Mittwoch, September 20, 2017

Kurzreviews August/2017

Hiermit präsentiere (aufgrund eines Urlaubs, dazugehörigen Urlaubsvorbereitungen und einer Prüfung) ich wiederrum die 18 Filme und 3 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat August (Monat September folgt in seiner Gesamtheit) gesehen habe:


Serien-Staffeln
Chuck Norris: Karate Kommandos (1986) (10.000 auf der "HOLY SHIT, IT'S A CHUCK NORRIS-CARTOON"-Skala)
Doctor Who (Season 4) (1966-1967) - (6-8) 
Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert [Star Trek: The Next Generation] (Season 4) (1990-1991) - (10)

Filme
Der Mann mit der Narbe [Hollow Triumph] (1948)
Ein Film Noir unter dem Radar, zumindest scheint es mir so, vermutlich, da Steve Sekelys Krimi-Drama konsequent gegen logische Widerstände gebürstet ist, welche die reizvolle, für einen Noir vorzüglich taugliche Grundidee immer wieder aufkommen lassen. Gleichwohl das sollte einzig Wahrscheinlichkeitskrämer interessieren, schließlich füllt diese Idee die knapp bemessene Laufzeit mit genügend hochspannenden Momenten, den Rest besorgt John Altons überaus chice Kameraarbeit. (7)

Mein Freund Harvey [Harvey] (1950)
Ein Plädoyer gegen die triste Wirklichkeit und das Soll-Diktat des grau-drögen Establishments, beschwingt und herzlich erzählt, vollends belebt durch James Stewarts "Harvey-Schauspiel", bis heute das Vorzeigebeispiel der ungewöhnlichen schauspielerischen Interaktion mit einem unsichtbaren Charakter. (7)

Beowulf (1999)
Graham Baker hat richtig erkannt, dass die Adaption klassischen Materials wie der "Beowulf"-Sage von Zeit zu Zeit (zwecks Zugänglichkeit) einer Frischzellenkur bedarf und, zugegeben: die Idee, die Geschichte in ein postapokalyptisches Setting zu versetzten, allgemein das Production Design, sowie die Re-Interpretation Beowulfs als Gadget-bewehrter Martial-Arts-Halbblut-Dämonenjäger (inklusive der Besetzung Christopher Lamberts mit fescher Gerald-Haarfarbe) funktionieren wider Erwarten ganz gut, sehen sogar ganz brauchbar aus, der Techno-Soundtrack ist bereits Geschmackssache. Ferner steigt der Streifen flott ein, kann über die gesamte Länge die Spannung jedoch nur so gerade aufrecht erhalten, hätte eines versierteren Action-Regisseurs und -Choreografen bedurft, wirkt schlussendlich wie der Pilot zu einer trashigen 90er-Fantasy-Action-Serie. (Trotz Rhona Mitras Ausschnitt: B-Movie-Skala: 5,5)
God is God - Juno Reactor from Juno Reactor on Vimeo.
Inbred (2011)
Ungewohnter Schauplatzwechsel: statt in der amerikanischen Pampa finden unsere Protagonisten die titelgebenden "Inbreds" diesmal in good ol' Britain - was in einem zünftigen, gut getricksten Ekel-Schlachtfest endet, außer zynischem "Humor" trotzdem nichts zu bieten weiß. (3)

Mike Mendez' Killers [Killers] (1996)
Billigst runtergekurbelter Amateur-Trash (Betonung liegt auf Amateur), der neben seiner nicht existenten Story, den endlosen, selbstgefälligen Monologen, der miesen Inszenierung den größten Fehler begeht: er langweilt grässlich, kommt sich dabei doch vor wie eine coole Horror-Taratinoneske mit satirischem Potenzial. Ne, ne, das war nichts. (1)

Shadow - In der Gewalt des Bösen [Shadow] (2009)
Ordentlicher Horror, der immer mal wieder die Richtung wechselt und so zumindest nicht anödend vorhersehbar ausfällt, einen passablen (wenn auch konfusen) Endtwist parat hält, alles zweckdienlich mit einer politischen Haltung nektiert. (6)

Haus der 1000 Leichen [House of 1000 Corpses] (2003)
Hab ich den bei der ersten (weit, weit zurückliegenden) Sichtung gehasst, fand ihn grauenhaft, widerlich... vielleicht lag es an meinem zarten Kindesalter und der damit verbundenen Unwissenheit. Zeit gibt zum Glück bekanntlich Rat, somit half mir die über die Jahre gewonnene Bekannschaft mit dem Horrorfilm den diesem Film angedachten Zugang zu bescheren (was ja bloß beinahe 14 Jahre in Anspruch genommen hat...). Jedenfalls gefiel mir Rob Zombies Hommage an den Terrorfilm der 70er (und darüber hinaus) bedeutend besser, konnte ich die Anspielungen besser verarbeiten und zusammen mit seinem vielgestaltigen, visuell ausreizenden, exaltierten Stil entsprechend würdigen. (7,5)

Hinter dem Horizont - Das Ende ist nur der Anfang [What Dreams May Come] (1998)
Maximal verkitschtes Kitschfest, geradezu unterträglich klebrig-süßlich und religiös verklärt, vergraben unter einem Übelkeit erregenden Berg an Zuckerguss, der jeden Anflug von ernst zu nehmender Auseinandersetzung mit dem Thema unter sich erdrückt, einschließlich der im Grunde fantasievollen und teils atemberaubend getricksten Darstellung des Jenseits. (3)

The Champ [Resurrecting the Champ] (2007)
Daumen hoch für Samuel L. Jackson und Josh Hartnett, jeder der einen heroischen Boxerfilm erwartet hat, wird hingegen enttäuscht sein: Rod Luries Drama nach einer wahren Begebenheit dreht sich in Wahrheit um das Schicksal seiner beiden Figuren, Vaterkomplexe und seichte Kritik am (Sport)Journalismus, bleibt einerseits wohltuend am Boden der Tatsachen, versteigt sich nicht in eine gekünstelt pathetische Darstellung, kratzt andererseits in jedem Bereich höchstens an der Oberfläche. In erster Linie brauchbar wegen den Darstellern. (6)

Man of Steel (2013)
So allmählich werde ich (in Grenzen) zum DCU-Apologeten, insbesondere angesichts jedes weiteren konzerngerechten, kunstfeindlichen Auswurfs des MCU. Die Zweitsichtung von "Man of Steel" etwa sagte mir beachtlich mehr zu, obgleich seine Schwächen weiterhin bestehen bleiben. Trotzdem gefallen mir Zack Snyders und Christopher Nolans Ansätze zu einer modernisierten Version Supermans und ihre Art, diese Geschichte mit den Mitteln ihres Kinos (auf der Suche nach einem alternativen, frischen Erzählmodus und -rythmus) neu zu erzählen von Mal zu Mal besser. Denn während Marvel nichts mehr kann außer Marketingtaugliche Werbespots als Filme unverhältnismäßig erfolgreich zu verkaufen, bleiben die DC-Verfilmungen allerwenigstens diskutierwürdig. Und gibt es noch einen Funken Gerechtigkeit in der Welt, bleibt dieser Ansatz länger in Erinnerung, als das erzählerische Vakuum anderer Superheldenverwurstungen. (7)

Sunshine Reggae auf Ibiza (1983)
Oh weh, oh weh. Eine weitere Ausgabe deutscher Bodensatzkomödie. Womit ich keine Fans vor den Kopf stoßen möchten (ich habe schließlich meine eigenen Blödelkomödien und geliebten Trashfilme), allerdings kann man das jenseits nostalgischer Doofheitsverklärung nicht ernsthaft in irgendeiner Form zufriedenstellend finden. Das Ganze ist nicht bloß peinlich doof und schmerzhaft unlustig, es ist genauso peinlich doof und schmerzhaft unlustig umgesetzt. Wenn das komödiantische Highlight ein sich quer über Ibiza vergewaltigender Karl Dall ist, bleibt einem einzig und allein das mit einem Facepalm zu quittieren und zu flüchten. Tragischerweise hat sich der Mainstreamgeschmack des deutschen Publikums scheinbar bis heute keinen Milimeter weiterentwickelt. (1,5)

Baby Driver (2017)
Gemessen an Edgar Wright bisherigem Schaffen seine im Vergleich ernsteste, erwachsenste Arbeit, wenn auch alles andere als humorbefreit, inszenatorisch beinahe bis zur letzten Konsequenz rythmisch arrangiert um seinen Soundtrack, um das Wechselspiel zwischen Bild und Ton. In den Händen von Wright ein cineastisches Fest, das zudem eine gute, abwechslungsreiche, herrlich gespielte (insbesondere Jon Hamm und Jamie Foxx) Gangsterstory erzählt, die bei zunehmender Laufzeit an Drastik merklich zunimmt. Etwas schade finde ich, dass die Autoverfolgungsjagden einen kleineren Teil einnehmen als erwartet, dafür sind sie wunderbar und ohne CGI-Schnickschnack durchgeführt. Übrigens: an alle, die kritisieren, die Songauswahl würde zu beliebig ausfallen: es ging hier nie um fröhliches Popkulturzitierraten, um diesen oder jenen Song nach bekannten, wiederkehrenden Mustern einzuordnen zu können.Wichtig ist, wie Wright die Lieder mit der Handlung und der Mise-en-scene nektiert, praktisch wie Bild und Ton miteinander tanzen. Und das funktioniert ganz ausgezeichnet. (7,5)

Passagier 57 [Passenger 57] (1992)
Straighter Actionthriller aus der Hochzeit Wesley Snipes, auf das Duell zwischen ihm und Bruce Payne konzentriert, sogar mit etwas Raum für Snipes Martial Arts-Können. (6,5)

Lawrence von Arabien [Lawrence of Arabia] (1962)
Unfassbares Meisterwerk von monumentalem Ausmaß, der Kampf des Menschen gegen die Natur, seine eigene, wie die der natürlichen Umgebung der Wüste, in überwältigenden Bildern festgehalten, grandios geschauspielert und insgesamt zu einem der größten Genüsse, die das epochale Kino je hervorgebracht hat, gereift. Meisterhaft! (10)

Drop Zone (1994)
Wie, Wesley Snipes schon wieder im Flugzeug? Jepp, im Grunde genommen könnte er hier ein und denselben Charakter wie in "Passagier 57" (s.o.) spielen, keiner würde den Unterschied merken. Inhaltlich geht das Geschose in Richtung eines "Gefährliche Brandung"-Epigonen (wenn Gary Busey die Seiten gewechselt hätte), begrenzt aufs Fallschirmspringen. Davon gibt es hier mehr als genug, was dem Actiongehalt der Geschichte nicht immer zu Gute kommt. Insgesamt der so gesehen familienfreundlichere Gegenpart zu "Passagier 57". Ich mag beide. Bonus für Busey. (6,5)

Macho Man (1985)
Und nochmal oh weh. Mag sein, dass das für Nürnberger ein Kultfilm ist und gemessen an den schrottigen deutschen Komödien... ist das immer noch ein lächerlich schlechter Versuch eines deutschen Kamfsportfilms, spannungs-, story- und actionarm, belustigend miserabel geschauspielert (das gesamte Werk musste nachträglich übersynchronisiert werden...) geradezu grotesk unfreiwillig komisch (die Sexszenen mussten laut Wiki aus dem Film entfernt werden... ausgerechnet dafür hat sich René Heller geschämt?), aber... irgendwo unterhaltsam ja. (Trash-Skala: 5)

Der Affe im Menschen [Monkey Shines] (1988)
Die ursprüngliche Idee sollte sein, George A. Romeros Lebenswerk anlässlich seines Todes (R.I.P.) chronologisch zu sichten, bisher bin ich damit nicht weit gekommen (bis auf "Night of the Living Dead"), hänge derzeit an "There's Always Vanilla" fest. Aber, aber, ein niemals realisierter Ausflug nach Gibraltar führte zu der fixen Idee, sich als Ersatz für das versäumte Erlebnis, sich von den dort ansässigen Berberaffen beklauen zu lassen, an "Monkey Shines" zu wagen: ein außerordentlich gelungener Tier-Psychothriller, der sich mehr nach den 70ern als den 80ern anfühlt (daher das Scheitern an der Kinokasse?), schleichend, charakterorientiert im Aufbau, mit beeindruckender Tierdressour, spannend bis zu letzt. Nur muss ich offen gestehen: Team Ella! So oder so empfand ich es als vertane Chance, die aus der Verbindung zwischen Affe und Mensch resultieren Aggression und Wildheit nicht stärker auf die Urinstinkte und angeborene Gewaltbereitschaft des Menschen zurückzuführen - woraus sich ferner bertrachtet zudem ein pfiffiger Schlussgag hätte ergeben können. Nichtsdestoweniger: eindrucksvoll! (7)

The Mismatched Couple [情逢敵手 Ching fung dik sau (Mismatched Couples)] (1985)
Wem es nach einer geballten Ladung 80er-Jahre HK-Klamauks dürstet, ist hier genau an der richtigen Adresse: ein blutjunger Donnie Yen blödelt, kämpft und (ganz besonders und etliche Male) tanzt (!) sich voller Elan durch diese Liebeskomödie, randvoll anregender, zum Himmel schreiend heiterer und spaßhafter Momente. Unbeschreiblich! Sagenhaft! Einfach toll! (8)


























18 - 5,8 (105,0)

Kommentare:

Flo Lieb hat gesagt…

Für mich birgt Man of Steel, ähnliche wie auch Batman V Superman, durchaus Potential, was allerdings nicht vollends abgerufen wird. Dafür hätte man sich mehr der Figur widmen müssen, anstatt ab der Hälfte des Films ein und dieselbe Actionszene (mit Schmackes von einem Gebäude durch ein Gebäude in ein anderes Gebäude hauen – und wieder zurück) in Dauerschleife zu präsentieren. Der erste Teaser im Malick-Modus wirkte da vielversprechend, der finale Film jedoch avancierte zu Action-Dünnpfiff der Marke Marvel. Das ist ja ohnehin eine Krux dieser Superheldenfilme, der Irrglauben, hinten raus müsse die Schluss-Halbestunde "the bigger, the better" in neue Sphären CGI-en.

Diese Filme der 90er wie Drop Zone und Passagier 57, genauso aber auch der thematisch zu Drop Zone sehr ähnliche Terminal Velocity, mag ich irgendwie doch sehr gerne. Damals wirkte das Actionkino noch etwas gelöster und lockerer. Weniger Krachbumm.

What Dreams May Come ist so ein Film, den ich mir manchmal überlege, mal wieder anzusehen – aber nur wegen des Visuellen. Baby Driver dagegen ist ein Film, vor dem ich mich jetzt schon fürchte, angesichts der ätzenden Hype-Blase die er hinter sich herzieht wie Vin Diesel seinen Banksafe in Fast Five. Ich mag Wright ohnehin nicht allzu sehr, nach Shaun of the Dead kam nicht mehr allzu viel Dolles bzw. baut er kontinuierlich ab. Geguckt wird der Film aber natürlich dennoch und vielleicht regt man sich hinterher gar nicht so sehr auf wie im Vorfeld gedacht (eventuell aber sogar noch mehr).

Zustimmung zu Lawrence of Arabia.

Okami Itto hat gesagt…

Es ist immer schön zu sehen, dass ich nicht alleine stehe mit meiner Meinung zu "Man of Steel" und BvS, da ich ansonsten, wenn nicht Unverständnis, zumindest abwertende Blicke für meine Faszination ernte. Natürlich trifft Deine Kritik vollkommen zu, muss man kein weiteres Wort drüber verlieren.

"Terminal Velocity" kenne ich noch nicht, muss ich bei Gelegenheit nachholen. ^^

"What Dreams May Come" ist visuell toll, ja. "Baby Driver" könnte Dir glatt gefallen, hinsichtlich des ein oder anderen Apsekts, der sich von den üblichen Wright-Manierismen ein wenig abgebt. Letztlich ist es dahingegen immer noch ein Wright und da ich nicht genau weiß, weswegen Du Dich an seinen Filmens störst (ich finde sie fantastisch), kann ich das natürlich schwer abschätzen. Manchmal sollte man sich wahrscheinlich nicht wegen eines Hypes die Meinung zu einem Film diktieren lassen... sagt allerdings jemand, den Hypes garantiert gleichermaßen nerven wie Dich. ;)