Montag, August 15, 2016

Kurzreviews August/I/2016

Hiermit präsentiere ich wiederrum die 17 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat August gesehen habe:


Serien-Staffeln
Veronica Mars (Season 1) (2004-2005) - (7,5-8)
Mozart in the Jungle (Season 1) (2014) - (6-7)

Filme
Hawking - Die Suche nach dem Anfang der Zeit (2004)
Zwischen der Vermittlung von Begeisterung für Physik und der Darstellung des Lebens und der Leiden seines Protagonisten findet die gehobene TV-Produktion ein ausgeglichenes Maß, ohne zu fachsimplerisch oder erzwungen kitschig und melodramatisch zu werden. Sehr gute Leistung von Benedict Cumberbatch. (6,5)

Marty (1955)
Zur Abwechslung die Liebesgeschichte nicht eines Paares der besseren Gesellschaft, sondern aus der Perspektive des einfachen, bürgerlichen, hart arbeitenden und mit mittelmäßigem Aussehen gesegneten Mannes mit nachvollziehbaren Träumen und Problemen, zeichnet nebenbei ein authentisches Bild des alles umgebenden Milieus, seiner Schauplätze, Situationen und Beziehungsgeflechte. Vielleicht war es dieser relative Realismus, weswegen bei mir ein Funken Langeweile aufkam, zumal ich manche Aspekte recht bieder fand, nichtsdestoweniger ein schöner Spiegel seiner Zeit, mit tollem Hauptdarsteller. (7)

The Abyss (1989)
Schon in seinem ersten großen subnautischen Abenteuer ließ sich James Cameron merklich von vorangegangenen Klassikern inspirieren, die Tauchstation und ihre Crew mit Truckermentalität erinnert etwa an "Alien", die "Make Peace, not War"-Botschaft borgt großzügig von "The Day the Earth Stood Still". Viele stören sich an dieser simplen Moral und den kitschigen Szenen zwischen Ed Harris und Mary Elizabeth Mastrantonio, was jedoch ohne Zweifel für den Film spricht, sind seine intensiven Unterwasserszenen, für die Cameron bereits ein sicheres Händchen und untrügliches Gespür an den Tag legt und die Effekte. (7)

Batman: The Killing Joke (2016)
Legendärer Comic, misslungene Adaption. Die erste halbe Stunde gehört Batgirl, gemessen an den folgenden Geschehnissen ein nachvollziehbarer Ansatz, der dahingegen vollkommen verschenkt, unnötig und ablenkend geworden ist, thematisch nichts beitragen kann, außerdem durch seine sexualisierte Darstellung von Barbara Gordon einen faden Beigeschmack hinterlässt. Doch hier hört es leider nicht auf, denn selbst für die eigentliche Erzählung, die grosso modo Panel für Panel nachstellt, erweist sich Sam Lius Regie als ideenloser Reinfall, was die Vorlage nicht von sich aus hergibt, weiß er nicht zu ergänzen, findet zu keinem Zeitpunkt zur Stimmung des Comics. Ich glaube, nie war es in einer Alan Moore-Adaption offensichtlicher, dass seine Geschichten ausgesprochen mediumgebunden sind, sich nicht ohne weiteres 1 zu 1 transponieren lassen. Schade um den verpassten Genuss, die beiden ikonischen Sprecher Kevin Conroy und Mark Hamill in einer würdigen Umsetzung von "The Killing Joke" zu hören. Zu lang geraten, fehlgeleitet und am Wesentlichen vorbei. (4,5)

Der Letzte Kampf des Shaolin (1979)
aka "Last Hurrah for Chivalry". Das Intermezzo in John Woos Komödien-Zeit, ein ausgesprochen gelungener, mutmaßlich sogar sein bester Kung Fu-/Schwerkampf-Film, spannend, witzig, voller Wendungen und prägnanten Charakteren, antizipiert darüber hinaus souverän seine Heroic Bloodshed-Werke, bloß mit Schwertern und Fäusten anstelle von Pistolen, dafür bereits mit allen Tropen (Männerfreundschaft, Aufrichtigkeit, Verrat, extreme Gewalt, Heldenmut und Treue bis in den Tod), die später für ihn zu Markenzeichen werden sollten (ausgenommen: die Tauben). (8,5)

Ein Hauch von Zen (1971)
Schlichtweg DER Klassiker des Wuxia-Films, ein unfassbares Experiment, der Versuch, den eponymen "Hauch von Zen" in einer Geschichte zu finden und filmisch zu vermitteln. Da der Zen-Buddhismus an sich weder einfach zu begreifen, noch leichtfertig in Worten ausdrückbar ist, gestaltet es sich schwierig ein abschließendes Urteil zu fällen, ob dieses Experiment King Hu geglückt ist und woran man dies definitiv fest machen könnte. Seine Absichten sind keineswegs missionarischer, sondern erforschender Natur und zur Gänze darauf ausgelegt, eine Erfahrung zu erfassen und zu vermitteln. Und das ist ihm ohne Frage gelungen, die drei Stunden Film sind eine wunderbare und wunderschön gefilmte Reise in spirituelle Sphären, ohne prätentiös oder maßlos religiös zu werden, sich eine gewisse Ambivalent stets bewahrend. (9,5) 

Laughing Times (1980)
John Woo huldigt Charlie Chaplin und der amerikanischen Stummfilmkomödie, angehaucht mit autobiographischen Eindrücken, schließlich lebte er selbst in Kindestagen zeitweilig auf der Straße und in Armut, ganz wie seine Hauptfiguren. Die kärgliche Geschichte ordnet er voll und ganz den ausufernden Slapstickeinlagen unter, behält dafür von Anfang bis Ende konsequent sein Humor-Momentum bei, liefert Slapstick über Slapstick in Hülle und Fülle, amüsante und alberne Missverständnisse im Sekundentakt - was bei allem Amüsement auf die Dauer recht anstrengend werden kann. Zwischendurch findet er jedoch immer wieder die Zeit, besinnliche Momente für seine Charaktere einzuweben und ihr existentialistisches Drama zu akzentuieren. Dean Shek brilliert überdies als "Oriental Chaplin". Und das Finale ist ein gelungener Wirbel aus rasantem Slapstick und chaotischem Wahnsinn. (7)

Musik, Musik - da wackelt die Penne (1970)
Oh weh, krampfhaft gewolltes Gute-Laune-Musical für ein verklärtes Nostalgiker-Publikum, zum Fremdschämen unlustig und furchtbar auf hip getrimmt, statt einer Geschichte gibt sich eine bunte Vielfalt von Eintagsfliegen-Schlagersängern die Ehre und grauenhaften Gesangseinlagen zum Besten, die den biederen Unterton ausgeprägt unterstreichen. Und wow möchte man dem augenscheinlich unter Drogen stehenden Ilja Richter stets eine klatschen. (3)

Libero (1973)
Massenphänomene sind mir oft genug ein Rätsel, stammen sie nun aus dem Bereich der Pop-Musik (Justin Bieber), des Films (jedweder Hype), der Religion oder wie hier des Fußballs. Sich derart blindlings einem Phänomen hinzugeben, muss doch jeder Vernunft zuwiderlaufen, aber Vernunft scheint in unserer Zeit offenkundig keinen Pfifferling mehr wert zu sein. Jedenfalls bildet "der Kaiser" Franz Beckenbauer keine Ausnahme von der Regel und dieser hirnentleerte Dreck einer schamlosen Selbstbeweihräucherung, die sich nicht mal anmaßen dürfte, sich Film zu nennen, ist eine grauenhafte Ausgeburt eines solchen "Phänomens", ein Beleg dafür, wie gewissenlose geschäftstüchtige Werbefachidioten die Dummheit ihres Publikums fördern und sie fleißig schröpfen. Fürchterlich. (0)

From Riches to Rags (1980)
In seiner Lieblingskomödie macht John Woo wieder einmal den armen, malochenden, geschundenen, dennoch aufrichtigen, träumerischen, liebenswerten Hong Kong-Everyman, sympathisch in allen extremen Gefühlsäußerungen zum Leben erweckt durch Ricky Hui, zum Mittepunkt unserer Aufmerksamkeit, lässt ihn erst das finanzielle Glück erfahren, nur um ihn kurz darauf in einen tiefen Abgrund des Unglücks strüzen zu lassen, der sich im Nachhinein als ironische Frucht eines Missverständnisses erweist, bloß da ist der Schaden längst angerichtet. Die vielen Wendungen und die temporeiche Inszenierung garantieren eine schwungvolle und unterhaltsame Komödie, die im Finale in der Irrenanstalt eine dem Schauplatz entsprechende heiter-wahnsinnige Kulmination erfährt, alles sogar inklusive eines Funken Sozialkritik. (7)

Anatevka (1971)
Überlanges Musical vor der Kulisse einer Zeit des Umbruchs, trotz der dramatischeren Untertöne lebensbejahend, für Toleranz eintretend und mit eingängigen Gesangseinlagen, die nicht als gigantomanisches Tanzspektakel, sondern zurückhaltend inszeniert sind. Der emotionale Anker für alles ist Topol, dessen Leistung dem Film im Alleingang trägt. (7)

Der Tod und das Mädchen (1994)
Intensives und spannendes Kammerstück, das vornehmlich durch seine Schauspieler überzeugt, ein seinerzeit brisantes Tagesthema anpackt ohne eine einseitige Perspektive einzunehmen. (7)

Die Faust im Nacken (1954)
Zuvorderst der Inbegriff toller Schauspielleistungen mit Marlon Brando unangefochten an der Spitze, dessen vergleichslose Darbietung schmerzlich ins Gedächtnis ruft, was uns heutzutage im Kino fehlt: dieser ikonische, überlebensgroße, intensiv spielende Typus des Filmstars, der dem Kino-Schauspieler seinen strahlenden Glanz verliehen hat. Abgesehen davon hat Elia Kazans Beitrag zum Thema (Hafen)Arbeiter und Klassenkampf nach den anfänglich starken, eindrücklichen Bildern, die durch ihren Authentizität evozierenden Schein an den italienischen Neorealismus erinnern, bei mir im Verlauf der Handlung stark an Ausstrahlungskraft eingebüßt, die Kombination aus amerikanischem Realismus einerseits, groß aufgetragener Hollywood'scher Melodramatik andererseits wirkte auf mich störend unvereinbar, die großen Gesten und Gefühle sind gemessen am Thema unter Umständen zu groß - und ich kann nachvollziehen, warum das Finale bei manchen Unbehagen hervorruft. (7)

Scarface (1932)
Satz mit X. Klassiker des Gangsterfilms, Aufstieg und Fall eines größenwahnsinnigen und maßlos gewalttätigen Kriminellen kompakt und geradlinig, aber prägnant geschildert, mit nachhaltigen Bildern und einem Funken schwarzen Humor. (8)
Der Letzte Tango in Paris (1972)
Schwierig. Ungeachtet des ihn umgebenden Skandals ist das ein Film, mit dem man sich ausgiebig auseinandersetzen muss, da Bernardo Bertolucci gefühlt jede Einstellung mit vielschichtigen Bedeutungsebenen aufgeladen hat, obwohl er sich letzten Endes auf die einfach Formel des Widerstands gegen die und Suche nach einer Alternative zur gefühlskalten Gesellschaft runterkürzen lässt. Für mein Empfinden ist das zu überladen und zu anstrengend, die Schauspielleistungen sind toll, Marlon Brando abermals grandios, seine Rolle hingegen ein unerträgliches Arschloch. Müssten ich wiederholen, nur ist das mehr ein Durchstehen, denn Genießen, daher ein Durchringen. (6)

Scary Movie (2000) & Scary Movie 2 (2001)
Gehören in vollem Umfang in ihre Zeit, sind für mich in all ihrer infantilen Albernheit immer wieder ein Spaß. Guilty pleasure. (6)








































17 - 6,3 (107,0)

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