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Donnerstag, Mai 17, 2018

SyFy ohne... Sci-Fi? "The Expanse" im verflixten dritten Jahr

Überraschend hat SyFy angekündigt, dass die gerade frisch angelaufene dritte Staffel von "The Expanse" die letzte bei ihrem Sendern sein wird, danach ist, zumindest unter dem Label des Kabelsenders, vorerst Schluss. Vor allem Fans, die Alcon Entertainments Serien-Adaption der (unvollendeten) gleichnamigen Roman-Reihe des unter dem Pseudonym James S. A. Corey zu Werke gehenden Autoren-Duos Daniel James Abraham und Ty Corey Franck nicht genug in den höchsten Tönen loben konnten und bisweilen zur größten Hoffnung des Genres erklärten, zeigen sich schockiert von der Hiobsbotschaft. Freilich besteht die Chance, dass ein anderer Anbieter, etwa Netflix, sich der auch bei Kritikern beliebten Serie annimmt. Die Absetzung scheint unter anderem mit der vertraglichen Bewandtnis zusammenzuhängen, dass SyFy nur die Erstausstrahlungsrechte für eine lineare Sendung des Programms, sprich klassisch im Fernsehen zu festen Sendezeiten, innehat, was bei einer Serie wie "The Expanse", die einen Großteil ihres Publikums über Streaming-Dienste bezieht, zu Ungunsten des Senders ausfällt. Die fallenden Zuschauerzahlen mögen ihr übrigens getan haben.

Ob und wie "The Expanse" fortgesetzt wird, steht folglich in den Sternen, aber noch gibt es Zuversicht.



Freitag, April 20, 2018

Ludwig Vhans Zimmerhoven?

Im Roman "Herr Mozart wacht auf" von Eva Baronksy findet sich niemand geringeres als Musik-Genius Wolfgang Amadeus Mozart nach seinem Ableben nicht wie erwartet im Jenseits wieder, sondern erwacht zu aller Überraschung und viel mehr noch zur eigenen Verwunderung in unserem Jahrhundert zu neuem Leben - wo er selbstredend fish out of the water-mäßig mit den modernen Errungenschaften aneckt und hadert, aber auch bemerken muss, wie allerlei altbekannte Probleme unverändert nicht aus der Welt zu schaffen sind. Und wäre dies Beethoven widerfahren? Dann würde er offensichtlich Hans Zimmer-artige pseudoepische Trailermusik komponieren... ulkig!

Donnerstag, April 05, 2018

Zitate 22

"In fließendem Wasser kann man sein eigenes Bild nicht sehen, wohl aber in ruhendem Wasser. Nur wer selbst ruhig bleibt, kann zur Ruhestätte all dessen werden, was Ruhe sucht."
Laotse

Freitag, November 25, 2016

Zitate 21

"Der Beifall, der schlechten Büchern gezollt wird, ist den Fortschritten des menschlichen Geistes ebenso hinderlich wie das Toben gegen die guten."
Voltaire

Samstag, Mai 28, 2016

Ein Tränchen für ein Lied von Eis und Feuer

Am Mittwoch habe ich die Halbzeitsfolge von "Game of Thrones" nachgeholt und beim diesmaligen Serientod einer Figur... ja, da habe ich beinahe ein Tränchen vergossen. Was für mich vergleichsweise ungewöhnlich ist, zumindest bei dieser Serie. Dabei bin ich was Filme und Serien angeht unter den richtigen Umständen fraglos nah am Wasser gebaut, bekomme bei besonders emotionalen Szenen gerne mal feuchte Augen. Mein Lieblingsbeispiel ist dies betreffend etwa Tim Burtons "Frankenweenie", bei dem ich lange Zeit nicht mal über das BluRay-Menü hinweg gekommen bin, ohne Rotz und Wasser zu heulen. Trotzdem sind die Gelegenheiten, dass ich mich von einem fiktionalen Werk zu Tränen rühren lasse, dünngesät, dafür müssen die Macher und Autoren bei mir wirklich die richtigen Hebel in Bewegung setzen. "Game of Thrones" schaffte das bisher nur ein einziges Mal mit dem Tod von Sansa Starks Schattenwolf Lady, den ihr Vater zu töten gezwungen wurde, eine tieftraurige Szene, die, obgleich ebenso dort vorkommend, mich derartig zu bewegen nicht die Serie für sich beanspruchen kann, denn das geht auf Kosten George R. R. Martins Romanvorlage, beziehungsweise des Hörbuchs dazu. Die Art und Weise, wie der Autor diesen zutiefst ungerechten Mord an dem unschuldigen Tier beschreibt, verbunden mit den geschilderten leidvollen Gedanken von Eddard Stark über den Wolf und dessen Namensgebung, ließen mich den Vorgang schwerlich durchstehen.

Ein Grund dafür ist, dass der Tod von Tieren für mich von jeher schwerer zu ertragen war als der von Menschen (zumindest in Filmform), das merkt man an "Frankenweenie", das merkte man, als ich im zarten Kindesalter über den selbstaufopferungsvollen Tod Dracos in "Dragonheart" zutiefst betrübt war, ja, selbst die aus purer Manipulation heraus (und mir ist bewusst, dass die Bedrohung bzw. der Tod von Tieren im Film immerzu eine beliebte und effektive Form der Zuschauermanipulation darstellt) instrumentalisierte erlösende Tötung des blöden Köters in "I Am Legend" hat bei mir trauernde Gefühlswallungen hervorgerufen.
Ein anderer Grund ist der, dass der üblicherweise gewaltsame Exitus von Personen aus der Geschichte um den Eisernen Thron als reiner Schockeffekte in Szene gesetzt wird und in erster Linie darüber wirkt. Wenn beliebte Charaktere ein unerwartetes und in den meisten Fällen durch hinterlistige Intrigen und schwer verdaulichen Verrat besiegeltes Ende finden, ist das wie ein massiver Schlag in die Magengrube (vorausgesetzt, man hat sich noch nicht insofern damit arrangiert, dass einen diese wahrlich nicht seltenen Vorkommnisse nur noch kalt lassen, was jedoch eher von einer gewollten Abstumpfung oder einem verkrampften Selbstschutztrieb zeugt).

Darin unterscheidet sich die in ihrer Grundstimmung sehr nachdenkliche gestaltete Szene mit Lady und darin unterscheidet sich ebenfalls der Tod des Charakters in aktuellen Folge "The Door", denn gemessen an den oben beschriebenen Morden und Todesfällen, welche die traurige Norm in der mitunter äußerst grausamen Welt von Westeros und Essos darstellen, fällt das diesmalige Dahinscheiden auf seine Art heroisch und regelrecht romantisch-pathetisch aus, aber auch mit einem bitteren Sinn für Melancholie. Was außerdem deswegen bemerkenswert ist, weil es sich hierbei um einen unscheinbaren Nebencharakter handelt, den man überspitzt formuliert vielleicht als nette und sympathische Hintergrunddekoration, nicht jedoch als derart bedeutsame Figur wahrgenommen hat und dem dennoch in diesem entscheidenden Moment eine wichtige Rolle zuteilwird, in der sich gleichzeitig eine betrübliche schicksalhafte Ironie niederschlägt, die vermutlich bei manchen, in einer anderen Sicht der Dinge, eine ablehnende Haltung mit der Begründung der "Überkonstruktion" hervorrufen wird. Vielleicht bis zu einem Punkt, wo sie diesen Moment der Lächerlichkeit preisgeben möchten.
Ich für meinen Teil fand dieses dramatische Ende des betreffenden Charakters jedenfalls zu Tränen rührend, bitter-süß und wunderschön zugleich, eine willkommene und mitreißende Abwechslung zu den üblichen Niederträchtigkeiten innerhalb der Handlung, die gerade deswegen so sehr berührt, weil sie eben genau diesen Charakter trifft und ihm, vielleicht als ersten Charakter in der Serie überhaupt, einen dergestaltigen romantischen Tod gewährt.

Samstag, April 23, 2016

Der Eiserne Thron, seine Gegenwart und seine Zukunft

Morgen ist es ja soweit: "Game of Thrones" geht in die sechste Staffel und wir erfahren endlich, wie sich die Geschichte von Westeros weiter entwickelt, wer stirbt, wer lebt, was die lebenden Toten so machen und... was die intrigante Bevölkerung dieses Jahr sonst noch für uns parat hält. Gleichzeitig ist es die erste Staffel, die vor dem dazugehörigen Roman-Band George R. R. Martins erscheint und damit den Buchlesern ihr geliebtes Privileg entzieht, die schockierenden Twists im Voraus zu wissen. Man ist gespannt - und leider werde ich die erste Folge "The Red Woman" direkt mal verpassen, da ich an einem heftigen, umfangreichen Referat arbeiten muss. Was soll man da sagen?

Übrigens ist die siebte Staffel von HBO bereits bestellt, derweil haben sich David Benioff und D.B. Weiss zu ihren Plänen für die beiden voraussichtlich finalen Staffeln, das sind die besagte siebte und außerdem die achte Staffel, geäußert, etwa, dass beide zusammen nur noch 13 Episoden umfassen sollen, die Geschichte um den Eisernen Thron und wer ihn letztlich besteigt damit aber zu einem Ende gebracht werden soll - übrigens, obwohl sie sich von der Buchvorlage bereits entscheidend in vielen Dingen und gewiss nicht bloß Details entfernt haben, angeblich in Kongruenz mit dem Ende der Roman-Reihe. Und was die Zukunft angeht: George R. R. Martin sinniert bereits über die Adaptierung seines Spin-Offs "Tales of Dunk and Egg" als Fernseh-Dreiteiler. Da kann man sich doch freuen!

Montag, Februar 22, 2016

Zitate 19

"Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen."
Johann Nepomuk Nestroy

Samstag, Oktober 31, 2015

Christopher Lee zu Halloween

Moment, zuerst für die Stimmung sorgen:

Sodann wünsche ich euch ein frohes Halloween! Genießt es mit einem Klassiker der amerikanischen Horrorliteratur: Edgar Allan Poes "The Raven" gelesen von Christopher Lee, der dieses Jahr leider verstarb. Im Gedenken an zwei große Meister, hier in virtuoser Synergie vereint.

Mittwoch, Juni 24, 2015

Zitate 18

"Am zuverlässigsten unterscheiden sich die einzelnen Fernsehprogramme noch immer durch den Wetterbericht."
Woody Allen

Mittwoch, Februar 25, 2015

Zitate 16

"Der Hauptwert des Geldes besteht in der Tatsache, dass man in einer Welt lebt, in der es überbewertet wird."
Henry Louis Mencken

Sonntag, August 25, 2013

Zitate 15

"Der Filmschauspieler muss nicht verstehen, sondern einfach nur da sein. Man könnte nun argumentieren, dass man verstehen muss, um sein zu können. Das ist aber nicht der Fall. Wenn dem so wäre, müsste ja der intelligenteste Schauspieler auch der beste Schauspieler sein. In Wirklichkeit ist aber oft genau das Gegenteil der Fall. Seine Gedanken zu der Figur, die er spielt - die ihn nach der gängigen Theorie einer präzisen Darstellung näherbringen sollten - kommen letztendlich seinen Bemühungen in die Quere und nehmen ihm seine Natürlichkeit. Der Filmschauspieler sollte in einem Zustand der Jungfräulichkeit zu den Dreharbeiten erscheinen. Je intuitiver seine Arbeit, desto spontaner wird sie sein."
 Michaelangelo Antonioni über die Spontanität seiner Schauspieler.

Montag, Juli 22, 2013

Django Chained

Hat Quentin Tarantino mit "Django Unchained" etwa eine neue Welle des Anti-Sklavenfilms heraufbeschworen? Nun gut, bisher ist es nur Steve McQueen mit der Verfilmung Solomon Northups Autobiographie "12 Years a Slave", nomen est omen, jedoch nicht zuletzt angesichts Trayvon Martins tragischem Fall und der damit wieder entzündeten Diskussion latenten Rassismus betreffend, würde es mich doch sehr verwundern, wenn wir demnächst nicht end-, end-, endlich in den Genuss des seit "Scary Movie" versprochenen Sequels zu "Amistad" kommen - unter anderem.

Wie dem auch sei, zunächst liegt es an Steve McQueen die Passion und Suppression des Afroamerikaners durch den weißen Mann zu illustrieren. Zum dritten mal seit "Hunger" und "Shame" greift er dabei auf Michael Fassbender ("Fish Tank", "X-Men: First Class", "A Dangerous Method") zurück, der die Rolle des pösen, pösen Plantagenbesitzers übernimmt, derweil die Hauptrolle Chiwetel Ejiofor ("Children of Men", "American Gangster", "2012") innehat. Dazu sehen wir Benedict Cumberbatch ("Sherlock", "The Hobbit", "Star Trek Into Darkness"), Paul Dano ("Little Miss Sunshine", "There Will Be Blood", "Looper"), Paul Giamatti ("Sideways", "Cinderella Man", "John Dies at the End"), Brad Pitt ("Babel", "The Curious Case of Benjamin Button", "The Tree of Life") und Alfre Woodard ("Desperate Housewives", "Memphis Beat", "Steel Magnolias"). Das Drehbuch kommt von John Ridley ("U Turn", "Undercover Brother", "Red Tails") und als "Musik" hören wir sehr wahrscheinlich eine Hans Zimmer Resample-Compilation, wie es der Trailer bereits andeutet. Was bleibt noch dazu zu sagen? Da schielt jemand ganz gewaltig nach dem goldenen Jungen...

Freitag, Juli 05, 2013

Die Trance-Drecksau im Doppelpack

Scotsman time! Ich mochte James McAvoy ("The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe", "The Last King of Scotland", "Atonement") bereits in "Wanted" und im erst kürzlich von mir gesichtetem (und für super befundenen) "X-Men: First Class" überzeugte er mich vollends als junge Charles Xavier-Version. Grund genug für mich die Trailer zu seinen nächsten großen Produktionen unter die Lupe zu nehmen - und allen "Drive"-Hipstern ins Gesicht zu sagen: fuck Ryan Gosling! James McAvoy is the man!
Beim ersten Film "Trance", der Titel ist Programm, von Danny Boyle ("Trainspotting", "28 Days Later", "Slumdog Millionaire") spielt McAvoy die Rolle des Bildauktionators Simon, der sich nach einem mit kriminellen Kollegen begangenem Gemäldediebstahl aufgrund eines mittelschweren Schädeltraumas nicht daran erinnern kann, wo das Bild eigentlich hingekommen ist. Als selbst Folter als Zungenlöserwerkzeug versagt, heuert der Kopf der Bande Franck, gespielt von Vincent Cassel ("Brotherhood of the Wolf", "Mesrine", "Black Swan"), die Hypnose-Spezialistin Elizabeth Lamb (Rosario Dawson, "Sin City", "Clerks II", "Death Proof") an, um in Simons tiefstes Unterbewusstsein einzudringen und auf diese Art das Bild ausfindig zu machen. Ein Plan mit folgenschweren Konsequenzen.
Das Thema Hypnose gehört einfach ins Kino, damit kann man inszenatorisch wundervoll spielen und ich habe Vertrauen in die Fähigkeiten Danny Boyles, daraus ein Mindfuckfest zu fabrizieren.

Aber, ach, da gibt es noch diesen anderen Film namens "Filth" (oder "Drecksau" auf Deutsch). Und hier gilt ebenfalls: nomen est omen, denn McAvoy schlüpft in die Rolle des egoistischen, machiavellistischen, misanthrophischen, Drogen nehmenden, alkoholkranken, cholerischen, sexuell handgreiflichen (unter anderem...) Cops Bruce Robertson. Und diese Rolle darf er mit Genuss und Widerlichkeit bis zur schmerzgrenzen auskosten, um einen wahrhaft liderlichen Charakter zu erschaffen. Mit dabei sind Jamie Bell ("Billy Elliot", "Hallam Foe", "The Adventures of Tintin"), Imogen Poots ("28 Weeks Later", "Centurion", "Fright Night") und "that British guy who always seems to be in everything but you never bother to take the time to figure out what his name is", auch bekannt als Jim Broadbent ("Moulin Rouge!", "Hot Fuzz", "Cloud Atlas"). Basieren tut das übrigens auf dem gleichnamigen Buch von "Trainspotting"-Autor Irvine Welsh, das Regisseur Jon S. Baird selbst adaptiert hat.
Wenn das mal kein zweifelhaftes, provokatives Vergnügen der Extraklasse wird - meinen kranken Sinn für Humor dürfte das treffen und ich freu mich drauf!

Samstag, Oktober 27, 2012

Jack Reacher

Auch Tom Cruise versucht sich abermals an einem Actionfilm. Unter der Regie von Christopher McQuarrie (Drehbuchautor von "The Usual Suspects" und "Valkyrie", sowie Regisseur von "The Way of the Gun") spielt er die Hauptrolle in der gleichnamigen Kinoadaption von Jim Grants aka Lee Childs "Jack Reacher"-Romanen (die ich nicht kenne). Genauer gesagt hat McQuarrie höchstselbt Grants Roman "One Shot" für die Leinwand adaptiert.
Somit untersucht der ehemalige MP-Officer Reacher die Schüsse auf sechs Zivilpersonen von denen fünf tödlich waren, für die letztendlich der ehemalige Scharfschütze James Barr (Joseph Sikora) verantworlich gemacht wird. Und je mehr er sich mit dem Fall beschäftigt, wer hätte es gedacht, umso mehr Zweifel über den Tathergang tauchen auf und führen letztendlich Richtung Russenmafia.
Neben Tom Cruise spielen Rosamund Pike ("Die Another Day", "Pride & Prejudice", "Surrogates"), Richard Jenkins ("The Visitor", "Let Me In", "The Cabin in the Woods"), Robert Duvall ("THX 1138", "The Godfather", "Apocalypse Now") und, kurios genug, Werner Herzog ("Nosferatu: Phantom der Nacht", "Fitzcarraldo", "The Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans") als Bösewicht "The Zec" mit.

Samstag, Oktober 20, 2012

Zitate 13

"Nebenbei bemerkt, Erfolg ist etwas ziemlich Häßliches. Seine scheinbare Ähnlichkeit mit dem Verdienst täuscht die Menschen. Für die Menge hat der Erfolg fast das gleiche Gesicht wie Überlegenheit. Der Erfolg, dieser Doppelgänger der Begabung, betrügt die Geschichte."
Victor Hugo "Die Elenden".

Dienstag, Oktober 11, 2011

My Week With Marilyn


Alle Monroe-Fans: aufgepasst! Am 4. November 2011 feiert (bzw. feiert schon am 9. Oktober auf dem New York Film Festival) "My Week With Marilyn" Premiere. Die Handlung des Films, basierend auf dem gleichnamigen Buch (von zwei) von Colin Clark, verfolgt ihn in den 50ern als aufstrebenden Assisstenten am Set von "The Prince and the Showgirl" (zu Deutsch "Der Prinz und die Tänzerin"), in dem Laurence Olivier und Marilyn Monroe, die gleichzeitig ihre Flitterwochen mit Arthur Miller feiert, die Hauptrollen spielen. Als Miller das Land verlässt, entwickelt sich eine Beziehung zwischen Norma Jeane Baker und Clark, der ihr ein wenig Luft vom Starlet-Stress durch den britisch way of life verschafft...Das Geschehen basiert wohl auf einer wahren Geschichte, eben den autobiografischen Büchern Colin Clarks (*9 October 1932 – †17 December 2002), in denen er seinen ersten Job beim Film beschreibt, bei dem es zu einer Liason mit DEM Sex-Symbol der Filmbranche kam. Die Geschichte wurde übrigens schon 2004 als TV-Dokumentation verfilmt. Passend zum Filmstart gibt es das Buch von Harper Collins ab dem 27. Oktober als Film tie-in edition.Was indes bemerkenswerter ist, ist die Tatsache, das man sich erst jetzt, immerhin fast 50 Jahre nach ihrem Tod, an Norma Jeane Baker alias Marilyn Monroe via Biopic wagt (das Biopic zu Steve Jobs lies keine Woche auf sich warten...). Dieser Hollywood-Gigantin gerecht zu werden, wird garantiert kein leichtes Unterfangen, schon gar nicht auf Art der Weichspül-Methode Hollywoods, denn diese Frau war eine weitaus komplexere Persönlichkeit als viele es zu wissen scheinen und sie hatte viele Ecken und Kanten. Immerhin kommt "My Week With Marilyn" aus Großbritannien, die bekanntlich wesentlich mehr auf dem (und im) Kasten haben als es sich die Traumfabrik Hollywoods je zu erträumen erhoffen könnte.Dennoch werden die Monroe-Fans gewiss gespalten sein. Wenn der Film schlecht wird, werden alle auf die Barikaden gehen. Falls nicht mindestens die Hälfte. Dabei muss ich gestehen, dass Michelle Williams ("Dawson's Creek", "Brokeback Mountain", "Shutter Island") als Monroe gar keinen so schlechten Eindruck auf mich macht. Und immerhin wird sie unterstüzt von Kenneth Branagh ("Hamlet", "Harry Potter und die Kammer des Schreckens", "Wallander", fand ich früher unangenehm egozentrisch und prätentiös, bis er mit "Harry Potter" und der Wallander-Reihe gezeigt hat, das er auch ein verdammt guter Darsteller sein kann) als Laurence Olivier und Judi Dench ("GoldenEye", "Shakespeare in Love", "Tee mit Mussolini") als Sybil Thorndike. Dazu gesellen sich neben Emma Watson (...) Eddie Redmayne ("Elizabeth: Das goldene Zeitalter", "Black Death", "Die Säulen der Erde") als Colin Clark, Dougray Scott ("Dark Water", "Desperate Housewives", "Hitman") als Arthur Miller und Derek Jacobi ("Gladiator", "Underworld: Evolution", "The King's Speech") als Sir Owen Morshead. Regie führt der britische TV-Produzent und -Regisseur Simon Curtis und er erhält tatkräftig Unterstützung von den Weinsteins (na klar) und der BBC.Wer einen Eindruck des ganzen haben will, der kann sich an dem frischen Trailer zum Film erfreuen - den ich btw zeitweilig ganz fürchterlich finde, was dahingegen mehr an dem Schnitt und der Musik liegt.
BTW: Liegt es an mir oder erinnern die Poster ein wenig an "The International"?

Donnerstag, September 08, 2011

Die Comichelden-Offensive

Die US-Comic-Verlage stehen vor einem großen Problem: die Verkaufszahlen knicken ein. Die Migration ins Kino ist so gesehen ein logisch konsequenter Schritt, was uns auch unzählige Comicverfilmungen pro Jahr beschert und eine immmense Übersättigung zur Folge haben wird, das prophezeie ich, wenn es nicht schon so weit gekommen ist. Überraschenderweise kommen die meisten dieser Verfilmungen aus dem Hause Marvel, während DC, abgesehen von "Batman", weit hinterher hinkt - was Marvel nicht davon abhält, DC mit einem unmoralischen Angebot an die Comichändler zu ärgern.Eine erste Maßnahme seitens DCs besteht in einem Reboot von 52 Comicreihen, in dem alles, jede Storyline und Entwicklung auf Null zurückgesetzt wird. Es werde wieder Licht in den Comics! Und zwar mit einigen Änderungen, aber mit denselben Charakteren.
Abseits dessen hängt DC noch mit Christopher Nolans "Batman"-Filme im Kinogeschäft. Allerdings wird die Nolan-Trilogie nach "The Dark Knight Rises" vorraussichtlich abgeschlossen sein und die goldene Eier legende Cashcow zurück in den Stall gebracht.
Doch auch hierfür gibt es eine Lösung: genau wie "Superman", der durch Zack Snyder mit "Man of Steel" ein Reboot erfährt, soll "Batman" ebenfalls wieder auf Null gesetzt werden und der Startschuss für eine neue Filmreihe gegeben werden... evtl. sogar mit Crossover des rebooteten Supermans? Wer weiß...

Dienstag, Mai 24, 2011

Das Leben des Georges Prosper Remi


Am 22. Mai 1907 bekommen Alexis und Elisabeth Remi ein Kind. Ihr Sohn erblickt in Etterbeek bei Brüssel zum ersten mal das Licht der Welt und wird Georges Prosper Remi genannt.Die ersten Jahre seines Lebens werden bezeichnend für seine gesamte Vita, gemessen an den schwierigen Umständen. Georges wächst in einer stark katholischen und konservativen Gesellschaft auf, seine ersten Schuljahre verbringt er während des Ersten Weltkriegs unter deutscher Besatzung. Ab 1920 besucht er mit Erfolg die erzkatholische Schule "Saint-Boniface" und tritt einem katholischem Pfadfinderbund bei, mit welchem er viele Reisen in europäische Länder utnernimmt. Im Februar 1923 erscheint mit "Die Abenteuer von Totor" im Pfadfindermagazin "Le Boy-Scout Belge" der erste Comic des schon zur Schulzeit passionierten Zeichners Remi. Dies bedeutet den Initialschuss für die Karriere des Jungen, der später unter dem Pseudonym seiner umgestellten Initialien RG als HERGÉ Berühmheit erlangen wird.Zu dieser Zeit tritt Hergé der "Movement d’Action catholique" und der "Association catholique de la Jeunesse belge (A.C.J.B.)" bei und bekommt Kontakt zu sich immer mehr radikalisierenden katholischen Jugendorganisationen. In folge dessen macht Hergé Bekannftschaft mit Léon Degrelle und Raymond De Becker, späteren Kollaborateuren mit den deutschen Besatzern, für die er Bücher illustriert.1925 macht er seinen Realschulabschluss und arbeitet anschließend für die katholischen Zeitung "Le XXe Siècle" zunächst in der Verwaltung. Die in klerikalen und konservativen Kreisen vielgelesene Zeitung erlebte vor allem unter Pater Norbert Wallez eine intensive Radikalisierung, die keinen Hehl aus ihrem radikal-politischen Duktus machte.Hergé absolviert im Jahre 1927 seinen Militärdienst, kehrt im Anschlussjahr 1928 zur "Le XXe Siècle" zurück, wo ihm nun die Verantwortung für die Kinderbeilage "Le Petit Vingtième" übertragen wird. Seine Arbeit als Illustrator verschafft ihm Ansehen innerhalb des Verlags, das ihn jedoch nicht zufriedenstellt. Er beschließt einen Comic im amerikanischen Stil zu zeichnen und veröffentlicht vom 10. Januar 1929 bis zum 8. Mai 1930 im "Le Petit Vingtième" den ersten "Tintin"-Comic: "Tintin au pays des Soviets" (dt. "Tim im Lande der Sowjets"). Dieses erste Abenteuer entstand unter starkem Einfluss des antibolschewistischen Wallez, der, neben Hergés Hauptquelle, "Moscou sans voiles" (dt. "Moskau ohne Schleier") von Joseph Douillet, in dem der Autor bereits einen absurd verklärten antikommunistischen Ton pflegte, für ein entsprechendes Ergebnis sorgt. 1930 veröffentlicht Hergé daneben mit "Quick et Flupke" (dt. "Stups und Steppke") den Anfang einer weiteren Comic-Reihe, welche die Abenteuer zweier Straßenjungen aus Brüssel beschreibt, die jedoch nie den Erfolg der "Tim und Struppi"-Comics erreichen wird. Mit "Tintin au Congo" (dt. "Tim im Kongo") setzt Hergé die Abenteuer des Reporters Tim fort, jedoch wieder durch den Einfluss Norbert Wallez' belastet, was diesmal für ein stark Pro-Kolonialistische Bild sorgt und bei den jugendlichen Lesern Begeisterung für die belgische Kolonialisierung und katholische Missionierung des Kongo regen soll. Auch wenn sich Hergé von seinen früheren Arbeiten später distanziert, werden ihm diese stets zum Vorwuf gemacht. 1931 folgt Tims Ausflug nach Amerika, der für das Kongo-Abenteuer zurückweichen musste. 1932 heiratete Hergé die Sekretärin von Wallez, Germaine Kieckens.Im selben Jahr veröffentlicht er "Les cigares du pharaon" (dt. "Die Zigarren des Pharaos"). Mit dem folgenden fünftem "Tim und Struppi"-Abenteuer ändert sich schließlich der politische Ton der Comics: aufgeschreckt durch die Ankündigung Hergés, dass Tim im nächsten Band nach China reisen würde, appeliert Pater Gosset, Kaplan der chinesischen Studenten an der Katholischen Universität Löwen, an den Autor bei diesem Thema Vorsicht walten zu lassen. Er macht Hergé mit Tschang Tschong-Jen bekannt, der an der Brüsseler Académie des Beaux-Arts Bildhauerei studiert, zwecks Vermittlung der chinesischen Kultur. Zwischen den beiden entwickelt sich eine intensive Freundschaft, die bei Hergé das engagierte Bestreben einer exakten Darstellung fremder Kulturen und Schauplätze enstehen lässt."Le lotus bleu" (dt. "Der Blaue Lotos") wird somit zur Zäsur in Hergés Œuvre, die Botschaft ist deutlich antiimperialistisch und das Bild der in Eruopa ansonsten wohlwollend betrachteten Japanern kritisch. Das sorgt bei Erscheinen des Bandes für scharfe Kritik, insbesondere durch japanischen Diplomaten. Hergé verewigt Tschang Tschong-Jen als Zeichen seiner Dankarbkeit in der Geschichte durch den jungen Chinesen "Tschang", der ein guter Freund von Tim wird. Der reale Tschang kehrt nach Beendigung seines Studiums nach China zurück, der Kontakt zwischen den Freuden bricht jedoch bei der Eroberung Chinas durch Japan ab.1935 arbeitet Hergé für die französische Wochenzeitschrift "Coeurs vaillants". Deren Zeitungsredaktion fordert eine Kontrastfigur zu Tim, eine Geschichte mit einem Kind als Protagonist. So entsteht die Serie "Jo, Zette et Jocko" (dt. "Jo, Jette und Jocko"), in deren Zentrum zwei Geschwister und ihr Schimpanse stehen. Insgesamt umfasst die Reihe drei Abenteuer in fünf Bänden, von denen allerdings erst das letzte, "La Vallée des cobras" (dt. "Das Tal der Kobras"), "Tintin" als ebenbürtig erachtet wird.1939 wird Hergé in die belgische Armee einberufen, kann somit einer Einladung Song Meilings, der Frau Chiang Kai-sheks, als Anerkennung für "Le lotus bleu", nicht folgen. Zugleich unterbricht dies seine Arbeit an "Au pays de l’or noir" (dt. "Im Reiche des Schwarzen Goldes"). Die Besetzung Belgiens durch Deutschland beendet seinen Militärdienst. "Le Petit Vingtième" wird von den Besatzern eingestellt, Hergé akzeptiert daher eine Anstellung bei "Le Soir", der in Brüssel am weitesten verbreiteten französischsprachigen Zeitung, die inzwischen von seinem alten Freund Raymond De Becker geleitet wird. Alexander von Falkenhausen, Chef der Militärverwaltung, instrumentalisiert indes die Zeitung als Sprachrohr für die deutschen Besatzer und Propagandamittel. Hergé ist gezwungen Kompromisse bei seinen Geschichten einzugehen, "Au pays de l’or noir" muss wegen seines unverkennbaren anti-faschistischen Tons bis 1950 unvollendet bleiben. Er weicht aus auf "Le crabe aux pinces d’or" (dt. "Die Krabbe mit den goldenen Scheren") aus, die den ersten Auftritt von Kapitän Haddock beinhaltet. Die Fortsetzungsgeschichte erscheint in der Zeitschrift "Le Soir Jeunesse" ab Oktober 1940.Wegen des Papiermangels ändert sich die Arbeitsweise von Hergé, die Seitenzahl wird eingeschränkt, weswegen er mehr Gags und Action in den Geschichten unterbringt, um die Spannung halten zu können. Und natürlich kann er keine politischen oder aktuellen Themen mehr gefahrlos einbinden, so dass er sich fantastischem Material widmet: in "L’étoile mystérieuse" (dt. "Der geheimnisvolle Stern") erzählt er von einer Expedition zu einem ins Meer gestürzten Meteoriten, "Le Secret de la Licorne" (dt. "Das Geheimnis der Einhorn") und "Le trésor de Rackham Le Rouge" (dt. "Der Schatz Rackhams des Roten") handeln von einer Schatzsuche und "Les 7 boules de cristal" (dt. "Die sieben Kristallkugeln"), wie "Le temple du soleil" (dt. "Der Sonnentempel") thematisieren einen Inka-Fluch. In den Geschichten liegt der Fokus mehr auf den handelnden Personen und mit Professeur Tryphon Tournesol (dt. Professor Bienlein) führt Hergé in "Le trésor de Rackham Le Rouge" eine neue wichtige Figur ein, die Teil der "Ersatzfamilie" Tims wird. Die Änderung finden großen Anklang beim Publikum und bis heute gehören die sechs während des Krieges entstandenen Alben zu den beliebtesten Geschichten Tims.Dennoch wurde Hergé in die Propagandamaschinerie miteingebunden. 1940 illustrierte er das antijüdische Buch "Fables" von Robert de Vroylande im typisch zeitgenössischen antisemitischen Stil, der Antagonist in "L’étoile mystérieuse" ist unverkennbar ein in Amerika lebender jüdischer, rücksichtsloser Bankier.1943 stellt Hergé Edgar Pierre Jacobs als Hilfe bei der Überarbeitung einiger älterer Geschichten an, zu dessen signifikantesten Arbeiten die Zeichnungen der Kostüme und der Hintergründe in "Le sceptre d’Ottokar" (dt. "König Ottokars Zepter"), sowie das Titelbild zu "Le temple du soleil" und die Mitarbeit an "Les 7 boules de cristal" gehört.Am 3. September 1944 endet die Besetzung Brüssels, die Alliierten schließen "Le Soir". In den folgenden Jahren muss sich Hergé den Vorwürfen stellen, er sei Nazi-Sympathisant gewesen, wird viermal von verschiedenen Gruppen verhaftet, jedoch nie veruteilt. Dennoch findet er aufgrund seiner Mitarbeit bei der nationalsozialistisch kontrollierten Presse zunächst keine neue Anstellung. Stattdessen arbeitet er mit Edgar Pierre Jacobs und der neuen Assistentin Alice Devos an der Nach-Kolorierungen der bisherigen Alben.
1946 stellt ihn schließlich Raymond Leblanc, ein ehemaliger Résistance-Kämpfer, ein, der das Magazin "Tintin" gründet. Es erscheint das erste mal am 26. September 1946, von da an im wöchentlichen Intervall, jeweils mit zwei Seiten neuer "Tintin"-Abenteuer. Dem Magazin ist ein beachtlich Erfolg beschieden mit einer Auflage von über 100.000 Exemplaren. Als Edgar Pierre Jacobs Mitarbeit zunimmt, verlangt er die Nennung als Ko-Autor, was Hergé ablehnt, wodurch ihre Zusammenarbeit ein Ende findet. Jacobs wendet sich einer eigenen, erfolgreichen Serie zu, die ebenfalls in "Tintin" publiziert wird: "Les Aventures de Blake et Mortimer" (dt. "Blake und Mortimer").Hergé selbst belastet die Arbeit an "Tintin" sehr und 1949 erleidet er während der Arbeit an der neuen Version "Au pays de l’or noir" einen Nervenzusammenbruch. Die erzwungene Pause dauert vier Monate und 1950 folgt ein weiterer Zusammenbruch während er an "Objectif Lune" (dt. "Reiseziel Mond") arbeitet.
Am 6. April 1950 wird das Studio Hergé gegründet, in dem verschiedene Assisteten, zu den bedeutensten zählen Bob de Moor und Jacques Martin, Hergé entlasten und vornehmlich Details und Hintergründe zeichnen. In Zusammenarbeit mit dem Studio enstehen zwischen 1952 und 1958 "Objectif Lune", "On a marché sur la Lune" (dt. "Schritte auf dem Mond"), "L’affaire Tournesol" (dt. "Der Fall Bienlein") und "Coke en stock" (dt. "Kohle an Bord").Privat kommt es nach fünfundzwanzig Jahren Ehe zur Krise zwischen Hergé und seiner Frau Germaine, weil er sich in die junge Zeichnerin Fanny Vlaminck verliebt hat. Zudem plagen ihn Alpträume von weißen Flächen, weswegen ihm ein konsultierter schweizer Psychoanalytiker rät, die Arbeit an den Comics aufzugeben. Dementgegen arbeitet Hergé an der Geschichte "Tintin au Tibet" (dt. "Tim in Tibet"), die von September 1958 bis November 1959 veröffentlicht wird. In ihr unternimmt Tim eine Rettungsexpidition in den Himalaja, wo sein Freund Tschang mit einem Flugzeug abgestürzt ist. Auf diese Art schafft es Hergé, seine Alpträume künstlerich zu verarbeiten. Dieses wohlmöglich persönlichste Abenteuer bezeichnet er später als seine Lieblingsgeschichte. Darüberhinaus steht die Geschichte für einen neuen Abschnitt in Hergés Leben, eine Zeit des Wandels.1963 erscheint "Les bijoux de la Castafiore" (dt. "Die Juwelen der Sängerin") und 1966 "Vol 714 pour Sydney" (dt. "Flug 714 nach Sydney"). 1975 lassen sich Hergé und Germaine scheiden, ein Jahr später wird "Tintin et les Picaros" (dt. "Tim und die Picaros") veröffentlicht. 1977 heiraten Hergé und Fanny Vlaminck. 1981 treffen sich Hergé und Tschang Tschong-Jen, der die Kulturrevolution als Straßenkehrer überstanden hat, nach über vierzig Jahren wieder. Tschang zieht 1985 nach Paris, wo er bis zu seinem Tod 1998 lebt.
Am 3. März 1983 erliegt Georges Prosper Remi alias Hergé in der Klinik Saint-Luc in Brüssel den Komplikationen einer Blutarmut, an der er schon einige Jahre litt. Er wird, seinem Wunsch entsprechend, auf dem Friedhof am Dieweg im Brüsseler Stadtteil Uccle beerdigt, obwohl der Friedhof 1950 für neue Gräber geschlossen worden war.In seinem Testament verfügte Hergé, dass "Tintin" von niemandem weitergeführt werden darf. Tims nie vollendetes letztes Abenteuer "Tintin et l’Alph-Art" (dt. "Tim und die Alphakunst") wurde nur in Form von Skizzen und Notizen veröffentlicht. Hergés Ehefrau Fanny schloss die Hergé-Studios 1987 und gründete die Hergé-Stiftung, die 2001 verhinderte, dass "Tim in Tibet" in China unter dem Titel "Tim und Struppi im chinesischen Tibet" erscheint. 1988 wurde auch das Magazin Tintin eingestellt.Zurück bleibt ein nicht mehr aus der Comic-Welt wegzudenkendes Abenteuer-Werk, das tatsächlich ein jüngeres und älteres Publikum zugleich anspricht. Wegen der vielseitigen, aufregenden Abenteuer, die bisweilen auch nicht eines politischen Kommentars entbehren und Zeugnis eines turbulenten Jahrtausends sind. Wegen der eingängigen Charaktere, die Kultcharakter besitzen und nicht nur unter tintinophilen einen hohen Stellenwert belegen. Wegen den exotischen Schauplätzen, die der Reporter Tim mit seinem treuen Gefährten Struppi bereist. Und wegen den humanen Botschaften von Rechtschaffenheit und Frieden.
Zugleich sind sie aufs engste mit dem ereignisreichen Leben Georges Prosper Remis verknüpft, der die Serie bis zu seinem Tod gepflegt und darüber hinaus nicht mehr aus den Händen gegeben hat, ausgenommen an seine Ehefrau.

Ich verdanke den Geschichten unzählige schöne Kindheitserinnerungen, die bis heute andauern und die ich nicht missen will. Ich denke, das geht vielen auf der ganze Welt nicht anders. Deswegen gedenke ich hier mit der höchsten Andacht diesem passionierten Comic-Autor, der ein unvergessliches Werk geschaffen hat.

Wer mehr über Hergé, Tintin, Milou und alle die anderen wissen will, wird hier fündig:

The Adventures of Tintin


Nahezu sein ganzes Leben lang arbeitete der Belgier Hergé (1907–1983) an den Abenteuer-Geschichten des Reporters Tim (Tintin) und seinen Freunden. Nach seinem Ableben verfügte er testamentarisch, dass niemand die Reihe fortführe, übergab überdies die Rechte in die Hände seiner Frau aus zweiter Ehe, Fanny Vlaminck.
Die langelebige und bis heute erfolgreiche Serie besteht in erster Linie aus den in sich abgeschlossenen Abenteuern, die der Reporter Tim erlebt. Oft enthalten die Geschichten einen politischen Kommentar, hin und wieder auch Science-Fiction- und Fantsy-Elemente.Tim ist ohne Frage ein typischer Held: aufrichtig, mutig, einfallsreich, intelligent und guten Gewissens. Für jede noch so augenscheinliche ausweglose Situation findet er eine Lösung, er stellt sich stets auf die Seite der Unterdrückten und führt einen selbstlosen Kampf gegen das Böse und das Verbrechen, wo sich die Möglichkeit ihm nur bietet. Von Beruf ist er Reporter, auch wenn man ihn diesen selten ausüben sieht, und er hat augenscheinlich keine Familie, ebenso wenig wie Beziehungen zu Frauen. Seine Freunde und Bekannte werden sozusagen zu seiner Ersatzfamilie, die untereinader stark verbunden sind.Immer in Begleitung seines treusten Freundes, des Foxterriers Struppi (Milou) reist er dabei um die Welt, an die exotischsten Orte, ob China, Indien oder Südamerika, aber auch weniger exotische Gebiete, wie England, Russland oder die Fantasiestaaten Syldavien und Bordurien. Struppi, der zu Beginn der Reihe mit Tim sprechen zu können scheint, später jedoch nur hin und wieder in Sprachblasen seinen Gedanken Ausdruck gibt, hilft Tim bisweilen aus vielen ausweglosen Situationen (Stickwort: Fesseln). Für viele war er der heimliche Star der Comics, bis er durch Kapitän Haddock in der Gunst des Publikums abgelöst wurde. Benannt wurde er übrigens nach der ersten Liebe des 18-jährigen Hergé, Marie-Louise Van Cutsem, deren Spitzname "Milou" lautete.Später stieß Kapitän Haddock (Capitaine Haddock) zum Heldenduo dazu und war fortan ein ebenso treuer, wie rechteschaffener Begleiter und guter Freund. Teils ist er gar selbst der Grund für das ein oder andere Abenteuer. Obwohl er ein bärbeißiger, oftmals schlecht gelaunter Pfeiferauchender Seefharer mit der Neigung zu cholerischen Wutausbrüchen, die ihn zu gern in die fantasievollsten Schmipftiraden ausbrechen lassen (der legendärste ist mit Sicherheit "Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde!" ("Mille millions de mille sabords")), und passionierte Whisky-Trinker, bevorzugt seine Lieblingsmarke "Lock Lomond", mit einem Alkoholproblem ist, ist er doch wegen seines aufrechten Charakters ein liebenswerter Mensch. Und seien wir mal ehrlich: er besitzt wesentlich mehr Charakter als jeder pseudo-ruppiger Sidekick in der Geschichten der Unterhaltungsliteratur. Sein Name rührt aus dem Englischen haddock, was Schellfisch bedeutet und seinen erster Auftritt feierte er 1940 in "Die Krabbe mit den goldenen Scheren".3 Jahre später gesellte sich in "Der Schatz Rackhams des Roten" ein wieterer fester Bestandteil der Ersatzfamilie Tims hinzu. Der geniale, doch zerstreute und schwerhörige Professor Balduin Bienlein (Professeur Tryphon Tournesol; tournesol=Sonnenblume) ist Erfinder einiger bemerkenswerter (ein Raketenantrieb und Farbfernseher), amüsanter (düsenangetriebene Rollschuhe), wie schrecklicher (eine Schallwaffe) Erfindungen und damit oft genug der Auslöser für die haarstreubensten Abenteuer. Eine weitere Erfindung und typisches Erkennunsmerkmal des Professor ist sein Pendel, dass wie ein Geigerzähler auf wertvolle Gegenstände reagiert. Er selbst ist von kleinem Wuchs und ein liebenswürdiger Charakter. Sollten man ihn allerdings reizen, verfällt er in eine unbändige Raserei und gibt den meisten stämmigeren Männern Fersengeld, Kapitän Haddock inklusive. Seine Schwerhörigkeit, die er immer als Harthörigkeit herunterspielt, ist des Öfteren Grund für amüsante Missverständnisse. Nach anfänglicher Abneigung hegt Kapitän Haddock insbesondere zu ihm eine tiefe Freundschaft und entwickelt einen Beschützerinstinkt für den Professor. Immer wenn sein Freund in Gefahr ist, lässter er alles stehen und liegen, um ihm zur Hilfe zu eilen. Hergé selbst bezeichnete Auguste Piccard als Inspiration für den tüddeligen Professor.Ein weiterer, fester Bestandteil des Bekanntenkreis sind die überheblichen Detektive Schulze und Schultze (Dupont et Dupond), die jedoch mehr tollpatschig, denn fähig ihrem Dienst nachgehen und meistens für die Slapstickeinlagen im Comic verantworlich sind. In Unvercovermissionen pflegen sie in der jeweiligen traditionellen Landestracht Zentrum des Gelächters zu sein und geraten darüberhinaus häufig genug mit der lokalen Justiz aneinander. Bei Ermittlungen geben sie sich stets überlegen und klischeehaft, obgleich es meistens Tim ist, der die Lösung letztendlich findet. Ihren ersten Auftritt feierten die Zwillingsbrüder 1932 in "Die Zigarren des Pharaos". Allerdings wurden ihnen nachträglich ein Cameo in "Tim im Kongo" gegönnt. Hergés Inspiration für die beiden Kultcharaktere waren höchstwahrscheinlich sein Vater und dessen Zwillingsbruder.Daneben gibt es noch unzählige, immer wieder auftauchende Nebenfiguren, gute, wie böse, die alle ihren eigenen Eindruck auf den Leser hinterlassen. Ein paar der wichtigsten versuche ich hier zu nennen:


  • In "Der Blaue Lotos" rettet Tim dem jungen Chinesen Tschang das Leben, der ihm fortan ein treuer Freund wird, beinahe ähnlich einem jüngerem Bruder. Der Charakter ist eine Würdigung von Hergés gutem Freund Tschang Tschong-Jen, der einen bedeutenden Einfluss auf Hergés Schaffen hatte.
  • Pjotr Klap ist ein liatuischer Pilot mit Augenklappe, der zunächst mit einem Kampfflieger Jagd auf Tim und Haddock macht, später jedoch die Seiten wechselt und sich zum Freundeskreis der beiden dazugesellt.
  • Oftmals während seiner Ausflüge in den arabischen Orient trifft Tim auf den Herrscher des fiktiven Landes Khemde, Emir Ben Kalisch Ezab. Seit ihrem ersten Aufeinandertreffen sind die beiden befreundet. Der Sohn des Emirs, Abdallah, ist ein unterträgliches, verwöhntes und verzogenes Gör, das seine Umwelt mit Streichen terrorisiert und dem einzig der gutherzige, emotionale Emir in Liebe verbunden ist.
  • Eher zufällig wird Tim Adjutant General Alcazars, Diktator der fiktiven, von bürgerkriegsunruhen erschütterten Republik San Theodoros, der dort mit seinem Wiedersacher General Tapioca im Streit liegt und die sich kontinuierliche gegenseitig putschen. Später sind Tim und Alcazar gute Bekannte.
  • Die berühmte Bianca Castafiore, ein ganz und gar von sich überzeugte Opernsängerin, trägt mit Vorliebe, sehr zum Missfallen ihrer Zuhörer, die Juwelenarie aus Gounods "Faust" vor und ist besonders unbeliebt bei Kapitän Haddock, deren Namen sie stets falsch ausspricht.
  • Fridolin Kiesewetter ist Versicherungsvertreter und ein nervendes Plappermaul, der bei jeder Gelegenheit Kapitän Haddock bedrängt. Gleichzeitig ist Kiesewetter Hergés Parodie seiner spießbürgerlichen Landsleute.
  • Nestor ist der treue Diener Haddocks auf Schloss Mühlenhof. Dort diente er schon den frühren Besitzern, den kriminellen Gebrüdern Vogel-Faull. Zwar hat er einen Hang zum Lauschen, ist abgesehen davon ein gewissenhafter und formibdalber Butler.


Doch Tim hat nicht nur Freunde, sondern auch viele Feinde.
  • Ganz besonders seinen Erfeind, der Mulitmillionär und internationale Verbrecher Roberto Rastapopoulos macht ihm das Leben schwer. Oder ist es eher umgekehrt? Rastapopoulos ist in jedewede denkbare illegale Aktivität verwickelt, ob Drogen- oder Menschenhandel, Waffenschmiggel, Entführung oder Erpressung, der gewissenlose Gangsterboss schreckt vor nichts zurück und gerät dadurch meistens an den heldenhaften Reporter.
  • Haddocks früherer erster Offizier war Allan Thompson, der jedoch die Alkoholsucht seines Kommandanten ausnutze, um die Kontrolle über das Schiff "Karaboudjan" zu übernehmen und sie für Rauschgiftschmuggel zweckzuentfremden. Er und Tim treffen immer wieder aufeinander, später wird er ein Handlanger von Rastapopoulos. In der neugezeichneten Version von "Die Zigarren des Pharaos" wurde auch er nachträglich hinzugefügt.
  • Ein ebenso wiederkehrender Antagonist ist der vermutlich deutsche Psychiater Dr. J.W. Müller, der zunächst als Geldfälscher und Schmuggler, später als Kriegstreiber in Khemed auftritt.
  • Ein besonderer und im Gedächtnis bleibender Antagonist ist der Japaner Mitsuhirato, mit dem Tim in "Der Blaue Lotus" aneinander gerät. Er ist einer der gefährlichsten, weil intelligentesten und skurpellosesten Gegner des Reporters. Er gilt als einer der rigorosesten Charaktere (man beachte die vielzähligen Superlativen...) der ganze Reihe und ist eine faszinierende Persönlichkeit, für mich sogar einer der besten Bösewichte aller Zeiten.
Neben den vornehmlich vorhandenen Abenteuer-Elementen gibt es in den "Tim und Struppi"-Geschichten auch viele komödiantische Szenen, inbesondere vorgetragen durch die tollpatschigen Detektive Schulze und Schultze. Doch auch unsere Helden, ebenso wie die Bösewichter sind sich nicht zu fein, ein unglücklich platzierte Bananenschale zu übersehen... japp, der Humor besteht überwiegend aus Slapstickeinlagen, gemäß dem Vorbild der 20er-Jahre-Stummfilmära. Doch auch die absurd-komischen Situationen haben ihren besonderen Reiz, ob es die impertinent aufdringliche Gesprächtiraden Friedolin Kiesewetters, die durch die Schwerhörigkeit Bienleins provozierten Missverständnisse oder, der Klassiker und Lieblingsgag der Reihe, die Metzgerei Schnitzel (Boucherie Sanzot) sind. Hergé findet stets ein Maß zwischen Ernst und Humor, kreiert dabei sehr viel Charme.Der Zeichnungen Hergés sind äusserst charakteristisch und sein Stil ist als Ligne claire (dt. klare Linie) in die Comicgeschichte eingegangen. Die wesentlichen Merkmale dieses Stils sind die präzise Konturen und die flächige einfarbige Kolorierung, sowie der weitesgehende Verzicht auf Schraffuren, Schattierungen und Farbverläufe. Charaktere und Mimik sind meistens von einfacher Darstellung, während die Hintergründe und Details sehr detailliert und realistisch wiedergegeben sind. "Tim und Struppi" wurde daher vor allem wegen der wahrheitsgetreuen und genauen Darstellung von Mode und der Umgebung (z.B. Autos) geschätzt. Hergé selbst bezeichnete die Comicreihe der Bécassine als sein Vorbild.