Freitag, März 15, 2019

Kurzreviews März/I/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 17 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat März gesehen habe:


Serien-Staffeln
Das Boot (1985) - (9-9,5)
Final Space (Season 1) (2018) (7-7,5+)

Filme
Ring 2 [リング2 Ringu 2(1999)
Das Retcon-Sequel, die Reaktion auf den ausbleibenden Erfolg von "Rasen" (dazu später mehr). Es gibt bedeutend missratenere Aufgüsse, lobend erwähnt sei, dass Nakata Hideo merklich bemüht war, das Rezept von "Ringu" nicht 1 zu 1 zu wiederholen, stattdessen den Mythos auszubauen und tiefer zu ergründen, ohne das grundlegende im Dunkel liegende Mysteriöse seiner Ungewissheiten zu berauben, zwar Antworten auf mancherlei Ungeklärtes liefert, dafür einem unbändigen Schwall neuer Geheimnisse den Weg bereitet. Mit der Mischung aus Vertiefung von Elementen aus "Ringu", den präkognitiven Menschen beispielsweise, und vordergründigen, effektbetonten Horror fährt er ganz gut, wobei der pseudowissenschaftliche Anteil, die schwierig zu überblickende Dramatis Personae, sowie die neu aufgeworfenen Fragen, auf wen, warum und auf welche Weise Sadakos Fluch Einfluss nimmt, die beklemmende Suggestivkraft von "Ringu 2" merklich dämpfen. Vieles davon macht sich aus wie in einem kurzfristig anberaumten Brainstorm-Meeting zum Thema "Ringu" zusammengetragen und wirr, unüberschaubar, nicht zu Ende gedacht zusammengeworfen, zumal das drängende Wettlauf-gegen-die-Zeit-Gefühl weitestgehend ausbleibt. Zwiespältig. (7)

Ring: Spiral [らせん Rasen(1998)
Rücken an Rücken zu "Ringu" entstanden und zeitnah ins Kino gebracht, hält sich Iida Joujis Versuch einer Fortführung dichter an Suzuki Kojis Roman-Fortsetzung "Spiral", was in einem auffälligen Hang zu Science-Fiction und Genforschung resultiert. Diesen Bereichen neigt "Rasen" sogar stärker zu als dem handelsüblichen J-Horror-Charakter des Originals, mit dem er letzten Endes nur wenig gemein hat. Das offenbart einen mitunter abgespaceten, nichtsdestotrotz höchst interessanten neuen Blickwinkel auf den Sadako-Fluch, der hier aus einer wissenschaftlichen, epidemiologischen Perspektive betrachtet wird. Leider versteift sich Iida bei der Umsetzung auf ausgesprochen zähe und künstlich in die Länge gezogene Dialogszenen voller erzwungener Pausen, die die Geschichte lediglich schleppend voranbringen. Genau genommen war es mir noch nie möglich, "Rasen" ob seiner bleiernen Langsamkeit in einer Sitzung durchzuhalten, ich musste ihn auch dieses Mal aufgrund seiner einschläfernden Berieselung und mühseligen Erzählweise in wenigstens zwei Etappen konsumieren. Ich möchte "Rasen" gar nicht schlecht reden, besagte Trägheit gehört irgendwo zur Atmosphäre dazu und eine aufschlussreiche Variante zu "Ringu 2" stellt "Rasen" so oder so dar. Er entwickelt sich eben komplett anders und setzt andere Schwerpunkte - nicht wirklich gelungen, aber anerkennenswert. (4,5)

Ring Ø [リング0 バースデイ Ringu 0: Bâsudei (Ring 0: Birthday)] (2000)
Das obligatorische Prequel war nicht zu vermeiden gewesen. So gesehen macht Tsuruta Norio einen zweckdienlichen Job, präsentiert uns Sadako zur Abwechslung weniger in Gestalt des mordlüsternden Monsters, sondern als Opfer ihrer Mitwelt, die den Sonderling für ihr Außenseitertum bestraft, was unweigerlich zur Katastrophe führen muss, bleibt fernerhin der Vorgehensweise treu, für jede beantwortete Frage tausend neue Rätsel aufzugeben, was Sadakos anziehendes Geheimnis aufrechterhält. Grusel-Terrain touchiert Tsuruta die längste Zeit bestenfalls am Rande, den Großteil gestaltet er nach Machart eines Dramas, gesteht Sadako ein sanftes, scheues Wesen, einen liebevollen Schwarm, obendrein eine heilende Hand zu. Selbstverständlich werden ihre Anwandlungen gepaart mit den Mordfällen und unheimlichen Vorkommnissen von den sie umgebenden Menschen fehlgedeutet, was konsequenterweise die gesamte Belegschaft ins Unglück stürzt. (6)

Ju-on: The Grudge [呪怨 Ju-on(2003)
Mit dem Erfolg der V-Cinema-Version bekam Shimizu Takashi die Gelegenheit, seinen furchteinflößenden J-Horror für die große Leinwand zu adaptieren. Die wesentlichen Stärken überträgt er mühelos auf das neue Format (auf die Gefahr mich zu wiederholen): die fragmentarische Narration, die dunkle, bedrückende Stimmung und das ins unendlich mäandernde Fortbestehen des Schreckens finden allesamt Eingang beim "großen Bruder", wo sie ihren beängstigenden Effekt ebenfalls nicht verfehlen. Seine eklatantesten Schwächen erbt er fraglos desgleichen, die wechselnden Erzählperspektive erschwert die Identifikation, die lose verbundene Episodenstruktur obstruiert, wen wundert's, eine klassischen, zielgerichtete Erzählstruktur. Freilich sind diese Schwächen der V-Cinema-Fassung ähnlich durchaus in der Lage zu Stärken zu werden, Spannung und eine Gänsehaut weiß Shimizu sowieso durchweg zu erzeugen. (7,5)

The Final Storm (2009)
R.I.P. Luke Perry. Ein unerwartet solider, um nicht zu sagen kompetent gemachter Endzeit-Thriller von Uwe Boll, der, obgleich handwerklich nicht der Rede wert, erfreulicherweise auf seine habituellen Politika verzichtet, sich vollauf seinen Hauptdarstellern, ihrem Überlebenskampf und ihrem Verhältnis zum undurchsichtigen Charakter Perrys widmet. Nicht zwingend als Boll-Werk erkennbar, gut gespielt, sogar, man wagt es kaum zu sagen, spannend. (6,5)

Dead or Alive 2: Birds [DEAD OR ALIVE 2 逃亡者 Dead or Alive 2: Tôbôsha(2000)
Das Miike Takashis Repertoire über weitaus mehr regiert als bloß Degout-erzeugende Grenzüberschreitungen war mir klar. Und doch zeigte ich mich überrascht von der nachgerade sensiblen Schilderung nostalgischer Anwandlungen zweier Auftragsmörder, die aus dem in Gewalt und Yakuza-Querelen erstickenden Großstadtmoloch auf die Insel flüchten, auf der sie dereinst in demselben Waisenhaus Seite an Seite aufwachsen sind. Gemeinsam mit einem dritten Kindheitsfreund, der sein Heil nicht in der Stadt gesucht hat, schwelgen sie fortan in Erinnerungen, befreien sich vom Ballast des Mordens und des Tötens, kehren im Geiste zurück zu den unschuldigen, glücklichen Kindestagen, derweil in Tokio die Hölle losbricht. Die Evokation nostalgischer Glücksgefühle, der Kontrast kindlicher Unschuld im Angesicht der düsteren, tristen Erwachsenenwelt, sowie die Familien bzw. Ersatzfamilien beigemessene Bedeutung sind grundlegende Tropen in Miikes Œu­v­re, vergleichbar ergreifend und ausdrucksstark habe ich sie allerdings bislang nicht erlebt und nach "Dead or Alive: Hanzaisha" muss ich gestehen sie nicht in dieser Ausprägung beim Sequel erwartet zu haben. Tatsächlich fühlte ich mich an Kitano Takeshis "Sonatine" erinnert, der seine abgestumpften Yakuza-Fußsoldaten einer nicht unähnlichen raumbezogenen Katharsis unterzieht, bevor sie ihr Schicksal ohne Gnade einholt. "Dead or Alive 2: Tôbôsha" verzeichnet eine diesbezügliche äquivalente Ausdruckskraft, welche die brütende Hitze des schweißtreibenden Sommerklimas auf der Insel, die kindgleiche Ausgelassenheit, die sich der drei Männer bemächtigt, hinzukommend die kontrastierende Gewalt vielsagend illustriert. An Miike-typischen comichaften, surrealistisches Terrain streifenden übersteigerten Darstellungen fehlt es "Dead or Alive 2: Tôbôsha" übrigens nicht, sie stehen lediglich in einem sinnvollen Kontext, der die Handlung nicht überlagert. (8)

Siegburg [Stoic(2009)
Der tragische Fall des Foltermordes in der JVA Siegburg birgt zweifelsohne das Potenzial für Uwe Boll-typische Predigten - und sein Stammtisch-Getue klingt an, keine Frage, maskiert unter einem reduzierten Kammerspiel, das Boll gottlob in seinen gestalterischen Ausdrucksformen limitiert, was ihn nicht daran hindert vorzutäuschen, die abscheulichen Vorkommnisse und ihre Täter psychologischen zu durchleuchten. Was einerseits in der Tat einer unbezweifelbaren Wirkkraft ob der nüchternen Darlegung der alles andere als leicht zu ertragenen Untaten nicht entbehrt, legt andernteils Bolls übliche Überheblichkeit offen, die Niederträchtigkeit, höchstens schlummernde, auf eine Gelegenheit zum Durchbruch wartende Bösartigkeit des Menschen entschlüsselt und entlarvt zu haben. Das kreuzt hart an der Grenze zum selbstzweckhaften Voyeurismus, liegt streng genommen näher an "Seed". (5)

Zatoichi's Flashing Sword [座頭市あばれ凧 Zatôichi abare tako(1964)
Ein minder bemerkenswertes Zatoichi-Abenteuer, standardmäßige Yakuza-Intrigen, die Ikehiro Kazuo vermittels einfallsreicher Kadrierungen stimmig aufpeppt. Ein paar Details stechen hervor, grandios ist das Finale, in dem Ichi wie eine Naturgewalt, ein unaufhaltsamer Dämon, ein gnadenloser Rächer monströs in Erscheinung tritt, unter einem vom Feuerwerk erleuchteten Nachthimmel blutige Vergeltung übt. (7)
Mafia! - Eine Nudel macht noch keine Spaghetti! [Jane Austen's Mafia!(1998)
Wie gesagt: ZAZ-Komödien haben bei mir einen Stein im Brett. Jim Abrahams Mafia-Parodie hingegen konnte mich höchstens gehemmt zum Schmunzeln bringen, einem gelungenen Gag ab und an standen dutzende saft- (meistens...) und kraftlose Albernheiten gegenüber, die eher an den "Scary Movie"-Quatsch erinnerten. (6)

Fight, Zatoichi, Fight [座頭市血笑旅 Zatôichi kesshô-tabi(1964)
Verfolgt einen von der herkömmlichen Schablone gelinde abweichenden Ansatz, ganz besonders im Vergleich zu den actionlastigeren Vehikeln der Reihe. Nach wie vor darf Ichi seine Schwertmannskunst gegen hinterlistige Widersacher in kleineren Geplänkeln zur Schau stellen, einer Frau den Kopf verdrehen und betrügerische Yakuza listig übertölpeln. Allein die beschriebenen Situationen sind allenfalls Etappen auf Ichis Roadtrip, sein eigentliches Ziel ist die sichere und wohlbehütete Aushändigung eines Säuglings an den Vater, nachdem die Mutter durch eine unglückselige Verwechslung an Ichis statt ermordet wurde. Ichis wachsende Zuneigung zu dem Neugeborenen rückt fürderhin in den Mittelpunkt, alles abseits dieser erblühenden Beziehung, etwa die sporadischen Attacken der Verfolger, gerät zur Nebensächlichkeit. Kein prägnanter Gegner, kein alles durchdringendes Drama. Der Ton gerät in der Folge entschleunigt, gemächlich, verheißt Ichi gleich "Shin Zatôichi monogatari" einen Ausweg, eine Aussicht auf ein friedliches, von Glück erfülltes Leben, ein Was-wäre-Wenn-Szenario, eine Utopie. Das macht "Zatôichi kesshô-tabi" zu einem gleichermaßen leichtherzigen, wie traurigen, obschon nicht unbedingt zum aufregendsten Beitrag zur Reihe. (7)

Adventures of Zatoichi [座頭市関所破り Zatôichi sekisho yaburi(1964)
Zatoichi No. 9 ist im Gegensatz "Zatôichi kesshô-tabi" deutlich rasanter und abenteuerlicher, es gibt viel für Ichi zu tun, erneut drohen eine missgünstige Allianz zwischen den örtlichen Yakuza und dem heimtückischen Magistraten den gutherzigen Menschen und Schaustellern der Umgebung zuzusetzen, derweil gleich zwei Exemplare holder Weiblichkeit auf seine Hilfe angewiesen sind. Die Vorbereitungen für die Neujahrsfeier bringt Farben, Lebhaftigkeit und Humor in die abwechslungsreiche, dynamische Handlung, unterdessen Ichi sich an der Vielzahl an Nebencharakteren aufreiben darf, unter denen ein alter, runtergekommener Trunkenbold, in dem Ichi seinen Vater wiederzuerkennen meint, insbesondere hervorsticht, wie überhaupt Vater-Figuren eine signifikante Rolle einnehmen. Alles andere, die Jungfrauen in Nöten, die durchtrieben Yakuza, der stolze Rivale reserviert für den Endkampf, ist guter Zatoichi-Standard. (7,5)

The Grudge - Der Fluch [The Grudge(2004)
Der Erfolg von Shimizu Takashis Geister-Terror "Ju-on" musste angesichts des im Westen grassierenden J-Horror-Hypes über kurz oder lang die Aufmerksamkeit Hollywoods auf sich ziehen. Auftritt Sam Raimi, der es Shimizu ermöglichte, "Ju-on" für den amerikanischen Kino-Markt zu adaptieren: grosso modo ist "The Grudge" derselbe Film ohne vorstehend neues zu bieten, Story, Schauplatz und Umsetzung sind praktisch identisch, abgesehen von dem ein oder anderen Zugeständnis an das westliche Publikum, konkret manifestiert in der Besetzung kaukasischer Hauptdarsteller (frisch vom "Buffy"-Set: Sarah Michelle Gellar). Über das Für und Wieder, Sinn und Unsinn eines solchen Remakes oder allgemein die Ignoranz des amerikanischen Ottonormalverbraucher-Kinogängers könnte man nun breitgetreten streiten. Fakt ist: "The Grudge" gruselt nicht besser oder schlechter verglichen mit dem Original, die Rezeptur bleibt dieselbe und verursacht unverändert effektiv eine Gänsehautattacke nach der nächsten, schlimmstenfalls machen sich die Abnutzungserscheinungen von Shimizus Vorgehensweise nachdrücklicher bemerkbar. (7)

Ju-on: The Grudge 2 [呪怨2 Ju-on 2(2003)
Abnutzungserscheinungen sind ein gutes Stichwort, denn die zeigen sich bereits bei der "Ju-on"-Kino-Fortsetzung. Um das klarzustellen: Shimizu Takashi beweist unvermindert ein Gespür für erschreckende bis verstörend unheimliche Einfälle, man denke an das Pärchen, das durch ständiges Geklopfe an der Außenwand ihrer Wohnung gestört wird und was diese Geräusche letztendlich verursacht. Was diesen Einfallsreichtum allmählich ausbremst ist, wie repetitiv die einzelnen Episoden, die in diesem Falle eine stärkere Verbindung untereinander tragen, unlängst ausfallen. Analog zu James Wan, an und für sich nicht untalentiert bei der Vorbereitung und Ausführung von den leider Gottes im kontemporären Horrorkino inflationär eingesetzten Jump Scares, hat man sich zwischenzeitlich an Shimizus Modus Operandi gewöhnt, seine Mechanismen, seine Muster durchschaut. Das beraubt sie nicht zwangsläufig ihrer elementaren schaurigen Einwirkung, sie setzten bloß schrittweise Staub an... und so langsam habe auch ich genug von den japanischen Gruselmädchen, wie damals. (6,5)

Halloween: Resurrection (2002)
Ist schon schlimm, seien es die nervigen, unsympathischen, strunzdummen Schießbudenfiguren, die hier als Teenager durchgehen sollen, der halbherzige, Potenzial ungenutzt liegen lassen Live Webcam-Plot oder die muffige Inszenierung. Andererseits fühlte ich mich gerade davon königlich amüsiert, das Meyers-Haus-Setting in seiner Spukhaus-Aufmachung hat mir gefallen, die grundsätzliche Blödheit des Stangenwaren-Teenie-Slashers entfaltet sich köstlich... ja, peinlicherweise mag ich den. (Guilty Pleasure-Wertung: 6)

Sadako vs Kayako [貞子 vs. 伽椰子 Sadako vs. Kayako(2016)
Na gut, der musste noch sein. Wenn es "Freddy vs. Jason" gibt, warum dann nicht detto "Sadako vs. Kayako"? Warum nicht die zwei größten Ikonen des J-Horrors aufeinanderhetzen? Dachten sich die Japaner scheinbar gleichfalls. Herausgekommen ist nach Fan-Film riechender Kintopp, der die beiden wuterfüllten Mörderdamen nicht so wirklich auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen versteht, die Erfüllung des süßen Versprechens im Titels lässt lange, lange auf sich warten, ist zu allem Überfluss ehe man sich versieht vorbei bevor es richtig begonnen hat. Erst auf der Ziellinie kam den Machern die zündende Idee: der Sadako-Kayako-Blob! Das Ding hat schon Potenzial... (4,5)

Scary Movie 3 (2003)
Unrated (Scary Movie 3.5). Fürchterlich dated, wie die gesamte Reihe. Ich gebe unumwunden zu: seinerzeit fand ich den ziemlich witzig, hielt ihn geradezu für den Besten der Trilogie. Einräumen muss ich, dass die Gags im Klima der damaligen Kinolandschaft besser gezündet haben, die Sichtung von "Ringu" und "Ju-on" im Vorfeld war in dem Sinne nicht das schlechteste Vorprogramm, den Test der Zeit haben sie jedoch nicht schadlos überstanden, ganz im Gegenteil. Über Manches kann ich bis heute schmunzeln, anderes lässt mich peinlich berührt zurück in dem Gedanken, was ich früher daran witzig gefunden haben mag. (5)

Operation Olympus - White House Taken [Suddenly(2013)
Eine brauchbare Prämisse für einen spannungsgeladenen Thriller, die Uwe Boll, wen wundert's, gräulich verhunzt. Wie der Mann es fertigbringt, nicht den geringsten Funken Spannung zu erzeugen, selbst in Szenen, die sich praktisch mühelos dafür angeboten hätten, ist beachtlich. Nicht ärgerlich, nur egal und kreuzöde. (2)




























17 - 6,1 (103,0)

Montag, März 11, 2019

Chuck Day!

Verflixt! Schon wieder den Chuck-Tag vergessen! Das wird kein gutes Ende mit mir nehmen...

Montag, März 04, 2019

Kurzreviews Februar/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 28 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Februar gesehen habe:


Serien-Staffeln
Archer Danger Island (Season 9) (2018) (7-8)
Nightflyers (Season 1) (2018) (5,5-7)

Filme
Three: Going Home [三更:回家 San Geng: Hui Jia(2002)
Director's Cut. Peter Chans herzbewegender Beitrag zum Anthologiefilm "Three" war schon ehedem weniger Grusel, mehr Drama, daran ändert der geringfügig längere Director's Cut nichts, fügt der sensiblen Vignette um hingebungsvolle und aufopferungsbereite Liebe dafür einige dankbare neue Szenen hinzu. (7)

Das Meer war ruhig [あの夏、いちばん静かな海 Ano natsu, ichiban shizukana umi (A Scene at the Sea)] (1991)
Der Strand und das Meer! Die beiden vergaß ich unter den typischen, obligatorischen Kitano Takeshi-Tropen bei "Boiling Point" aufzuzählen (dort sind sie gleichfalls vertreten)! Dabei nehme sie eine signifikante Funktion in seinem Œuvre ein, bilden in ihm einen fortwährend wiederkehrenden Rückzugsort, ein Grenz- und Übergangsbereich, einen befreiten und befreienden Raum der Ruhe, Kontemplation und des Zu-sich-Findens, des Friedens, der Freude und der Entzückung. In seiner dritten Regie-Arbeit spielen sie nachgerade die erste Geige, nur wenige Szenen findet nicht dort statt und an keinem Ort können sich die Protagonisten freier entfalten, entwickeln und erblühen.
In "Ano natsu, ichiban shizukana umi" widmet sich Kitano zum ersten Mal dezidiert und ausschließlich einem feinfühligen Drama-Stoff, dem Liebeserlebnis zweier Menschen, die nicht sprechen können, aber auch keiner hinderlichen Worte bedürfen, die die Menschen ihrer Umgebung zutiefst rühren und für sich einnehmen, sowie die Geschichten einer leidenschaftlichen Verbindung zwischen Mensch und Natur, dem Surfer und der unbändigen Gewalt des Meeres. Was mich daran vor allem bewegt hat, ist, wie Kitano, mancher Studio Ghibli-Großtat nicht unähnlich, eine unbeschreibliche Schönheit und Vollkommenheit des Alltäglichen in Bilder fasst, fernab überkandidelter Melodramatik oder aufgeblasener Einzelschicksale von Wunderkindern. Was wir sehen, ist was wir bekommen, in Form und Inhalt auf das Essentiellste reduziert, doch kaum jemand versteht es, diesem einfachen, schlichten Sein eine vergleichbare inhärente, kostbare Schönheit abzuringen und diese visuell zu vermitteln. Kitanos ruhiger Inszenierungsstil, seine langen Kamera-Einstellungen und behutsamen Schnitte, seine Hinwendung zum gewöhnlichen Menschen und zu liebevoll gezeichneten Nebenfiguren, nicht zu vergessen die beseelte Musik von Joe Hisaishi, dessen langjährige Kollaboration mit Kitano hier seinen Anfang nahm, machen in meinen Augen daraus ein frühes, warmherziges Meisterwerk. (9)

Sonatine [ソナチネ Sonatine(1993)
"Sonatine", Kitano Takeshis Rückkehr zum yakuza eiga und seine erste Leistung, die international breitflächige Anerkennung fand, hat mir anfangs Probleme bereitet. Ich musste ihn auf Grund mich übermannender Müdigkeit in zwei Etappen sehen, die Zäsur korrelierte witzigerweise mit der des Films, nämlich wenn Kitano und seine Mitstreiter vor den Anschlägen ihrer Gegner zur Flucht in das Versteck am Meer (hier finden wir erneut das Motiv von Strand und Meer) gedrängt werden. Dort vertreiben sie sich hauptsächlich die Zeit, oft mit banalen, trivialen Aktivitäten, was hingegen dem befreienden Einfluss dieser Umgebung überhaupt die Möglichkeit bietet, sich nach und nach der abgestumpften Männer zu bemächtigen, sie sich emotional öffnen und wieder Mensch sein lehrt, insbesondere den von Kitano gespielten, einem Todeswunsch verhafteten Protagonisten, der dort nicht zuletzt die Liebe zu einer Frau findet.
Die Abkehr von der grausamen, monotonen, verschleißenden Yakuza-Welt resultiert in einem beinahe kindlichen Sentiment, durch welches die Gangster vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit aufzublühen vermögen, unbeschwert Spielchen spielen, aufgelockert herumtollen und -albern, frei von den Verpflichtungen und dem zerstörerischen Sog ihrer Profession. Diese Ausgelassenheit wirkt derart beruhigend und entspannend, dass man ihnen eine Ewigkeit zusehen will, ohne das Langeweile aufkommen würde. Selbstverständlich ist diesem Frieden keine Dauerhaftigkeit vergönnt, zum Schluss muss die Gewalt die Männer einholen, was in einem bitteren, tieftraurigen und pessimistischen Finale kulminiert. Insofern macht es Sinn, dass die einleitende Hälfte einen gegenteiligen, betäubenden, runterziehenden Effekt zu verzeichnen hatte, ein akzentuierter Kontrast zum frohmütigen, lebendigen Mittelteil und eine Antizipation des niederschmetternden Endes.
Erst vor dem Hintergrund, dass Kitano selbst zu jener Zeit unter heftigen Depressionen litt, er wie Murakawa sich aufgrund der Monotonie seiner Arbeit unzufrieden zeigte und ihm die fehlende Anerkennung seiner Landsleute für seine Filmemacherei, in die er ein Überfluss an Leidenschaft und Herzblut strömen ließ, schwer zu schaffen machte, wird begreiflich, wie eindringlich "Sonatine" die Gemütslage seines Regisseurs wiederspiegelt, was ihm zusätzlich eine besonders persönliche Note verleiht. (8)

The Call [着信アリ Chakushin ari (One Missed Call)] (2003)
Miike Takashis J-Horror-Exemplar gerät für den Skandal-Regisseur geradewegs schockierend konventionell, angepasst. Keine skandalträchtigen Tabuverletzungen, keine überzogenen Gewaltorgien, keine strittigen Ekel-Szenen, bloß ein stimmiger, des Öfteren unheimlicher Horror, der dazu unaufdringlich Kritik an den Medien übt, mit dem Münchhausen-Stellvertretersyndrom seiner geisterhaften Erscheinung ein bedrückendes Fundament stiftet. Nichts überragendes, versiert gemachte Genre-Kost nichtsdestotrotz. (7)

The Call 2 [着信アリ2 Chakushin ari 2 (One Missed Call 2)] (2005)
Weniger schauriges Sequel ohne die kleinen Besonderheiten, die "Chakushin ari" auszeichneten. Teenie-J-Horror-Stangenwaren durch und durch. (5)

Dead or Alive [DEAD OR ALIVE:犯罪者 Dead or Alive: Hanzaisha(1999)
Die anfänglichen 5 Minuten sind ein sensationelles frenetisches Schnittgewitter, das ein Wahnsinnstempo anlegt, auf komprimierten Raum den maßgeblichen Rahmen setzt, die wichtigsten Schlüsselfiguren einführt, teils ihr unglückseliges Los verstohlen anteasert, visuell einfallsreich auf das Kommende vorbereitet - das indessen hernach deutlich an Tempo einbüßt, wobei ich gestehen muss, diesen stilistischen Schritt-Rhythmus beizubehalten, würde vermutlich jeden Zuschauer visuell gnadenlos überreizen. Miike Takashis symptomatische abgefuckte Kapricen durchbrechen die Handlung um eine Gruppe Triaden, die die Yakuza-Welt gewalttätig aufmischen, und den getriebenen Cop, der sie verfolgt, immer mal wieder, ansonsten wickelt er das Geschehen verhältnismäßig geradlinig ab, um nicht zu sagen ein wenig zäh bis langweilig. Das groteske actionreiche Doppel-Finale führt dann alles ad absurdum, kulminiert in einer Dragon Ball-artigen, maßlosen Zerstörungsorgie... was zugegeben irgendwo von nicht zu verachtender Chuzpe zeugt. (6,5)

Getting Any! [みんな~やってるか! Minnâ-yatteruka!(1994)
Nach den zwischen Schwermütigkeit und Ausgelassenheit pendelnden Dramen "Ano natsu, ichiban shizukana um" und "Sonatine" gestattet sich Kitano Takeshi eine Auszeit von der Melancholie. Unter seinem Manzai-Namen Beat Takeshi drehte er eine waschechte Slapstick-Sex-Komödie, die vielfach die japanische Pop-Kultur und Jugend aufs Korn nimmt (weswegen Zuschauern, die wenig bis gar kein Interesse an der japanischen Kultur hegen, ein Großteil der Spötteleien entgehen dürften), episodenhaft Parodien und Possen aneinanderreiht, im Großen und Ganzen herzlich albern und erheiternd idiotisch daherkommt. Kitano soll gesagt haben, seine Absicht sei gewesen, über seine eigenen Gags lachen und sie ad absurdum führen zu wollen, weshalb er "Minnâ-yatteruka!" wahrscheinlich zu seinen Lieblingen jener Zeit zählt. So einen Quatsch muss man natürlich mögen. (6)

The LEGO Movie 2 [The Lego Movie 2: The Second Part(2019)
Die Fortsetzung des unverschämt erfolgreichen Spielzeug-Werbefilm, der gar nicht hätte funktionieren dürfen, es dennoch tat, es darüber hinaus einzigartig verstand, kindliches Vergnügen, Esprit und platteste Verkaufsstrategie unter einen Hut zu bringen. Vermag Teil 2 daran anzuknüpfen?
Tja. Ich würde gerne sagen, dass meine Mäkelei Meckern auf hohem Niveau sei, die Wahrheit ist, dass ich die Energie und den Verve, die den "The LEGO Movie" im Wesentlichen ausgemacht hatten, durchgängig vermisst habe. Verglichen mit dem temporeichen, fantasievollen Erstling wirkt "The LEGO Movie 2" gravierend lustloser, gebremster, philiströser. Die Divergenzen zwischen dem wilden, anarchischen Charme des Originals, der Hand in Hand ging mit seiner unaufdringlich präsentierten Message, und dem formelhaft flauschigen, Friede, Freude, Eierkuchen-Gestus des Aufgusses, der zu sehr um seine Botschaft arrangiert ist, zu stark die "reale" Welt betont, klaffen unschön auseinander. Trotz einiger gelungener Gags (Bruce Willis, die Raptoren) und dem nach wie vor erfinderischen visuellen Stil ist es Mike Mitchell und Trisha Gum schlechtweg nicht gelungen, ihr Anliegen spielerisch unverkrampft zu verpacken, wie es ihrerzeit Phil Lord und Christopher Miller geglückt ist. Im Ergebnis unterscheidet sich "The LEGO Movie 2" deswegen nicht nennenswert von einer handelsüblichen "Habt euch alle lieb"-Folge eines gebräuchlichen TV-Kinder-Formats, das auf schonungslosen Konsens und einträchtige Familien-Idylle gebürstet ist. Ich will die guten Absichten die dahinter stecken mögen nicht klein reden, allein ist das Thema derart allumfassend ausgelutscht, bis zum Erbrechen durchgekaut und vollauf abgenutzt, dass man schon einer zündenden Idee, einer beflügelten Form bedarf, um es nicht allumfassend ausgelutscht, bis zum Erbrechen durchgekaut und vollauf abgenutzt rüberzubringen. "The LEGO Movie 2" hat das nicht und seine ostentative Message wirkt genau so.
Am Ende fühlt man sich von der heilen, rosigen Welt selbst manipuliert und einer Gehirnwäsche unterzogen. Zumal "The LEGO Movie 2" kein Novum mehr für sich beanspruchen kann: einerseits verspielt er viel von seinem eigenen Wiedererkennungswert, wenn er liebgewonnene Charaktere zu unwichtigen Cameos degradiert, seine Dynamik für schablonenhafte Phrasendrescherei eintauscht. Andererseits stehen die Imitatoren (unter den Kino-Trailern befand sich einer zum anstehenden Playmobil-Pendant) bereits in den Startlöchern, froher Hoffnung, das Erbe des amtierenden Königs antreten zu können. Und so halbherzig, wie "The LEGO Movie 2" sich gibt, fehlt nicht viel, um das Franchise mühelos vom Thron zu stoßen. (5,5)

Ju-on: The Curse 1 & 2 [呪怨 Ju-on & 呪怨2 Ju-on 2(2000)
Neben "Ringu" (s.u.) der mitunter renommierteste, gruseligste J-Horror, hier die V-Cinema-Version. Die fragmentarische Erzählweise steht dem gesamtheitlichen Erfassen der tragischen Vorkommnisse und ihrer traumatischen Spuren, die in der Gegenwart infolge der Schwere besagter Untaten unaufhörlich neue Opfer fordern, beharrlich im Wege, hindert den Zuschauer daran aus den versprengten Puzzle-Teilchen ein kohärentes, eindeutig nachvollziehbares Ganzes zusammenfügen zu können. Das kommt in letzter Konsequenz der dunklen, beklemmenden Stimmung zu Gute, erweckt den Eindruck, dass es, egal an welchem Punkt der Zeitlinie man ansetzt, niemals gut ausgehen kann, ein Entkommen aus dem Kreislauf von Tod und Gewalt unmöglich ist. (7)

The Eye [見鬼/见鬼 Gin gwai(2002)
aka "Seeing Ghosts". Ich und die Pang-Brüder, eine schwierige Beziehung. "The Eye" gehört immerhin zu den gelungensten Erzeugnissen von Danny und Oxide Pang, vermöge der für einen Horrorfilm idealen Grundidee können die beiden einen gelungenen Mystery-Thriller ähnlich "The Sixth Sense" aufbauen, den sie ab und an mit schaurigen Einfällen aufpeppen, inklusive eines schockierenden Finales. (6,5)

Ring - Das Original [リング Ringu (Ring)] (1998)
Nakata Hideos Original, der Film, der den J-Horror und spukhafte, langhaarige, mächtig angefressene Mädchen salonfähig machte, unzähligen Mangas, Graphic Novels, sogar TV-Serien eine Vorlage bot, massenweise Nachahmer auf den Plan rief, qua Gore Verbinskis US-Remake dazukommend den westlichen Video-Markt für sich vereinnahmte - für die Welle an Epigonen, Sequels, Prequels, Crossover, die angesichts der Einfallslosigkeit des Überschusses an Kopien schnell zu nerven begann, schien es lange Zeit kein Halten zu geben. Aber wie schlägt sich "Ringu", das Opus mit dem alles begann, das alles ins Rollen gebracht hat, 20 Jahre später?
Überraschend gut! Die Verknüpfung eines klassisch japanischen Geisterfluches und modernen Elementen wie urban myths, einem Hauch Teenie-Slasher, Japans DTV-Kultur, verruchten, da verbotenen, todbringenden Gegenständen, in diesem Falle die Videokassette, geben einem potentiell angestaubten Stoff ein neumodisches, ansprechendes Äußeres. Bei der Umsetzung geht Nakata subtil, doch eindringlich zu Werke, eine unheimliche, ungewisse Atmosphäre durchzieht seinen Mystery-Thriller, Spannung ergibt sich aus dem Rennen gegen die Zeit, den gelegentlichen schauderhaften Spitzen, sowie dem peu à peu offengelegten Geheimnis rund um Sadako und ihre Mutter, von dem andererseits nie dem Mysterium schädigend zu viel preisgegeben wird. Diesem unverwüstlichen Klassiker kann letztlich selbst die Übersättigung durch ähnlich gelagerte Plagiate nichts anhaben, "Ringu" war seinerzeit nicht grundlos der Startschuss für die andauernde J-Horror-Manie, ist und bleibt bis heute der prima inter pares, das Vorzeigebeispiel des J-Horrors. (8)

Kids Return [キッズ・リターン Kizzu ritân(1996)
Kitano Takeshis erste Veröffentlichung nach seinem folgenschweren Motorradunfall, ein semi-autobiografischer Coming-of-Age-Film, eine Besinnung auf die Jugendzeit, über eingeschlagene Wege, über Irrungen und Wirrungen, die der Jugend vorbehalten sind; die Chronik einer Freundschaft, die sich entfremdet, sich auf Irrwegen verrennt und wieder zusammenfindet, von Kitano gewohnt mit Besonnenheit und Behutsamkeit inszeniert. Fast beiläufig streift sein Blick überdies den Lebensweg der Begleitfiguren, lässt deren Werdegang parallel nebenher ablaufen, erreicht vermittels dieses lakonischen Abdrifts des Erzählfokus, bisweilen aufgrund eines simplen Details, das im Stande ist, alles Wesentliche, alle emotionale Kraft, alle Freude oder Traurigkeit in einem einzelnen Bild auszudrücken, einen schier noch unmittelbareren dramatischen, bedeutungsvollen Effekt. Traurig, melancholisch und doch hoffnungsfroh. (8)

Hana-bi - Feuerblume [はなび Hana-bi (Fireworks)] (1997)
Kitano Takeshis unverhoffter Durchbruch auf internationaler wie japanischer Ebene gleichermaßen. Gerne wird postuliert, dass "Hana-bi" die nächste Evolutionsstufe, den Abschluss eines Entwicklungsabschnitts in Kitanos cineastischen Reifeprozesses darstellt, er endgültig zu Form und Stil gefunden, seine aus vorherigen Schöpfungen bekannten Motive verfeinert und perfektioniert habe. Dem kann ich nur zustimmen, "Hana-bi" ist in der Tat sein bis dato reifstes, auf jeden Fall stilistisch ausgereiftetes Werk, in dem sich alle Ingredienzien an dem ihnen anberaumten Platz zu befinden, ein harmonierendes, lyrisches Ganzes zu konstituieren scheinen. Eine ideale Erscheinungsform für die schmerzliche Geschichte eines Mannes, der zu Beginn von keiner privaten Katastrophe verschont bleibt, der sich dennoch aufrappelt, Leben, Tod und Liebe begegnet und über sein Schicksal selbst entscheidet; eine Erzählung und ein Erleben von sagenhafter Schönheit, innere Ruhe und Gelassenheit, von hingebungsvoller Liebe und Opferungsbereitschaft, blitzartig durchbrochen von ruckartigen Gewalteinschüben aus heiterem Himmel, welche die bilderreichen Kraft des Gesehenen brutal konterkarieren. Ein poetisches Meisterwerk! (9)

The Tale of Zatoichi [座頭市物語 Zatôichi monogatari(1962)
aka "Zatoichi: The Life and Opinion of Masseur Ichi". Ich zitiere mich selbst: Beginn einer langlebigen und kultigen Filmreihe, die augenlichtloses Schwertschwingen schlagartig populär machte. Die Rivalitäten zweier Yakuza-Klans ergeben einen soliden, wenngleich standardmäßigen yakuza eiga-Rahmen für Shintarô Katsus ganz und gar nicht standardmäßige Darbietung des blinden Masseurs, dessen Gewitztheit und Cleverness, die im entscheidenden Moment an den Tag gelegte im Schwertkampf bewandte Furiosität, ferner die dem Charakter innewohnende Tragik und Düsternis er nuanciert und unnachahmlich portraitiert. Misumi Kenji versteht es zudem meisterhaft, Ichis menschlichen Regungen Vorzug vor seinen kämpferischen Fähigkeiten zu geben, sein Geschick mit dem Schwert seinem humorvollen, lebensbejahenden Wesen nachzustellen, ihn nicht zum Gimmick behafteten Superhelden verkommen zu lassen. Wenn es soweit kommt, dass er genötigt wird zur Waffe zu greifen, was Misumi wohl bemessen lange hinauszögert, ist das selten ein glorreicher Moment. Insgemein steht jedwede gewalttätige Auseinandersetzung in einem negativen Licht da, was nirgends symptomatischer zu Tage tritt als im aufoktroyierten finalen Duell zwischen Ichi und dem schwindsüchtigen Samurai der Gegenpartei. Der Respekt, den sie voreinander empfinden, die Freundschaft, die sie miteinander teilen, steht im krassen Gegensatz zu den sich gegenseitig abschlachtenden Yakuza-Soldaten, die ihr Leben für nichts, für feige, nichtswürdige Oyabuns hergeben. Das macht den Ausgang des Duells umso beklagenswerter und Misumi trägt dem gestalterisch Rechnung. (8)

Seed 2 (2014)
Jason Voorhees und Michael Meyers versuchte Uwe Boll im Vorläufer zu channeln. An "Hills Have Eyes" und Leatherface vergeht sich Marcel Walz im von Boll produzierten Sequel. Das vergebliche Bestreben dem hohlen Backwood-Horror einen ausgeklügelteren Anstrich zu verpassen, obendrein im Anflug künstlerischen Ehrgeizes in durcheinandergewirbelten Erzählreihenfolge, hilft der platten Schlachtplatte kaum, macht sie weder spannender, interessanter oder schlüssiger in seiner halbgaren Religionskritik. Demgegenüber ist Walz ohne Frage der bessere Regisseur, schnell vorbei ist der Stuss außerdem. (2,5)

Klown Kamp Massacre (2010)
Troma, Clowns und ein Crystal Lake-mäßiges Trainingscamp für diesselbigen, den durchgeknalltem Killer-Harlekin mitinbegriffen. Ein immerzu selbstironischer, billig produzierter Schalk, ein launiges Trash-Späßchen für Zwischendurch. (Trash-Skala: 6)

Class of Nuke 'Em High (1986)
Troma, Lloyd Kaufmann und Michael Herz auf dem Höhepunkt ihres stürmischen Trash-Elans, ein reger, flotter Trip, der prächtig vergnügt. (Trash-Skala: 8)

The Tale of Zatoichi Continues [続・座頭市物語 Zoku Zatôichi monogatari(1962)
aka "Zatoichi: The Return of Masseur Ichi". Der unvorhergesehene Erfolg von "Zatôichi monogatari" brachte die Produzenten von Daiei jählings in Zugzwang: es hieß, die Gunst des Publikums und das Momentum der Reihe weiterhin aufrechtzuerhalten, des Weiteren den anderen Studios zuvorzukommen, bevor diese auf den erfolgversprechenden Zug blinder Heroen aufspringen würden. Eilfertig wurde eine Fortführung von Zatoichis Abenteuern zusammengeschustert, welche ein Jahr nach den Geschehnissen von "Zatôichi monogatari" ansetzt. Am Schauplatz des Erstlings gerät er zügig mit alten und neuen Kontrahenten aneinander, zu denen sich unter anderem Shintarô Katsus älterer Bruder Wakayama Tomisaburô (ein Jahrzehnt vor seiner eigenen erfolgreichen Chambara-Filmreihe "Lone Wolf & Cub" (siehe hier, hier und hier)) als einarmiger Rivale gesellt, der Ichi aus persönlicher Gründen anfeindet. Komprimiert auf knackige 70 Minuten und erheblich kampflastiger geht "Zoku Zatôichi monogatari" zackig zur Sache ohne den Inhalt sträflich zu vernachlässigen, erweitert Ichis Lebensgeschichte gelungen um dramatische Aspekte aus seiner Vergangenheit. (7,5)

New Tale of Zatoichi [新・座頭市物語 Shin Zatôichi monogatari(1963)
Zatoichis Vergangenheit liegt fernerhin dem Plot des dritten Segments und ersten Farbfilms der Reihe zu Grunde. Den innerhalb der Serie seltenen Blick, den wir von ihr erhaschen dürfen, ist flüchtig, vage, besteht aus Andeutungen, die keineswegs zu viel offenbaren, gibt Regisseur Tanaka Tokuzō und Autor Inuzuka Minoru zugleich eine Handhabe, Ichis Naturell zu erkunden und zu reflektieren. Das Wiedersehen mit seinem einstmaligen Gönner und Schwertkunst-Lehrer Banno und dessen Schwester Yayoi wird demzufolge zum Katalysator für die sich anbahnende Katastrophe: Banno, selbst unter seinem niedrigen Gesellschaftsstatus eines verarmten Ronin leidend, lässt sich mit der Tengu-Bande ein, um an das Geld einer von den Kriminellen geplanten Entführung ranzukommen. Um seiner Schwester einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage zu ermöglichen, gedenkt er hinzukommend Yayoi via Hochzeit einer gutbetuchten Samurai-Familie zuführen - nicht ahnend, dass ihre Wahl auf Ichi gefallen ist, der sich (im Gegensatz zu Otane) das erste und einzige Mal wahrhaftig bereit erklärt, eine Ehe einzugehen und das junge Mädchen zu heiraten, was der Hoffnung Keim zu geben scheint, dass er das Leben eines wandernden Yakuza und das Blutvergießen hinter sich lassen könnte, jedoch am Starrsinnigkeit Bannos zu scheitern droht. Zu allem Überfluss trachtet der Bruder des von Ichi erschlagenen Gangsterbosses aus "Zoku Zatôichi monogatari" nach Satisfaktion und heftet sich an des Masseurs Fersen, auf eine günstige Gelegenheit harrend, ein Konflikt, der ein für alle Beteiligten unerwartetes Ende nimmt.
Man merkt: "Shin Zatôichi monogatari" ist ein emotionales Wechselbad, ein Auf und Ab der Gefühle, dass sattsam dramatischen Entwicklungen und Umbrüchen Platz bietet, manchmal womöglich zu zugespitzt, an dessen Ende man nichtsdestominder merkt, wie unstillbar Ichi diese an die Substanz gehenden schmerzhaften Verwicklungen mitgenommen haben. Ein starker Abschluss der Trilogie. (8)
Top Secret [Top Secret!(1984)
Was soll ich sagen: ZAZ-Chaos-Komödien treffen bei mir fast immer ins Schwarze. Ihre depperte Spy-Flick-Parodie macht da keinen Unterschied. (7)

The Kentucky Fried Movie (1977)
Der "Kentucky Fried Movie" wollte hiergegen nicht wirklich bei mir zünden. Das chaotische Allerlei an Parodien, Faxen und Nonsens war für mich ein ausgesprochener Hit and Miss-Repräsentant, mehr miss als hit, vollkommen missachtend, dass sich John Landis, Jim Abrams, David und Jerry Zucker so gesehen genau dem Wahnsinn, Blödsinn und Humbug hingeben, für den ich im anderen Falle ungemein empfänglich bin. Bin ich etwa mit dem falschen Fuß aufgestanden? War mir das unter Umständen zu anarchisch, schlechthin zu viel des Guten bzw. Doof-albernen? (6)

Zatoichi the Fugitive [座頭市兇状旅 Zatôichi kyôjô-tabi(1963)
Persönlich gesehen mein bisheriger Favorit, der sich das Beste aus den Vorgängern bewahrt, besser noch: diese eingespielten Bausteine ausgewogen und gewandt aufeinander abgestimmt arrangiert. Er nimmt die gewohnheitsmäßigen Yakuza-Intrigen, lässt sie hingegen nicht das Feld anführen, sie dienen lediglich als Rahmen. Er nimmt das umfangreiche Figureninventar, bestehend aus bekannten und neuen Akteuren, lässt alle einen fruchtbringenden Part spielen, ohne, dass die Übersichtlichkeit darunter leiden müsste. Er nimmt das Drama, dass Ichi, seine Freunde und seine Gegner umgibt, ohne es zu übertrieben auszugestalten. Er betont Ichis Talent mit dem Schwert, zollt jedoch seinem Seelenleben, seiner gutherzigen und den weltlichen Freuden zugeneigten Persönlichkeit, sowie seinem tiefen Bedauern, wenn er gezwungen wird ein Menschenleben zu nehmen, Respekt. Und er nimmt die furiosen Fecht-Szenen, platziert sie an opportuner Stelle, wo sie der Geschichte vollauf nützen und einen sinnvollen Kulmination bedeuten. "Zatôichi kyôjô-tabi" ist ebenfalls einer der lebendigsten Beiträge zur Reihe, der die sommerliche Hitze und die üppigen, saftigen Wiesen gekonnt in seine Inszenierung einbindet und an dem man das erste Mal merkt, dass es eine Bevölkerung gibt, die ihr Leben ungeachtet der Yakuza-Welt lebt. Nicht zu vergessen: Makiura Chishis bestechende Kameraarbeit. Die einzige Einschränkung, die ich machen würde, ist die, dass er besser im Kontext der vorangegangenen Filme funktioniert denn als eigenständiges Werk, etwa in Bezug auf Otane. Ansonsten: großartig! (8,5)

Hat jemand meine Braut gesehen? [Has Anybody Seen My Gal(1952)

Was der Himmel erlaubt [All That Heaven Allows(1955)
Douglas Sirks maßgebliches, überlebensgroßes, bewundernswert kraftvoll bebildertes Melodrama, eine Inspirationsquelle für eine Vielzahl von Filmemachern und eines der überwältigendsten Liebesdramen der Filmgeschichte, ein aufwühlendes, einzigartiges Meisterwerk, eine vergällende Abrechnung mit der bigotten High Society amerikanischer Kleinstädte, ein Plädoyer für den Menschen, für den Mut, sich für sich selbst entscheiden und leben zu können und zu dürfen, ohne Rücksicht auf die spießerischen Ansprüche und Vorschriften der anderen nehmen und ihnen gerecht werden zu müssen. Sensationelle Leistung von Jane Wyman. (9,5)
Shinjuku Killers [新宿黒社会 チャイナ マフィア戦争 Shinjuku kuroshakai: Chaina mafia sensô (Shinjuku Triad Society)] (1995)
Miike Takashis mehr oder weniger erster "echter" Kinofilm (je nachdem, wie man "Daisan no gokudô" einordnet) nach einer langen Phase, während der er ausnahmslos für das V-Cinema tätig war. Es fällt mir etwas schwer, Miikes Werk in Unkenntnis seiner V-Cinema-Produktionen und aus der sensationslüsternen Perspektive eines Europäers, der aus purer Unkenntnis dazu tendiert, Miikes Filme auf ihr Gewalt- und Tabubruch-Potenzial zu beschränken, in einen umfassenderen stilistischen und motivischen Kontext einzuordnen, speziell hinsichtlich seines Frühwerks. Im Falle von "Shinjuku kuroshakai: Chaina mafia sensô" bleibt mir daher nichts anderes übrig als ihn faute de mieux an "Dead or Alive: Hanzaisha" (s.o.) zu messen, der über nicht zu verleugnende Parallelen gebietet, obgleich "Shinjuku kuroshakai: Chaina mafia sensô" bei Weitem nicht die gleiche Flamboyanz zur Schau trägt. Die Tendenz ist fraglos erkennbar, augenfälliger sind sich die grobe Story und handelnden Personen frappierend ähnlich: die außenstehenden Triaden, die nachdrücklich und alles andere als zimperlich in den Raum der Yakuza vordringen, der korrupte, mit Vorsicht zu genießende, den Gangstern wesensverwandte und selbst einem ausländischen Hintergrund entstammende Polizist, Familien und Ersatzfamilien, sowie von der Norm abweichende sexuelle Neigungen. Kurzum: Außenseiter und Abweichler die ihren Platz suchen, nirgends wirklich dazu gehören, sich folglich in die Lücken drängen. Miike zeigt sich hierbei deutlich dem Schicksal seiner Misfits zugeneigt, der Krimi-Aspekt wird zur Nebensächlichkeit, was sich allerdings anhand des uneindeutigen Gut-Böse-Schemas, beziehungsweise der Frage, wem die Sympathien des Publikums gehören, schwierig gestaltet hätte - und auch uninteressant gewesen wäre. "Shinjuku kuroshakai: Chaina mafia sensô" ist in dieser Hinsicht eine faszinierende Erfassung der "Black Society", der Menschen und Geschehnisse am Rande der Gesellschaft, die in ihren Augenwinkeln existieren und agieren, weil sie nicht in das einheitliche Konzept des akzeptieren Konsens passen, allerhöchsten geduldet, jedoch nicht gern gesehen. Schwierig. (7)

Zatoichi on the Road [座頭市喧嘩旅 Zatôichi kenka-tabi(1963)
Im Vergleich zu "Zatôichi kyôjô-tabi" weniger bemerkenswertes, demungeachtet immer noch unterhaltsames jidai-geki eiga. Ichi auf einer Eskortierungs-Mission, einer holden Jungfrau zu Diensten, die es auf einem Road Trip nach Edo zu geleiten gilt, heißt zunächst, dass es einen regen Schauplatzwechsel gibt (im Gegensatz zu dem einzelnen Dorf, beziehungsweise den maximal zwei Dörfern, in denen sich die Handlung vormaliger Teile bislang abzuspielen pflegte), unterdessen die Lokalitäten im Großen und Ganzen die Gleichen bleiben (Gasthäuser, Oyabun-Residenzen, baufällige Straßenzüge etc.). Wie man sich denken kann, macht das Ichis und seiner Schutzbefohlenen, die, wie könnte es anders sein, einen Narren an Ichi gefressen hat, Odyssee frappant handlungsorientiert, eine etwaige dramatische Gravitas sucht man hier vergebens. Die Gegenspieler führt Yasuda Kimiyoshi daneben gewissermaßen en passant ein, ein ähnlich markanten Endgegner wie in den Vorgängern findet sich in der Folge nicht darunter, wenigstens Fujiwara Reikos Hisa hinterlässt einen bleibenden Eindruck, ihre Wankelmütigkeit mutet dahingegen willkürlich an. Wie gesagt: "Zatôichi kyôjô-tabi" ist gutsitzende schwertschwingende Unterhaltung, bloß nicht das Beste, was der Zatoichi-Zyklus zu bieten hat. Dafür findet man hier einen der schönsten Momente der Reihe: wenn Ichi Mitsu beim Abschied ihr Tuch, dass sie verloren hatte, für einen kurzlebigen Augenblick zurückgeben möchte, einen verheißungsvolle Sekunde zögert und es aus Sentimentalität, als Erinnerungsstück doch behält. (7)

Rashomon - Das Lustwäldchen [羅生門 Rashômon (Rashomon)] (1950)
Noch ein wegweisendes Meisterwerk, Kurosawa Akiras sagenhafte, brillante Meditation über Wahrheit, Realität und Perspektive, der die unterschiedlichen Blickwinkel auf dieselben Geschehnisse geschickte variiert, so dass unmöglich jede Version korrekt sein kann, dennoch auf ihre Weise wahres aussagt, zumeist eher über die beteiligten Personen als über die Tat selbst, wodurch er eine substantielle, tiefgründige Aussage zur Problematik eindeutiger, einseitiger Wahrheiten trifft. Grandios! Am besten im Double Feature mit Sidney Lumet "12 Angry Men" gucken. (9)

Zatoichi and the Chest of Gold [座頭市千両首 Zatôichi senryô-kubi(1964)
In Zatoichis mittlerweile sechsten Abenteuer bringt Regisseur Ikehiro Kazuo eine Prise zusätzlicher Härte ins Spiel: mancherorts spritzt der rote Lebenssaft zeigefreudiger, eine Foltersequenz gibt es ebenso zu bewundern. Das passt zur Abenteuer- bzw. Actionlastigkeit des Gezeigten, das zu Gunsten des Unterhaltungsfaktors den Drama-Teil drastisch einkürzt. Die grob umrissene Fehde Chujis, der lokalen Dorfbevölkerung aufrechter Lieblings-Yakuza und Volksheroe (natürlich ein alter Bekannter Ichis), gegen Monji, einem Erfüllungsgehilfen des Oberfieslings, sowie der Groll der Schwester eines von Ichi in Notwehr getöteten Yakuza-Handlangers spielen bestenfalls eine marginale Rolle. Im Mittelpunkt stehen stattdessen die Schauwerte, das Ringen um die eponyme Gold-Ladung, die nahezu comichaft niederträchtigen Antagonisten und die spektakelreichen Kämpfe. Katsu Shintarô landet zur Abwechslung nicht zwischen den Fronten zweier rivalisierender Yakuza-Klans (die erwähnte Chuji-Monji-Feindschaft bleibt vernachlässigbar), sondern stellt sich fälschlich des Diebstahls bezichtigt dem gierigen, tyrannischen Magistraten entgegen, der danach trachtet, die Bauernschaft um ihre mühsam zusammengetragenen Steuerabgaben zu betrügen. An dessen Seite findet sich für den Endkampf reserviert und mit einer Peitsche bewaffnet erneut Katsus Bruder Wakayama Tomisaburô (in einem anderen Part), der die überzeichneten Widersacher prächtig ergänzt. Unterm Strich ist "Zatôichi senryô-kubi" somit schnelle, mitreißende Kurzweil, deren ereignisreichen 80 Minuten, binnen derer Ichi fleißig sein Schwert zücken darf und erhobenen Hauptes das Recht des kleinen Mannes gegenüber der selbstsüchtigen Obrigkeit verteidigt, wie im Fluge vergehen. (7,5)

















28 - 7,2 (202,0)

Montag, Februar 18, 2019

Kurzreviews Januar/I/2019

Hiermit präsentiere ich, wie versprochen, die üppige Januar-Reviewliste, die dank einem der übelsten Infekte, die mich je befallen haben, schlappe 30 Filme und magere 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe, sowie noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Januar gesehen habe, umfasst. Allein fünf davon gehen auf das Konto Fukasaku Kinjis legendärer und durch und durch großartiger "Battles Without Honor And Humanity"-Reihe, die ich mir endlich zur Brust genommen habe - wofür ich dem Infekt glatt dankbar bin. Viel Spaß beim Lesen!


Serien-Staffeln
Who Is America? (Season 1) (2018) (7-9)
Star Trek: Deep Space Nine (Season 5) (1996-1997) - (10)

Filme
Mandy (2018)
Drive Angry 2001: A Cage Odyssee. Ein Bilderrausch, in beiden Kategorien wortwörtlich zu verstehen: George Cosmatos Sprössling Panos Comatos schickt Nicolas Cage in einen rauschartigen, implizierten Drogen-Rachetrip durch die Hölle, eine rein visuelle Raserei, eine Aneinanderreihung von betont bildhaften, traumgleichen Sequenzen, die gen Ende apokalyptische Ausmaßen annehmen. Ob das einen tieferen Sinn in sich birgt, zur Entschlüsselung der Bilder einlädt, wird zur Nebensache. Sonderlich nahrhaft würde ich persönlich das Ergebnis nicht nennen, maximal ist "Mandy" eine Arthaus-mäßige Spielart zu "Drive Angry", ohne jemals dessen Spaßfaktor zu erreichen. Drogen intus mag mögen das freilich anderweitig beeinflussen. (6)

True Romance (1993)
Fand ich den in Teenager-Jahren geil! Inzwischen sind die Jahre ins Land gezogen und so begeistert wie seinerzeit bin ich von Tony Scotts/Quentin Tarantinos nostalgischer Gangster-Romanze nicht mehr, unterhaltsam würde ich sie nach wie vor nennen. "True Romance" ist zuvorderst unverkennbar das Produkt des 90-Jahre-Schaffens der beiden Herren, voller popkultureller Referenzen von Elvis bis John Woo, mit demonstrativ "coolem" Figureninventar bestehend aus lässigen Gangster, abgebrühten Killern und solchen, die es werden wollen, allesamt furchtbar geschwätzig und in geleckter Optik ins rechte Licht gerückt. Am besten funktioniert der Film hiergegen immer dann, wenn er seinen Gaststars Raum gibt (Gary Oldman, Dennis Hopper, Christopher Walken), sowie in den stilisierten Gewalt-Eruptionen, davon ab ist das reine Makulatur in schnieken Bildern. (7)

BloodRayne (2005)
War Uwe Boll überhaupt zu irgendeinem Zeitpunkt am Set anwesend? In keiner Szene lässt sich vermuten, dass ein sachverständiger Filmemacher gleichgültig wann geistig oder körperlich gegenwärtig gewesen sein könnte, dass irgendjemand dieser lustlos runtergeleierten Aneinanderreihung von Bildern und Gore-Dreingaben eine Richtung geben wollte. Alles wirkt, als ob die Kameras während des ersten, miserablen Probe-Takes schlechtweg mitgelaufen sind, angefangen bei den traurig aufspielenden Mimen (selbst solche, die es besser könnten), über die lachhafte Kampf-Choreografie, bis hin zu den selbstzweckhaften, gelangweilt hingerotzten Splatter-Einschüben. Selten hat Boll seine Verachtung für das Ursprungsmaterial deutlicher zu Tage treten lassen. (1)

Marie Brand und der Reiz der Gewalt (2019)
Will viele, möglicherweise zu viele Themen anschneiden, um sie innerhalb eines 90-Minuten-Limits zufriedenstellend abzuhandeln. Obschon durchaus ambitioniert für's deutsche Fernsehen kann dergestalt vieles höchstens angerissen werden, ohne einen vernünftigen Abschluss zu finden. (6,5)

Game Night (2018)
Boardgames are awful. Stimmt natürlich nicht. Aber so sehr schert sich "Game Night" im Grunde nicht um seinen Aufhänger des Spieleabends (der über blassen Standards nie hinauskommt). Wichtiger sind ihm seine Protagonisten, ihr Miteinander, ihre Konflikte, aus denen sich selbstverfreilich das Gros der Komik nährt. Und das bereitet vermöge der liebenswerten Charaktere (Rachel McAdams *herz*) ersprießliches Vergnügen, zuzüglich des ein oder andere netten Twists, wobei ein stärkerer Hang zu Verrücktheiten à la "Clue", welche sich ihrem Brettspiel-Sujet bereitwilliger und spielerischer hätten widmen dürfen, ihm mit Sicherheit gut zu Gesicht gestanden hätten. (6,5)

Victor Frankenstein - Genie und Wahnsinn [Victor Frankenstein(2015)
Weder Genie, noch Wahnsinn, schlicht ein weiterer gescheiterter Versuch, Frankensteins Drama für die Moderne aufzumotzen - was Paul McGuigan als Ausrede verstanden zu haben scheint, einen Marsch über den Rummelplatz, eine Fahrt in einer Achterbahn-/Geisterbahn-Kombination zu veranstalten, sprich: viel reißerische Oberfläche, null Substanz. Sein manierierte "Sherlock"-Stil unterstreicht das in unübersehbarer Deutlichkeit, macht offenkundig, dass er sich nicht sonderlich schert um das Schicksal seiner Charaktere, die Bromance zwischen Igor und Frankenstein oder den Konflikten von Ethik und Moral, Religion und Hybris, Genie und Wahnsinn, Themenkomplexe, die allesamt halbherzig aufgegriffen und stante pede liegen gelassen werden. Schade um James McAvoy und Daniel Radcliffe. (3,5)

Zombie Massacre (2013)
Was für ein grottenöder Zombie-Actionfilm, inklusive Cameo von Produzent Uwe Boll. (1,5)

Hilfe, Dinosaurier! [Adventures in Dinosaur City(1992)
Ay, ay, ay, diese Filme, die man in der Kindheit derart oft gesehen hat, das sie einem nachgerade in Fleisch und Blut übergegangen sind, von denen man im Erwachsenenalter merkt, dass sich das Gesehene regelrecht ins Gedächtnis eingebrannt hat. "Adventures in Dinosaur City" ist einer dieser Kandidaten in meinem Fall, einer, der eine gehörige Zeit lang mein Unterbewusstsein heimsuchte, bevor ich (mit etwas Hilfe) endlich in der Lage war, ihn aufzustöbern. Und was für ein schönes Wiedersehen das war! Zweifelsfrei kommt er über den Status eines ganz und gar kindgerechten Abenteuers, naiv und simpel in seiner Dramaturgie, sowie der Darstellung anthropomorpher Dinosaurier, stupider Höhlenmenschen und schrulliger Sci-Fi, nie hinaus. Das tut dem Spaß demgegenüber keinen Abbruch, kuschelt sich viel mehr wohlig mit mir unter meine gemütliche Nostalgie-Decke. (Dicker Kindheitsnostalgie-Bonus: 8)

Auslöschung [Annihilation(2018)
Sci-Fi made by Netflix. Auf der einen Seite präsentiert uns Alex Garland eine chic fotografierte Odyssee, ein kreatives, fremdartiges Design und einen willkommen entschleunigten Erzählstil, ein bisschen "Solaris" hier, ein wenig "Stalker" da. Auf der anderen übt er sich in einer heiklen Gratwanderung zwischen grüblerischer Science-Fiction und introvertierter Bewältigung verschiedener Konflikte der Protagonistinnen, insbesondere tödliche Krankheiten bzw. Krebs betreffend. Das geht soweit, dass sich der Science-Fiction-Anteil vermehrt auf ein Minimum reduziert, der Handlungsraum zu einer nach Außen gestülpten kollektiven Innenansicht der Beteiligten wird, bis sich das, was man als realen Raum ansehen mag, vollständig aufzulösen scheint, die Umgebung die Handelnden beinahe vollständig absorbiert. Zumindest wirkte er dergestalt auf mich. Fraglos bietet "Annihilation" hinreichend Anknüpfpunkte für eigene Interpretationen, immerhin behält es sich Garland vor, vielen Dingen ihre Uneindeutigkeit zu lassen. Was für mich den größten Kritikpunkt darstellt: die Tendenz vage zu bleiben, sich nicht auf eine Richtung festzulegen, großräumig anzudeuten, jedoch nie konkret zu werden, öffnet selbstredend Tor und Tür für Deutungsversuche aller Art, drückt sich dahingegen davor, einen klaren, festumrissenen Bezugspunkt zu schaffen und diesen auch zu vertreten. Drum lässt einen "Annihilation" zum Schluss rätselnd zurück, was genau man von ihm mitnehmen könnte. (7)
Cam (2018)
Der absonderlichen Welt der Cam-Girls nähert sich Daniel Goldhaber auf beinahe Cronenberg'sche Weise an, indem er seine Hauptfigur in Konflikt mit ihrem anamorphotischen Spiegelbild, ihrer Web-Persona geraten lässt, ganz konkret manifestiert dadurch, dass er letztere von ihrer Quelle, dem wahren Menschen hinter der gespielten, den Fans gefälligen Internet-Performance, trennt und autark agieren lässt. Ein Kontrollverlust, ein Peter Pan-artiges Ringen mit dem eigenen Schattenbild, dem eigenen Zerrbild, eine Konfrontation mit dem anderen Ich. Goldhaber geht hierin zweifelsohne kaum in die Tiefe, sondern entwickelt diesen Zwiespalt als zurückhaltendes Drama. aber in erster Linie als Thriller, der gleichzeitig eine merkwürdige Neugierde für die nicht minder merkwürdige Welt seiner Zentralfigur erkennen lässt, ohne jemals unangenehm voyeuristische Ausmaße anzunehmen. Ebenso verweigert er sich einer eindeutigen moralischen Abstrafung des Gezeigten, obgleich es naheliegend scheint, den Kampf zwischen Madeline Brewers Alice und ihrem Cam-Girl Alter Ego Lola solchermaßen auszulegen, dass sie durch die ihr aufgezwungene Lösung von und Reflektion durch ihre Persona zu der Erkenntnis gelangt, sich selbst in dieser Rolle nicht ertragen zu können, sich dadurch zu Dingen gezwungen sieht, denen sie sich zuvor stets verweigert hat. Die Konsequenz: die Zerstörung des anderen Ichs – allerdings nur, um letztendlich in neuer Gestalt in alte Muster zurückzukehren, möglicherweise obendrein mit einem neu erwachsenen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Ein neuer Anfang also, keine Läuterung. (7)

The Guilty [Den skyldige(2018)
Ein Mann, ein Raum, eine Verbindung zur Außenwelt. Der Rest ist Kopfkino. Mehr benötigt Gustav Möller nicht, um auf staunenswerte Art und Weise aus diesem minimalistischen Rahmen die größtmögliche, sich beständig steigernde Spannung und Intensität zu beziehen und die Vorstellungskraft des Zuschauers allein durch das Gehörte ungeahnt zu stimulieren, ihn zu involvieren und zu packen. Gleichwohl nutzt er das optische Element, das keineswegs zur Nebensache wird, geschickt zur Akzentuierung des Geschehens, konzentriert sich vollends auf seinen Hauptdarsteller, seine Reaktion, seine Entwicklung, seinen Kampf gegen die eigenen Dämonen. Erstklassig! (8,5)

Der Powerman [快餐車 Faai Caan Ce (Wheels on Meals)] (1984)
Neue Wertung: (8)

Club War [Troma's War(1988)
Wenn Michael Herz und Lloyd Kaufman "Lost" verfilmt hätten... gewohnt hingebungsvoll derb taktlos, genüsslich Grenzen des guten Geschmacks übertretend (Señor Sida...), eine Actionfilm-Groteske weit abseits von Gut und Böse, gänzlich dem Wahnsinn verfallen. Kurz: Grandioser Trash-Spaß aus dem Hause Troma! (Trash-Skala: 8)

Schwerter des Königs - Dungeon Siege [In the Name of the King: A Dungeon Siege Tale(2007)
Eine Rezeptur die Böses verspricht: Uwe Boll + Videspielverfilmung + Überlänge + ein für Bolls Verhältnisse üppiges Budget. Dass der Film wider Erwarten nicht in einem absoluten Debakel geendet ist, als Fantasy-Film sogar passabel unterhält, mache ich an zwei Punkten fest: erstens an Jason Statham, der sich selbst in den miserabelsten Machwerken ein Mindestmaß an Charisma bewahrt, zweitens an 2nd Unit Director Siu-Tung Ching, der, davon gehe ich aus, die gar nicht so üblen, ansehnlich choreografierten Action- und Kampfszenen inszeniert haben dürfte, was ihm um Welten besser gelingt als Boll, dessen mangelndes Talent in allem abseits der Action hingegen wieder zu Tage tritt. (6)

Southbound - Highway to Hell [Southbound(2015)
Manierlicher Anthologiefilm mit brauchbarer auswegloser Grundstimmung, von dem indessen höchstens die Krankenhaus-Episode im Gedächtnis bleibt. (6)

Der Seidene Faden [Phantom Thread(2017)
Mir scheint, bei Paul Thomas Andersons Filmen entwickle ich ein ähnliches Problem wie bei Wes Anderson: ich erkenne an, dass sie im Grunde ihres Herzens toll gemacht sind, Hingabe und Willen zur Kunst beweisen, nur können sie mich auf Teufel komm raus nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen, erfassen mich nie aufgrund der Ausgestelltheit ihrer künstlerischen Schöpfung. "The Phantom Thread" will ich das nicht zu sehr anlasten, er ist in seiner Sonderbarkeit ziemlich großartig und bewundernswert, erzählt ausgesprochen individuell von einem Geschlechterkampf, von schwierig zu handhabenden Menschen, von einer eigentümlichen Beziehung und von einer widerspenstigen Zähmung. Das ist erlesen gefilmt und gespielt, holt mich bloß, wie gesagt, aus einem schwer zu fassenden Grund nicht hundertprozentig ab. (8)

Fifty Shades of Grey - Befreite Lust [Fifty Shades Freed(2018)
Spielt diese pseudo-skandalöse SM-Sache (ihr wisst schon, diese eine Sache, weswegen die Reihe vormals die Gemüter warum auch immer überhaupt erst erhitzte, die ihr womöglich den einsamen, schwachen Anflug von Legitimität verlieh) überhaupt noch eine Rolle? Die wohl langweiligste, lustloseste (zu keiner Sekunde bekommt man den Eindruck, dass irgendeiner der Beteiligten Bock auf den Film hatte) Soundtrack-Promo ever. Könnte tatsächlich imstande sein, den bereits sagenhaft lustlos langweiligen zweiten Teil noch zu unterbieten... eine bemerkenswerte Leistung. (1)

Blutiger Sommer - Das Camp des Grauens [Sleepaway Camp(1983)
Ein weiterer herkömmlicher "Friday the 13th"-Epigone ohne nennenswerten Qualitäten? Oder reicht der dezent berühmte finale Twist aus, um ihn über Genre-Kollegen zu erheben? Meine persönliche Meinung: "Sleepaway Camp" verbindet das betrübliche Schicksal des Killers, seine Probleme mit seiner Identität und die aus dieser Irritation resultierenden problematischen Reaktionen auf seine Umgebung auf recht interessante Weise, sodass die verhältnismäßig ausgiebig dargestellten Vorkommnisse im Camp, die sich die meiste Zeit genau genommen weniger um die relativ unspektakulären, blutarmen Morde, mehr um das Miteinander der Camp-Mitglieder drehen, zum zentralen, integralen Teil dessen werden, was den Killer und seine Motivation ausmachen. Auf jeden Fall besteht zwischen beiden Teilen eine bedeutend stärkere, ausdrücklichere Verbindung im Vergleich zu den meisten anderen Slasher-Vertretern seiner Zeit, was ihn ganz gewiss gegenüber diesen auszeichnet (6,5)

The Mutilator (1984)
Bleiben wir bei den Slashern. Im Großen und Ganzen ein der Gewohnheit entsprechender Genre-Repräsentant, eine überschaubare Zahl jungspundiger Opfern, ein lauernder, erbarmungsloser Killer und kreative, äußert brutale und ins Detail gehende Mord-Szenen, die dem Titel alle Ehre machen. Größtenteils überraschungsfrei überzeugt "The Mutilator" nichtsdestotrotz als Genre-Ware, ist handwerklich einwandfrei und stimmungsvoll finster. (6,5)

Aftermath (2012)
Okayer, mit bescheidenen Mitteln realisierter Endzeit-Film, der das Beste aus dem macht, was er hat, dem Thema angemessen trostlos und fatalistisch zu Werke geht. (5)

Die Braut des Teufels [The Devil Rides Out(1968)
Christopher Lee zur Abwechslung in der Rolle des Streiters für die Mächte des Lichts, der sich und seine Freunde vor einem sinisteren Hexenmeister (eindrücklich bedrohlich: Charles Gray) und dessen Zirkel bewahren muss. Ein modernerer Grusler aus Hammers Hand, des ungeachtet kaum weniger dem Okkulten und schwarzer Magie verpflichtet, das Studio-Habitué Terence Fisher gewohnt atmosphärisch, mit einigen adretten Special Effects effektvoll in Szene setzt. (7)
Planet des Schreckens [Galaxy of Terror(1981)
Roger Cormans "Alien"-Ripoff vereint zunächst einmal die ein oder andere Persönlichkeit vor und hinter der Kamera, etwa Robert Englund und Sid Haig bei den Darstellern, unterdessen sich niemand geringerer als James Cameron für das beeindruckende Production Design verantwortlich zeichnet. Abgesehen davon hat Bruce D. Clark einen zugegeben reißerischen Exploiter fabriziert, der andererseits durch seine psychologische Komponente und nicht zuletzt die darin begründet liegende finstere, abgründige Atmosphäre in seinen Bann zu ziehen und zu gefallen weiß. Mag sein, dass die Viren in meinem Körper mich das alles haben intensiver wahrnehmen lassen, doch für einen B-Sci-Fi-Psycho-Horror hat mir "Galaxy of Terror" ausgezeichnet gefallen. (B-Movie-Skala: 7)

Battles Without Honor and Humanity [仁義なき戦い Jingi naki tatakai] (1973)

Battles Without Honor and Humanity: Deadly Fight in Hiroshima [仁義なき戦い 広島死闘篇 Jingi Naki Tatakai: Hiroshima Shitō-hen(1973)
aka "Hiroshima Death Match". Die Perspektive verlässt vorerst die Szenerie des Vorgängers, widmet sich einem anderen, daneben existierenden Konflikt und neuen Figuren, erweitert dadurch das Spektrum nicht unerheblich, legt zudem den Grundstein für die ansteigend an Komplexität gewinnenden Ereignisse der folgenden Teile der Saga. Zugleich macht er Sugawara Buntas Hirono Shozo zum Nebendarsteller in seiner eigenen Filmreihe, an seiner statt wird Kitaoji Kinyas tragisches Los in den Mittelpunkt gerückt, dessen Aufstieg und Niedergang binnen der Yakuza-Ränge, sowie dessen hoffnungslose Liebe zu Kaji Meikos Uehara Yasuko ihn zu einem besonders beklagenswerten Subjekt und Opfer seiner Zunft machen. "Hiroshima Shitō-hen" gerät somit zum mitunter tragischsten, persönlichsten Beitrag innerhalb Fukasaku Kinjis "The Yakuza Papers". (8,5)

Violent Cop [その男、凶暴につき Sono otoko, kyôbô ni tsuki(1989)
Kitano Takeshis Regie-Debut. Ob und inwiefern das ein "echter" Kitano ist, darüber lässt sich mit Gewissheit streiten, schließlich übernahm Kitano den Regie-Posten bloß von Altmeister Fukasaku Kinji, änderte ferner das Drehbuch dahingehend ab, dass das Endergebnis nicht in der ursprünglich angedachten Komödie, sondern in einem waschechten Cop-Drama mündete, in welchem er einen "Dirty Harry"-artigen Cop spielt, der infolge seines Unvermögens, sich anderweitig auszudrücken, zu heftigen Gewaltausbrüchen neigt. Das verfügt unweigerlich über Kitano-typische Manierismen, ist wunderbar gegen den Strich gebürstet und zeugt schon hier vom seinem schlummernden Regie-Talent. So oder so bedeutete es den Beginn von Kitanos Karriere eines ernstzunehmenden Filmemachers. (7,5)
Battles Without Honor and Humanity: Proxy War [仁義なき戦い 代理戦争 Jingi naki tatakai: Dairi sensô(1973)
Wofür die beiden Vorgänger die Saat ausgestreuten, trägt nun allmählich Früchte: die mit jedem Teil mühseliger zu überblickende Fülle an Schauplätzen, Gruppierungen, Untergruppen, Akteuren und Betroffenen offenbart eine breit gefasste Palette an Yakuza-Querelen, die hier durch ihre eponymen Stellvertreterkriege zudem an den gefährlich schwelenden Konflikt zwischen den Supermächten USA und Russland im Kalten Krieg gemahnen, deren Konflikt gleicherweise mehr Kollateralschäden als Nutzen für beide Seiten zu verantworten hatte. Für Sugawara Buntas Hirono Shozo bedeutet "Dairi sensô" die Rückkehr in das Auge des Sturms, wo er sich zwischen allen Fronten wiederfindet, des Weiteren dank seines zumindest im unmittelbaren Vergleich scheinbar halbwegs lauteren Charakters zu einem der wenigen verbleibenden Orientierungspunkte in diesem unüberschaubaren Wirrwarr an Intrigen, Winkelzügen, wechselnden Loyalitäten und eiskalt durchgeführten Attentaten wird, ein Orientierungspunkt an dem man sich als Zuschauer inzwischen verzweifelt klammert. (8)

Karate Bullfighter [けんか空手 極真拳 Kenka karate kyokushinken (Champion of Death)] (1977)
In etwa für Masutatsu Ōyama, was "Ip Man" für Yip Man war, sprich: hauptsächlich Beweihräucherung und Legendenbildung ohne tiefergehende kritische Auseinandersetzung. Gut, das war von einer Verfilmung eines Mangas, der bereits ein Hohelied in Verkleidung unkomplizierter Unterhaltung anstimmte, nicht anders zu erwarten, zumal Masutatsu höchstselbst den Filmemachern beratend zur Seite stand, derweil sein Schüler Sonny Chiba in die filmisch-biografischen Fußstapfen des Lehrers trat. Löblich anzumerken sei, dass der Versuch unternommen wurde, keinen anspruchslosen Martial-Arts-No-Brainer vorzulegen, stattdessen neben den Kampfeinlagen der charakterlichen Entwicklung der Titelfigur gebührenden Respekt zu zollen. Ein hehres Anliegen, das hingegen rasch unter der kitschigen Oberflächlichkeit des Gezeigten verschwindet, keinen organischen Reifeprozess offenlegt, sondern einzelne Episoden von mal mehr, mal weniger großer Tragweite aneinanderreiht, dessen emotionale Höhepunkte untermalt von melodramatischen Gesangseinlagen vergleichsweise einfache Lösung für komplexe Probleme bieten. Machen wir uns nichts vor: Masutatsu in "Karate Bullfighter" bleibt ein Actionheld, dem ein wenig Drama spendiert wurde, der am Schluss dennoch schlag- und trittkräftig gegen die Bösen auszuteilen hat. Mehr nicht. (6)

Battles Without Honor and Humanity: Police Tactics [仁義なき戦い 頂上作戦 Jingi naki tatakai: Chôjô sakusen(1974)
Die Zwistigkeiten setzten sich fort und wie bei jedem Teil der "Yakuza Papers"-Saga verliert man zu Beginn erst mal gehörig den Überblick über das Geschehen, wer mit wem, wie, wann, warum und aus welchem eigentlichen Grund, bis sich wie üblich der Nebel zusehends lichtet und man neuerlich den Durchblick einigermaßen zurückgewinnt. Ergänzend zu den aus den Vorgängern bekannten Konflikten steigt in "Chôjô sakusen" im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio (1964) erschwerend der öffentliche Druck auf die Polizei, dem Treiben der Yakuza endlich einen Riegel vorzuschieben. Die verstärkten Maßnahmen der Einsatzkräfte zur Einschränkung der durch die Banden-Kriege verursachen Gewalttaten begrenzen anwachsend Aktionsmöglichkeiten und -Spielraum der einzelnen Klans und Akteure gehörig, vermögen demungeachtet deren Aktivitäten und kriminellen Machenschaften niemals endgültig zu beenden, drängen sie bestenfalls in den Schatten zurück, aus dem sie gekommen sind. Schlimmstenfalls eröffnen sie diesem oder jenem intriganten Schachzug sogar willkommene neue Optionen. Ein trauriges Wechselspiel. (8,5)

Battles Without Honor and Humanity: Final Episode [仁義なき戦い 完結篇 Jingi naki tatakai: Kanketsu-hen(1974)
Das große Finale von Fukasaku Kinjis "Yakuza Papers"-Epos schlägt spürbar nachdenkliche, sorgenschwere Töne an, legt ein entsprechendes Tempo vor, kommt in toto wie ein kummervoller Abgesang rüber. Die ältere Riege der Yakuza, die bisherigen Akteure, Protagonisten und Antagonisten, nehmen nach und nach ihren Hut, die einen gehen in den Ruhestand, die anderen finden wenig überraschend ein gewaltsames Ende. Eine jüngere Generation steht heißblütig in den Startlöchern und droht die Fehler ihrer Vorgänger gedankenlos zu wiederholen, unfähig zur Reflektion. Einige wenig versuchen die Klans zu einen und für eine neue Zukunft zu wappnen, die sich unter gänzlich anderen Vorzeichen am Horizont abzeichnet. Den tragenden Figuren wie Hirono Shozo scheint bewusst geworden zu sein, wie fruchtlos und nichts als zerstörerisch all die Quertreibereien und Gräueltaten letzten Endes gewesen sind, wie viele sinnlose Opfer sie gefordert haben, wie weit man sich vom ursprünglichen Ziel, ein zufriedenstellendes Leben zu führen, entfernt hat.
Ein guter Zeitpunkt, um abschließende Worte über die gesamte Reihe zu verlieren: in meinen Augen hat Fukasaku ein Meisterstück des japanischen Kriminalfilms im Allgemeinen, des Yakuza-Filmes im speziellen geschaffen, eine komplexe Saga, deren einzelne Filme man nicht für sich betrachten, sondern als Teil eines fünfteiligen Epos verstehen und sehen sollte und muss. "Battles Without Honor and Humanity" zeichnet ein eindrückliches und zutiefst bitteres Bild der Yakuza in Hiroshima über einen Zeitraum von einem Vierteljahrhundert, vermeidet durch Fukasakus jitsuroku eiga-Stil scheinheilige Heldenverehrung, ebenso wie Beschönigung der Taten der Yakuza und ihrer Mitglieder, legt viel mehr die Sinnlosigkeit der Gewalt, des Mordens und des Sterbens schmerzhaft offen. Nicht weniger als ein Meisterwerk, inhaltlich und stilistisch gleichermaßen. Die abschließende Bewertung bezieht sich deshalb auf die gesamte Reihe: (9)

Boiling Point [3-4X10月 3-4 x jûgatsu(1990)
Bereits Kitano Takeshis zweite Regie-Arbeit bezeugt seinen Hang zum grotesken, surrealistischen. In "Boiling Point" amalgamiert Kitano eine wilde Mischung aus Themen, die künftig den Großteil seines Œuvres konstituieren sollten: Sport, Alltäglichkeiten, Zuneigung, die keiner Worte bedarf, Yakuza, Soziopathen und plötzliche Akte der Gewalt, alles findet sich in einem wirren, teilweise auf absonderliche, schwer fassbare Weise urkomischen Strudel wieder, der so abstrus, so irreal daherkommt, das ich nicht umhinkonnte, mich unversehens in ihm zu verfangen. (8)
















30 - 6,5 (194,5)

Freitag, Februar 01, 2019

Kurzreviews Dezember/2018

Was für eine schwere Geburt, was für ein anstrengender Januar. Es entspricht leider der Wahrheit, ich war den gesamten Monat wieder mal vollkommen ausgelastet, habe wieder mal keine zeit für die recht üppige Dezember-Liste frei machen können. Doch ein fieser, schwerer Infekt, der mich mit einer Heftigkeit wie keiner jemals vor ihm vollauf und markerschütternd geplättet und ans Bett gefesselt hat, gab mir die Zeit und den Freiraum, mich den fehlenden Zeilen dieser Review-Liste zu widmen - und lieferte mir einen noch üppigeren Schwall an Filmen für die Januar-Liste, aber dazu kommen wir noch....
Zunächst präsentiere ich wiederum die 24 Filme und 4 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Dezember gesehen habe:


Serien-Staffeln
Father Ted: A Christmassy Ted  (1996) (7,5)
Father Ted (Series 2-3) (1996, 1998) (7,5-8,5)
Miami Vice - Heißes Pflaster Florida [Miami Vice: Brother's Keeper(Pilot) (1984) (7)

Filme
Zoomania [Zootopia(2016)
Ragt aus dem Gros der Animationsfilme zuvorderst wegen seines Diskriminierungs-/Rassismus-/Vorurteil-Themas hervor, das, verpackt in eine nicht unspannende, wendungsreiche Krimi-Story, für einen Kinderfilm ordentlich vermittelt und verarbeitet wird, obendrein in einer prägnant gestalteten Welt angesiedelt ist, die die Koexistenz und das Zusammenleben der einzelnen Gattungen kreativ inkorporiert, außerdem mit zwei durch und durch sympathischen Protagonisten gesegnet ist. (7)

Die Rache des Michael Myers - Halloween 5 [Halloween 5: The Revenge of Michael Myers(1989)
Fand ich mega-unterhaltsam, allerdings auf unfreiwilliger Basis. Bis auf das untadelige Finale habe ich mich königlich amüsiert über die putzigen Einfälle und Michael Myers Opfer, die sich stolz zu den dämlichsten Exemplaren ihrer Zunft zählen dürfen. Vergnügliche Horror-Komödie! (6)

Rampage - Rache ist unbarmherzig [Rampage(2009)
Uwe Bolls Stammtisch-Demagogie die nächste, der Auftakt zu einer gesammelten Trilogie arrangiert um dieselbige. Nichtsdestotrotz gehört "Rampage" zu den gelungeneren Versuchen Bolls, seine Machwerke in politische Brisanz zu kleiden, mit der vorgeblichen Absicht, sein Publikum frontal anzugehen, zu entlarven und idealerweise, wer weiß, sogar aufzurütteln. In Brendan Fletcher mag er den idealen (nicht unbegabten) Darsteller für dieses Vorhaben gefunden haben, jemanden, der es versteht, Bolls Regie-Anweisungen Form und Ausdruck zu verleihen. Fletcher ist folglich der essentielle Dreh- und Angelpunkt des Films, wird geschickt und profiliert eingeführt, bevor er gnadenlos und kaltblütig an sein Tötungshandwerk geht, was es umso erschreckender macht, diese Person, nachdem man ihr ins Gesicht geblickt, an seinem Leben teilgenommen hat, auf seinem von Leichen gesäumten Weg zu begleiten, dazu verdammt, Zeugnis über seine Taten abzulegen. Selbstredend verbirgt Boll hinter den bestialischen Vorkommnissen seine ureigene politische Agenda, unterdessen schockiert das mitleidlose Abschlachten Unschuldiger selbst ohne diese zu Genüge, um nicht zu einem stumpfen Actionfilm zu mutieren, der etwaigen Voyeurismus oder Gore-Jubler befriedigen würde. "Rampage" ist ebenso wenig unterhaltsam, wie psychologisch sonderlich ausgefeilt, er ist unangenehm und bedrückend in der Kompromisslosigkeit seiner Gewaltdarstellung, sowie der nüchternen Inszenierung. Eines der raren Beispiele, wo Boll halbwegs Kompetenz beweist. Erschütternd! (7)

Rampage: Capital Punishment (2014)
Im Sequel verlegt sich Uwe Boll demonstrativ auf seine sozio-politischen Überlegungen hinter der vordergründigen Gewalt und Abschlachterei, reicht seine Agenda streitlustig qua Sprachrohr Brendan Fletcher überdeutlich an die Zuschauer innerhalb (zu deren besonders affirmativen Exemplaren er sich höchstselbst zählen darf), wie auch außerhalb der Filmhandlung weiter, bringt die ihn üblicherweise aufrührenden himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die Willkür der Reichen und Mächtigen, sowie allgemeinen Probleme mit Gott und der Welt zum Ausdruck, prangert das Establishment, sowie das verlogene, sich selbst betrügende Bildungsbürgertum an, fordert in letzter Konsequenz unverhohlen die gewaltsame, blutige Revolution. Der filmische Aspekt tritt dahinter annähernd vollständig zurück (bei Boll nicht die schlechteste Nachricht), ein bisschen Geballer hier, ein bisschen Trickserei da, indessen seine geistigen Auswüchse hundertprozentig im Vordergrund stehen. (5)

Solo: A Star Wars Story (2018)
Nein, das Han Solo-Prequel stellt sich nicht als die dringend herbeigesehnte, bitternötige Rettung des "Star Wars"-Franchise heraus (nicht, dass ich mit einer Rettung rechnen würde...), auf seine Art hatte ich trotzdem Spaß an diesem flotten, kunterbunten Weltraumabenteuer voller Schurken und Ganoven, Tricks und Winkelzüge, Gaunereien und Betrügereien. Ron Howard, altgedienter Routinier, der er ist, birgt das Spin-Off in einer peppigen Geschichte mit auskömmlichen Schauwerten, bunten Farben und nicht zu penetrant eingesetzter Nostalgie-Koketterie, Alden Ehrenreich gibt optisch einen manierlichen jungen Han Solo (wiewohl höchstens mit einem Bruchteil von Harrison Fords Charisma, Florian Clyde reißt jedoch einiges raus) und die anderen Darsteller tun ihr Übriges dazu. Allerwenigstens fühlte ich mich nicht um meine Kindheitserinnerungen betrogen wie bei "The Last Jedi". (6,5)

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind [Fantastic Beasts and Where to Find Them(2016)
Viele Fans mögen der Potter-Mania hinterhertrauern, aber das hier, das ist fadenscheiniges Cash Cow-Melken der plattesten Art. Brauchte es wirklich ein Prequel? Weiß es bedeutsames zu berichten? Bereichert es das Harry Potter-Universum auch nur im Geringsten? Liefert es den Fans einen entsprechenden Gegenwert für die finanziellen Mittel, die sie sich von den geschäftstüchtigen Studio-Ökonomen (und Joanne K. Rowling) abzwacken lassen? All diese Fragen rücken glatterdings in den Hintergrund angesichts der allzu offensichtlichen Absichten Warners: sowohl die Roman-, als auch die Filmreihe sind zu einem zufriedenstellenden, keine Fragen offenlassenden Abschluss gekommen, indes mit dem versiegen einer ihrer ergiebigsten, eruptiv sprudelnden Geld-Quellen wollen sie sich nicht abfinden, mit der Gewissheit, einer Millionenschaft Fans unvergessliche Erlebnisse und Erinnerungen beschert zu haben, schon gar nicht. Nein, worauf es wirklich ankommt, ist, nochmal einen satten Gewinn aus den unzähligen Harry Potter-Schwärmern herauszuquetschen. Das ist das konzeptuelle Fundament, auf dem "Fantastic Beasts" errichtet wurde und das während der Sichtung unablässig sein hässliches Gesicht präsentiert.
Ich will "Fantastic Beasts" nicht grundsätzlich unterstellen, dass es gar nichts an ihm zu mögen geben könnte. Tatsächlich gefällt der neue Schauplatz New York, er ist eine vielverheißende Alternative zur hinlänglich bekannten ur-britischen Zaubererwelt und gibt der Subkultur der Magiebegabten einen globaleren Charakter mit unterschiedlichen kulturellen Ausprägungen, währenddem Teilaspekte der Handlung durchaus reizvoll erscheinen. Dagegen stolpert der Film ohne Unterlass immer und immer wieder über das nicht zu beschönigende Kommerz-orientierte Augenmerk seiner Produzenten: die größenwahnsinnig aufgeblähte Dimension auf fünf geplante Filme, basierend auf einem Inhalt, der bislang einen 90-Minüter kaum hinreichend ausfüllen würde, steht einer stringenten, konzentrierten Narrative katastrophal im Weg. In concreto bedeutet das, dass der Film viel zu viel Zeit benötigt, um seinen simplen Plot endlich ins Rollen zu bringen, wenig bis nichts mit seinen langweiligen Charakteren anzufangen, geschweige denn ihnen aufsehenerregendes abzugewinnen weiß (mit seltenen Ausnahmen), sich zu allem Überfluss in einer Vielzahl von unterentwickelten Storyfäden verfranzt, von denen derjenige, der möglicherweise einen epischen Erzählbogen rechtfertigen könnte (dennoch nie und nimmer fünf Filme erforderlich machen würde), kurz und knapp und nichtssagend erst am Schluss halbherzig angeschnitten wird. Bis dato sitzt man gefangen mit dem Langweiler Eddie Redmayne (da weiß die Filmgeschichte wesentlich reizvollere soziophobe Protagonisten aufzubieten...) plus Entourage auf der Jagd nach den entflohenen, ach so niedlichen CGI-Kreaturen, die zwar allesamt keine tiefgreifende Funktion in der Handlung einnehmen, sich später freilich wunderbar in Form von Merchandise verhökern lassen. Womit wir erneut beim punctum saliens wären: der Vermarktbarkeit des Ganzen, die an allen Ecken und Enden störend und unangenehm hindurchschimmert. (4)

Halloween - Der Fluch des Michael Myers [Halloween: The Curse of Michael Myers(1995)
Mit dem Druiden-Fluch wollte man wohl eine neue Richtung für Michael Myers ausloten, was semi funktioniert. Abgesehen von dieser Albernheit, fand ich Sequel Nr. 6 manierlich und stimmungsvoll, obschon es auffällt, dass etliche Male Hand angelegt werden musste, nicht zuletzt anlässlich des Ablebens von Reihen-Konstante Donald Pleasance. (6,5)

Ant-Man and the Wasp (2018)
Ich mag irgendwo das Besetzungs-Trio Paul Rudd, Evangeline Lilly und besonders Michael Douglas, die drei können zur selben Zeit nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich beim "Ant-Man"-Sequel um unfassbar öden, drögen, schlichtweg ideenlosen MCU-Einheitsbrei handelt, der nichts zu erzählen hat, einen austauschbaren ERJB, einen austauschbaren McGuffin (die Idee der Quanten-Ebene hat sich nach der visuellen Experimentierfreude des Erstlings vollauf erschöpft), austauschbare Comic Reliefs und austauschbaren Plot ideenlos und monoton zu einem fad-banalen Comic-Mix zusammenbraut. Bleibt nichts von hängen. (5)

Hat jemand meine Braut gesehen? [Has Anybody Seen My Gal(1952)
Douglas Sirks scharfsinnige Komödie ist natürlich primär voller liebenswürdiger und herzlicher Charaktere, beseelter Dialoge und gezielt platziertem Witz, in der zweiten Hälfte liefert er zudem subtile, nichtsdestoweniger gepfefferte Spitzen gegen die bessere, sprich vermögende Gesellschaft, ihre Scheinheiligkeit und Verkommenheit, die ausschließlich Oberflächlichkeiten und Statusdenken kennt, hierbei das Wesentliche, die Menschlichkeit aus den Augen verliert. In dem Sinne ein geistvolles Plädoyer gegen Materialismus und Geltungssucht, humorvoll und warmherzig verpackt. (8)

Der Einzelgänger [Thief(1981)
aka "Violent Streets". Warum dieser brillante Thriller ein relatives Schattendasein fristet, will sich mir nicht erschließen. Zweifelsohne kreist er um einen Standard-Tropus des Kriminalfilms: der Kriminelle, der die wahre Liebe findet, sich mit ihr eine rosige Zukunft erträumt, zur Absicherung seiner Rente ein finales, nach Maßgabe ertragreiches Ding drehen will, doch schlussendlich erleben muss, dass es sich nicht leicht gestaltet, solchermaßen unbescholten aus seinem Milieu zu entfliehen. Soweit der Standard. Gleichwohl verfügt Michael Manns Ansatz über genügend Eigenheiten, um sich in der Masse besagter ähnlich gelagerter Produktionen zu behaupten, nicht zuletzt aufgrund Manns visueller Finesse, sowie seiner Faszination für den Typus Mann, den sein Protagonist, herausragend gespielt von James Caan, repräsentiert, gewissermaßen eine Urform der Mann'schen leidenden männlichen Leitfigur, nach außen hin charakterfest, entschlossen, prinzipientreu, dem tragischen Helden elegischer Samurai-Epen nicht unähnlich, andererseits wie aus der Zeit gefallen, ein halber Anachronismus, sich an einer Lage, an Menschen, an einer Gesellschaft aufreibend, deren Kommoditäten er sich nicht ohne Verluste fügen will oder kann. Hierin erwächst "Thief" zu einer kraftvollen Charakterstudie, die vieles aus folgenden Mann-Produktion vorwegnimmt. (8,5)

Showdown in L.A. [L.A. Takedown(1989)
Das Präludium zu bzw. die TV-Version von Michael Manns "Heat", für viele die vergessenswerte Sparausgabe des legendären prometheischen Kino-Bruders, wogegen die Geschichte um zwei wesensverwandte Männer auf den entgegengesetzten Seiten des Gesetzes durchaus schon hier einiges an Zugkraft besitzt, Mann kann vermöge der Begrenzungen des Formats lediglich nicht in die epische Breite gehen, wie es ihm später bei "Heat" möglich werden sollte. Fraglos lässt sich nicht verhehlen, dass die Charaktere aus diesem Grunde einiges an Tiefe vermissen lassen, insbesondere Nebenstränge und -Figuren sind hiervon in höherem Ausmaß betroffen, die Action-Szenen lassen sich nicht ansatzweise vergleichen, von oben bis unten gemahnt "L.A. Takedown" an eine "Miami Vice"-Doppelfolge, speziell das Finale überspannt den Bogen etwas zu sehr, erweist sich dadurch weniger wirkungsvoll.
Ein Punkt, der streitbar bleiben wird, sind die Hauptdarsteller, denn die vielen höchstwahrscheinlich ketzerisch anmutende Frage, ob zwei Fernseh-Darsteller wie Scott Plank und Alex McArthur es überhaupt mit den Kinolegenden Al Pacino und Robert De Niro aufnehmen können, ist nicht ohne Weiteres festumrissen zu beantworten. Pacino und De Niro legen in "Heat" absolute Glanzleistungen hin, daran möchte ich gar nicht rütteln. Allein, Pacino dreht in mancher Szene gnadenlos auf und kratzt, wie bei ihm üblich, gefährlich nah am Overacting, weswegen es eine verständliche Position bedeutet, Planks kühlere Art Pacinos übersteigerten Darbietung vorzuziehen. De Niros Pendant McArthur geht die Sache ebenfalls ein wenig anders an, seine ausdrucksreichen, sanfteren Augen lassen den Menschen Patrick McLaren des Öfteren deutlicher hervortreten als es De Niro mit dem eiskalten, kalkulierenden Profi Neil McCauley gelang, wodurch letztendlich seine Liebesbeziehung, mehr noch die fatale Konfrontation mit dem gewissenlosen Killer Waingro fühlbarer, nachvollziehbarer ausfällt.
Kurzum: ist man sich der Fernsehherkunft des Ganzen bewusst und kann über die kleinen Mankos hinwegsehen, hält das Duell des Diebes gegen den Cop, die sich im Herzen weitaus ähnlicher sind, als sie vielleicht zugeben möchten, genauso in Atem. Übrigens wäre das ein formidabler Stoff für John Woo gewesen. (7)

House of the Dead - Der Film [House of the Dead(2003)
Funny Version. Macht den Schrott keinesfalls besser... eher schlechter (sic!). Zu Uwe Bolls Humor siehe "Postal". (0)

Logan: The Wolverine [Logan(2017)
Schlappe 17 Jahre nach Bryan Singers erstem "X-Men" durfte sich Hugh Jackmans Wolverine zum Schluss über einen würdigen Solo-Film freuen, der sich gleichzeitig so weit wie denkbar möglich von seinem Comic-Profil entfernt hat. Für Wolverines letzten Vorhang läuft James Mangold nämlich dem Paradigma des gängigen Comic-Action-Spektakels zuwider, präsentiert Jackmans Abschiedsvorstellung des Publikumsliebling unter den Lieblingsmutanten stattdessen in Gestalt einer Odyssee eines alters- und gewaltmüden Mannes, der kein Interesse an einem Helden-Dasein erkennen lässt, im Gegenteil sich des Kämpfens durch und durch überdrüssig zeigt, dessen Vergangenheit und dessen Taten ihm sichtlich nachhängen, ihm anhängen wie eine niederdrückende Last.
Durch den Film zieht sich in toto ein Sentiment der unendlichen Erschöpfung und Kraftlosigkeit, von verrinnender Zeit, wie Butter auf zu viel Brot verstrichen. Logan sehnt sich nach Ruhe, Erlösung, Schlaf, etwas, was ihm diese Welt nicht zu gewähren wollen scheint. Alles eingeschlossen haftet dem Gezeigten eine allumgebende Aura von Post-Apokalypse an, die Welt der Mutanten scheint untergegangen zu sein oder ist im Untergang begriffen, die Idee eines Utopia friedlichen Miteinanders ist tot, es gibt keine Sieger, einzig Verlierer, das Gute hat versagt, ist vergangen, sofern es jemals existiert hat, und die Feindbilder haben sich verlagert. Es sind nicht mehr die Weltherrschafts-Fantasien megalomanischer Super-Bösewichter oder die rassistisch motivierten Säuberungspläne des Mutanten-Pools die die Antagonisten antreiben. In diesem Falle sind sie im Grunde genommen nicht mehr als gewissenlose Unternehmer und Söldner, die ihre mangelhaften Produkte aufspüren und beseitigen wollen, dabei aus reinem Profitstreben jedwede Form von Humanismus und Ethik über Bord werfen, kein Bewusstsein dafür beweisen, Leben erschaffen zu haben, dem gegenüber sie eine Verantwortung tragen - die schreckliche Anti-These eines Gottkomplexes.
Erst die Konfrontation mit ihnen und ihren Opfern gibt Logan den Anstoß zum Reifeprozess weg vom Passiven hin zum archetypischen Anti-Helden wider Willen, der zwar versucht ist, sich dieser Rolle zu verwehren, da er sein eigenes Kreuz zu tragen hat, gewissermaßen als einer der letzten Zeugen des Scheiterns am längsten überlebt hat, am Ende kann er dahingegen dem unglückseligen Heroen-Dasein, der fatalen Katharsis nicht entfliehen, weil ironischerweise er, der unsterbliche Mutant, zu den wenigen Überlebenden zählt, die der Menschlichkeit, dem fahlen Hoffnungsschimmer noch nicht restlos entsagt haben. Darum übernimmt er die mühsame Verantwortung für die beschwerliche Pflege seines einstmaligen Gönners Prof. Xavier, der gleich ihm ausgelaugt, vom Alter körperlich und geistig geschlagen, von den vielen Niederlagen gezeichnet ist; darum akzeptiert er zuallerletzt seine Verantwortung als Vater seiner Tochter einerseits, einer neuen Generation von Hoffnungsträgern andererseits; darum zieht er ein letztes Mal in den Krieg, um sich seinen Gegnern, seinen Dämonen, seinem aggressiven Ich und seiner schmerzvollen Vergangenheit zu stellen, um zu guter Letzt den Weg aller Heroen zu gehen, damit die Hoffnung überleben kann. Einer der wenigen ganz starken Comic-Verfilmungen der letzten Jahre. (8,5)
Vase de Noces - One Man and His Pig [Vase de noces (Wedding Trough)] (1975)
Der berühmt-berüchtigte Skandalfilm aus den 70ern, eine groteske Verquickung von Kunst, Exploitation, Geschmacklosigkeiten, Dreck, Schönheit und Erhabenheit, den man erlebt haben muss, um sich seiner unmittelbaren drastischen Wirkung gewahr zu werden. Wer Thierry Zénos kleines Meisterwerk auf seinen skandalträchtigen Inhalt reduziert, der versäumt womöglich einen der radikalsten Kunstfilme seiner Zeit, der erheblich mehr zu bieten weiß als diese eine Sache, die ihm seinerzeit zu Berühmtheit verhalf. Natürlich ist er verstörend, abartig und grenzwertig in vielerlei Hinsicht, nur darin eben bemerkenswert radikal und herausfordernd. Man kann ihm viel vorwerfen, sich an vielem stören und reiben, in jedem Fall wird eine heftige Wirkung von ihm ausgehen. Ein Faszinosum. Chapeau! (9)

Rampage: President Down (2016)
Von Kunst zu Boll. Die gescheiterte Crowdfunding-Kampagne, sowie der anschließende Rant haben zweifelsohne die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, die der wütendste Wüterich unter den pseudo-ambitionierten Quasi-Polit-Filmemachern gewiss "President Down" bzw. allen Teilen der "Rampage"-Trilogie zugedacht hatte. Die Unmengen von Häme, die er dergestalt auf sich gezogen hat, haben äußerstenfalls, da könnt ihr sicher sein, Wasser auf Bolls Mühlen gegossen. Nun aber: der Abschluss der "Rampage"-Trilogie also. Wer A sagt, muss auch B sagen. Überraschenderweise kommt der abschließende "Rampage"-Film ungewöhnlich in sich gekehrt daher, nimmt bis zu einem gewissen Grade nachgerade so etwas die die Funktion eines Meta-Films auf die Reihe ein, reflektiert, diskutiert und stellt Positionen einander gegenüber. Action gibt's frühestens zum Finale, selbst Blendan Fletchers Protagonist darf gehörig menscheln, ehe er in seine letzte verlustreiche Schlacht zieht. Zwischenzeitlich hat Boll etliche Male überdeutlich Flagge bekannt, zudem nicht das Kapital zur Verfügung, das er sich erträumte, weshalb "President Down" vielfach den Anschein eines Kompromisses erweckt, der stellenweise eine Winzigkeit langweilig ausfällt, letztlich einen anständigen Schlussstrich zieht. (5,5)

Blackwoods (2001)
Bevor sich Uwe Boll wegen mangelnden Talents und der daraus resultierenden Schrott-Werke seinen unrühmlichen Bekanntheit-Status einer der schlechtesten Vertreter seiner Zunft zu sein erarbeitete, lieferte er diesen handelsüblichen, achtbaren Mindfuck-B-Thriller ab, der dank des brauchbaren Drehbuchs und passablen Twists annehmbar ausgefallen ist, obgleich von Boll streckenweise fürchterlich verhunzt umgesetzt wurde. (B-Movie-Skala: 6)

Blutmond [Manhunter(1986)
Sah ich das erste Mal in zartem Jugendalter und... fand ihn ziemlich doof. Michael Manns Interpretation von Thomas Harris Romanvorlage sagte mir gar nicht zu, er war mir zu geleckt, zu oberflächlich, das Ende zu weit vom Buch entfernt. Jedoch hat er mich nie endgültig losgelassen, irgendetwas an ihm muss mich im Nachhinein stetsfort beschäftigt haben, ohne, dass es mir in vollem Maße bewusst war. Umso schöner diese Sichtung Jahre später: erst jetzt hat sich mir erschlossen, was für einen mustergültigen Thriller Mann geschaffen hat, wie vortrefflich er seine Charaktere angelegt hat, wie meisterhaft er die zwei Teile und Perspektiven des Profilers und des Killers respektive vereint, wie weit er seiner Zeit voraus war. Dass William Petersen und Tom Noonan beängstigend famos aufspielen rundet das Gesamtpaket eindrucksvoll ab, selbst Brian Cox überzeugt mit seiner gänzlich anderen, subtileren Version Hannibal Lecktors. Grandios! (9)

Roter Drache [Red Dragon(2002)
Auf dem Wege direkter Konfrontation muss Brett Ratners Version somit inzwischen ausnahmslos verlieren. Zuvor sah das anders aus, "Red Dragon" hatte ich lange vor "Manhunter" gesehen, das Buch war mir bekannt und ich stand unter dem weitreichenden Einfluss von Anthony Hopkins berühmten Darstellung des beliebtesten, distinguiertesten Film-Kannibalen aller Zeiten. Damals kam mir "Red Dragon" der Materie angemessen düsterer vor, hielt sich darüber hinaus dichter an die Vorlage, vornehmlich, was die Hintergrundgeschichte Francis Dolarhydes anbelangt.
Heute sehe ich, dass Ratner und die Produzenten im Grunde genommen eine reichlich einfallslose "Silence of the Lambs"-Reproduktion im Sinne hatten, zu diesem Zweck den Hannibal Lecter-Anteil beträchtlich ausbauten und gestalterisch reißerisch bis zum Anschlag zu Werke gingen, derartig jedweden Anflug von Subtilität gnadenlos über Bord warfen. Ferner schadet Edward Nortons Anwesenheit dem Film mehr, als sie ihm nützt. Die Selbstsicherheit, die sein Will Graham an den Tag legt, lässt jede Form von labiler Unsicherheit, psychischen Druck oder Belastung, ob seiner Tätigkeit und der gefährlichen Nähe zu den Subjekten, die er in Ausübung seines Profiler-Berufes jagt, vermissen. Des Weiteren benimmt sich Norton viel zu dominant, degradiert die anderen Polizisten buchstäblich zu Statisten, die kaum etwas zu vermelden haben. Der einzige andere Beteiligte, der ihm buchstäblich Paroli bieten darf, ist selbstverständlich Hopkins, der in seinen Auftritten hingegen die Figur des Hannibal Lecters ihrer Stellung einer pop-kulturellen Ikone gemäß zum grellen, grotesk überzeichneten, comichaften Zerrbild mutieren lässt. Zwischenzeitlich machen der großartige Ralph Fiennes und Emily Watson das Beste aus ihren Rollen, wobei selbst Fiennes eine eher solide Autopilot-Darbietung hinlegt.
Wie gesagt: das alles fällt schwerer ins Gewicht, sieht man die Verfilmungen Rücken an Rücken. Genügend zeitlicher Abstand zwischen ihnen und eine duldsame Einstellung vorausgesetzt, unterhält "Red Dragon" nach wie vor, plakativer Thriller, der er ist. Drum die milde Bewertung. (7)

Das Schweigen der Lämmer [The Silence of the Lambs(1991)
Fand ich immer toll, ein glühender Verehrer war ich ungeachtet dessen nie (diese Ehre wurde vielmehr "Se7en" zuteil). Ich habe allzeit Respekt vor seinem Klassiker-Status empfunden, kam überhaupt nie auf die Idee, kritikwürdiges an ihm zu suchen oder suchen zu müssen. Selbstverfreilich gibt es wenig zu bekritteln, seinen Platz in der Filmgeschichte besetzt er schließlich nicht für lau. Jonathan Demme (R.I.P.) ist ein rundum gelungener, prägender Serienkiller-Thriller geglückt, der vor allem durch seine Subtilität zu glänzen versteht. Man denke etwa daran, wie Jodie Fosters Clarice Starling, ohne es unnötig zu betonten oder aufzubauschen, in den Kontext einer von Männern dominierten Domäne gesetzt oder ihr Reife- und Emanzipationsprozess nuanciert durch die essentiellen, zu übermäßigen Ruhm gelangten Gesprächssitzungen mit Hannibal Lecter hervorgehoben und vorangetrieben wird, alles sind Zeugnisse von außergewöhnlichem Geschick. Ein stilbildender Idealtypus seines Genres. (8,5)

Tatsächlich... Liebe [Love Actually(2003)
Dem Anschein nach hatte Richard Curtis den absoluten Liebesfilm für die Festtage im Sinn, das ultimative Kitschfest, einen Instant Weihnachts-Dauerbrenner. Um diesen zu realisieren, legte er ein Sammelsurium der mannigfaltigsten, unterschiedlichsten Liebesgeschichten und Romantik-Tropen an, ein regelrechtes Panoptikum der Romantik, das alle denkbaren Aspekte abdeckt, jede Kategorie, jede Spielart, jedes Muster, jedes Alter, jede Schicht, jede Stimmung unter einen Hut bringt, witziges, heimliches, verbotenes, verhohlendes, fröhliches, trauriges, Sehnen und Schmachten, Beziehungen, die ihren Anfang nehmen, Ehen, die in die Brüche gehen, Schwärmereien, die unerfüllt bleiben müssen, Liebe, die alle Grenzen überwindet, Affären, Liebhabereien und Schicksalstreffen noch und nöcher. Es ist ein Maximum von all dessen und mehr, getragen von einem großen, namhaften Ensemble. Unbestreitbar liegt es in der Natur der Sache eines Anthologiefilms, dass einige Geschichten weniger Nachhaltigkeit beweisen als andere, infolge der Bandbreite, Vielfältigkeit und Zahlmäßigkeit die episodische Struktur manche Geschichten überlagert, sich Formelhaftigkeit einschließlich kitschiger Auflösung (die andererseits ein unabdingliches Kernelement bilden) nicht immer vermeiden ließ. Nichtsdestominder ist Curtis ein bezauberndes Potpourri gelungen, das etwas für jeden erdenkbaren Geschmack parat hält, allenfalls unrettbare Zyniker und Genre-Verächter werden sich verächtlich abwenden. (7)

Halloween H20 [Halloween H20: 20 Years Later(1998)
Bin ich vielleicht mit zu hohen Erwartungen an den rangegangen? Nicht das ich enttäuscht wäre, "H20" ist ein untadeliger, flüssig inszenierter Teenie-Slasher seiner Zeit, nicht zu sehr den Regeln und Klischees seines Sub-Genres erlegen, mit überschaubaren Body-Count und ausreichend Suspense. Begeisterung kam bei mir dennoch nicht auf. Vermutlich habe ich diese Form des Horrorfilms in den letzten 20 Jahren zu oft erlebt und inzwischen andere Ansprüche an das Genre entwickelt. (6,5)

Jessy - Die Treppe in den Tod [Black Christmas(1974)
aka "Silent Night, Evil Night". Bob Clarks effektiver Thriller wird gemeinhin rückblickend  als einer der frühestens Vertreter des Slasher-Genres vor John Carpenters "Halloween" und der "Friday the 13th"-Reihe benannt oder zumindest als ein Film, der bereits über die wesentlichen das Genre konstituierenden Merkmale verfügte: ein fieser Killer, der unaufhaltsam sein Unwesen im Verborgenen treibt, ein Final Girl, dass sich ihm im Showdown zu erwehren hat, Autoritäten, die sich letzten Endes machtlos erweisen, dem Unglück Einhalt zu gebieten. Jedoch sind es die feinen Unterschiede, die "Black Christmas" von den berühmt-berüchtigten Filmbrüdern demarkieren und ihn seine Eigenständigkeiten behaupten lassen: zum einen ist der Killer kein omnipräsentes Monster, dessen blutige, nummernartige Mordeinlagen im kreativen Mittelpunkt des Geschehens stehen würden. Im Gegenteil bleibt er praktisch über die gesamte Laufzeit hinweg ein formloses Phantom, das ständig im Hintergrund agiert, nie sein Gesicht zeigt (die meiste Zeit nimmt die Kamera seine Perspektive via POV-Shots ein, gemahnt darin an einen Giallo) und beängstigend schattenhaft mordet, die längste Zeit sogar unbemerkt. Weil die Gräueltaten nicht den Fokus des Erzählflusses ausmachen, rücken stattdessen die Charaktere in den Mittelpunkt, ihr Miteinander, ihre privaten Schwierigkeiten und welchen Einfluss die sie umgebenen Grausamkeiten auf sie ausüben. Das resultiert in einem langsam, beinahe gemächlichen Aufbau der Handlung, in dessen Verlauf sich die Ereignisse zunehmend intensivieren, derweil die schwer fassbare, tückische Bedrohung unheilvoll auf seine Opfer lauert. Am Ende ist es diese allgegenwärtige, beunruhigende Atmosphäre, die Clarks Film über allem auszeichnet und ihn zu einem der unangenehmsten Thriller seiner Zeit macht - im positiven Sinne. (8,5)

Das Grauen kommt um 10 [When a Stranger Calls(1979)
Ich muss gestehen, mir war nicht klar, worum es in Fred Waltons Thriller eigentlich geht. Ich habe ihn vom Hörensagen stets auf seine notorischen eröffnenden 20 Minuten reduziert und ging davon aus, dass sie das Gros der Handlung ausmachen würden. Leider ist die besagte Eröffnungsszene, inzwischen ein Standard des Slasher-Films inkl. Parodien, das bemerkenswerteste am gesamten Film. Den Großteil der Handlung macht die sich totlaufende Hetzjagd zwischen Killer und Cop aus, der ich nur wenig Spannung gegenüberbringen konnte und die verhältnismäßig unspektakulär abläuft. (5)

Dead of Night - Nacht des Terrors [Dead of Night(1974)
aka "Deathdream". Bekanntlich bin ich kein Fan von "Hereditary" und kann mich ob des ihn umgebenen Hypes bloß verwundert am Kopf kratzen. Bob Clarks "Dead of Night" etwa, obwohl ein relativ niedrig budgetiertes B-Movie, versteht sich so viel besser darauf, eine packende, dramatische, schaurige, sogar schmerzhafte Dekonstruktion der heilen Welt einer amerikanischen Vorstadtfamilie vorzulegen, deren einziger Sohn im Vietnam-Krieg gefallen ist, doch durch einen unvorsichtig geäußerten Wunsch (ohne Affenpfote...) wieder zum Leben erwacht, dessen Wiederauferstehung und Rückkehr hingegen einen bitter zu zahlenden Preis mit sich bringt. Ich will nicht übertreiben, seine B-Movie-Natur unterstützt "Dead of Night" ebenso, wie sie ihm zum Nachteil gereicht. Allerdings erzielt Clarks Geschick, eine dichte, schleichende, betrübliche Atmosphäre der Unausweichlichkeit zu evozieren, unterm Strich mit ungemein geringfügigeren Mitteln ein Vielfaches an Wirkung, in jedem Fall mehr als man einem derartigen kleinformatigen Horrorfilm zugetraut hätte. (7)














































24 - 6,6 (158,0)