Freitag, Dezember 21, 2018

Kurzreviews November/2018

Auch wenn mich der Tod meines Opas unbeschreiblich schwer getroffen , eine unermeßlich große Lücke in meinem Leben hinterlassen hat, das Leben geht weiter. Inzwischen hat sich der Alltag wieder einigermaßen eingestellt und ich richte meinen Blick auf die Zukunft. Somit habe ich es fertiggebracht, die Review-Liste für den November doch noch abzuschließen und deswegen präsentiere hiermit ich wiederum die 15 Filme und 1 Serienstaffel (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat November gesehen habe. Das wird zugleich die letzte im Jahr 2018 von mir veröffentlichte Review-Liste werden, die Dezember-Liste erscheint zur Gänze erst Januar 2019.


Serien-Staffeln
Father Ted (Series 1) (1995) (7-8)

Filme
The Nun (2018)
Das "Insidious"/"Conjuring"-Spin-off-Rad dreht sich munter weiter und was auch immer ich ihrer Zeit an der Nonne aus "Conjuring 2" schön schaurig empfunden haben mag, weder die einfallslose Regie, noch das reizlose Drehbuch konnten es in ihren Solo-Spuk hinüberretten. Obschon das Setting der Corvinilor-Bug, das bedrohliche Kloster insgesamt einen stimmungsvollen Rahmen, sich überhaupt genügend gelungene Ansätze geboten hätten, wusste scheinbar niemand der Beteiligten dieses Potenzial nutzbringend umzusetzen. Für den ihr spendierten Build-up fällt die Präsenz der Nonne reichlich mager aus, sie erscheint als semi-bedrohliches, austauschbares Monster of the week, die pseudo-epische Vorgeschichte von Monster und Kloster werden an ungünstiger Stelle effektlos hingerotzt. Das war nichts. (4)

Katzenauge [Cat's Eye(1985)
Ein schicker kompakter Episodenfilm nach Stephen King, jede der drei unterschiedlichen Geschichten unterhält auf ihre Weise vorzüglich, macht das beste aus ihrem jeweiligen Sujet. Zuweilen weisen sich die Tricks überdeutlich als solche aus, nichtsdestoweniger gefällt "Cat's Eye" als das, was er ist. (7)

Halloween III - Die Nacht der Entscheidung [Halloween III: Season of the Witch(1982)
Das vielfach gescholtene Michael Myers-lose Sequel. Sobald man drüber hinweg ist, dass man hier nicht ein Franchise-Monster popkulturell zu Tode reiten wollte, erwartet einen offen und ehrlich gesagt ein nicht uneffektiver kleiner Schocker, dem zwar ein etwas alberner Twist zu Grunde liegt, der davon abgesehen eine dichte, paranoide Atmosphäre kreiert, die nicht selten an Alien-Invasion-Paranoia-Filme der 70er Jahre gemahnt, zudem gewürzt mit gepfefferten Gewaltspitzen. Unterschätzt! (7)

Halloween 4: The Return of Michael Myers (1988)
Dann reiten wir das Franchise halt zu Tode. Michael Myers kehrt zurück und meuchelt feucht-fröhlich weiter. Das resultiert in einem reichlich plakativen Slasher, der weniger auf Stimmung, mehr auf stumpfsinnig Schocks setzt, ohne daraus zusätzliche Spannung generieren zu können. (6)

Die 3 Tage des Condor [Three Days of the Condor(1975)
Wirkungsvoller Agenten-Thriller, der spärlich und erst nach und nach Informationen preisgibt, während sich Robert Redford als geistiger Vorfahr Jason Bournes unaufhörlich auf der Flucht vor Killern und Agenten aus den eigenen Reihen befindet, auf scheinbar verlorenem Posten gegen eine undurchsichtige Schattenorganisation kämpft, was einmal mehr Verdrossenheit und berechtigten Zweifel an der Motivation und den Methoden von mit unverhältnismäßigen Befugnissen ausgesatteten Regierungsorganisationen zum Ausdruck bringt. Bonus für Max con Sydow. (7,5)

Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn [The Adventures of Tintin(2011)

Suspiria (1977)
Ich mag nicht der größte Dario Argento-Fan auf dem Erdenrund sein, sein legendäres Horror-Märchen verzaubert mich nichtsdestominder jedes Mal aufs Neue, möglicherweise sogar bei jeder erneuten Sichtung stets ein bisschen mehr. Die einfach gehaltene Geschichte gibt Argento unabsehbar viel Raum für seine suggestiven Bilder, die prächtigen Farben, die experimentelle Kamera und die bizarre Musik Goblins erzeugen einen synergetischen surrealen Mahlstrom, der einen unwillkürlich mitreißt und immer tiefer in den Kaninchenbau lockt, dabei unversehens an unseren Urängsten rüttelt. (9)

Suspiria (2018)
Luca Guadagninos Remake geht da andere, eigene Wege, tauscht die märchenhafte Farbenpracht gegen graue Tristesse ein, widmet sich Themen wie innerer Zerissenheit, Transformationen, Traumata aus der Vergangenheit, rekontextualisiert die fantastischen Elemente des Vorgängers in einem scheinbar psychologisch angehauchtem Diskurs, ohne je klare Antworten zu geben. Um ehrlich zu sein, hat er mich ein wenig ratlos zurückgelassen, abgesehen von Sayombhu Mukdeeproms Kameraarbeit, dem eindrucksvollen Set-Design, der fabelhaften filmischen Symbiose von Tanz und Tod bzw. Schmerz, sowie den durch die Bank vortrefflichen Darstellerleistungen weiß ich nicht, was mir die Neuverfilmung kommunizieren will, ob und wie sie auf mich wirkte. Jedenfalls übte sie eine gewisse Faszination auf mich aus, die sich bestenfalls bei einer Zweitsichtung deutlicher manifestiert. Bis dahin bleibt eine vages Echo des Gesehenen. (7)

Deadpool (2016)

Seed (2007)
Im Grunde genommen war für mich bereits nach dem Opening Schluss, in das Uwe Boll Original-Aufnahmen der Tierschutzorganisation PETA von auf das Grausamste gequälten Tieren einbindet. Diese unerträglich anzusehenden, da realen Zeugnisse menschlicher Grausamkeit gegenüber Lebewesen schockieren weit mehr als alles, was Boll in der Folge auffahren könnte. Was ihn nicht davon abhält, abermals seinen Stammtischparolen eine Bühne zu verschaffen, er allen Ernstes der Meinung ist, seinen Film mit einem höheren Anspruch versehen, eine Aussage über das vermeintlich naturgegeben gewalttätige, abscheuliche Wesen des Menschen getroffen zu haben, kurz: etwas, das über blanken Voyeurismus und Befriedigung der Gelüste eines Horrorfilm-Publikums hinausgeht. Zugeben muss ich, dass er ab und an unangenehme, abstossende Bilder oder Szenen zu Stande bekommt, die ultrabrutale, abscheuerregende "Hammer-Szene" etwa. Von einem guten, inhaltlich bedeutsamen Film sind wir dessenungeachtet nach wie vor meilenweit entfernt. (2)

Assault on Wall Street [Bailout: The Age of Greed(2013)
Wo wir gerade von den Stammtischparolen Uwe Bolls sprachen: "Assault on Wall Street" würde ich zu den gelungeneren Beispielen aus Bolls Schaffenswerk zählen, denn seiner demagogischen Hasstirade gegen die Reichen und Mächten dieser Welt, in diesem Falle speziell der selbstsüchtigen, rücksichtslos mit Menschenschicksalen spielenden Banker und Börsenspekulanten, fehlt es zumindest nicht an emotionaler Inbrunst, mit der Boll seine Anklage erhebt. Klar, das Geschehen bleibt flach und plakativ, wächst zu keiner Sekunde über seine oberflächliche Provokationen hinaus, einen differenzierten, cleveren Umgang mit dem Thema sucht man sich darum besser anderswo. Die allem innewohnende Wut hingegen wirkt zumindest authentisch, dem hocherhobenen Mittelfinger gegenüber der verdorbenen, arroganten Finanzwelt kann im tiefsten Innern nur zugestimmt werden. (6,5)

Tromeo & Julia [Tromeo and Juliet(1996)
Tromas Gegenentwurf zu Baz Luhrmanns "Romeo + Julia" - wenn das nicht nach einem Fest der 1000 trashigen Lichter klingt. Überraschenderweise hält sich Llyod Kaufman einigermaßen dicht an die Original-Geschichte, arbeitet sich verhältnismäßig vorlagentreu an den Figuren, Schauplätzen und Ereignissen entlang, selbstverständlich angereichert um grelle Vögel, viel Sex, übertriebene Gewalt und inzestuöse Verhältnisse allerorts. Richtig übers Ziel hinaus schießt er hingegen erst im Finale. So oder so macht die absurd-trashige Ausgabe des Shakespeare-Klassikers ordentlich Laune. (Trash-Skala: 7)

Elfmeter für den Superbullen [Delitto a Porta Romana (Crime at Porta Romana)] (1980)
Ein weiterer Klamauk-Auftritt für Tony Marroni, in der Tomas Millian seine Umgebung ordentlich aufmischen darf, zuvörderst auf Konfrontationskurs mit der mailändischen High Society. Macht Spaß. (6)

Split (2016)
Nach "The Visit" der nächste geglückte Thriller des einstmals gefeierten Regie-Wunderkindes M. Night Shyamalan, ein kleines aber feines Psycho-Duell im Spannungsfeld der unsicheren, gefahrvollen Interaktion mit den verschiedenen, sich ständig wandelden Persönlichkeitsaspekte des Entführers einerseits, der dezent angedeuteten Hintergrundgeschichte Anya Taylor-Joys andererseits. James McAvoy erbringt natürlich eine herausragende Leistung, beweist eine ungeahnte Versatilität bei der Darstellung der einzelnen Gestalten, Taylor-Joy gibt ihm Konter in Form einer Art Seelenverwandten, die ihre eigenen Dämonen zu bekämpfen hat, derweil Shyamalan auf den üblichen Budenzauber verzichtet, sich an den Schicksalen seiner Charaktere interessiert zeigt, im Ganzen willkommen entschleunigt und wenig effektheischerisch inszeniert. (7)

Robin Hood, König der Vagabunden [The Adventures of Robin Hood(1938)
aka "Die Abenteuer des Robin Hood". Das ist ein persönlicher. Der legendäre Errol Flynn-Robin Hood war einer meiner absoluten Lieblingsfilme in Kindestagen, während meinen all-freitäglichen Besuchen bei meinem Großeltern väterlicherseits in Leverkusen haben wir ihn zusammen oft, sehr oft rauf und runter geguckt, mit meinem Playmobil-Figuren oder anderen Spielsachen habe ich ihn allzu gerne nachgespielt und in der Karnevals-Zeit habe ich mich wiederholt begeistert in volle Robin Hood-Montur geworfen. Ich habe ihn zitiert, imitiert und die großartige Musik Erich Wolfgang Korngolds vor mich hingesummt. Nun wollte es das unergründliche, erbarmungslose Schicksal, dass dieser Film, der einer meiner ersten echten Lieblingsfilme war und bis heute geblieben ist, dem ich unzählige glückliche Stunden mit meinem Opa zu verdanken habe, dass dieser Film der letzte sein sollte, den ich gemeinsam mit meinem geliebten Opa sehen würde. Das intensiviert die emotionale Bindung zu ihm selbstredend um ein vielfaches, ins unermeßliche gar und macht jedwede kritische Distanz schlichtweg unmöglich. Freilich ist er ein ganz, ganz toller Abenteuerfilm, einen, wie es ihn kein zweites Mal gibt, in dem keine Szene zu lang und keine zu kurz geht, eine harmonische, lebendige, farbenprächtige Mischung aus Abenteuer, Komödie, Liebesfilm und Actionszenen. Letztere, behaupte ich gerade heraus, sind aufgrund ihrer Dynamik und ihres Tempos heute noch großartig anzusehen, derweil die tolle Darstellerriege, Flynn brilliert selbstredend in der Rolle des Robin Hood, bei den Bösewichten hinterlassen Basil Rathbone und Claude Rains einen nicht minder nachhaltigen Eindruck, ihren Figuren Leben einhauchen. Nicht umsonst die stilbildende Robin Hood-Verfilmung schlechthin. Und einer der Filme, die immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben werden... jetzt mehr denn je. (10)

















































15 - 6,6 (99,0)

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