Mittwoch, Februar 01, 2017

Kurzreviews Dezember/2016

Oh weh, das nenne ich eine üble Verspätung. Weihnachten war stressig, alles, was mich nebenbei noch beschäftigte nicht minder, weswegen ich erst heute dazu gekommen bin, die Reviewliste für Dezember fertigzustellen - im Februar. Ja, ja, ja, ich weiß was sie jetzt denken: so lange, wie ich für diese Liste gebraucht habe, lassen die meisten Leute ihren Weihnachtsbaum nicht stehen (außer meiner Patentante und das ist kein schlechter Witz, sondern die Wahrheit), immerhin ist die letzte Liste von wann, November? Und bereits diese war kam am 7. Dezember mit einer Woche Verspätung. Nichtsdestotrotz habe ich es endlich fertiggebracht, die Dezemberausgabe zu Ende zu bringen und möchte sie gerne veröffentlichen, um das wahrhaft schreckliche Jahr 2016 end-, end-, endlich hinter mich zu bringen und abzuschießen, meine -zuschließen.
Da ich mich wenig um meinen Blog gekümmert habe, werde ich dieses Jahr zudem wahrscheinlich kein Wort zu den Oscars verlieren. Jedoch ein Blick auf die Nominierungen dieses Jahres genügt, um festzustellen, dass sie dem nichtssagenden Filmjahr 2016 entsprechend langweilig ausgefallen sind. Weitere Kommentare sind im Grunde genommen überflüssig.

Bevor ich somit zur eigentlichen Liste komme, möchte ich noch ein, zwei kleine formale Änderungen erwähnen, die ich künftig ab 2017 anwenden werde:
Nummer 1 betrifft den bereits in der Oktober/II/2016-Liste eingeführten Umgang mit Verlinkungen zu Reviews aus älteren Reviewlisten Filme betreffend, zu denen mir nichts neues zu sagen mehr einfallen will oder kann (in dieser Liste: "Der Mann mit dem goldenen Colt"). Bei "Coraline" habe ich es noch gehandhabt, dass eine Veränderung der Wertungen mit dem Vermerk "Neuer Wertung" unter dem Link selbst notiert ist. Künftig wird die neue Wertung beim alten Review zu finden sein, mit der alten Wertung als kleine Zahl danebenstehend (Beispiel "Coraline": (98,5)).
Nummer 2 betrifft die Titel von Filmen und Serien, genauer deren Original-Titel, die ich ab dieser Liste in eckigen Klammern hinter dem deutschen Titeln hinzufügen werde (ich hadere noch mit mir selber, ob ich das rückwirkend für ältere Listen durchsetze). Das grundlegende Schema bleibt bestehen: deutsche Titel entnehme ich der OFDB, Original-Titel der IMDB. Ein Spezialfall fällt bei asiatischen Filmen an: den Original-Titel entnehme ich bei diesen ebenso der IMDB, ergänze indes die entsprechende Schriftweise des Originallandes (etwa Kanji bei japanischen, Hanzi bei chinesischen Produktionen) und in runden Klammern den geläufigen englischen Titel (Beispiele finden sich in dieser Liste). Deutsche Alternativtitel nenne ich nach wie vor mit einem aka "xy" vor dem regulären Review.

Weil die Dezemberlist sich so schlimm verspätet hat, kommen übrigens die gesamte Januar-Liste erst am 15.2. und die gesamte Februar-Liste am 1.3.

Und somit präsentiere ich endlich wiederrum die 23 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Dezember gesehen habe:


Serien-Staffeln
Seinfeld (Season 9) (1997-1998) - (6-7)
Children of Dune (2003) - (7-7,5)
Black Books (Series 1-3) (2000, 2002, 2004) (6,5-7,5)

Filme
Hellboy - Die goldene Armee [Hellboy II: The Golden Army] (2008)
Wie bereits erwähnt: nochmal eine Steigerung gegenüber dem bereits tollen Vorgänger. Wir kennen Hellboy und seinen Freundeskreis inzwischen gut genug (ein John Meyers, der uns an die Hand nimmt, ist nicht mehr von Nöten), ihre Marotten, Vorzüge und Makel. Folglich kann Guillermo del Toro den Teufel befreit von der Leine lassen, taucht genüsslich in dessen Welt ein, schildert ihn und seine Mitstreiter als liebenswerte Außenseiter, die mit ihrem Schicksal und ihrer Rolle in der Welt merklich hadern. Stimmungstechnisch geht er einen etwas anderen Weg als der Vorgänger oder die Comics, platziert Ron Perlman (erwähnte ich schon, dass man nicht besser casten konnte?) & Co. in einer stimmungsvollen, reich bevölkerten Fantasywelt, die parallel zur der der Menschen existiert, verleiht ihr darüber hinaus einen melancholischen Glanz von vergangener Schönheit und Ehrfurcht. Es ist eine glaubhafte Bühne auf der die Charaktere miteinander agieren, teils eine tragische Dimension bekommen, sogar der Antagonist Prinz Nuada besitzt mehr Facetten anstatt ausschließlich die des bösen Widersachers. Und gerade das ist es, was den Film, auch jenseits des massiven Aufwands, der hinter den sagenhaften, detaillierten, fantastischen Kostümen, Kulissen und Kreaturen steckt, so wunder-, wunderschön macht, weil er seine Charaktere und ihre Probleme ernst nimmt, ihnen Tiefe (im Rahmen des Möglichen) verleiht, sie sich entwickeln lässt und dies zum dominierenden Element macht, ohne den Fantasy-Abenteuer-Teil darunter leiden zu lassen.
Wenn man will, mag man kritisieren, dass del Toro eine ganze Menge Material in den Film gestopft hat, an manchen Sachen vorbeizurasen scheint, oft an der Grenze schrammt, die Kontrolle über dieses sagenhafte Fantasy-Füllhorn zu verlieren. Gleichwohl (in meinen Augen) hat er die Kontrolle gewahrt, sich nicht hinreißen lassen und einen großartigen, großartigen Fantasyfilm mit tollen, bezaubernd-charmanten Charakteren, mit so viel Herz und Wärme, Tragik und Melancholie, charakterlicher Tiefe und Spektakel geschaffen, dass es unwahrscheinlich erscheint, dass das alles unter einen Hut zu bekommen gewesen war. Allerspätestens in der Szene, wenn Hellboy und Abe in der Bibliothek sitzen, über die Damen ihres Herzens lamentieren, dazu Bier trinken und "I can't smile without you" zum Besten geben, muss man einfach sein Herz an den Film verlieren - es sei denn, man hat keins. Schön, dass es sowas gibt. (9)

Okami - Die tätowierte Killerin [子連れ狼 親の心子の心 Kozure Ôkami: Oya no kokoro ko no kokoro (Lone Wolf and Cub: Baby Cart in Peril)] (1972)
Beim dritten Teil der Reihe wurde mir noch bewusst, wie sehr sich Geschmack mit der Zeit verändern kann. Der vierte hat mir nun vor Augen geführt, wie geringfügig sich Geschmack mit der Zeit verändern kann - manchmal lehrt sie einen bloß sich selbst besser zu verstehen. Ich finde ihn unvermindert misslungen, die Geschichte der tätowierten Killerin, in Koike Kazuos Manga eine der beklagenswertesten Figuren und tragischsten Erzählungen, vermögen Drehbuch und Regisseur Saito Buichi, der Misumi Kenji ablöst, nicht in adäquaten Worten und Bildern einzufangen, Azumia Michis Rachefeldzug entwickelt bei weitem nicht die Dramatik ihres Pendants im Manga. Ähnlich wie der Subplot um Yagyu Ganbei wirkt sie zu beiläufig, zu desinteressiert vorgebracht. Hinzu kommt, dass die obligatorische, frei hinzugedichtete finale Massenschlacht weiteren Schaden anrichtet, einen plumpen, viel zu actionbetonten Nachklapp liefert, der innopportun von der stillen, nachdenklichen Traurigkeit, die Oyukis Schicksal erzeugen sollte, ablenkt, ihn regelrecht negiert. Schade drum. (6)

Traitor (2008)
Mit Terrorismus-Thrillern kann man mich jagen, "Traitor" hat mir wider Erwarten ganz gut gefallen. In erster Linie dem Action-Thriller verhaftet, versucht Jeffrey Nachmanoff allerwenigstens, kein eindimensionales, simplifizierendes Bild des prekären Themas und der Beteiligten zu zeichnen. Ohne Frage liegen die Sympathien mehr auf der Seite der Behörden, es ist und bleibt schließlich ein amerikanischer Film. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings nicht, dass sie in einem durchgängig positiven Licht erscheinen, ebenso wenig wie die Terroristen apodiktisch wie verklärte Fanatiker und misanthropische Monster umrissen werden. Die Verfolger verdienen Kritik, den Verfolgten wird, bei aller Ablehnung und Verurteilung ihrer verabscheuenswürdigen Taten, als Menschen gerecht zu werden versucht: manche manipulieren ihre Soldaten, instrumentalisieren die Religion, andere glauben unverfälscht an die Rechtschaffenheit ihrer Taten, politisch, wie religiös, sind obendrein nicht unsympathische Zeitgenossen, wieder andere stellen sich als verzweifelte, desorientierte und hilflose Opfer heraus, die für eine Sache eingespannt werden, die sie nicht gänzlich verstehen. Don Cheadle in der Rolle des eponymen Verräter in mannigfaltiger Hinsicht steht zwischen allen Fronten, nimmt gleichermaßen eine Vermittlerposition zwischen den Parteien, sowie die Funktion eines emblematischen Punkts, an dem alle Konfliktherde psychisch und moralisch zerren, ein. Gewiss bleibt der Film seinem Genre-Naturell verpflichtet, eine tiefgehende, kontemplative Auseinandersetzung mit dem Thema findet nicht statt, es fehlt der Mut dahin zu gehen, wo es wirklich weh tut und auf political correctness zu verzichten. Nichtsdestotrotz ein guter Ansatz. (harsche Wertung: 6,5)

Sharknado 4: The 4th Awakens (2016)
Wie beim dritten Teil richtig erkannt, war das der vorläufige Höhepunkt des Asylum-Trash-Outputs, Nr. 4 kann trotz des temporeichen Las Vegas-Beginns nicht mehr bieten, wird schnell langweilig, beliebig, wirkt von seiner Idee selbst ermüdet. Ein, zwei Szenen amüsieren, ansonsten sollte das bitte endlich den Schlusspunkt darstellen. (Trash-Skala: 4)

Lost in Translation (2003)
Sah ich das erste Mal auf dem Höhepunkt meiner "The Lord of the Rings"-Manie und weil es sowas gänzlich anderes war, konnte mich Sofia Coppolas kleine, feine Charakterstudie seinerzeit gehörig umhauen. Die gleiche Begeisterung löst er heute bei mir nicht mehr aus, nach wie vor halte ich ihn für ein gelungenes Porträt zweier im Leben gestrandeter Seelen, zeitlich betrachtet an unterschiedlichen Punkten ihres Seins, ungeachtet dessen innerlich miteinander zutiefst vertraut und verwandt. Um diese Verlorenheit zu symbolisieren, konnte Coppola, zumindest für die "westliche" Perspektive, keinen besseren Handlungsort wie Tokio wählen, der selbst auf unvoreingenommene Zuschauer wie eine schräge, nicht allein sprachlich unmöglich zu verstehende Welt wirken muss, in der man sich ebenso fehl am Platze fühlt wie die beiden Protagonisten. Was den Film hingegen wirklich hervorstechen lässt sind die Schauspielleistungen von Bill Murray und Scarlett Johansson, wunderbar zurückhaltend und doch voller Aussagekraft, sie machen vor allem anderen den Film bis heute sehenswert. (8)
Wenn die tollen Tanten kommen (1970)
Unfassbar unlustige deutsche Chauvi-Komödiengrütze, prall gefüllt mit grässlichen Schlagernummern, um die bereits knappe, miserabel ausgefüllte Geschichte, wenn man es so nennen möchte, auf Filmlaufzeit zu strecken. War damals ein Kinohit? Passt. Armes Deutschland. (1)

Okami - Der weiße Pfad der Hölle [子連れ狼 冥府魔道 Kozure Ôkami: Meifumadô (Lone Wolf and Cub: Baby Cart in the Land of Demons)] (1973)
Für den vorletzten Teil kehrt Misumi Kenji, der maßgeblichen Anteil daran hatte, die Reihe groß zu machen, zum vierten und letzten Mal auf den Regiestuhl zurück, erzählt eine relativ verworrene, wenigstens aber das Interesse haltende und konzentrierte Geschichte, die Actionszenen versucht er durch ungewöhnliche Kadrierungen zu variieren, welche die Schwertkämpfe bisweilen an den Rand des Geschehens weichen lassen. Im Großen Finale führt er die vielfältigen, verschiedenste Interessen umfassenden Erzählstränge zufriedenstellend zusammen und bietet einen spektakulären, wie drastisch-konsequentem Endpunkt. (8)

Iron Tiger [方世玉續集 Fong sai yuk 2] (1993)
Im Unkenntnis des Erstlings: typischer Kung-Fu-Klamauk der 90er-Jahre, der seine Albernheiten hauptsächlich im Spannungsfeld der Geschlechter, Mann und Frau, Mutter und Sohn, Gatte und Gattin zuzüglich Nebenfrau, situiert findet, garniert mit Kung-Fu-Slapstick, patriotischem Pathos und hysterischen Frauchen, die samt und sonders Jet Lis Charme kaum widerstehen können, von Corey Yuen gewohnt rasant und mit viel Wire-Fu gestaltet. (6)

Total Risk [鼠膽龍威 Shu dan long wei (Meltdown)] (1995)
aka "High Risk". Wong Jing realisiert mit sicherer Hand einen "Die Hard"-Epigonen, den er auf HK-Art um einige explosive Action-Elemente erweitert, von denen John McClane bloß träumen kann. Bevor es zur das Konzept determinierenden Geiselnahme und Einzelkämpferausgangslage kommt, insofern abweichend, dass sich Jet Li mitsamt Entourage inklusive kreischenden Weibchen der Terroristen zu erwehren hat, gönnt Wong den Figuren einen ausgedehnten Vorlauf, stellt die Protagonisten ausführlich vor, formuliert Jet Lis tragische Vorgeschichte mit Kelvin Wong aus. Besonderen Fokus legt er auf Jacky Cheungs hanswurstige Parodie des repräsentativen HK-Kung-Fu-Stars Marke Bruce Lee oder Jackie Chan mit Star-Allüren, was, neben des offensichtlichen platten Comic Relief, zunächst als flamboyante Kontrastfigur zum besonnen agierenden Helden seinen Zweck erfüllt, im Grunde genommen Lis Kit Li überhaupt erst definiert, später jedoch unüberlegterweise zu sehr in den Mittelpunkt rückt, Raum für unzählige affige Slapstickeinlagen macht (gefühlt hat er mehr Laufzeit als Li). Im Ganzen geizt der Film nicht mit HK-gewohnten Humoreinlagen, welche die Action laufend unterbrechen. Wie Wong die verschiedenen Teile mischt, Albernheiten, Action und Ernst wie selbstverständliche Teile des Ganzen nebeneinander stehen lässt, das ergibt einen prächtigen, temporeichen Cocktail, wie er so einzig in HK möglich erscheint. (7)

Jack Frost - Der eiskalte Killer [Jack Frost] (1997)
Anti-Weihnachten! Absurder, billig runtergekurbelter Horror-Mumpitz mit schlecht getrickstem, vermutlich witzig-gemeintem Killer, selbst für Trash-Fans langweilig. (Trash-Skala: 2)

Die Truman Show [The Truman Show] (1998)
Die Prämisse birgt Potenzial für Missverständnisse und falsche Erwartungen, derjenige, der dachte eine ätzende Abrechnung mit dem Konzept des Reality-TV zu sehen bekommen, muss sich auf eine Enttäuschung gefasst machen. Peter Weir präsentiert uns keine ausgemachte Medien-Satire, obzwar er an Seitenhieben nicht spart, sondern eine tragikomische Auseinandersetzung mit Existenzialismus, Determinismus, freiem Willen, Gesellschaft und Individuum, sowie religiösen Implikationen, arrangiert um Jim Carreys Everyman und Ed Harris Künstler mit Gott-Komplex. Mehr entkrampft nachdenklich denn amüsant. (8)

Gremlins - Kleine Monster [Gremlins] (1984)
Anti-Weihnachten! Alle Jahre wieder sind Gizmo und seine teuflisch-chaotische, trotzdem liebenswerte Brut, ihr anarchischer Unsinn, mit dem sie diesen Mikrokosmos amerikanischen Vorstadttums heimsuchen und auf den Kopf stellen, dessen urigen Einwohner und natürlich Joe Dantes stimmiger, detailtiefer Regie-Stil ein höllischer Spaß. Einer meiner Lieblinge. (9)

Okami - Blutiger Schnee [子連れ狼 地獄へ行くぞ!大五郎 Kozure Okami: Jigoku e ikuzo! Daigorô (Lone Wolf and Cub: White Heaven in Hell)] (1974)
Der sechste Teil bildet den Abschluss der Kinofilmreihe, bedauerlicherweise ohne sie tatsächlich abzuschließen. Unter Kuroda Yoshiyukis Regie schlägt der Beitrag zudem eine absonderliche Richtung ein, entfernt sich vom Gefühl her am weitesten vom Manga, der plötzliche Hang zum Fantasy-Horror kommt einem deutlichem Bruch zum Samurai-Tropus gleich, zumal die Fünf-Räder-Technik der Yagyu gänzlich aus dem Kontext gerissen bis auf den blanken Effekt seinen Sinn verliert. Wie insgesamt der ausgeprägte Hang zum etwas trashigen, actionlastigen B-Movie schwer ignorierbar ist. Es bleiben allerwenigstens der gelungene Teil mit Yagyu Kaori (der Ersatz für Sayaka) und das aberwitzige Finale im Schnee, in dem sich Wakayama Tomisaburo im mit Skiern und MG bewehrten Kinderwagen und Katana in der Hand einer Ninja-Streitmacht erwehrt, die ihn ihrerseits auf Skiern akrobatisch attackiert, während Ôki Minoru Artillerie-Sperrfeuer aus seinem Kanonenschlitten bereitstellt. Einen irrsinnigeren und bombastischeren Schluss hätten man sich nicht wünschen können. (7)

Tatis Schützenfest [Jour de fête] (1948)
Ja, es ist ein Klassiker der französischen Komödie und das spielerische, unerschöpfliche Ideenreichtum, das Tati mit seinem Fahrrad zur Ausführung seiner komödiantischen Eskapaden an den Tag legt, ist schon ziemlich toll. Weswegen es mir umso schwerer fällt auszudrücken, warum mich sein "Schützenfest" höchstens leidlich amüsiert hat. Möglicherweise fehlt mir das Faible für das beschauliche Leben dieser Art einer französischen Dorfgemeinschaft. Hängt nicht mein Herz dran. (6,5)

Stirb langsam [Die Hard] (1988)
Anti-Weihnachten! Kann man nicht viel zu sagen, ist und bleibt einer der besten Actionfilme, die je gemacht wurden. (10)

We Are Still Here - Haus des Grauens [We Are Still Here] (2015)
Die Ausgangslage ist vielversprechend: ein trauerndes Paar, ein unheimliches Haus einschließlich dunkler Vergangenheit, die sich insbesondere im lichtscheuen Keller geisterhaft manifestiert, eine verschworene Dorfgemeinde, alles vor einer 70er-Jahre-Kulisse - Ted Geoghegan hat einen beträchtlichen, in alle Richtungen austeilenden Mischmasch fabriziert, dem er zu allem Überfluss um eine Wahrsagerin und Seancen bereichert. Mit all diesen Elementen ist er freilich merklich über das Ziel hinausgeschossen, was sich am auffälligsten in der cheesigen sektengleichen örtlichen Bevölkerung niederschlägt, sowie im blutigen Finale, das in seinem chaotischen Gemetzel nur noch ulkig ist. Sollte das eigentlich eine Komödie/Parodie sein? (6)

Ein Held auf Rollerblades [Search for the Jewel of Polaris: Mysterious Museum] (1999)
aka "Mysterious Museum - Rollerblade Knights". Für einen günstig produzierten, kindgerechten TV-Fantasyfilm mit Trash-Neigung fand ich den ganz in Ordnung und sympathisch. Blöd, ja, aber ich kann und will ihm nicht böse sein. (5)

Herkules [Hercules] (1983)
Ach, an den habe ich seinerzeit mein Trash-Herz verloren, ihm bedenkenlos die Trash-Königswürde erteilt. Er ist und bleibt toll, ein würdiger Souverän, im Grunde genommen nicht allein als Trash-Film, sondern als Fantasyfilm an sich. Wie könnte man diese wilde, kunterbunte, traumgleiche Verarbeitung griechischer Sagen nicht lieben? (Trash-Skala: 10)

Ein Königreich vor unserer Zeit I [Wizards of the Lost Kingdom] (1985)
Und nun zum kompletten Gegenteil: nichts anderes als inkohärenter, zum Schießen komischer Fantasy-Trash ohne Budget. Ich sage nur: KUSCHELCHEWBACCA. (Trash-Skala: 7)

James Bond 007 - Der Mann mit dem goldenen Colt [The Man with the Golden Gun] (1974)

Die Tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten [Those Magnificent Men in Their Flying Machines or How I Flew from London to Paris in 25 hours 11 minutes] (1965)
Die verschiedensten Klischeegeburten der jeweiligen Länder und ihre Darsteller miteinander interagieren, konkurrieren und sich untereinander frotzeln zu sehen, das ist herrlich. Dass das eigentliche Flugrennen der geschürten Erwartung nicht ganz standhalten kann, ist angesichts der fabelhaften Flugmaschinen und staunenswerten Kameraarbeit mehr als verschmerzbar. (7,5)

Die Rache des Ungeheuers [Revenge of the Creature] (1955)
Der Gil-Man wird seiner natürliche Umgebung entrissen und im Zoo eingesperrt. Leider schweift die Handlung davon zu sehr ab in Richtung John Agar und (zweifachen) Love Interest Lori Nelson, zu weit weg von der Interaktion mit dem "Monster", wodurch sich bis zum großen Ausbruch und der anschließenden Jagd Längen einstellen und selbst dann will keine richtige Fahrt aufkommen. Sicher, es ist ein B-Monster-Movie, das war das Original allerdings auch und verstand es deutlich mehr in seiner knappen Prämisse unterbringen können. (6)

Santa Claus (1959)
Kann man das einen Anti-Weihnachtsfilm nennen? OK, Santa Claus spielt die Hauptrolle - wie genau seine Horde von Kinderarbeitern (deren Darsteller zu grauenhaft miserablen Gesangseinlagen und von ihren Eltern offensichtlich unter Androhung von Prügelstrafen auf das Set gezwungen wurden), sein High-Tech-Fairy-NSA-Labor, Merlin als magischer Q, sowie zu allem Überfluss der Teufel, der seinen unfähigsten Handlanger entsendet, Santas Weihnachtstour gründlich zu sabotieren (nebenbei ein arbiträr ausgewähltes Mädchen zum Diebstahl, ein ebenso zufällig erwähltes Rowdy-Trio zu allerlei Schabernack zu nötigen) sich in dieses unfassbare Gesamttrashwerk fügen... nun, diesen Wahnsinn sollte jeder für sich selber erfahren. Unter Vorwarnungen! (Trash-Skala: 7)











































23 - 6,7 (153,5)

Mittwoch, Dezember 07, 2016

Kurzreviews November/2016

Hiermit präsentiere ich wiederrum die 11 Filme und 3 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat November gesehen habe:


Serien-Staffeln
Unsichtbare Besucher (2015) - (5,5-6,5+)
Seinfeld (Season 7) (1995-1996) - (6,5-7,5)
Seinfeld (Season 8) (1996-1997) - (6,5-7)

Filme
Ferien in der Hölle (1971)
Ein selten beachtetes Juwel von "First Blood"-Regisseur Ted Kotcheff, ein vergällender Blick auf das Leben im australischen Outback, denn je tiefer Gary Bond in diese abgelegenen Gegenden vordringt, gestrandet, vom wohl geordneten, kategorisiertem städtischen Leben getrennt, weit weg von allem, was wir unter Zivilisation verstehen, desto stärker steigen ihm die Hitze, das triste Naturell der Umgebung und das Gefühl, vom Rest der Welt abgesondert zu sein, zu Kopf, treiben ihn in einen tatsächlich höllenhaft anmutenden Wahn, einen fiebrigen Albtraum, der ihm allmählich, wie den Bewohnern dieses unwirtlichen Landstriches, Vernunft und Menschlichkeit auszutreiben scheint. Ein schwer zu schluckender Brocken. (8,5)

Hellboy (2004)
Eine meiner Lieblingscomicverfilmungen, schließlich steckt Fantasyfilm-Genius Guillermo del Toro dahinter, der der Geschichte seinen eigenen Stempel aufdrückt, unter Beibehaltung des grundsätzlich düsteren, apokalyptische n Tons des Comics eine hinreißende Außenseitergeschichte konstruiert, getragen von dem großartigen Ron Perlman, die bestmögliche Castingentscheidung. Selbst optisch ein Genuss, mit rasanten Actionszenen, Atmosphäre, Hingabe und fühlbar viel Herz. Love it! Steigert sich noch im zweiten Teil. (8,5)

Formicula (1954)
Der Klassiker unter den Monsterameisen-Filmen, über weite Strecken ein wirksamer Thriller, besonders im ersten Abschnitt in der Wüste New Mexicos, wo die Präsenz der Ameisen zunächst bloß indirekt, hauptsächlich durch die Spuren der Verwüstung, die ihre Angriffe zurücklassen, oder durch das charakteristische, Unheil erahnen lassende Zirpen, spürbar wird. Die Bedrohung lauert gehörige Zeit ungesehen in der kargen, weitläufigen Landschaft, bevor man das erste Mal die großartigen Animatronics leibhaftig zu sehen bekommt und da haben sie bereits einen gehörigen Build Up hinter sich, dem sie zum Glück standhalten. Dieser Teil bleibt der stärkste des Films, bei der folgenden Jagd auf die entkommenen Königinnen stellen sich Längen ein, was damit zusammenhängt, dass es keinen dezidierten Helden gibt, der durch diese Zeit führt, der verwaltungstechnische Teil viel Raum einnimmt und der Darstellung des Militärs vor der der Ameisen Vorzug gegeben wird, was die Leseart des Films als Parabel auf den Kampf gegen den Kommunismus und der Ängste vor der Atombombe unterstützt. Zum Finale in der Kanalisation wird's wieder aufregender, dort gibt es gehörig Action im Kampf gegen die Ameisen. Letztlich hätte man dennoch gern mehr von ihnen, weniger von den Soldaten gesehen, aber das rüttelt kaum merklich am Klassikerstatus des Films, der in vielerlei Hinsicht als reichhaltige Inspiration späterer Monsterinsektenfilme wie "Tarantula" dient. Kurzum: toll getrickst, tolles erstes Drittel, etwas zäh bis zum Finale und mit vergessenswerter Kommunismusparabel. (8)
Okami 2 - Am Totenfluss (1972)
aka "Der Unbesiegbare Samurai". Wirkt actionorientierter als der Einstieg, mit der Exposition aus dem Weg und angesichts der toll arrangierten, blutigen Kämpfe warum auch nicht. Die verschiedenen kombinierten Kurzgeschichten der Vorlage wurden folglich in einer zweigliedrigen, recht einfachen, verwirrende Zeitsprünge oder allzu komplexe Intrigen vermeidenden Geschichte adaptiert: einerseits müssen sich Wakayama Tomisaburô und Tomikawa Akihiro einer Zweckallianz bestehend aus Kurokuwa-Spionen und einer weiblichen Yagyu-Killerbrigade angeführt von Kayo Matsuo (als Yagyu Sayaka, im Manga anders als hier niemand geringeres als die Tochter Yagyu Restusdos) erwehren, andererseits einen weiteren Mordauftrag erfüllen, dazu die drei Bentenrai-Brüder überwinden. Beide Stränge bieten spannende Aspekte, zum einen Kayos Beziehung zu den Okamis, zum anderen die illustren Kampfstile der Brüder, die mitunter am meisten Spaß machen. Ferner bekommen wir tiefere Einblicke in die Beziehung von Vater und Sohn. Kenji Misumis Bildkompositionen sind hier hinzukommend besonders prägnant. (8,5)

Okami 3 - Der Wind des Todes(1954)
aka "Japango" (warum auch immer). An dem wurde mir bewusst, wie sich Geschmack über die Zeit verändern kann. Früher einer meiner Lieblingsteile der Reihe hat er zwar mit den Watarikachi und der Einführung von Gô Katôs Kanbei, sowie den Bohachimon-Teil um Hama Yûko einen beeindruckenden, sogar relativ dialogstarken Auftakt, der ohne exzessive Schwertkämpfe auskommt, sobald Okami jedoch seinen Mordauftrag erhält, verliert die Geschichte einen Teil seines anfänglichen Verves, da urplötzlich ein neuer Widersacher samt Sidekicks eingeführt wird, die allesamt kaum Profil entwickeln können. Zumal Okamis Plan einen Schuss konfus geraten ist, die sporadischen Angriffe der Yagyu-Häscher ablenkend wirken. Immerhin mündet alles in einer schicken Massenschlacht. (7,5)

Kommissar Beck: Tödliche Sackgasse (2016)
Nicht die cleverste Idee mitten in der Reihe reinzuschauen, über die Charaktere und ihre vielfältigen privaten Sorgen die Übersicht zu behalten, musste entsprechend schwer fallen. Da es sich um einen Krimi skandinavischer Prägung handelt, fällt die Stimmung obendrein beträchtlich trostlos aus, verstärkt durch die ausgeblichenen Farben und die unablässig im Halbdunkel gehaltenen Charaktere. Der verzwickte Kriminalfall trägt genauso kaum zur Sonnenscheinstimmung bei, ist spannend, wenn man Schritt hält. (6,5)

The Musketeer (2001)
Ein weiterer, schlichtweg gescheiterter Versuch, Alexandre Dumas klassische Geschichte zu modernisieren. D'Artagnan, der die meiste Zeit im Fokus steht, sehr zu Ungunsten der anderen charakterlos bleibenden Musketiere, die kaum noch als Nebencharaktere zu identifizieren sind, leidet unter seinem charismabefreiten Darsteller Justin Chambers, seine und seiner Kameraden Mission Frankreich zu retten ist konfus geschrieben und unspektakulär ausgeführt, was sich item für die von Xin Xin Xiong mit Wuxia-Touch choreografierten Actionszenen sagen lässt, in der Werbung großartig aufgeblasen, in der Realität schlecht beleuchtet, unmöglich nachvollziehbar, sowieso zu dürftig an der Zahl und zu kurz (PG-13 sei Dank?), das finale Duell wurde gleich aus "Once Upon a Time in China" entlehnt. Schade um Tim Roth und die an sich ordentlichen Kulissen und Kostüme. Tauglichere moderne Versionen: die Disney-Verfilmung oder Paul W.S. Andersons Action-Spektakel. (4)

Augen ohne Gesicht (1960)
aka "Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff" (warum auch immer). Hat ja einen gewissen Klassiker bis Geheimtipp-Status und ich verstehe durchaus warum. Mir hat er indes seit jeher wenig gegeben, obwohl ich seine grundsätzlich vorhandenen poetischen Elemente und interessanten Ansätze ausgesprochen reizvoll finde. Gleichwohl bin ich unverändert der Meinung, dass keiner diese Ansätze zufriedenstellend umgesetzt wurde, Georges Franju reißt unzählige faszinierende Themen an, verpasst jedoch, sie brauchbar auszufüllen. Das Vater-Tochter-Verhältnis bleibt oberflächlich, ähnlich die Beziehung Pierre Brasseurs zu Alida Valli, zeitweise die einnehmendste Figur, zumal Brasseur selbst in jeder Hinsicht unterwältigend schauspielert. Zwischendurch wechselt der Film tonal von Krimi zu Thriller zu Drama, doch ohne diese Teile im Einzelnen entschlossen zu Ende zu bringen. Dann wiederrum gibt es einen Abschnitt in der Geschichte, der komplett auf der Stelle tritt, weder den Teilaspekten, noch oberflächlicher Spannung Rechnung zollt. Was bleibt sind einige gut ins Werk gesetzte Passagen und Bilder, Alida Valli, sowie selbstredend die berüchtigte mit kühler, beinahe klinischer Präzision dargebrachte OP-Szene. Ansonsten finde ich den insgesamt verschenkt. (6)
Night Train to Munich (1940)
Carol Reed inszeniert ein packendes Spionage-Geplänkel mit stetig steigender Spannungskurve bis zum Höhepunkt im eponymen Nachtzug und in der Seilbahn, dabei geben Rex Harrison und Paul Heinreid als Spiegelbildwidersacher und gegeneinander Taktierende Agenten eine vorzügliche Darbietung. Hinzukommt ein spürbarer Funke des Kampfgeistes der Briten zu diesem Zeitpunkt des Krieges. (7)

Ausgestoßen (1947)
Robert Kraskers Kameraarbeit, das Spiel von Licht und Schatten, die expressive Kraft, gehört mit zum beeindruckensten, schönsten, was Schwarzweißfotografie im Bereich des Kinos hervorgebracht hat, inklusive Carol Reeds eigenem "The Third Man". Inhaltlich unterläuft der Film einigen Wandlungen, beginnend als Heistfilm, als Flucht und Menschenjagd fortgeführt, rückt mehr und mehr James Masons Martyrium in den Mittelpunkt, seine Leiden, körperlicher, wie moralisch-ethischer Natur gleichermaßen, und das Leiden seiner Mitmenschen, bis zu einem geradezu surrealistischem Nahtodzustand. Besonders im späteren Verlauf verlagert sich die Erzählperspektive allerdings weg von Mason, hin zu der der Menschen, die ihm begegnen. Das öffnet einer Vielfalt von Menschentypen Tür und Tor, die eine höchst lebendige Landschaft aus Persönlichkeiten, einen gehaltvollen gesellschaftlichen Querschnitt konstituieren, durch dieses Aufeinandertreffen zudem oftmals selbst in eine Zwickmühle geraten, alles vor der ausdruckstarken Kulisse einer vom Krieg gezeichneten Stadt. Politische und religiöse Untertöne akzentuieren den Leidensweg Masons, dominieren ihn dahingegen nie, der Mensch als Objekt mannigfaltiger Einwirkungen und Träger schwerwiegender Entscheidungen steht klar im Mittelpunkt. Ein atemberaubendes Erlebnis von einem Film Noir. (8,5)
Hunde, wollt ihr ewig leben? (1959)
Ein früher Versuch der deutschen Nachkriegs-Filmlandschaft die Vergangenheit aufzuarbeiten, gleichzeitig einer der ersten deutschen Kriegsfilme dieser Zeit, der sich an die Darstellung kämpferischer Auseinandersetzungen wagte. Demgegenüber spielt die Bebilderung von Kriegsaction eine untergeordnete Rolle, vornehmlich wird das Schicksal der deutschen Soldaten in Stalingrad behandelt, die hier als ebensolche Opfer des Krieges und fehlerhafter Entscheidungen fehlgeleiteter Offiziere präsentiert werden, einfache Menschen in Uniformen. Frank Wisbar ist dementsprechend erpicht darauf, den Krieg als Gräuel darzustellen, dem Menschen gnaden- und sinnlos zum Opfer fallen. Gleichzeitig wird Politik weitestgehend ausgeklammert, was allem einen paradoxen Unterton verleiht. (6,5)











































11 - 7,2 (79,5)

Montag, November 28, 2016

What is Trek Love

Two of the most awesome things in the universe finally combined.

Freitag, November 25, 2016

Zitate 21

"Der Beifall, der schlechten Büchern gezollt wird, ist den Fortschritten des menschlichen Geistes ebenso hinderlich wie das Toben gegen die guten."
Voltaire