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Mittwoch, Mai 13, 2020

Kurzreviews Februar/2020

Die dritte nachträgliche Review-Liste und was für ein Brocken, schließlich präsentiere ich dieses Mal satte 39 Filme (das könnte die längste Liste sein, die ich bis zum heutigen Tag veröffentlicht habe...) und (kärgliche) 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat Februar gesehen habe.


Serien-Staffeln
Superman: The Animated Series (Season 1) (1996-1997) - (6,5-7,5)
Sex Education (Season 2) (2020) - (8-8,5+)

Filme
Zatoichi and the Fugitives [座頭市果し状 Zatōichi hatashijō] (1968)
Diesmal bekommt es Ichi mit einer Bande ruchloser flüchtiger Mörder mitsamt ausgefuchster weiblicher Begleitung zu tun, die sich beim lokalen intriganten, gewinnsüchtigen Oyabun Unterschlupf erkauft haben. In der Zwischenzeit findet Ichi bei Shimura Takashis mildtätigem Arzt einen naturgemäß bloß ephemeren sicheren Hafen, der ihm abermals einen Ausweg, ein neues Leben verspricht, bevor ihn das blutverschmierte Schicksal mitleidlos einholt und diesen Silberstreifen gnadenlos zunichtemacht. "Zatôichi no uta ga kikoeru" ähnlich ist "Zatōichi hatashijō" ordentlicher Durchschnitt ohne große Überraschungen, ohne groß herauszustechen, in manchem variiert er bekanntes gar höchstens minimal. (6,5)

Samaritan Zatoichi [座頭市喧嘩太鼓 Zatōichi kenka-daiko] (1968)
Der wäre mir glatt unter die Räder gekommen, Sichtung und Schreibtätigkeit lagen wohl etwas zu weit auseinander, so habe ich ihn in meiner Erinnerung etwa mit "Zatōichi goyō-tabi" durcheinandergebracht. Das tut ihm Unrecht: "Zatōichi kenka-daiko" ist mitnichten eine vergessenswerte Episode, sondern mindestens grundsolides bis gehobenes Mittelfeld innerhalb der Serie, sichergestellt vermöge der bewährten kompetenten Kapazitäten vor und hinter der Kamera, nicht zuletzt Misumi Kenjis über jeden Zweifel erhabene Regie. Man könnte sagen, dass "Zatōichi kenka-daiko" einem Remake von "Zatōichi kenka-tabi" gleichkommt, hüben wie drüben hilft Ichi einer Jungfrau in Nöten (die er ein Stück weit selbst zu verschulden hat) und begleitet sie fortan pflichtversessen auf ihrer beschwerlichen Reise, um sie vor den Häschern der Yakuza zu bewahren, welche sie in die Prostitution zu zwingen trachten. Hinzu gesellt sich Satō Makotos widerliche Ausgeburt eines gedungenen Mörders, dem sich Ichi in einem hervorragenden finalen Duell stellen darf. (7)

Zatoichi Meets Yojimbo [座頭市と用心棒 Zatōichi to Yōjinbō] (1970)
Das erste Treffen der Giganten: Katsu Shintarō versus Mifune Toshirō, Ichi kontra Tsubaki Sanjūrō - mehr oder weniger. In letzter Konsequenz war nie klar ersichtlich, ob Mifunes Charakter tatsächlich dem legendären Ronin aus Kurosawa Akiras "Yojimbo" entsprechen soll oder nicht. Sei's drum: die Assoziationen und Parallelen sind überdeutlich, die Produktion kokettiert vermittels ihnen unübersehbar. Und um beiden Legenden gerecht zu werden, spendierte man dem Zusammentreffen die für einen Zatoichi-Steifen üppige Laufzeit von annähernd zwei Stunden im Kontrast zu den sonst gebräuchlichen knackigen 90-Minütern. Ergo dürfen die beiden Rivalen fröhlich-ausgiebig die zwei ansässigen Yakuza-Clans, die diesfalls um den Goldschatz ringen, auf den es unsere Helden natürlich gleichfalls abgesehen haben, an der Nase herumführen und gegeneinander ausspielen, sich zusätzlich untereinander necken und reizen, dieses Mal kooperieren, ein anderes Mal bedrohen und die Klingen kreuzen. Das Beste aus beiden Welten, wage ich zu behaupten, schlimmstenfalls ein bissken zu lang ausgefallen, bestenfalls ein idealer Zweikampf zweier Ikonen, der beiden gerecht zu werden versteht. Nebenbei bemerkt der erste Zatoichi, den ich jemals sah. (8)

Amoklauf (1992)
Richtiggehend ein Meta-Leistung, die akkurate Wiedergabe dessen, wie es sich anfühlt, einem Uwe Boll-Machwerk beizuwohnen: als ob man abgestochen wurde und im eigenen Blut hundserbärmlich verreckend hilflos am Boden kriecht, während Boll sich an seinem tolldreisten Genius autoerotisch aufgeilt... (von 0 bis Ultrakunst alles drin)

Fred - Der Film [Fred: The Movie] (2010)
Eine der nervtötensten YouTube-Ausgeburten in unerträglicher Spielfilmlänge, eine kaum zu ertragene Qual, eine peinlich witzlose Höllenmarter, ein aussagekräftiges Exempel für das Versagen von YouTuber-Filmen, die dem folgenschweren Irrtum erliegen, dass die strunzdoofen, für das Videoportal produzierten Clips ihre aus unbegreiflichen Gründen unverschämt und unverdient erfolgreichen Urheber in irgendeiner Form dazu befähigen würden, "echte" Filme zu drehen. Und weil bei diesen nicht der Hauch eines Quäntchens künstlerischer Schaffenskraft vorhanden ist, verfallen sie allesamt auf die einfallslose Spielart einer im bestmöglichen Fall witzig gemeinten Teenie-Komödie reich an YouTuber-Cameos und popkulturellen Jokes. Äußerstenfalls für Fans erträglich und leider mit zwei Nachfolgern gesegnet... (warum ließ ich bloß meinen Trashfilm-Kumpel zum Geburtstag die nächste Auswahl treffen...) (1,5)

Heart of America (2003)
aka "Homeroom". Neben Nazis, den bösartigen Finanzeliten und Videospielen das nächstbeliebteste Sujet von Dr. Uwe Boll: Amokläufe. Dieser sein Beitrag zum Thema Schießereien an Schulen fällt im Endeffekt tolerierbar aus, Boll widmet sich extensiv allen Beteiligten und ist nach Kräften um eine differenzierte, umfassende Betrachtung bemüht, ohne notwendigerweise effektheischendem Sensationalismus zu erliegen. Er krankt an den eingefahrenen Boll-Macken, allzu fesselnd oder gar tiefgründig ist das Ergebnis nicht unbedingt, bis zu einem gewissen Grad gelingt der Skandalnudel trotz allem eine anständige Auseinandersetzung. (5,5)

Zatoichi: The Festival of Fire [座頭市あばれ火祭り Zatōichi abare-himatsuri] (1970)
Einer der kaprioleskesten, possenhaftesten Zatoichi-Teile, der Stellenweise geradezu munter am Rad dreht, solche absonderlichen, originellen Ideen aufbietet, dass er in seiner Gesamtheit wohltuend launisch aus der Reihe tanzt. Seien es Ichis Gegenspieler Mori Masayuki, der an Katsu Shintarōs Suginochi in "Shiranui kengyô" gemahnt, wäre dieser zu einem ehrfurchtgebietenden Yakuza-Obermotz aufgestiegen, Nakadai Tatsuyas manischer Ronin, Pītās androgyne Präsenz und homoerotische Avancen, das zankende Ehepaar im Teehaus oder die feurige Klimax, die aus einem Shaw Brothers-Klopper hätte stammen können - "Zatōichi abare-himatsuri" schüttet ein Füllhorn der skurrilen Attraktion über uns aus, die ihn zu einem aberwitzig tollen Erlebnis machen. (8)

Pòrco Rósso [紅の豚 Kurenai no Buta (Porco Rosso)] (1992)
"Top Gun" konnte bekanntlich meine hohen Ansprüche an spektakuläre "Dogfights" wider Erwarten nicht erfüllen. Stattdessen muss Miyazaki Hayao die Kohlen für den Fliegerfilm aus dem Feuer holen: in meiner Rangliste der bislang gesichteten Studio Ghibli-Schöpfungen nimmt "Kurenai no Buta" einen niedrigeren Rang ein, doch sogar angesichts dessen ist er ein bezauberndes Erlebnis, durchdrungen von einer unwiderstehlicher Magie, die ansonsten höchstens andere Kunstwerke aus dem Hause Ghibli verströmen und eben sagenhafter, rasanter, mitreißender Flugszenen und -kämpfe, frei von Politik und verlogener Ideologie, an dessen Stelle Miyazaki Herzlichkeit und Menschlichkeit setzt. Man merkt: Miyazaki frönt einmal mehr und nicht zum letzten Mal (wen wundert's) seinem Traum vom Fliegen, angesiedelt im Schlaraffenland eines Howard Hughes, einer entzückenden, entfesselten Abenteuerwelt vor dem Hintergrund des sich anbahnend zweiten Weltkriegs (dessen Umbruchstimmung Miyazaki gekonnt sublim walten lässt), einer letzten Zuflucht für Glücksritter und Freigeister, in welcher der Himmel und das Fliegen zur letzten Bastion und zum ultimativen Ausdruck besagter Freiheit werden. Dies und der allgegenwärtig ausgestrahlte, befreiend entspannende Habitus, hinzukommend die gewohnt exquisiten, bildschönen Malereien, der unnachahmlich Wechsel zwischen unmittelbarer unterhaltsamer Action-Komödie und Besinnlichkeit, letzteres vor allen Dingen manifestiert in einem in Worten schlichtweg nicht wiederzugebenden erhabenen Moment reiner brillanter Anmut, einer wundervollen Vorstellung von Himmel und Hölle oder, von dualistischem Ballast enthoben, einfach vom Jenseits, lassen "Kurenai no Buta" weit über anderen Flieger-Abenteuer-Fantasien stehen. (8)

Poltergeist (1982)
Steven Spielbergs, pardon, meine Tobe Hoopers Vorstadt-Grusler trägt unverkennbare Spielberg-Wesensmerkmale, gibt dessen Sicht der modernen amerikanischen Vorstadt-Familie wieder: den familienpflichtvergessenen Vater, die charakterstarke Mutter, das dem Fantastischem gegenüber empfängliche Kind, allgemein Spielberg'scher Hang zum Familienkitsch gepaart mit fachkundig aufgebauten Gänsehaut-Szenen. Letztlich ist das basale Thema von "Poltergeist" die zerrüttete Familie, die ihren inneren Zusammenhalt und die daraus erwachsende Stärke wiederfinden muss, geht somit eine großes Stück über das Gehabe eines ordinären, unambitionierten Grusel-Stoff hinaus und gebietet obendrein über die ein oder andere satirische Spitze. Gleich den meisten Spielberg-Erzeugnisse ist er ein Event-Film, der weitläufig über seine Genre-Grenzen hinausreicht und wirkt. Für den modernen Spuk-Horror konstatierte er zudem maßgebliche Tropen nebst weitreichendem Einfluss. Das gesamte "Insidious"-Universum etwa wäre ohne "Poltergeist" undenkbar... ob man das nun begrüßt oder nicht. (8)

Poltergeist II - Die andere Seite [Poltergeist II: The Other Side] (1986)
Das Sequel wiederum fußt nahezu vollständig auf schauerlichen Effekten und einer Prise schmalziger Indianer-Mystik, in der Hoffnung, dergestalt aus der Erfolgswelle des Vorgängers ein paar zusätzliche Dollar auffangen zu können. Zugegeben: den ein oder anderen bedrohlich-beängstigenden Moment weiß Brian Gibson durchaus zu kreieren, besonders Julian Beck ausgemergeltes Totenschädelgesicht kann einen schon das Frösteln lehren. (5,5)

Das Goldene Schwert des Königstigers [獨臂刀 Du bei dao (One-Armed Swordsman)] (1967)
Eine Revolution für die Gattung des bis dato vor sich hin darbenden Martial Arts-Films: Chang Cheh, der Shaw Brothers-Godfather des Wuxia- und Kung Fu-Films, legte via "Du bei dao" den Grundstein für das, was wir heute weithin unter dem Begriff des "Eastern" verstehen, begründete grundlegende Konstituenzien, Ästhetiken, stilistische und narrative Wiedererkennungsmerkmale, erschuf neben alldem geradeheraus den Typus des reüssierenden tragischen Eastern-Antihelden und bescherte allem eine bis anhin ungekannt drastische Intensität der Gewaltdarstellung. Die von ihm geschlagenen hohen Wellen waren gewaltig, markierten den Beginn des goldenen Zeitalters des Kung Fu-Flicks, der Shaw Brothers-Studios und der Karriere Jimmy Wang Yus. Ein bahnbrechender Meilenstein! (8,5)

Manhattan (1979)
Zur Einstimmung auf den New York-Urlaub: Woody Allens Ode an Manhattan in formschöner Schwarzweiß-Fotografie, Lieben, Leiden, Beziehungskrisen und neurotisches Gefasel von the Man himself in seinen notorisch pointierten Dialogen. Gäbe es nicht "Annie Hall" (s.u.), "Manhattan" wäre mit Sicherheit die endgültige Liebeserklärung an die Stadt, die niemals schläft. (8)

Die Rückkehr des Königstigers [獨臂刀王 Du bei dao wang (Return of the One-Armed Swordsman)] (1969)
Neben dem gediegenen, literarisch, opernhaft anmutenden Wegbereiter, frönt der zweite Teil vollends dem Heroic Bloodshed: um den verachtenswerten hinterhältigen Missetätern das Handwerk zu legen, schart Jimmy Wang Yu rechtschaffene und ehrbare Kämpfer um sich, die in großer Zahl in zahlreichen blutigen Gefechten den Heldentod sterben. "Du bei dao wang" entfaltet sich in der Folge in Form einer nicht enden wollenden Kette vielseitiger, packend choreografierter bewaffneter Zusammenstöße zwischen Wang Yus tapferen Recken und ihren ehrlosen, unbefangen zu den schmutzigsten Tricks greifenden Gegnern. Das Fechten, Bluten, Sterben und Fallenstellen mag auf längere Sicht eine ermüdende Wirkung nach sich ziehen, bis dahin hat "Du bei dao wang" sein Ziel indessen längst erreicht. (8)

Das Schwert des gelben Tigers [新獨臂刀 Xin du bi dao (The New One-Armed Swordsman)] (1971)
aka "Triple Irons". Der dritte im Verbund: nachdem Jimmy Wang Yu den Show Brothers unrühmlich den Rücken gekehrt hatte, oblag es David Chiang das Erbe in diesem Quasi-Reboot (japp, gab's schon damals in China/HK) fortzuführen. Schwertkräftige Unterstützung erhält er von niemand geringerem als Ti Lung und sich mutuell die ewige Freundschaft schwörend stürzen sie sich ins Getümmel, um den arglistigen Schuften das Handwerk zu legen. Im Grande Finale darf Chiang zu guter Letzt seinen Racheschwur erfüllen, seine Feinde reihenweise niedermähen und schlussendlich unter Zuhilfenahme eines raffinierten artistischen Kunstgriffs dem Endgegner einschneidend beibringen, dass es einen einarmigen Schwertkämpfer niemals zu unterschätzen gilt. Grandios. (7,5)

The Blade - Das zerbrochene Schwert [刀 Dao (The Blade)] (1995)
In meinem Text zu Miike Takashis "Dead or Alive: Hanzaisha" hatte ich noch spekuliert, inwiefern ein ganzer Film im Stil des Openings etwaige Zuschauer audiovisuell hoffnungslos überfrachten und überfordern würde. Dank Hark Tsui vollkommen enthemmtem 90er-HK-Kinos repräsentiert durch "Dao" haben wir nun ein konkretes Vorführmodell vor uns liegen: ein ungestüm-wild vorbeiwirbelnder Rausch, ein Malstrom aus Bildern und Eindrücken, der inhaltlich analog zum Titel auf das Wesentliche reduziert daher kommt, schlummernde Energien freilegt, hysterisch, frenetisch, in einer irrsinnigen Rasanz zu Werke gehend, dass man sich manchmal bloß noch fragen kann "Was zur Hölle ist hier eigentlich los?". Vor allem im direkten Vergleich zur Urfassung "Du bei dao" fällt der Bruch zwischen klassischem Kung Fu-Produkt und Harks entfesselter HK-Extrem-Action-Extravaganza unübersehbar ins Auge. An herkömmlichem Erzähltechniken, daran, seine archetypische Geschichte nach Konventionen und festgefahrenen Paradigmen runterzuleiern, liegt Hark herzlich wenig, lieber zelebriert er Bewegung, Kinetik und körperliche Erfahrung genussvoll, bläst zum Angriff auf alle Sinne und Nervenenden. Nach vollzogener Tat fühlt sich jede Faser des Körpers gereizt und empfindlich an, reagiert auf jeden Sinneseindruck, elektrisiert, aufgeladen, es brizzelt bis in die Fingerspitzen. Der Wahnsinn! (7,5)

Zatoichi Meets the One-Armed Swordsman [新座頭市・破れ!唐人剣 Shin Zatōichi: Yabure! Tōjin-ken] (1971)
Das zweite Treffen der Giganten, Japan meets Hongkong, Chambara versus Wuxia, Ichi gegen den One-Armed Swordsman, Katsu Shintarō trifft auf Jimmy Wang Yu. Im Unterschied zu "Zatōichi to Yōjinbō" nimmt sich Yasuda Kimiyoshi keine zwei Stunden Zeit für das Aufeinandertreffen, er kehrt zurück zum probat-moderaten 90-Minüter und mehr Raum benötigt er gar nicht, um seinen Hauptfiguren einen gebührenden Rahmen zu schaffen. Das anfängliche, wechselseitige misstrauische Abtasten und die Schwierigkeiten der Sprachbarriere kommen hinlänglich zur Geltung, sorgen für brenzlige und amüsante Situationen. Freilich, Missverständnisse sind vorprogrammiert und nehmen im Verlauf der Handlung zusehends folgenschwere Ausmaße an, bis es zur unweigerlichen Konfrontation kommt, dem alles entscheidenden Duell, das aus Anlass der Umstände zutiefst tragisch ausfällt, weil keiner der beiden Heroen im Unrecht ist oder böse Absichten hegt, beide glauben an die Rechtschaffenheit ihrer Taten, was ihren Waffengang umso betrüblicher macht. (7)

Zatoichi at Large [座頭市御用旅 Zatōichi goyō-tabi] (1972)
Mir käme kein "Zatoichi"-Film in den Sinn, den ich nach Berücksichtigung aller Tatsachen misslungen nennen würde, das handwerkliche Niveau ist dafür zu persistent auf einem konstant hohen Level. Gleiches trifft auf "Zatōichi goyō-tabi" zu, den ich anderweitig selbst nach der zweiten Sichtung vergleichsweise dröge und repetitiv empfand, obschon Mori Kazuo sich einige schöpferische Manierismen erlaubt. Bekannte Storyelemente ohne bemerkenswerte Variation und eine sonderbare, disparate Kombination der raueren, tristeren Machart eines "Zatōichi rōyaburi" und komödiantischen Versatzstücken machen "Zatōichi goyō-tabi" in meinen Augen zu einem der schwächsten "Zatoichi"-Werke. (5,5)

Shanghai Police - Die wüsteste Truppe der Welt [富貴列車 Foo gwai lit che (Millionaires Express)] (1986)
Dt. Kinofassung. aka "Shanghai Express".

Zatoichi in Desperation [新座頭市物語・折れた杖 Shin Zatōichi monogatari: Oreta tsue] (1972)
Katsu Shintarōs zweite Regiearbeit deutet bereits die im Titel angelegte neue Richtung der Zatoichi-Reihe an: er gibt sich kälter, grausamer, auswegloser, schäbiger, regelrecht eingepfercht kommt man sich vor, in seiner depressiven, rauen Formgebung ähnelt er Yamamoto Satsuos "Zatōichi rōyaburi", einschließlich dessen ungemein trüben, bitteren politischen Beigeschmacks, die Bloßlegung der von skrupelloser Gier und Selbstsucht erfüllten Oyabuns, duckmäuserische Erfüllungsgehilfen einer affektierten, selbstherrlichen Oberklasse, deren Mitglieder ihrerseits meinen, aufgrund ihres Status widernatürliche Rechte für sich beanspruchen zu können, lüstern Minderjährige für sich vereinnahmend und weltfremd regierend - niemand schreitet dagegen ein, keiner hinterfragt die herrschenden Verhältnisse, zum Schluss müssen sie sich nicht den Konsequenzen ihres verabscheuungswürdigen Verhaltens stellen. Damit nicht genug, kratzt er nicht unwesentlich am heldenhaften Image Ichis, dessen Fixierung darauf, eine bestimmte Schuld zu tilgen, ihm den berechtigten Vorwurf einbringt, die sich auferlegte Buße bloß um seiner selbst willen abzuleisten, seinem eigenen guten Gewissen und verqueren Pflichtschuldigkeits-Gefühl zu genügen, an der Lage seiner Schutzbefohlenen am Ende des Tages hingegen nichts bessert. Überhaupt reagiert Ichi mehr als er heroisch agiert, das schwerwiegendste Gewaltverbrechen entgeht ihm schlechtweg zur Gänze, nie schreitet er heldenmütig ein, um für die Sache der Gerechtigkeit einzutreten. Zu einem überfälligen Zeitpunkt erst mutiert er zum Racheengel, einen Sieg scheint er indes kaum errungen zu haben. In seiner Trostlosigkeit und Niedergeschlagenheit erinnert er in einem gewissen Sinne an "Il grande silenzio", Ichis Handicap im Finale lässt an "Django" denken, einzig das Meer evoziert ein Kitano Takeshi-ähnliches Sentiment eines transzendentalen Orts der Verheißung, der Befreiung, großteils unerreichbar, es sei denn durch Überschreitung der letzten Grenze. (8,5)

Zatoichi's Conspiracy [新座頭市物語・笠間の血祭り Shin Zatōichi monogatari: Kasama no chimatsuri] (1974)
Der vorläufig letzte Zatoichi-Kinofilm (im TV-Serienformat feierte die Figur 100 Episoden lang in 4 Staffeln noch Erfolge bis 1979) führt Ichis Weg gen Heimat, einem Freund aus Kindestagen entgegen, der sich zu seinem Bedauern als niederträchtiger, habsüchtiger Schurke entpuppt. Geschickt versteht er sich darauf, den nichtsahnenden Dörflern perfide Honig ums Maul zu schmieren, sodass sie viel zu spät registrieren, auf welche heimtückische Art er sie im Verbund mit Yakuza und korrupten Magistraten kaltlächelnd übervorteilt. Der sozio-politische Kommentar leitet sich hieraus ohne weiteres Zutun ab, eine aufschneiderische, fehlgeleitete "Jugend-Gang" bringt eine kritische, gleichwohl nicht ungnädige Karikatur von Japans Nachwuchs an. Alles in allem ein befriedigender Abschluss, kein imposantes Glanzstück, aber ersprießliche Zatoichi-Handwerkskunst allemal. (7)

Zatoichi: The Blind Swordsman [座頭市 Zatōichi (Zatoichi: Darkness Is His Ally)] (1989)
15 Jahre nach "Shin Zatōichi monogatari: Kasama no chimatsuri" und nicht ganz 10 Jahre nach Ende der Serie wollte Katsu Shintarō es einmal noch wissen: zum 26. und letzten Mal schlüpfte er in Ichis Tabis, übernahm darüber hinaus für dessen Abschieds-Vorstellung höchstselbst den Regieposten und betitelte dies schlicht "Zatōichi". Satte zwei Stunde weiht Katsu diesem Abschiedsakt, einem melancholischen Abgesang, der mit einem Bein überdeutlich in den 80er-Jahren steht. Der merklich gealterte Katsu absolviert seine Paraderolle dessen ungeachtet mit bewunderungswürdiger Bravour in den geruhsameren Momenten und behänder Furiosität in den Actionszenen. In seiner melancholischen Ruhe gerät "Zatōichi" überdies am Stärksten, unterdessen die habituellen Yakuza-Ränke in ihrer Verworrenheit glattweg ein wenig störend dünken, allerwenigstens blutdurchtränktes, tosendes Gemetzel garantieren. (7)

Ghostbusters - Die Geisterjäger [Ghostbusters] (1984)

Zatoichi - Der blinde Samurai [座頭市 Zatōichi (The Blind Swordsman: Zatoichi)] (2003)
Jedes nach Katsu Shintarōs Tod entstandene Zatoichi-Sequel/Remake/Reboot/Re-Whatever hat ein zentrales Problem zu überwinden: die Hauptrolle zu besetzten. Katsus Darbietung des kapriziösen blinden schwertschwingenden Masseurs gehört unabdinglich zu dem Part dazu, gemeinsam bildeten sie eine monadische Symbiose, ein unzertrennliches Ganzes. Streicht man ihn aus der Gleichung, entsteht ein Vakuum immensen Ausmaßes, das nicht leichthin zu füllen ist (ein frappantes Defizit bei "Ichi" und "Zatoichi - Tha Last" notabene). Kitano Takeshi ging das Sujet resultierend daraus auf die einzig mögliche Art und Weise an: er versucht gar nicht erst Katsu zu ersetzen. Sein "Zatōichi" erfüllt in jeder Hinsicht die Funktion einer Hommage: indem er Ichi lediglich dort, wo es unvermeidlichen ist, unaufdringlich in den Mittelpunkt rückt, ihn daneben wohlbemessen im Hintergrund walten lässt, derweil er sich primär um die Nebenfiguren kümmert, erzählt er klassisches, an opportuner Stelle nach Gutdünken der eigenen Handschrift gemäß variiertes Zatoichi-Material, ohne so zu tun, als könne er ernstlich das Vermächtnis des Stammhalters fortführen. Das befreit ihn von einer enormen Last und eröffnet ihm Mittel und Wege, Hommage, eigensinnige Kapricen (The Stripes...) und persönlichen, humorvollen Stil unter einen Hut zu bringen, vorrangig in der Figur Ichis, die Kitano um für ihn charakteristische Facetten nuanciert zu bereichern versteht. Zumal er im Gegensatz zu anderen Produktionen, die dazu neigen, den blinden Masseur dahingehend fehlzuinterpretieren, ihn oder ein etwaiges Surrogat immerzu stoisch-grüblerisch darzustellen, das warmherzigere, lebensfreudige, auch mal lausbübische, den weltlichen Genüssen zugeneigten Naturell Ichis richtiggehend erkannt hat. (7,5)

Ghostbusters 2 [Ghostbusters II] (1989)

Der Stadtneurotiker [Annie Hall] (1977)
Was ich zu "Manhattan" von mir gab, lässt sich für "Annie Hall" an und für sich wortwörtlich wiederholen, inszenatorisch überragt letztere ersteren in meinen Augen jedoch eindeutig qua seiner spielerischen Vielfalt der Darstellungsweisen und wird im Zuge dessen zur Woody Allens epitomen Romanze für New York, gerichtet an eine Stadt, durch die man mit Allen flanieren und neurotisch intellektuell-verkorkst über Gott und die Welt plaudern möchte. (9)

Blindman - Der Vollstrecker [Blindman] (1971)
aka "Il Pistolero Cieco". Zatoichi im Western-Gewand: ein selbstbewusster, nassforscher blinder Pistolero, der nach Gehör treffsicher schießt, ein treues Pferd, das ihm die Richtung weißt und Ringo Starr... "Blindman" ist gelinde gesagt ein eigentümlicher Schalk, ein frecher kleiner Italo-Western mit ungewöhnlichem Revolverhelden und einem trockenem Sinn für Humor. Eine überraschend geglückte Western-Version des blinden Schwertschwingers. (7)

Blinde Wut [Blind Fury] (1989)
Exemplarischer Vorreiter des familienfreundlicheren 90er-Jahre Action-Kintopps, als solcher recht vergnüglich nostalgisch und infolge akuter Blutarmut (der könnte locker ab 12 durchgehen) prima fürs Nachmittagsprogramm geeignet, an den überschaubaren semi-harten Scharmützeln braucht man sich ob ihres beinahe Slapstick-artigen Charakters, speziell in Bezug auf die depperten Handlanger, gar nicht lange aufhalten. Dazu gesellen sich ein nerviges Balg, Ersatzfamilien, eine sonnendurchflutete, gülden gefilterte Optik, ein Bösewicht-Hauptquartier in den Bergen, dass James Bond-Fans in Verzückung geraten lässt, und familientaugliche Mätzchen. Rutger Hauer (R.I.P) schultert die Spielart des amerikanischen Zatoichi ohne größere Mühe und ist einer der ausschlaggebenden Gründe, weshalb "Blind Fury" für 80 Minuten annehmbare Kurzweil bietet. (6)
Fred 2: Night of the Living Fred (2011)
Siehe "Fred: The Movie". (1,5)

Ichi - Die blinde Schwertkämpferin [ICHI (Ichi)] (2008)
Löblicher Versuch einer neumodischen Zatoichi-Variante mit dem Spin, Ichis (hinzugedichtete) Tochter, so angedeutet, zur Protagonistin zu erklären, darum bestrebt, die erwähnte Hürde der Hauptrolle kunstfertig zu umgehen. Kann man machen und es funktioniert zufriedenstellend, obgleich Ayase Haruka die meiste Zeit variationslos sexy-grimmig dreinschaut, unaufhörlich ihrem Papi nachtrauert, zu allem Überfluss unter einer versuchten Vergewaltigung leidet - man sieht's: die Zeichen stehen auf Dyskolie, das lebenslustige Temperament Ichis wird aufs Neue ausgeklammert. Einen kleinen Ausgleich schafft Osawa Takao, der sein eigenes Kreuz zu schultern hat, demgegenüber einen mimikfreudigeren, lebendigeren Gegenpol zur Schau trägt, außerdem allmählich zärtliche Bande zu Ayase knüpft. Die bunten Vögel rund um die Platzhähne Shidō Nakamura und Takeuchi Rikki runden das Paket ab und besorgen das mandatorische Kreuzen der Klingen. (6,5)

Zatoichi: The Last [座頭市 THE LAST Zatōichi Za Rasuto (Zatōichi: The Last)] (2010)
Ein reichlich verspäteter Versuch, Katsu Shintarō zu beerben und bedauerlicherweise ein Musterbeispiel für die bei Kitano Takeshis "Zatōichi" angesprochenen Fehlinterpretationen: zum einen suhlt er sich nachgerade in Schwermut und Missmutigkeit, miesepetrig schleppt er sich dahin, ignoriert Ichis lebensbejahende Gemütsart zur Gänze, ergeht sich anstelle dessen bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Selbstmitleid. Zum anderen erweist sich Ex-Boyband-Mitglied Katori Shingo als grobe Fehlbesetzung: erheblich zu jung, zu uncharismatisch, mimisch zu ausdrucksschwach kann er weder Kitano, geschweige denn Katsu auch nur ansatzweise das Wasser reichen. Die konfusen, schwer nachvollziehbaren Intrigenspiele, schwach konturierten Nebenfiguren samt nebulöser Motivation und adynamischen Schwertkampf-Choreografien tun ihr Übriges. (4)

Batman (1989)

Batmans Rückkehr [Batman Returns] (1992)

Beverly Hills Cop (1984)
Ein Kuriosum (schon wieder...) des 80er-Jahre-Cop-Buddy-Films, den in derartige Kult-Dimensionen hochzustilisieren es schon einer beträchtlichen Menge an Nostalgie-Verklärung bedarf. Womit ich "Beverly Hills Cop" nicht unterstellen möchte, dass er nichts zu bieten wüsste: Eddie Murphys aufgeweckter, gewitzter, straßenschlauer Cop, in dessen hervorstechendstem Merkmal, sich zungenfertig aus (fast) jeder Situation schlagfertig herauszureden, sein wahrscheinlich prägnantestes Kult-Potenzial liegt, macht Spaß, keine Frage, ebenso seine Sperenzchen mit Widersachern und dem Judge Reinhold-John Ashton-Duo, die für so manche grobhumorige Szenen zuständig sind. Nicht zu vergessen Harold Faltermeyers kultiges Axel Foley-Thema, das einen immensen Anteil daran gehabt haben dürfte, die Reihe derart im Bewusstsein seiner Fans und im Gedächtnis der Popkultur zu verankern. Was ich sagen möchte ist, dass "Beverly Hills Cop", "Fright Night" nicht unähnlich, ein beachtliches Renommee genießt, das der Film an sich höchstens begrenzt einlöst. (7)

Shape of Water - Das Flüstern des Wassers [Shape of Water] (2017)
Lange aufgeschoben, obwohl man mich einen Guillermo del Toro-Fan nennen könnte. Um ehrlich zu sein hat mich sein Erfolg bei den Oscar gehörig abgeturnt. Er sei ihm gegönnt, andererseits provoziert eine derartig überfällige Prämierung bei den Academy Awards für einen oftmals übersehenen bzw. von der Academy ignorierten Filmemacher oft genug den Eindruck der Pflichtschuldigkeit, der Alibi-Verleihung, weil er an der Reihe ist, um bisher Versäumtes aufzuarbeiten, nicht, weil er sie genuin verdient hat (case and point: Leonardo DiCaprio in "The Revenant"). "Shape of Water" ist ein solcher Kandidat, zweifelsohne eine hingebungsvolle, dieweil nicht des Regisseurs beste Leistung. Aufsehenerregend Neues liefert er nicht: die übliche Außenseitergeschichte, inklusive unzähliger Verweise auf Intoleranz und Unterdrückung, eine stellvertretende Reformande gegen 50er-Jahre-Resentiments. Subtil ist das nicht, noch nie dagewesen genauso wenig, allweg herzerquicklich. Wie man es von del Toro kennt, trägt er das Herz am rechten Fleck und ist seinen Misfits unter Einschluss des Antagonisten (Michael Shannon darf seine Standard-Performance des missmutigen, verklemmten, sexuell frustrierten, intoleranten Fieslings mit dauerabgefuckter, sauertöpfischer Mimik abspulen) innig hingegeben, ihr Schicksal lässt keineswegs kalt, die ganz großen überwältigenden Gefühlswallungen wollen sich infolge der eklektizistischen Formelhaftigkeit allerdings ebenso wenig einstellen. In jedem Fall ist "Shape of Water" ein visueller Genuss in seiner ausgesucht künstlichen Rekonstruktion einer 50er-Jahre-Fantasy-Welt, die glaubwürdig und fantastisch zugleich erscheint. Böse Zungen mögen ihn überkandidelt nennen, alles in allem hat sich hier weniger der Regisseur als die sich feucht-fröhlich austobende Production Design-Division verdient gemacht. Merkwürdig gewollt und herzerfüllt in einem Atemzug. (7)

Crimson Peak (2015)
Ähnliches Spiel, lange Zeit übergangen, dabei hat mir Guillermo del Toros Gothic Romance-Pastiche wesentlich mehr zugesagt. Angefangen bei dem wirklich traumhaften, elaborierten, detailverliebten Set des eponymen Sharpe-Anwesens, über die hervorragenden Darsteller, zuvorderst Jessica Chastain, bis hin zur stilsicheren Inkorporierung von der Film- und Literaturgattung immanenten Motiven erweist sich "Crimson Peak" als wunderbare, detailversessene Liebesbekundung des Regisseurs an das Genre. (7,5)

Uzala, der Kirgise [Дерсу Узала/デルス·ウザーラ Dersu Uzala (Dersu Uzala: The Hunter)] (1975)

Fred 3: Camp Fred [Camp Fred] (2012)
Unterbietet seine Vorläufer nochmal um ein ganzes Stück, ist was Inhalt und Gagdichte angeht komplett vakuumentleert. Für alles andere: siehe "Fred 2: Night of the Living Fred". (1)

Wrong Turn (2003)
Zum Abschluss des chaotischen "Wrong Turn"-Marathons die Nummero 1: ein halbwegs brauchbarer Backwood-Horror nach bekannten Mustern, von Exposition, über das blutige Dezimieren peu à peu, bis zum Finale, dass sich wohl bewusst alle Möglichkeiten für Sequels offen lässt... die dann auch kamen, sage und schreibe sechs an der Zahl... so toll isser nun auch wieder nicht. (6)

Mein großer Freund Shane [Shane] (1953)
Ein Western-Urgestein, das archetypische Ringen zwischen dem freien Cowboy, oder zumindest der naiven Vorstellung von dessen Freiheit, dorthin zu gehen und das zu tun, was er will, und der Zivilisation um die Vorherrschaft in der Welt, zwischen Einzelinteresse und Gemeinschaft. Alan Ladds eponymer Shane ist selbst ein Außenseiter und Eigenbrötler, ein waschechter Individualist, im Grunde genommen ein störender Faktor im Gefüge der sesshaft gewordenen Farmer, die von den Ranchern bedroht werden und gegen die sie Shane letzten Endes verteidigt. Bei Lichte besehen ein verräterischer Akt: für die Rinderbarone und Viehtreiber stellt das unaufhaltsame Voranschreiten der sesshaften Zivilisation eine gleichartige Bedrohung dar und antizipiert das Ende ihrer und Shanes Lebensart. Konträr zu seinen Zeitgenossen hat Shane dahingegen erkannt, dass sich die Zeit des einsamen, freiheitsliebenden Revolverhelden und Nonkonformisten dem Ende neigt, ihre Tage gezählt sind und die städtische Gesellschaft sich unabwendbar auf dem Vormarsch befindet, kurzum: den Kampf gewinnt. Also bekämpft er Feuer mit Feuer, weiß alldieweil, dass es für ihn keinen geziemenden Platz bei denen gibt, die er vor seinesgleichen beschützt. (8)

















39 - 6,5 (254,0)

Dienstag, April 21, 2020

Kurzreviews Januar/2020

Hiermit präsentiere ich die zweite nachträgliche Review-Liste der diesmal 24 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Januar gesehen habe:


Serien-Staffeln
Das Büro [The Office] (Season 5-6) (2008-2010) - (7-8)
Todd McFarlane's Spawn (Season 1) (1997) - (7-7,5)

Filme
Nachtasyl [どん底 Donzoko (The Lower Depths)] (1957)
Kurosawa Akiras werktreue Adaption von Maxim Gorkis Schauspiel besitzt eine unübersehbar theaterhafte Komponente: der Schauplatz beschränkt sich auf zwei Räumlichkeiten desselben demarkierten Orts, die überschaubare Dramatis personae ist fix, sogar Akt-Übergänge lassen sich ausmachen. Dementgegen erweckt "Donzoko" zu keiner Zeit einen befangenen theaterhaften Eindruck. Im Gegenteil: das komprimierte, räumliche begrenzte Setting scheint Kurosawa nachgerade zu beflügeln: je beengter der Raum, desto reicher die Ausdrucksmöglichkeiten des Regisseurs und seiner Darsteller, deren Arrangement umso wohlbedachtere Präzision erfordert. "Donzoko" ist zuvorderst ein Ensemblefilm, in welchem fraglos ein jeder beachtliches leistet, die Gruppe als Ganzes, als Einheit alldieweil unverkennbar im Mittelpunkt steht. Und Kurosawa versteht es meisterlich, diese Einheit anzuführen, jedem einzelnen Akteur zur rechten Zeit gebührend Spielraum zu entbieten. Inhaltlich richtet er sein Augenmerk auf die Außenseiter der Gesellschaft, die Randfiguren, die Verlierer und Verlorenen, die bei alledem indessen nicht den Hoffnungslosen gleichzusetzen sind. Denn es ist die Hoffnung, genährt von ihren Sehnsüchten, ihrem Wunschdenken, ihren Verlusten und vergeblich erträumten Luftschlössern, welche diese Existenzen am Rande der Verzweiflung am Leben erhält, sie antreibt, Lieben, Freuden, Tod und Leiden ertragen lässt - so utopisch unerfüllbar einem diese Hoffnung auch dünken mag. Letzten Endes gleicht "Donzoko" "Rashomon" in seinem Spiel mit Wahrheit, Dichtung, Illusion, konstatiert übereinstimmend eine fatale Wechselwirkung zur trügerischen, zwingenden Selbstwahrnehmung, die oftmals, beinahe immerfort Selbsttäuschung gleichkommt und von der sich zu lösen höchstens in wenigen Ausnahmefällen gelingen mag. Dass Kurosawa sowohl Vorlage, als auch Eigenerzeugnis als heitere Angelegenheit empfand, mag zunächst irritieren, bei näherer Betrachtung wird man dahingegen feststellen, wie eng Humor und tragischer Fatalismus hier als miteinander verknüpft und unabdingbar voneinander abhängig und ableitbar betrachtet werden. Zumal sich aus dieser Haltung erklären lässt, warum "Donzoko" trotz allem ein derartig unterhaltsames, zugleich nachdenkliches Stück geworden ist, das oftmals hinter Kurosawas prestigeträchtigeren Werken unberechtigterweise in den Hintergrund zu rücken scheint. (9)

Die Verborgene Festung [隠し砦の三悪人 Kakushi toride no san akunin (The Hidden Fortress)] (1958)
Zweifelsfrei Kurosawa Akiras zugänglichster Film, ein keckes, mitreißendes, stellenweises ironisches Jidai-geki-Abenteuer in exquisiten Breitwandaufnahmen, dass bewusst sein Comic Relief-Pärchen zum protagonistischen Kern macht. Ich gebe unumwunden zu: "Kakushi toride no san akunin" ist nicht mein Lieblings-Kurosawa. Gleichwohl werde ich ihm seinen enormen Spaßfaktor nicht in Abrede stellen. Inzwischen ein zweischneidiges Schwert ist sein janusgesichtiger Status des inspirativen Quells für "Star Wars", bedenkt man die Umwälzungen, welche George Lucas Sternenkrieger-Saga hervorgerufen hat und die Disney heute auf katastrophale Weise totzureiten versucht... (7,5)

Allein unter Nachbarn [La comunidad] (2000)
Álex de la Iglesia-typische Farce, angesiedelt im Sündenpfuhl des spanischen Mietshauses, deren kunterbunt schrullige Bewohner sich vor Gier gegenseitig an die Gurgel gehen. Salopp formuliert: wäre James Stewart in "Rear Window" nicht an den Rollstuhl gefesselt gewesen und hätte sich in eigener Person in das beobachtete Gebäude begeben, vielleicht wäre ihm ein vergleichbares Abenteuer widerfahren... vorausgesetzt die Bewohner wären raffgierige Verrückte gewesen. Spaßig! (7)

Citizen Kane (1941)
An Orson Welles vermeintlich besten Film aller Zeiten muss sich jeder Cineast zwangsläufig mindestens einmal im Leben die Zähne ausbeißen und wird dafür mit einer einzigartigen Biographie Noir belohnt, die allen Konventionen des Biopics zuwiderläuft, indem sie sich weigert, eine planmäßige, geradlinig chronologische Aneinanderreihung von Lebensstationen seiner Hauptfigur vorzulegen, anstelle dessen eine assoziative Verkettung von Eindrücken und Erinnerung in bereits gefilterten Aussagen von Anderen collagiert, die ein vielgestaltiges und vielschichtiges Puzzlespiel ergibt, ein zertrümmertes Mosaik eines Menschenlebens, dass es wieder zusammenzusetzen gilt, nicht eines, dass man bequem vorgesetzt bekommt und einem das Mitdenken erübrigt. Ein revolutionäres Bravourstück, dem es leider nicht vergönnt gewesen war, die gängige Form des öden formelhaften Biopics zu begraben. (9,5)

Die Bösen schlafen gut [悪い奴ほどよく眠る Warui yatsu hodo yoku nemuru (The Bad Sleep Well)] (1960)
Erstes Erzeugnis von Kurosawa Akiras eigener Kurosawa Productions, die er gründete, nachdem sein Vertrag mit Toho ausgelaufen war, und ein weiterer Gendai-geki Noir Kurosawas nach "Yoidore Tenshi" und "Nora Inu". Scheinbar befand ich mich in der falschen Stimmung für das, was der Regisseur sich vorgestellt hatte: enttäuschenderweise sagte "Warui yatsu hodo yoku nemuru" mir nicht zu, aus mehreren Gründen. Grundsätzlich zu langatmig, zu theaterhaft wirkte er auf mich. Man nehme zum Beispiel die den Film eröffnende Hochzeit, die gerne als brillant in Szene gesetzte Exposition angeführt wird, die auf mich im Gegensatz dazu arg bräsig erschien. Was dort geschieht, ist, dass die anwesenden Reporter und Journalisten in der Funktion eines Theaterchors ohne größere Raffinesse die für die Handlung zentralen Personen aufzählen, beschreiben und ihre Beziehungen untereinander erklären, was für mich einem bühnenhaften, erklärbärigen Zähfluss gleichkam. Korrespondierend dazu löst Kurosawa den dramatischen Höhepunkt gen Schluss nicht in Bildern auf, sondern lässt davon berichten: was geschehen ist, die Kulmination der aufwühlenden Ereignisse, welches Schicksal die Protagonisten ereilte, wird einem indirekt, schwafelig vorgetragen. Um nicht missverstanden zu werden: ich habe bestimmt nicht auf einen vordergründige Spannung forcierenden, nervenaufreibenden Thriller von Kurosawa spekuliert. Dass er sich auf das Drama, die Charaktere und Anprangerung von Korruption, Bestechung, Unterschlagung und den verdorbenen, amoralischen Subjekten der japanischen Oberschicht, die selbst vor heimtückischem Mord nicht zurückschrecken, konzentrieren würde, war zu erwarten. Auf die spannungslose, ermüdende Umsetzung, die sich mir präsentierte und die mehr auf Worte als auf Bilder zu vertrauen schien, war ich andererseits nicht gefasst. Möglicherweise komme ich mit Kurosawas moralinsauren Predigten einfach nicht zurecht oder möglicherweise hat mich sein Pseudo-Hamlet auf dem falschen Fuß erwischt. Mal schauen, was das nächste Wiedersehen ergibt. (6)

Yojimbo - Der Leibwächter [子用心棒 Yōjinbō (Yojimbo)] (1961)
Eine der erfolgreichsten und ikonischsten Großtaten Kurosawa Akiras, dessen Vermächtnis und weitreichend Einfluss auf verschiedenen Genres man niemals unterschätzen sollte. "Yojimbo" ist aufgrund seiner abenteuerlichen Chambara-Qualitäten, des spitzfindigem Humors und Mifune Toshirōs obercoolen sittenwidrigen, amoralischen Ronins ohne Frage dem Zweig von Kurosawas Unterhaltungskino zuzuordnen. Je nach Sichtweise ist er sogar Kurosawas einzige Vollblut-Komödie, wenngleich er auf seinen sozialkritischen Standpunkt nicht verzichtet: die hiesigen durch und durch verdorbenen, unrettbaren Dorfbewohner haben alle Prinzipien von Ehre, Samurai-Tugend und Menschlichkeit über den Haufen geworfen und sich der niedrigsten Form der Gier hingegeben, was Kurosawa in einem überspitzten, komödiantischen Gestus karikiert, nichtsdestotrotz seinem kritischen Blick auf seine Zeitgenossen gut wiedergibt. Die kraftvolle Inszenierung, Miyagawa Kazuos wunderbare, räumliche Kameraarbeit und Sato Maserus ausgezeichneter Score runden diesen Meilenstein zusätzlich ab. (8,5)

Sanjuro [椿三十郎 Tsubaki Sanjūrō] (1962)

Zwischen Himmel und Hölle [天国と地獄 Tengoku to Jigoku (High and Low)] (1963)
Hat mir im Vergleich zu "Watsui yatsu hodo yoku nemuru" bei allen Parallelen mehr zugesagt: ohne in seinen moralisch-didaktischen Duktus nachzugeben, kreiert Kurosawa Akira phasenweise schweißtreibend spannungsgeladene, langanhaltende Sequenzen, konzentriert sich andernorts akribisch auf die Arbeit der Polizisten, verharrt minutenlang in Besprechungen, in denen die Beamten ihre Ergebnisse nacheinander minutiös vortragen, was er mit einer solch präzisen Faszination einfängt, dass zu keiner Sekunde Langeweile aufkommt. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Tengoku to Jigoku" mit 140 Minuten Laufzeit für einen Krimi relativ lang ausgefallen ist, manches ein Ticken zu breit ausgewalzt wird. (7)

Tora! Tora! Tora! (1970)
Ein ambitionierter Rekonstruktions-Unterfangen der Geschehnisse vom 7. Dezember 1941 und des Weges dorthin, im ehrgeizigen Bemühen um Objektivität geschildert aus den Perspektiven beider Parteien, durch jeweils eine amerikanische und eine japanische Filmcrew realisiert (der ursprünglich in der Funktion des Regisseurs der letzteren Crew angedachte Kurosawa Akira zog sich von diesem Posten zurück, entweder, weil er es bewusst auf eine Kündigung anlegte, da weder er mit dem amerikanischen Studiosystem, noch dieses mit ihm etwas anzufangen wusste, oder, weil er schlicht Opfer megalomanischen Wahnsinn geworden ist...). Diese penible Detailversessenheit birgt eine nicht zu verleugnende Faszination, vor allem für Anhänger der Polemologie oder Fans historischer Schlachten. Gleichwohl wächst "Tora! Tora! Tora!" nie über den Status einer dokumentarischen Auflistung und der unvermeidlichen Materialschlacht hinaus, alles kommt befremdlich nüchtern und distanziert daher, gleich der dröge-prosaischen Bebilderung einer chronologischen Auflistung der Ereignisse aus einem theoretisch-akademischen Lehrwerk. Insbesondere die amerikanische Schilderung verkommt dergestalt zu einem staubtrockenen Rapport (sieht man von der deplatziert anmutenden Humor-Einlage der Flugschule ab), unterdessen zumindest auf japanischer Seite meist wortlos schwermütige Andeutungen und Reflexions-Ansätze aufblitzen. Anerkennenswert, doch eher pragmatisch-sachbetontes Anschauungsmaterial zu Pearl Harbor. (7)

Carrasco, der Schänder [The Outrage] (1965)
Western-Remake von "Rashomon", dass sich im Wesentlichen detailtreu am Vorbild orientiert und eine durchaus zufriedenstellende Interpretation abliefert, die szenische Dichte des Originals freilich nicht erreicht. (7)

Rotbart [赤ひげ Akahige (Red Beard)] (1965)
Einmal mehr befasst sich Kurosawa Akira mit den Ausgestoßenen der Gesellschaft, in diesem Fall mit den Kranken, den zum Sterben Verdammten. Die Klinik in "Akahige" ist gleich dem Squatter Camp an den Ufern des schmutzigen Pfuhls in "Yoidore Tenshi", dem runtergekommenen Nachtasyl in "Donzoko" (s.o.) oder der Müllkippe in "Dodeskaden" (s.u.) ein Randbezirk, in dem sich die Paria sammelt und von denen Kurosawa in episodenhafter Form erzählt, aus dem Gebaren dieser Menschen in dieser Extremsituation Implikationen für die Conditio humana ableitet. "Akahige" ist ein zutiefst existenzialistisches Drama mit universeller Botschaft, was Menschsein und Menschwerdung bedeutet. Traurigerweise trennten sich hiernach über ein Zerwürfnis die Wege von Kurosawa und seinem langjährigen Hauptdarsteller Mifune Toshirō, die beide ihre Karrieren auf unterschiedlichen Wegen weiter verfolgten. (7,5)

German Fried Movie (1991)
Gut zu wissen, dass Uwe Boll schon auf einem schmerzhaft unlustigen Tiefpunkt begonnen hat. (0)

Rashomon - Das Lustwäldchen [羅生門 Rashômon (Rashomon)] (1950)

Hot Shots! - Die Mutter aller Filme [Hot Shots!] (1991)
Daran führte nach "Top Gun" kein Weg vorbei. ;)

Dementia 13 (1963)
aka "The Haunted and the Hunted". Frühchen von Francis Ford Coppola, dem Roger Corman eine Handvoll überschüssiger Budget-Moneten überließ, um einen günstig produzierten B-Horror abzudrehen - und nichts anderes ist dabei rum gekommen, eine rohe, zu Zeiten Talent aufblitzen lassende Mischung aus rabiaterem Edgar Wallace-Grusel-Krimi und kostengünstigem Corman-Trash, die einzig Coppola-Komplettisten zu empfehlen ist. (B-Movie-Skala: 5)

Hafen im Nebel [Le quai des brumes (Port of Shadows)] (1938)
Eine der Galionsfiguren des poetischen Realismus. All die stimmungsvollen Assoziationen, die der Titel weckt, weiß Marcel Carné eindrücklich zu evozieren, all die durch den Nebel schleichenden Schattengestalten erfüllt von Frustration und Fatalismus, all die im Nebel verborgen liegenden Hafenspelunken bzw. purgatorischen Nicht-Orte, all die gebrochenen, einsamen, eisigen Charaktere, die ein Hauch von Sonnenschein kurzzeitig zu erwärmen verspricht, bevor die gnadenlose, unausweichliche Aussichtslosigkeit ihre Hoffnung auf Erfüllung, auf einen Weg hinaus aus der Frustration, hinaus aus der Malaise, sie mit aller Härte und Grabeskälte niederwirft. Womöglich ist "Le quai des brumes" auch der Ursprung dieser Assoziationen und Bilder, wer weiß. (8)

Angry Birds 2 - Der Film [The Angry Birds Movie 2] (2019)
Es glich einem Wunder, dass "The LEGO Movie" wider Erwarten den heiklen Spagat zwischen unterhaltsamen, eigenständigen Animationsfilm und platter Werbebotschaft zu meistern imstande war (bevor das Sequel an ganz anderen Hürden scheiterte) und "The Angry Birds Movie" etwas gleichartiges zuzutrauen, mochte sich wohl niemand erst vorstellen. Mich persönlich hat er jedenfalls ähnlich unerwarteterweise zufriedengestellt, ohne irgendwelche Begeisterungsstürme ausgelöst zu haben, die mich auf den Nachfolger entsprechend angefixt hätten - den ich nun, kaum zu glauben, sogar ein Quäntchen besser fand. Er ruminiert nicht die Story des Erstlings, sondern macht sein eigenes Ding, bemüht sich erfolgreich, den bisherigen ans Herz gewachsenen untypischen Helden zwischen allen Neuzugängen gerecht zu werden und schickt sie auf eine vergnügliche Odyssee, die ich redlich witzig und abwechslungsreich fand. Kein Meilenstein, aber ein sehenswerter Spaß, wenn man an "The Angry Birds Movie" seine Freude finden konnte. (6,5)

Es - Kapitel Zwei [It Chapter Two] (2019)
Stephen Kings It scheint einer ungeschriebenen, unumstößlichen Regel zu unterliegen, demnach der zweite Teil der Geschichte, id est alles, was mit dem volljährigen Loosers Club zu tun hat, qualitativ erheblich abfällt. Ich räume ein, dass ich den Vorgänger seinerzeit eine Winzigkeit überschwänglich bewertet haben mag, obgleich ich schon damals anmerkte, dass er im Kern von den tollen Jugenddarstellern getragen wurde, es in erster Linie der Coming-of-Age-Anteil war, der mich überzeugte, derweil der Horror-Aspekt nicht immer gelungen ausfiel. Und siehe da: die Fortsetzung (oder "Chapter Two" - bin ich eigentlich der einzige, der diesen "Kapitel"-Untertitel-Trend hochgradig bescheuert findet?) leidet haargenau unter diesem Umstand: streicht man die jugendlichen Charaktere aus der Gleichung bzw. ersetzt sie durch zwar (größtenteils) adäquate, allerdings höchst unsympathische, uninteressante Erwachsenen-Pendants, bleibt bloß noch der Horror-Part... und der offenbart in Chapter Two umso eklatantere Mängel, entbehrt großräumig subtilen Grusel, versucht im Austausch mit gräulich schlecht getricksten, übergroßen CGI-Monstrositäten und -Fratzen zu klotzen, die selbst in einer Geisterbahn mehr Gelächter denn Panik provoziert hätten. Neben dem lausigen Schnitt und der exorbitanten Laufzeit (Tommy Lee Wallace benötigte für den Stoff gerade mal die Hälfte der Zeit und selbst bei ihm fiel das Erzähltempo zeitweilig regelrecht zäh aus... und er hatte immerhin Tim Curry!) erweist sich das katastrophale Drehbuch als mittelschweres Desaster: abgesehen von quälend dümmlichen Dialogen, unfreiwillig komischen Hysterie-Einlagen und hilflosen Versuchen, halbherzig an Charakterentwicklungen aus dem Vorläufer anzuknüpfen, fehlt es ihm schlicht an einer Marschrichtung, einer stringent strukturiertem Zielvorstellung, die auf einen fulminanten Schlusspunkt hinsteuern könnte. In der Folge verliert sich Chapter Two in schwach geschriebenen und umgesetzten Einzel-Episödchen, die keinen nennenswerten Zusammenhalt von Erlebten und Erfahrung liefern, geschweige denn, dass sie nachvollziehbar und mitreißend in einem großen Finale münden würden. Stattdessen endet die vorgeblich epische letzte Schlacht gegen das Urböse Es damit, dass der Loosers Club, ich wiederhole: der Loosers Club!, der sich selbst aus gequälten Außenseitern und dauer drangsalierten Mobbing-Opfern zusammensetzt wohlgemerkt, den armen Pennywise eiskalt und lächerlich leichtfüßig zu Tode mobbt... hätten die ganzen Kinder, die dessen Appetit zum Opfer gefallen sind, sich nur mal darüber lustig gemacht, dass er in Gestalt eines Clowns auftritt, je nachdem könnten sie heute noch am Leben sein - mitsamt der Lehre im Gepäck, dass man mit Mobbing gut durchs Leben kommt... da frage ich mich, was ich mit dieser zutiefst fragwürdigen Herangehensweise anfangen soll und wie es sein kann, dass ich mehr Mitleid für Pennywise als für Eddie hege. (2,5)

Zatoichi's Vengeance [座頭市の歌が聞える Zatôichi no uta ga kikoeru] (1966)

Dodeskaden - Menschen im Abseits [どですかでん Dodesukaden (Dodes'ka-den)] (1970)
Zwecks künstlerischer Unabhängigkeit und um gleichgesinnten Künstlern eine Insel im Studiosystem Japans zu bieten, gründeten Kurosawa Akira, Ichikawa Kon, Keisuke Kinoshita und Kobayashi Masaki den "Club der vier Ritter" (四騎の会 Yonki no kai). Kurosawa oblag die Verantwortung des Debüts, für das er sich nicht lumpen lassen wollte: fünf Jahre nach seinem letzten Film "Akahige" legte er seinen ersten Farbfilm vor, auf den er sich voller Begeisterung, Optimismus und bester Laune stürzte und der prompt das Dasein der kurzlebigen Produktionsfirma beendete. Was war passiert? Nun, Kurosawa entschloss sich, einen Stoff zu verfilmen, der sich in seinen Augen hervorstechend zum frohgemuten Unterhaltungsfilm eignete. Entsprechend niederschmetternd kam für ihn die Erkenntnis, dass an dem, was ihm beschwingt und fidel vorgekommen sein mag, weder die heimatliche Kritik, noch das japanische Publikum sonderlich Unterhaltsames finden konnten. Er musste enttäuscht feststellen, dass das gesellschaftliche Klima nicht in der Stimmung war, ein zweistündiges kollagenhaftes Drama über eine Gruppe von kapriziösen Misfits und Nonkonformisten, die allesamt an den Ausläufern einer Mülldeponie ihr Leben zu bestreiten versuchen, darunter ein geistig behinderter Junge, der tagtäglich in der Fantasie lebt, ein Straßenbahn-Zugchef zu sein, ein Mädchen, das von ihrem Onkel vergewaltigt wird oder ein obdachloser Vater, der den Tod seines Sohnes zu verantworten hat, gleichermaßen munter aufzufassen.
Nein, "Dodesukaden" passt beileibe nicht in das handelsübliche Schema dessen, was der Mainstream unter einer leichtherzigen Tragikomödie verstehen mag. In das Schema des Auteurs Kurosawa passt es hingegen umstandslos, vergleicht man ihn etwa mit "Donzoko", der sich in verwandter Weise den Randfiguren der Sozialstrukturen widmete, um aus ihren Fatum Rückschlüsse auf das offengelegte Wesen des Menschen zu ziehen, das unter dem gewaltigen Druck einer genormten, konformistischen gesellschaftlichen Mitte allzu gern leichtfertig unterschlagen, an den Rand gedrängt wird und ironischerweise erst unter diesen Eigenbrötlern in der Lage scheint, erneut durchzubrechen, obgleich sich die aus "Rashomon" oder "Donzoko" bekannten Illusionen und Desillusionen kaum von denen der hiesigen Figuren unterscheiden. "Dodesukaden" ist in der Tat eine vergleichsweise ausgelassene, unaufgeregte, fast entspannte Meditation tragischen Ursprungs über das Menschsein an sich, das Kurosawa am ausgeprägtesten immer dort aufspüren zu können meint, wo der Mensch an den Rand dessen getrieben worden ist, was der Konsens zu akzeptieren bereit ist. In "Dodesukaden" hat Kurosawa viel zu sagen, bedauerlicherweise wollten vorrangig seine Landsleute nichts davon hören. Schuldgefühle und das künstlerische Versagen, das er verspürte, trieben ihn schließlich zu einem Suizid-Versuch, der glücklicherweise fehlschlug. (7,5)
Zatoichi's Pilgrimage [座頭市海を渡る Zatōichi umi o wataru] (1966)
"Zatōichi umi o wataru" ist zuallererst chic anzuschauen: Kameramann Takeda Senkichiro fängt die dörfliche Idylle samt naturbelassener Umgebung in satten, strahlenden Farben und pittoresken Kadrierungen ein, wodurch Ichis 14. Abenteuer zu einem durchgehenden Augenschmaus gerät. Okusu Michiyos bildhübsches Äußeres tut das ihrige dazu, obgleich man nicht recht gewusst zu haben scheint, wohin man mit ihrer Figur gehen wollte, weswegen ihr Part abgesehen von ihrer adretten Erscheinung den größten Schwachpunkt ausmacht (womit ich ihre Leistung freilich nicht kleinreden möchte). Anders Yamagata Isaos Boss Tohachi, der sich endlich wieder als optisch einprägsamer (diese Wampe...) Bösewicht mit Ausstrahlung entpuppt, dessen Handlanger Ichi ansehnlich choreografiert und gefilmt über den Jordan schicken darf. Deutlich sichtbar machen sich bei "Zatōichi umi o wataru" ferner Western-Assoziationen bemerkbar, eine Spielart des lone Gunman, welchen der Zufall (oder ist es doch Schicksal?) in das von Rinderdieben geplagte Dorf geleitet, denen der auf sich gestellte Heroe im Showdown für die Gerechtigkeit eintretend tatkräftig die Stirn bietet. Eine Abweichung von Shindo Kanetos ursprünglich angedachten Drehbuchentwurfs übrigens, der Ichi zwecks Buße für das durch ihn verschuldete Blutvergießen auf die eponymen Pilgerfahrt zu 88 Tempeln zu schicken gedachte. Für so viel Introspektion hatten die hohen Tiere bei Daiei wenig überraschend keinen Nerv und lenkten das Projekt in mundgerecht konsumierbare Chambara-Unterhaltung, weswegen Überbleibsel von Shindos Konzept bloß in den ersten Minuten wiederzufinden sind. (7)

Zatoichi's Cane Sword [座頭市鉄火旅 Zatōichi tekka-tabi] (1967)
Einer der ersten Zatoichi-Beiträge, der mit Gesangseinlagen kokettiert, hier in Gestalt von Enka-Sängerin Suizenji Kiyoko, die ein blumiges Ständchen zum Besten geben darf. Ansonsten ein handelsübliches Zatoichi-Abenteuer gleichauf "Zatôichi no uta ga kikoeru", das Ichi gestattet, seiner durchtriebenen Seite nachzugeben und das diesmalige perfide Yakuza-Magistrat-Komplott gehörig zu necken. Warum lässt er sie nicht schleunigst über die Klinge springen? In einem Subplot um Tōno Eijirōs Waffenschmied diagnostiziert dieser Ichis legendärem und eponymen Schwert den baldigen Bruch und stellt es vorerst außer Dienst, weshalb Ichi bis zum Showdown vollends auf seine Raffinesse und Schlagfertigkeit angewiesen ist. Eine willkommene Abwechslung, überhaupt wissen die Szenen rund um Tōno am besten zu gefallen. (7)

American Werewolf [An American Werewolf in London] (1981)
John Landis Auffrischung des Werwolf-Mythos greift klassische Erkennungsmerkmale auf und überträgt sie gekonnt in die Moderne, reichert sie darüber hinaus um einen subtilen Sinn für schwarzen Humor mit bisweilen satirischem Biss an, der dem Horror zu keiner Zeit den Rang abläuft, in Gegenteil ihn vorzüglich ergänzt. (8)

Zatoichi the Outlaw [座頭市牢破り Zatōichi rōyaburi] (1967)
Zu "Zatōichi rōyaburi" lässt sich, davon bin ich überzeugt, viel sagen, denn obwohl ich ihn als erstes richtiggehend durchwachsenes Segment wahrgenommen habe, reizt er die Gemüter vermöge einiger starker Momente, der eindrucksvollen Kameraarbeit Miyagawa Kazuos und einer Ausrichtung, die merklich von den Vorgängern abweicht. Das Debüt von Katsu Shintarōs neugegründeten Katsu Productions entfernt sich unter der Regie von Yamamoto Satsuo spürbar von der leichten Unterhaltung, die den Zatoichi-Filmen immerzu irgendwo zu eigen war und klatscht dem Zuschauer einen richtiggehend pessimistischen, brüsken Klotz vor den Latz. "Zatōichi rōyaburi" ist weitaus weniger farbenfroh, im Gegenteil macht der Look einen ausgeblichenen, tristen Eindruck, der ernüchternde politische Subtext kommt verstärkt zum Tragen und die Gewalt, meine Güte, der Gewaltgrad hat immens angezogen. Reichlich spritzt das Blut und die Körperteile fliegen, sogar eine drastische und zeigefreudige Enthauptung bleibt einem nicht erspart, was den Scharmützeln eine begrüßenswert grimmigere Schattierung verleiht, die sich bezeichnend von der Leichtfüßigkeit der meisten Vorläufer emanzipiert. Insgesamt fällt "Zatōichi rōyaburi" tonal weitestgehend humorbefreit und pessimistisch aus. Wiewohl ihn das aus dem Gros herausragend lässt, sieht er sich andernteils einem Drehbuch von schwankender Qualität gegenüber, einem schwer überschaubaren Durcheinander angefüllt mit einer unübersichtlichen Vielzahl agierender Personen, unterdes die Inszenierung das ihrige dazu beiträgt, die Klarheit zu erschweren. Ungeachtet aller Schwächen einer der bemerkenswertesten Beiträge zum Zatoichi-Zyklus. Nebenbei bemerkt, das erste Mal, dass Katsu den Zatoichi-Titelsong zum Besten gibt. (5,5)


























24 - 6,9 (164,5)

Freitag, Dezember 06, 2019

Kurzreviews November/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 12 Filme und 4 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat November gesehen habe:


Serien-Staffeln
Downton Abbey (Series 6) (2015) - (7-7,5+)
Downton Abbey - The Finale (2015) - (8)
Das Büro [The Office] (Season 2) (2005-2006) - (7-7,5+)
Spartacus: Blood and Sand - Motion Comic (2009-2010) - (6,5-7)

Filme
Downrange - Die Zielscheibe bist du! [Downrange] (2017)
Ein Scharfschütze auf Teenie-Pirsch. Wäre im Kurzfilm-Format besser aufgehoben gewesen, die meiste Laufzeit verbringen Jäger und Opfer mit gegenseitigem Belauern, auf Dauer nicht die spannendste Entwicklung, gen Ende steigt die Blödheit der Beteiligten obendrein sprunghaft an. Der Gewaltgrad ist deftig, suhlt sich andererseits nicht zu ausgiebig in Gekröse, wenn er was zeigt, dann allerdings blutigst und zeigefreudig. (6)

Das Cabinet des Dr. Caligari (1920)
Ein maßgebliches Meisterwerk des Stummfilms, das eine unüberschaubare Anzahl an Filmemachern nachhaltig beeinflusst hat. Dabei sind es in erster Linie die Bauten Walter Reimanns, Hermann Warms und Walter Röhris, allgemein das expressionistische, anamorphotische Szenenbild, die zum stärksten Ausdrucksmedium werden, das von alptraumhaften Entwicklungen erzählt, von Hörigkeit gegenüber wahnhaften Tyrannen und von einem verunsichernden Ausgang, den manch einer als Wiederherstellung der zuvor fälschlich angezweifelten Autoritäten deuten mag. Ich persönlich sehe darin viel mehr die derangierende Umkehrung dessen, was Wahnsinn, was Vernunft ist, den jähen Siegeszug des Wahns, dem die Vernunft zu guter Letzt unterliegt. Für mich ein sinisterer, unheilverkündender Schlusspunkt. (9)

Ein Wunderschöner Sonntag [素晴らしき日曜日 Subarashiki Nichiyōbi (One Wonderful Sunday)] (1947)
Dürfte selbst bei Kurosawa Akira-Fans unter dem Radar fliegen, eher in den niedrigeren "Unter ferner liefen"-Bereichen etwaiger Listen rangieren. Mir hat er in hingegen gut gefallen: ich mochte die Anklänge an den Neorealismus, die authentischen Straßenzüge des Nachkrieg-Tokios, das allgegenwärtige Sentiment des "über-die-Runden-Kommens", die Begegnungen mit anderen Städtern und ihren Nöten, sowieso das sympathische Pärchen, das stets zwischen Verzweiflung ob ihres sozialen Existenz-Kampfes einerseits, unerschöpflicher, wenn auch schwach glimmender Lebensbejahung andererseits pendelt, im Grunde genommen nicht mehr als einen schönen Sonntag zu verleben gedenkt, alle weltlichen Problem zur Abwechslung beiseiteschieben möchte und sei es nur für diesen einen schicksalhaften Tag. Ihre nachempfindbare Notlage, ihr Überlebenskampf, ihr Streben nach einfachen, elementaren Formen des Glücks, sowie ihr unprätentiöses, fehlerbehaftetes Wesen macht sie als normale Menschen greifbar, zugänglich, ihr schweres Los bedrückend. Kurosawa legt fernerhin offen, wo er das erfahrbare Glück für seine Hauptfiguren situiert und wo nicht, denn ständig stehen die unglückbringenden Situationen im Zusammenhang mit unzureichenden finanziellen oder materiellen Mitteln, alldieweil die beiden Erfüllung zumeist in sich selbst und untereinander finden. Gen Schluss kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass in diesem Sinne der Lyriker im Regisseur mit Kurosawa durchgegangen ist, wenn er ein Hoffnung spendendes Konzert allein auf die Kraft der Imagination bauend dadurch heraufbeschwört, dass er Hauptdarstellerin Nakakita Chieko die vierte Wand durchbrechen und einen zu gleichen Teilen zutiefst herzergreifenden und furchtbar verkitschten Appell an die Zuschauer richten lässt. Hierbei treibt Kurosawa Gutmütigkeit und Optimismus ein wenig übereifrig auf die Spitze. Demgegenüber fühlte ich mich selbst von dieser recht unverhohlenen umweglosen Manipulation ungewöhnlich gerührt und betroffen, empfand besagtes Konzert im Grundsatz als gelungene emotionale Kulmination der Odyssee des Paars. Ein schöner Sonntag, ein schönes Paar, ein schöner Film. (7,5)

Intacto (2001)
Eigensinniger Thriller aus spanischen Landen, der sich reizvoll dem Thema Glück widmet, die Mitglieder eines vor der Öffentlichkeit verborgenen Club von "Glückspilzen" in absonderliche bis lebensgefährliche Untergrund-Wetten gegeneinander antreten lässt, die das Glück der Spielenden immer wieder auf die Probe stellen: je größer das einem vom Schicksal zugedachte Glück, desto höher die Gewinnchancen. "Intacto" präsentiert Glück und Zufall als eine dem einen Menschen innewohnende, beinahe messbare Energie, die dem einen mehr, dem anderen weniger anteilig zu eigen ist, so dass eine regelrechte Rang- und Stufenordnung vorherrscht, die sich daran bemisst, welchen Dusel die Beteiligten etwa in Unfällen bewiesen haben. Hinzu kommt die sonderbare Fähigkeit mancher der von Fortuna besonders großzügig bedachten Subjekte, qua Berührung weniger gesegneten Seelen ihr Glück zu entziehen und auf sich zu vereinen. In dieser kuriosen Gruppierung finden sich die Protagonisten, die sich aus gänzlich unterschiedlichen Beweggründen auf das Spiel einlassen, auf die ein oder andere Weise wieder. Juan Carlos Fresnadillos solide Inszenierung des faszinierenden Sujets bringt diese merkwürdige Welt gekonnt vor unseren Augen zur Entfaltung und vollbringt den Kraftakt, ihr einen glaubwürdigen, nachvollziehbaren Anschein zu geben, gleichzeitig dem Drama, welches die Protagonisten am eigenen Leib erfahren, gebührend Rechnung zu zollen. Das Spiel mit dem Glück entfaltet nämlich erst mittels seiner Figuren, dessen verschiedenartigen Motiven und verschiedentlich manischen bis selbstzerstörerischen Tendenzen seine ominöse Sogwirkung, weswegen man dem Film zu Lasten legen mag, dass er ausgerechnet dort bloß an der Oberfläche zu kratzen scheint (eine Umsetzung als Serie fände ich durchaus interessant). "Intacto" ist außer Zweifel ein Erlebnis fernab des handelsüblichen 08/15-Thrillers. (7)

Brust oder Keule [L'aile ou la cuisse] (1976)
Eine meiner Lieblingskomödien seit Kindestagen, selbstverständlich war die Tricatel-Fabrik (das Pendant zur Kaugummi-Fabrik in "Rabbi Jacob") eines der aufregendsten Highlights für unsere Kinderaugen, das gastronomische Setting, das in einer französischen Komödie ganz ohne Frage einen angemessen Platz findet, bot aber auch abseits davon Vergnügliches und Erinnerungswürdiges am laufenden Band. Jedenfalls braucht man kein Feinschmecker und Kenner der Haute Cuisine sein, um an dem bunten Treiben aus kulinarischen Köstlichkeiten, wie Unköstlichkeiten, familiären Verwicklungen und natürlich dem typischen Louis de Funès-Humor seine Freude zu haben. Und wenn man unsere zeitgenössische Esskultur betrachtet, macht sich "L'aile ou la cuisse" nachgerade wie ein Abgesang auf die Kunst des handgemachten Kochens, eine leibhaftige Satire auf den Triumph der Fabrikkost und schlimmstenfalls eine dystopische Vision unserer gastronomischen Zukunft aus. (Kindheitsnostalgie-Bonus: 9)

Engel der Verlorenen [醉いどれ天使 Yoidore Tenshi (Drunken Angel)] (1948)
"Yoidore Tenshi" bedeutete einen Entwicklungsschritt von grundlegender Bedeutung in Kurosawa Akiras Karriere in vielerlei Hinsicht: es war sein erstes Werk frei von Bevormundung und Einmischungen durch externe Kräfte, seine erste Film Noir, seine erste ausführliche Demonstration eines schicksalgebundenen Lehrer-Schüler-Verhältnisses, seine erste Zusammenarbeit mit Komponist Hayasaka Fumio und nicht zuletzt: die zukunftsweisende fruchtbringende Zusammenarbeit mit seinem Lieblingsdarsteller für die nächsten zwei Jahrzehnte: Mifune Toshirō. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass "Yoidore Tenshi" Kurosawas erster Film war, der voll und ganz ihm gehörte, mit Herz und Seele seinem Geist entsprang, seine Vision am unmittelbarsten zum Ausdruck brachte. Er ist ein starkes, charakteristisches Drama, das abermals und nicht zum letzten Mal das Ringen um Individualität und Freidenkertum thematisiert, ein tristes Bild der japanischen Nachkriegsgesellschaft zeichnet, sich den Bewohner der Elendsviertel zuwendet, den Verarmten, den Betrogenen, den Betrügern, den Verlorenen. Stellvertretend steht im Zentrum unbestreitbar die Beziehung von Shimura Takashis runtergekommenen, barschen Arzt zu Mifunes hitzköpfigen Möchtegern-Yakuza-Boss. Derweil der eine der Not gehorchend seine Bestimmung am Rande der Gesellschaft zu akzeptieren gelernt hat, das Beste aus seiner Lage zu machen gedenkt, in seiner Rolle des dem Alkohol zugetanen Engels der Verlorenen geradezu aufgeht, hängt der andere Illusionen an, greift nach den unerreichbaren Sternen, verleugnet für hohle Versprechungen von sinnentleerten Wohlstand, Glanz und Glamour und sinnentleerte Yakuza-Schwüre sich und die Menschen um sich herum, merkt nicht, dass er nie zu den Oberen gehört oder gehören wird, von ihnen bloß als nichtswürdiger Untertan, Tunichtgut, Strohmann, Lückenbüßer, nichtsahnender Lakai missbraucht wird - im besten Fall. Shimuras Dr. Sanada müht sich nach Kräften ab, ihm den rechten Weg zu weisen, einen Weg, der womöglich weder Reichtum noch Ruhm offeriert, der letztlich jedoch Seelenheil versprechen würde. Freilich, seine Hilfe kommt zu spät, der Indoktrinierung kann er nur schwerlich und mühsam beikommen. Am Ende folgt die bittere Erkenntnis, das Scheitern, der Sturz in einen Abgrund ohne Wiederkehr. Und doch entlässt Kurosawa den Zuschauer mit einem letzten optimistischen Hoffnungsschimmer am Horizont und dem zuversichtlichen Appell an kommende Generationen. (8)

Ein Streunender Hund [野良犬 Nora inu (Stray Dog)] (1949)
"Nora inu" knüpft an viele in "Yoidore Tenshi" erschlossene Konstituenzien nahtlos an: neben seinen Habitués (die Meister-Lehrling-Beziehung zwischen Mifune Toshirō und Shimura Takashi, Musik von Hayasaka Fumio) nimmt sich Kurosawa Akira erneut das Nachkriegs-Japan zur Brust, konzentriert er sich einmal mehr auf die Menschen am Rande der Gesellschaft. Seine zweite Film Noir profitiert enorm von den vielseitigen, authentischen Schauplätzen, die ein facettenreiches Ebenbild des von einer Hitzewelle erfassten Tokios und seiner Bewohner evozieren, welches höchst realistisch, zugleich bedeutsam expressiv anmutet. In einigen brillant inszeniert Momenten fühlt man sich richtiggehend hineingesogen in die Schattenwelt der Armut, des Hungers, der Obdachlosigkeit, fühlt sich verschwitzt, verschmutzt und erschöpft am Ende der Kräfte. Natürlich kommt dem Wetter und den Naturgewalten in Kurosawas Œuvre seit jeher eine besondere Bedeutung zu, aber ich glaube niemals wieder war die drückende Tropenhitze derart allgegenwärtig spürbar oder die Erlösung durch das mächtige Gewitter vergleichbar befreiend. In ihrer Funktion der Wiedergabe der Gemütsverfassung der Stadt und der Anspannung der Protagonisten werden sie im Zuge dessen zum besonders mächtigen Instrument, dass Kurosawa meisterlich zum Einsatz bringt. "Nora inu" erweist sich nämlich als ausgeprägt psychologisches Krimi-Drama, das das Innenleben seiner Protagonisten, Nebenfiguren, des gejagten Waffen-Diebs unnachahmlich kunstvoll und feinverflochten vermittels eines komplexes Netz der Wechselseitigkeiten aus Personen, Umständen, Lokalitäten und Stimmung nach Außen kehrt und in Verbindung zu setzen versteht, mal direkt, mal indirekt, stets subtil und bis zum Finale fesselnd. Für mich ein Meisterwerk. (9)

Das Stumme Duell [(静かなる決闘 Shizukanaru Kettō (The Quiet Duel )] (1949)
Kurosawa Akiras einzige Adaption eines zeitgenössischen Theaterstückes und theaterhaft wirkt "Shizukanaru Kettō" von Anfang bis Ende: eingezwängt in das restringierende Korsett des arg begrenzenden Klinik-Settings (abgesehen von der brillanten Eröffnungs-Sequenz im Feldlazarett), sich auf ein überschaubares Ensemble beschränkend, das ortsfest vor starren Theaterkulissen spielt, vermittelt er allumfassend das Gepräge eines faden Bühnenstücks. Dem sich unablässig im Kreis drehenden Plot des Lebens und Leidens eines moralisch aufrechten, unverschuldet an Syphilis erkrankten Arztes, mangelt es in praxi an Hingabe und Energeia. Von Kurosawa als Podest für Mifune Toshirō Schauspielkunst erdacht, schien dem Regisseur entweder wenig daran gelegen, den Vorgängen Leben einzuhauchen, oder ihm fehlte schlechtweg der Raum, um seinen ausgeprägten Stilismen nutzbringend einzusetzen. So oder so entbehrt "Shizukanaru Kettō" dringend benötigte Dynamik und Dramatik, ist darüber hinaus um ein Dilemma arrangiert, das arg konstruiert und bemüht wirkt. Sengoku Norikos Krankenschwester bleibt einer der rar gesäten Aspekte, die Interesse erwecken, derweil die Haupthandlung reichlich immobil erscheint. (5)

La Grande bellezza - Die große Schönheit [La Grande bellezza (The Great Beauty)] (2013)

Skandal [醜聞/スキャンダル Sukyandaru, a.k.a. Shūbun (Scandal)] (1950)
Die japanische Presse von 1950, vor allem die vor Skandalen nur so blühenden Boulevard-Blättchen motivierten Kurosawa Akira dazu, direkte (und berechtigte) Kritik an deren schamlosen Invasion des Privatlebens anderer zu üben (zu deren Betroffenen er sich selbst zählte). Herausgekommen ist "Shūbun", ein Drama mit starker Tendenz zum Melodramatischen, bei dem Kurosawa bisweilen arg dick aufträgt, statt einer differenzierten Auseinandersetzung lieber zu Polemik greift. Ich werde das dumme Gefühl nicht los, dass Kurosawa seinem Wesen nach zu sehr Poet ist, zu emotional aufgewühlt, um dieser Form der Gesellschaftskritik eine erstrebsame diskursive Struktur, eine besonne Argumentation zu Grunde zu legen. Zu einseitig ist seine Anklage, zu platt seine Schwarz-Weiß-Malerei: die Presse bzw. die Herausgeber des beschuldigten Blättchens sind unzweideutig niederträchtige, abgefeimte Bösewichte, denen kein Mittel schändlich genug sein kann, um an ihr Ziel zu gelangen, Mifune Toshirō und Yamaguchi Yoshiko dagegen moralisch lautere Leidtragende, die sich bloß verteidigen. Die Ausnahme bildet Shimura Takashis vom Schicksal gebeutelter Anwalt, der zwar das Herz am rechten Fleck trägt, gleichwohl aus der Not heraus den Winkelzügen und Überredungskünsten des trickreichen, abgebrühten Blattmachers erliegt und zu dessen Bauernopfer wird. Tatsächlich rutscht Kurosawas Blick unversehens vom eigentlichen Kern der Handlung, dem Diskurs Pressefreiheit gegen Schmähkampagnen, ab, um an dessen Stelle in schwülstiger Weise Shimuras Charakter mitsamt Kind und Kegel, seine kläglichen Lebensbedingungen und insbesondere dessen engelsgleiche Tochter in den Mittelpunkt zu rücken. Obgleich ich poetischem Realismus bei aller Liebe zugetan bin, kann ich nicht umhin dieses Abgleiten des Erzählfokus zutiefst ablenkend und unsachgemäß zu nennen, eine Abkehr von der nüchternen Betrachtungsweise, die erforderlich gewesen wäre. Vergleichbar zu "Shizukanaru Kettō" dreht er sich mit den Gewissensbissen des larmoyanten Anwalts zudem unablässig im Kreis, lässt Shimura unablässig gequält in die Kamera grimassieren, bevor er in der finalen Gerichtsverhandlung eine Hopplahopp-Auflösung aufbietet. Tut mir leid: eine ätzende, gesellschaftskritische Abrechnung oder auch nur eine Auseinandersetzung zum Thema Presse und Meinungsfreiheit liegt Kurosawa überhaupt nicht. (5)

Rashomon - Das Lustwäldchen [羅生門 Rashômon (Rashomon)] (1950)

Gosford Park (2001)
Die Robert Altman-Julian Fellowes-Kombo bot sich nach abgeschlossener "Downton Abbey"-Sichtung geradewegs an, kann gewissermaßen ein zwingender Abschluss genannt werden. Zum einen macht es Spaß zu sehen, wie hier gewisse Elemente ihre Pendants in "Downton Abbey" vorwegnehmen, allen voran Maggie Smith, die ihre Lady Crawley bereits wunderbar prä-channelt. Zum anderen ist es aufschlussreich, Altmans weitaus weniger schmeichelhaften, minder romantisierten Perspektive auf das Adel-Bediensteten-Verhältnis beizuwohnen, deren hierarchische Bedingungen er weitaus schärfer geschnitten und bitterer abbildet. "Gosford Park" ist ein hinreißendes Ensemble-Stück, prall gefüllt mit tollen Darstellern, das sich herzlich wenig um seinen Krimi-Plot kümmert (wer eine Whodunit erwartet, ist hier gänzlich fehl am Platze) und lieber seine Figuren und ihre Beziehungen untereinander betrachtet, beobachtet und subtil kommentiert. (8)





















12 - 7,5 (89,5)

Mittwoch, November 06, 2019

Kurzreviews Oktober/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 21 Filme und 8 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Oktober gesehen habe:


Serien-Staffeln
Downton Abbey - The London Season (2013) - (7,5)
Archer 1999 (Season 10) (2018) - (6-7)
Ghul [Ghoul] (2018) - (5,5-6,5)
Channel Zero: Candle Cove (Season 1) (2016) - (6-7)
Downton Abbey (Series 5) (2014) - (7-7,5)
Downton Abbey - A Moorland Holiday (2014) - (7,5)
Das Büro [The Office] (Season 1) (2005) - (6,5-7+)
Sandokan - Der Tiger von Malaysia [Sandokan] (1976) - (6-7)

Filme
Tad Stones und das Geheimnis von König Midas [Tadeo Jones 2: El secreto del Rey Midas (Tad the Lost Explorer and the Secret of King Midas)] (2017)
Ganz das Sequel: ein bisschen höher, schneller, lauter, derweil im Kern dasselbe kindgerechte Indiana-Jones-Abenteuer, bunt, rasant und vergnüglich, wobei die Mumie Nerv-Potential besitzt. Der sympathische Everyman-Held Tad Stones/Tadeo Jones, sowie die kreativen Action-Szenen halten allweg durchgängig bei Laune. (6)

Wrong Turn 6: Last Resort (2014)
Aus Jux und Tollerei in umgekehrter Reihenfolge: der letzte der verhalten reüssierenden Backwood-Horror-Reihe, weniger beängstigend als ungustiös, wenn es daran geht, das Familien-Erbe anzutreten, was in concreto bedeutet die Inzucht-Linie fortzuführen. Demgemäß unangenehm sexualisiert, was die Nummernartigkeit der Gewalt-Einschübe fast deutlicher zu Tage treten lässt. (4,5)

Wrong Turn 5: Bloodlines (2012)
Den fand ich unterhaltsam: die Belagerung der Polizei-Station durch die Inbreds, auf die Befreiung ihres sardonischen und widerlichen Ziehvaters abzielend, ist zwar schön-blöd logikbefreit, aber auch herzlich unsinnig niederträchtig, blutrünstig und schadenfreudig, wobei ich ihm ein Minimum an Spannung zugestehen möchte. (5,5)

Unheimliche Begegnung der dritten Art [Close Encounters of the Third Kind] (1977)
Director's Cut. Steven Spielbergs stilbildender Science-Fiction-Klassiker, ein optischer Genuss, inhaltlich entzückend naiv und positiv gestimmt, bisweilen beinahe religiös in seiner Ikonographie, zweifelsohne wegweisend im Bereich der Special Effects und seiner Portraitierung der außerirdischen Fremden als freundliche, erlösende Besucher, die unseren Erfahrungshorizont natürlich ohne böse Absichten erweitern möchten. (7,5)

Die Goonies [The Goonies] (1985)

Chaos im Netz [Ralph Breaks the Internet] (2018)
Disney-Propaganda-Szenen à la dem hiesigen Prinzessinnen-Kabinett erzeugen bei mir inzwischen übelste Bauchschmerzen in einem Maße, das mich sonst allenfalls bei religiösen oder politischen Agitations-Machwerken überkommt. Zum Glück halten sich solche im "Wreck-it Ralph"-Sequel in Grenzen. Ralphs und mehr noch seiner Freundin Vannellopes aus dem Vorläufer bekannte Emanzipation-Bestrebungen zur Behauptung seines bzw. ihres Stellenwerts eines Individuums in einer konformistischen Gesellschaft (blanker Hohn in einer Disney-Produktion...) konfrontieren Phil Johnston und Rich Moore im zweiten Teil durchaus pointiert mit den Auswüchsen des Internets. Das geschieht wohl gemerkt ohne jemals die Sphäre einer ausgemachten Satire zu tangieren, vorsichtige Kritik mag sich nichtsdestotrotz zwischendurch bemerkbar machen. Die Darstellung der Netzwelt in Form und Gestalt einer schillernden, kunterbunten, eine Vielfalt an reizüberflutenden Eindrücken darbietenden Megalopolis, um nicht zu sagen eines Sündenpfuhls der Marke Hure Babylons, ist eine opportune kindgemäße Reifikation des komplexen abstrakten Gebildes "Internet", des unaufhörlichen Verkehrs, des ständigen Kommens und Gehens, des Miteinanders, seltener: des Gegeneinanders, allgemein des "Vernetztseins". Freilich stets versöhnlich, leicht verdaulich, unangenehme Themen höchstens dünngesät anschneidend, lieber knuffigen Verweisen und Anspielungen Raum gebend. In jedem Fall eine sympathische Variation des "Bauerntrampels, den es in die Stadt zieht", in deren Verlauf beide Charaktere eine nachvollziehbare Wandlung durchlaufen und an ihren Konflikten reifen. (7)

Joker (2019)
Der Aufreger der Saison, das Massenphänomen, der R-Rated-Erfolg (der dankenswerterweise den unsäglichen "Deadpool" vom Thron der gewinnträchtigsten R-Rated-Erfolge gestoßen hat), der rohe Psychopath im Comic-Einerlei, der aufbegehrende Underdog, der Beweis, dass aneckende, Risiken in Kauf nehmende Filme genauso Kasse machen können und dass das Kino nicht verkümmernd auf brachiale Publikumsverblödung à la Disney kontingentiert werden muss...
Manch einer mag Todd Phillips vorwerfen, einen platten Abklatsch von Martin Scorseses "Taxi Driver" fabriziert zu haben und das nicht von ungefähr: Parallelen, Zitate und Referenzen sind überdeutlich vorhanden, er sucht regelrecht ostentativ die Nähe zum legendären großen Bruder. Allein, wo die einen Plagiat schreien, halten andere das Konzept der Pastiche oder Hommage dagegen. Für mich persönlich kommt die Umdeutung und Rekontextualisierung der gefährlichen, psychopathischen Innenansicht und Weltanschauung eines Travis Bickle als Joker-Origin-Story einem kleinen Genie-Streich gleich: die Transponierung von Themen, zuzüglich zu stilistischen und formellen Eigenarten, der fragwürdigen Erzählperspektive, der unmittelbaren Exponierung des Innenlebens des Charakters, der sich der Zuschauer in der Folge ausgesetzt sieht, der unverhohlenen politischen Brisanz auf den beliebten und berüchtigten Comic-Bösewicht bietet sich vorbehaltlos an. Zumal "Joker" auch abseits seiner "Taxi Driver"-Affinität genug Eigenständigkeit zu bieten weiß. Zuvorderst ist er keineswegs die einfallslos lineare Provenienz-Geschichte des 08/15-Marvel-Helden, die nichts weiter zu erzählen hat, außer das Übermensch A von Punkt B nach Punkt C gegangen ist, um Superheld X zu werden und ERJB Y zu besiegen. Live. Die. Repeat.
Joaquins Phoenix Joker dahingegen ist eine verlorene Seele, ein von vorneherein gebrochener Mann, ein allein gelassener Außenseiter, eine arme Sau, ein Mensch auf der Suche nach Zuwendung, Zugehörigkeit und einer Identität, von der er glaubt, sie der ihn umgebenen Gesellschaft gefällig formen zu müssen. Geplagt und verstört gerät er dergestalt in einen unaufhaltsamen Strudel aus Gewalt und Aversion gegenüber seiner psychischen Disposition, zurückgestoßen, sich selbst überlassen, verlacht. Anknüpfpunkte und helfende Hände sucht er vergebens.
Wenig überraschend gerät dies zur schauspielerischen Tour de Force für Phoenix, der den bemitleidenswerten Tropf Arthur Fleck eine erschreckend intensive Performance beschert, der beizuwohnen zum schmerzhaften Zeugnis gerät. Konsequent ist man an seine Perspektive, seine Sichtweise der Dinge, seiner Version der Geschehnisse gebunden und muss sich mehr als einmal fragen, ob das, was man soeben zu sehen bekam, tatsächlich der Realität entsprach oder nicht doch einem Gespinst des Wahns der Hauptfigur entsprang. Man ist gefangen im Kopf des Protagonisten, teilt seine Erfahrungen, nimmt Teil an seinen Demütigungen, sieht die Welt durch seine Augen - und die Welt, die einem solcherart begegnet, ist ein kaputter, kalter, abweisender Moloch, der einem nichts als Feindschaft und Zurückweisung entgegenzubringen vermag. Das auf dieses Martyrium der Befreiungsschlag mittels der gewaltsamen Ablehnung der ihm angedachten Rolle in der Gesellschaft folgt und er in deren Anti-These aufgeht, wird gemeinhin als Aufforderung zur Revolution und Griff zur Waffe fehlgedeutet. Aus dem einfachen Grund, dass vielfach eine Kausalität in konsekutiver Geradlinigkeit postuliert wird, die in diesem Fall einfach nicht gegeben ist, viel mehr eine komplexe Interdependenz zwischen den verschiedenen Einflüssen und Faktoren vorherrscht. Fraglos birgt seine Apotheose zur in Wahrheit unverschuldeten und unbeabsichtigten Inkarnation der wütenden Masse und sein kurzfristiger Weg dorthin einiges an brisantem Diskussionspotenzial. Wohingegen expressis verbis darin der Reiz von "Joker" liegt, dass man sich argumentativ nicht bloß auf den Höhepunkt von Arthur Flecks Leidensweg, auf sein Aufgehen in der gewalttätigen Gestalt des Jokers beschränkt, sondern die Treppenstufen dahin begreift und Empathie entwickelt. Wehret den Anfängen. Denn in dem Fall wäre ein Joker für die Pop-Kultur und die Gesellschaft gar nicht erst von Nöten. (8,5)
Taxi Driver (1976)
Da es gerade passt: Martin Scorseses legendärer Neo-Noir, ein moralisch zutiefst und bewusst ambivalentes Bild eines in der Gesellschaft gestrandeten und verlorenen Mannes, einerseits vor dem thematischen Hintergrund des Vietnamkriegs und der Watergate-Affäre zeitgebunden, andererseits von universeller Relevanz (was ein "Joker" nachdrücklich unterstreicht), ein Ausschnitt eines prekären Aspekts der Gesellschaft, ausdruckstark gespielt von Robert De Niro, nachhaltig und überkommend inszeniert. Gehörte nie zu meinen Lieblingen, ein überlebensgroßes Ding ist er nichtsdestoweniger, speziell aufgrund seiner Ambiguität. (8)

Parasite [기생충 Gisaengchung] (2019)
Bong Joon-hos bissige Sozial-Satire ist zunächst einmal wunderbar räumlich dreidimensional: lustvoll kostet er jeden seiner Schauplätze maximal aus, vergrößert, engt ein, bewegt und transformiert Zimmer, Gemächer, Innen- und Außenareale korrespondierend zu seinen Protagonisten, körperlich wie geistig. Unter diesen Bedingungen wird die Illustration des Klassenkampfes zu einer in höchstem Maße plastischen Angelegenheit: Aufstieg und Fall, Täuschung und Entlarvung, Armut und Reichtum, die kleinste soziale Ungleichheit, all das findet seine Entsprechung in ausgedehnten oder beengenden Räumlichkeiten, im architektonischen und landschaftlichen Auf und Ab, sowie in den kataklystischen Folgen der Naturgewalten, welche die einen unbeschadet überstehen, alldieweil die anderen um alles kämpfen müssen. Joon-ho bewegt sich in diesem teuflischen Reigen der Gesellschaftsschichten auf einem schmalen Grat zwischen lakonischen Humor und bitterem Drama, lässt seine Protagonisten einen riskanten Spießrutenlauf absolvieren, bis am Schluss unweigerlich und gnadenlos die Katastrophe über alle ohne Ausnahme hereinbricht, ganz gleich ob arm oder reich. Alle schmieden sie Pläne und hängen Zukunftsvisionen an, von Blindheit geschlagen, dass sie ein ungerechtes System dadurch bloß bestärken, gleichwohl niemals überkommen werden. Und somit finden sie sich in einem hoffnungslosen Teufelskreis, einer stumpfen Diallele gefangen. (8)

Annabelle 3 [Annabelle Comes Home] (2019)
Das "Conjuring"-Spin-off "Annabelle" war ein Rohrkrepierer vor dem Herrn, sein Prequel "Annabelle: Creation" (ebd.) in Angesicht dessen eine nicht zu unterschätzende positive Überraschung und Teil 3 ist... in jeder Hinsicht ein Franchise-Produkt, nett formuliert: eine bessere Trailershow für weitere potentiell ausschlachtbare Spin-off-Grusel-Fratzen aus der Abstellkammer der Warrens, dargebracht in Gestalt einer mäßig schaurigen Geisterbahnfahrt vorbei an den verschiedenen angestaubten, in den Regalen des Hinterzimmers versauernden Spuk-Erscheinungen, als wolle man ausloten, welche von diesen beim Publikum gut genug resonieren, um ihnen ihre eigenen Ableger zu spendieren. Ist das gruselig? Nein. Vollends durchschaubar ohne Frage. (4)

Unknown Identity [Unknown] (2011)
Die erste der Jaume Collet-Serra-Liam Neeson-Kollaborationen, ein grundsolider, fesselnder Reißer mit Hitchcock'scher Prämisse, der seinen Protagonisten in fremder Umgebung, dieses Mal das altbekannte Berlin, aussetzt, die Identität raubt und in der Folge gnadenlos die Jagd auf ihn eröffnet, Bourne-Assoziationen inklusive. Schwächelt nach Hinten raus, ansonsten verlässliches Action-Thriller-Terrain. (6,5)

96 Hours [Taken] (2008)

Höllenfahrt nach Santa Fé [Stagecoach] (1939)
aka "Ringo". John Fords vielbeschworener Western-Klassiker, der den Grundstein für seine langjährige Partnerschaft mit John Wayne legte bzw. Waynes Karriere erst richtig durchstarten ließ. Eine meisterhafte Sektion eines Mikrokosmos verschiedener Repräsentanten von Archetypen der Gesellschaft, eingefangen und verdichtet in der Enge der eponymen Postkutsche, konterkariert vermittels der endlosen Weite der Prärie, imposant gefilmt, gen Ende gar inklusive für die Zeit beeindruckender Stunts. Ein Meisterstück! (8)

Downton Abbey (2019)
Ein Geschenk an die Fans der Serie mit Herz und Seele. Man mag stänkern, dass es sich hierbei inhaltlich und strukturell um einen besseren Zweiteiler handelt, der nicht zwangsläufig den Umweg über die große Leinwand nötig gehabt hätte. Aber warum sollte Fans das kümmern? Im Gegenteil hat es was Herzbewegendes, das Anwesen Downton Abbey in schwelgerischen, glanzvollen Breitwand-Aufnahmen zu genießen, obendrein die Lords und Ladies mitsamt Bediensteten im prächtigen Kinoformat ausgelassen tanzen, leiden, lieben und konspirieren zu sehen. Jeder bekannte und liebgewonnene Charakter hat im Rahmen der Möglichkeiten seine Szene und offen gelassene Entwicklungen des finalen Weihnachts-Specials werden für alle zufriedenstellend abschließend ausformuliert. Sicherlich leichte Muse und nichts für Anti-Royalisten (es sei denn, man ist wie ich ein kleiner Brenson, ergo den Crawleys und ihrem pompösen Adelsleben unerklärlicherweise zugetan), ein wunderschönes Wiedersehen ist es demungeachtet alle Male. Nicht zu vergessen: sollte es der Letzte bleiben, wäre der Kinofilm ein herzbewegender Abschied vom Highlight der gesamten Serie: Maggie Smith! (7,5)

Judo Saga - Die Legende vom großen Judo [姿三四郎 Sugata Sanshirō (Sanshiro Sugata)] (1943)
Kurosawa Akiras Debut (sieht man von "Uma" ab), noch im Klima der Zeit und unter Zensurregiment Japans während des Zweiten Weltkriegs entstanden, weswegen unter anderem 17 Minuten aus dem fertigen Produkt geschnitten wurden und wahrscheinlich unwiederbringlich verloren sind. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist "Sugata Sanshirō" eine bemerkenswert eigenständige, stilsichere und vor allem ungewöhnlich introvertierte Betrachtung seines Heroen Sanshirō und seines Werdegangs. Das auf dem Weg zum unbesiegbaren Judo-Meister infolge der Zensuren unbillige Lücken entstehen, die in meiner Fassung unter Zuhilfenahme von Texttafeln zu überbrücken versucht werden, trübt den Gesamteindruck, was nicht daran rüttelt, dass bereits Kurosawas offizielles Erstlingswerk ein starkes und bildkräftiges Stück Kino darstellt. (7)

Pets 2 [The Secret Life of Pets 2] (2019)
Numero uno ist ein von mir gerne angeführtes Beispiel für den Typus "hyperaktiver Animations-Kinderfilm", seine Weiterführung hat mich anfänglich sogar derart angenervt, dass ich kurz davor war, der Chose ein Ende zu bereiten. Glücklicherweise fängt er sich und nachdem er seine unterschiedlichen Einzelepisoden auf den Weg gebracht hat, habe ich mich doch noch gut unterhalten gefühlt. Im besonderen Harrison Ford in der Rolle des lapidaren Farm-Hundes Rooster reißt einiges wieder raus. "Pets 2" ist zudem stellenweise hinreißend schön animiert (6,5)

Wir [Us] (2019)
Jordan Peeles zweiter Soziopolitischer Horrorfilm nach dem erfolgreichen "Get Out" gehört wie dieser zu dem Typus Horror, der zu schlau für sein eigenes Wohl ist, bzw. der sich zu schlau fühlt, als ihm in Wahrheit gut zu Gesicht steht (siehe auch: "Hereditary"). Ich meine damit, dass er ca. in der ersten halben Stunde zugegeben effektiv eine beängstigende, lauernde Bedrohung aufbaut, alsbald jedoch sich besser darin gefällt, sein verkopftes Szenario auszubauen, stärker einer Satire zuneigt. Das macht er wohlgemerkt nicht schlecht, zumal er mit guten Darstellerleisungen punktet, seine Intensität hält er hingegen nicht aufrecht und präsentiert uns sein Plädoyer gegen soziale Ungleichheit auf dem Umweg einer hanebüchene Science-Fiction-Horror-Mär, die derart abstrus ausfällt, dass sie kaum eine Verbindung zur Realität herzustellen vermag (geschweige denn ängstigt), allerhöchstens im exegetischen Bereich, wenn Peele in einer Vielzahl an Szenen "ask me what it means" zu schreien scheint (wenigstens in dieser Hinsicht nicht in einem vergleichbar über die Strenge schlagenden Maße wie der hohle "Hereditary"). Alles nicht verkehrt und auf einem wichtigen gesellschaftskritischen Grundgedanken fundiert, eine sonderlich durchdringende Wirkung stellte sich bei mir dahingegen nicht ein. Musik und Schluss-Twist mochte ich indes. (7)

Am allerschönsten [一番美しく Ichiban utsukushiku (The Most Beautiful)] (1944)
Kurosawa Akiras zweites Schaffen steht nachdrücklicher unter dem Propaganda-Scheffel und wird in dieser Weise zu seinem ambivalentesten Frühwerk: die teils im dokumentarischen Stil dargebrachte Geschichte einer Gruppe Fabrikarbeiterinnen, die Präzisionslinsen für den Kriegseinsatz herstellen und in Zeiten des Notstands sich selbst aus freien Stücken zum Wohle des Vaterlands an die Grenze des Belastbaren und Menschenmöglichen treiben, geizt nicht mit patriotischen Gesten, fröhlichem Liedersingen von Stücken, die vom Sieg der japanischen Krieger über die mongolischen Horden handeln, hingebungsvoller Marschkapellen-Aufmarschiererei und allgemein an den Tage gelegte Opferbereitschaft für die größere Sache. Auf der anderen Seite verblüfft Kurosawa, neben der allgegenwärtigen Leidenschaft, die in Bildern und Inszenierung ruht, vermöge der tiefen Sensibilität gegenüber seinen Protagonistinnen (tragende weibliche Rollen sind im Œuvre des Regisseurs ohnehin eine bezeichnende Ausnahme), von denen er einzelne gezielt herauspickt und ihr Einzelschicksal immer mal wieder in den Fokus rückt. Bei Kurosawa rangierte "Ichiban utsukushiku" ganz oben auf der Liste seiner eigenen Lieblingsfilme, womöglich nicht zuletzt, weil er Hauptdarstellerin Yōko Yaguchi bei den Dreharbeiten kennen und lieben lernte. Woran es auch liegen mag: Beachtung verdient er allemal. (7)

Sugata Sanshiro Fortsetzung [續姿三四郎 Zoku Sugata Sanshirō (Sanshiro Sugata Part II)] (1945)
aka "Judo Saga II". Das Kurosawa Akira von der Propaganda-Abteilung aufgezwungene Sequel (Trivia: der Verlautbarung nach eines der ersten Sequels, dem ein frugales "Teil 2" an den Titel angehängt wurde), dementsprechend wenig begeistert runtergekurbeltes Loblied auf den japanischen Kampfesgeist und Wiederstandwillen gegenüber den niederträchtigen Amerikanern, die ins nachteilige Licht zu rücken das Drehbuch keine Gelegenheit auslässt (Sanshirōs müheloser Sieg gegen den überheblichen US-Boxer gleicht einer für den Amerikaner blamablen Stummfilm-Slapstick-Komödie). Insofern hat Kurosawa vielen modernen chinesischen Martial-Arts-Filme (etwa "Fearless" oder "Ip Man", mehr noch "Ip Man 2") die Blaupause geliefert, wie man traditionsbewusste und moralisch lautere Kampfsportler, die ihre altehrwürdige Kampfkunst gegenüber dem modernen westlichen Mächten erfolgreich verteidigen, in Szene zu setzen hat. Drum würde ich "Zoku Sugata Sanshirō" zu Kurosawas unter der Aufsicht des japanischen Zensor-Rats entstandenen zugänglichsten, da weitestgehend ambitionslosesten Werken zählen. Gleichwohl blitzt Kurosawas Talent selbst hier unverkennbar auf, hauptsächlich beim Subplot um die Rivalität zwischen Karate und Judo, insbesondere hinsichtlich des Schicksals Tsukigata Ryūnosukes einstmaligen Widersachers aus dem Vorgänger, sowie des schönen Finales mit dessen Brüdern. (6,5)

Die Männer, die dem Tiger auf den Schwanz traten [虎の尾を踏む男達 Tora no o wo fumu otokotachi (The Men Who Tread on the Tiger's Tail)] (1945)
Kurosawa Akiras nächstes Projekt entstand in der turbulenten Zeit des letzten Kriegsjahres und des Übergangs: die Niederlage stand bevor, die japanische Zensur ging, die der amerikanischen Besatzungsmacht kam. Kreativ erdrückt von den Rahmenbedingungen geriet Kurosawas Adaption des Kabuki-Stücks "Kanjinchō" zu einer ungemein knapp gefassten, theaterhaft komprimierten Bearbeitung des Ursprungsmaterials. Abgesehen von dem Umstand, dass "Tora no o wo fumu otokotachi" die Ehre zuteilwird, Kurosawas erster Jidai-geki eiga zu sein, ist das Endresultat ein schnörkelloses, makelloses, besonders in der zentralen Szene am Grenzposten hochspannendes Drama, aufgelockert durch den an das amerikanische Kino gemahnenden Comic Relief-Charakter Enomoto Ken'ichis, einem beim japanischen Publikum beliebten Komödianten. Hervorragen tut einmal mehr Sugata Sanshirō-Darsteller Fujita Susumus nuanciertes Spiel, das bis heute Zuschauer rätseln lässt, ob er Yoshitsune und sein Gefolge erkannt hat oder nicht. (7,5)

Kein Bedauern für meine Jugend [わが青春に悔なし Waga seishun ni kuinashi (No Regrets for Our Youth)] (1946)
Kurosawa Akiras erster Nachkriegsfilm, der sehr zum Missfallen des Regisseurs mehrfach umgeschrieben wurde, ist angesiedelt vor dem Hintergrund des Takigawa-Vorfalls, in dessen Verlauf der Universitäts-Professor Takigawa Yukitoki von seinem Lehrstuhl an der Universität Kyoto gefeuert und ein Student wegen Hochverrats hingerichtet wurde. Allerdings stellt dieser Zwischenfall bloß das Stimulans dar, welches die Handlung in Gang setzt, deren Hauptaugenmerk auf Hara Setsukos Yagihara Yukie und ihrer Suche nach Erfüllung, nach dem, was das Leben ausmacht, liegt. Ihr Entwicklungsweg ist eng verknüpft mit denen zweier Studenten, von denen der eine sich dem Konformismus beugt, alldieweil der andere sich politisch engagiert, was ihm im Endeffekt zum Verhängnis wird. Ihre Verbindung zu letzterem (bravourös: Fujita Susumu) wird auschlaggebend für ihr existentialistisches Streben, das auf die Gegenwehr des beschränkten, ignoranten Gesellschaftsdenken trifft, dafür im Triumph dieses Strebens mündet. In ihrem über zwölf Jahre währenden Existenzkampf spiegelt sich deutlich Kurosawas Philosophie, wie auch das Nachkriegs-Japan, das sich ähnlich neu zu finden und zu orientieren hatte. Dabei ist Regisseur und Drehbuchautor Kurosawa weniger an politischen Verwicklungen gelegen als am seelischen Fortgang seiner Protagonistin, überwältigend verkörpert von Hara Setsuko und, sieht man von "Ichiban utsukushiku" ab, die einzige weibliche Hauptakteurin in seinem Schaffenswerk. Trotz Problemen bei der Produktion aufgrund von Einmischung dritter sind Kurosawa einige exzellent arrangierte Sequenzen gelungen, welche die Figurenkonstellation und Aufgewühltheit Yukies ausdrucksvoll wiedergeben. (8)




















21 - 6,9 (144,5)