Mittwoch, August 15, 2018

Kurzreviews August/I/2018

Hiermit präsentiere ich wiederrum die 11 Filme und 3 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat August gesehen habe:


Serien-Staffeln
Babylon 5: Schatten am Horizont [Babylon 5: The Coming of Shadows(Season 2) (1995-1996) (8,5-9,5)
Black Mirror (Series 4) (2017) - (5-7,5+)
Mortal Kombat: Legacy (Season 1) (2011) (5-6,5+)

Filme
The Human Centipede III (Final Sequence) (2015)
"Final Sequence" - na hoffentlich. Wer mit den Erwartungen an eine Steigerung im Grad der Geschmacklosigkeiten an das zweite Sequel ran gegangen ist, muss sich auf eine bittere Enttäuschung gefasst machen (zugegeben: eine Ausweitung der Abartigkeiten von Teil 2 möchte ich gar nicht erleben): was die Gewalt-Voyeure und Sicko-Gore-Enthusiasten befriedigende Zeigefreudigkeit anbelangt, kann man Teil 3 durchaus als zurückgenommenen Magerhappen bezeichnen, dessen wenigen deftigen Gewaltspitzen Blutdurst stillendes Anschauungsmaterial bloß punktuell bieten und das bei weitem nicht mit der abstoßenden Intensität des Vorgängers. Stattdessen fällt Tom Mix auf die Spielart einer bizarren Groteske zurück, versucht sich stellenweise an einer merkwürdigen, absurden Meta-Parodie auf die gesamte "Trilogie", was weder in Form eines gelungenen ironischen Witzes, noch als sinnreicher Kommentar auf das eigene Schaffen gelingt, für beides fehlt es allenthalben an Raffinesse. Stattdessen verlustiert sich Dieter Laser in transzendierender Overacting-Höchstform an ausnahmslos jeder Szene genüsslichst, schreit, grimassiert, glotzt, verform fratzenhaft sein Gesicht, verbiegt, verdreht und beugt seinen gesamten Körper in ungeahnter Weise, kurz: übertreibt dermaßen jeden denkbaren Aspekt der Anti-Schauspielkunst, dass es äußerste Mühe kostet, die zirkusreife Darbietung durchgängig zu ertragen, zumal er das Geschehen zu jeder Sekunde dominiert. Ironischerweise machen allerhöchstens Laurence R. Harvey und ausgerechnet Porno-Sternchen Bree Olson das Beste aus der Chose, darüber hinaus ist der Abschluss der "The Human Centipede"-Saga gründlich misslungen - und das im Angesicht der beiden Vorgänger. (1)

A Serbian Film [Српски филм Srpski film(2010)
Der etwa zeitgleich zu "The Human Centipede" reüssierende Skandal-Schocker aus Serbien und ähnlich wie bei Teil 3 besagter Reihe dürften geifernde Gewalt-Voyeure ihren Enthusiasmus rasch gedämpft finden. Im direkten Vergleich zu Tom Six erweist sich Srdjan Spasojevic fraglos als der talentiertere Filmemacher und dadurch, dass er größeren Wert auf den Teil legt, der das Projekt zum funktionablen Film macht, insgesamt ein besseres Verständnis für die Mechanismen des Mediums beweist, darüber hinaus seine alles andere als leicht zu schluckende Tour de Degout mit einem politischen Anliegen unterlegt, attackiert er durch die an den Tag gelegte konsequente Drastik und heftige Kompromisslosigkeit zwar effektiv den sich in Sicherheit wähnenden Zuschauer, bedient demgegenüber nicht gefällig ein Panoptikum an Gewalt-Exhibitionismus zur Stillung voyeuristischer Bedürfnisse. Dafür fällt die Darstellung von abstoßenden Anstößigkeiten und von den den Rahmen des Zeigbaren kontinuierliche sprengenden Verbrechen, Gewalt- und Untaten weit, weit jenseits irgendeiner Grenze egal ob guten oder schlechten Geschmacks zu schockierend, zu niederdrückend und nihilistisch aus, ungeachtet einer nicht zu verhehlenden Tendenz zum verstörenden Selbstzweck. Da steckt in der Tat etwas nicht zu verachtendes herausforderndes, provozierendes, glatt bilderstürmerisches drin, ein roher brutaler Schlag in die Magengrube. Demgemäß war "A Serbian Film" nie geschaffen, um zu gefallen. (7)

Two Thousand Maniacs! (1964)
Zu Herschell Gordon Lewis im Allgemeinen: siehe "Blood Feast". Selten war eine Gore-reiche Schlachtplatte derart heiter und frohgemut wie in diesem Fall. Es fällt schwer, sich dem Enthusiasmus und der Ausgelassenheit der feiernden, mörderischen Südstaatler zu entziehen, sich von ihrer Heiterkeit und dem Hochgefühl nicht anstecken zu lassen, mit der sie munter foltern, morden und vierteilen - stets spielerisch vergnügt, voller Inbrunst und sadistischer Freude. Ich würde behaupten: hier war sich jemand der leicht pervers-voyeuristischen Ader seines Publikums durch und durch bewusst. (8)

Das Schloß im Himmel [天空の城ラピュタ Tenkû no shiro Rapyuta (Laputa: Castle in the Sky)] (1986)
Der erste abendfüllende Anime-Spielfilm aus dem Hause Studio Ghibli unterscheidet sich, trotz vieler thematischer Ähnlichkeiten, zu dem noch etwas anders gelagerten, anspruchsvolleren "Nausicaä aus dem Tal der Winde", denn, obgleich ihm ein vergleichbares ernsthaftes Anliegen und eine eindringliche Botschaft zugrunde liegen, Miyazaki Hayaos temporeiches Fantasy-Abenteuer ist deutlich zugänglicher und freudiger, ein restlos harmonierender Kompromiss aus Enunziation und mitreißender Unterhaltung, der gekonnt aufregende, stürmische Actionszenen, liebenswerte Charakterentwicklung, nachdenkliche Momente und seine wichtige Aussage mit einer beneidenswerten Leichtigkeit austariert, zudem bereits betörend schön animiert ist. Anime auf höchstem Niveau! (9)

Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf [Lethal Weapon 4(1998)
Folgt im Wesentlichen der Ausrichtung des Vorgängers, addiert weitere alberne Elemente, Chris Rock etwa, und Familien-Schmu hinzu, verfügt andererseits über Jet Li, der selbsterklärend zu keiner Sekunde voll aufdrehen darf und arg unter der Eindimensionalität des Charakters zu leiden hat, mir dennoch in der Rolle des Antagonisten ausgezeichnet gefallen hat. Das Macho-Gebaren und der unverhohlene Rassismus gegenüber den Chinesen seitens Riggs gefiel mir hingegen weniger. Mochte ich früher lieber, guckt sich insgesamt noch ganz gut weg. (7)

Atemlos [Breathless(1983)
"A Bout de Souffle Made In USA" - ein Sakrileg sondergleichen? Ich fand Jim McBrides Interpretation jedenfalls auf seine eigene Art und Weise bezaubernd, charmant und... atemberaubend, passend zum vor Energie strotzenden Richard Gere, der den Film lässig alleine schultert und von dem eine sinnentsprechende Wirkung auf seine gesamte Umgebung ausgeht, vornehmlich natürlich konzentriert auf Valérie Kaprisky. Jean-Luc Godards Original mag die filmhistorisch bedeutendere Version sein, es war nicht der Film "to end all movies". Daher: "Breathless" gefällt mir speziell aufgrund seiner Eigenheiten, seinem Verve und Gere. (8)

Evil Dead (2013)
Gefiel mir bei der zweiten Sichtung tatsächlich besser. Nach wie vor gilt, dass Fede Alvarez angesichts der undankbaren Aufgabe, einen Kult-Klassiker wie "The Evil Dead" neuaufzulegen, das best-mögliche Ergebnis geliefert hat (abgesehen vom reichlich sinnfreien Prolog), dem Genre zwar keine neuen Nuancen abzuringen vermochte, im Wesentlich das Original an Konventionen des kontemporären Horrorfilms angepasst hat, jedoch im Unterschied zur Gesamtheit der von dilettantischen Videoclip-Regisseuren zu Grunde gerichteten Remakes handwerkliches Geschick (ohne die triebhafte, energiegeladene Experimentierfreude Sam Raimis zu erreichen) und Respekt der Vorlage gegenüber bewies, was in einem atmosphärisch dichten, nicht zu sehr auf Klischees und selbstzweckhaften Gore-Szenen bauenden, spannenden Horrorfilm resultierte, der viel, viel der Musik von Roque Baños zu verdanken hat. (7)
Evil Dead from Aparato on Vimeo.

Nemesis 2 - Die Vergeltung [Nemesis 2: Nebula(1995)
Das Sequel zu Albert Pyuns "Nemesis" ist im Besten Sinne schnörkelloses B-Sci-Fi-Action-Futter, dessen ungewöhnlichen, beinahe androgyn zu nennenden Heldin Non-Stop vor ihrem Widersacher, einem unaufhaltsamen Androiden aus der Zukunft, fliehen muss, bevor sie sich ihm im finalen Duell stellt. Obgleich sich die Schauplätze auf eine Wüste und ein verlassenes Fabrikgelände beschränken, macht das für kurze 84 Minuten Feuerwerk durchaus was her. (B-Action-Skala: 7)

Winterbeast (1992)
Zufallsfund auf YouTube. Obskurer Low Budget-Horror inklusive putziger Stop-Motion-Effekte, der zwar stellenweise krude, ein bisschen trashig und unaufgeregt von Statten geht, hingegen ab und an in der Tat creepy sein kann. (B-Movie-Skala: 5)

Die Letzten Glühwürmchen [火垂るの墓 Hotaru no haka (Grave of the Fireflies)] (1988)
Es kostet mich jedes Mal Überwindung, mich überhaupt an den zu wagen (meinem ersten Studio Ghibli-Film übrigens), weil eine Sichtung grundsätzlich mit mir heulend und deprimiert in der Ecke endet. Nach dem rasanten "Das Schloß im Himmel" ist Takahata Isaos (R.I.P.) Drama über zwei Kriegswaisen, die, von der Gesellschaft ausgegrenzt, am Ende wie zwei Glühwürmchen viel zu früh verglühen, ein grundlegend anderes Filmerlebnis, sicherlich voller wunderschöner, rührender, zu Herzen gehender Momente, auf der Kehrseite hingegen nicht arm an niederschmetternder Tragik und traurigem, schrecklichem Realismus. Bei wenigen Filmen nimmt mich das Geschehen auch nach mehrmaligem Ansehen derartig mit, löst es in mir eine ähnliche Achterbahn der Gefühle aus. Es ist eine der schönstens, wenngleich betrüblichsten, wehmütigsten Erfahrungen für mich, jedes Mal aufs Neue. (10)
Ghostland [Incident in a Ghostland(2018)
Ich glaube, ich stehe Pascal Laugiers "Martyrs" unverändert zwiespältig gegenüber, will ihm eine weitreichende Wirkung hingegen nicht absprechen. "Ghostland" habe ich folglich nicht sehnlichst erwartet, war allerwenigstens neugierig. Was ich mag: der Twist, den ich tatsächlich nicht habe kommen sehen und der eine willkommene psychologische Ausrichtung offenbart, das elaborierte Set-Design, die Lovecraft-Affinität, sowie die ein oder andere Einstellung. Ansonsten kam mir das kaum ergiebiger vor als der handelsübliche, gut gemachte Slasher oder eine kreativere Episode einer Anthologie-Serie à la "Tales From the Crypt" oder "Black Mirror". Für mehr fehlte mir der letzte inszenatorische Kniff oder ein Konzept, dass mehr aus dieser Idee gemacht hätte. (6,5)





















11 - 7,6 (83,5)

Samstag, August 04, 2018

Nachschlag No. 36: Dokutaa desu!

Okay, wäre das "echt", würde mich das in einen schweren Konflikt geraten lassen: wer ist mir lieber? Jodie Whitaker? Oder Kotabe Akie, der "Japanese Doctor Who" aka Dokutaa Who? Ich weiß es nicht...

Mittwoch, August 01, 2018

Kurzreviews Juli/II/2018

Hiermit präsentiere ich wiederum die 14 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Juli seit der letzten Liste gesehen habe:


Serien-Staffeln
Mortal Kombat - Conquest [Mortal Kombat: Conquest(Season 1) (1998-1999) - (6-7)
Marvel's The Defenders [The Defenders(Season 1) (2017) - (6-6,5+)
Jekyll (2007) - (6,5-7,5)
Raven (Season 1) (1992) - (6,5-7)
Star Trek: Deep Space Nine (Season 3) (1994-1995) - (10)

Filme
Runaway Train - Express in die Hölle [Runaway Train(1985)
Der nächste Schritt auf den Spuren von "Panik im Tokio-Express". Nach einer Drehbuchidee von niemand geringerem als Kurosawa Akira inszeniert Andrei Konchalovsky ein Thriller-Drama, das die Grenzen des Action-Abenteuerfilms bewusst überschreitet und mehr liefert als ein simples testosterongesteuertes Vehikel. Obgleich die ersten 20 Minuten Knastklischees in Reinform aufbieten und die nachfolgende Flucht an Bord des eponymen Güterzuges hinreichend nervenaufreibende Spannung erzeugt, beweist Konchalovsky durchaus künstlerische Ambitionen, wenn er über die Geschichte und insbesondere qua Jon Voights ambivalenten Charakter existenzialistische Themen allerwenigstens anschneidet. Insofern hinterlässt der Film einen nachhaltigen Eindruck, einen bitteren Beigeschmack und steht fernab der Genre-Barrieren des Action- bzw. Katastrophenfilms. (8)

Die Bourne Verschwörung [The Bourne Supremacy(2004)
Der erste Teil widmete sich der Neubildung von Jason Bournes Identität, im zweiten Teil holt ihn die Vergangenheit ein. Und weil es schier unmöglich ist, sich seinem einstmaligen Agentendasein und Auftraggebern zu entziehen, befindet sich Matt Damon erneut auf der Flucht. Dahingegen versteht er es, sich gekonnt (daher der passendere Originaltitel) der Überlegenheit seiner Agenteninstinkte zu bedienen, seine Ausbildung effektiv gegen seine Verfolger einzusetzen, ihnen stets einen Schritt voraus zu sein und die verschwörerischen Umtriebe unter seinen Widersacher aufzudecken, um schlussendlich einen Moment der Katharsis zu erleben. Paul Greengrass setzt dabei inszenatorisch zur Gänze auf die intensified continuity, kreiert unfassbar schweißtreibende Verfolgungsjagden und Actionszenen, nutzt diesen Stil geschickt dazu, die Hektik, den Stress der Action verdichtet zu vermitteln und auf den Zuschauer zu übertragen. Ich glaube, das versteht Greengrass wie kaum ein zweiter. Unglücklicherweise wurde die allem zugrundeliegende Symbiose aus Handlung und Ausdrucksform oftmals unterschätzt und missverstanden, was zu einer Vielzahl an Epigonen führte, die hingegen nie die Intensität der "Bourne"-Trilogie erreichen sollten. (8,5)

Unstoppable - Außer Kontrolle [Unstoppable(2010)
Hier ist es, das adrenalingeladene Spektakel, dass Andrei Konchalovsky in "Runaway Train" (s.o.) bewusst vermieden hatte. Die thematischen Ähnlichkeiten, sowie die ein oder andere Szenen machen deutlich, dass Tony Scott sich mindestens von Konchalovsky hat inspirieren lassen. Der Unterschied liegt darin, wie die beiden Regisseure erzählen und da geht Scott, große Überraschung, den Weg des geringsten Widerstandes, zaubert einen straighten, plakativ in Szene gesetzten Katastrophen-Thriller aus dem Hut, dessen andauernden, Schwindel erzeugenden Kamerarotationen und Reißzooms auf die Dauer repetitiv und enervierend wirken, insbesondere angesichts der Tatsache, dass hier bisweilen für Doofe inszeniert wird. Interessanterweise überkommt der Film ab einer gewissen Stelle diese ostentativen Manierismen und erzeugt einen mitreißenden Strom, dem man sich nicht mehr entziehen kann, was ich vor allem an Denzel Washington und Chris Pine verorte, zwei außerordentlich sympathische und volksnahe Everyman-Charaktere, die man einfach triumphieren sehen möchte und mit denen man inbrünstig mitfiebert. Weswegen "Unstoppable" gerade aufgrund seiner Einfachheit und Direktheit großen Spaß bereitet. (6)

Happy Deathday [Happy Death Day(2017)
Ein klassischer Videotheken-Film, würde es noch eine Videothekenkultur geben. Christopher Landon spielt seine Slasher-Groundhog-Day-Version brav und straight von A bis Z durch, garniert mit Humor und dem Minimum an Charakterentwicklung der Protagonistin weg von der Bitch, die sie ist. Daran ist nichts neu, nichts wirklich aufsehenerregend oder sonderlich cleveres, es bleibt ein unterhaltsames One-Trick-Pony, einmal ausgeliehen, seinen Spaß damit gehabt und wieder vergessen. Mehr nicht. (5,5)

Devil's Candy [The Devil's Candy(2015)
Motivisch schöpft Sean Byrne aus vielen Quellen, da haben wir das Haus mit finsterer Vergangenheit, die sympathische Familie, deren Vater bald einer ungesunden Obsession verfällt, das gruselige, scheußliche Muttersöhnchen, natürlich ein Kindermörder, und... Satan (wen sonst). Was Byrne letztlich fehlt, ist die Entschlossenheit, aus diesen Quellen mehr zu machen, neues abzuleiten und tatsächlich unangenehm zu werden, Abbiegungen zu nehmen, aus denen es kein Zurück mehr gibt. Dafür belässt er die übernatürlichen Elemente nicht uneffektiv im Hintergrund walten, legt nie hundertprozentig offen, ob die satanische Anwesenheit eindeutig dem Wahn entspringt oder ob nicht vielleicht doch der Teufel in persona sein Finger im Spiel hat. Grausamkeiten gibt es hiergegen zu Genüge, selbst wenn Byrne willkommenerweise auf plakativen Splatter keinen zu großen Wert legt. (6,5)

Henker des Shogun [Shogun Assassin(1980)
Wie viele Jahre ist es her, dass ich den gesehen habe? Natürlich bedeutete "Shogun Assassin" seinerzeit für mich, wie für so viele andere, den ersten Kontakt mit der "Lone Wolf & Cub"-Reihe, die mich im Nachhinein für den Jidai-geki eiga und das Chambara-Genre regelrecht hat entflammen lassen, von Koike Kazuos kongenialen Mangas ganz abgesehen. Robert Houstons vorwitziger Zusammenschnitt, der aus den Actionszenen der ersten beiden "Lone Wolf"-Teile einen straffen actionlastigen 80-Minüter macht, kann man im Gegensatz dazu so und so finden: entweder, man ist entsetzt ob seiner Dreistigkeit, an der Handlung großzügig den Rotstift anzusetzen, durch freches Neu-Arrangieren und die (höchstens mittelmäßige) Synchronisation eine eigene, versimplifizierte Rache-Geschichte zu erzählen, dazu den stilsicheren Original-Score durch ulkiges Synth-Gedudel zu ersetzen. Oder man genießt dieselbe Dreistigkeit Houstons, ob seiner trashigen Anflüge und dem immerhin hohen Tempo, mit der er Fecht-Szene an Fecht-Szene reiht. Für meinen Teil genügen hingegen die nostalgischen Anwandlungen, sowie das Anliegen Houstons, die tolle Kozure Ōkami-Saga einem westlichen Publikum näherzubringen. Alles Weitere besorgen die Original-Filme. (Nostalgie-Bonus: 8)

Double Down (2005)
Sensationelles Trash-Delirium von Multi-Talent in geistiger Umnachtung Neil Breen (neben den Posten Regie, Chefautor, Hauptdarsteller, Produktion, Schnitt und Musik lässt sich der Mann in den Credits tatsächlich für das Catering (!) auflisten), derart qualvoll konfus, repetitiv und prätentiös erzählt und inszeniert, dass es einem wie eine avernalische, immerwährende, niemals enden wollende Endlosschleife im ödesten Film-Purgatorium der Existenz an sich vorkommt. Sagenhaft miserable Regie, Schauspielkünste und Autorenschaft, die selbst Tommy Wiseau wie Orson Welles, "The Room" wie "Citizen Kane" aussehen lassen. Auf der anderen Seite macht "Double Down" deutlich, wie wenig dazu gehört, kryptischen, hermetischen, vielfältig interpretierbaren Nonsense a la Terrence Malick oder David Lynch zu produzieren...immerhin kann ich jetzt mit Fug und Recht behaupten: das hat selbst Neil Breen geschafft! Er hatte nur das Pech, keinen Emmanuel Lubezki auf der Gehaltsliste stehen zu haben... ;) (Trash-Skala: 2)

The Human Centipede II (Full Sequence) (2011)
Nachdem mich der Erstling so semi geschockt hat (also... gar nicht), muss ich gestehen, dass Tom Six für das Sequel eine ordentliche Schippe Abartigkeiten draufgelegt hat. In pseudo-künstlerischem Schwarz-weiß und mit absolutem Verzicht auf jedwede Form von Narration holt er das Maximum an Degout aus seiner reichlich groteske Idee heraus, vermeidet nicht die geringste Widerlichkeit, kostet jede abstoßende, krankhafte Eingebung, die einem vermöge dieser reichlich bescheuerten Perversion kommen mag, genüsslich aus. Body-Horror-Kunst oder skandalträchtige Grenzüberschreitung? Ich weiß es nicht. Laurence R. Harveys Martin bleibt schlechterdings auf jeden Fall im Gedächtnis hängen. (5)

Blood Feast (1963)

Born to Be Wild - Saumäßig unterwegs [Wild Hogs(2007)
Brave und biedere Suburbia-Upper-Class-Midlife-Crisis-Komödie mit gut aufgelegten Darstellern und einer schwungvollen Inszenierung, witzig und kurzweilig. Ich fühlte mich, trotz etwaiger Anstoßpunkte, gut unterhalten. (6,5)

Easy Rider (1969)
Wieder eine Lücke geschlossen. Natürlich einerseits das kultige Abbild der Gegenkultur, ein Nachhall des Freiheitsgedankens und der Hippie-Kultur, ein musikalisch ikonisch unterlegte Roadtrip durch die USA, aber zugleich ein zutiefst bitterer Abgesang, ein Eingestehen des Scheiterns im Angesicht schlichtweg feindselig-gewalttätiger konservativer, reaktionärer Kräfte. Steht nahtlos Seite an Seite mit Filme wie "Vanishing Point" und "Two-Lane Blacktop". (7)

Black Panther (2018)
Dann holen wir mal die Marvel-Checkliste raus. Zugegeben: "Black Panther" verfügt über einen nötigen Schuss Exotik, der ihn geringfügig herausstechen lässt, kann optisch einiges für sich verbuchen und funktioniert im Großen und Ganzen dankbarerweise sogar als eigenständiges Werk. Leider erstickt er gleichermaßen unter seinem CGI-Overkill, kann seinem durch und durch blassen Titelhelden keine einnehmenden Charakteristiken abringen, dazu müssen erneut die Nebencharaktere herhalten, ebenso wenig hinterlassen die Antagonisten einen nachhaltigen Eindruck, da abermals der eine der beiden, nachdem man ihn eingeführt und aufgebaut hat, handstreichartig ersetzt wird, um an Stelle dessen ein Familiendrama und einen Putsch zu forcieren, was indessen aufgrund der anberaumten Kurzfristigkeit zu keinem Zeitpunkt Dramatik oder große Emotionen zu erzeugen im Stande ist, nie im Stande sein konnte. Zumal das geheiligte Land Wakanda als Ort, als Raum nie wirklich greifbar wird, in generische Einzelversatzstücke aus dem Rechner zerfällt, die nie den Eindruck eines organischen Ganzen erzeugen. Im effektelastigen Hauruck-Finale, dass irgendwie an das Pendant aus "The Phantom Menace" erinnert (nur schlechter), gibt es somit einmal mehr bunte Farben und Gerangel zu sehen, zufriedenstellend oder gar erfüllend ist jedoch auch dieser Beitrag zum MCU zu keiner Sekunde. (5,5)

Nausicaä aus dem Tal der Winde [風の谷のナウシカ Kaze no tani no Naushika (Nausicaä of the Valley of the Wind)] (1984)
aka "Sternenkrieger - Warriors of the Wind". Miyazaki Hayaos Meilenstein der Anime-Geschichte, der den Grundstein für das unvergleichliche Studio Ghibli legte, erzählt vor dem Hintergrund einer originellen, glaubhaften apokalyptischen Welt die Geschichte seiner Erlöserfigur Nausicaä mit atemberaubender Schönheit, schreckt andererseits nicht vor Actionszenen, die die gezeigte Gewalt dahingegen stets reflektieren und verurteilen, und zutiefst nachdenklichen Passagen zurück, die dem Film eine profunde Ebene verleihen, die ihn weit jenseits von Zeichentrick-Bespaßung stehen lässt, eine höchstmöglich relevante Botschaft ansprechend vermittelt und immense emotionale Wallungen hervorzurufen imstande ist. Schlicht und ergreifend ein frühes Meisterwerk mit sagenhafter Musik von Joe Hisaishi. (9,5)

Train to Busan [부산행 Busanhaeng(2016)
Zombies im Zug sind natürlich bloß eine Variation der Zombies im... jedem anderen räumlich begrenzten Setting, nichtsdestotrotz wundert es mich, dass bisher kaum Filmemacher auf diesen Einfall gekommen sind. Yeon Sang-ho erreicht selbstredend nicht die Meisterschaft des Genrekönigs George R. Romero, dessen ungeachtet liefert er einen effektiven Horror-Thriller inklusive koreanischer Manierismen, der seinen Schauplatz geschickt und spannungsgeladen zu nutzen weiß, darüber hinaus Genre-typische Sozialkritik und Charakterentwicklung nicht vernachlässigt, denn, so knapp bemessen sie ausfallen mögen, letztlich fiebert man mit dem Schicksal Yoo Gongs und seiner Tochter aufrichtig mit. Gelungen. (7)































14 - 6,5 (91,5)

Samstag, Juli 28, 2018

Docteuse in Bewegung

Der Doctor ist tot! Lang lebe der Doctor! Am 25. Dezember 2017 hatte Peter Capaldi im Christmas Special "Twice Upon A Time" seinen (vorerst) letzten regulären Auftritt als berühmt-berüchtiger Doctor aus "Doctor Who" - ebenso wie Steven Moffat als Showrunner. Zuvor wurde bereits bekannt gegeben, dass es sich bei der nächsten und nun mehr 13. Inkarnation des Doctors, künftig unter der Leitung von Chris Chibnall (längjähriger Whovian, zudem ein erfahrener Schreiberling für das "Doctor Who"-Franchise (Chefautor für "Torchwood", verfasste die Who-Abenteuer "42", "The Hungry Earth", "Cold Blood", "Dinosaurs on a Spaceship", "The Power of Three", davon abgesehen bekannt für "Broadchurch"), zum zweiten ersten Mal in der Geschichte der sagenhaft langlebigen Science Fiction-Serie um eine Frau handeln werde: Jodie Whitaker ("Attack the Block", "Black Mirror""Broadchurch"). Hijinks ensued...
Denn selbstredend wollte und will eine Gruppe Fanatiker (naja, scheinbar eine unbedeutende Minderheit) unter keinen Umständen wahrhaben, dass der Charakter, den sie bisher stets als Mann wahrgenommen haben, urplötzlich das Geschlecht wechseln könne - das wäre ja auch absurd bei einem tausendjahre alten Außerirdischen, der mit einer Telefonzellenartigen Police Box durch Zeit und Raum reist, die Erde und andere Planeten vor den Invasionsscharen fahrender Salzstreuer und weiterer Ed Wood-Weltraum-Gummimonster bewahrt, zudem durch seine Fähigkeit, sich im Moment des nahenden Todes in eine physiognomisch komplett andere Person zu "regenerieren", nahezu unsterblich ist. Nein, dass dieser er zu einer der werden kann, hat ganz klar die Grenzen des Absurden und Vertretbaren überschritten, ist bloß Ausdruck von PC-SJW-Hardcore-Lesben mit Femnazi-Allüren, die die Weltherrschaft an sich reißen und den Männern den Spaß an und die ganz klar heterosexuelle Bewunderung zu ihrem Lieblingszeitreisenden berauben wollen... abgesehen davon muss die Serie qualitativ durch den Genderwechsel ganz ohne Frage gegenüber den vorhergehenden Staffeln abfallen, Frauen können alles schlechter als Männer, außer Kinder kriegen... aber sicher doch. Wie müssen diese Fans wohl auf April O'Neil reagiert haben?
Jedenfalls ließ neues Anschauungsmaterial der frisch gekührten Docteuse lange auf sich warten, doch in den letzten Tagen wurden den verbliebenden Anhänger der Serie sowohl ein Teaser, als auch ein Trailer spendiert, der einen ersten Blick auf die neuen Companions (Bradley Walsh, Tosin Cole, Mandip Gill), die neuen Welten, den neuen Sonic Screwdriver (three settings?), den neuen Akzent und den neuen Doctor in voller Pracht (ihr Debut feiert sie freilich bereits in besagtem Christmas Special) erlaubt. Wie dem auch sei: ich bin gespannt auf die neuen Abenteuer des Doctors und freue mich so richtig auf Jodie Whitaker!

Montag, Juli 23, 2018

Robin Hood - G20-Edition

Wir haben in jüngster Zeit bereits einige Klassiker auf der Leinwand zu sehen bekommen, die einer Frischzellenkur unterzogen worden sind, ob es nun die drei Musketiere, Sherlock Holmes, König Artus oder Viktor Frankenstein waren. In die Gesellschaft solcher illustrer Regisseure wie Paul W.S. Anderson, Guy Ritchie und Paul McGuigan begibt sich jetzt Otto Bathurst ("Criminal Justice", "Black Mirror", "Peaky Blinders"), der sich, unterstützt von Produzent Leonardo DiCaprio, anschickt, eine neue, moderne, frischere (noch und nöcher) Version von "Robin Hood" zu fabrizieren. Klassischerweise geht es dabei um den Kampf Robin Hoods, hier mit jugendlichem Elan dargestellt von Taron Egerton ("The Smoke", "Kingsman: The Secret Service", "Eddie the Eagle"), gegen den sinisteren Sheriff von Nottingham, gespielt vom neuerdings scheinbar auf Bösewichte abonnierten Ben Mendelssohn ("Bloodline", "Rogue One: A Star Wars Story", "Ready Player One"). Innerhalb dieser archetypischen Geschichte erlaubt sich Bathurst, der gemeinsam mit David James Kelly auch das Drehbuch schrieb, hingegen einige Freiheiten, wie der Trailer bereits erahnen lässt. Robin von Locksley wird demzufolge scheinbar zu einem mittelalterlichen Anonymous-Superhelden umgedichtet, der von Little John (Jamie Foxx ("Ray", "Collateral", "Baby Driver")) zu einem Lucky Luke-artigen Meisterbogenschützen ausgebildet wird, der schneller annockt als sein Schatten, und später die unterdrückten Massen gegen das Establishment anführt. Ob das passt? Kann Robin Hood mitsamt Anspielungen auf die aktuelle politische Lage zu einem neuen Symbol für den Kampf der Unterdrückten werden? Zählt bei Bathurst die Botschaft mehr als das Actionspektakel? Wir werden es sehen!
Natürlich dürfen Maid Marian und die Merry Men in einer Robin Hood-Geschichte nicht fehlen: Eve Hewson ("This Must Be The Place", "The Knick", "Papillon") gibt Robins Holde, Tim Minchin ("Two Fists, One Heart", "Californication", "Squinters") ist als Bruder Tuck zu sehen, Jamie "Mr. Grey" Dornan ("Marie Antoinette", "The Fall", "Fifty Shades of Boring") tritt als Will Scarlet auf. Außerdem dabei: Guy von Gisborne, dargestellt von Paul (nicht W.S.) Anderson ("Sherlock Holmes: A Game of Shadows", "In the Heart of the Sea", "The Revenant"). Scheinbar müssen wir auf Prinz John leider, leider wieder verzichten, ein Richard Löwenherz-Cameo fänd ich hingegen ganz nett.