen Wiederholungstätern, sprich der üblichen Schwertschwingerei, der Jungfrau in Nöten, in diesem Falle die widerstrebend in den Dienst des örtlichen Yakuza-geleiteten Bordells gezwungene Tochter von Ichis ermordeten Lehrer, dazu ein munteres, vor kindlicher Lebhaftigkeit sprudelndes Mädchen, gefällt Miki Norihei sowohl in den ernsteren, als auch den leichteren Momenten, dass man sich glattweg wünscht, er wäre Ichis regulärer Sidekick. (7)

Zatoichi and the Doomed Man [座頭市逆手斬り Zatôichi sakate giri(1965)
Per Fujiyama Kanbis betrügerischem Hyakutaro begeht "Zatôichi sakate giri" weiterhin die Humor-Route und die Zeit, die sich Ichi mit Hyakutaros Eskapaden rumschlagen muss, sind in der Tat die unterhaltsamsten Minuten von "Zatôichi sakate giri". Wenn Fujiyama im späteren Verlauf sang- und klanglos aus der Handlung verschwindet, Ichi stattdessen abermals schwertkräftig die Yakuza aufmischt, ist das gewohnt gut gemachtes, obgleich inspirationslos runtergekurbeltes Chambara-Geschnetzel. (7)

Upgrade (2018)
Symptomatisch für mein Problem angesichts des flutartigen Netflix-Outputs. Ohne Frage hochgradig unterhaltsame Science-Fiction-Action, die Schlagabtausche zwischen Logan "Not Tom Hardy" Marshall-Green und der ihn in eine Art Cyberpunk-Superhelden verwandelnden Next-Gen-KI Stem bereiten Spaß, ebenso die nicht gerade zimperlichen, stylishen Action-Szenen, der Bösewicht und die Optik. Alles abseits davon ist derweil gerade Mal pflichtschuldige Klischee-Betreuung, die programmatisch abgearbeitet wird. Das führt mich zum vordringlichen Problem von "Upgrade", das zugleich Stein des Anstoßes aller (mir bislang bekannten) Netflix-Produktion zu sein scheint: in der Regel wirken die besten unter ihnen wie Hochglanz-B-Movies, manche mal mehr, andere mal weniger ambitioniert, die sich ehedem hervorragend fürs Videotheken-Regal geeignet hätten, heute hingegen, da die Videotheken-Kultur allmählich Geschichte ist, faute de mieux gen Netflix profugieren. Eine aufregende Alternative zum Kino verheißen sie im seltensten Fall, meistenteils kommen sie vielmehr einem besseren Kompromiss gleich, nichts Halbes und nichts Ganzes. Dieses Problem manifestiert sich frappant in "Upgrade", der sich unterm Strich zugegeben zu den höherklassigen Exemplaren seiner Gattung zählen darf, nichtsdestoweniger günstigstenfalls ein "Ein-mal-Angucken"-Kandidat ist, der schlicht und ergreifend zu wenig aufbietet, um ihn über sich hinauswachsen zu lassen. Wie gesagt: er macht Spaß, mehr jedoch nicht. (7)
Operation: Overlord [Overlord(2018)
Ein weiteres B-Movie, welches sich glücklich nennen darf, die Segnung eines höheren Budget für sich verbuchen zu können, weswegen es nach mehr ausschaut, traurigerweise nicht mehr daraus macht. Nach einem schwungvollen Beginn und der Einführung eines charismatischen Bösewichts (sein maliziöses Charisma prädestiniert Pilou "Euron Greyjoy" Asbæk geradezu für die Rolle des Fieslings) sitzen unsere Helden zunächst lange, lange Zeit auf einem Dachboden fest und wenn so ein B-Movie die längste Zeit auf der Stelle tritt, ist das kein gutes Zeichen. Eine gefühlte Ewigkeit braucht "Overlord", bis es allmählich vorangeht und die Handlung Schwung aufnimmt, was bei dem bisschen Story nicht gerade hilfreich ist. (6,5)

Ivanhoe - Der schwarze Ritter [Ivanhoe(1952)
Ein immergrüner Klassiker des Ritterfilms, detailverliebt, prächtig ausgestattet und ansehnlich gefilmt. Neben den Kostümen und Kulissen wissen die tollen Turnier-Kämpfe, die kühne Erstürmung einer Burg durch Robin Hoods Mannen in Strumpfhosen, sowie insbesondere der finale Zweikampf zu gefallen. Persönlich hege ich zudem seit jeher eine Schwäche für das dramatische Liebesdreieck zwischen Elizabeth Taylor, George Sanders und Robert Taylor, eine Liebe, die auf allen Wegen unerfüllt bleiben muss und sogar im Triumph einen bitteren Beigeschmack in sich birgt. (7,5)

Michael Clayton (2007)
Tony Gilroys Anwaltsfilm besticht dadurch, kein Anwaltsfilm zu sein. Er ist eine vielschichtige Charakterstudie, die fraglos in diesem Milieu angesiedelt ist, es hinwiederum zu Nutzen versteht, um seine Figuren und ihre Position in diesem System zu reflektieren. Drama- und Thriller-Elemente profilieren die Akteure, zwingen sie letztendlich, allen voran George Clooneys Michael Clayton, zur Selbstbetrachtung und Konfrontation ethischer und moralischer Standpunkte. (7)

Secrets of a Court Masseur [不知火檢校 Shiranui kengyô (The Blind Menace)] (1960)
Bevor Mori Kazuo und Katsu Shintaro "Zatoichi"-Erfolge feierten (u.a. "Zoku Zatōichi Monogatari" und "Zatōichi sakate-giri" (s.o.)), durften sie den perfidesten, hinterhältigsten, gerissensten blinden Übeltäter auf die nichtsahnenden Feudalgesellschaft Japans loslassen, den die Filmwelt je gesehen hat. Die vollumfängliche Anti-These zu Zatoichi, dessen zweifellos vorhandenen düstereren Facetten selten sein von Grund auf gutes, dem Leben und Menschen zugetanes Wesen restlos zu unterminieren drohen. Suginochi ist konträr dazu von einem gänzlich anderen Schlag, eine bösartige, einzig dem eigenen Vorteil und den eigenen niederen Trieben verhaftete Kreatur, welche die geringste Schwäche seines Gegenübers zu seinen Gunsten und zum Leid des jeweils anderen auszunutzen versteht, manipulativ, verschlagen und schamlos agiert, der keine Hinterlist zu schäbig ist, um an ihr Ziel zu gelangen. Für Katsu markierte "Shiranui kengyô" den Durchbruch, in jedem Fall konnte er seine intensive Darstellung des blinden Protagonisten bereits in höchster Ausgereiftheit erproben, die er nachfolgend für die "Zatoichi"-Reihe perfektionieren sollte. So oder so: ein herrlich fieses Ding. (8)

Zatoichi and the Chess Expert [子連れ狼 冥府魔道 Zatôichi jigoku tabi(1965)
aka "Showdown for Zatoichi" bzw. "Zatoichi's Trip to Hell". Serien-Habitué Misumi Kenji beschert ihr seinen nächsten Höhepunkt: vor allem die vielfältigen Schauplätze bringen ein gehöriges Maß an Abwechslung ins bunte, nicht minder wechselvolle Treiben, zumal Misumi  ein unvergleichliches Gespür für die Austragungsorte an den Tag legt und an den Zuschauer weitergibt. Narita Mikio, der eponyme Schach-Experte, darf darüber hinaus mit Fug und Recht einer der einprägsamsten auftretenden Widersacher genannt werden, dessen Duell mit Ichi zwar vergleichsweise knapp gefasst ausfällt, zu diesem Zeitpunkt blicken die beiden hinwiederum auf eine lange gemeinsam verbrachte Wegstrecke zurück, die sie zu einander respektierenden Weggefährten reifen ließ, seinem Charakter Raum zur Entfaltung gab, wodurch sich eine beträchtliche Spannung zwischen ihnen aufbauen konnte, die sich im Finale in einem gebührenden Blitzschlag entlädt. Ein Highlight. (8,5)

88 Minutes (2007)
Leidlich packender, überkonstruierter Thriller voller vordergründiger, oberflächlicher Hochspannung und wenig Substanz, der Ansätze von Logik und Vernunft in einem Schwall von Tempo und ebenso ostensibler, wie durchschaubarer erzählerischer Kniffe und Tricks erstickt. (5)

Hana-bi - Feuerblume [はなび Hana-bi (Fireworks)] (1997)

Schnappt Shorty [Get Shorty(1995)
Mochte ich beim ersten Mal überhaupt nicht, den dezenten Kult-Status, den er hie und da genießt, hat sich mir seinerzeit nicht erschließen wollen. Drum sollten Jahre ins Land ziehen, bis ich ihm eine zweite Chance gewährte und obzwar ich ihn nach wie vor nicht für einen herausragenden Überflieger halte, hatte ich nichtsdestominder Spaß an Barry Sonnenfelds nicht uncharmanten Semi-Parodie auf das Hollywood-Studio-Business, die allerdings mehr aufgrund ihrer gut aufgelegten Darsteller, angeführt von John Travoltas lässigen Chili Palmer, und weniger aufgrund von Raffinesse bei Laune hält. (7)

Bird Box (2018)
Hierzu könnte ich vielfach meine zu "Upgrade" vorgebrachte Kritik an Netflix-Werken wiederholen. Brauchbares Endzeit-Drama mit Gimmick (bei "A Quie Place" wird das Hören zum Quell aller Todesgefahren, hier das Sehen... fehlen noch Pendants fürs Schmecken, Fühlen und Riechen... und wehe uns, wenn sich Monster über alle Sinne gleichzeitig Zugang zu unserem Verderben verschaffen!), dass die Menschheit zum wiederholten Male und ohne sonderliche Varianz in die äußersten Ecken des Überlebenskampfes drängt und sie sich dergestalt abermals mit sich selbst konfrontiert sieht, hinauslaufend auf ein ärgerliches Ende. Einmal ausleihen, meine streamen langt vollkommen. (6)

A Quiet Place (2018)
Wie gesagt: brauchbares Endzeit-Drama mit Gimmick, an dem mir zumindest die Reduzierung auf das Wesentliche besser geschmeckt hat, die Konzentration auf den suspensereichen Kampf einer Familie gegen ein einzelnes, vermittels seiner überlegenen akustischen Wahrnehmung die Vormachtstellung des Jägers für sich beanspruchenden Monsters. Bedingt durch dieses Gimmick rücken die Erfahrbarkeit und Auswirkung von Stille in den inszenatorischen Mittelpunkt, erlauben Regisseur und Darsteller John Krasinski den Zugang zu einer spezielle Atmosphäre, die auf einem behutsam umgesetzten Konzept von Bild- und Ton-Verknüpfung fußt, das sich zum ausdrucksstarken Experimentieren mit der Interdependenz von Bild und Ton des Mediums entscheidend wirkungsvoller instrumentalisieren lässt als es dem "Sehen/Nicht-Sehen"-Gimmick von "Bird Box" jemals möglich gewesen wäre. Schließlich erschöpft sich das Konzept "Nicht-Sehen" bei einem visuellen Medium wie Film unversehens schnell, unterdessen Stille, insbesondere der Verzicht auf das elementare Kommunikationswerkzeug Sprache, ein maßgebliches, ergiebiges Stilmittel darstellen kann. In jedem Fall weiß Krasinski um dessen Wirkung und bringt es effektvoll zum Einsatz, wobei ihm besagte Reduktion einen entsprechenden Rahmen zur Hand gibt. (7)

Alita: Battle Angel (2019)
In Unkenntnis des Mangas und der OVA (obwohl ich diesen Missstand vor Kinobesuch zu beheben gedachte). Eine "Valerian and the City of a Thousand Planets" nicht unähnliche Erfahrung, ergo zuvorderst ein Paradebeispiel für tolles, kreatives, immersives Worldbuilding und Production Design, ein wundervoll elaborierte Welt, angefüllt mit einer Fülle an Attraktionen. In dieser Welt erzählt Robert Rodriguez eine herkömmliche Pinocchio-Geschichte, von Menschwerdung im Angesicht von nachlassender Menschlichkeit, von einer Kriegsmaschine, die eine anakreontische Entwicklung durchläuft und von den Widrigkeiten, die sie auf ihrem Weg zu überwinden hat. Wider Erwarten balanciert Alitas Äußeres gekonnt Befremden ob ihres artifiziellen Äußeren und Mitgefühl aus, weswegen sie sich als starker emotionaler Dreh- und Angelpunkt erweist, ihren Sense of Wonder für die Schönheit des Lebens, der Liebe, der Freundschaft nahtlos auf den Zuschauer überträgt und sich mit diesem deckt. Ein stärkerer Kontrast zu den turbulenten, stilisierten Action-Szenen hätte diese affektiven Aspekte verstärkt hervorheben können, was die niedrigere Altersfreigabe bedauerlicherweise obstruiert. Über eine Fortsetzung, dies sei zugestanden, würde ich mich freilich freuen, ungeachtet aller Schwächen. (7)
Darfur - Der vergessene Krieg [Darfur(2009)
Uwe Boll schwingt ein weiteres Mal die Moralkeule auf seine ureigene Art, versucht gewaltsam und rabiat den Menschen ein in Vergessenheit zu geraten drohendes düsteres Kapitel von Menschenrechtsverletzungen, Gemetzel und Blutvergießen vor Augen zu führen. Ein hehres Anliegen, das er im Vergleich zu "Auschwitz" halbwegs wirkungsvoll umsetzt, die Ohnmacht ob der gezeigten Grausamkeiten und Abscheulichkeiten bedrückend einfängt. (6)

























15 - 7,0 (105,5)

Dienstag, Mai 21, 2019

Game of Goats - Final Episode

Nein, ich bin derzeit nicht zu faul die Reviewlisten weiterzuführen (oder, naja, ein bisschen schon), es liegt viel mehr daran, dass ich derzeit schlicht und ergreifend die Zeit fehlt für meinen Blog schreiberisch tätig zu werden. Mit etwas Glück und ausreichend Anti-Schweinehund-Medikamentation intus schaffe ich es vielleicht Ende Mai zumindest eine der ausstehenden Liste fertigzustellen.

Aber das liegt mir gerade gar nicht auf dem Herzen. Denn, oh weh, oh weh: aus und vorbei ist's mit "Game of Thrones". Die achte und letzte Staffel hat der Serie ein Ende beschert und damit eine der erfolgreichsten, größten, berüchtigsten Serien der letzen Jahre abgeschlossen (etwaige Spin-offs außen vor gelassen). Da wird man beinahe wehmütig, darauf muss man sich geistig erst mal einstellen. Und entgegen der *hust* "verhaltenen" "Fan"-Reaktionen, fand ich die achte Staffel durchaus gelungen und empfinde sie als zufriedenstellenden, halbwegs runden Abschluss des Ringens um den eisernen Thron. Ohne Frage haben der Serie die verkürzten Staffeln und George R. R. Martins fauler Arsch nicht gutgetan und das perfekte Ende haben wir nicht zu sehen bekommen. Dennoch kann ich mit dem, was wir bekommen haben, ganz gut leben. Und die Reaktionen der Fans kann man einfach nur noch absurd und lachhaft nennen, insbesondere solche, die die bizzarsten Dinge heranziehen, die ihnen nicht gepasst haben und welche sie hernach als "Logiklöcher" meinen verbreiten zu müssen.

Wie dem auch sei. Zum Abschied an diese großartige Serie mit all ihren Höhen und Tiefen bitte ich darum, dass sich alle erheben und dieser wundervollen Hymne der Serie lauschen.



*schnief*

Freitag, März 15, 2019

Kurzreviews März/I/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 17 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat März gesehen habe:


Serien-Staffeln
Das Boot (1985) - (9-9,5)
Final Space (Season 1) (2018) (7-7,5+)

Filme
Ring 2 [リング2 Ringu 2(1999)
Das Retcon-Sequel, die Reaktion auf den ausbleibenden Erfolg von "Rasen" (dazu später mehr). Es gibt bedeutend missratenere Aufgüsse, lobend erwähnt sei, dass Nakata Hideo merklich bemüht war, das Rezept von "Ringu" nicht 1 zu 1 zu wiederholen, stattdessen den Mythos auszubauen und tiefer zu ergründen, ohne das grundlegende im Dunkel liegende Mysteriöse seiner Ungewissheiten zu berauben, zwar Antworten auf mancherlei Ungeklärtes liefert, dafür einem unbändigen Schwall neuer Geheimnisse den Weg bereitet. Mit der Mischung aus Vertiefung von Elementen aus "Ringu", den präkognitiven Menschen beispielsweise, und vordergründigen, effektbetonten Horror fährt er ganz gut, wobei der pseudowissenschaftliche Anteil, die schwierig zu überblickende Dramatis Personae, sowie die neu aufgeworfenen Fragen, auf wen, warum und auf welche Weise Sadakos Fluch Einfluss nimmt, die beklemmende Suggestivkraft von "Ringu 2" merklich dämpfen. Vieles davon macht sich aus wie in einem kurzfristig anberaumten Brainstorm-Meeting zum Thema "Ringu" zusammengetragen und wirr, unüberschaubar, nicht zu Ende gedacht zusammengeworfen, zumal das drängende Wettlauf-gegen-die-Zeit-Gefühl weitestgehend ausbleibt. Zwiespältig. (7)

Ring: Spiral [らせん Rasen(1998)
Rücken an Rücken zu "Ringu" entstanden und zeitnah ins Kino gebracht, hält sich Iida Joujis Versuch einer Fortführung dichter an Suzuki Kojis Roman-Fortsetzung "Spiral", was in einem auffälligen Hang zu Science-Fiction und Genforschung resultiert. Diesen Bereichen neigt "Rasen" sogar stärker zu als dem handelsüblichen J-Horror-Charakter des Originals, mit dem er letzten Endes nur wenig gemein hat. Das offenbart einen mitunter abgespaceten, nichtsdestotrotz höchst interessanten neuen Blickwinkel auf den Sadako-Fluch, der hier aus einer wissenschaftlichen, epidemiologischen Perspektive betrachtet wird. Leider versteift sich Iida bei der Umsetzung auf ausgesprochen zähe und künstlich in die Länge gezogene Dialogszenen voller erzwungener Pausen, die die Geschichte lediglich schleppend voranbringen. Genau genommen war es mir noch nie möglich, "Rasen" ob seiner bleiernen Langsamkeit in einer Sitzung durchzuhalten, ich musste ihn auch dieses Mal aufgrund seiner einschläfernden Berieselung und mühseligen Erzählweise in wenigstens zwei Etappen konsumieren. Ich möchte "Rasen" gar nicht schlecht reden, besagte Trägheit gehört irgendwo zur Atmosphäre dazu und eine aufschlussreiche Variante zu "Ringu 2" stellt "Rasen" so oder so dar. Er entwickelt sich eben komplett anders und setzt andere Schwerpunkte - nicht wirklich gelungen, aber anerkennenswert. (4,5)

Ring Ø [リング0 バースデイ Ringu 0: Bâsudei (Ring 0: Birthday)] (2000)
Das obligatorische Prequel war nicht zu vermeiden gewesen. So gesehen macht Tsuruta Norio einen zweckdienlichen Job, präsentiert uns Sadako zur Abwechslung weniger in Gestalt des mordlüsternden Monsters, sondern als Opfer ihrer Mitwelt, die den Sonderling für ihr Außenseitertum bestraft, was unweigerlich zur Katastrophe führen muss, bleibt fernerhin der Vorgehensweise treu, für jede beantwortete Frage tausend neue Rätsel aufzugeben, was Sadakos anziehendes Geheimnis aufrechterhält. Grusel-Terrain touchiert Tsuruta die längste Zeit bestenfalls am Rande, den Großteil gestaltet er nach Machart eines Dramas, gesteht Sadako ein sanftes, scheues Wesen, einen liebevollen Schwarm, obendrein eine heilende Hand zu. Selbstverständlich werden ihre Anwandlungen gepaart mit den Mordfällen und unheimlichen Vorkommnissen von den sie umgebenden Menschen fehlgedeutet, was konsequenterweise die gesamte Belegschaft ins Unglück stürzt. (6)

Ju-on: The Grudge [呪怨 Ju-on(2003)
Mit dem Erfolg der V-Cinema-Version bekam Shimizu Takashi die Gelegenheit, seinen furchteinflößenden J-Horror für die große Leinwand zu adaptieren. Die wesentlichen Stärken überträgt er mühelos auf das neue Format (auf die Gefahr mich zu wiederholen): die fragmentarische Narration, die dunkle, bedrückende Stimmung und das ins unendlich mäandernde Fortbestehen des Schreckens finden allesamt Eingang beim "großen Bruder", wo sie ihren beängstigenden Effekt ebenfalls nicht verfehlen. Seine eklatantesten Schwächen erbt er fraglos desgleichen, die wechselnden Erzählperspektive erschwert die Identifikation, die lose verbundene Episodenstruktur obstruiert, wen wundert's, eine klassischen, zielgerichtete Erzählstruktur. Freilich sind diese Schwächen der V-Cinema-Fassung ähnlich durchaus in der Lage zu Stärken zu werden, Spannung und eine Gänsehaut weiß Shimizu sowieso durchweg zu erzeugen. (7,5)

The Final Storm (2009)
R.I.P. Luke Perry. Ein unerwartet solider, um nicht zu sagen kompetent gemachter Endzeit-Thriller von Uwe Boll, der, obgleich handwerklich nicht der Rede wert, erfreulicherweise auf seine habituellen Politika verzichtet, sich vollauf seinen Hauptdarstellern, ihrem Überlebenskampf und ihrem Verhältnis zum undurchsichtigen Charakter Perrys widmet. Nicht zwingend als Boll-Werk erkennbar, gut gespielt, sogar, man wagt es kaum zu sagen, spannend. (6,5)

Dead or Alive 2: Birds [DEAD OR ALIVE 2 逃亡者 Dead or Alive 2: Tôbôsha(2000)
Das Miike Takashis Repertoire über weitaus mehr regiert als bloß Degout-erzeugende Grenzüberschreitungen war mir klar. Und doch zeigte ich mich überrascht von der nachgerade sensiblen Schilderung nostalgischer Anwandlungen zweier Auftragsmörder, die aus dem in Gewalt und Yakuza-Querelen erstickenden Großstadtmoloch auf die Insel flüchten, auf der sie dereinst in demselben Waisenhaus Seite an Seite aufwachsen sind. Gemeinsam mit einem dritten Kindheitsfreund, der sein Heil nicht in der Stadt gesucht hat, schwelgen sie fortan in Erinnerungen, befreien sich vom Ballast des Mordens und des Tötens, kehren im Geiste zurück zu den unschuldigen, glücklichen Kindestagen, derweil in Tokio die Hölle losbricht. Die Evokation nostalgischer Glücksgefühle, der Kontrast kindlicher Unschuld im Angesicht der düsteren, tristen Erwachsenenwelt, sowie die Familien bzw. Ersatzfamilien beigemessene Bedeutung sind grundlegende Tropen in Miikes Œu­v­re, vergleichbar ergreifend und ausdrucksstark habe ich sie allerdings bislang nicht erlebt und nach "Dead or Alive: Hanzaisha" muss ich gestehen sie nicht in dieser Ausprägung beim Sequel erwartet zu haben. Tatsächlich fühlte ich mich an Kitano Takeshis "Sonatine" erinnert, der seine abgestumpften Yakuza-Fußsoldaten einer nicht unähnlichen raumbezogenen Katharsis unterzieht, bevor sie ihr Schicksal ohne Gnade einholt. "Dead or Alive 2: Tôbôsha" verzeichnet eine diesbezügliche äquivalente Ausdruckskraft, welche die brütende Hitze des schweißtreibenden Sommerklimas auf der Insel, die kindgleiche Ausgelassenheit, die sich der drei Männer bemächtigt, hinzukommend die kontrastierende Gewalt vielsagend illustriert. An Miike-typischen comichaften, surrealistisches Terrain streifenden übersteigerten Darstellungen fehlt es "Dead or Alive 2: Tôbôsha" übrigens nicht, sie stehen lediglich in einem sinnvollen Kontext, der die Handlung nicht überlagert. (8)

Siegburg [Stoic(2009)
Der tragische Fall des Foltermordes in der JVA Siegburg birgt zweifelsohne das Potenzial für Uwe Boll-typische Predigten - und sein Stammtisch-Getue klingt an, keine Frage, maskiert unter einem reduzierten Kammerspiel, das Boll gottlob in seinen gestalterischen Ausdrucksformen limitiert, was ihn nicht daran hindert vorzutäuschen, die abscheulichen Vorkommnisse und ihre Täter psychologischen zu durchleuchten. Was einerseits in der Tat einer unbezweifelbaren Wirkkraft ob der nüchternen Darlegung der alles andere als leicht zu ertragenen Untaten nicht entbehrt, legt andernteils Bolls übliche Überheblichkeit offen, die Niederträchtigkeit, höchstens schlummernde, auf eine Gelegenheit zum Durchbruch wartende Bösartigkeit des Menschen entschlüsselt und entlarvt zu haben. Das kreuzt hart an der Grenze zum selbstzweckhaften Voyeurismus, liegt streng genommen näher an "Seed". (5)

Zatoichi's Flashing Sword [座頭市あばれ凧 Zatôichi abare tako(1964)
Ein minder bemerkenswertes Zatoichi-Abenteuer, standardmäßige Yakuza-Intrigen, die Ikehiro Kazuo vermittels einfallsreicher Kadrierungen stimmig aufpeppt. Ein paar Details stechen hervor, grandios ist das Finale, in dem Ichi wie eine Naturgewalt, ein unaufhaltsamer Dämon, ein gnadenloser Rächer monströs in Erscheinung tritt, unter einem vom Feuerwerk erleuchteten Nachthimmel blutige Vergeltung übt. (7)
Mafia! - Eine Nudel macht noch keine Spaghetti! [Jane Austen's Mafia!(1998)
Wie gesagt: ZAZ-Komödien haben bei mir einen Stein im Brett. Jim Abrahams Mafia-Parodie hingegen konnte mich höchstens gehemmt zum Schmunzeln bringen, einem gelungenen Gag ab und an standen dutzende saft- (meistens...) und kraftlose Albernheiten gegenüber, die eher an den "Scary Movie"-Quatsch erinnerten. (6)

Fight, Zatoichi, Fight [座頭市血笑旅 Zatôichi kesshô-tabi(1964)
Verfolgt einen von der herkömmlichen Schablone gelinde abweichenden Ansatz, ganz besonders im Vergleich zu den actionlastigeren Vehikeln der Reihe. Nach wie vor darf Ichi seine Schwertmannskunst gegen hinterlistige Widersacher in kleineren Geplänkeln zur Schau stellen, einer Frau den Kopf verdrehen und betrügerische Yakuza listig übertölpeln. Allein die beschriebenen Situationen sind allenfalls Etappen auf Ichis Roadtrip, sein eigentliches Ziel ist die sichere und wohlbehütete Aushändigung eines Säuglings an den Vater, nachdem die Mutter durch eine unglückselige Verwechslung an Ichis statt ermordet wurde. Ichis wachsende Zuneigung zu dem Neugeborenen rückt fürderhin in den Mittelpunkt, alles abseits dieser erblühenden Beziehung, etwa die sporadischen Attacken der Verfolger, gerät zur Nebensächlichkeit. Kein prägnanter Gegner, kein alles durchdringendes Drama. Der Ton gerät in der Folge entschleunigt, gemächlich, verheißt Ichi gleich "Shin Zatôichi monogatari" einen Ausweg, eine Aussicht auf ein friedliches, von Glück erfülltes Leben, ein Was-wäre-Wenn-Szenario, eine Utopie. Das macht "Zatôichi kesshô-tabi" zu einem gleichermaßen leichtherzigen, wie traurigen, obschon nicht unbedingt zum aufregendsten Beitrag zur Reihe. (7)

Adventures of Zatoichi [座頭市関所破り Zatôichi sekisho yaburi(1964)
Zatoichi No. 9 ist im Gegensatz "Zatôichi kesshô-tabi" deutlich rasanter und abenteuerlicher, es gibt viel für Ichi zu tun, erneut drohen eine missgünstige Allianz zwischen den örtlichen Yakuza und dem heimtückischen Magistraten den gutherzigen Menschen und Schaustellern der Umgebung zuzusetzen, derweil gleich zwei Exemplare holder Weiblichkeit auf seine Hilfe angewiesen sind. Die Vorbereitungen für die Neujahrsfeier bringt Farben, Lebhaftigkeit und Humor in die abwechslungsreiche, dynamische Handlung, unterdessen Ichi sich an der Vielzahl an Nebencharakteren aufreiben darf, unter denen ein alter, runtergekommener Trunkenbold, in dem Ichi seinen Vater wiederzuerkennen meint, insbesondere hervorsticht, wie überhaupt Vater-Figuren eine signifikante Rolle einnehmen. Alles andere, die Jungfrauen in Nöten, die durchtrieben Yakuza, der stolze Rivale reserviert für den Endkampf, ist guter Zatoichi-Standard. (7,5)

The Grudge - Der Fluch [The Grudge(2004)
Der Erfolg von Shimizu Takashis Geister-Terror "Ju-on" musste angesichts des im Westen grassierenden J-Horror-Hypes über kurz oder lang die Aufmerksamkeit Hollywoods auf sich ziehen. Auftritt Sam Raimi, der es Shimizu ermöglichte, "Ju-on" für den amerikanischen Kino-Markt zu adaptieren: grosso modo ist "The Grudge" derselbe Film ohne vorstehend neues zu bieten, Story, Schauplatz und Umsetzung sind praktisch identisch, abgesehen von dem ein oder anderen Zugeständnis an das westliche Publikum, konkret manifestiert in der Besetzung kaukasischer Hauptdarsteller (frisch vom "Buffy"-Set: Sarah Michelle Gellar). Über das Für und Wieder, Sinn und Unsinn eines solchen Remakes oder allgemein die Ignoranz des amerikanischen Ottonormalverbraucher-Kinogängers könnte man nun breitgetreten streiten. Fakt ist: "The Grudge" gruselt nicht besser oder schlechter verglichen mit dem Original, die Rezeptur bleibt dieselbe und verursacht unverändert effektiv eine Gänsehautattacke nach der nächsten, schlimmstenfalls machen sich die Abnutzungserscheinungen von Shimizus Vorgehensweise nachdrücklicher bemerkbar. (7)

Ju-on: The Grudge 2 [呪怨2 Ju-on 2(2003)
Abnutzungserscheinungen sind ein gutes Stichwort, denn die zeigen sich bereits bei der "Ju-on"-Kino-Fortsetzung. Um das klarzustellen: Shimizu Takashi beweist unvermindert ein Gespür für erschreckende bis verstörend unheimliche Einfälle, man denke an das Pärchen, das durch ständiges Geklopfe an der Außenwand ihrer Wohnung gestört wird und was diese Geräusche letztendlich verursacht. Was diesen Einfallsreichtum allmählich ausbremst ist, wie repetitiv die einzelnen Episoden, die in diesem Falle eine stärkere Verbindung untereinander tragen, unlängst ausfallen. Analog zu James Wan, an und für sich nicht untalentiert bei der Vorbereitung und Ausführung von den leider Gottes im kontemporären Horrorkino inflationär eingesetzten Jump Scares, hat man sich zwischenzeitlich an Shimizus Modus Operandi gewöhnt, seine Mechanismen, seine Muster durchschaut. Das beraubt sie nicht zwangsläufig ihrer elementaren schaurigen Einwirkung, sie setzten bloß schrittweise Staub an... und so langsam habe auch ich genug von den japanischen Gruselmädchen, wie damals. (6,5)

Halloween: Resurrection (2002)
Ist schon schlimm, seien es die nervigen, unsympathischen, strunzdummen Schießbudenfiguren, die hier als Teenager durchgehen sollen, der halbherzige, Potenzial ungenutzt liegen lassen Live Webcam-Plot oder die muffige Inszenierung. Andererseits fühlte ich mich gerade davon königlich amüsiert, das Meyers-Haus-Setting in seiner Spukhaus-Aufmachung hat mir gefallen, die grundsätzliche Blödheit des Stangenwaren-Teenie-Slashers entfaltet sich köstlich... ja, peinlicherweise mag ich den. (Guilty Pleasure-Wertung: 6)

Sadako vs Kayako [貞子 vs. 伽椰子 Sadako vs. Kayako(2016)
Na gut, der musste noch sein. Wenn es "Freddy vs. Jason" gibt, warum dann nicht detto "Sadako vs. Kayako"? Warum nicht die zwei größten Ikonen des J-Horrors aufeinanderhetzen? Dachten sich die Japaner scheinbar gleichfalls. Herausgekommen ist nach Fan-Film riechender Kintopp, der die beiden wuterfüllten Mörderdamen nicht so wirklich auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen versteht, die Erfüllung des süßen Versprechens im Titels lässt lange, lange auf sich warten, ist zu allem Überfluss ehe man sich versieht vorbei bevor es richtig begonnen hat. Erst auf der Ziellinie kam den Machern die zündende Idee: der Sadako-Kayako-Blob! Das Ding hat schon Potenzial... (4,5)

Scary Movie 3 (2003)
Unrated (Scary Movie 3.5). Fürchterlich dated, wie die gesamte Reihe. Ich gebe unumwunden zu: seinerzeit fand ich den ziemlich witzig, hielt ihn geradezu für den Besten der Trilogie. Einräumen muss ich, dass die Gags im Klima der damaligen Kinolandschaft besser gezündet haben, die Sichtung von "Ringu" und "Ju-on" im Vorfeld war in dem Sinne nicht das schlechteste Vorprogramm, den Test der Zeit haben sie jedoch nicht schadlos überstanden, ganz im Gegenteil. Über Manches kann ich bis heute schmunzeln, anderes lässt mich peinlich berührt zurück in dem Gedanken, was ich früher daran witzig gefunden haben mag. (5)

Operation Olympus - White House Taken [Suddenly(2013)
Eine brauchbare Prämisse für einen spannungsgeladenen Thriller, die Uwe Boll, wen wundert's, gräulich verhunzt. Wie der Mann es fertigbringt, nicht den geringsten Funken Spannung zu erzeugen, selbst in Szenen, die sich praktisch mühelos dafür angeboten hätten, ist beachtlich. Nicht ärgerlich, nur egal und kreuzöde. (2)




























17 - 6,1 (103,0)

Montag, März 11, 2019

Chuck Day!

Verflixt! Schon wieder den Chuck-Tag vergessen! Das wird kein gutes Ende mit mir nehmen...

Montag, März 04, 2019

Kurzreviews Februar/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 28 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Februar gesehen habe:


Serien-Staffeln
Archer Danger Island (Season 9) (2018) (7-8)
Nightflyers (Season 1) (2018) (5,5-7)

Filme
Three: Going Home [三更:回家 San Geng: Hui Jia(2002)
Director's Cut. Peter Chans herzbewegender Beitrag zum Anthologiefilm "Three" war schon ehedem weniger Grusel, mehr Drama, daran ändert der geringfügig längere Director's Cut nichts, fügt der sensiblen Vignette um hingebungsvolle und aufopferungsbereite Liebe dafür einige dankbare neue Szenen hinzu. (7)

Das Meer war ruhig [あの夏、いちばん静かな海 Ano natsu, ichiban shizukana umi (A Scene at the Sea)] (1991)
Der Strand und das Meer! Die beiden vergaß ich unter den typischen, obligatorischen Kitano Takeshi-Tropen bei "Boiling Point" aufzuzählen (dort sind sie gleichfalls vertreten)! Dabei nehme sie eine signifikante Funktion in seinem Œuvre ein, bilden in ihm einen fortwährend wiederkehrenden Rückzugsort, ein Grenz- und Übergangsbereich, einen befreiten und befreienden Raum der Ruhe, Kontemplation und des Zu-sich-Findens, des Friedens, der Freude und der Entzückung. In seiner dritten Regie-Arbeit spielen sie nachgerade die erste Geige, nur wenige Szenen findet nicht dort statt und an keinem Ort können sich die Protagonisten freier entfalten, entwickeln und erblühen.
In "Ano natsu, ichiban shizukana umi" widmet sich Kitano zum ersten Mal dezidiert und ausschließlich einem feinfühligen Drama-Stoff, dem Liebeserlebnis zweier Menschen, die nicht sprechen können, aber auch keiner hinderlichen Worte bedürfen, die die Menschen ihrer Umgebung zutiefst rühren und für sich einnehmen, sowie die Geschichten einer leidenschaftlichen Verbindung zwischen Mensch und Natur, dem Surfer und der unbändigen Gewalt des Meeres. Was mich daran vor allem bewegt hat, ist, wie Kitano, mancher Studio Ghibli-Großtat nicht unähnlich, eine unbeschreibliche Schönheit und Vollkommenheit des Alltäglichen in Bilder fasst, fernab überkandidelter Melodramatik oder aufgeblasener Einzelschicksale von Wunderkindern. Was wir sehen, ist was wir bekommen, in Form und Inhalt auf das Essentiellste reduziert, doch kaum jemand versteht es, diesem einfachen, schlichten Sein eine vergleichbare inhärente, kostbare Schönheit abzuringen und diese visuell zu vermitteln. Kitanos ruhiger Inszenierungsstil, seine langen Kamera-Einstellungen und behutsamen Schnitte, seine Hinwendung zum gewöhnlichen Menschen und zu liebevoll gezeichneten Nebenfiguren, nicht zu vergessen die beseelte Musik von Joe Hisaishi, dessen langjährige Kollaboration mit Kitano hier seinen Anfang nahm, machen in meinen Augen daraus ein frühes, warmherziges Meisterwerk. (9)

Sonatine [ソナチネ Sonatine(1993)
"Sonatine", Kitano Takeshis Rückkehr zum yakuza eiga und seine erste Leistung, die international breitflächige Anerkennung fand, hat mir anfangs Probleme bereitet. Ich musste ihn auf Grund mich übermannender Müdigkeit in zwei Etappen sehen, die Zäsur korrelierte witzigerweise mit der des Films, nämlich wenn Kitano und seine Mitstreiter vor den Anschlägen ihrer Gegner zur Flucht in das Versteck am Meer (hier finden wir erneut das Motiv von Strand und Meer) gedrängt werden. Dort vertreiben sie sich hauptsächlich die Zeit, oft mit banalen, trivialen Aktivitäten, was hingegen dem befreienden Einfluss dieser Umgebung überhaupt die Möglichkeit bietet, sich nach und nach der abgestumpften Männer zu bemächtigen, sie sich emotional öffnen und wieder Mensch sein lehrt, insbesondere den von Kitano gespielten, einem Todeswunsch verhafteten Protagonisten, der dort nicht zuletzt die Liebe zu einer Frau findet.
Die Abkehr von der grausamen, monotonen, verschleißenden Yakuza-Welt resultiert in einem beinahe kindlichen Sentiment, durch welches die Gangster vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit aufzublühen vermögen, unbeschwert Spielchen spielen, aufgelockert herumtollen und -albern, frei von den Verpflichtungen und dem zerstörerischen Sog ihrer Profession. Diese Ausgelassenheit wirkt derart beruhigend und entspannend, dass man ihnen eine Ewigkeit zusehen will, ohne das Langeweile aufkommen würde. Selbstverständlich ist diesem Frieden keine Dauerhaftigkeit vergönnt, zum Schluss muss die Gewalt die Männer einholen, was in einem bitteren, tieftraurigen und pessimistischen Finale kulminiert. Insofern macht es Sinn, dass die einleitende Hälfte einen gegenteiligen, betäubenden, runterziehenden Effekt zu verzeichnen hatte, ein akzentuierter Kontrast zum frohmütigen, lebendigen Mittelteil und eine Antizipation des niederschmetternden Endes.
Erst vor dem Hintergrund, dass Kitano selbst zu jener Zeit unter heftigen Depressionen litt, er wie Murakawa sich aufgrund der Monotonie seiner Arbeit unzufrieden zeigte und ihm die fehlende Anerkennung seiner Landsleute für seine Filmemacherei, in die er ein Überfluss an Leidenschaft und Herzblut strömen ließ, schwer zu schaffen machte, wird begreiflich, wie eindringlich "Sonatine" die Gemütslage seines Regisseurs wiederspiegelt, was ihm zusätzlich eine besonders persönliche Note verleiht. (8)

The Call [着信アリ Chakushin ari (One Missed Call)] (2003)
Miike Takashis J-Horror-Exemplar gerät für den Skandal-Regisseur geradewegs schockierend konventionell, angepasst. Keine skandalträchtigen Tabuverletzungen, keine überzogenen Gewaltorgien, keine strittigen Ekel-Szenen, bloß ein stimmiger, des Öfteren unheimlicher Horror, der dazu unaufdringlich Kritik an den Medien übt, mit dem Münchhausen-Stellvertretersyndrom seiner geisterhaften Erscheinung ein bedrückendes Fundament stiftet. Nichts überragendes, versiert gemachte Genre-Kost nichtsdestotrotz. (7)

The Call 2 [着信アリ2 Chakushin ari 2 (One Missed Call 2)] (2005)
Weniger schauriges Sequel ohne die kleinen Besonderheiten, die "Chakushin ari" auszeichneten. Teenie-J-Horror-Stangenwaren durch und durch. (5)

Dead or Alive [DEAD OR ALIVE:犯罪者 Dead or Alive: Hanzaisha(1999)
Die anfänglichen 5 Minuten sind ein sensationelles frenetisches Schnittgewitter, das ein Wahnsinnstempo anlegt, auf komprimierten Raum den maßgeblichen Rahmen setzt, die wichtigsten Schlüsselfiguren einführt, teils ihr unglückseliges Los verstohlen anteasert, visuell einfallsreich auf das Kommende vorbereitet - das indessen hernach deutlich an Tempo einbüßt, wobei ich gestehen muss, diesen stilistischen Schritt-Rhythmus beizubehalten, würde vermutlich jeden Zuschauer visuell gnadenlos überreizen. Miike Takashis symptomatische abgefuckte Kapricen durchbrechen die Handlung um eine Gruppe Triaden, die die Yakuza-Welt gewalttätig aufmischen, und den getriebenen Cop, der sie verfolgt, immer mal wieder, ansonsten wickelt er das Geschehen verhältnismäßig geradlinig ab, um nicht zu sagen ein wenig zäh bis langweilig. Das groteske actionreiche Doppel-Finale führt dann alles ad absurdum, kulminiert in einer Dragon Ball-artigen, maßlosen Zerstörungsorgie... was zugegeben irgendwo von nicht zu verachtender Chuzpe zeugt. (6,5)

Getting Any! [みんな~やってるか! Minnâ-yatteruka!(1994)
Nach den zwischen Schwermütigkeit und Ausgelassenheit pendelnden Dramen "Ano natsu, ichiban shizukana um" und "Sonatine" gestattet sich Kitano Takeshi eine Auszeit von der Melancholie. Unter seinem Manzai-Namen Beat Takeshi drehte er eine waschechte Slapstick-Sex-Komödie, die vielfach die japanische Pop-Kultur und Jugend aufs Korn nimmt (weswegen Zuschauern, die wenig bis gar kein Interesse an der japanischen Kultur hegen, ein Großteil der Spötteleien entgehen dürften), episodenhaft Parodien und Possen aneinanderreiht, im Großen und Ganzen herzlich albern und erheiternd idiotisch daherkommt. Kitano soll gesagt haben, seine Absicht sei gewesen, über seine eigenen Gags lachen und sie ad absurdum führen zu wollen, weshalb er "Minnâ-yatteruka!" wahrscheinlich zu seinen Lieblingen jener Zeit zählt. So einen Quatsch muss man natürlich mögen. (6)

The LEGO Movie 2 [The Lego Movie 2: The Second Part(2019)
Die Fortsetzung des unverschämt erfolgreichen Spielzeug-Werbefilm, der gar nicht hätte funktionieren dürfen, es dennoch tat, es darüber hinaus einzigartig verstand, kindliches Vergnügen, Esprit und platteste Verkaufsstrategie unter einen Hut zu bringen. Vermag Teil 2 daran anzuknüpfen?
Tja. Ich würde gerne sagen, dass meine Mäkelei Meckern auf hohem Niveau sei, die Wahrheit ist, dass ich die Energie und den Verve, die den "The LEGO Movie" im Wesentlichen ausgemacht hatten, durchgängig vermisst habe. Verglichen mit dem temporeichen, fantasievollen Erstling wirkt "The LEGO Movie 2" gravierend lustloser, gebremster, philiströser. Die Divergenzen zwischen dem wilden, anarchischen Charme des Originals, der Hand in Hand ging mit seiner unaufdringlich präsentierten Message, und dem formelhaft flauschigen, Friede, Freude, Eierkuchen-Gestus des Aufgusses, der zu sehr um seine Botschaft arrangiert ist, zu stark die "reale" Welt betont, klaffen unschön auseinander. Trotz einiger gelungener Gags (Bruce Willis, die Raptoren) und dem nach wie vor erfinderischen visuellen Stil ist es Mike Mitchell und Trisha Gum schlechtweg nicht gelungen, ihr Anliegen spielerisch unverkrampft zu verpacken, wie es ihrerzeit Phil Lord und Christopher Miller geglückt ist. Im Ergebnis unterscheidet sich "The LEGO Movie 2" deswegen nicht nennenswert von einer handelsüblichen "Habt euch alle lieb"-Folge eines gebräuchlichen TV-Kinder-Formats, das auf schonungslosen Konsens und einträchtige Familien-Idylle gebürstet ist. Ich will die guten Absichten die dahinter stecken mögen nicht klein reden, allein ist das Thema derart allumfassend ausgelutscht, bis zum Erbrechen durchgekaut und vollauf abgenutzt, dass man schon einer zündenden Idee, einer beflügelten Form bedarf, um es nicht allumfassend ausgelutscht, bis zum Erbrechen durchgekaut und vollauf abgenutzt rüberzubringen. "The LEGO Movie 2" hat das nicht und seine ostentative Message wirkt genau so.
Am Ende fühlt man sich von der heilen, rosigen Welt selbst manipuliert und einer Gehirnwäsche unterzogen. Zumal "The LEGO Movie 2" kein Novum mehr für sich beanspruchen kann: einerseits verspielt er viel von seinem eigenen Wiedererkennungswert, wenn er liebgewonnene Charaktere zu unwichtigen Cameos degradiert, seine Dynamik für schablonenhafte Phrasendrescherei eintauscht. Andererseits stehen die Imitatoren (unter den Kino-Trailern befand sich einer zum anstehenden Playmobil-Pendant) bereits in den Startlöchern, froher Hoffnung, das Erbe des amtierenden Königs antreten zu können. Und so halbherzig, wie "The LEGO Movie 2" sich gibt, fehlt nicht viel, um das Franchise mühelos vom Thron zu stoßen. (5,5)

Ju-on: The Curse 1 & 2 [呪怨 Ju-on & 呪怨2 Ju-on 2(2000)
Neben "Ringu" (s.u.) der mitunter renommierteste, gruseligste J-Horror, hier die V-Cinema-Version. Die fragmentarische Erzählweise steht dem gesamtheitlichen Erfassen der tragischen Vorkommnisse und ihrer traumatischen Spuren, die in der Gegenwart infolge der Schwere besagter Untaten unaufhörlich neue Opfer fordern, beharrlich im Wege, hindert den Zuschauer daran aus den versprengten Puzzle-Teilchen ein kohärentes, eindeutig nachvollziehbares Ganzes zusammenfügen zu können. Das kommt in letzter Konsequenz der dunklen, beklemmenden Stimmung zu Gute, erweckt den Eindruck, dass es, egal an welchem Punkt der Zeitlinie man ansetzt, niemals gut ausgehen kann, ein Entkommen aus dem Kreislauf von Tod und Gewalt unmöglich ist. (7)

The Eye [見鬼/见鬼 Gin gwai(2002)
aka "Seeing Ghosts". Ich und die Pang-Brüder, eine schwierige Beziehung. "The Eye" gehört immerhin zu den gelungensten Erzeugnissen von Danny und Oxide Pang, vermöge der für einen Horrorfilm idealen Grundidee können die beiden einen gelungenen Mystery-Thriller ähnlich "The Sixth Sense" aufbauen, den sie ab und an mit schaurigen Einfällen aufpeppen, inklusive eines schockierenden Finales. (6,5)

Ring - Das Original [リング Ringu (Ring)] (1998)
Nakata Hideos Original, der Film, der den J-Horror und spukhafte, langhaarige, mächtig angefressene Mädchen salonfähig machte, unzähligen Mangas, Graphic Novels, sogar TV-Serien eine Vorlage bot, massenweise Nachahmer auf den Plan rief, qua Gore Verbinskis US-Remake dazukommend den westlichen Video-Markt für sich vereinnahmte - für die Welle an Epigonen, Sequels, Prequels, Crossover, die angesichts der Einfallslosigkeit des Überschusses an Kopien schnell zu nerven begann, schien es lange Zeit kein Halten zu geben. Aber wie schlägt sich "Ringu", das Opus mit dem alles begann, das alles ins Rollen gebracht hat, 20 Jahre später?
Überraschend gut! Die Verknüpfung eines klassisch japanischen Geisterfluches und modernen Elementen wie urban myths, einem Hauch Teenie-Slasher, Japans DTV-Kultur, verruchten, da verbotenen, todbringenden Gegenständen, in diesem Falle die Videokassette, geben einem potentiell angestaubten Stoff ein neumodisches, ansprechendes Äußeres. Bei der Umsetzung geht Nakata subtil, doch eindringlich zu Werke, eine unheimliche, ungewisse Atmosphäre durchzieht seinen Mystery-Thriller, Spannung ergibt sich aus dem Rennen gegen die Zeit, den gelegentlichen schauderhaften Spitzen, sowie dem peu à peu offengelegten Geheimnis rund um Sadako und ihre Mutter, von dem andererseits nie dem Mysterium schädigend zu viel preisgegeben wird. Diesem unverwüstlichen Klassiker kann letztlich selbst die Übersättigung durch ähnlich gelagerte Plagiate nichts anhaben, "Ringu" war seinerzeit nicht grundlos der Startschuss für die andauernde J-Horror-Manie, ist und bleibt bis heute der prima inter pares, das Vorzeigebeispiel des J-Horrors. (8)

Kids Return [キッズ・リターン Kizzu ritân(1996)
Kitano Takeshis erste Veröffentlichung nach seinem folgenschweren Motorradunfall, ein semi-autobiografischer Coming-of-Age-Film, eine Besinnung auf die Jugendzeit, über eingeschlagene Wege, über Irrungen und Wirrungen, die der Jugend vorbehalten sind; die Chronik einer Freundschaft, die sich entfremdet, sich auf Irrwegen verrennt und wieder zusammenfindet, von Kitano gewohnt mit Besonnenheit und Behutsamkeit inszeniert. Fast beiläufig streift sein Blick überdies den Lebensweg der Begleitfiguren, lässt deren Werdegang parallel nebenher ablaufen, erreicht vermittels dieses lakonischen Abdrifts des Erzählfokus, bisweilen aufgrund eines simplen Details, das im Stande ist, alles Wesentliche, alle emotionale Kraft, alle Freude oder Traurigkeit in einem einzelnen Bild auszudrücken, einen schier noch unmittelbareren dramatischen, bedeutungsvollen Effekt. Traurig, melancholisch und doch hoffnungsfroh. (8)

Hana-bi - Feuerblume [はなび Hana-bi (Fireworks)] (1997)
Kitano Takeshis unverhoffter Durchbruch auf internationaler wie japanischer Ebene gleichermaßen. Gerne wird postuliert, dass "Hana-bi" die nächste Evolutionsstufe, den Abschluss eines Entwicklungsabschnitts in Kitanos cineastischen Reifeprozesses darstellt, er endgültig zu Form und Stil gefunden, seine aus vorherigen Schöpfungen bekannten Motive verfeinert und perfektioniert habe. Dem kann ich nur zustimmen, "Hana-bi" ist in der Tat sein bis dato reifstes, auf jeden Fall stilistisch ausgereiftetes Werk, in dem sich alle Ingredienzien an dem ihnen anberaumten Platz zu befinden, ein harmonierendes, lyrisches Ganzes zu konstituieren scheinen. Eine ideale Erscheinungsform für die schmerzliche Geschichte eines Mannes, der zu Beginn von keiner privaten Katastrophe verschont bleibt, der sich dennoch aufrappelt, Leben, Tod und Liebe begegnet und über sein Schicksal selbst entscheidet; eine Erzählung und ein Erleben von sagenhafter Schönheit, innere Ruhe und Gelassenheit, von hingebungsvoller Liebe und Opferungsbereitschaft, blitzartig durchbrochen von ruckartigen Gewalteinschüben aus heiterem Himmel, welche die bilderreichen Kraft des Gesehenen brutal konterkarieren. Ein poetisches Meisterwerk! (9)

The Tale of Zatoichi [座頭市物語 Zatôichi monogatari(1962)
aka "Zatoichi: The Life and Opinion of Masseur Ichi". Ich zitiere mich selbst: Beginn einer langlebigen und kultigen Filmreihe, die augenlichtloses Schwertschwingen schlagartig populär machte. Die Rivalitäten zweier Yakuza-Klans ergeben einen soliden, wenngleich standardmäßigen yakuza eiga-Rahmen für Shintarô Katsus ganz und gar nicht standardmäßige Darbietung des blinden Masseurs, dessen Gewitztheit und Cleverness, die im entscheidenden Moment an den Tag gelegte im Schwertkampf bewandte Furiosität, ferner die dem Charakter innewohnende Tragik und Düsternis er nuanciert und unnachahmlich portraitiert. Misumi Kenji versteht es zudem meisterhaft, Ichis menschlichen Regungen Vorzug vor seinen kämpferischen Fähigkeiten zu geben, sein Geschick mit dem Schwert seinem humorvollen, lebensbejahenden Wesen nachzustellen, ihn nicht zum Gimmick behafteten Superhelden verkommen zu lassen. Wenn es soweit kommt, dass er genötigt wird zur Waffe zu greifen, was Misumi wohl bemessen lange hinauszögert, ist das selten ein glorreicher Moment. Insgemein steht jedwede gewalttätige Auseinandersetzung in einem negativen Licht da, was nirgends symptomatischer zu Tage tritt als im aufoktroyierten finalen Duell zwischen Ichi und dem schwindsüchtigen Samurai der Gegenpartei. Der Respekt, den sie voreinander empfinden, die Freundschaft, die sie miteinander teilen, steht im krassen Gegensatz zu den sich gegenseitig abschlachtenden Yakuza-Soldaten, die ihr Leben für nichts, für feige, nichtswürdige Oyabuns hergeben. Das macht den Ausgang des Duells umso beklagenswerter und Misumi trägt dem gestalterisch Rechnung. (8)

Seed 2 (2014)
Jason Voorhees und Michael Meyers versuchte Uwe Boll im Vorläufer zu channeln. An "Hills Have Eyes" und Leatherface vergeht sich Marcel Walz im von Boll produzierten Sequel. Das vergebliche Bestreben dem hohlen Backwood-Horror einen ausgeklügelteren Anstrich zu verpassen, obendrein im Anflug künstlerischen Ehrgeizes in durcheinandergewirbelten Erzählreihenfolge, hilft der platten Schlachtplatte kaum, macht sie weder spannender, interessanter oder schlüssiger in seiner halbgaren Religionskritik. Demgegenüber ist Walz ohne Frage der bessere Regisseur, schnell vorbei ist der Stuss außerdem. (2,5)

Klown Kamp Massacre (2010)
Troma, Clowns und ein Crystal Lake-mäßiges Trainingscamp für diesselbigen, den durchgeknalltem Killer-Harlekin mitinbegriffen. Ein immerzu selbstironischer, billig produzierter Schalk, ein launiges Trash-Späßchen für Zwischendurch. (Trash-Skala: 6)

Class of Nuke 'Em High (1986)
Troma, Lloyd Kaufmann und Michael Herz auf dem Höhepunkt ihres stürmischen Trash-Elans, ein reger, flotter Trip, der prächtig vergnügt. (Trash-Skala: 8)

The Tale of Zatoichi Continues [続・座頭市物語 Zoku Zatôichi monogatari(1962)
aka "Zatoichi: The Return of Masseur Ichi". Der unvorhergesehene Erfolg von "Zatôichi monogatari" brachte die Produzenten von Daiei jählings in Zugzwang: es hieß, die Gunst des Publikums und das Momentum der Reihe weiterhin aufrechtzuerhalten, des Weiteren den anderen Studios zuvorzukommen, bevor diese auf den erfolgversprechenden Zug blinder Heroen aufspringen würden. Eilfertig wurde eine Fortführung von Zatoichis Abenteuern zusammengeschustert, welche ein Jahr nach den Geschehnissen von "Zatôichi monogatari" ansetzt. Am Schauplatz des Erstlings gerät er zügig mit alten und neuen Kontrahenten aneinander, zu denen sich unter anderem Shintarô Katsus älterer Bruder Wakayama Tomisaburô (ein Jahrzehnt vor seiner eigenen erfolgreichen Chambara-Filmreihe "Lone Wolf & Cub" (siehe hier, hier und hier)) als einarmiger Rivale gesellt, der Ichi aus persönlicher Gründen anfeindet. Komprimiert auf knackige 70 Minuten und erheblich kampflastiger geht "Zoku Zatôichi monogatari" zackig zur Sache ohne den Inhalt sträflich zu vernachlässigen, erweitert Ichis Lebensgeschichte gelungen um dramatische Aspekte aus seiner Vergangenheit. (7,5)

New Tale of Zatoichi [新・座頭市物語 Shin Zatôichi monogatari(1963)
Zatoichis Vergangenheit liegt fernerhin dem Plot des dritten Segments und ersten Farbfilms der Reihe zu Grunde. Den innerhalb der Serie seltenen Blick, den wir von ihr erhaschen dürfen, ist flüchtig, vage, besteht aus Andeutungen, die keineswegs zu viel offenbaren, gibt Regisseur Tanaka Tokuzō und Autor Inuzuka Minoru zugleich eine Handhabe, Ichis Naturell zu erkunden und zu reflektieren. Das Wiedersehen mit seinem einstmaligen Gönner und Schwertkunst-Lehrer Banno und dessen Schwester Yayoi wird demzufolge zum Katalysator für die sich anbahnende Katastrophe: Banno, selbst unter seinem niedrigen Gesellschaftsstatus eines verarmten Ronin leidend, lässt sich mit der Tengu-Bande ein, um an das Geld einer von den Kriminellen geplanten Entführung ranzukommen. Um seiner Schwester einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage zu ermöglichen, gedenkt er hinzukommend Yayoi via Hochzeit einer gutbetuchten Samurai-Familie zuführen - nicht ahnend, dass ihre Wahl auf Ichi gefallen ist, der sich (im Gegensatz zu Otane) das erste und einzige Mal wahrhaftig bereit erklärt, eine Ehe einzugehen und das junge Mädchen zu heiraten, was der Hoffnung Keim zu geben scheint, dass er das Leben eines wandernden Yakuza und das Blutvergießen hinter sich lassen könnte, jedoch am Starrsinnigkeit Bannos zu scheitern droht. Zu allem Überfluss trachtet der Bruder des von Ichi erschlagenen Gangsterbosses aus "Zoku Zatôichi monogatari" nach Satisfaktion und heftet sich an des Masseurs Fersen, auf eine günstige Gelegenheit harrend, ein Konflikt, der ein für alle Beteiligten unerwartetes Ende nimmt.
Man merkt: "Shin Zatôichi monogatari" ist ein emotionales Wechselbad, ein Auf und Ab der Gefühle, dass sattsam dramatischen Entwicklungen und Umbrüchen Platz bietet, manchmal womöglich zu zugespitzt, an dessen Ende man nichtsdestominder merkt, wie unstillbar Ichi diese an die Substanz gehenden schmerzhaften Verwicklungen mitgenommen haben. Ein starker Abschluss der Trilogie. (8)
Top Secret [Top Secret!(1984)
Was soll ich sagen: ZAZ-Chaos-Komödien treffen bei mir fast immer ins Schwarze. Ihre depperte Spy-Flick-Parodie macht da keinen Unterschied. (7)

The Kentucky Fried Movie (1977)
Der "Kentucky Fried Movie" wollte hiergegen nicht wirklich bei mir zünden. Das chaotische Allerlei an Parodien, Faxen und Nonsens war für mich ein ausgesprochener Hit and Miss-Repräsentant, mehr miss als hit, vollkommen missachtend, dass sich John Landis, Jim Abrams, David und Jerry Zucker so gesehen genau dem Wahnsinn, Blödsinn und Humbug hingeben, für den ich im anderen Falle ungemein empfänglich bin. Bin ich etwa mit dem falschen Fuß aufgestanden? War mir das unter Umständen zu anarchisch, schlechthin zu viel des Guten bzw. Doof-albernen? (6)

Zatoichi the Fugitive [座頭市兇状旅 Zatôichi kyôjô-tabi(1963)
Persönlich gesehen mein bisheriger Favorit, der sich das Beste aus den Vorgängern bewahrt, besser noch: diese eingespielten Bausteine ausgewogen und gewandt aufeinander abgestimmt arrangiert. Er nimmt die gewohnheitsmäßigen Yakuza-Intrigen, lässt sie hingegen nicht das Feld anführen, sie dienen lediglich als Rahmen. Er nimmt das umfangreiche Figureninventar, bestehend aus bekannten und neuen Akteuren, lässt alle einen fruchtbringenden Part spielen, ohne, dass die Übersichtlichkeit darunter leiden müsste. Er nimmt das Drama, dass Ichi, seine Freunde und seine Gegner umgibt, ohne es zu übertrieben auszugestalten. Er betont Ichis Talent mit dem Schwert, zollt jedoch seinem Seelenleben, seiner gutherzigen und den weltlichen Freuden zugeneigten Persönlichkeit, sowie seinem tiefen Bedauern, wenn er gezwungen wird ein Menschenleben zu nehmen, Respekt. Und er nimmt die furiosen Fecht-Szenen, platziert sie an opportuner Stelle, wo sie der Geschichte vollauf nützen und einen sinnvollen Kulmination bedeuten. "Zatôichi kyôjô-tabi" ist ebenfalls einer der lebendigsten Beiträge zur Reihe, der die sommerliche Hitze und die üppigen, saftigen Wiesen gekonnt in seine Inszenierung einbindet und an dem man das erste Mal merkt, dass es eine Bevölkerung gibt, die ihr Leben ungeachtet der Yakuza-Welt lebt. Nicht zu vergessen: Makiura Chishis bestechende Kameraarbeit. Die einzige Einschränkung, die ich machen würde, ist die, dass er besser im Kontext der vorangegangenen Filme funktioniert denn als eigenständiges Werk, etwa in Bezug auf Otane. Ansonsten: großartig! (8,5)

Hat jemand meine Braut gesehen? [Has Anybody Seen My Gal(1952)

Was der Himmel erlaubt [All That Heaven Allows(1955)
Douglas Sirks maßgebliches, überlebensgroßes, bewundernswert kraftvoll bebildertes Melodrama, eine Inspirationsquelle für eine Vielzahl von Filmemachern und eines der überwältigendsten Liebesdramen der Filmgeschichte, ein aufwühlendes, einzigartiges Meisterwerk, eine vergällende Abrechnung mit der bigotten High Society amerikanischer Kleinstädte, ein Plädoyer für den Menschen, für den Mut, sich für sich selbst entscheiden und leben zu können und zu dürfen, ohne Rücksicht auf die spießerischen Ansprüche und Vorschriften der anderen nehmen und ihnen gerecht werden zu müssen. Sensationelle Leistung von Jane Wyman. (9,5)
Shinjuku Killers [新宿黒社会 チャイナ マフィア戦争 Shinjuku kuroshakai: Chaina mafia sensô (Shinjuku Triad Society)] (1995)
Miike Takashis mehr oder weniger erster "echter" Kinofilm (je nachdem, wie man "Daisan no gokudô" einordnet) nach einer langen Phase, während der er ausnahmslos für das V-Cinema tätig war. Es fällt mir etwas schwer, Miikes Werk in Unkenntnis seiner V-Cinema-Produktionen und aus der sensationslüsternen Perspektive eines Europäers, der aus purer Unkenntnis dazu tendiert, Miikes Filme auf ihr Gewalt- und Tabubruch-Potenzial zu beschränken, in einen umfassenderen stilistischen und motivischen Kontext einzuordnen, speziell hinsichtlich seines Frühwerks. Im Falle von "Shinjuku kuroshakai: Chaina mafia sensô" bleibt mir daher nichts anderes übrig als ihn faute de mieux an "Dead or Alive: Hanzaisha" (s.o.) zu messen, der über nicht zu verleugnende Parallelen gebietet, obgleich "Shinjuku kuroshakai: Chaina mafia sensô" bei Weitem nicht die gleiche Flamboyanz zur Schau trägt. Die Tendenz ist fraglos erkennbar, augenfälliger sind sich die grobe Story und handelnden Personen frappierend ähnlich: die außenstehenden Triaden, die nachdrücklich und alles andere als zimperlich in den Raum der Yakuza vordringen, der korrupte, mit Vorsicht zu genießende, den Gangstern wesensverwandte und selbst einem ausländischen Hintergrund entstammende Polizist, Familien und Ersatzfamilien, sowie von der Norm abweichende sexuelle Neigungen. Kurzum: Außenseiter und Abweichler die ihren Platz suchen, nirgends wirklich dazu gehören, sich folglich in die Lücken drängen. Miike zeigt sich hierbei deutlich dem Schicksal seiner Misfits zugeneigt, der Krimi-Aspekt wird zur Nebensächlichkeit, was sich allerdings anhand des uneindeutigen Gut-Böse-Schemas, beziehungsweise der Frage, wem die Sympathien des Publikums gehören, schwierig gestaltet hätte - und auch uninteressant gewesen wäre. "Shinjuku kuroshakai: Chaina mafia sensô" ist in dieser Hinsicht eine faszinierende Erfassung der "Black Society", der Menschen und Geschehnisse am Rande der Gesellschaft, die in ihren Augenwinkeln existieren und agieren, weil sie nicht in das einheitliche Konzept des akzeptieren Konsens passen, allerhöchsten geduldet, jedoch nicht gern gesehen. Schwierig. (7)

Zatoichi on the Road [座頭市喧嘩旅 Zatôichi kenka-tabi(1963)
Im Vergleich zu "Zatôichi kyôjô-tabi" weniger bemerkenswertes, demungeachtet immer noch unterhaltsames jidai-geki eiga. Ichi auf einer Eskortierungs-Mission, einer holden Jungfrau zu Diensten, die es auf einem Road Trip nach Edo zu geleiten gilt, heißt zunächst, dass es einen regen Schauplatzwechsel gibt (im Gegensatz zu dem einzelnen Dorf, beziehungsweise den maximal zwei Dörfern, in denen sich die Handlung vormaliger Teile bislang abzuspielen pflegte), unterdessen die Lokalitäten im Großen und Ganzen die Gleichen bleiben (Gasthäuser, Oyabun-Residenzen, baufällige Straßenzüge etc.). Wie man sich denken kann, macht das Ichis und seiner Schutzbefohlenen, die, wie könnte es anders sein, einen Narren an Ichi gefressen hat, Odyssee frappant handlungsorientiert, eine etwaige dramatische Gravitas sucht man hier vergebens. Die Gegenspieler führt Yasuda Kimiyoshi daneben gewissermaßen en passant ein, ein ähnlich markanten Endgegner wie in den Vorgängern findet sich in der Folge nicht darunter, wenigstens Fujiwara Reikos Hisa hinterlässt einen bleibenden Eindruck, ihre Wankelmütigkeit mutet dahingegen willkürlich an. Wie gesagt: "Zatôichi kyôjô-tabi" ist gutsitzende schwertschwingende Unterhaltung, bloß nicht das Beste, was der Zatoichi-Zyklus zu bieten hat. Dafür findet man hier einen der schönsten Momente der Reihe: wenn Ichi Mitsu beim Abschied ihr Tuch, dass sie verloren hatte, für einen kurzlebigen Augenblick zurückgeben möchte, einen verheißungsvolle Sekunde zögert und es aus Sentimentalität, als Erinnerungsstück doch behält. (7)

Rashomon - Das Lustwäldchen [羅生門 Rashômon (Rashomon)] (1950)
Noch ein wegweisendes Meisterwerk, Kurosawa Akiras sagenhafte, brillante Meditation über Wahrheit, Realität und Perspektive, der die unterschiedlichen Blickwinkel auf dieselben Geschehnisse geschickte variiert, so dass unmöglich jede Version korrekt sein kann, dennoch auf ihre Weise wahres aussagt, zumeist eher über die beteiligten Personen als über die Tat selbst, wodurch er eine substantielle, tiefgründige Aussage zur Problematik eindeutiger, einseitiger Wahrheiten trifft. Grandios! Am besten im Double Feature mit Sidney Lumet "12 Angry Men" gucken. (9)

Zatoichi and the Chest of Gold [座頭市千両首 Zatôichi senryô-kubi(1964)
In Zatoichis mittlerweile sechsten Abenteuer bringt Regisseur Ikehiro Kazuo eine Prise zusätzlicher Härte ins Spiel: mancherorts spritzt der rote Lebenssaft zeigefreudiger, eine Foltersequenz gibt es ebenso zu bewundern. Das passt zur Abenteuer- bzw. Actionlastigkeit des Gezeigten, das zu Gunsten des Unterhaltungsfaktors den Drama-Teil drastisch einkürzt. Die grob umrissene Fehde Chujis, der lokalen Dorfbevölkerung aufrechter Lieblings-Yakuza und Volksheroe (natürlich ein alter Bekannter Ichis), gegen Monji, einem Erfüllungsgehilfen des Oberfieslings, sowie der Groll der Schwester eines von Ichi in Notwehr getöteten Yakuza-Handlangers spielen bestenfalls eine marginale Rolle. Im Mittelpunkt stehen stattdessen die Schauwerte, das Ringen um die eponyme Gold-Ladung, die nahezu comichaft niederträchtigen Antagonisten und die spektakelreichen Kämpfe. Katsu Shintarô landet zur Abwechslung nicht zwischen den Fronten zweier rivalisierender Yakuza-Klans (die erwähnte Chuji-Monji-Feindschaft bleibt vernachlässigbar), sondern stellt sich fälschlich des Diebstahls bezichtigt dem gierigen, tyrannischen Magistraten entgegen, der danach trachtet, die Bauernschaft um ihre mühsam zusammengetragenen Steuerabgaben zu betrügen. An dessen Seite findet sich für den Endkampf reserviert und mit einer Peitsche bewaffnet erneut Katsus Bruder Wakayama Tomisaburô (in einem anderen Part), der die überzeichneten Widersacher prächtig ergänzt. Unterm Strich ist "Zatôichi senryô-kubi" somit schnelle, mitreißende Kurzweil, deren ereignisreichen 80 Minuten, binnen derer Ichi fleißig sein Schwert zücken darf und erhobenen Hauptes das Recht des kleinen Mannes gegenüber der selbstsüchtigen Obrigkeit verteidigt, wie im Fluge vergehen. (7,5)

















28 - 7,2 (202,0)