Samstag, September 26, 2015

Robert Downey Frankenstein Jr. Potter

Das ist doch mal ein Kombi! Daniel Radcliffe ("Harry Potter" (für den Fall, dass ihr es vergessen habt ;-) ), "The Woman in Black", "Horns") als Igor und James McAvoy ("The Last King of Scotland", "X-Men: First Class", "Filth") als Victor Frankenstein! Beide endlich vereint in 20th Century Fox neuen, modernen Version von Mary Shelleys Roman "Frankenstein", simpel betitelt "Victor Frankenstein". Und obwohl das ein amerikanischer Film ist, gibt man sich ostentativ britisch, was spätestens seit "Game Of Thrones" scheinbar zum guten Ton gehört. Nicht allein in den Hauptrollen, sondern auch in Nebenrollen finden sich britische Mimen, etwa, wo wir gerade bei "Game Of Thrones" waren, Charles Dance ("Alien 3", "Dracula Untold", "The Imitation Game") und Mark Gatiss ("Doctor Who", "Sherlock", "Being Human") verpflichtet. Niedlich.

Das alles ist sogar so britisch, dass man im Grunde den ganzen Film, zumindest dem Trailer nach, problemlos mit Guy Ritchies "Sherlock Holmes" austauschen könnte - wobei, der war ja bereits eine amerikanische Produktion. Da passt es ganz gut, dass sie aus "Sherlock" nicht nur den ein oder anderen Darsteller entliehen haben (neben Mark Gatiss Andrew Scott ("Dead Bodies", "The Hour", "Spectre")), sondern gleich einen Regisseur der Serie im Gepäck haben: Paul McGuigan ("Gangster No. 1", "Lucky Number Slevin", "Push"). Der hat in besagter BBC-Produktion mit "A Study in Pink" (die ich damals für die beste hielt und die irgendwie von den anderen an Verve nie so wirklich eingeholt werden konnte) und "A Scandal in Belgravia"  immerhin zwei der interessantesten Folgen auf dem Gewissen (mit "The Hound of Baskerville" indes ebenfalls eine der schwächeren).
Wie dem auch sei: selbst wenn das wie der "Frankenstein"-Epigone vom Robert Downey Jr.-"Sherlock Holmes" ausschaut und der Trailer nicht unbedingt die besten Erwartungen schürt, kann man eventuell mal einen Blick riskieren, denn ich mag James McAvoy, sowie viele der anderen Darsteller und bin neugierig, wie sich Paul McGuigan auf der großen Leinwand macht. Außerdem: wie könnte man Daniel Radcliffes Matte widerstehen? Mehr als Spaß erwarte ich mir dennoch nicht. Wenn überhaupt.

Donnerstag, September 24, 2015

Mowgli und sein Avatar

Disney werkelt an einer neuen, vollanimierten "Dschungelbuch"-Adaption unter der Regie von Jon Favreau ("Zathura", "Iron Man", "Chef"). Das ist mir sowas von entgangen und jetzt gibt es bereits den Trailer.

Disneys "Dschungelbuch" von 1967 gehört zu meinen allerliebsten Disney- und Zeichentrickfilmen, rangiert vielleicht sogar unter meinen Lieblingsfilmen, und ist Teil meiner wichtigsten und schönsten Kindheitserinnerungen. Im Angesicht dessen hat eine neue, modernisierte Version selbstredend keine Chance.

Aber die Frage ist, ob der Film dessen ungeachtet bestehen kann. Nichts, was man von einem Trailer her beurteilen könnte, keine Frage. Das hält mich indes nicht auf, den Trailer als solchen zu bewerten - und den finde ich absolute grauenhaft. Was ist das? Eine Mischung aus "Avatar" meets Robert Zemeckis (wobei bereits in meinen Augen für "Avatar" "Pocahontas, die mit dem Wolf tanzt" meets Robert Zemeckis galt)? Ein reines CGI-Fest, das wie ein eben solches aussieht (wo doch gerade "Fury Road" gezeigt hat, dass CGI unterstützend besser aufgehoben ist), nicht den Hauch von Realität vermittelt? Oder den Charme des Zeichentrickfilms? Bombastische Musik die einfach nur nervt? Hüpf-Actioneinlagen? Name-Dropping? Oh, und ein bisschen Nostalgiker-Koketterie am Schluss. Ganz, ganz grauenhaft. Ein paar Landschaften machen einen guten Eindruck, nur eben für 3D hingerotzt. Am Ende muss man sogar noch dankbar sein, dass Disney keinen echten Dschungel mit Filmcrews gestürmt hat, Gott weiß, die hätten diesen wahrscheinlich nach ihren Vorlieben geformt...

Man merkt: ich bin ganz und gar unterwältigt. Es mag damit zu tun haben, dass ich derartige 100 %-CGI-Produktionen (ob mit oder ohne grottenhässlichem, unüberzeugendem Motion Capturing) meistens nicht ausstehen kann (Ausnahmen bestätigen die Regel). Dabei sind an dem Projekt durchaus fähigen Künstler beteiligt (immerhin ist Richard M. Sherman wieder mit von der Partie), was andererseits gar nicht verheißen muss. Ich warte die offizielle Veröffentlichung 2016 ab und mach mir dann vielleicht ein Urteil - aber bestimmt nicht im Kino, da zum einen: Disney. Zum anderen: will ich wirklich sehen, wie der Konzern des Grauens sich über einen meiner Lieblingsfilme her macht?

Donnerstag, September 17, 2015

Kurzreviews August/II/September/I/2015

Mit deutlicher Verspätung hab ich endlich meine aktuellen Reviewlisten fertiggestellt. So ist das wohl, wenn man aus dem Urlaub zurückkommt, erst mal entspannen möchte, nur um anschließend unumgehend beruflich voll eingenommen zu werden. Unschön zudem, dass die erste Nachricht, die einen bei der Rückkehr erwartet, die vom Tod eines weiteren großen des Films ist.

Denn am 30. August 2015 verstarb Horrorfilm-Legende Wes Craven an einem Hirntumor. Er war das Genie hinter Kultobjekten und Meilensteinen des Horrors wie "The Last House on the Left", "The Hills Have Eyes" und ganz besonders natürlich "A Nightmare on Elm Street" und "Scream". Aber ich mochte auch andere Filme von ihm, wie die kunterbunte Abenteuerreise in das Reich des Voodoo in "The Serpent and the Rainbow", seinen aparten Gestaltwechselhorror "Shocker" oder seinen ökonomischen, augenzwinkernden Thriller "Red Eye". Mit ihm verliert der Horrorfilm einen seiner stilbildenden, einflussreichsten Künstler, den wir von diesem Format nie wieder bekommen werden.

Cui honorem, honorem: Requiescat in pace!

Wie dem auch sei: hiermit präsentiere ich wiederum die 18 Filme und 4 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat August seit der letzten Liste und bisher im Monat September gesehen habe:

Serien-Staffeln
Bob's Burgers (Season 1-3) (2011-2013) (6,5-8)
Constantine (Season 1) (2014-2015) (6-7)

Filme
Bloodnight (1989)
Reichlich blutiger, schräger Slasher mit abstruser Auflösung, sowie einigen ausgefallenen Kameraperspektiven und -spielereien, die Scott Spiegels Freundschaft zu, generell den Einfluss durch Sam Raimi offenkundig machen. (B-Movie-Skala: 6,5)

Superman - Der Film (1978)
Deutlich dated, auch, aber nicht speziell wegen der Effekte, mehr weil Richard Donner die Geschichte hinlänglich naiv gestaltet, der an sich bereits einseitigen Figur Supermans keine Ecken und Kanten oder interessanten Aspekte abzugewinnen weiß. Das Hadern mit seinen Mächten in den Jugendjahren gehört zu den eindrucksvollsten, spannendsten Momenten des Films, die sich leider kaum in den Rest der Handlung erstrecken. Hinzu kommt, dass Gene Hackman und seine Bande im Wesentlichen als Witzfiguren taugen, dem diabolische Genie Lex Luthor kaum Präsenz verleihen. Etwas langweilig, ich mag ihn trotzdem. (mit Wohlwollen: 7)

Kill Bill: Vol. 1 (2003)
Mit Sicherheit nicht Quentin Tarantinos bester Film, doch die Hommage an den Rachefilm der 70er, Italo-Western, sowie das Yakuza-Genre und den japanischen Chambara-Film ergeben ein schillerndes, stellenweise recht brutales cineastisches Panorama, das in einer einzigen grandiosen, blutbespritzten Actionsequenz mündet. Insgesamt misst die Geschichte die dichte Dialogstärke anderer Tarantino-Produktion, gefällt sich zu sehr im fleißigen Zitateraten. Ein Spaß für Genrefans. (7,5)

Die Todeskandidaten - The Condemned (2007)
Macht zu Beginn ein passablen Eindruck einer amerikanische B-Action-Version von "Battle Royale", bietet ab und zu brauchbare Survival-Action-Momente, ist letztlich zu unspektakulär, verrät sich überdies selbst durch die allzu aufgesetzt wirkende, die meiste Laufzeit einnehmende Pseudo-Medienkritik. (B-Action-Skala: 3,5)

Leviathan (1989)
"Rambo II"-Regisseur George P. Cosmatos versucht sich an einem Unterwasser-Mix aus "Alien" und "The Abyss" in lauschigen Kulissen. Die Darsteller machen ihre Sache ordentlich, Cosmatos erreicht selbstredend nie die Intensität seiner Vorbilder. (B-Movie-Skala: 6)

Dämon - Trau keiner Seele (1998)
Finde ich nicht mehr arg so schlimm wie früher, grundsätzlich mag ich Filme rund um körperlose Gestaltwechsler, aber dem Film fehlt vollkommen die Spannung, er ist entsetzlich vorhersehbar und geschwätzig, obwohl der Antagonist eine omnipräsente Gefahr darstellt, kommt nie das Gefühl der unausweichlichen Bedrohung auf, zumal Denzel Washingtons Charakter ein Langweiler vor dem Herrn ist. (4)

Hijacked - Entführt (2012)
Billige, ereignisarme, unspektakuläre Mischung aus "Stirb Langsam", "Air Force One" und "Einsame Entscheidung". (B-Action-Skala: 2)

RoboCop (1987)
Paul Verhoevens unerreichter Sci-Fi-Action-Klassiker, voller Energie inszeniert, blutig und mit satirischen Spitzen. (8,5)

Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit (2006)
Time Travel-CSI on the Case! Zugegeben: Tony Scott und Denzel Washington nerven hier nicht ganz so schlimm. Daher: anguckbar. (5)

Con Air (1997)
Mag ich. Warum? Punkt 1: Nicolas Cage und seine Haare. Punkt 2: die spielfreudige Besetzung, die herrlich am Rad dreht. Punkt 3: der Film ist ein knalliges Vorzeigebeispiel des Typus 90er-/Jerry Bruckheimer-Actionfilm, gleichzeitig eine vorzügliche Parodie desselbigen. Super-unterhaltsam! (7)
Hollywood (1972)
aka "Andy Warhol's Heat". Hinter der etwas sleazig wirkenden Oberfläche verbirgt sich eine ätzende Abrechnung mit den Erfolgsmachermechanismen des Hollywoodsystems, das Menschen zu Objekten und Steigbügeln degradiert. (7)

Buddha-Killer - Die Panther im Tempel der Shaolin (1980)
Sprunghafte Geschichte, die mal hier, mal da Storystränge anschneidet, ohne sie stimmig zu Ende zu denken. Immerhin kämpft der immer gern gesehene Hwang Jang-Lee mit einem der ulkigsten Kampfstile, die ich je gesehen habe, gegen einen gemobbten Kung-Fu-Adepten und seinen dauer-besoffenen (Drunken Boxing NICHT inklusive) Penner-Shao-Lin-Meister. Spaßig! (7)

Face/Off - Im Körper des Feindes (1997)
Das Duell der Egos: schöner als Nicolas Cage vs. John Travolta wird's eigentlich nicht mehr. Zumal die beiden auch noch die Rollen tauschen müssen. Mit John Woo an der Action kann die Achterbahn beginnen. In dem Sinne: Face... off! (6,5)

Operation: Broken Arrow (1996)
John Woo lässt zwar einiges in die Luft gehen, das elementare Duell misst hingegen die Extravaganz des Nachfolgers "Face/Off", denn Christian Slater ist einfach kein Nic Cage, bleibt blass, kann Travolta keine Paroli bieten. (5,5)

Der Anschlag (2002)
Ist bis auf den eponymen Anschlag nicht weiter der Rede wert. (5)

Auf der Jagd (1998)
Der hat mir überraschenderweise sehr gut gefallen. Wiederholt ein bisschen die Geschichte des Erfolgs "Auf der Flucht", nur eben mehr aus der Perspektive von Tommy Lee Jones. Das funktioniert indes ausgezeichnet, zeigt ein eingespieltes Ermittlerteam und bietet eine spannende Hetzjagd, sowohl aus Sicht des Gejagten, als auch des Jägers. (7)

Ein Perfekter Mord (1998)
Hitchcock konnte es besser, keine Frage. Dafür konzentriert sich Andrew Davis einfach zu sehr auf oberflächliche Spannung und zu wenig auf die Charaktere. Possierlich ist dafür Michael Douglas, der abermals in der Rolle des widerlichen, auf jede Situation kühl reagierenden Arschlochs brilliert. (5,5)

A Touch of Sin (2013)
Desolates Gesellschaftsportrait Chinas, in Episodengeschichten von in die Enge getriebenen Menschen voller Wut und Verzweiflung erzählt, die zwangsläufig in Gewalt enden müssen. Intensiv gespielt und mit einer unbeschreiblich tollen Kameraarbeit von Nelson Lik-wai Yu, der selbst den trostlosesten Bildern eine Art natürlicher Schönheit und Poesie abzugewinnen vermag. (8)

















18 - 6,0 (108,5)