Montag, Dezember 24, 2018

Predator: Reindeer Games

Ich habe "Predator: Upgrade" bislang nicht gesehen (und anscheinend nicht viel verpasst), aber... ja, frohe Weihnachten... I guess?

Freitag, Dezember 21, 2018

Kurzreviews November/2018

Auch wenn mich der Tod meines Opas unbeschreiblich schwer getroffen , eine unermeßlich große Lücke in meinem Leben hinterlassen hat, das Leben geht weiter. Inzwischen hat sich der Alltag wieder einigermaßen eingestellt und ich richte meinen Blick auf die Zukunft. Somit habe ich es fertiggebracht, die Review-Liste für den November doch noch abzuschließen und deswegen präsentiere hiermit ich wiederum die 15 Filme und 1 Serienstaffel (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat November gesehen habe. Das wird zugleich die letzte im Jahr 2018 von mir veröffentlichte Review-Liste werden, die Dezember-Liste erscheint zur Gänze erst Januar 2019.


Serien-Staffeln
Father Ted (Series 1) (1995) (7-8)

Filme
The Nun (2018)
Das "Insidious"/"Conjuring"-Spin-off-Rad dreht sich munter weiter und was auch immer ich ihrer Zeit an der Nonne aus "Conjuring 2" schön schaurig empfunden haben mag, weder die einfallslose Regie, noch das reizlose Drehbuch konnten es in ihren Solo-Spuk hinüberretten. Obschon das Setting der Corvinilor-Bug, das bedrohliche Kloster insgesamt einen stimmungsvollen Rahmen, sich überhaupt genügend gelungene Ansätze geboten hätten, wusste scheinbar niemand der Beteiligten dieses Potenzial nutzbringend umzusetzen. Für den ihr spendierten Build-up fällt die Präsenz der Nonne reichlich mager aus, sie erscheint als semi-bedrohliches, austauschbares Monster of the week, die pseudo-epische Vorgeschichte von Monster und Kloster werden an ungünstiger Stelle effektlos hingerotzt. Das war nichts. (4)

Katzenauge [Cat's Eye(1985)
Ein schicker kompakter Episodenfilm nach Stephen King, jede der drei unterschiedlichen Geschichten unterhält auf ihre Weise vorzüglich, macht das beste aus ihrem jeweiligen Sujet. Zuweilen weisen sich die Tricks überdeutlich als solche aus, nichtsdestoweniger gefällt "Cat's Eye" als das, was er ist. (7)

Halloween III - Die Nacht der Entscheidung [Halloween III: Season of the Witch(1982)
Das vielfach gescholtene Michael Myers-lose Sequel. Sobald man drüber hinweg ist, dass man hier nicht ein Franchise-Monster popkulturell zu Tode reiten wollte, erwartet einen offen und ehrlich gesagt ein nicht uneffektiver kleiner Schocker, dem zwar ein etwas alberner Twist zu Grunde liegt, der davon abgesehen eine dichte, paranoide Atmosphäre kreiert, die nicht selten an Alien-Invasion-Paranoia-Filme der 70er Jahre gemahnt, zudem gewürzt mit gepfefferten Gewaltspitzen. Unterschätzt! (7)

Halloween 4: The Return of Michael Myers (1988)
Dann reiten wir das Franchise halt zu Tode. Michael Myers kehrt zurück und meuchelt feucht-fröhlich weiter. Das resultiert in einem reichlich plakativen Slasher, der weniger auf Stimmung, mehr auf stumpfsinnig Schocks setzt, ohne daraus zusätzliche Spannung generieren zu können. (6)

Die 3 Tage des Condor [Three Days of the Condor(1975)
Wirkungsvoller Agenten-Thriller, der spärlich und erst nach und nach Informationen preisgibt, während sich Robert Redford als geistiger Vorfahr Jason Bournes unaufhörlich auf der Flucht vor Killern und Agenten aus den eigenen Reihen befindet, auf scheinbar verlorenem Posten gegen eine undurchsichtige Schattenorganisation kämpft, was einmal mehr Verdrossenheit und berechtigten Zweifel an der Motivation und den Methoden von mit unverhältnismäßigen Befugnissen ausgesatteten Regierungsorganisationen zum Ausdruck bringt. Bonus für Max con Sydow. (7,5)

Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn [The Adventures of Tintin(2011)

Suspiria (1977)
Ich mag nicht der größte Dario Argento-Fan auf dem Erdenrund sein, sein legendäres Horror-Märchen verzaubert mich nichtsdestominder jedes Mal aufs Neue, möglicherweise sogar bei jeder erneuten Sichtung stets ein bisschen mehr. Die einfach gehaltene Geschichte gibt Argento unabsehbar viel Raum für seine suggestiven Bilder, die prächtigen Farben, die experimentelle Kamera und die bizarre Musik Goblins erzeugen einen synergetischen surrealen Mahlstrom, der einen unwillkürlich mitreißt und immer tiefer in den Kaninchenbau lockt, dabei unversehens an unseren Urängsten rüttelt. (9)

Suspiria (2018)
Luca Guadagninos Remake geht da andere, eigene Wege, tauscht die märchenhafte Farbenpracht gegen graue Tristesse ein, widmet sich Themen wie innerer Zerissenheit, Transformationen, Traumata aus der Vergangenheit, rekontextualisiert die fantastischen Elemente des Vorgängers in einem scheinbar psychologisch angehauchtem Diskurs, ohne je klare Antworten zu geben. Um ehrlich zu sein, hat er mich ein wenig ratlos zurückgelassen, abgesehen von Sayombhu Mukdeeproms Kameraarbeit, dem eindrucksvollen Set-Design, der fabelhaften filmischen Symbiose von Tanz und Tod bzw. Schmerz, sowie den durch die Bank vortrefflichen Darstellerleistungen weiß ich nicht, was mir die Neuverfilmung kommunizieren will, ob und wie sie auf mich wirkte. Jedenfalls übte sie eine gewisse Faszination auf mich aus, die sich bestenfalls bei einer Zweitsichtung deutlicher manifestiert. Bis dahin bleibt eine vages Echo des Gesehenen. (7)

Deadpool (2016)

Seed (2007)
Im Grunde genommen war für mich bereits nach dem Opening Schluss, in das Uwe Boll Original-Aufnahmen der Tierschutzorganisation PETA von auf das Grausamste gequälten Tieren einbindet. Diese unerträglich anzusehenden, da realen Zeugnisse menschlicher Grausamkeit gegenüber Lebewesen schockieren weit mehr als alles, was Boll in der Folge auffahren könnte. Was ihn nicht davon abhält, abermals seinen Stammtischparolen eine Bühne zu verschaffen, er allen Ernstes der Meinung ist, seinen Film mit einem höheren Anspruch versehen, eine Aussage über das vermeintlich naturgegeben gewalttätige, abscheuliche Wesen des Menschen getroffen zu haben, kurz: etwas, das über blanken Voyeurismus und Befriedigung der Gelüste eines Horrorfilm-Publikums hinausgeht. Zugeben muss ich, dass er ab und an unangenehme, abstossende Bilder oder Szenen zu Stande bekommt, die ultrabrutale, abscheuerregende "Hammer-Szene" etwa. Von einem guten, inhaltlich bedeutsamen Film sind wir dessenungeachtet nach wie vor meilenweit entfernt. (2)

Assault on Wall Street [Bailout: The Age of Greed(2013)
Wo wir gerade von den Stammtischparolen Uwe Bolls sprachen: "Assault on Wall Street" würde ich zu den gelungeneren Beispielen aus Bolls Schaffenswerk zählen, denn seiner demagogischen Hasstirade gegen die Reichen und Mächten dieser Welt, in diesem Falle speziell der selbstsüchtigen, rücksichtslos mit Menschenschicksalen spielenden Banker und Börsenspekulanten, fehlt es zumindest nicht an emotionaler Inbrunst, mit der Boll seine Anklage erhebt. Klar, das Geschehen bleibt flach und plakativ, wächst zu keiner Sekunde über seine oberflächliche Provokationen hinaus, einen differenzierten, cleveren Umgang mit dem Thema sucht man sich darum besser anderswo. Die allem innewohnende Wut hingegen wirkt zumindest authentisch, dem hocherhobenen Mittelfinger gegenüber der verdorbenen, arroganten Finanzwelt kann im tiefsten Innern nur zugestimmt werden. (6,5)

Tromeo & Julia [Tromeo and Juliet(1996)
Tromas Gegenentwurf zu Baz Luhrmanns "Romeo + Julia" - wenn das nicht nach einem Fest der 1000 trashigen Lichter klingt. Überraschenderweise hält sich Llyod Kaufman einigermaßen dicht an die Original-Geschichte, arbeitet sich verhältnismäßig vorlagentreu an den Figuren, Schauplätzen und Ereignissen entlang, selbstverständlich angereichert um grelle Vögel, viel Sex, übertriebene Gewalt und inzestuöse Verhältnisse allerorts. Richtig übers Ziel hinaus schießt er hingegen erst im Finale. So oder so macht die absurd-trashige Ausgabe des Shakespeare-Klassikers ordentlich Laune. (Trash-Skala: 7)

Elfmeter für den Superbullen [Delitto a Porta Romana (Crime at Porta Romana)] (1980)
Ein weiterer Klamauk-Auftritt für Tony Marroni, in der Tomas Millian seine Umgebung ordentlich aufmischen darf, zuvörderst auf Konfrontationskurs mit der mailändischen High Society. Macht Spaß. (6)

Split (2016)
Nach "The Visit" der nächste geglückte Thriller des einstmals gefeierten Regie-Wunderkindes M. Night Shyamalan, ein kleines aber feines Psycho-Duell im Spannungsfeld der unsicheren, gefahrvollen Interaktion mit den verschiedenen, sich ständig wandelden Persönlichkeitsaspekte des Entführers einerseits, der dezent angedeuteten Hintergrundgeschichte Anya Taylor-Joys andererseits. James McAvoy erbringt natürlich eine herausragende Leistung, beweist eine ungeahnte Versatilität bei der Darstellung der einzelnen Gestalten, Taylor-Joy gibt ihm Konter in Form einer Art Seelenverwandten, die ihre eigenen Dämonen zu bekämpfen hat, derweil Shyamalan auf den üblichen Budenzauber verzichtet, sich an den Schicksalen seiner Charaktere interessiert zeigt, im Ganzen willkommen entschleunigt und wenig effektheischerisch inszeniert. (7)

Robin Hood, König der Vagabunden [The Adventures of Robin Hood(1938)
aka "Die Abenteuer des Robin Hood". Das ist ein persönlicher. Der legendäre Errol Flynn-Robin Hood war einer meiner absoluten Lieblingsfilme in Kindestagen, während meinen all-freitäglichen Besuchen bei meinem Großeltern väterlicherseits in Leverkusen haben wir ihn zusammen oft, sehr oft rauf und runter geguckt, mit meinem Playmobil-Figuren oder anderen Spielsachen habe ich ihn allzu gerne nachgespielt und in der Karnevals-Zeit habe ich mich wiederholt begeistert in volle Robin Hood-Montur geworfen. Ich habe ihn zitiert, imitiert und die großartige Musik Erich Wolfgang Korngolds vor mich hingesummt. Nun wollte es das unergründliche, erbarmungslose Schicksal, dass dieser Film, der einer meiner ersten echten Lieblingsfilme war und bis heute geblieben ist, dem ich unzählige glückliche Stunden mit meinem Opa zu verdanken habe, dass dieser Film der letzte sein sollte, den ich gemeinsam mit meinem geliebten Opa sehen würde. Das intensiviert die emotionale Bindung zu ihm selbstredend um ein vielfaches, ins unermeßliche gar und macht jedwede kritische Distanz schlichtweg unmöglich. Freilich ist er ein ganz, ganz toller Abenteuerfilm, einen, wie es ihn kein zweites Mal gibt, in dem keine Szene zu lang und keine zu kurz geht, eine harmonische, lebendige, farbenprächtige Mischung aus Abenteuer, Komödie, Liebesfilm und Actionszenen. Letztere, behaupte ich gerade heraus, sind aufgrund ihrer Dynamik und ihres Tempos heute noch großartig anzusehen, derweil die tolle Darstellerriege, Flynn brilliert selbstredend in der Rolle des Robin Hood, bei den Bösewichten hinterlassen Basil Rathbone und Claude Rains einen nicht minder nachhaltigen Eindruck, ihren Figuren Leben einhauchen. Nicht umsonst die stilbildende Robin Hood-Verfilmung schlechthin. Und einer der Filme, die immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben werden... jetzt mehr denn je. (10)

















































15 - 6,6 (99,0)

Freitag, November 30, 2018

Das Leben 2018

Mein über alles geliebter Opa ist gestern gestorben. Er hinterlässt eine unfassbar klaffende Wunde in meinem Leben und mehr noch in meinem Herzen. Das ist ein weiterer Schicksalsschlag, den mir das Jahr 2018 verpasst und ich blicke mehr denn je mit Zweifel in die Zukunft. In jeder Hinsicht. Meine Zukunft, die Zukunft unserer Gesellschaft, die Zukunft des Films. Allerdings hoffe ich, dass das alles eine ungeahnte Entschlossenheit in mir erwachsen lässt, die mich durch die schwierigen Zeiten, die vor mir liegen, bringen wird und, wer weiß, dass ich zuletzt den Silberstreifen am Horizont erlebe.
Unter diesen Umständen bin ich mir unsicher, ob ich die Reviewliste für November fertigkriege. Das wird sich in den nächsten Tagen entscheiden.

Montag, November 12, 2018

Kurzreviews Oktober/2018

Weil ich wieder mal vom Studium her voll ausgleastet war, bin ich mit der Reviewliste für die erste Oktoberhälfte nicht rechtzeitig fertig geworden. Daher präsentiere ich hiermit verspätet die 24 Filme und 3 Serienstaffeln (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Oktober gesehen habe:


Serien-Staffeln
Narcos (Season 1) (2015) (7)
Fingersmith (2005) - (7-7,5+)
Spuk in Hill House [The Haunting of Hill House(Season 1) (2018) - (7,5-8,5+, das Ende: 5)

Filme
Hardcore [Hardcore Henry(2015)
Die wahrscheinlich akkurateste Wiedergabe eines Videospiels in Filmform. Das Gimmick der Egoperspektive ist beileibe kein Novum, was Ilya Niashuller Herangehensweise hervorstechen lässt, ist, wie stringent und flüssig er es zum Einsatz bringt. Sofern man sich darauf einlassen möchte, evoziert Niashuller, der bereits für Musikvideos Gebrauch von dem Stilmittel machte, ein atemberaubendes Immersions-Gefühl, legt ein Höllentempo in den Actionszenen hin, das einen regelrecht schwindeln und nach Luft schnappen lässt. Überraschenderweise geht diese immersive Rasanz nie auf Kosten der Übersichtlichkeit, das Geschehen bleibt nachvollziehbar, verschafft dem Zuschauer dennoch einen dröhnenden Adrenalin-Kick nach dem nächsten. Mehr noch: trotz des Affentempos und dem Fokus auf halsbrecherische Stunts, knallige Schießereien, schmerzhafte Prügeleien und brachiale Verfolgungsjagden, schafft es Niashuller, seine straighte Geschichte nie aus den Augen zu verlieren, seine Charaktere nie im Stich zu lassen, garniert darüber hinaus diese wahnwitzige Tour de Force mit genügend trockenem Humor, um die Chose nie albern ernsthaft ausarten zu lassen. Ich bin begeistert! (7,5)

Die Insel der Ungeheuer [The Food of the Gods(1976)
Ätzend öder B-Monsterfilm, übersät mit schlecht reinkopierten Riesentierchen und unsympathischen Arschgeigen von Charakteren, die in jeder Situation unfassbar dümmlich und realitätsfern agieren. Hinzu kommt, dass die armen Ratten offenkundig mit echten Farbpatronen beschossen wurden und das finde ich absolut unverzeihlich - dass der Film hundsmiserabel ist, setzt dem bloß noch die Krone auf. (2)

Wir sind keine Engel [We're No Angels(1955)
Kurios: Fundstück aus einem dieser öffentlichen Bücher-Regale, wo eine fleißige Leserschaft ihre ausgelesenen Schmöker (und manchmal DVDs... ab und an sogar VHS-Kassetten) abladen, an denen man sich hernach fröhlich bedienen darf. Dass die Kombination Michael Curtiz, Humphrey Bogart, Peter Ustinov, Basil Rathbone, Leo G. Carroll et al. mich erfolgreich ködern musste, ist selbsterklärend. Tatsächlich ist "We're No Angels" ein kleine Perle, ein warmherziger Weihnachtsfilm allererster Güte vor der ungewöhnlichen Kulisse Französisch-Guayanas, mit einem nicht minder ungewöhnlichen "Engels"-Trio (bzw. qua der Schlange Adolf (!) Quartett): alle drei sind entflohene Sträflinge, die wegen Mordes und Betrugs im Gefängnis saßen und deren ursprüngliche Absichten demgemäß vorsahen, ihre Schützlinge auszurauben und abzumurksen - bis deren gütiges, rührseliges, über allen Maßen liebenswertes Wesen sie zutiefst rührt, folglich einen Sinneswandel durchleben lässt, auf Grund dessen sie kurzerhand beschließen, ihren "Opfern" unter die Arme zu greifen, schließlich sowohl in Liebesangelegenheiten, als auch gegen den niederträchtigen, gefühlskalten Vetter beizustehen. Ohne Frage kann die Geschichte einerseits eine unvermeidlichen, der Zeit geschuldeten Schein von Biederkeit nicht abschütteln, unterläuft diesen Eindruck andererseits fidel mittels der hingebungsvoll spitzbübischen Darstellung Bogarts, Ustinovs und Aldo Rays, ein willkommen schwarzhumoriger, ironischer und scharfzüngiger Gegenentwurf zur makellosen Unschuld. In jedem Fall gleichermaßen ein zu Herzen gehender, wie unterhaltsamer, durchweg unterschätzter Weihnachtsfilm. (7,5)

Immortal [Immortel (ad vitam)(2004)
Wenn es einem Comicautor vergönnt ist, sein eigenes Werk zu verfilmen... kommt er offenkundig nicht umhin, sich einer helfenden Hand zu bedienen (nicht wahr, Mr. Miller?), sollen die kreativen Energien in den richtigen Bahnen verlaufen, funktionell auf das andere Medium übertragen werden. Case and point: Enki Bilal, dem sich die Chance bot, den ersten Teil seiner Nikopol-Trilogie für die große Leinwand zu adaptieren. Um sein kapriziöses, an faszinierenden, anregenden Attraktion, Themen und Motiven nicht armes Sci-Fi-Fantasy-Cyberpunk-Noir-Amalgam überhaupt realisieren zu können, ohne alle Budgetgrenzen zu sprengen (zumindest im Rahmen dessen, was sich hinsichtlich der absehbaren Publikumsakzeptanz gerechnet hätte), fundierte er das gesamte Werk beinahe vollständig auf der Tricktechnik. Ein Minimum an Darstellern bildet den Kern, der Rest, Umgebung wie Akteure, stammt zur Gänze aus dem Rechner, was, das Problem der sichtlich veralteten Tricktechnik außer Acht gelassen, immerhin einer verlockenden, reizvollen Welt Raum zur Entfaltung gibt. Demgemäß verorten sich die Schwächen weniger an der Optik, stärker jedoch am Drehbuch, dass insbesondere nach Hinten raus zusehends verflacht, überstürzt die verschiedenen Handlungsstränge krampfhaft zu einem Ende bringen zu müssen meint, was unzählige Frage offenlässt, manche Teilgeschichten nie auflöst, sogar komplett verschwinden und rückblickend für den Verlauf der Geschehnisse reichlich irrelevant erscheinen lässt. Zufriedenstellen kann Bilal mit diesem Gewirr schlussendlich nicht. (6)

John Wick (2014)

Far Cry (2008)
Uwe Boll kann's noch schlechter, was seine Version von Cryteks wegweisendem Shooter fraglos nicht vorteilhafter dastehen lässt. Inspirationslose Actionszenen aneinanderzureihen musste jedenfalls unweigerlich schiefgehen, da der Mann sie nach wie vor nicht umsetzen kann... zumal er mit Til Schweiger in der Hauptrolle geschlagen ist. Bonus für Udo Kier. (3,5)

1968 Tunnel Rats [Tunnel Rats(2008)
Uwe Boll kann's auch besser! Sein Versuch eines Vietnamfilms kann sich durchaus sehen lassen, nimmt sich mit den Vietcong-Tunneln eines relativ unverbrauchten Szenarios an, dass er obendrein klaustrophobisch und bedrückend einzusetzen weiß. Woran "Tunnel Rats" letztlich ebenfalls scheitert, ist die polemische Stammtisch-Art Bolls, die egomanische Selbstüberschätzung, die Menschen, die Politik und die Welt unzweifelhaft entlarvt, folglich das Recht zur überambitionierten Kritik für sich gepachtet zu haben, die einer ausdruckstärkeren Inszenierung, welche in besonders gelungen Momenten demungeachtet immer mal wieder durchblitzt, obstruierend im Wege steht. (6,5)

Sicario (2015)
Bittere Bilanz des Kriegs gegen die Drogen, denn daran lässt Denis Villeneuve zum Schluss keine Zweifel: es ist ein Krieg, der um seiner selbst willen geführt wird, von Politikern und Bürohengsten durchkalkuliert, von kaltschnäuzigen Zynikern und erbarmungslosen, lebensverneinenden Soldaten umgesetzt, gesäumt von furchtbaren, katastrophalen Kollateralschäden an Mensch und Besitz links und rechts und allerorts, sich endlos im Kreis drehend, ohne Ziel, ohne bemerkbare Fortschritte oder Ergebnisse, einzig erfüllt von Tod und Verwüstung. Diese bittere Pille schlucken wir gemeinsam mit Emily Blunts Charakter, aus deren Perspektive wird den Großteil der Ereignisse miterleben und wie sie tappen wir die meiste Zeit im Dunkeln, bekommen einen Eindruck des Gesamtbildes, falls sich ein solches überhaupt zusammenstellen lässt, höchstens Häppchenweise gefüttert und an nicht einem Gramm lässt Villeneuve Positives haften. Am Schluss steht Fassungslosigkeit, gefolgt von Ernüchterung, zum Schluss die schmerzvolle Erkenntnis: das ist das Land der Wölfe. (8)

Boomerang (1992)
Ein merkwürdiges Zwitterwesen, ein äußerst schwach austarierter Mischmasch aus Liebesfilm und Komödie, ärgerlich sexistisch, speziell in Momenten, in denen Versöhnung oder Miteinander auf Augenhöhe zwischen den Geschlechtern vorgetäuscht werden soll, nur um letztlich doch den Herren der Schöpfung Recht zu geben. Zumal er auffällig ziel- und planlos, obendrein inhomogen vonstattengeht, Dinge aufgreift, sie wieder fallen lässt, zwischen Komödie und Schnulze munter hin und her pendelt, selbst in Momenten, in denen das jeweils andere gemeint gewesen sein könnte. Das macht ihn obendrein sehr tranig und lässt den Zuschauer des Öfteren ratlos zurück. (4)

Der Superbulle schlägt wieder zu [Squadra antitruffa(1977)
Tomas Milian zum dritten Mal in der langlebigen Rolle des raubauzigsten Ermittlers, den Rom aufzubieten weiß, betont plebejisch, zauselig, proletenhaft, nichtsdestoweniger der Star seiner Abteilung, gerade aufgrund seiner volksnähe der beste Mann für den Job und sein Ressort. In Kombination mit der schnodderigen Synchro, hier passender denn je eingesetzt, ein ulkiger Krimi, voll und ganz durch seinen Hauptdarsteller belebt, angefochten höchstens von Special Guest Star David Hemmings. (6,5)

Rogue One: A Star Wars Story [Rogue One(2016)
Der Anfang: eine dreiste Kopie von "Inglourious Basterds", Ben Mendelsohn tritt als magerer Hans Landa-Abklatsch auf, liefert einen idiotensicheren, wenigstens brauchbaren Impetus für Felicity Jones Jyn Erso. Aber Gareth Edwards ist nicht Quentin Tarantino, überhaupt wissen wir spätestens seit "Godzilla", dass Edwards kein sonderlich überragender Regisseur ist, zumindest nicht, was eine groß angelegte, spektakuläre Inszenierungen angeht, die in diesem Falle trotz allem bitter, bitter nötig gewesen wäre und an der er abermals fatal vorbeibrettert: wie bei "Godzilla" hat er das überwältigende, bewegende Spektakel zu keiner Sekunde im Griff oder eine Ahnung davon, wie man es zufriedenstellend, imposant präsentieren könnte. Dadurch fehlt es an fulminanten Attraktionen, ebenso an emotionaler Sogkraft. Vielleicht ist es ungerecht, das alles Edwards anzulasten, schließlich möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie es sich ausmacht, für Kathleen Kennedy & Co. zu arbeiten. Andererseits gibt "Godzilla" genügend Auskunft über Edwards fehlendes Gespür für mitreißende, ergreifende Kinomomente.
Hinzu kommt, dass keiner der Helden-wider-Willen diese Mängel auch nur im Geringsten auszugleichen wüsste, keiner kommt über die platteste Charakterskizzierung eines einseitigen DIN A4-Entwurfs hinaus, jedem einzelnen Mitglied dieser Bande von Misfits fehlen grundlegende Charakteristika, zwischenmenschliche Dynamik oder berichtenswertes, was sie als Menschen oder Figuren ergiebig machen, als Gruppe, Freunde oder eben launige Söldnerbande, die aus reiner Not zusammenhalten müssen, auszeichnen würde. Niemals stellt sich ein zwingendes Zusammengehörigkeitsgefühl ein, niemals fesseln sie als Charaktere, dass man mit ihrem Schicksal mitfiebern könnte. Sie sind reines pseudocooles, schrecklich gewolltes Charakterdesign, wie wählbare Klassen aus einem Videospiel. Im schlimmsten Fall hält unsere Heldin, eine weitere pseudo-starke Frauenfigur auf Anbiederungskurs bei PClern inklusive White Knights, insipide, pathetische Reden, um mal eben die Rebellen mir nichts dir nichts zum couragierten Aufbegehren zu überreden. Wenn sich dann vor der großen End-Schlacht die gesamte Meute plus unzähliger gesichtsloser Red Shirts versammelt, ganz nach dem Motto "Niemand hilft mir! - Na, dann dreh Dich mal um, da sind sie doch alle, obwohl sie gegen alle Befehle verstoßen", verpufft das schlichtweg im Nirgendwo. Das wärmende Gemeinschaftsgefühl stellt sich niemals ein.
Nostalgiker und Fans werden pflichtschuldig mit In-Jokes, bekannten, liebgewonnen, memefähigen Figuren aus der Original-Trilogie, sowie dem allgemeinen Flair der nicht erzählten Zwischenepisode geködert und bis zum Erbrechen gefüttert. Wohlfeilster, durchschaubarster Fan-Service, auf den die Mehrzahl der Fans nichtsdestotrotz schonungslos reinzufallen scheint. Kein Wunder: auf der Suche nach dem einen, erlösenden Sequel (das nach wie vor brennend auf sich warten lässt) wirkt "Rogue One" exakt wie Episode VII von vorne bis hinten wie gefällige, anbiedernde, schöntuende Fanficition - doch zu keiner Sekunde mehr als das. Positiv zu vermerken: das Production Design mag Spaß an der Sache gehabt haben und ich freue mich über Donnie Yen. Ansonsten weiß ich nicht, ob ich mich ärgern oder resignierend mit den Schultern zucken soll. (4,5)
Die Strickmütze [Squadra antiscippo (The Cop in Blue Jeans)] (1976)
aka "Der Superbulle mit der Strickmütze" aka "Die Bullen auf den heißen Feuerstühlen" (Gott segne wer auch immer in den 70ern Film-Titel übersetzt hat...). Tomas Milians erster Auftritt in der Rolle des Nico Giraldi (oder Tony Marroni, die Kastanie, wie ihn die Eindeutschung nennt...). Tendenziell klamaukig fällt bereits der Erstling aus, wobei ich den Krimiteil noch als dominanteren Aspekt wahrgenommen habe. Milians Gebaren bzw. seine äußere Erscheinung sind zwar die eines Mannes, der seine Verbindung zur Straße genüsslich provozierend zur Schau trägt, andererseits war seine Darstellung steigerungsfähig - so zottelig wie in "Squadra antitruffa" (s.o.) tritt er hier noch nicht auf. (7)

Superbulle gegen Amerika [Squadra antigangsters (The Gang That Sold America)] (1979)
Der hingegen ist purer Klamauk. Der Schauplatzwechsel und der lustige Sidekick stoßen den sechsten Beitrag der Reihe in Richtung einer albernen Parodie, insbesondere im ersten Viertel ist er ausgeprägt dialoglastig, wirkt dadurch ein wenig zäh. Hernach lockert er das Geschehen durch einige Kloppereien und Verfolgungsjagden wieder etwas auf, die schnoddrige Synchro tut ihr übriges. (6)

Running Man [The Running Man(1987)
Der gute Ahnold. Klar: der sozialkritische Aspekt ist allerhöchstens kosmetischer Natur, kaum mehr als Koketterie. Paul Michael Glasers Darbietung lebt hingegen vollends von den ein Maximum an 80er-Jahre-Glamour atmenden Show-Sequenzen und den visuell höchst reizvollen Actionszenen, wozu die kapriziösen, schillernden Gladiatorenjäger ihren nicht zu vernachlässigenden Beitrag leisten. Herrlichster 80er-Schwarzenegger-Camp. (B-Movie-Skala: 7)

Resident Evil (2002)
Auftakt zum "Resident Evil"-Marathon (erster Teil). Oft genug erwähnt: kann ich, aus mir unerklärlichen Gründen, rauf und runter gucken, ohne, dass er mir langweilig wird. Vermutlich Paul W.S. Andersons Schuld, auf seine unnachahmliche Art und Weise. Ich fühle mich von der Videospielverfilmung (das dazugehörige Spiel habe ich seinerzeit bestenfalls angespielt) seit jeher gut unterhalten und will gar nicht so tun, als ob mich die streckenweise Dummheit des Gesehenen abschrecken würde. Guilty pleasure. (7)
 
Horror Aliens - Eaten by Aliens [Alien Incursion(2006)

Premutos - Der gefallene Engel (1997)
Walter rulez! (Trash-Skala: 7,5)

Resident Evil: Apocalypse (2004)

Resident Evil: Extinction (2007)
Russell Mulcahy bringt frischen Wind in die Reihe, zitiert fleißig aus bewährten Klassikern (u.a. "Mad Max" und "Day of the Dead"), liefert einen temporeichen Beitrag ab, der ordentlich zur Sache geht. Was will man mehr. (7)

Resident Evil: Afterlife (2010)
Bei dem bin ich zwiegespalten. Einerseits garantiert Paul W.S. Andersons Rückkehr auf den Regie-Stuhl stilsichere Action, andererseits fühlte ich mich seltsam unterwältigt, sogar eine Spur gelangweilt vom Gezeigten. Ich kann nicht in Worte fassen, woran das lag. Vielleicht nach einer Zweitsichtung. (6)

Resident Evil: Retribution (2012)

Resident Evil: The Final Chapter (2016)
Es hätte so schön enden können. Beim Versuch, die unsinnige Story bzw. die einzelnen Storyfäden der "Saga" zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen, verpasst Paul W.S. Anderson den immens hoch angelegten Unterhaltungsfaktor der Vorgänger, die immer am besten damit gefahren sind, sich auf die aberwitzigen Actionszenen zu konzentrieren und diese abzufeiern. Ärgerlicherweise sabotiert Anderson (oder Cutter Doobie White, je nachdem) eben diesen Aspekt durch einen unsäglichen Stakkato-Schnitt, der besagte Action grausamst zerschneidet, jedwede Übersichtlichkeit oder optischen Genuss gnadenlos untergräbt, indem er 50+ Schnitte in zwei Sekunden packt, was es unmöglich macht nachzuvollziehen, wem gerade was wiederfahren ist (im Endkampf wird eine Kombattantin regelrecht zu Boden geschnitten) oder die stylishe Choreografie zu genießen. Schade drum, Ideen hatte selbst dieser Teil. (5)

Halloween (2018)
Michael Myers Rückkehr auf die Leinwand fühlt sich altmodisch an. Damit meine ich, dass er wie ein müde runtergekurbeltes Teenie-Slasher-Sequel im Stile der End-90er-, Anfang-2000er-Jahre anmutet, zwar angereichert um vielfältige Nostalgie-Koketterie und mit einer tollen Jamie Lee Curtis, abgesehen davon wenig ergiebig, null gruselig oder gar abgründig, dafür voller tumber Figuren. David Gordon Green hinterlässt in der Funktion eines Horror-Regisseur keinen guten Eindruck, erzeugt wenig bis keine Spannung, seltene Geistesblitze ausgeschlossen. (5)

Summer of 84 (2018)
Reitet fleißig die 80er-Nostalgie-Welle im Fahrwasser von "Stranger Things". Weil er sich seinen Protagonisten ausgiebiger widmet als der Jagd auf den Serienkiller, fernerhin nicht auf 400 Minuten gestreckt und durch ein Episoden-Format in Kleckerteile zerfasert wird, reißt er merklich mehr mit als der überhypte große Bruder, zumal die Hauptdarsteller durch die Bank einen ausgezeichneten Job machen. Man muss sich allerdings mit der langsamen Erzählweise arrangieren können. Das bitterböse, düstere Ende bietet obendrauf eine bedrückende Alternative zum ansonsten wohligen Nostalgiegefühl, auf dass sich wesensverwandte Produktion allzu gerne verlegen. (6,5)

Star Wars: Die letzten Jedi [Star Wars: Episode VIII - The Last Jedi(2017)
Ich gebe zu: "The Force Awakens" im Hinterkopf bin ich gänzlich ohne Erwartungen an den Nachfolger rangegangen und habe mich gar nicht erst um oberflächliche Mängel geschert, habe versucht, ihn anhand der Charakterentwicklung und der emotionale Resonanz zu messen. Insofern waren mir die unzähligen klaffenden Logiklöcher, der überflüssige zweite dritte Akt, die fragwürdigen Designentscheidungen und die schlichtweg beleidigende, grobschlächtig demontierende Behandlung, die der "Star Wars"-Mythos und seine beliebtesten, inspirierenden Charaktere unter Vortäuschung von Innovation über sich ergehen lassen mussten, zunächst egal. Fakt ist, dass wir es abermals mit dilettantischer "Star Wars"-Fanfiction zu tun haben, diesmal "The Empire Strikes Back" und einen Hauch "Return Of The Jedi" betreffend. Denn Rian Johnson kopiert detto einfallslos die narrative Struktur des legendären "Star Wars"-Sequels, ohne auch nur ansatzweise einen vergleichbaren emotionalen Unterbau zu Verfügung zu haben oder zu erschaffen. Wenn er etwas Neues hinzufügt, sabotiert er sein eigenes Werk, den bereits schwachen Vorgängerfilm (den ich, im Nachhinein betrachtet, in vielerlei Hinsicht viel zu sanft angepackt habe), im schlimmsten Fall sogar die Originalfilme.  An allem scheitert Johnson phänomenal, die Charaktere bleiben schwach und profillos, dafür hat Jar Jar Abrams im Vorfeld genügend gesorgt, Rey ist und bleibt eine langweilige, lachhaft übermächtige Mary Sue, Finn ist egal, hat im Grunde gar keine Funktion in der Geschichte. Einzig Dameron Poe und der ihm zukommenden Rolle in der Filmhandlung kann man sowas wie Interesse entgegenbringen, selbst Kylo Ren halte ich nach wie vor für die geringste Schwäche der Sequels. Was Johnson und Kennedy indes mit Luke Skywalker anstellen, spottet jeder Beschreibung. Es ist wahrhaft schwer anzusehen und zu ertragen, schlichtweg bösartig, wie sie Luke ein Schlag nach dem anderen in die Fresse verpassen, die einstmalige strahlende, inspirierende Heldenfigur eiskalt mit dem Vorschlaghammer einreißen und auf die Trümmer spucken und pissen, als ob sie Mark Hamill eins auswischen, ihn für seine Leistung, seinen Einfluss, seine Rolle in der Popkultur beneiden und ihn gründlichst zu Grunde richten wollten. Das schmerzt unfassbar, das tut in der Seele weh.
Wie kaum ein anderer Film hat "The Last Jedi" die Fanbase gespalten. Während es unter den Hatern genügend gibt, die sich ausführlich mit den Schmähungen, Affronts und Erniedrigungen, die sich Johnson und Kennedy rausgenommen haben, auseinandersetzen, finde ich solche Fans, die Episode VIII verzweifelt verteidigen, wesentlich beachtenswerter, zugleich ernüchternd und wunderschön in ihrem Streben, dieser Abrissbirne, dieser unkontrollierten Gebäudesprengung von einem Film etwas sinnvolles, gelungenes abzuringen, in der Hoffnung, ein würdiges Sequel zu bekommen, Erklärungen und Deutungen zu forcieren, allem etwas positives abzugewinnen - was der Film selbst einfach nicht hergibt, jedoch für die Leidenschaft und Inspiration spricht, die George Lucas, entgegen aller Schelte, ehedem bei ihnen zu entfachen vermochte. Vieles davon klingt tausendfach interessanter, aufregender, innovativer als es diese Gurke von Film zu träumen wagen würde. Deswegen bitte ich euch, liebe Fans: macht so weiter! Haltet an dieser Kreativität, dieser Inspiration fest! Gebt sie an eine neue Generation weiter, in der Hoffnung, dass aus ihr vielleicht die Generation Filmemacher erwächst, die in einer weit, weit entfernten Zukunft das Sequel kreiert, das "Star Wars" und seine Fans verdient haben. Inspiriert von dieser Leidenschaft, von dieser Vorstellungskraft und Hingabe, die euch einst angezogen hat. Nur eins tut bitte nicht: missversteht eure eigene, in euch wohnende, auf diesen Schund projizierte Zuneigung und Schöpfungskraft nicht als Merkmale eines gelungenen Films. Denn das ist "The Last Jedi" zu keiner Sekunde. (3,5)


































24 - 6,0 (143,5)

Mittwoch, Oktober 31, 2018

Happy Halloween 2018

Tim Curry... still the best! In diesem Sinne:

Mittwoch, Oktober 03, 2018

Kurzreviews August/II/September/2018

Frohen und friedlichen Tag der deutschen Einheit!

Weil ich im Urlaub war, mich danach intensiv auf eine Prüfung vorzubereiten hatte, habe ich die Reviewliste bewusst auf Anfang Oktober verschoben. Und wie man sieht, bin ich in den letzten anderthalb Monaten in den Genuss nicht allzu vieler Filme gekommen. Darum präsentiere ich hiermit wiederum die kargen 15 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat August seit der letzten Liste und im Monat September gesehen habe:

Serien-Staffeln
The IT Crowd (Series 1-4) (2006-2008, 2010) - (9-10)
Star Trek: Deep Space Nine (Season 4) (1995-1996) - (10)

Filme
Der Unglaubliche Hulk [The Incredible Hulk(2008)
Bevor das MCU Fahrt aufgenommen, praktisch das Kino für sich erobert hatte, scheiterte Louis Leterrier an dem bislang einzigen Solo-Auftritt des grünen Wutriesen. Dabei gefiel mir der Auftakt in den brasilianischen Favelas sogar, Leterrier brachte dergestalt die Verlorenheit des ins selbstauferlegte Exil getriebenen Bruce Banner optisch reizvoll zum Ausdruck. Sobald es zurück in die good old USA ging, lässt die Geschichte dahingegen rapide nach, verkommt zur schwachbrüstigen, halbherzigen, spannungslosen Verfolgungsjagd, die aus einem gänzlich anderen Drehbuchentwurf zu stammen scheint, darüber seine Charaktere größtenteils im Stich lässt. Zumal mir persönlich Edward Norton in der Titelrolle gar nicht zugesagt hat, die zugegeben schwierige Gradwanderung zwischen unsicherem Außenseiter und genialem Wissenschaftler vermochte ich dem Egomanen Norton leider zu keiner Sekunde abkaufen. Vom nachlässig getricksten CGI-Prügel-Finale sprechen wir gar nicht erst. (5)

Mein Nachbar Totoro [となりのトトロ Tonari no Totoro (My Neighbor Totoro)] (1988)
Der Film, der zum Emblem des Studio Ghiblis wurde, vermutlich die Inspiration für eine Vielzahl von Animes, die das Übernatürliche sinnstiftend mit dem Alltäglichen verbinden - obwohl der eponyme Totoro, wie die fantastischen Elemente insgesamt äußerst behutsam und wohl bemessen eingesetzt werden, niemals den Fokus auf die beiden kindlichen Protagonistinnen verstellen, im Gegenteil ihre Freuden und Ängste stets zur rechten Zeit manifestieren und akzentuieren. Miyazaki Hayao gibt demgemäß eine liebevolle Impression des Innenlebens seiner Figuren und ihrer Befindlichkeiten im Kontext ihrer Umgebung, sowie der unterschiedlichen Belastungen, die es für sie zu verkraften gilt, was sich in Folge der stellenweise an den Tag gelegten Einfachheit des Gezeigten erst recht wunderbar zum Mitfühlen eignet. Sowieso ist "Totoro" ein Film zum Fühlen, weniger zum unterkühlten Durchanalysieren, lässt sich höchstens unzulänglich in Worten wiedergeben oder beschreiben. Man muss, man sollte ihn erleben! Und wird, wie so oft bei Studio Ghibli, mit purer, reiner Schönheit belohnt. (9,5)

Über dem Jenseits [...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (The Beyond)] (1973)
aka "Die Geisterstadt der Zombies". Lucio Fulci herrlich delirierender Geisterhorror (Zombies spielen keine sonderlich herausragende Rolle), in der er eine wunderbare Fusion von diesseitiger Realität und jenseitiger Alptraumwelt vorlegt, die peu à peu jedwede zuverlässige Erzählweise auflöst, um mehr und mehr in eine Welt "über dem Jenseits" einzutauchen. Dass das kaum mehr einer nachvollziehbaren Logik zu folgen scheint, die Grenze des rational fassbaren weit, weit hinter sich lässt, macht das Ganze umso eindrucksvoller. (8)

Nachtschicht [Graveyard Shift(1990)
Nicht der Höhepunkt in der langen, langen Reihe der Stephen King-Verfilmung, trotzdem mag ich Ralph S. Singletons Adaption ganz gern, was zuvörderst an dem stimmungsvollen Setting liegen muss: die ein wenig schäbige Fabrik, herrlich dreckig, runtergekommen, alles andere als auf Hochglanz poliert, verleiht der Geschichte, die sich nicht zuletzt dem Kampf des Arbeiters gegen den ausbeuterischen Unternehmer widmet, einen idealen räumlichen Kontext. Nicht zu vergessen: das schnieke getrickste Fledermausmonster. (6)

Brainscan (1994)
Gemeinhin als kleiner Geheimtipp gehandelt und sollte mittels des Tricksters mutmaßlich eine Art Cyber-Freddy Krueger aus der Taufe heben. Dafür hat es nicht gereicht und er geistert seitdem eher unscheinbar in den Hinterköpfen einiger Sammler kapriziöser Genre-Obskuritäten herum. Dabei ist John Flynns Thriller ein eigenwilliges Kleinod, das keck mit dem Aspekt der virtuellen Realität spielt, ohne sonderlich nachhaltige Höhepunkte zu erreichen. Die opportune Verquickung von Fantastik und Teenie-Nöten, das Gimmick der VR als Katalysator und natürlich T. Ryder Smith in der Rolle des flamboyanten Trickster bleiben nichtsdestominder im Gedächtnis. (6,5)
Avengers: Infinity War (2018)
Die große Zusammenkunft des MCUs, der größte aller großen Bösewichte namens Thanos, die Frage, ob sich das Warten, das halbgare Erzählen, die unaufhörlich wachsende Überzahl an Heroen gelohnt haben. Ist "Infinity War" all das Anteasern, all die mit Hinblick auf diese Konfrontation konzipierten Einzel-, Duo- und Gruppenauftritte wert gewesen?
Naja. Es mag Comic-Nerds einen Orgasmus nach dem nächsten bescheren, all die Helden endlich auf der großen Leinwand vereint gegen einen ihrer legendärsten und dem Vernehmen nach mächtigsten Widersacher aus den Heftchen antreten zu sehen. Und ich gebe es geradeheraus zu: Josh Brolins Thanos hinterlässt gar keinen üblen, eindimensionalen Eindruck wie manch anderer MCU-Antagonist, rüttelt nicht unerheblich am weitschweifigen Heldenstammbaum, reiht sich zumindest in die oberen Ränge der ganzen ERJBs ein. In der Tat würde ich nicht zuletzt wegen ihm "Infinity War" im Großen und Ganzen zu den besseren Marvelfilme zählen. Klar: er ist überwuchert von CGI-Actionszenen, so richtig will sich die epische Bedrohung nicht manifestieren und er ist ein buntes Kuddelmuddel wie all die anderen vor ihm (witzigerweise kam mir irgendwann der Gedanke, dass der Film enorm davon hätte profitieren können, konsequent und zur Gänze Thanos Perspektive einzunehmen).
Auf der Habenseite balancieren Anthony und Joe Russo die zahlreichen Action-Set Pieces und die wenigen zentralen Charaktermomente nicht ungeschickt aus, behalten bei der immer schwieriger zu überschauenden Menge an Figuren überraschend das Maß bei, die Mehrzahl von ihnen zufriedenstellend in der Geschichte zu integrieren, obschon viele Superhelden nicht über den Status von Cameo-Auftritten oder Stichwortgebern hinauskommen - was in der Natur der Sache liegt. Groß differenzieren tut sich "Infinity War" von dem üblichen Marvel-Einerlei letztlich nicht, es bleiben dasselbe Konzept, dieselben Probleme und dass Kevin Feige & Co. besonderen Nutzen daraus gezogen hätten, zuvor zigtausend Superheldenfilme zu produzieren, zeigt sich ebenso wenig, davon abgesehen, dass sie für 90 % ihrer Dramatis Personae nicht so zu tun brauchen, als ob sie eine Persönlichkeit hätten. Trotz alledem fühlte ich mich von "Infinity War" adäquat unterhalten, flotter Fantasy-Actionfilm mit überzeugenden Bösewicht, der er ist. (7)

Mission: Impossible - Fallout (2018)
Tom Cruise kann es immer noch, den superunterhaltsamen Starvehikel-Actionfilm auf die Beine stellen und schultern, ohne zu viele Kompromisse eingehen zu müssen. "Fallout" steht in der handwerklich bemerkenswert konsequent guten Tradition der Vorgänger, liefert astreine Hochglanz-Action und -Thrill, arrangiert rund um den letzten großen Hollywood-Star. Ich würde ihn zwar nicht zu dem absoluten Action-Thriller-Meisterwerk erheben, wie sich das die zeitgenössische Kritik oftmals getraut hat, zum herausragenden Vertreter seiner Zunft hingegen ganz ohne Frage, dessen klar und griffig konzipierten Actionsequenzen abermals fantastischen anzuschauen sind. Die Geschichte hat mir kraft seiner vorrangig in der ersten Hälfte zu Tage tretenden Neigung zum Spionagethriller sogar ganz ausgezeichnet gefallen, das Taktieren gegen den unbekannten Maulwurf gehört zweifelsohne zu den Highlights des Films. Christopher McQuarrie inszeniert darüber hinaus rasant und schafft es, selbst vorhersehbare Twists genussvoll und befriedigend aufzulösen. Bisweilen stilisiert er Ethan Hunt bzw. Cruise ein wenig zu sehr zum modernen altruistischen Weltretter-Messias unter den einsamen Agenten, aber das finde ich verzeihlich, schließlich gibt es diesen Typus des überlebensgroßen, megalomanischen Stars kaum noch, also kann man das ruhig ein wenig auskosten... in Maßen. (7,5)

Die Brut des Bösen (1979)
Ein Kuriosum, einer der wahrscheinlich ersten Martial Arts-Klopper aus deutschen Landen, zu allem Überfluss aus dem geistigen Schaffensnebel von Christian Anders hervorgetreten. Kopiert vorwitzig Kampfsportfilme aus Fernost, ohne jemals die Dynamik der Kampfchoreografien der Vorbilder auch nur ansatzweise zu erreichen. Anders gibt derweil höchstselbst den Bruce Lee-Klon (das rein optisch gar nicht mal schlecht - gilt das dann als Bruceploitation?) und fernöstliche Glückskeksweisheiten zum Besten, bevor er sich, seine Jünger/Schüler (inklusive Love Interest), sowie seine bescheidene Karateschule in Madrid (Warum Madrid? Tja, vielleicht wegen des exotischen Flairs?) gegen die pösen, pösen Drogenschmuggler verteidigen muss. Die werden übrigens von einem kleinwüchsigen Paten regiert, der gerne Mal auf die Schultern seines hünenhaften Handlangers springt, Kommandos in alle Richtung bellt, wenn er nicht seine unfähigen Schläger beschimpft oder seiner große Liebe Cora hinterherschmachtet... bevor er sie zwecks Kompromittierung in die Bettlaken von Anders schickt. Warum möchte er unbedingt die Schule in Besitz nehmen? Warum muss er sich unablässig mit Anders anlegen? Wer weiß das schon? Ulkiger, bisweilen wahnwitziger Trash. (Trash-Skala: 6,5)

Auschwitz (2011)
Ach du großer Gott. Ein grottenschlechter Regisseur ist die eine Sache. Ein grottenschlechter Regisseur mit übersteigerten Ambitionen und einem Anliegen, das umzusetzen er offenkundig nicht im Stande ist, nochmal eine gänzlich andere. Der dreiste Versuch Uwe Bolls, Holocaust-Bewältigung zu betreiben, indem er die Realität aufzeigen möchte (?), die Unwissenheit von Schülern bloßstellt (um dadurch Ignoranz zu unterstellen?), sowie Alain Resnais zu kopieren, legt das offen, wie kaum ein anderes Machwerk aus Bolls Schaffenswerk. Die geschmacklose, unterqualifizierte Bebilderung von entblößten Menschen in Gaskammern kommt zu keiner Sekunde über den Eindruck von Voyeurismus und Exploitation hinaus, dass Herr Dr. Boll höchstselbst in SS-Uniform auftritt, hilft dem Eindruck eines ernst gemeinten Anliegens ebenso wenig. (0)

Postal (2007)
Dann versucht er obendrein lustig zu sein. Inzwischen wissen wir: Uwe Boll schert sich einen Dreck um vorlagengetreue Videospiel-Verfilmungen (im Grunde scheint er sich um Videospiele im Allgemeinen einen Dreck zu scheren). Stattdessen gestaltet sich seine Version vom Skandal-Shooter wie die bizarre Wiedergabe seines eigenen Geisteszustand aus, bietet all den Dingen eine Bühne, die den Mann sei jeher empören und die seiner Ansicht nach in der Welt alle schieflaufen. Ein bisschen gleicht Uwe Bolls "Postal" einer pervertierten Nachbildung von Richard Fleischers "Fantastic Voyage" (Nachtrag: Tarsems "The Cell" wäre hier definitiv die akkuratere Analogie gewesen...): in "Postal" unternehmen wir eine groteske Reise in den Kopf des Regisseurs und durchleben unerträglich in die Länge gezogen hautnah seine gesamte Inkompetenz, seine defizitären Eigenschaften als Filmemacher, seine Weltsicht und seinen... "Humor". Was in den Händen eines fähigen Filmschaffenden oder auch nur passablen Routiniers durchaus Potenzial zur reflexiven, derben Satire voller Absurditäten, Geschmacklosigkeiten und Grenzüberschreitungen beweisen würde, gerät bei Boll zu einem einzigen Manifest seines Scheiterns, offenbart eklatante Defizite beim Schnitt, bei der Regie, beim Timing, bei der Inszenierung von Actionszenen, grundlegend bei allem, was er berührt. Nicht mal sich selbst karikieren kann der Mann. (0,5)
Volcano (1997)
Boah, ein sagenhaft dämliches Exemplar des bereits an Dämlichkeiten nicht armen 90er-Jahre-Katastrophenfilms. Tommy Lee Jones muss sich als bärbeißiger Actionheld wahrhaftig eines Vulkanausbruches und den daraus eruptierenden zerstörerischen, unaufhaltsamen, wenigstens außerordentlich beeindruckend getricksten Magmaströmen erwehren, nebenbei den gesamten Katastrophenschutz und die Evakuierung von Los Angeles organisieren, seine Tochter vor der Lava retten, für die Überwindung von Rassenvorurteilen sorgen, nicht zuletzt die ein Vierteljahrhundert jüngere Anne Heche bezirzen. Weil das alles wirklich ausnahmslos derart dämlich ist, drückt Mick Jackson durchgängig auf die Tube, wenn sie nicht jeden Gesetzen der Logik zuwiderlaufende Maßnahmen gegen die feurige Bedrohung durchführen, labern, quatschen und schnattern alle Beteiligten nur so vor sich hin, auf dass man das Geschehen nicht hinterfrage. Doof, aber... irgendwo spaßig. (4,5)

Stalag 17 (1953)

Contaminator [Terminator II(1989)
aka "Shocking Dark". Vermöge seines Rufes hatte ich übelsten Trash erwartet und ja, irgendwo habe ich ihn tatsächlich bekommen. Ich meine: Bruno Mattei verfügt höchstens über einen Bruchteil des Budgets, kopiert dessen ungeachtet tolldreist und schamlos James Camerons "Aliens", gewürzt mit einer Prise "Terminator", frei von jedwedem Hauch der geringfügigsten Anstrengung, diesen Abklatsch zu verhehlen. Und doch muss ich gestehen: als ungenierter Plagiator erhobenen Hauptes macht er gar keinen üblen Job, inszeniert vergleichsweise stimmig und temporeich. Klar: die Kulissen, Darsteller und das Drehbuch sind kaum auf B-Movie-Niveau und für unzählige Dümmlichkeiten, die schon ans Reich der Parodie grenzen, ist er sich ebenso wenig zu schade. Dennoch finde ich, dass Mattei eine superunterhaltsame Trash-/B-Movie-Version der großen Vorbilder hingezaubert, das Beste aus seinen Ressourcen gemacht hat. (B-Movie-Skala: 7)

Blubberella (2011)
Hier kann mich bestenfalls wiederholen (siehe "Postal"). Wobei ich gestehen muss, dass "Blubberella" aufgrund seiner überschaubaren Laufzeit und der grundlegenden Blödheit seiner Prämisse, die niemals mehr ist als das und nie versucht mehr zu sein, nicht ganz so fürchterlich ausfällt... furchtbar ist er nichtsdestoweniger. Außerdem: Uwe Boll als Hitler! (1,5)

Kikis kleiner Lieferservice [魔女の宅急便 Majo no takkyûbin (Kiki's Delivery Service)] (1989)
Der erzählerische Rahmen, bzw. der motivische Hintergrund folgt der Ausrichtung von "Totoro": dosierte fantastische Elemente geben alltäglichen Sorgen und Nöten ein attraktives Äußeres, zuzüglich zu Miyazaki Hayaos schwerelosen Träumen vom losgelösten Fliegen. Selbstredend steckt das höchstens das Grundgerüst der Geschichte ab, denn maßgeblich konzentriert sich Miyazaki abermals voll und ganz auf seine jugendliche Hauptfigur und ihren Reifeprozess. Hierin erscheint die eigentliche Handlung beinahe noch banaler und noch episodenhafter als bei "Totoro", weswegen manch einer meinen mag, den (haltlosen) Vorwurf der inhaltlichen Leere bekräftigen zu müssen: kein eindeutig auszumachender Bösewicht, keine Bedrohung von kataklystischen Ausmaßen, kein sagenhaftes Abenteuer erfüllt die etwaige Anforderung an eine "große Geschichte". Stattdessen beschwört Miyazaki eine schlichte Poesie und Schönheit des Alltäglichen, der Begegnungen, des Miteinanders, der Aufrichtigkeit. Wahrhaftig ist "Kikis kleiner Lieferservice" im wahrsten Sinne des Wortes der bislang malerischste Film des Studios, der selbst herkömmlichsten Dingen den Glanz einer zeitlosen, zauberhaften Schönheit verleiht. Darin eingebettet entfaltet die uns letztlich so nah befindliche Geschichte Kikis eine viel größere Wirkung, als es einer Erzählung von gottgleichen Heroen, die zum x-ten Mal die Welt retten, je möglich wäre. (9)




















15 - 5,7 (86,0)

Mittwoch, August 15, 2018

Kurzreviews August/I/2018

Hiermit präsentiere ich wiederum die 11 Filme und 3 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat August gesehen habe:


Serien-Staffeln
Babylon 5: Schatten am Horizont [Babylon 5: The Coming of Shadows(Season 2) (1995-1996) (8,5-9,5)
Black Mirror (Series 4) (2017) - (5-7,5+)
Mortal Kombat: Legacy (Season 1) (2011) (5-6,5+)

Filme
The Human Centipede III (Final Sequence) (2015)
"Final Sequence" - na hoffentlich. Wer mit den Erwartungen an eine Steigerung im Grad der Geschmacklosigkeiten an das zweite Sequel ran gegangen ist, muss sich auf eine bittere Enttäuschung gefasst machen (zugegeben: eine Ausweitung der Abartigkeiten von Teil 2 möchte ich gar nicht erleben): was die Gewalt-Voyeure und Sicko-Gore-Enthusiasten befriedigende Zeigefreudigkeit anbelangt, kann man Teil 3 durchaus als zurückgenommenen Magerhappen bezeichnen, dessen wenigen deftigen Gewaltspitzen Blutdurst stillendes Anschauungsmaterial bloß punktuell bieten und das bei weitem nicht mit der abstoßenden Intensität des Vorgängers. Stattdessen fällt Tom Mix auf die Spielart einer bizarren Groteske zurück, versucht sich stellenweise an einer merkwürdigen, absurden Meta-Parodie auf die gesamte "Trilogie", was weder in Form eines gelungenen ironischen Witzes, noch als sinnreicher Kommentar auf das eigene Schaffen gelingt, für beides fehlt es allenthalben an Raffinesse. Stattdessen verlustiert sich Dieter Laser in transzendierender Overacting-Höchstform an ausnahmslos jeder Szene genüsslichst, schreit, grimassiert, glotzt, verform fratzenhaft sein Gesicht, verbiegt, verdreht und beugt seinen gesamten Körper in ungeahnter Weise, kurz: übertreibt dermaßen jeden denkbaren Aspekt der Anti-Schauspielkunst, dass es äußerste Mühe kostet, die zirkusreife Darbietung durchgängig zu ertragen, zumal er das Geschehen zu jeder Sekunde dominiert. Ironischerweise machen allerhöchstens Laurence R. Harvey und ausgerechnet Porno-Sternchen Bree Olson das Beste aus der Chose, darüber hinaus ist der Abschluss der "The Human Centipede"-Saga gründlich misslungen - und das im Angesicht der beiden Vorgänger. (1)

A Serbian Film [Српски филм Srpski film(2010)
Der etwa zeitgleich zu "The Human Centipede" reüssierende Skandal-Schocker aus Serbien und ähnlich wie bei Teil 3 besagter Reihe dürften geifernde Gewalt-Voyeure ihren Enthusiasmus rasch gedämpft finden. Im direkten Vergleich zu Tom Six erweist sich Srdjan Spasojevic fraglos als der talentiertere Filmemacher und dadurch, dass er größeren Wert auf den Teil legt, der das Projekt zum funktionablen Film macht, insgesamt ein besseres Verständnis für die Mechanismen des Mediums beweist, darüber hinaus seine alles andere als leicht zu schluckende Tour de Degout mit einem politischen Anliegen unterlegt, attackiert er durch die an den Tag gelegte konsequente Drastik und heftige Kompromisslosigkeit zwar effektiv den sich in Sicherheit wähnenden Zuschauer, bedient demgegenüber nicht gefällig ein Panoptikum an Gewalt-Exhibitionismus zur Stillung voyeuristischer Bedürfnisse. Dafür fällt die Darstellung von abstoßenden Anstößigkeiten und von den den Rahmen des Zeigbaren kontinuierliche sprengenden Verbrechen, Gewalt- und Untaten weit, weit jenseits irgendeiner Grenze egal ob guten oder schlechten Geschmacks zu schockierend, zu niederdrückend und nihilistisch aus, ungeachtet einer nicht zu verhehlenden Tendenz zum verstörenden Selbstzweck. Da steckt in der Tat etwas nicht zu verachtendes herausforderndes, provozierendes, glatt bilderstürmerisches drin, ein roher brutaler Schlag in die Magengrube. Demgemäß war "A Serbian Film" nie geschaffen, um zu gefallen. (7)

Two Thousand Maniacs! (1964)
Zu Herschell Gordon Lewis im Allgemeinen: siehe "Blood Feast". Selten war eine Gore-reiche Schlachtplatte derart heiter und frohgemut wie in diesem Fall. Es fällt schwer, sich dem Enthusiasmus und der Ausgelassenheit der feiernden, mörderischen Südstaatler zu entziehen, sich von ihrer Heiterkeit und dem Hochgefühl nicht anstecken zu lassen, mit der sie munter foltern, morden und vierteilen - stets spielerisch vergnügt, voller Inbrunst und sadistischer Freude. Ich würde behaupten: hier war sich jemand der leicht pervers-voyeuristischen Ader seines Publikums durch und durch bewusst. (8)

Das Schloß im Himmel [天空の城ラピュタ Tenkû no shiro Rapyuta (Laputa: Castle in the Sky)] (1986)
Der erste abendfüllende Anime-Spielfilm aus dem Hause Studio Ghibli unterscheidet sich, trotz vieler thematischer Ähnlichkeiten, zu dem noch etwas anders gelagerten, anspruchsvolleren "Nausicaä aus dem Tal der Winde", denn, obgleich ihm ein vergleichbares ernsthaftes Anliegen und eine eindringliche Botschaft zugrunde liegen, Miyazaki Hayaos temporeiches Fantasy-Abenteuer ist deutlich zugänglicher und freudiger, ein restlos harmonierender Kompromiss aus Enunziation und mitreißender Unterhaltung, der gekonnt aufregende, stürmische Actionszenen, liebenswerte Charakterentwicklung, nachdenkliche Momente und seine wichtige Aussage mit einer beneidenswerten Leichtigkeit austariert, zudem bereits betörend schön animiert ist. Anime auf höchstem Niveau! (9)

Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf [Lethal Weapon 4(1998)
Folgt im Wesentlichen der Ausrichtung des Vorgängers, addiert weitere alberne Elemente, Chris Rock etwa, und Familien-Schmu hinzu, verfügt andererseits über Jet Li, der selbsterklärend zu keiner Sekunde voll aufdrehen darf und arg unter der Eindimensionalität des Charakters zu leiden hat, mir dennoch in der Rolle des Antagonisten ausgezeichnet gefallen hat. Das Macho-Gebaren und der unverhohlene Rassismus gegenüber den Chinesen seitens Riggs gefiel mir hingegen weniger. Mochte ich früher lieber, guckt sich insgesamt noch ganz gut weg. (7)

Atemlos [Breathless(1983)
"A Bout de Souffle Made In USA" - ein Sakrileg sondergleichen? Ich fand Jim McBrides Interpretation jedenfalls auf seine eigene Art und Weise bezaubernd, charmant und... atemberaubend, passend zum vor Energie strotzenden Richard Gere, der den Film lässig alleine schultert und von dem eine sinnentsprechende Wirkung auf seine gesamte Umgebung ausgeht, vornehmlich natürlich konzentriert auf Valérie Kaprisky. Jean-Luc Godards Original mag die filmhistorisch bedeutendere Version sein, es war nicht der Film "to end all movies". Daher: "Breathless" gefällt mir speziell aufgrund seiner Eigenheiten, seinem Verve und Gere. (8)

Evil Dead (2013)
Gefiel mir bei der zweiten Sichtung tatsächlich besser. Nach wie vor gilt, dass Fede Alvarez angesichts der undankbaren Aufgabe, einen Kult-Klassiker wie "The Evil Dead" neuaufzulegen, das best-mögliche Ergebnis geliefert hat (abgesehen vom reichlich sinnfreien Prolog), dem Genre zwar keine neuen Nuancen abzuringen vermochte, im Wesentlich das Original an Konventionen des kontemporären Horrorfilms angepasst hat, jedoch im Unterschied zur Gesamtheit der von dilettantischen Videoclip-Regisseuren zu Grunde gerichteten Remakes handwerkliches Geschick (ohne die triebhafte, energiegeladene Experimentierfreude Sam Raimis zu erreichen) und Respekt der Vorlage gegenüber bewies, was in einem atmosphärisch dichten, nicht zu sehr auf Klischees und selbstzweckhaften Gore-Szenen bauenden, spannenden Horrorfilm resultierte, der viel, viel der Musik von Roque Baños zu verdanken hat. (7)
Evil Dead from Aparato on Vimeo.

Nemesis 2 - Die Vergeltung [Nemesis 2: Nebula(1995)
Das Sequel zu Albert Pyuns "Nemesis" ist im Besten Sinne schnörkelloses B-Sci-Fi-Action-Futter, dessen ungewöhnlichen, beinahe androgyn zu nennenden Heldin Non-Stop vor ihrem Widersacher, einem unaufhaltsamen Androiden aus der Zukunft, fliehen muss, bevor sie sich ihm im finalen Duell stellt. Obgleich sich die Schauplätze auf eine Wüste und ein verlassenes Fabrikgelände beschränken, macht das für kurze 84 Minuten Feuerwerk durchaus was her. (B-Action-Skala: 7)

Winterbeast (1992)
Zufallsfund auf YouTube. Obskurer Low Budget-Horror inklusive putziger Stop-Motion-Effekte, der zwar stellenweise krude, ein bisschen trashig und unaufgeregt von Statten geht, hingegen ab und an in der Tat creepy sein kann. (B-Movie-Skala: 5)

Die Letzten Glühwürmchen [火垂るの墓 Hotaru no haka (Grave of the Fireflies)] (1988)
Es kostet mich jedes Mal Überwindung, mich überhaupt an den zu wagen (meinem ersten Studio Ghibli-Film übrigens), weil eine Sichtung grundsätzlich mit mir heulend und deprimiert in der Ecke endet. Nach dem rasanten "Das Schloß im Himmel" ist Takahata Isaos (R.I.P.) Drama über zwei Kriegswaisen, die, von der Gesellschaft ausgegrenzt, am Ende wie zwei Glühwürmchen viel zu früh verglühen, ein grundlegend anderes Filmerlebnis, sicherlich voller wunderschöner, rührender, zu Herzen gehender Momente, auf der Kehrseite hingegen nicht arm an niederschmetternder Tragik und traurigem, schrecklichem Realismus. Bei wenigen Filmen nimmt mich das Geschehen auch nach mehrmaligem Ansehen derartig mit, löst es in mir eine ähnliche Achterbahn der Gefühle aus. Es ist eine der schönstens, wenngleich betrüblichsten, wehmütigsten Erfahrungen für mich, jedes Mal aufs Neue. (10)
Ghostland [Incident in a Ghostland(2018)
Ich glaube, ich stehe Pascal Laugiers "Martyrs" unverändert zwiespältig gegenüber, will ihm eine weitreichende Wirkung hingegen nicht absprechen. "Ghostland" habe ich folglich nicht sehnlichst erwartet, war allerwenigstens neugierig. Was ich mag: der Twist, den ich tatsächlich nicht habe kommen sehen und der eine willkommene psychologische Ausrichtung offenbart, das elaborierte Set-Design, die Lovecraft-Affinität, sowie die ein oder andere Einstellung. Ansonsten kam mir das kaum ergiebiger vor als der handelsübliche, gut gemachte Slasher oder eine kreativere Episode einer Anthologie-Serie à la "Tales From the Crypt" oder "Black Mirror". Für mehr fehlte mir der letzte inszenatorische Kniff oder ein Konzept, dass mehr aus dieser Idee gemacht hätte. (6,5)





















11 - 7,6 (83,5)

Samstag, August 04, 2018

Nachschlag No. 36: Dokutaa desu!

Okay, wäre das "echt", würde mich das in einen schweren Konflikt geraten lassen: wer ist mir lieber? Jodie Whitaker? Oder Kotabe Akie, der "Japanese Doctor Who" aka Dokutaa Who? Ich weiß es nicht...

Mittwoch, August 01, 2018

Kurzreviews Juli/II/2018

Hiermit präsentiere ich wiederum die 14 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Juli seit der letzten Liste gesehen habe:


Serien-Staffeln
Mortal Kombat - Conquest [Mortal Kombat: Conquest(Season 1) (1998-1999) - (6-7)
Marvel's The Defenders [The Defenders(Season 1) (2017) - (6-6,5+)
Jekyll (2007) - (6,5-7,5)
Raven (Season 1) (1992) - (6,5-7)
Star Trek: Deep Space Nine (Season 3) (1994-1995) - (10)

Filme
Runaway Train - Express in die Hölle [Runaway Train(1985)
Der nächste Schritt auf den Spuren von "Panik im Tokio-Express". Nach einer Drehbuchidee von niemand geringerem als Kurosawa Akira inszeniert Andrei Konchalovsky ein Thriller-Drama, das die Grenzen des Action-Abenteuerfilms bewusst überschreitet und mehr liefert als ein simples testosterongesteuertes Vehikel. Obgleich die ersten 20 Minuten Knastklischees in Reinform aufbieten und die nachfolgende Flucht an Bord des eponymen Güterzuges hinreichend nervenaufreibende Spannung erzeugt, beweist Konchalovsky durchaus künstlerische Ambitionen, wenn er über die Geschichte und insbesondere qua Jon Voights ambivalenten Charakter existenzialistische Themen allerwenigstens anschneidet. Insofern hinterlässt der Film einen nachhaltigen Eindruck, einen bitteren Beigeschmack und steht fernab der Genre-Barrieren des Action- bzw. Katastrophenfilms. (8)

Die Bourne Verschwörung [The Bourne Supremacy(2004)
Der erste Teil widmete sich der Neubildung von Jason Bournes Identität, im zweiten Teil holt ihn die Vergangenheit ein. Und weil es schier unmöglich ist, sich seinem einstmaligen Agentendasein und Auftraggebern zu entziehen, befindet sich Matt Damon erneut auf der Flucht. Dahingegen versteht er es, sich gekonnt (daher der passendere Originaltitel) der Überlegenheit seiner Agenteninstinkte zu bedienen, seine Ausbildung effektiv gegen seine Verfolger einzusetzen, ihnen stets einen Schritt voraus zu sein und die verschwörerischen Umtriebe unter seinen Widersacher aufzudecken, um schlussendlich einen Moment der Katharsis zu erleben. Paul Greengrass setzt dabei inszenatorisch zur Gänze auf die intensified continuity, kreiert unfassbar schweißtreibende Verfolgungsjagden und Actionszenen, nutzt diesen Stil geschickt dazu, die Hektik, den Stress der Action verdichtet zu vermitteln und auf den Zuschauer zu übertragen. Ich glaube, das versteht Greengrass wie kaum ein zweiter. Unglücklicherweise wurde die allem zugrundeliegende Symbiose aus Handlung und Ausdrucksform oftmals unterschätzt und missverstanden, was zu einer Vielzahl an Epigonen führte, die hingegen nie die Intensität der "Bourne"-Trilogie erreichen sollten. (8,5)

Unstoppable - Außer Kontrolle [Unstoppable(2010)
Hier ist es, das adrenalingeladene Spektakel, dass Andrei Konchalovsky in "Runaway Train" (s.o.) bewusst vermieden hatte. Die thematischen Ähnlichkeiten, sowie die ein oder andere Szenen machen deutlich, dass Tony Scott sich mindestens von Konchalovsky hat inspirieren lassen. Der Unterschied liegt darin, wie die beiden Regisseure erzählen und da geht Scott, große Überraschung, den Weg des geringsten Widerstandes, zaubert einen straighten, plakativ in Szene gesetzten Katastrophen-Thriller aus dem Hut, dessen andauernden, Schwindel erzeugenden Kamerarotationen und Reißzooms auf die Dauer repetitiv und enervierend wirken, insbesondere angesichts der Tatsache, dass hier bisweilen für Doofe inszeniert wird. Interessanterweise überkommt der Film ab einer gewissen Stelle diese ostentativen Manierismen und erzeugt einen mitreißenden Strom, dem man sich nicht mehr entziehen kann, was ich vor allem an Denzel Washington und Chris Pine verorte, zwei außerordentlich sympathische und volksnahe Everyman-Charaktere, die man einfach triumphieren sehen möchte und mit denen man inbrünstig mitfiebert. Weswegen "Unstoppable" gerade aufgrund seiner Einfachheit und Direktheit großen Spaß bereitet. (6)

Happy Deathday [Happy Death Day(2017)
Ein klassischer Videotheken-Film, würde es noch eine Videothekenkultur geben. Christopher Landon spielt seine Slasher-Groundhog-Day-Version brav und straight von A bis Z durch, garniert mit Humor und dem Minimum an Charakterentwicklung der Protagonistin weg von der Bitch, die sie ist. Daran ist nichts neu, nichts wirklich aufsehenerregend oder sonderlich cleveres, es bleibt ein unterhaltsames One-Trick-Pony, einmal ausgeliehen, seinen Spaß damit gehabt und wieder vergessen. Mehr nicht. (5,5)

Devil's Candy [The Devil's Candy(2015)
Motivisch schöpft Sean Byrne aus vielen Quellen, da haben wir das Haus mit finsterer Vergangenheit, die sympathische Familie, deren Vater bald einer ungesunden Obsession verfällt, das gruselige, scheußliche Muttersöhnchen, natürlich ein Kindermörder, und... Satan (wen sonst). Was Byrne letztlich fehlt, ist die Entschlossenheit, aus diesen Quellen mehr zu machen, neues abzuleiten und tatsächlich unangenehm zu werden, Abbiegungen zu nehmen, aus denen es kein Zurück mehr gibt. Dafür belässt er die übernatürlichen Elemente nicht uneffektiv im Hintergrund walten, legt nie hundertprozentig offen, ob die satanische Anwesenheit eindeutig dem Wahn entspringt oder ob nicht vielleicht doch der Teufel in persona sein Finger im Spiel hat. Grausamkeiten gibt es hiergegen zu Genüge, selbst wenn Byrne willkommenerweise auf plakativen Splatter keinen zu großen Wert legt. (6,5)

Henker des Shogun [Shogun Assassin(1980)
Wie viele Jahre ist es her, dass ich den gesehen habe? Natürlich bedeutete "Shogun Assassin" seinerzeit für mich, wie für so viele andere, den ersten Kontakt mit der "Lone Wolf & Cub"-Reihe, die mich im Nachhinein für den Jidai-geki eiga und das Chambara-Genre regelrecht hat entflammen lassen, von Koike Kazuos kongenialen Mangas ganz abgesehen. Robert Houstons vorwitziger Zusammenschnitt, der aus den Actionszenen der ersten beiden "Lone Wolf"-Teile einen straffen actionlastigen 80-Minüter macht, kann man im Gegensatz dazu so und so finden: entweder, man ist entsetzt ob seiner Dreistigkeit, an der Handlung großzügig den Rotstift anzusetzen, durch freches Neu-Arrangieren und die (höchstens mittelmäßige) Synchronisation eine eigene, versimplifizierte Rache-Geschichte zu erzählen, dazu den stilsicheren Original-Score durch ulkiges Synth-Gedudel zu ersetzen. Oder man genießt dieselbe Dreistigkeit Houstons, ob seiner trashigen Anflüge und dem immerhin hohen Tempo, mit der er Fecht-Szene an Fecht-Szene reiht. Für meinen Teil genügen hingegen die nostalgischen Anwandlungen, sowie das Anliegen Houstons, die tolle Kozure Ōkami-Saga einem westlichen Publikum näherzubringen. Alles Weitere besorgen die Original-Filme. (Nostalgie-Bonus: 8)

Double Down (2005)
Sensationelles Trash-Delirium von Multi-Talent in geistiger Umnachtung Neil Breen (neben den Posten Regie, Chefautor, Hauptdarsteller, Produktion, Schnitt und Musik lässt sich der Mann in den Credits tatsächlich für das Catering (!) auflisten), derart qualvoll konfus, repetitiv und prätentiös erzählt und inszeniert, dass es einem wie eine avernalische, immerwährende, niemals enden wollende Endlosschleife im ödesten Film-Purgatorium der Existenz an sich vorkommt. Sagenhaft miserable Regie, Schauspielkünste und Autorenschaft, die selbst Tommy Wiseau wie Orson Welles, "The Room" wie "Citizen Kane" aussehen lassen. Auf der anderen Seite macht "Double Down" deutlich, wie wenig dazu gehört, kryptischen, hermetischen, vielfältig interpretierbaren Nonsense a la Terrence Malick oder David Lynch zu produzieren...immerhin kann ich jetzt mit Fug und Recht behaupten: das hat selbst Neil Breen geschafft! Er hatte nur das Pech, keinen Emmanuel Lubezki auf der Gehaltsliste stehen zu haben... ;) (Trash-Skala: 2)

The Human Centipede II (Full Sequence) (2011)
Nachdem mich der Erstling so semi geschockt hat (also... gar nicht), muss ich gestehen, dass Tom Six für das Sequel eine ordentliche Schippe Abartigkeiten draufgelegt hat. In pseudo-künstlerischem Schwarz-weiß und mit absolutem Verzicht auf jedwede Form von Narration holt er das Maximum an Degout aus seiner reichlich groteske Idee heraus, vermeidet nicht die geringste Widerlichkeit, kostet jede abstoßende, krankhafte Eingebung, die einem vermöge dieser reichlich bescheuerten Perversion kommen mag, genüsslich aus. Body-Horror-Kunst oder skandalträchtige Grenzüberschreitung? Ich weiß es nicht. Laurence R. Harveys Martin bleibt schlechterdings auf jeden Fall im Gedächtnis hängen. (5)

Blood Feast (1963)

Born to Be Wild - Saumäßig unterwegs [Wild Hogs(2007)
Brave und biedere Suburbia-Upper-Class-Midlife-Crisis-Komödie mit gut aufgelegten Darstellern und einer schwungvollen Inszenierung, witzig und kurzweilig. Ich fühlte mich, trotz etwaiger Anstoßpunkte, gut unterhalten. (6,5)

Easy Rider (1969)
Wieder eine Lücke geschlossen. Natürlich einerseits das kultige Abbild der Gegenkultur, ein Nachhall des Freiheitsgedankens und der Hippie-Kultur, ein musikalisch ikonisch unterlegte Roadtrip durch die USA, aber zugleich ein zutiefst bitterer Abgesang, ein Eingestehen des Scheiterns im Angesicht schlichtweg feindselig-gewalttätiger konservativer, reaktionärer Kräfte. Steht nahtlos Seite an Seite mit Filme wie "Vanishing Point" und "Two-Lane Blacktop". (7)

Black Panther (2018)
Dann holen wir mal die Marvel-Checkliste raus. Zugegeben: "Black Panther" verfügt über einen nötigen Schuss Exotik, der ihn geringfügig herausstechen lässt, kann optisch einiges für sich verbuchen und funktioniert im Großen und Ganzen dankbarerweise sogar als eigenständiges Werk. Leider erstickt er gleichermaßen unter seinem CGI-Overkill, kann seinem durch und durch blassen Titelhelden keine einnehmenden Charakteristiken abringen, dazu müssen erneut die Nebencharaktere herhalten, ebenso wenig hinterlassen die Antagonisten einen nachhaltigen Eindruck, da abermals der eine der beiden, nachdem man ihn eingeführt und aufgebaut hat, handstreichartig ersetzt wird, um an Stelle dessen ein Familiendrama und einen Putsch zu forcieren, was indessen aufgrund der anberaumten Kurzfristigkeit zu keinem Zeitpunkt Dramatik oder große Emotionen zu erzeugen im Stande ist, nie im Stande sein konnte. Zumal das geheiligte Land Wakanda als Ort, als Raum nie wirklich greifbar wird, in generische Einzelversatzstücke aus dem Rechner zerfällt, die nie den Eindruck eines organischen Ganzen erzeugen. Im effektelastigen Hauruck-Finale, dass irgendwie an das Pendant aus "The Phantom Menace" erinnert (nur schlechter), gibt es somit einmal mehr bunte Farben und Gerangel zu sehen, zufriedenstellend oder gar erfüllend ist jedoch auch dieser Beitrag zum MCU zu keiner Sekunde. (5,5)

Nausicaä aus dem Tal der Winde [風の谷のナウシカ Kaze no tani no Naushika (Nausicaä of the Valley of the Wind)] (1984)
aka "Sternenkrieger - Warriors of the Wind". Miyazaki Hayaos Meilenstein der Anime-Geschichte, der den Grundstein für das unvergleichliche Studio Ghibli legte, erzählt vor dem Hintergrund einer originellen, glaubhaften apokalyptischen Welt die Geschichte seiner Erlöserfigur Nausicaä mit atemberaubender Schönheit, schreckt andererseits nicht vor Actionszenen, die die gezeigte Gewalt dahingegen stets reflektieren und verurteilen, und zutiefst nachdenklichen Passagen zurück, die dem Film eine profunde Ebene verleihen, die ihn weit jenseits von Zeichentrick-Bespaßung stehen lässt, eine höchstmöglich relevante Botschaft ansprechend vermittelt und immense emotionale Wallungen hervorzurufen imstande ist. Schlicht und ergreifend ein frühes Meisterwerk mit sagenhafter Musik von Joe Hisaishi. (9,5)

Train to Busan [부산행 Busanhaeng(2016)
Zombies im Zug sind natürlich bloß eine Variation der Zombies im... jedem anderen räumlich begrenzten Setting, nichtsdestotrotz wundert es mich, dass bisher kaum Filmemacher auf diesen Einfall gekommen sind. Yeon Sang-ho erreicht selbstredend nicht die Meisterschaft des Genrekönigs George R. Romero, dessen ungeachtet liefert er einen effektiven Horror-Thriller inklusive koreanischer Manierismen, der seinen Schauplatz geschickt und spannungsgeladen zu nutzen weiß, darüber hinaus Genre-typische Sozialkritik und Charakterentwicklung nicht vernachlässigt, denn, so knapp bemessen sie ausfallen mögen, letztlich fiebert man mit dem Schicksal Yoo Gongs und seiner Tochter aufrichtig mit. Gelungen. (7)































14 - 6,5 (91,5)

Samstag, Juli 28, 2018

Docteuse in Bewegung

Der Doctor ist tot! Lang lebe der Doctor! Am 25. Dezember 2017 hatte Peter Capaldi im Christmas Special "Twice Upon A Time" seinen (vorerst) letzten regulären Auftritt als berühmt-berüchtiger Doctor aus "Doctor Who" - ebenso wie Steven Moffat als Showrunner. Zuvor wurde bereits bekannt gegeben, dass es sich bei der nächsten und nun mehr 13. Inkarnation des Doctors, künftig unter der Leitung von Chris Chibnall (längjähriger Whovian, zudem ein erfahrener Schreiberling für das "Doctor Who"-Franchise (Chefautor für "Torchwood", verfasste die Who-Abenteuer "42", "The Hungry Earth", "Cold Blood", "Dinosaurs on a Spaceship", "The Power of Three", davon abgesehen bekannt für "Broadchurch"), zum zweiten ersten Mal in der Geschichte der sagenhaft langlebigen Science Fiction-Serie um eine Frau handeln werde: Jodie Whitaker ("Attack the Block", "Black Mirror""Broadchurch"). Hijinks ensued...
Denn selbstredend wollte und will eine Gruppe Fanatiker (naja, scheinbar eine unbedeutende Minderheit) unter keinen Umständen wahrhaben, dass der Charakter, den sie bisher stets als Mann wahrgenommen haben, urplötzlich das Geschlecht wechseln könne - das wäre ja auch absurd bei einem tausendjahre alten Außerirdischen, der mit einer Telefonzellenartigen Police Box durch Zeit und Raum reist, die Erde und andere Planeten vor den Invasionsscharen fahrender Salzstreuer und weiterer Ed Wood-Weltraum-Gummimonster bewahrt, zudem durch seine Fähigkeit, sich im Moment des nahenden Todes in eine physiognomisch komplett andere Person zu "regenerieren", nahezu unsterblich ist. Nein, dass dieser er zu einer der werden kann, hat ganz klar die Grenzen des Absurden und Vertretbaren überschritten, ist bloß Ausdruck von PC-SJW-Hardcore-Lesben mit Femnazi-Allüren, die die Weltherrschaft an sich reißen und den Männern den Spaß an und die ganz klar heterosexuelle Bewunderung zu ihrem Lieblingszeitreisenden berauben wollen... abgesehen davon muss die Serie qualitativ durch den Genderwechsel ganz ohne Frage gegenüber den vorhergehenden Staffeln abfallen, Frauen können alles schlechter als Männer, außer Kinder kriegen... aber sicher doch. Wie müssen diese Fans wohl auf April O'Neil reagiert haben?
Jedenfalls ließ neues Anschauungsmaterial der frisch gekührten Docteuse lange auf sich warten, doch in den letzten Tagen wurden den verbliebenden Anhänger der Serie sowohl ein Teaser, als auch ein Trailer spendiert, der einen ersten Blick auf die neuen Companions (Bradley Walsh, Tosin Cole, Mandip Gill), die neuen Welten, den neuen Sonic Screwdriver (three settings?), den neuen Akzent und den neuen Doctor in voller Pracht (ihr Debut feiert sie freilich bereits in besagtem Christmas Special) erlaubt. Wie dem auch sei: ich bin gespannt auf die neuen Abenteuer des Doctors und freue mich so richtig auf Jodie Whitaker!

Montag, Juli 23, 2018

Robin Hood - G20-Edition

Wir haben in jüngster Zeit bereits einige Klassiker auf der Leinwand zu sehen bekommen, die einer Frischzellenkur unterzogen worden sind, ob es nun die drei Musketiere, Sherlock Holmes, König Artus oder Viktor Frankenstein waren. In die Gesellschaft solcher illustrer Regisseure wie Paul W.S. Anderson, Guy Ritchie und Paul McGuigan begibt sich jetzt Otto Bathurst ("Criminal Justice", "Black Mirror", "Peaky Blinders"), der sich, unterstützt von Produzent Leonardo DiCaprio, anschickt, eine neue, moderne, frischere (noch und nöcher) Version von "Robin Hood" zu fabrizieren. Klassischerweise geht es dabei um den Kampf Robin Hoods, hier mit jugendlichem Elan dargestellt von Taron Egerton ("The Smoke", "Kingsman: The Secret Service", "Eddie the Eagle"), gegen den sinisteren Sheriff von Nottingham, gespielt vom neuerdings scheinbar auf Bösewichte abonnierten Ben Mendelssohn ("Bloodline", "Rogue One: A Star Wars Story", "Ready Player One"). Innerhalb dieser archetypischen Geschichte erlaubt sich Bathurst, der gemeinsam mit David James Kelly auch das Drehbuch schrieb, hingegen einige Freiheiten, wie der Trailer bereits erahnen lässt. Robin von Locksley wird demzufolge scheinbar zu einem mittelalterlichen Anonymous-Superhelden umgedichtet, der von Little John (Jamie Foxx ("Ray", "Collateral", "Baby Driver")) zu einem Lucky Luke-artigen Meisterbogenschützen ausgebildet wird, der schneller annockt als sein Schatten, und später die unterdrückten Massen gegen das Establishment anführt. Ob das passt? Kann Robin Hood mitsamt Anspielungen auf die aktuelle politische Lage zu einem neuen Symbol für den Kampf der Unterdrückten werden? Zählt bei Bathurst die Botschaft mehr als das Actionspektakel? Wir werden es sehen!
Natürlich dürfen Maid Marian und die Merry Men in einer Robin Hood-Geschichte nicht fehlen: Eve Hewson ("This Must Be The Place", "The Knick", "Papillon") gibt Robins Holde, Tim Minchin ("Two Fists, One Heart", "Californication", "Squinters") ist als Bruder Tuck zu sehen, Jamie "Mr. Grey" Dornan ("Marie Antoinette", "The Fall", "Fifty Shades of Boring") tritt als Will Scarlet auf. Außerdem dabei: Guy von Gisborne, dargestellt von Paul (nicht W.S.) Anderson ("Sherlock Holmes: A Game of Shadows", "In the Heart of the Sea", "The Revenant"). Scheinbar müssen wir auf Prinz John leider, leider wieder verzichten, ein Richard Löwenherz-Cameo fänd ich hingegen ganz nett.