Montag, August 15, 2016

Kurzreviews August/I/2016

Hiermit präsentiere ich wiederrum die 17 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat August gesehen habe:


Serien-Staffeln
Veronica Mars (Season 1) (2004-2005) - (7,5-8)
Mozart in the Jungle (Season 1) (2014) - (6-7)

Filme
Hawking - Die Suche nach dem Anfang der Zeit (2004)
Zwischen der Vermittlung von Begeisterung für Physik und der Darstellung des Lebens und der Leiden seines Protagonisten findet die gehobene TV-Produktion ein ausgeglichenes Maß, ohne zu fachsimplerisch oder erzwungen kitschig und melodramatisch zu werden. Sehr gute Leistung von Benedict Cumberbatch. (6,5)

Marty (1955)
Zur Abwechslung die Liebesgeschichte nicht eines Paares der besseren Gesellschaft, sondern aus der Perspektive des einfachen, bürgerlichen, hart arbeitenden und mit mittelmäßigem Aussehen gesegneten Mannes mit nachvollziehbaren Träumen und Problemen, zeichnet nebenbei ein authentisches Bild des alles umgebenden Milieus, seiner Schauplätze, Situationen und Beziehungsgeflechte. Vielleicht war es dieser relative Realismus, weswegen bei mir ein Funken Langeweile aufkam, zumal ich manche Aspekte recht bieder fand, nichtsdestoweniger ein schöner Spiegel seiner Zeit, mit tollem Hauptdarsteller. (7)

The Abyss (1989)
Schon in seinem ersten großen subnautischen Abenteuer ließ sich James Cameron merklich von vorangegangenen Klassikern inspirieren, die Tauchstation und ihre Crew mit Truckermentalität erinnert etwa an "Alien", die "Make Peace, not War"-Botschaft borgt großzügig von "The Day the Earth Stood Still". Viele stören sich an dieser simplen Moral und den kitschigen Szenen zwischen Ed Harris und Mary Elizabeth Mastrantonio, was jedoch ohne Zweifel für den Film spricht, sind seine intensiven Unterwasserszenen, für die Cameron bereits ein sicheres Händchen und untrügliches Gespür an den Tag legt und die Effekte. (7)

Batman: The Killing Joke (2016)
Legendärer Comic, misslungene Adaption. Die erste halbe Stunde gehört Batgirl, gemessen an den folgenden Geschehnissen ein nachvollziehbarer Ansatz, der dahingegen vollkommen verschenkt, unnötig und ablenkend geworden ist, thematisch nichts beitragen kann, außerdem durch seine sexualisierte Darstellung von Barbara Gordon einen faden Beigeschmack hinterlässt. Doch hier hört es leider nicht auf, denn selbst für die eigentliche Erzählung, die grosso modo Panel für Panel nachstellt, erweist sich Sam Lius Regie als ideenloser Reinfall, was die Vorlage nicht von sich aus hergibt, weiß er nicht zu ergänzen, findet zu keinem Zeitpunkt zur Stimmung des Comics. Ich glaube, nie war es in einer Alan Moore-Adaption offensichtlicher, dass seine Geschichten ausgesprochen mediumgebunden sind, sich nicht ohne weiteres 1 zu 1 transponieren lassen. Schade um den verpassten Genuss, die beiden ikonischen Sprecher Kevin Conroy und Mark Hamill in einer würdigen Umsetzung von "The Killing Joke" zu hören. Zu lang geraten, fehlgeleitet und am Wesentlichen vorbei. (4,5)

Der Letzte Kampf des Shaolin (1979)
aka "Last Hurrah for Chivalry". Das Intermezzo in John Woos Komödien-Zeit, ein ausgesprochen gelungener, mutmaßlich sogar sein bester Kung Fu-/Schwerkampf-Film, spannend, witzig, voller Wendungen und prägnanten Charakteren, antizipiert darüber hinaus souverän seine Heroic Bloodshed-Werke, bloß mit Schwertern und Fäusten anstelle von Pistolen, dafür bereits mit allen Tropen (Männerfreundschaft, Aufrichtigkeit, Verrat, extreme Gewalt, Heldenmut und Treue bis in den Tod), die später für ihn zu Markenzeichen werden sollten (ausgenommen: die Tauben). (8,5)

Ein Hauch von Zen (1971)
Schlichtweg DER Klassiker des Wuxia-Films, ein unfassbares Experiment, der Versuch, den eponymen "Hauch von Zen" in einer Geschichte zu finden und filmisch zu vermitteln. Da der Zen-Buddhismus an sich weder einfach zu begreifen, noch leichtfertig in Worten ausdrückbar ist, gestaltet es sich schwierig ein abschließendes Urteil zu fällen, ob dieses Experiment King Hu geglückt ist und woran man dies definitiv fest machen könnte. Seine Absichten sind keineswegs missionarischer, sondern erforschender Natur und zur Gänze darauf ausgelegt, eine Erfahrung zu erfassen und zu vermitteln. Und das ist ihm ohne Frage gelungen, die drei Stunden Film sind eine wunderbare und wunderschön gefilmte Reise in spirituelle Sphären, ohne prätentiös oder maßlos religiös zu werden, sich eine gewisse Ambivalent stets bewahrend. (9,5) 

Laughing Times (1980)
John Woo huldigt Charlie Chaplin und der amerikanischen Stummfilmkomödie, angehaucht mit autobiographischen Eindrücken, schließlich lebte er selbst in Kindestagen zeitweilig auf der Straße und in Armut, ganz wie seine Hauptfiguren. Die kärgliche Geschichte ordnet er voll und ganz den ausufernden Slapstickeinlagen unter, behält dafür von Anfang bis Ende konsequent sein Humor-Momentum bei, liefert Slapstick über Slapstick in Hülle und Fülle, amüsante und alberne Missverständnisse im Sekundentakt - was bei allem Amüsement auf die Dauer recht anstrengend werden kann. Zwischendurch findet er jedoch immer wieder die Zeit, besinnliche Momente für seine Charaktere einzuweben und ihr existentialistisches Drama zu akzentuieren. Dean Shek brilliert überdies als "Oriental Chaplin". Und das Finale ist ein gelungener Wirbel aus rasantem Slapstick und chaotischem Wahnsinn. (7)

Musik, Musik - da wackelt die Penne (1970)
Oh weh, krampfhaft gewolltes Gute-Laune-Musical für ein verklärtes Nostalgiker-Publikum, zum Fremdschämen unlustig und furchtbar auf hip getrimmt, statt einer Geschichte gibt sich eine bunte Vielfalt von Eintagsfliegen-Schlagersängern die Ehre und grauenhaften Gesangseinlagen zum Besten, die den biederen Unterton ausgeprägt unterstreichen. Und wow möchte man dem augenscheinlich unter Drogen stehenden Ilja Richter stets eine klatschen. (3)

Libero (1973)
Massenphänomene sind mir oft genug ein Rätsel, stammen sie nun aus dem Bereich der Pop-Musik (Justin Bieber), des Films (jedweder Hype), der Religion oder wie hier des Fußballs. Sich derart blindlings einem Phänomen hinzugeben, muss doch jeder Vernunft zuwiderlaufen, aber Vernunft scheint in unserer Zeit offenkundig keinen Pfifferling mehr wert zu sein. Jedenfalls bildet "der Kaiser" Franz Beckenbauer keine Ausnahme von der Regel und dieser hirnentleerte Dreck einer schamlosen Selbstbeweihräucherung, die sich nicht mal anmaßen dürfte, sich Film zu nennen, ist eine grauenhafte Ausgeburt eines solchen "Phänomens", ein Beleg dafür, wie gewissenlose geschäftstüchtige Werbefachidioten die Dummheit ihres Publikums fördern und sie fleißig schröpfen. Fürchterlich. (0)

From Riches to Rags (1980)
In seiner Lieblingskomödie macht John Woo wieder einmal den armen, malochenden, geschundenen, dennoch aufrichtigen, träumerischen, liebenswerten Hong Kong-Everyman, sympathisch in allen extremen Gefühlsäußerungen zum Leben erweckt durch Ricky Hui, zum Mittepunkt unserer Aufmerksamkeit, lässt ihn erst das finanzielle Glück erfahren, nur um ihn kurz darauf in einen tiefen Abgrund des Unglücks strüzen zu lassen, der sich im Nachhinein als ironische Frucht eines Missverständnisses erweist, bloß da ist der Schaden längst angerichtet. Die vielen Wendungen und die temporeiche Inszenierung garantieren eine schwungvolle und unterhaltsame Komödie, die im Finale in der Irrenanstalt eine dem Schauplatz entsprechende heiter-wahnsinnige Kulmination erfährt, alles sogar inklusive eines Funken Sozialkritik. (7)

Anatevka (1971)
Überlanges Musical vor der Kulisse einer Zeit des Umbruchs, trotz der dramatischeren Untertöne lebensbejahend, für Toleranz eintretend und mit eingängigen Gesangseinlagen, die nicht als gigantomanisches Tanzspektakel, sondern zurückhaltend inszeniert sind. Der emotionale Anker für alles ist Topol, dessen Leistung dem Film im Alleingang trägt. (7)

Der Tod und das Mädchen (1994)
Intensives und spannendes Kammerstück, das vornehmlich durch seine Schauspieler überzeugt, ein seinerzeit brisantes Tagesthema anpackt ohne eine einseitige Perspektive einzunehmen. (7)

Die Faust im Nacken (1954)
Zuvorderst der Inbegriff toller Schauspielleistungen mit Marlon Brando unangefochten an der Spitze, dessen vergleichslose Darbietung schmerzlich ins Gedächtnis ruft, was uns heutzutage im Kino fehlt: dieser ikonische, überlebensgroße, intensiv spielende Typus des Filmstars, der dem Kino-Schauspieler seinen strahlenden Glanz verliehen hat. Abgesehen davon hat Elia Kazans Beitrag zum Thema (Hafen)Arbeiter und Klassenkampf nach den anfänglich starken, eindrücklichen Bildern, die durch ihren Authentizität evozierenden Schein an den italienischen Neorealismus erinnern, bei mir im Verlauf der Handlung stark an Ausstrahlungskraft eingebüßt, die Kombination aus amerikanischem Realismus einerseits, groß aufgetragener Hollywood'scher Melodramatik andererseits wirkte auf mich störend unvereinbar, die großen Gesten und Gefühle sind gemessen am Thema unter Umständen zu groß - und ich kann nachvollziehen, warum das Finale bei manchen Unbehagen hervorruft. (7)

Scarface (1932)
Satz mit X. Klassiker des Gangsterfilms, Aufstieg und Fall eines größenwahnsinnigen und maßlos gewalttätigen Kriminellen kompakt und geradlinig, aber prägnant geschildert, mit nachhaltigen Bildern und einem Funken schwarzen Humor. (8)
Der Letzte Tango in Paris (1972)
Schwierig. Ungeachtet des ihn umgebenden Skandals ist das ein Film, mit dem man sich ausgiebig auseinandersetzen muss, da Bernardo Bertolucci gefühlt jede Einstellung mit vielschichtigen Bedeutungsebenen aufgeladen hat, obwohl er sich letzten Endes auf die einfach Formel des Widerstands gegen die und Suche nach einer Alternative zur gefühlskalten Gesellschaft runterkürzen lässt. Für mein Empfinden ist das zu überladen und zu anstrengend, die Schauspielleistungen sind toll, Marlon Brando abermals grandios, seine Rolle hingegen ein unerträgliches Arschloch. Müssten ich wiederholen, nur ist das mehr ein Durchstehen, denn Genießen, daher ein Durchringen. (6)

Scary Movie (2000) & Scary Movie 2 (2001)
Gehören in vollem Umfang in ihre Zeit, sind für mich in all ihrer infantilen Albernheit immer wieder ein Spaß. Guilty pleasure. (6)








































17 - 6,3 (107,0)

Montag, Juli 25, 2016

Kurzreviews Juni/Juli/2016

Oh je, das hat mal wieder gedauert mit der Reviewliste. Wie immer aus verschiedenen Gründen, ein ganz besonders anstrengendes Studiensemester, private Probleme, sowie mancher Text in dieser Liste, der schlussendlich aufwendiger war als erwartet - und so verschob ich die Liste und verschob sie und verschob sie. Jetzt endlich habe ich es geschafft, sie fertig zu stellen und meine wochenendliche Sichtung des neuen "Star Trek"-Films (super! Außerdem: "Star Trek Beyond" > "Star Wars VII") lieferte mir einen guten Zeitpunkt, um sie endlich rauszuschicken, zur Gänze außerhalb des etablierten Turnus. Deswegen gibt es die nächste Liste zudem erst wieder am 15. August, dann hoffentlich zeitig.

Leider sind zwischenzeitlich abermals einige Größen der Filmwelt von uns gegangen: Héctor Babenco (13. Juli, Regisseur von Filmen wie "Kiss of the Spider Woman", "Ironweed", "Carandiru"), Robin Hardy (1. Juli, vor allem bekannt für "The Wicker Man" (das berühmt-berüchtigte Original und NICHT die Bienen)), Michael Cimino (2. Juli, Regisseur von legendären Filmen wie "The Deer Hunter", "Heaven's Gate"), aus unserer Kinolandschaft Götz George (19. Juni, unser allseits mehr oder weniger bliebter Schimanski), anlässlich von "Star Trek Beyond" nicht zu vergessen: der zutiefst tragische Tod von Anton Yelchin (19. Juni) hinterlassen tiefe Narben in der Kinolandschaft, sie alle ein wenig in den Schatten gestellt hat indes Bud Spencer, der am 27. Juni verstarb und mit ihm ist ein Stück Kindheit von vielen, vielen Fans gestorben. Ich war nicht Fan wie manch anderer, aber auch ich habe seine Filme geliebt, über die Rainer Brandt-Synchros Tränen gelacht und mit meinem besten Freunde singe ich bis heute dieses Lied aus "Zwei wie Pech und Schwefel". Leb wohl, Bud! Lebt wohl ihr alle!

Nichtsdestotrotz präsentiere ich wiederrum die 28 Filme und 4 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln) Xtra large, die ich in den Monaten Juni und Juli gesehen habe:


Serien-Staffeln
Raumschiff Enterprise (Season 1-2) (1966-1968) - (mit Star Trek- und Kindheitsnostalgiebonus: 10)
Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer (Season 6) (2016) (8-8,5+, wäre doch die gesamte Staffel so wie die letzte Episode gewesen)
Chuck Norris: Karate Kommandos (1986) (10.000 auf der "HOLY SHIT, IT'S A CHUCK NORRIS-CARTOON"-Skala)

Filme
Ich Beide & Sie (2000)
Mal wieder Bobby und Peter Farrelly, dies Mal mit einer zotigen Jekyll und Hyde-Version, fundiert auf dem gewohnten Humor-Niveau und Jim Carreys Grimassierereien. Ich fand's überraschend planlos, ohne roten Faden und Humor-Kontinuität, eine Ansammlung von weniger witzigen Sketchen und irrelevanten Momenten im Format eines episodischen Road-Trips, Szenen, die größtenteils durch massenhaften und nervenden Pop-Song-Einsatz gnadenlos abgewürgt wurden, bevor sich ein Witz entwickeln oder entfalten konnte. (4)

Stalag 17 (1953)
Zu Beginn steht die Aussage, dass Billy Wilder keinen handelsüblichen Kriegsfilm drehen, vielmehr das Leben der Kriegsgefangenen beleuchten wollte. Und das tut er, zeigt keine grimmigen Kriegshelden, sondern einfache Soldaten, deren dringlichstes Ziel das unmittelbare Überleben bedeutet. Der bei Wilder obligatorische Humor unterstützt einerseits diese bodenständigere, mystifizierenden Heldenpathos vermeidende Darstellung, lässt das Lagerleben andererseits stellenweise fast zu leichtlebig erscheinen. Dem entgegen steht die hochspannende Suche nach dem Verräter, die zerstörerisches Misstrauen untereinander sät und für den ausgleichenden, nötigen Ernst sorgt. Ein hervorstechender Klassiker des POW-Films. (7,5)

Frau ohne Gewissen (2000)
Was bleibt zu dem groß zu sagen? Es scheint einer natürlichen Ordnung zu folgen, dass in den Händen Billy Wilders einer der ersten Film Noirs gleich zu einem der besten wurde. Stilbildend, mit weitreichendem Einfluss und überlebensgroß, ohne ein Gramm überflüssigen Fetts. Meisterwerk! (9,5)

Money Crazy (1977)
aka "The Pilferer's Progress". Was viele Fans zweihändigen Pistolenabfeuerns in Zeitlupe nicht wissen: bevor John Woo mit seinen elegischen Gangster-Action-Dramen HK-Filmgeschichte schrieb, war er, neben seinen ersten Gehversuchen im Bereich des Martial Arts-Films, einer der erfolgreichsten Komödienregisseure der Kronkolonie, galt als "Golden Boy of Hong Kong Comedy". Mit diesem hier nahm dieser Abschnitt seiner Karriere seinen Anfang, die erste Komödie in einer Reihe von solchen, im Handumdrehen ein Riesenhit - und der westliche Zuschauer kann sich ob des einfachen, derben Humors (der anscheinend das Gros seines Witzes aus kantonesischen Wortspielen bezieht, ein Fall für lost in translation), diverser Albernheiten und der schludrigen Inszenierung nur verwundert am Kopf kratzen, zusätzlich mit dem Bewusstsein, dass ausgerechnet dieser Film an den heimischen Kinokassen sogar "Star Wars" und "Saturday Night Fever" zu schlagen vermochte (andererseits geht mir das hierzulande gleichermaßen bei den diversen Ergüssen eines Till Schweigers, die vom Publikum bedenkenlos schaufelweise gefressen werden, während wirklich gelungene oder wichtige Filme darunter zu leiden haben). Ein Schlüssel zum Verständnis findet sich möglicherweise in den Figuren, Spiegelbilder von HK-Archetypen, inklusive des Everyman, der unaufwändig, wiewohl trickreich über die Runden kommen möchte, deren Schicksale das heimische Publikum offensichtlich mehr berührte, als diejenigen von Weltraumpiraten und mystischer Sternenkrieger. Und es ist ja nicht alles schlecht an dem Film: er kann witzig sein, Richard Ng und Ricky Hui sind ein herrlich schräges Gespann und Woo genießt es augenscheinlich, seinen Heldentypus zu parodieren. Zu Meisterschaft hat er es hiermit indes nicht gebracht. (5)

Dr. Dolittle (1998)
Ganz und gar formelhafte, klischeedurchtränkte, einfältig familientaugliche Komödie nach amerikanischen Paradigma, inhaltlich ziemlich doof und einfallslos. Das große Verkaufsargument also: das Gimmick der sprechenden Tiere, hie und da amüsant, in Wahrheit ansonsten bloß eine Bühne für vermeintlich lustige Prominenten-Cameos. Passt prima in Eddie Murphys Œuvre zu der Zeit. (4,5)

Shaun das Schaf - Der Film (2015)
Ein weiteres hochsympathisches Abenteuer aus dem Hause Aardman, ein großes Vergnügen für ein jüngeres und älteres Publikum gleichermaßen, gespickt mit Details, Ideen und Anspielungen, liebevoll gestaltet und mit ganz viel Herz zum Leben erweckt - vermag es außerdem ohne ein gesprochenes Wort mehr ausdrücken als jeder inhaltsleere Blogbuster mit tausend Worten. (8)

Venus im Pelz (2013)
Musen und Aphrodite, Leidenschaft und Sex. Roman Polanski inszeniert sich selbst in diesem Filmtheaterstück über das Verhältnis zwischen Schöpfer und Schöpfung, Mann und Frau, Fiktion und in ihr wohnenden Aussagekraft. In wie weit man das als Seelenstriptease oder Fenster zur Seele des Auteurs interpretieren möchte, hängt vom Betrachter ab. Ungeachtet dessen: sehr unterhaltsame, kurzweilige, gut gespielte Auseinandersetzung mit dem Selbstverständnis von Künstler und dem gespannten Verhältnis zu seinem Werk. (7)

Unknown User (2014)
aka "Unfriended". Mein Eindruck vom Trailer: sagenhaft dämlich und unfreiwillig komisch. Die Realität: eine positive Überraschung! Durch und durch gelungene Variation des Found-Footage-Konzepts, ein kreatives Wechselspiel mit allen möglichen Auswüchsen der Web-Kommunikation, im Rahmen des Genres die meiste Zeit glaubwürdig und spannend konstruiert, hauptsächlich effizient darin, nicht zu sehr das Übernatürliche in den Fokus zu rücken (und daraus eine aufgeblasene Mythologie entstehen zu lassen), die zweckdienliche geisterhafte Erscheinung dient in erster Linie dazu, durch ihre Allwissenheit die Protagonisten zur Beichte zu zwingen. Stattdessen wird die Schuldfrage der Charaktere verdichtet, letzten Endes ist konsequenterweise keiner der Beteiligten ohne Schuld. Überraschend gut. (7)
The Visit (2015)
M. Night Shyamalan meldet sich nach seiner bezeichnenden Abwärtskarriere item mit einem Found-Footage-Horror zurück und weiß ebenfalls zu überzeugen. Statt blankem Horror oder verstörender Intensität setzt er auf eine durchgängige creepy Atmosphäre und den Eindruck der Verunsicherung, aufgebaut auf dem Kontrast zwischen dem überzeugend dargestellten Geschwisterpaar und den irritierend schrulligen Großeltern. Hinzu kommt ein eigensinniger, abgründiger Sinn für absurden Humor. Gefällt. (6,5)

SPL 2: A Time for Consequences (2015)
aka "Lethal Warrior". 10 Jahre nach dem Martial-Arts-Thriller-Hit mit Donnie Yen inszeniert Soi Cheang ein Sequel, das sich nur den Namen und Darsteller Jacky Wu mit dem Vorgänger teilt, ansonsten gänzlich auf eigenen Füßen steht. Mit einem gehörigen Schuss schicksalhafter Melodramatik entfaltet sich eine aufregende Geschichte um Organhändler, familiäre Tragik und eine Freundschaft zwischen aufrechten Kämpfern am falschen Ort zur richtigen Zeit, gewürzt mit einigen deftigen handfesten Auseinandersetzungen und toll konzipierten Szenen, vereint zudem Wu mit Tony Jaa vor der Kamera und bietet dem charismatischen Jin Zhang Raum zur Profilierung. Nicht alle inhaltlichen Aspekte greifen nahtlos ineinander, ein Popsongeinsatz sorgt für Stirnrunzeln, insgesamt ein schöner Beweis für emotionale Martial-Arts-Action mit Story. (7)

Pretty Woman (1990)
Der Klassiker der romantischen Komödie der beginnenden 90er. Entweder man verabscheut dieses realitätsferne Märchen aus tiefstem Herzen - oder man verliert sein Herz daran. Leider, leider habe ich ein Faible für diese Art Liebesfilm, zumal Garry Marshall (R.I.P.) übermäßigen Kitsch größtenteils umschifft. Schön! (7)

Krampus (2015)
Gemahnt an bessere Joe Dante-Filme, doch obgleich Michael Dougherty amüsant die anti-besinnliche Seite feierlicher Familienzusammenkunft einfängt, überhaupt eine stimmungsvolle winterliche Atmosphäre evoziert, erreicht er einen vergleichbaren Spaß-Faktor nicht, nimmt sich zu viel Zeit, bis er zur Sache zu kommt, entwickelt kein durchgängiges Tempo und das Spektakel ist, trotz einiger witziger Einfälle und kurioser Kreaturen, vorbei, bevor es richtig angefangen hat. Musik gefällt. (5)

Der Tod steht ihr gut (1992)
Fühlt sich frappierend wie ein zu lang geratener "Tales from the Crypt"-Beitrag an, schwächelt vor allem in der zweiten Hälfte und wohin mit Bruce Willis weiß er ebenso wenig. Indes die Effekte sind heute noch ausgezeichnet, für die damalige Zeit sensationell, Meryl Streep und Goldie Hawn in ihrem Zickenkrieg ein großes Pläsier. Ironischerweise versteckt sich letztlich unter dem hochkarätigem Anstrich "nur" ein unterhaltsamer B-Film über den Schönheitswahn. (6)

Batman und das Phantom (1993)
Eine überaus gelungene Filmauskopplung aus der bereits mehr als gelungenen Zeichentrickserie, mit komplexen Figuren, schmerzvollen Vergangenheitsgeschichten und trotzdem mit packenden Actionszenen. Ein rundum gelungenes Batman-Abenteuer. (7,5)

Addams Family (1991)
In Unkenntnis des Originals. Funktioniert vorzüglich in seinem morbid-schwarzhumorigen Charme und seine Witzeleien über den Gegenentwurf zur amerikanischen Bilderbuchfamilie, noch besser sind die Darsteller, angeführt von Anjelica Huston, Raul Julia und Christopher Lloyd. (6,5)

Signs - Zeichen (2002)
Fauler Trick: es geht überhaupt nicht um eine Alien-Invasion. Die Außerirdischen sind ziemliche doofe MacGuffins, im Grunde genommen findet hier bloß ein Priester seinen Glauben wieder - und das auf die denkbar unlogischste, bescheuertste Art und Weise, wie Gott, das Schicksal oder was auch immer dies in die Wege leiten konnte. Dergestalt sabotiert das alberne Drehbuch die an sich von M. Night Shyamalan gelungen inszenierten Suspense-Szenen. Und ich mag James Newton Howards Score. (5)

Mission Adler - Der starke Arm der Götter (1991)
Mehr alberne Abenteuer-Komödie als Martial-Arts-Film, trotz einiger wie immer bei Jackie Chan spaßig choreografierter Akrobatik- und Stunt-Einlagen, etwa der finale Kampf im Windkanal. Da der Herr sich hier in Begleitung von gleich drei Ausgaben holder Weiblichkeit befindet, sei erwähnt: über das Frauenbild hüllt man lieber dezent den Mantel des Schweigens, mit dem Hinweis, dass Immunität gegenüber hysterischen Kreischanfällen Grundvoraussetzung ist. (6,5)

Stereo (2014)
Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie ein deutsches Remake von "A History of Violence" gibt... Unbestritten konnte Cronenberg das besser, dann wiederrum bin ich froh über jeden Versuch aus Deutschland, Genre-Film zu produzieren und der hier ist schließlich ein ganz brauchbarer Thriller, jedenfalls besser als die geballte Schweiger/Schweighöfer-Verblödung. (6,5)

Felidae (1994)
Ein wunderbarer Krimi mit scharfsinnigem Tierhelden und spannendem, intelligentem Fall. Passend zum Tenor der Geschichte und den gezeigten Grausamkeiten zeichnen sich Animationen und Musik durch einen zutiefst düster-atmosphärischen, hochkarätigem Stil aus. Und sowas tolles kommt aus Deutschland. (8,5)

Batman v Superman: Dawn of Justice (2016)
Ich hatte schlimmstes erwartet, vielleicht konnte er mich deswegen passabel unterhalten, in etwa auf dem gleichen dummen Niveau wie "Men of Steel". Irgendwo macht das Aufeinandertreffen trotz Nolan'scher Grimmigkeit Spaß, gebietet über viele gelungene Einzelversatzstücke: das Batman-Alfred-Duo würde ich gern wiedersehen, wenn man ihn lässt, gibt Henry Cavill einen ganz guten Superman, Gal Gadot als Wonder Woman überzeugt bereits in ihren ausgesprochen kurzen Szenen. Katastrophal ist das Drehbuch, das diese Elemente nicht zu einem funktionierendem Ganzem fügt oder den Konflikt zwischen den beiden ikonischen Heroen aufzubauen versteht, sich lieber in Nolan'schem pseudo-bedeutungsschwangerem Geschwätz ins Nirgendwo über das halbgöttliche Naturell oder das küchenpsychologische Profil von Superhelden ergeht. Hinzu kommen Sprünge in der Geschichte und der dazugehörige Schnitt, der Szenen eher zweckmäßig montiert, namentlich Lex Luther leidet darunter, dass sein Plan hinten und vorne keinen Sinn ergibt. Ein anderer Regisseur als Zack Snyder hätte fernerhin mutmaßlich mehr rausholen können als leidlich chice Bilder. Immerhin: das Spektakel hat mich an die Zeit erinnert, als ich mit Actionfiguren gespielt habe, wobei ich nicht mit Sicherheit sagen kann, ob das gut oder schlecht ist. Für einen Blogbuster von dieser Größenordnung jedenfalls zu wenig. (6)

Don Jon (2013)
Nettes Regie-Debut von Joseph Gordon-Levitt, dass den Aspekt der Pornografie und Porno-Sucht nicht zu sehr zum bestimmenden Element der Geschichte werden lassen möchte, ihn nur als einen Teil der in Oberflächlichkeiten und bedeutungslosen Ritualen erstarrten Hauptfigur vermittelt, aus der es sich zu befreien, Klischees und vorgetäuschte Welten zu überwinden gilt. Das ist mal witzig, mal besinnlich, flott inszeniert und guckt sich gut weg. Nicht überragend, aber... nett. (6,5)

Die Addams Family in verrückter Tradition (1993)
Mehr vom gleichen? Gerne doch! Ich finde das Sequel tatsächlich witziger und wenigstens gleichauf stimmig, Joan Cusack erweist sich als herrlich exaltiert-manische Ergänzung und das wahrhaft gruselige Feriencamp bietet willkommenermaßen mehr Spielraum für Christina Ricci. Sehr, sehr lustig. (7)

Ein Käfig voller Narren (1978)
Das Aushängeschild der kultigen Farce war seinerzeit das ostentative Suhlen in Transen-Klischees, sowie die Darstellung des homosexuellen Pärchens als sympathische, liebenswerte Protagonisten, was bemerkenswert genug ist. Damals wie heute bezieht das Aufeinandertreffen der frivolen, ausgelassenen, schillernden Nachtclubwelt mit ihrer betont divenhaften Diva, die/der auch ungeachtet des Geschlechts und amouröser Neigungen anstrengende Manierismen an den Tag legt, zum Glück mit Ugo Tognazzi einen ruhenden Gegenpol vorgesetzt bekommt, und der moralischen, sittenwächterhaften Welt seinen Witz über Extreme, bleibt nah an den Charakteren, ohne sie als reine Witzfiguren zu verpulvern. Dankenswerterweise entsteht so keine Gagparade platter Schwulenwitze amerikanischer Prägung, sondern eine über die Charaktere funktionierende, amüsante Konfrontation. (6,5)
Der Hexenclub (1996)
Unübersehbar 90er-Jahre Verquickung von Teenie-Außenseiter-Leiden und Übernatürlichem, mit Hang zu letzterem bei fortschreitender Laufzeit. Nicht gerade subtil, allerwenigstens mit nostalgischem Unterhaltungswert. (5,5)

Deadpool (2016)
"Deadpool" kann Spaß machen: manche Momente in den Actionszenen etwa, Colossus und Negasonic Teenage Warhead, der spürbar hochmotivierte Ryan Reynolds, die Darsteller im allgemeinen (Ed Skrein funktioniert als schleimiger Fiesling eindeutig besser) - gleichwohl der Humor ist höchstens punktuell gelungen, es überwiegen auf Biegen und Brechen eingebrachte pubertäre Witzeleien und Sex-Witzchen en masse und sie machen zu allem Überfluss den Kern des Geschehens aus. Ich weiß: das war nach dem Trailer zu erwarten und ich bin ganz sicher nicht enttäuscht (mangels Erwartungshaltung), trotz allem hätte ich mir einen gelungeneren, intelligenteren Beitrag für den Trend erfolgreicher R-Rated-Filme gewünscht. (5,5)

Star Trek: Beyond (2016)
Es geht doch! Offenkundig kann man "Star Trek" modernisieren, ohne gleich auf alles zu scheißen, was das Franchise groß gemacht hat - so wie es Jar Jar Abrams genussvoll zelebriert hat. Gebt dem Film die richtigen Drehbuchautoren, den richtigen Regisseur, die richtigen Darsteller und statt blankem, frontalem, für die dumme Allgemeinheit glatt gebügeltem Verrat bekommt man die Synthese aus altem und neuem, die der Reihe zugutekommt. Der Film verzichtet nicht auf die frappant Star Wars-ähnlichen Elemente und Actioneinlagen, nähert sich im Kern dagegen end-, end-, endlich wieder Grundgedanken an, die man als "Star Trek" identifizieren kann.
Endlich gibt es wieder Föderations-Offiziere, die sich professionell und problemorientiert verhalten und nicht in unkoordinierte, lautstarke Panik ausbrechen. Endlich gibt es wieder Teamwork, eine auf einander angewiesene Crew bestehend aus Spezialisten und Experten und keine tumben Sci-Fi-Actionhelden im Alleingang. Endlich gibt es wieder Charakterdynamik und Beziehungen untereinander, die über einfallslose Love Interest-Liebeleien und platte Witze hinausgehen. Endlich gibt es wieder wirklich witzigen, trockenen Humor, der der Natur der Charaktere entspricht, fernab von peinlichen Albernheiten und Degradierungen von einzelnen zu dummen Witzfiguren. Überhaupt bleibt der Film frei von hochnotpeinlichen Szenen wie der Playboy-Posing-Szene oder der undramatischen Pseudo-Todesszenen aus "Into The Darkness". Endlich konnte ich das Kino wieder mal vollauf zufrieden verlassen, etwas, das seit einiger Zeit immer seltener vorkommt.
Simon Pegg und Doug Jung entwickeln zwar keine sagenhaft frische, himmelschreiend innovative Geschichte, dafür erzählen sie von einem aufregendem, spannendem Abenteuer, scheitern nicht an hochtrabenden Ansprüchen, konzentrieren sich darin auf die Charaktere, hegen und pflegen sie, zeigen, wie diese an ihren Herausforderungen wachsen. Sie machen grundsätzlich deutlich, dass sie Fans sind und als Drehbuchautoren ein Gespür für die Materie haben, ohne sich gleich blindem Fandom hinzugeben. In Kombination mit ihrem gelungenem Drehbuch erweist sich Justin Lin wider Erwarten als der rechte Mann für den Regiestuhl, inszeniert flüssig und mit dynamischer Kamera in den Actionszenen, ohne zu maß- und gedankenlos zu übertreiben oder sie zu stark zu gewichten, beweist auf der anderen Seite ein ausgleichendes Gespür für die ruhigeren, charakterorientierten Szenen, mit denen der Film weiß Gott nicht geizt. Witzige Momente sind wirklich witzig, traurige Momente wirklich traurig. Ja, es gibt tatsächlich Szenen von leiser, unaufdringlicher Trauer und herzergreifendem Abschied, in denen ich Tränchen wegdrücken musste, für die Lin genau die richtigen Bilder findet. Sogar der "Tod" der Enterprise wirkt nicht wie eine reine Effektexplosion oder ein emotionsloser Absturz eines Nutzgegenstands, er hat die nötige dramatische Gravitas, schockiert vermittelt über die Reaktionen der Besatzungsmitglieder und erzielt ein Gefühl von Verlust, wie beim Tod eines richtigen Charakters. Das sind alles Dinge, die in der Version von Abrams, Roberto Orci und Alex Kurtzman (bitte endlich Berufsverbot für die beiden letztgenannten) undenkbar gewesen wären (und gleicherweise in "Star Wars" alles andere als durchgehend gelungen ausgefallen sind). Neue und alte Elemente greifen wunderbar ineinander, Technik und Action geben dem Film ein ansehnliches neues Äußeres, im Herzen bewahrt er sich Entdeckerdrang, Abenteuerlust und Fortschrittsglauben, es herrscht ein Sinn für friedliches Zusammenleben, Kooperation statt Konfrontation, Konflikte zu bewältigen und gewaltlos beizulegen, ein ungemein bedeutsamer, elementarer Grundpfeiler der Star Trek-Philosophie humanistischer Prägung, der sich speziell in der Hintergrundgeschichte von Idris Elbas Antagonisten niederschlägt.
"Star Trek" ist endlich wieder ein ganzes Stück erwachsener und weniger runtergedummt, hat Charme, Witz und Seele, ebenso wie Action und Unterhaltung. Ich will nicht so tun, als wäre "Beyond" der perfekte Sci-Fi-Film, nicht mal so, als wäre er der perfekte "Star Trek"-Film. Nichtsdestotrotz ist er wirklich, wirklich gut und verdient Aufmerksamkeit, zumal, wenn man sich umschaut, wenn man verfolgt was derzeit überall auf unserer Welt vor sich geht, man nicht umhin kann festzustellen, dass der ursprüngliche Gedanke von Gene Roddenberrys "Star Trek" alles andere als obsolet ist, sich vielmehr erstrebenswerter denn je zuvor erweist, dass wir ihn nötiger haben als jemals zuvor. (7,5)
Ghostbusters 2 (1989)
Etwas planloser als sein kultiger Vorgänger, dank der unvermindert originären Idee, der wundervollen Cast und dem lausbübischen Humor (der nicht bedeutend schlauer daherkommt als wie mancher Witz aus dem Trailer zum gern gehateten dritten Teil) nach wie vor ein gigantisches Vergnügen. (8)

Fantastic Four (2015)
Don't believe the hate. Das Schöne am Reboot ist, dass es sich über weite Strecken gar nicht anfühlt wie ein Superheldenfilm, einem Sci-Fi-Film, dessen oberstes Bestreben es ist, Charaktere zu etablieren und sich ihrer Nöte anzunehmen, wesentlich näher zu sein scheint. Nicht das Spektakel steht im Vordergrund, sondern die Menschen dahinter, die später durch einen Unfall Superkräfte bekommen - und sie selbst dann nicht wie ein Geschenk, eine Transformation zu Übermenschen wahrnehmen, im Gegenteil mit ihnen hadern, sie als unwillkommener Fremdkörper verabscheuen. Das ist ein willkommener, innovativer, Möglichkeiten eröffnender Ansatz, der dem ganzen Genre gut tut - oder gut getan hätte, denn natürlich mussten Publikum und Kritiker, die immer nur die eine Art des Filmemachens zu kennen scheinen bzw. nur den Marvel Modus operandi intus haben und akzeptieren, den Film mit geballter Abneigung und Missgunst strafen, die er einfach nicht verdient hat. Freilich, er ist nicht das Non plus ultra des neuen Superheldenfilms, gerade in der zweiten Hälfte, vor allen Dingen im Finale schwächelt er merklich, turbulente Entstehungsbedingungen und Studioeinmischungen fordern sichtbar ihren Tribut, dabei hat Josh Trank nach neuen Wegen, ich möchte gar Auswegen sagen, aus dem Superheldeneinerlei gesucht. Scheinbar war er seiner Zeit voraus. Ich hoffe auf einen Director's Cut. (7)














28 - 6,6 (184,0)

Sonntag, Juni 12, 2016

Die Gladiatorenspiele der Moderne und ihre Fans

Liebe Fußballfans. Es ist ja schön, dass ihr euch so für euer Hobby begeistern könnt. Und ohne Frage kann einen Menschen seine Leidenschaft gut und gerne überschwänglich mitreißen, insbesondere in der ausgelassenen Gesellschaft Gleichgesinnter. Aber in einem Land, in dem ihr bloß zu Gast seid, in einem Land, dass vor kurzem von grauenvollen, erschütternden Terroranschlägen heimgesucht wurde und das insbesondere jetzt in Angst vor weiteren Anschläge und Todesopfern lebt, sich dort derart zu benehmen, ist schlicht und ergreifend peinlich, dumm und widerwärtig. Ganz abgesehen davon, dass ihr Menschen, die euch zwar in eurer Leidenschaft gleichen, sie nur einem anderen Objekt der Verehrung zuteilwerden lassen, derart brutal Schmerzen zufügt, sie sogar in Lebensgefahr bringt. Ihr kennt kein Maß, ihr kennt keinen Anstand und ihr kennt keine Moral. Ihr seid ein Mikrokosmos davon, was in der Menschheit alles falsch läuft. Lasst es einfach sein! Bitte! Lasst es einfach!

Freitag, Juni 03, 2016

Kurzreviews Mai/II/2016

Hiermit präsentiere ich wiederum die 15 Filme und 1 Serienstaffel (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Mai seit der letzten Liste gesehen habe:


Serien-Staffeln
The IT Crowd (Series 4) (2010) - (9-9,5)

Filme
Películas para no dormir: The Baby's Room (2006)
Álex de la Iglesias Einstand der sechsteiligen spanische Horrorfilm-Reihe beginnt als gebräuchliches Geisterhausszenario (anfangs glückliche Familie, erste unheimliche Erscheinungen, kontinuierlich wachsender Wahnsinn), das er nach Hinten raus einfallsreich variiert, mit schauervollen Ideen garniert und einen für ihn typischen Sinn für Humor beweist. Erfrischend. (6,5)

Películas para no dormir: Spectre (2006)
Anders Mateo Gils melancholisches Drama, Grauenerregendes reduziert er auf gelegentliche Schauder-Spitzen, sein Erzähltempo fällt zeitweilig beinahe zu gemächlich aus, nichtsdestotrotz vermittelt er das traurige Schicksal und die nach und nach enthüllte Schuld ergreifend. (6)

Películas para no dormir: Blame (2006)
Narciso Ibáñez Serradors Geschichte steht von der Stimmung her Gil näher als de la Iglesias, lässt sich Zeit bei der Darstellung seiner Protagonisten und ihrer Umstände, beschränkt beängstigende Vorkommnisse der uneindeutigen Auflösung angemessen vorwiegend auf schwer fassbare Andeutungen und unwohle Vorahnungen. Seine offensichtliche Haltung Abtreibungen gegenüber ist diskussionswürdig. (6)

The Young Dragons (1975)
John Woos Regiedebut, offenkundig noch eine Auftragsarbeit, typische 70er-Kung-Fu-Produktion, stilistisch merkt man ihm seine Zeit bei den Shaw Bros. und seinem Lehrmeister Chang Cheh an, doch ein paar pfiffige Kamerafahrten und ohne Zweifel die Geschichte einer Freundschaft zweier Männer an gegensätzlichen Enden des Gesetzes, thematisch kreisend um Loyalität, Ehrenhaftigkeit und Rache zeugen unverkennbar von Woos zutun. (7)

Das Mädchen aus der Cherry-Bar (1966)
Nett-sympathische Heist-Komödie, deren ganzer Witz im Kontrast zwischen der perfekt gedachten Durchführung des Plans in Michael Caines Vorstellung und der dann katastrophalen Umsetzung, bei der sich alles anders entwickelt als geplant, angefangen bei der Rekrutierung Shirley MacLaines, die sich keineswegs als das erwartete Dummchen herausstellt, endend bei der naiven Fehleinschätzung des höchst intelligenten Gegenspielers als verklärtes und einfach auszunehmendes Opfer, begründet liegt und so gerade für genug Unterhaltung sorgt. Lob an die drei hervorragenden Hauptdarsteller, insbesondere an die charismatische Darbietung Herbert Loms. (6,5)

The Witch (2015)
Hervorstechendes und in der Kritik zu gern betontes Merkmal ist die Andersartigkeit des Aspekts des Unheimlichen der Geschichte, ein Argument, das allmählich Gefahr läuft überstrapaziert zu werden. Wie es in Horrorfilmen dieser Art jedenfalls inzwischen zum Standard gehört, verzichtet Robert Eggers auf vordergründigen Horror und Jump Scares, auf Basis der trostlosen Grundsituation legt er den Schrecken auf einer beklemmenden psychologischen Ebene, in der Verzweiflung und Hilflosigkeit der Protagonisten an, kulminierend in der etwas plakativen wechselseitigen Anfeindung innerhalb der zerfallenden Familienstruktur. Der religiöse Aspekt tut das Seinige dazu, steht hierbei an manchen Stellen durch die zur Schau gestellten Hysterie-Anfälle und wahnhaften Gottes- und Jesusanrufungen arg an der Schwelle unfreiwilliger Komik - was nicht zwangsläufig der Inszenierung zu Lasten zu legen ist, sondern in der Natur der Sache liegt, insbesondere hierin allerdings den Hang zum Anachronismus des ganzen Konzepts offenlegt, da Eggers im Wesentlichen christliche Grusel- und Mahngeschichten ohne tiefgreifende Reflektion bebildert. Gute Ansätze und ich mag die Schauspieler, nur nicht ganz die allerorts gehypte Offenbarung, eher brauchbare Alternative. (7)

Películas para no dormir: A Real Friend (2006)
Enrique Urbizus Prämisse birgt eine Menge Potential, die er leider kaum zu Nutzen versteht, spannungs- und grusellos aufzieht, gute Ansätze konsequent verschenkt. Schade drum. (4)

Salomon und die Königin von Saba (1959)
Schwerfälliger Bibelmonumentalfilm, leidenschaftslos, schrecklich langweilig, nervig in seiner apodiktisch theozentrischen Perspektive, immerhin gut inszeniert und prachtvoll ausgestattet. (5)

The Dragon Tamers (1975)
John Woos zweite Regiearbeit, ein augenfällig günstig produziertes, Exploitation und Trash verwandtes Werk, exemplarisch ausgestellt in den vom Studio aufoktroyierten, Zuschaustellung nackter Weiblichkeit forcierenden, schlicht und ergreifend unpassenden, nachgedrehten Szenen. Dazu kommen der wirre, actionlastige Plot, eine trostlose, die für Woo typische Emotionalität missende Stimmung und hölzerne Darsteller, ferner Stilübungen Woos, die sich nie in ein kohärentes Ganzes fügen. Trotzdem mit unterhaltsamen Fights. (B-Movie-Skala: 6)

Películas para no dormir: Xmas Tale (2006)
[REC]-Regisseur Paco Plaza macht noch mal was ganz anderes, orientiert sich erkennbar an amerikanischen Vorbildern wie Steven Spielberg, den Goonies, Joe Dante oder "Stand By Me" mit einem Schuss Robert Rodriguez, rückt einen Kreis jugendlicher Freunde ins Feld der Betrachtung, angemessen als solche dargestellt, charakterisiert mit sympathischen und unsympathischen Wesenszügen, erzählt durchgehend aus ihrer Perspektive, bis auf ihr erpressbares "Spielzeug" spielen Erwachsene kaum eine Rolle. Reizvoll inszeniert, ganz besonders das Finale im verlassenen Vergnügungspark, mit bitterbösem Ausklang. (7)

Películas para no dormir: Hell's Resident (2006)
Vom anderen [REC]-Regisseur Jaume Balagueró kommt das große Finale, der, auf sein beliebtes Sujet des Mietshaushorrors bauend, binnen kurzem ohne Umschweife fies zur Sache geht, einen blutigen Alptraum spinnt aus dem es kein Entrinnen gibt. Zwar strapaziert er mit dem Verhalten seiner Protagonisten stellenweise Geduld und Logik, hält die Spannung nichtsdestotrotz effektiv aufrecht. Ein vorzüglich beklemmender Abschluss. (7)

Dragon Forever (1976)
aka "Hand of Death". Ein geradliniger Shaolin-Klopper nach bekanntem Helden-gegen-Mandschu-Paradigma, mit einer Vielzahl vielfältiger Kämpfer. Die Choreografien wirken stellenweise etwas bleiern und träge, dafür sehen wir Jackie Chan und Sammo Hung in frühen Rollen. (7)

Kwaidan (1964)
Ein Wunderwerk ästhetischer Synthese aus Film, Theater, Malerei, Literatur und Musik, elegische japanische Geistergeschichten nach Lafcadio Hearn, wie aus einer surrealen Traum- oder aus einer sich mit der unsrigen überschneidenden jenseitigen Welt heraus ins Werk gesetzt, formidabel ausgedrückt durch Masaki Kobayashis brillante Regie, Toru Takemitsus dissonante, andersweltliche Geräuschkulisse und die expressive Beleuchtung und Farbgebung. Kein Frage: man muss sich darauf einlassen, sowohl auf die Art der Inszenierung und der Stimmung, als auch auf die Laufzeit, wird dann jedoch belohnt mit einem einmaligen filmischen Kunstwerk. (9,5)

Im Reich des Kublai Khan (1965)
Vor allem optisch entzückender Abenteuerfilm, zu dessen größter Schwäche das episodisches Drehbuch wird, dass die exotische Expedition nicht zu einer zusammenhängenden Odyssee des weltberühmten Reisenden anwachsen lässt, sich statt dessen in gesonderten Abschnitten verliert, weswegen eine schlussendliche, erzählerische Kulmination fehlt. Nichtsdestoweniger eine erlebnisreiche, bildschöne Geschichte. (7)

Warcraft: The Beginning (2016)
OK, hier muss ich ausholen. Zuerst: vergesst die Kritiken. Nicht, weil sie grundsätzlich Unrecht hätten, mehr, dass in vielen, die ich gelesen habe, ein für mein Verständnis unfreundlich snobistischer Gestus zu Tage tritt, schlimmer noch, eine Weigerung, sich mit der Materie überhaupt auseinanderzusetzen, der Film lieber als eine weitere, misslungene Videospielverfilmung abgestempelt wird, ohne die rechte Perspektive für eine angemessene Kritik einzunehmen.
Das zum einen. Zum anderen muss ich vorrausschicken, dass ich mit "Warcraft II" und "Warcraft III" (mit WoW weniger) aufgewachsen bin, woraus letztendlich eine ganz andere Haltung resultieren muss. Und ich will nichts schönreden: die Verfilmung hat mit massiven Problemen zu kämpfen. Hölzerne Dialoge, überstürzte Handlungsabschnitte, unterentwickelte Charaktere, Versuche, mit dem Brecheisen Emotionen herbeizuführen und der allgegenwärtig innenwohnende Expositionscharakter, sprich, dass man hier das "The Beginning" ganz wörtlich nehmen, aufgrund dessen die angezogene Handbremse erwarten darf, sprechen ganz sicher nicht für den Film. Ferner richtet er sich unverhohlen an Fans, enthält unbedarften Zuschauern eine erklärende Einführung weitestgehend vor, so dass man als "Warcraft"-Laie schnell die Orientierung zu verlieren droht.
Aber "Warcraft" ist ebenso ein Film mit Herzblut und Engagement, ein Zugeständnis an die Anhänger des Spiels, mit vielen liebenswerten Wiedererkennungswerten. Auch unabhängig davon sind die Schauwerte, allen voran die CGI-Effekte, in meinen Augen ohne Frage herausragend, die Interaktion zwischen computeranimierten Orks und kostümierten Darstellern gelingt beeindruckend naht- und reibungslos, die ganze Welt, die Städte, Wälder, Schluchten, die sie bevölkernden Menschen sind hochkarätig animiert, gestaltet und ausgestattet, aus jeder Pore strömt "Warcraft"-Flair. Dazu gehört die Darstellung der Orks nicht als reine Untäter und mordende Bestien, sondern als Protagonisten am anderen Ende des Spektrums. Und selbst wenn mir die Probleme der Verfilmung stets gegenwärtig waren und noch sind, kann ich nicht umhin, "Warcraft" in den Tiefen meines Herzen zu schätzen, denn er kommt der Vorstellung einer gelungenen Videospielumsetzung wesentlich näher als je ein solche zuvor. Deswegen hoffe ich auf seinen Erfolg und eine würdige, an den Fehlern des Vorgängers gereifte Fortsetzung. Idealerweise beglückt uns Duncan Jones bis dahin mit einem 40 Minuten längeren Director's Cut, der viele Mängel ausbügeln könnte. Bis dahin freut sich der "Warcraft"-Fan in mir über eine nicht makellose, allerwenigstens jedoch gelungene Umsetzung. (Der Warcraft-Fan in mir sagt: 7)




























15 - 6,6 (98,5)

Samstag, Mai 28, 2016

Ein Tränchen für ein Lied von Eis und Feuer

Am Mittwoch habe ich die Halbzeitsfolge von "Game of Thrones" nachgeholt und beim diesmaligen Serientod einer Figur... ja, da habe ich beinahe ein Tränchen vergossen. Was für mich vergleichsweise ungewöhnlich ist, zumindest bei dieser Serie. Dabei bin ich was Filme und Serien angeht unter den richtigen Umständen fraglos nah am Wasser gebaut, bekomme bei besonders emotionalen Szenen gerne mal feuchte Augen. Mein Lieblingsbeispiel ist dies betreffend etwa Tim Burtons "Frankenweenie", bei dem ich lange Zeit nicht mal über das BluRay-Menü hinweg gekommen bin, ohne Rotz und Wasser zu heulen. Trotzdem sind die Gelegenheiten, dass ich mich von einem fiktionalen Werk zu Tränen rühren lasse, dünngesät, dafür müssen die Macher und Autoren bei mir wirklich die richtigen Hebel in Bewegung setzen. "Game of Thrones" schaffte das bisher nur ein einziges Mal mit dem Tod von Sansa Starks Schattenwolf Lady, den ihr Vater zu töten gezwungen wurde, eine tieftraurige Szene, die, obgleich ebenso dort vorkommend, mich derartig zu bewegen nicht die Serie für sich beanspruchen kann, denn das geht auf Kosten George R. R. Martins Romanvorlage, beziehungsweise des Hörbuchs dazu. Die Art und Weise, wie der Autor diesen zutiefst ungerechten Mord an dem unschuldigen Tier beschreibt, verbunden mit den geschilderten leidvollen Gedanken von Eddard Stark über den Wolf und dessen Namensgebung, ließen mich den Vorgang schwerlich durchstehen.

Ein Grund dafür ist, dass der Tod von Tieren für mich von jeher schwerer zu ertragen war als der von Menschen (zumindest in Filmform), das merkt man an "Frankenweenie", das merkte man, als ich im zarten Kindesalter über den selbstaufopferungsvollen Tod Dracos in "Dragonheart" zutiefst betrübt war, ja, selbst die aus purer Manipulation heraus (und mir ist bewusst, dass die Bedrohung bzw. der Tod von Tieren im Film immerzu eine beliebte und effektive Form der Zuschauermanipulation darstellt) instrumentalisierte erlösende Tötung des blöden Köters in "I Am Legend" hat bei mir trauernde Gefühlswallungen hervorgerufen.
Ein anderer Grund ist der, dass der üblicherweise gewaltsame Exitus von Personen aus der Geschichte um den Eisernen Thron als reiner Schockeffekte in Szene gesetzt wird und in erster Linie darüber wirkt. Wenn beliebte Charaktere ein unerwartetes und in den meisten Fällen durch hinterlistige Intrigen und schwer verdaulichen Verrat besiegeltes Ende finden, ist das wie ein massiver Schlag in die Magengrube (vorausgesetzt, man hat sich noch nicht insofern damit arrangiert, dass einen diese wahrlich nicht seltenen Vorkommnisse nur noch kalt lassen, was jedoch eher von einer gewollten Abstumpfung oder einem verkrampften Selbstschutztrieb zeugt).

Darin unterscheidet sich die in ihrer Grundstimmung sehr nachdenkliche gestaltete Szene mit Lady und darin unterscheidet sich ebenfalls der Tod des Charakters in aktuellen Folge "The Door", denn gemessen an den oben beschriebenen Morden und Todesfällen, welche die traurige Norm in der mitunter äußerst grausamen Welt von Westeros und Essos darstellen, fällt das diesmalige Dahinscheiden auf seine Art heroisch und regelrecht romantisch-pathetisch aus, aber auch mit einem bitteren Sinn für Melancholie. Was außerdem deswegen bemerkenswert ist, weil es sich hierbei um einen unscheinbaren Nebencharakter handelt, den man überspitzt formuliert vielleicht als nette und sympathische Hintergrunddekoration, nicht jedoch als derart bedeutsame Figur wahrgenommen hat und dem dennoch in diesem entscheidenden Moment eine wichtige Rolle zuteilwird, in der sich gleichzeitig eine betrübliche schicksalhafte Ironie niederschlägt, die vermutlich bei manchen, in einer anderen Sicht der Dinge, eine ablehnende Haltung mit der Begründung der "Überkonstruktion" hervorrufen wird. Vielleicht bis zu einem Punkt, wo sie diesen Moment der Lächerlichkeit preisgeben möchten.
Ich für meinen Teil fand dieses dramatische Ende des betreffenden Charakters jedenfalls zu Tränen rührend, bitter-süß und wunderschön zugleich, eine willkommene und mitreißende Abwechslung zu den üblichen Niederträchtigkeiten innerhalb der Handlung, die gerade deswegen so sehr berührt, weil sie eben genau diesen Charakter trifft und ihm, vielleicht als ersten Charakter in der Serie überhaupt, einen dergestaltigen romantischen Tod gewährt.