Freitag, Januar 15, 2016

Kurzreviews Januar/I/2016

Verdammt, zur Zeit sterben wieder zu viele großartige Künstler. Jetzt auch noch Alan Rickman. Und keiner in Sicht, der solch große Lücken ausfüllen könnte. Ich geh in die Ecke weinen...

R.I.P.

Hiermit präsentiere ich wiederrum die 24 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat Januar gesehen habe:

Serien-Staffeln
Marvel's Jessica Jones (Season 1) (2015) (5-6)
Ash vs Evil Dead (Season 1) (2015) (6-6,5)

Filme
Home of the Brave (2006)
Die armen, armen US-Soldaten, nicht wahr? Ich hab mich ausgeklinkt, als Jessica Biel zu Gitarren-Musik die Zimmerdecke angeheult hat. (2)

16 Uhr 50 ab Paddington (1961)
Unverwüstlicher Krimi-Klassiker, Agatha Christies Skepsis zum Trotz. Man erfreut sich immer wieder gern an Margaret Rutherfords schrulligen Ermittler-Manierismen, ihren spitzzüngigen Wortduellen mit James Robertson Justice und dem very British Setting. Selbst wenn aus den möglichen Verdächtigen im Grunde genommen einer von Anfang an heraussticht. (8)

Tödliche Weihnachten (1996)
Herrlich beknackter Weihnachtsactioner, eine aparte Mischung aus "A History of Violence" und "Lethal Weapon", die mir ungesund viel Spaß bereitet. (6,5)

Gefährliche Brandung (1991)
Brillant inszenierter, berauschender Adrenalin-Thriller und eine der gaysten, gerade deswegen tollsten Bromances der Filmgeschichte. Bonus für Patrick Swayzes Matte. (7,5)

Darkman (1990)
In der Art stelle ich mir Sam Raimis "Batman" vor. Comichafter als die meisten Comicverfilmungen, mit visuellem Pepp und unzähligen Bildkompositionen, die so direkt Comic-Panels entsprungen sein könnten. Zumal man Raimi anmerkt, dass er im Gegensatz zu all den Nolans dieser Welt diebische Freude an seinem Superhelden hat. (6,5)

Die Goonies (1985)
Den zu synchronisieren muss eine spannende Angelegenheit gewesen. Pausenlos wird durcheinandergeschnattert, die ganze Truppe neigt ausgesprochen zu Hysterie, hektische Abläufe ziehen bisweilen zu schnell an den schönen Settings vorbei. Das ändert freilich nichts am gewaltigen Charme, den die fantasiereiche Abenteuergeschichte, die sympathischen Jungdarsteller und allgemein das 80er-Jahre-Flair versprühen. (7)

Deep End (1970)
Coming-of-Age-Drama in den Londoner 60s, in dem der junge Protagonist Opfer seiner erwachenden Sexualität und eines älteren Mädchen, belastet durch ihre eigene sexuelle Wirkung auf die männliche Umwelt, wird. Ein wenig schillerndes Bild der sexuellen Revolution, faszinierend gefilmt. (7)

Der Tag des Falken (1985)
Zunächst die Musik: die Kombination mittelalterlicher Fantasy mit Andrew Powells/Alan Parsons Synthesizer-Klängen ist zweifelsohne eigenwillig, gleichwohl nicht dominierend genug, um dem Film zu schaden, untermalt ihn an manchen Stellen sogar recht stimmungsvoll. Die märchenhafte Handlung, besonders die tragische Liebesgeschichte, die hübschen Kostüme und nett anzusehenden Landschaftsaufnahmen gefallen, Rutger Hauer und Michelle Pfeiffer machen ihre Sache sehr gut, Richard Donners Regie kann andererseits selten richtig das bisschen Magie, diese erfüllende Emotionalität beschwören, die diese Geschichte nötig gehabt hätte. (6)

Shadow und der Fluch des Khan (1994)
Unterschätzte und zu Unrecht gefloppte Superheldenverfilmung, die der Vorlage gemäß aus den Pulp-Vollen schöpft, bestärkt durch die opulenten Kulissen, Kostüme und das elegante 30er-Jahre-Kolorit. In so was fühle ich mich einfach wohl. Außerdem: fabelhafter Soundtrack von Jerry Goldsmith. (7)

Die Normannen kommen (1965)
Nicht so ausschweifend und größenwahnsinnig wie die üblichen Monumental-Produktionen, Franklin J. Schaffner beschränkt sich auf den grundlegenden Konflikt zwischen Herrscher und Beherrschten, dessen Gleichgewicht durch eine unglückliche Liebesgeschichte ins Wanken gerät, alles auf einer angenehm zurückgenommenen, dörflichen Bühne präsentiert. (7,5)

Wara no tate - Die Gejagten (2013)
Takashi Miike invertiert die Struktur eines High Concept-Thriller, präsentiert früh die spektakulärsten Szenen, zieht danach stetig kleiner werdende Kreise, geht vom Großen zum Kleinen, intensiviert dergestalt die Auseinandersetzung mit Ethik, Moral und Prinzipientreue, liefert Stoff für Diskussionen. Auf vordergründige Spannung verzichtet er dabei nicht, aber seine Regie umschifft größtenteils sich anbietende Theatralik, kann trotzdem manche hanebüchenden Momente und plakativ wirkende Situationen nicht vermeiden. (7)

Drug War (2012)
Inhaltlich bekanntes Räuber-und-Gendarm-Spiel, inszenatorisch gibt sich Johnnie To in seiner ersten großen Festland-Produktion, vielleicht hinsichtlich der Zensoren, experimentierfreudiger. Lakonisch in der Präsentation von Informationen lässt er den Zuschauer stets im Ungewissen über die Gesinnung von Louis Koos Charakter und seiner Beziehung zu Sun Hongleis Polizei-Captain, verlangt einiges an Aufmerksamkeit ab, bezieht daraus den Großteil seiner Spannung. Bei gleichzeitigem Verzicht auf genretypische cop soap opera-Elemente verwischt er zudem dezent die Grenze zwischen Protagonist und Antagonist. Zwar war mir relativ früh bewusst, wohin der Zug fährt, das Ende war nichtsdestoweniger überraschend kompromisslos. (8)

The Revenant - Der Rückkehrer (2015)
Für solche Bilder, für diese Landschaftsaufnahmen gehe ich ins Kino. Emmanuel Lubezkis unbeschreibliche Kameraarbeit, die immersiven Plansequenzen, die allgemein vorherrschende visuelle Kraft vermitteln ein kraftvolles, überwältigendes Panorama rauer, erbarmungsloser, aber erhabener Natur. Narrativ gibt sich Alejandro González Iñárritu dahingegen minimalistisch, vermischt eine simple Rachegeschichte mit spirituellen Aspekten, Leonardo DiCaprios an Gewalt nicht armer Überlebenskampf wird zur transzendenten Reise, was sich in etwas aufgesetzt wirkenden esoterischen Szenen und Symbolen niederschlägt, die im positiven Sinne gerne an Terrence Malick gemahnen. Emotionale Größe erreicht Iñárritu demgegenüber nicht, dafür sind die Charaktere nicht profiliert genug, die Rachegeschichte ist zu leidenschaftslos, sie steht dem Film in vielfacher Weise sogar im Weg. Die Bilder jedenfalls sollten im Kino erlebt werden. (8)
WarGames - Kriegsspiele (1983)
Eher nostalgisches Relikt der 80er-Jahre, mit zwar interessanter Grundidee, diese wird spannungstragend indes erst in den letzten 20 Minuten ausspielt. (5,5)

Phoenix Wright - Ace Attorney (2012)
So weit wie ich die Vorlage gespielt habe, kann ich sagen: eine der akkuratesten Spieleverfilmungen! Und natürlich ein ausgefallen nonkonformistischer Gerichtsfilm mit einem kunterbunten Justizsystem, das viel Raum für plötzliche Wendungen und effektvolle Dramatik gibt. Für manche nervig, ich mag's. (6,5)

Meine teuflischen Nachbarn (1989)
Zitierfreudige Suburbia-Hommage und -Satire, witzig und mit liebevoll urigen Charakteren. (7,5)

Ministerium der Angst (1944)
Nach den tollen ersten 20-30 Minuten verliert die Spionagegeschichte leider rapide an Spannung, kulminiert in einem zahmen Happy End. (6)

The Salvation Hunters (1925)
Josef von Sternbergs Regie-Debut und Amerikas erster Independent-Film entpuppt sich als klassische Außenseitergeschichte, bzw. klassischer Existenzkampf in ausdruckstarken Bildern und einem recht fortschrittlichen Inszenierungsstil, was ihn moderner erscheinen lässt. Definitiv einen Blick wert. (7)

Shaft (1971)
Als Blaxploitation-Vertreter zu kalkuliert, "das Schwarze" mehr eine der Zeit geschuldeten Äußerlichkeit, action- und spannungstechnisch auf Sparflamme, ausgenommen das Finale - eigentlich verleiht einzig Richard Roundtrees ultra-coole Präsenz und Lässigkeit dieser im Großen und Ganzen unspektakulären, wenn auch soliden Krimihandlung die dringend nötige Dynamik und Bad-Assery. Drum fand ich den auch nie sonderlich überragend, hätte er nicht seinen Hauptcharakter. (6,5)

Motorway (2012)
Bei der zweiten Kollaboration zwischen Soi Cheang und Johnnie To stehen Verfolgungsjagden im Mittelpunkt, jedoch anders als ihre amerikanischen oder europäischen Pendants suhlen sie sich nicht in Karambolagen und explodierenden Vehikeln, sondern setzen auf spannende Fahrerduelle, die durch Können, Geschick und oftmals auf kleinsten Raum entschieden werden. Wer Cheangs andere Filme kennt, weiß, was zu erwarten ist. Fans adrenalintreibender Hochgeschwindigkeitsjagden werden demnach enttäuscht sein, Freunde packender Fahrzeug-Thriller hingegen reich belohnt. Da verzeiht man auch die storytechnischen Mängel. (6,5)

Agatha Christie's Mord im Spiegel (1980)
Angela Landsbury als Miss Marple, ein Ensemble alternder Hollywood-Stars, die Potential für jede Menge Selbstreflexion mitbrächten, Vorlagentreue - das sollte eigentlich eine gelungene Verfilmung garantieren. Im Gegenteil: ohne den proaktiven Charakter einer Margaret Rutherford fällt Miss Marple in die Rolle einer Nebenfigur zurück, an den Ermittlungen hat sie höchstens indirekt Teil. Ödes Gespräch reiht sich an ödes Gespräch, spannende Verwicklungen oder Enthüllungen sind spärlich, der entscheide Hinweise wird unterschlagen und erst im Finale während der großen Enthüllung Interessantes geliefert. Gepflegte Langeweile auf TV-Niveau. (4)

2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen (1984)
Steigt mit einer herrlich nüchternen Zusammenfassung des legendären Kubricks ein, fügt dem ganzen Metaphysischen Geschwurbel eine politische, mehr noch: menschliche Ebene hinzu, bietet insgesamt ein atmosphärisches Weltraumabenteuer mit eindrucksvollen Bildern. Allerdings wie die legendäre Space Odyssee äußerst gemächlich im Tempo. (7)

The Fighter (2010)
Nicht so wirklich Sportfilm, nicht so wirklich Drama, eine unterhaltsame Familiengeschichte, rhythmisch inszeniert, vielleicht vom Ton her dem abgebildeten Milieu angemessen. (6)

Des Königs Admiral - Captain Horatio Hornblower (1951)
Ordentlicher Seefahrerabenteuerfilm mit bunten Kulissen, schicken Seeschlachten und rechtschaffenen Seebären. Die sülzige Liebesgeschichte, das Frauenbild und die Glaubwürdigkeit sind hierbei selbstredend total 50er-Hollywood. (7)





















24 - 6,6 (157,5)

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