Freitag, April 24, 2020

Nachschlag No. 38: For a Fistful of Ryō 両

Lustige bis aufschlussreiche Vermischung von Bildermaterial aus Kurosawa Akiras "Yojimbo" und Ennio Morricones legendärem Score zu Sergio Leones unatorisiertem Remake "Per un pugno di dollari". Erwähnte ich schon die Bedeutung von Kurosawa für die Welt des Kinos im Allgemeinen, "Yojimbo" im Speziellen? ;)

Dienstag, April 21, 2020

Kurzreviews Januar/2020

Hiermit präsentiere ich die zweite nachträgliche Review-Liste der diesmal 24 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Januar gesehen habe:


Serien-Staffeln
Das Büro [The Office(Season 5-6) (2008-2010) - (7-8)
Todd McFarlane's Spawn (Season 1) (1997) - (7-7,5)

Filme
Nachtasyl [どん底 Donzoko (The Lower Depths)] (1957)
Kurosawa Akiras werktreue Adaption von Maxim Gorkis Schauspiel besitzt eine unübersehbar theaterhafte Komponente: der Schauplatz beschränkt sich auf zwei Räumlichkeiten desselben demarkierten Orts, die überschaubare Dramatis personae ist fix, sogar Akt-Übergänge lassen sich ausmachen. Dementgegen erweckt "Donzoko" zu keiner Zeit einen befangenen theaterhaften Eindruck. Im Gegenteil: das komprimierte, räumliche begrenzte Setting scheint Kurosawa nachgerade zu beflügeln: je beengter der Raum, desto reicher die Ausdrucksmöglichkeiten des Regisseurs und seiner Darsteller, deren Arrangement umso wohlbedachtere Präzision erfordert. "Donzoko" ist zuvorderst ein Ensemblefilm, in welchem fraglos ein jeder beachtliches leistet, die Gruppe als Ganzes, als Einheit alldieweil unverkennbar im Mittelpunkt steht. Und Kurosawa versteht es meisterlich, diese Einheit anzuführen, jedem einzelnen Akteur zur rechten Zeit gebührend Spielraum zu entbieten. Inhaltlich richtet er sein Augenmerk auf die Außenseiter der Gesellschaft, die Randfiguren, die Verlierer und Verlorenen, die bei alledem indessen nicht den Hoffnungslosen gleichzusetzen sind. Denn es ist die Hoffnung, genährt von ihren Sehnsüchten, ihrem Wunschdenken, ihren Verlusten und vergeblich erträumten Luftschlössern, welche diese Existenzen am Rande der Verzweiflung am Leben erhält, sie antreibt, Lieben, Freuden, Tod und Leiden ertragen lässt - so utopisch unerfüllbar einem diese Hoffnung auch dünken mag. Letzten Endes gleicht "Donzoko" "Rashomon" in seinem Spiel mit Wahrheit, Dichtung, Illusion, konstatiert übereinstimmend eine fatale Wechselwirkung zur trügerischen, zwingenden Selbstwahrnehmung, die oftmals, beinahe immerfort Selbsttäuschung gleichkommt und von der sich zu lösen höchstens in wenigen Ausnahmefällen gelingen mag. Dass Kurosawa sowohl Vorlage, als auch Eigenerzeugnis als heitere Angelegenheit empfand, mag zunächst irritieren, bei näherer Betrachtung wird man dahingegen feststellen, wie eng Humor und tragischer Fatalismus hier als miteinander verknüpft und unabdingbar voneinander abhängig und ableitbar betrachtet werden. Zumal sich aus dieser Haltung erklären lässt, warum "Donzoko" trotz allem ein derartig unterhaltsames, zugleich nachdenkliches Stück geworden ist, das oftmals hinter Kurosawas prestigeträchtigeren Werken unberechtigterweise in den Hintergrund zu rücken scheint. (9)

Die Verborgene Festung [隠し砦の三悪人 Kakushi toride no san akunin (The Hidden Fortress)] (1958)
Zweifelsfrei Kurosawa Akiras zugänglichster Film, ein keckes, mitreißendes, stellenweises ironisches Jidai-geki-Abenteuer in exquisiten Breitwandaufnahmen, dass bewusst sein Comic Relief-Pärchen zum protagonistischen Kern macht. Ich gebe unumwunden zu: "Kakushi toride no san akunin" ist nicht mein Lieblings-Kurosawa. Gleichwohl werde ich ihm seinen enormen Spaßfaktor nicht in Abrede stellen. Inzwischen ein zweischneidiges Schwert ist sein janusgesichtiger Status des inspirativen Quells für "Star Wars", bedenkt man die Umwälzungen, welche George Lucas Sternenkrieger-Saga hervorgerufen hat und die Disney heute auf katastrophale Weise totzureiten versucht... (7,5)

Allein unter Nachbarn [La comunidad(2000)
Álex de la Iglesia-typische Farce, angesiedelt im Sündenpfuhl des spanischen Mietshauses, deren kunterbunt schrullige Bewohner sich vor Gier gegenseitig an die Gurgel gehen. Salopp formuliert: wäre James Stewart in "Rear Window" nicht an den Rollstuhl gefesselt gewesen und hätte sich in eigener Person in das beobachtete Gebäude begeben, vielleicht wäre ihm ein vergleichbares Abenteuer widerfahren... vorausgesetzt die Bewohner wären raffgierige Verrückte gewesen. Spaßig! (7)

Citizen Kane (1941)
An Orson Welles vermeintlich besten Film aller Zeiten muss sich jeder Cineast zwangsläufig mindestens einmal im Leben die Zähne ausbeißen und wird dafür mit einer einzigartigen Biographie Noir belohnt, die allen Konventionen des Biopics zuwiderläuft, indem sie sich weigert, eine planmäßige, geradlinig chronologische Aneinanderreihung von Lebensstationen seiner Hauptfigur vorzulegen, anstelle dessen eine assoziative Verkettung von Eindrücken und Erinnerung in bereits gefilterten Aussagen von Anderen collagiert, die ein vielgestaltiges und vielschichtiges Puzzlespiel ergibt, ein zertrümmertes Mosaik eines Menschenlebens, dass es wieder zusammenzusetzen gilt, nicht eines, dass man bequem vorgesetzt bekommt und einem das Mitdenken erübrigt. Ein revolutionäres Bravourstück, dem es leider nicht vergönnt gewesen war, die gängige Form des öden formelhaften Biopics zu begraben. (9,5)

Die Bösen schlafen gut [悪い奴ほどよく眠る Warui yatsu hodo yoku nemuru (The Bad Sleep Well)] (1960)
Erstes Erzeugnis von Kurosawa Akiras eigener Kurosawa Productions, die er gründete, nachdem sein Vertrag mit Toho ausgelaufen war, und ein weiterer Gendai-geki Noir Kurosawas nach "Yoidore Tenshi" und "Nora Inu". Scheinbar befand ich mich in der falschen Stimmung für das, was der Regisseur sich vorgestellt hatte: enttäuschenderweise sagte "Warui yatsu hodo yoku nemuru" mir nicht zu, aus mehreren Gründen. Grundsätzlich zu langatmig, zu theaterhaft wirkte er auf mich. Man nehme zum Beispiel die den Film eröffnende Hochzeit, die gerne als brillant in Szene gesetzte Exposition angeführt wird, die auf mich im Gegensatz dazu arg bräsig erschien. Was dort geschieht, ist, dass die anwesenden Reporter und Journalisten in der Funktion eines Theaterchors ohne größere Raffinesse die für die Handlung zentralen Personen aufzählen, beschreiben und ihre Beziehungen untereinander erklären, was für mich einem bühnenhaften, erklärbärigen Zähfluss gleichkam. Korrespondierend dazu löst Kurosawa den dramatischen Höhepunkt gen Schluss nicht in Bildern auf, sondern lässt davon berichten: was geschehen ist, die Kulmination der aufwühlenden Ereignisse, welches Schicksal die Protagonisten ereilte, wird einem indirekt, schwafelig vorgetragen. Um nicht missverstanden zu werden: ich habe bestimmt nicht auf einen vordergründige Spannung forcierenden, nervenaufreibenden Thriller von Kurosawa spekuliert. Dass er sich auf das Drama, die Charaktere und Anprangerung von Korruption, Bestechung, Unterschlagung und den verdorbenen, amoralischen Subjekten der japanischen Oberschicht, die selbst vor heimtückischem Mord nicht zurückschrecken, konzentrieren würde, war zu erwarten. Auf die spannungslose, ermüdende Umsetzung, die sich mir präsentierte und die mehr auf Worte als auf Bilder zu vertrauen schien, war ich andererseits nicht gefasst. Möglicherweise komme ich mit Kurosawas moralinsauren Predigten einfach nicht zurecht oder möglicherweise hat mich sein Pseudo-Hamlet auf dem falschen Fuß erwischt. Mal schauen, was das nächste Wiedersehen ergibt. (6)

Yojimbo - Der Leibwächter [子用心棒 Yōjinbō (Yojimbo)] (1961)
Eine der erfolgreichsten und ikonischsten Großtaten Kurosawa Akiras, dessen Vermächtnis und weitreichend Einfluss auf verschiedenen Genres man niemals unterschätzen sollte. "Yojimbo" ist aufgrund seiner abenteuerlichen Chambara-Qualitäten, des spitzfindigem Humors und Mifune Toshirōs obercoolen sittenwidrigen, amoralischen Ronins ohne Frage dem Zweig von Kurosawas Unterhaltungskino zuzuordnen. Je nach Sichtweise ist er sogar Kurosawas einzige Vollblut-Komödie, wenngleich er auf seinen sozialkritischen Standpunkt nicht verzichtet: die hiesigen durch und durch verdorbenen, unrettbaren Dorfbewohner haben alle Prinzipien von Ehre, Samurai-Tugend und Menschlichkeit über den Haufen geworfen und sich der niedrigsten Form der Gier hingegeben, was Kurosawa in einem überspitzten, komödiantischen Gestus karikiert, nichtsdestotrotz seinem kritischen Blick auf seine Zeitgenossen gut wiedergibt. Die kraftvolle Inszenierung, Miyagawa Kazuos wunderbare, räumliche Kameraarbeit und Sato Maserus ausgezeichneter Score runden diesen Meilenstein zusätzlich ab. (8,5)

Sanjuro [椿三十郎 Tsubaki Sanjūrō(1962)

Zwischen Himmel und Hölle [天国と地獄 Tengoku to Jigoku (High and Low)] (1963)
Hat mir im Vergleich zu "Watsui yatsu hodo yoku nemuru" bei allen Parallelen mehr zugesagt: ohne in seinen moralisch-didaktischen Duktus nachzugeben, kreiert Kurosawa Akira phasenweise schweißtreibend spannungsgeladene, langanhaltende Sequenzen, konzentriert sich andernorts akribisch auf die Arbeit der Polizisten, verharrt minutenlang in Besprechungen, in denen die Beamten ihre Ergebnisse nacheinander minutiös vortragen, was er mit einer solch präzisen Faszination einfängt, dass zu keiner Sekunde Langeweile aufkommt. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Tengoku to Jigoku" mit 140 Minuten Laufzeit für einen Krimi relativ lang ausgefallen ist, manches ein Ticken zu breit ausgewalzt wird. (7)

Tora! Tora! Tora! (1970)
Ein ambitionierter Rekonstruktions-Unterfangen der Geschehnisse vom 7. Dezember 1941 und des Weges dorthin, im ehrgeizigen Bemühen um Objektivität geschildert aus den Perspektiven beider Parteien, durch jeweils eine amerikanische und eine japanische Filmcrew realisiert (der ursprünglich in der Funktion des Regisseurs der letzteren Crew angedachte Kurosawa Akira zog sich von diesem Posten zurück, entweder, weil er es bewusst auf eine Kündigung anlegte, da weder er mit dem amerikanischen Studiosystem, noch dieses mit ihm etwas anzufangen wusste, oder, weil er schlicht Opfer megalomanischen Wahnsinn geworden ist...). Diese penible Detailversessenheit birgt eine nicht zu verleugnende Faszination, vor allem für Anhänger der Polemologie oder Fans historischer Schlachten. Gleichwohl wächst "Tora! Tora! Tora!" nie über den Status einer dokumentarischen Auflistung und der unvermeidlichen Materialschlacht hinaus, alles kommt befremdlich nüchtern und distanziert daher, gleich der dröge-prosaischen Bebilderung einer chronologischen Auflistung der Ereignisse aus einem theoretisch-akademischen Lehrwerk. Insbesondere die amerikanische Schilderung verkommt dergestalt zu einem staubtrockenen Rapport (sieht man von der deplatziert anmutenden Humor-Einlage der Flugschule ab), unterdessen zumindest auf japanischer Seite meist wortlos schwermütige Andeutungen und Reflexions-Ansätze aufblitzen. Anerkennenswert, doch eher pragmatisch-sachbetontes Anschauungsmaterial zu Pearl Harbor. (7)

Carrasco, der Schänder [The Outrage(1965)
Western-Remake von "Rashomon", dass sich im Wesentlichen detailtreu am Vorbild orientiert und eine durchaus zufriedenstellende Interpretation abliefert, die szenische Dichte des Originals freilich nicht erreicht. (7)

Rotbart [赤ひげ Akahige (Red Beard)] (1965)
Einmal mehr befasst sich Kurosawa Akira mit den Ausgestoßenen der Gesellschaft, in diesem Fall mit den Kranken, den zum Sterben Verdammten. Die Klinik in "Akahige" ist gleich dem Squatter Camp an den Ufern des schmutzigen Pfuhls in "Yoidore Tenshi", dem runtergekommenen Nachtasyl in "Donzoko" (s.o.) oder der Müllkippe in "Dodeskaden" (s.u.) ein Randbezirk, in dem sich die Paria sammelt und von denen Kurosawa in episodenhafter Form erzählt, aus dem Gebaren dieser Menschen in dieser Extremsituation Implikationen für die Conditio humana ableitet. "Akahige" ist ein zutiefst existenzialistisches Drama mit universeller Botschaft, was Menschsein und Menschwerdung bedeutet. Traurigerweise trennten sich hiernach über ein Zerwürfnis die Wege von Kurosawa und seinem langjährigen Hauptdarsteller Mifune Toshirō, die beide ihre Karrieren auf unterschiedlichen Wegen weiter verfolgten. (7,5)

German Fried Movie (1991)
Gut zu wissen, dass Uwe Boll schon auf einem schmerzhaft unlustigen Tiefpunkt begonnen hat. (0)

Rashomon - Das Lustwäldchen [羅生門 Rashômon (Rashomon)] (1950)

Hot Shots! - Die Mutter aller Filme [Hot Shots!(1991)
Daran führte nach "Top Gun" kein Weg vorbei. ;)

Dementia 13 (1963)
aka "The Haunted and the Hunted". Frühchen von Francis Ford Coppola, dem Roger Corman eine Handvoll überschüssiger Budget-Moneten überließ, um einen günstig produzierten B-Horror abzudrehen - und nichts anderes ist dabei rum gekommen, eine rohe, zu Zeiten Talent aufblitzen lassende Mischung aus rabiaterem Edgar Wallace-Grusel-Krimi und kostengünstigem Corman-Trash, die einzig Coppola-Komplettisten zu empfehlen ist. (B-Movie-Skala: 5)

Hafen im Nebel [Le quai des brumes (Port of Shadows)] (1938)
Eine der Galionsfiguren des poetischen Realismus. All die stimmungsvollen Assoziationen, die der Titel weckt, weiß Marcel Carné eindrücklich zu evozieren, all die durch den Nebel schleichenden Schattengestalten erfüllt von Frustration und Fatalismus, all die im Nebel verborgen liegenden Hafenspelunken bzw. purgatorischen Nicht-Orte, all die gebrochene, einsamen, eisigen Charaktere, die ein Hauch von Sonnenschein kurzzeitig zu erwärmen verspricht, bevor die gnadenlose, unausweichliche Aussichtslosigkeit ihre Hoffnung auf Erfüllung, auf einen Weg hinaus aus der Frustration, hinaus aus der Malaise, sie mit aller Härte und Grabeskälte niederwirft. Womöglich ist "Le quai des brumes" auch der Ursprung dieser Assoziationen und Bilder, wer weiß. (8)

Angry Birds 2 - Der Film [The Angry Birds Movie 2(2019)
Es glich einem Wunder, dass "The LEGO Movie" wider Erwarten den heiklen Spagat zwischen unterhaltsamen, eigenständigen Animationsfilm und platter Werbebotschaft zu meistern imstande war (bevor das Sequel an ganz anderen Hürden scheiterte) und "The Angry Birds Movie" etwas gleichartiges zuzutrauen, mochte sich wohl niemand erst vorstellen. Mich persönlich hat er jedenfalls ähnlich unerwarteterweise zufriedengestellt, ohne irgendwelche Begeisterungsstürme ausgelöst zu haben, die mich auf den Nachfolger entsprechend angefixt hätten - den ich nun, kaum zu glauben, sogar ein Quäntchen besser fand. Er ruminiert nicht die Story des Erstlings, sondern macht sein eigenes Ding, bemüht sich erfolgreich, den bisherigen ans Herz gewachsenen untypischen Helden zwischen allen Neuzugängen gerecht zu werden und schickt sie auf eine vergnügliche Odyssee, die ich redlich witzig und abwechslungsreich fand. Kein Meilenstein, aber ein sehenswerter Spaß, wenn man an "The Angry Birds Movie" seine Freude finden konnte. (6,5)

Es - Kapitel Zwei [It Chapter Two(2019)
Stephen Kings It scheint einer ungeschriebenen, unumstößlichen Regel zu unterliegen, demnach der zweite Teil der Geschichte, id est alles, was mit dem volljährigen Loosers Club zu tun hat, qualitativ erheblich abfällt. Ich räume ein, dass ich den Vorgänger seinerzeit eine Winzigkeit überschwänglich bewertet haben mag, obgleich ich schon damals anmerkte, dass er im Kern von den tollen Jugenddarstellern getragen wurde, es in erster Linie der Coming-of-Age-Anteil war, der mich überzeugte, derweil der Horror-Aspekt nicht immer gelungen ausfiel. Und siehe da: die Fortsetzung (oder "Chapter Two" - bin ich eigentlich der einzige, der diesen "Kapitel"-Untertitel-Trend hochgradig bescheuert findet?) leidet haargenau unter diesem Umstand: streicht man die jugendlichen Charaktere aus der Gleichung bzw. ersetzt sie durch zwar (größtenteils) adäquate, allerdings höchst unsympathische, uninteressante Erwachsenen-Pendants, bleibt bloß noch der Horror-Part... und der offenbart in Chapter Two umso eklatantere Mängel, entbehrt großräumig subtilen Grusel, versucht im Austausch mit gräulich schlecht getricksten, übergroßen CGI-Monstrositäten und -Fratzen zu klotzen, die selbst in einer Geisterbahn mehr Gelächter denn Panik provoziert hätten. Neben dem lausigen Schnitt und der exorbitanten Laufzeit (Tommy Lee Wallace benötigte für den Stoff gerade mal die Hälfte der Zeit und selbst bei ihm fiel das Erzähltempo zeitweilig regelrecht zäh aus... und er hatte immerhin Tim Curry!) erweist sich das katastrophale Drehbuch als mittelschweres Desaster: abgesehen von quälend dümmlichen Dialogen, unfreiwillig komischen Hysterie-Einlagen und hilflosen Versuchen, halbherzig an Charakterentwicklungen aus dem Vorläufer anzuknüpfen, fehlt es ihm schlicht an einer Marschrichtung, einer stringent strukturiertem Zielvorstellung, die auf einen fulminanten Schlusspunkt hinsteuern könnte. In der Folge verliert sich Chapter Two in schwach geschriebenen und umgesetzten Einzel-Episödchen, die keinen nennenswerten Zusammenhalt von Erlebten und Erfahrung liefern, geschweige denn, dass sie nachvollziehbar und mitreißend in einem großen Finale münden würden. Stattdessen endet die vorgeblich epische letzte Schlacht gegen das Urböse Es damit, dass der Loosers Club, ich wiederhole: der Loosers Club!, der sich selbst aus gequälten Außenseitern und dauer drangsalierten Mobbing-Opfern zusammensetzt wohlgemerkt, den armen Pennywise eiskalt und lächerlich leichtfüßig zu Tode mobbt... hätten die ganzen Kinder, die dessen Appetit zum Opfer gefallen sind, sich nur mal darüber lustig gemacht, dass er in Gestalt eines Clowns auftritt, je nachdem könnten sie heute noch am Leben sein - mitsamt der Lehre im Gepäck, dass man mit Mobbing gut durchs Leben kommt... da frage ich mich, was ich mit dieser zutiefst fragwürdigen Herangehensweise anfangen soll und wie es sein kann, dass ich mehr Mitleid für Pennywise als für Eddie hege. (2,5)

Zatoichi's Vengeance [座頭市の歌が聞える Zatôichi no uta ga kikoeru(1966)

Dodeskaden - Menschen im Abseits [どですかでん Dodesukaden (Dodes'ka-den)] (1970)
Zwecks künstlerischer Unabhängigkeit und um gleichgesinnten Künstlern eine Insel im Studiosystem Japans zu bieten, gründeten Kurosawa Akira, Ichikawa Kon, Keisuke Kinoshita und Kobayashi Masaki den "Club der vier Ritter" (四騎の会 Yonki no kai). Kurosawa oblag die Verantwortung des Debüts, für das er sich nicht lumpen lassen wollte: fünf Jahre nach seinem letzten Film "Akahige" legte er seinen ersten Farbfilm vor, auf den er sich voller Begeisterung, Optimismus und bester Laune stürzte und der prompt das Dasein der kurzlebigen Produktionsfirma beendete. Was war passiert? Nun, Kurosawa entschloss sich, einen Stoff zu verfilmen, der sich in seinen Augen hervorstechend zum frohgemuten Unterhaltungsfilm eignete. Entsprechend niederschmetternd kam für ihn die Erkenntnis, dass an dem, was ihm beschwingt und fidel vorgekommen sein mag, weder die heimatliche Kritik, noch das japanische Publikum sonderlich Unterhaltsames finden konnten. Er musste enttäuscht feststellen, dass das gesellschaftliche Klima nicht in der Stimmung war, ein zweistündiges kollagenhaftes Drama über eine Gruppe von kapriziösen Misfits und Nonkonformisten, die allesamt an den Ausläufern einer Mülldeponie ihr Leben zu bestreiten versuchen, darunter ein geistig behinderter Junge, der tagtäglich in der Fantasie lebt, ein Straßenbahn-Zugchef zu sein, ein Mädchen, das von ihrem Onkel vergewaltigt wird oder ein obdachloser Vater, der den Tod seines Sohnes zu verantworten hat, gleichermaßen munter aufzufassen.
Nein, "Dodesukaden" passt beileibe nicht in das handelsübliche Schema dessen, was der Mainstream unter einer leichtherzigen Tragikomödie verstehen mag. In das Schema des Auteurs Kurosawa passt es hingegen umstandslos, vergleicht man ihn etwa mit "Donzoko", der sich in verwandter Weise den Randfiguren der Sozialstrukturen widmete, um aus ihren Fatum Rückschlüsse auf das offengelegte Wesen des Menschen zu ziehen, das unter dem gewaltigen Druck einer genormten, konformistischen gesellschaftlichen Mitte allzu gern leichtfertig unterschlagen, an den Rand gedrängt wird und ironischerweise erst unter diesen Eigenbrötlern in der Lage scheint, erneut durchzubrechen, obgleich sich die aus "Rashomon" oder "Donzoko" bekannten Illusionen und Desillusionen kaum von denen der hiesigen Figuren unterscheiden. "Dodesukaden" ist in der Tat eine vergleichsweise ausgelassene, unaufgeregte, fast entspannte Meditation tragischen Ursprungs über das Menschsein an sich, das Kurosawa am ausgeprägtesten immer dort aufspüren zu können meint, wo der Mensch an den Rand dessen getrieben worden ist, was der Konsens zu akzeptieren bereit ist. In "Dodesukaden" hat Kurosawa viel zu sagen, bedauerlicherweise wollten vorrangig seine Landsleute nichts davon hören. Schuldgefühle und das künstlerische Versagen, das er verspürte, trieben ihn schließlich zu einem Suizid-Versuch, der glücklicherweise fehlschlug. (7,5)
Zatoichi's Pilgrimage [座頭市海を渡る Zatōichi umi o wataru(1966)
"Zatōichi umi o wataru" ist zuallererst chic anzuschauen: Kameramann Takeda Senkichiro fängt die dörfliche Idylle samt naturbelassener Umgebung in satten, strahlenden Farben und pittoresken Kadrierungen ein, wodurch Ichis 14. Abenteuer zu einem durchgehenden Augenschmaus gerät. Okusu Michiyos bildhübsches Äußeres tut das ihrige dazu, obgleich man nicht recht gewusst zu haben scheint, wohin man mit ihrer Figur gehen wollte, weswegen ihr Part abgesehen von ihrer adretten Erscheinung den größten Schwachpunkt ausmacht (womit ich ihre Leistung freilich nicht kleinreden möchte). Anders Yamagata Isaos Boss Tohachi, der sich endlich wieder als optisch einprägsamer (diese Wampe...) Bösewicht mit Ausstrahlung entpuppt, dessen Handlanger Ichi ansehnlich choreografiert und gefilmt über den Jordan schicken darf. Deutlich sichtbar machen sich bei "Zatōichi umi o wataru" ferner Western-Assoziationen bemerkbar, eine Spielart des lone Gunman, welchen der Zufall (oder ist es doch Schicksal?) in das von Rinderdieben geplagte Dorf geleitet, denen der auf sich gestellte Heroe im Showdown für die Gerechtigkeit eintretend tatkräftig die Stirn bietet. Eine Abweichung von Shindo Kanetos ursprünglich angedachten Drehbuchentwurfs übrigens, der Ichi zwecks Buße für das durch ihn verschuldete Blutvergießen auf die eponymen Pilgerfahrt zu 88 Tempeln zu schicken gedachte. Für so viel Introspektion hatten die hohen Tiere bei Daiei wenig überraschend keinen Nerv und lenkten das Projekt in mundgerecht konsumierbare Chambara-Unterhaltung, weswegen Überbleibsel von Shindos Konzept bloß in den ersten Minuten wiederzufinden sind. (7)

Zatoichi's Cane Sword [座頭市鉄火旅 Zatōichi tekka-tabi(1967)
Einer der ersten Zatoichi-Beiträge, der mit Gesangseinlagen kokettiert, hier in Gestalt von Enka-Sängerin Suizenji Kiyoko, die ein blumiges Ständchen zum Besten geben darf. Ansonsten ein handelsübliches Zatoichi-Abenteuer gleichauf "Zatôichi no uta ga kikoeru", das Ichi gestattet, seiner durchtriebenen Seite nachzugeben und das diesmalige perfide Yakuza-Magistrat-Komplott gehörig zu necken. Warum lässt er sie nicht schleunigst über die Klinge springen? In einem Subplot um Tōno Eijirōs Waffenschmied diagnostiziert dieser Ichis legendärem und eponymen Schwert den baldigen Bruch und stellt es vorerst außer Dienst, weshalb Ichi bis zum Showdown vollends auf seine Raffinesse und Schlagfertigkeit angewiesen ist. Eine willkommene Abwechslung, überhaupt wissen die Szenen rund um Tōno am besten zu gefallen. (7)

American Werewolf [An American Werewolf in London(1981)
John Landis Auffrischung des Werwolf-Mythos greift klassische Erkennungsmerkmale auf und überträgt sie gekonnt in die Moderne, reichert sie darüber hinaus um einen subtilen Sinn für schwarzen Humor mit bisweilen satirischem Biss an, der dem Horror zu keiner Zeit den Rang abläuft, in Gegenteil ihn vorzüglich ergänzt. (8)

Zatoichi the Outlaw [座頭市牢破り Zatōichi rōyaburi(1967)
Zu "Zatōichi rōyaburi" lässt sich, davon bin ich überzeugt, viel sagen, denn obwohl ich ihn als erstes richtiggehend durchwachsenes Segment wahrgenommen habe, reizt er die Gemüter vermöge einiger starker Momente, der eindrucksvollen Kameraarbeit Miyagawa Kazuos und einer Ausrichtung, die merklich von den Vorgängern abweicht. Das Debüt von Katsu Shintarōs neugegründeten Katsu Productions entfernt sich unter der Regie von Yamamoto Satsuo spürbar von der leichten Unterhaltung, die den Zatoichi-Filmen immerzu irgendwo zu eigen war und klatscht dem Zuschauer einen richtiggehend pessimistischen, brüsken Klotz vor den Latz. "Zatōichi rōyaburi" ist weitaus weniger farbenfroh, im Gegenteil macht der Look einen ausgeblichenen, tristen Eindruck, der ernüchternde politische Subtext kommt verstärkt zum Tragen und die Gewalt, meine Güte, der Gewaltgrad hat immens angezogen. Reichlich spritzt das Blut und die Körperteile fliegen, sogar eine drastische und zeigefreudige Enthauptung bleibt einem nicht erspart, was den Scharmützeln eine begrüßenswert grimmigere Schattierung verleiht, die sich bezeichnend von der Leichtfüßigkeit der meisten Vorläufer emanzipiert. Insgesamt fällt "Zatōichi rōyaburi" tonal weitestgehend humorbefreit und pessimistisch aus. Wiewohl ihn das aus dem Gros herausragend lässt, sieht er sich andernteils einem Drehbuch von schwankender Qualität gegenüber, einem schwer überschaubaren Durcheinander angefüllt mit einer unübersichtlichen Vielzahl agierender Personen, unterdes die Inszenierung das ihrige dazu beiträgt, die Klarheit zu erschweren. Ungeachtet aller Schwächen einer der bemerkenswertesten Beiträge zum Zatoichi-Zyklus. Nebenbei bemerkt, das erste Mal, dass Katsu den Zatoichi-Titelsong zum Besten gibt. (5,5)


























24 - 6,9 (164,5)

Donnerstag, April 16, 2020

Nachschlag No. 37: What A Mighty Winged Maniacal Feeling!

In meiner Review-Liste Dezember 2019 haben viele großartige Musikstücke von verschiedenen großartigen Soundtracks Platz gefunden. Freilich wären es keine großartigen Soundtracks, wenn sie bloß ein einziges, einsames Highlight zu bieten gehabt hätten. Dementsprechend hatten sich viele, viele weitere Beispiele angeboten, die ich aus Platzgründen leider nicht ergänzen konnte und die mich dazu zwangen, eine schwerfallende Auswahl zu treffen.
Die naheliegende Wahl für "Flashdance" fiel selbstverständlich auf Michael Sembellos "Maniac" und sei es bloß, um ein Argument aus dem Text zu unterstreichen. Alternativ hätte sich etwa die Version des Lieds angeboten, die Carpenter Brut produziert hat und die ich, so sehr ich das Original schätze, frevelhafterweise glatt ein Stückchen besser finde.

Nicht unterschlagen möchte ich die andere naheliegende Wahl: Irene Caras kultiges "What A Feeling"... und die dazu passende Filmszene, welche meinen Kommentar vergleichbar zu stützen in der Lage gewesen wäre.

Aber nicht nur der "Flashdance"-Soundtrack offenbarte manches musikalische Glanzstück. Auch Kenny Loggins Arbeit für "Top Gun" hält das ein oder andere beschwingte Liedchen für passionierte 80er-Afficinados parat.

Ganz zu schweigen vom herrliche gayen "Playing With The Boys"... das sich, "Maniac" nicht unähnlich, ebenfalls hervorragend zur Untermalung einer Anmerkung zu "Top Gun" geeignet hätte...

Und da wir gerade von Kenny Loggins sprachen: zum Abschluss!

Freitag, April 10, 2020

Kurzreviews Dezember/2019

Wieder einmal eine unverschämt lange Pause zwischen den Review-Listen, die letzte veröffentlichte ich schließlich im November. Keineswegs war es so, dass es nichts zu gucken gegeben hätte, ganz im Gegenteil! Die Februar-Liste ist gerappelt übervoll mit Sichtungen und da ich mit der hiermit veröffentlichten Dezember-Liste bereits alle Hände voll zu tun hatte, mag es einige Zeit in Anspruch nehmen, bevor ich meinen (mehr oder weniger... Betonung auf weniger...) etablierten Veröffentlichungs-Rhythmus wieder einzuholen vermag. Aber ich versuche mein möglichstes.

Wie dem auch sei: hiermit präsentiere ich wiederum die 25 Filme, 3 Kurzfilme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat Dezember gesehen habe:


Serien-Staffeln
Das Büro [The Office(Season 3) (2006-2007) - (7-8)
Das Büro [The Office(Season 4) (2007-2008) - (7-7,5)

Kurz-Filme
Spawn: The Recall (2014) - (7)
Wallace & Gromit - Die Techno-Hose [Wallace & Gromit: The Wrong Trousers(1993) - (8,5)
Wallace & Gromit unter Schafen [Wallace & Gromit: A Close Shave(1995) - (8)
Wallace & Gromit - Auf Leben und Brot [Wallace and Gromit in 'A Matter of Loaf and Death'(2008) - (8,5)

Filme
Töte alle und kehr allein zurück [Ammazzali tutti e torna solo)] (1968)
Enzo G. Castellaris Action-betonter Italo-Western verfügt über sattsam Schießereien und Schlägereien auf Kosten der holzschnittartigen Charaktere, gebietet mit Frank Wolff über einen einprägsamen Bösewicht und geht zügig zu Werke. Randnotiz: nimmt nebenbei die Söldner-Film-Welle vorweg. (6)

Der Idiot [白痴 Hakuchi (The Idiot)] (1951)
Kurosawa Akira adaptiert Dostojewski, was vor dem Hintergrund seiner seit Kindestagen gehegten und lebenslang gehaltenen Verehrung für den Autor, welcher einen entscheidenden inspirativen und motivischen Einfluss auf das Schaffen des Regisseurs ausübte, bloß eine Frage der Zeit war. Im Resultat stellt sich "Hakuchi" als ein ambitioniertes, zugleich erwartbar sperriges Wagnis heraus, ein Clash of Cultures und Clash of Authors, das stets delikate Aufeinandertreffen eines Verehrers und seinem Idol. Kurosawas kritischen Abstand missende Ehrfurcht vor, womöglich seine Identifikation mit Dostojewski oder sogar die nicht minder unterstellte Sorge, seinem im Geiste gleichgesinnten Vorbild zu genügen, schlägt sich in einer ungewohnt markanten Werktreue nieder, hinter der er seinen eigenen ausgeprägten inszenatorischen Stil frappant zurückstellt. Mangelnde künstlerische Distanz zur Quelle scheint es zu Lasten zu legen zu sein, dass die Transponierung des Schauplatzes in das verschneite, an das winterliche Russland gemahnende Hokkaido bestenfalls einem kosmetischen Trick gleichkommt, eine kulturelle Übertragung kaum stattfindet, "Hakuchi" strukturell ausgesprochen "literarisch" dünkt, ausufernde Dialoge, Monologe in begrenzten Räumen vorherrschend sind und das Gros der Handlung, obendrein Gemüt und Verfassung, Dilemma und Schicksalsschläge seiner Protagonisten in Worten und weniger in Bildern ausdrücken.
Dass die Verantwortlichen bei Shochiku aufgrund mangelnden Vertrauens in das riskante Projekt großzügig die Schere ansetzten und aus dem viereinhalb Stunden Epos einen mit annähernd drei Stunden immer noch üppig bemessenen Torso fertigten, erwies dem Projekt einen hinzukommenden Bärendienst. Das tut der Intensität des Dramas gleichwohl keinen Abbruch, das, wenn schon nicht infolge von Kurosawas Inszenierung, zumindest dank der sensationellen Schauspielleistungen in seinen Bann zieht: Mori Masayuki, Kuga Yoshiko und Mifune Toshirō liefern in ihren zentralen Rollen beachtliche Leistungen ab, über allen thront indes einmal mehr Hara Setsuko, deren überragendes, durchdringendes Spiel ein wahres Erlebnis darstellt. Eine problematische Literaturverfilmung, nichtsdestominder beeindruckend, fesselnd, Beachtung verdienend. (7,5)

Wrong Turn 3: Left for Dead (2009)
Aus Jux und Tollerei in chaotischer Reihenfolge... ist das von Bedeutung? Nö. Ist das Teil allerdings ebenso wenig, dafür reich an rundweg unsympathischen Charakteren, die blutig, wenn auch nachlässig animiert hingeschlachtet werden. (5)

Einmal wirklich leben [生きる Ikiru (To Live)] (1952)
Der zweigeteilte Höhepunkt in Kurosawa Akiras Nachkriegsschaffen zum Ersten. "Ikiru" stellt die Kulmination der anspruchsvollen humanistischen Linie in seinem Œuvre dar, die Vollendung seines Drama-Korpus, das sich den Menschen und das menschliche Wesen zum Thema nimmt, es speziell im Kontext des nachkriegszeitlichen Japans eingehend und eindringlich einer Untersuchung unterzieht, sich ferner kritisch mit der betreffenden Gesellschaft und Reibungen zwischen den Generationen auseinandersetzt. Der in kafkaesken Bedingungen arbeitenden Verwaltungsbeamten Watanabe Kanji siecht gleich einem lebenden Toten auf seinem Posten gleichermaßen stupide wie unproduktiv vor sich hin (weswegen ihm seine lebhafte jugendliche Berufskollegin den unschmeichelhaften Spitznamen "die Mumie" verleiht), ist einer abgestumpften alltäglichen Routine und erkalteten Beziehung zu seinem Sprössling erlegen, bis Magenkrebs sein baldiges Ende ankündet und ihn die ihn umgebene Lethargie durchbrechen, den Entschluss fassen lässt, einmal wirklich zu leben (in diesem Fall eine treffende Wiedergabe des Inhalts in der Übersetzung des Titels) und seinem Leben allerwenigstens im Angesicht des Todes einen seine Existenz überdauernden Sinn zu geben. In seiner Geschichte fließen alle etablierte Kernelemente Kurosawas zusammen und fügen sich zu einem formvollendeten Ganzen. Abermals inspiriert von russischer Literatur, Tolstoi in diesem Falle, und angeregt von Gedanken an den eigenen Tod, vereint er das eindrückliche, skeptische Bild der Nachkriegsgesellschaft Japans, die klagende Feststellung auseinandertreibender Kriegs- und Nachkriegs-Generationen und ihrer Wertvorstellungen, nicht zuletzt eine ätzende Abrechnung mit einem schwerfälligen, ineffizienten, sich selbst genügenden Bürokraten-Apparat, der, bestehend aus karrierefixierten Emporkömmlingen und duckmäuserischen Ja-Sagern, zu keiner Leistung, seinen Aufgaben und den Menschen, denen er ursprünglich dienen sollte, Genüge zu leisten nicht im Stande ist. Für Kurosawa überdies eine symptomatische Inkarnation eines allgemein wuchernden Übels im Zeitgeist des japanischen Wirtschaftsaufschwungs: das Versagen oder genauer gesagt die aus niederen Beweggründen bewusst in Kauf genommene Verdrängung von Ethik, Moral und Menschlichkeit, namentlich eine Kritik am von falschen Ambition angetriebenen, verlogenen Karrieristen und Materialisten, eine Kritik, die Kurosawa und seine Drehbuchautoren Hashimoto Shinobu und Oguni Hideo mithilfe des brillanten Bruchs zur Filmmitte prägnant akzentuieren, ein Kniff, der ein bereits herausragendes Drama zur wahren Größe reifen lässt. Humanistisches Anliegen, Familien-Drama und Gesellschaftskritik in Form einer bitteren Reflexion und schneidenden Vorhaltung legt der Regisseur demzufolge seinem intimen, sensiblen und zutiefst zu Herzen gehenden Portrait eines sterbenden Menschen zugrunde, dass er meisterlich inszeniert und dabei alle Register seines Könnens zieht. Fürwahr eine Meisterleistung. (10)

Die Sieben Samurai [七人の侍 Shichinin no Samurai (Seven Samurai)] (1954)
Der zweigeteilte Höhepunkt in Kurosawa Akiras Nachkriegsschaffen zum Zweiten. Wenn "Ikiru" den moralisch-didaktischen Zweig in seinem kreativen Output verkörpert, darf man "Shichinin no Samurai" rechtmäßig den fulminanten Höhepunkt seines Unterhaltungskinos nennen (auf das sich der Mann ebenso meisterhaft verstand, unterdies nie nötig gehabt hätte, auf Tiefsinnigkeit zu verzichten). Peinlich berührtes Geständnis: obwohl ich von klein auf vielgestaltig Kurosawas Einfluss, "Shichinin no Samurai", dieses Emblem des Meisterregisseur-Kinos, insbesondere, auf das cineastische Universum zu spüren bekam, nicht zu vergessen dank mancher seiner anderen Schaustücke, bin ich bis zu diesem Tage nicht in den vollumfänglichen Genuss des vermutlich namhaftesten Vertreters seines Schaffens im Samurai-Genre gekommen. Ich habe ihn mal begonnen, jedoch aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen frühzeitig beendet. Das sei hiermit nachgeholt und diese gravierende Lücke endlich geschlossen.
Und was soll ich sagen? Ecce: das von allen Seiten als epochemachendes Meisterstück besungene Jidai-geki-Epos, das Erzeugnis, das dem Regisseur sein Cognomen des Tennō einbrachte, hält in jeder Hinsicht ein, was sein imposanter Ruf verspricht: die reichhaltigen 200 Minuten Filmlänge breiten Kurosawa eine umfängliche Spielwiese aus, auf der er sich fröhlich austoben darf. Dementsprechend detailliert widmet er sich jedem Aspekt: den Charakteren, der Inszenierung, der Geschichte - die übrigens unerwarteterweise kleinformatig, in sich gekehrt ausfällt, schließlich bestreiten die eponymen Samurai nicht auf verlorenem Posten ein glorreiches letztes, epochales Gefecht gegen einen übermächtigen Gegner, das ihren gottgleichen Status des unantastbaren, niemals irrenden Heroen untermalen und herausstellen würde, sondern verteidigen "nur" ein politisch betrachtet unbedeutendes Bauerndorf gegen eine Horde räuberischer Banditen (was bei Kurosawa letzten Endes auf einen vergleichbaren Erlösungsgedanken hinauslaufen mag), demonstriert daneben hinlänglich menschlichen Makel. Den Raum, der dem Regisseur zur Charakterisierung zur Verfügung steht, setzt er wohlbedacht ein, um seine sieben unterschiedlichen Helden weitaus differenzierter zu zeichnen. Einige fraglos mehr als andere, diesem und jenen eine hervorstechende Position innerhalb der Ränge der tapferen Recken einnehmen zu lassen war unvermeidlich, dennoch erweisen sie sich allesamt auf ihre Art und Weise markant und nicht immer augenfällig heroisch. Ihre Beziehung zu den Dorfbewohnern legt des Weiteren die problematischen hierarchischen Denkmuster Japans offen, die Kurosawa qua Mifune Toshirōs Wanderer zwischen den Welten weiters unterminiert und hinterfragt. Inszenatorisch müssen selbstredend die Actionszenen ins Auge fallen, bei denen Kurosawas zum ersten Mal Teleobjekte und mehrere Kameras zum Einsatz brachte, um die Scharmützel effektiv aus verschiedenen Perspektiven einfangen zu können, was ihm ermöglichte, ein bis dato ungeahntes Immersionsgefühl zu evozieren.
Es zieht einige Zeit ins Land, bis es zur ersten Auseinandersetzung mit den Widersachern kommt, eine Zeit des Kennenlernens, der Vorbereitungen, des Wartens und des Miteinanders, bei dem es gilt Autoritäten klarzustellen und zarte Bande zu knüpfen, unter den Samurai einerseits, zu den Dorfbewohnern andererseits. Schon vor der ersten blutigen Schlacht herrscht somit eine ungeheure Dynamik unter den Charakteren vor, die spätestens in den gewaltsamen Konfrontationen, vor allem wenn es ans Sterben geht, zusätzlich an Dramatik gewinnt. Und am Ende bekundet Kurosawa gar unbeschönigten Zweifel, ob und was die Samurai unter Einsatz ihres Lebens gewonnen haben, wozu oder wem das Töten und Sterben und die vermeintliche Heldentat letztlich nützte. (10)

Ein Leben in Angst [生きものの記録 Ikimono no kiroku (I Live in Fear aka Record of a Living Being aka What the Birds Knew)] (1955)
aka "Bilanz eines Lebens". Im Anschluss an sein bravuröses Samurai-Epos kehrt Kurosawa Akira zur modernen japanischen Gesellschaft zurück und berichtet vom Leben einer Familie im Angesicht des kalten Krieges und der damit einhergehenden atomaren Bedrohung, der sich Japan, immerhin Verbündeter der USA, in brenzliger Nachbarschaft zu Russland höchlichst ausgesetzt sieht. Was Kurosawa nun im Speziellen beschäftigt, ist die eigene Fassungslosigkeit darüber, wie es menschenmöglich sein kann, sich mit einer solche Situation beinahe fatalistisch zu arrangieren, sie nachgerade leichtsinnig als gegeben hinzunehmen und ein alltägliches Leben fortzuführen. Das führt ihn wie von selbst zur beim ihm häufig anzutreffenden inneren Zerrissenheit, welche besagte Großfamilie plus Mätressen mitsamt unehelichen Kindern zu zerstören droht, eine Zerrissenheit, die er nicht zum ersten Mal als Symptom der Zerrüttung einer modernen japanischen Gesellschaft diagnostiziert, die zusehends humanistische und familiäre Werte zu Gunsten von Materialismus und Karrieredenken aus den Augen zu verlieren droht. Der aus dieser Haltung zu befürchtenden Versuchung einer polemischen Strafpredigt erliegt Kurosawa dankbarerweise nicht (im Gegensatz zu "Shūbun"), ihm liegt die menschliche Tragik am Herzen, die sozio-politischen Verwicklungen erst in zweiter Linie. Aus diesem Grund scheint ihm auch daran gelegen, möglichst allen Akteuren gerecht zu werden, ihrer Lage, ihren konträren Positionen das nötige Maß an Verständnis entgegenzubringen, zumal die drohende nukleare Katastrophe allzeit ein Abstraktum bleibt, die Beteiligten niemals einer konkreten, fassbaren Gefahr gegenüberstehen, wodurch ein unmissverständlich richtiger oder falscher Weg niemals ersichtlich wird, es Schwierigkeiten bereitet, sich bei aller Aufrichtigkeit und guter Absicht vorbehaltlos der einen oder der anderen Position anzuschließen, was ein beachtliches Gefühl der Unsicherheit und der Unabwägbarkeiten erzeugt.
Zu erwähnen seien nebendem die unbestritten starken Darsteller, allen voran der nicht wiederzuerkennende Mifune Toshirō verblüfft in der für ihn untypischen Hauptrolle des alternden Patriarchen und Fabrikbesitzers, der sich um augenscheinlich jeden seiner Liebsten bis zum letzten selbstlos zu sorgen scheint und zu den größten, entsagungsvollen Opfern bereit ist, sowie der Tod von Kurosawas Stammkomponisten Hayasaka Fumio, weswegen sein Schüler Masaru Satō den Score für "Ikimono no kiroku" fertigstellen musste und fortan seinen Posten einnahm. (7,5)

Das süße Leben [La dolce vita(1960)
Federico Fellinis legendäre, episodenhafte Chronique scandaleuse, Marcello Mastroiannis vielbeschworener Streifzug durch Welt der Reichen und Schönen - eine gnadenlose Abrechnung mit der Hautevolee Roms? Ganz so einfach macht es Fellini einem da nicht. In Wahrheit muss sich ein Jeder, der in "La Dolce Vita" eine einseitige Kritik an der Banalität der High Society zu erkennen meint, selbst den Vorwurf einer entlarvenden, möglicherweise ideologisch aufgeladenen, voreingenommenen Oberflächlichkeit oder Projektion gefallen lassen. Bestimmt entbehrt Fellinis schwer fassbares Gebilde weder einer scharfsinnigen, kritischen Sichtweise auf die High Society, auf ihre Illusionen, Verlockungen und Verheißungen, noch eines dekuvrierenden Blickes hinter all die verzweifelten Maskeraden und das glamouröse, blendende Aufspielen, welcher die unter all dem Glanz brodelnde Verzweiflung offenlegt. Bei alledem muss man nichtsdestoweniger einsehen, dass er der abgebildeten Welt, zu der er sich im Endeffekt zugehörig erachtete, eine in gleichem Maße faszinierte, manchmal vielleicht ein Gran weit traurig anmutende Zuneigung entgegenbringt. "La dolce vita" ist keine beißende Satire im engeren Sinne, doch er handelt zweifelsohne von Menschen, mehr noch: von ihrem unerfüllt bleibenden Sehnen nach Sinn, nach Erfüllung, nach Liebe. Dass dieses Sehnen bisweilen arg merkwürdige Formen und Auswüchse annimmt, liegt nun mal in der Natur des Menschen. Daher preist Fellini in gleicher Weise, was er nicht ernstlich verdammt. (9)

Wrong Turn 4: Bloody Beginnings (2011)
Stumpfsinniger Schrott, der sich als Prequel tarnt, nullkommajosef aus seinem Setting zu machen weiß, neben alldem komplett hirnverbrannt dämlich endet. (2)

Wrong Turn 2: Dead End (2007)
Den wiederum fand ich ordentlich, ein brauchbares, unterhaltsames Sequel, das den Vorgänger verwertbar weiterspinnt, fleißig die Sex- und Gore-Keule schwingt und sein Figureninventar emsig dezimiert, bevor sich die Handvoll Überlebenden amüsant zur Wehr setzen dürfen. (6,5)

Das Schloß im Spinnwebwald [蜘蛛巣城 Kumonosu-jō (Throne of Blood)] (1957)
Für seine Macbeth-Bearbeitung greift Kurosawa Akira verstärkt und nachdrücklich auf Noh-Elemente zurück, reduziert den Shakespeare-Klassiker dergestalt auf seinen elementaren Kern, befreit ihn von schmückendem mystischen Ballast und Nebenfiguren, konzentriert sich ohne ausgiebigere Schwänke, dafür hochstilisiert auf Mifune Toshirōs Washizu Taketoki (Macbeth) und Yamada Isuzus Washizu Asaji (Lady Macbeth) und ihren stufenweisen Abstieg in den Wahnsinn und die Verdammnis. Eine im höchstem Maße stimmungsvolle Adaption, die gekonnt die Essenz der Vorlage freilegt. (7,5)

Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen [The Curse of the Were-Rabbit(2005)
Eine liebevolle Spielfilmversion aus dem Hause Aardman, die Charme, Witz und Herz der Kurzfilme nahtlos auf die große Leinwand transportiert, ein den Erwartungen entsprechendes temporeiches, fantastisch animiertes Außenseiter-Abenteuer voller subtiler Anspielungen vorlegt. (7,5)

Macbeth [The Tragedy of Macbeth(1971)
Roman Polanskis (vom Playboy (!) finanzierte) Bearbeitung des Shakespeare-Materials suhlt sich voll und ganz im Dreck und Blut einer düsteren, authentischen Mittelalter-Welt, nimmt sich hierneben keinen Deut zurück bei der Bebilderung von Gewalt und Grausamkeiten. Assoziationen zu den Sharon Tate-Morden drängen sich unwillkürlich auf, überhaupt üben die gnadenlose, mitleidlose Grundstimmung, die skrupellosen, kaltblütigen Charaktere gleichauf eine beträchtliche auf das Gemüt drückende Dominanz aus und schaffen eine Umgebung schonungsloser seelischer und physischer Brutalität. "The Tragedy of Macbeth" ist im Endeffekt eine passioniert trostlose Angelegenheit und eine der besten Umsetzungen des Stückes auf Film. (8)

Macbeth (1948)
Rekonstruierte Langfassung. Kommen wir zum Nächstbesten, was man mit dem Stoff anstellen konnte: typisch Orson Welles gibt er der Form Vorrang gegenüber dem Inhalt und mein lieber Schwan, diese Form hat es in sich! Die unbeschreiblich präzis choreografierte, ästhetisch formvollendete Kameraarbeit transformiert das Theaterstück in einen deliriösen Film noir, surreal verzerrt, perspektivisch anamorphotisch, ein Shakespeare-Noir in einem Fiebertraum. Wegen der Gestaltungsmittel eine ungemein fesselnde, unvergleichliche Adaption, ein Erlebnis, ein Geniestreich! (9)

Flashdance (1983)
Oh weh. Natürlich kannte ich das (überhaupt nicht sexualisierte...) "Maniac"-Musikvideo, das es nicht versäumte, sein blutjunges weibliches Objekt der Begierde in jeder formschönen Positur, aus jedem erdenklichen, anlassigen Blickwinkel abzulichten, wohlweislich darum bemüht, ungeachtet aller Tendenzen nicht in den Bereich der offensichtlicher Pornografie abzurutschen, der grobe Inhalt war mir bekannt, über das 80er-Jahre-Gepräge war ich mir im Vorfeld im Klaren... und trotz dieses Vorwissens konnte ich nicht ahnen, dass diese genannten Punkte bereits das Maximum dessen ausmachen, womit sich "Flashdance" auszeichnet. Hübsche junge Frauen tanzen spärlich bekleidet am Rande des Striptease (oft genug überschreiten die Tanzszenen bedenkenlos diese Grenze) in slickem 80er-Gewand zum Gefallen alter Säcke, träumen nebenher vom großen Durchbruch und... mehr ist nicht. "Flashdance" mutet bedenklich und nicht zu beschönigend lüstern triebhaft an in seiner unverhohlenen Fleischbeschau und Eindimensionalität, erklärt zu allem Überfluss einen fast doppelt so alten Lüstling mit Stalker-Attitüde allen Ernstes zum idealen Liebhaber der 19-jährigen Jennifer Beals, dem sie sich bereitwillig hingibt, eine Liaison, die ihr darüber hinaus Connections verschafft - ein Schelm, wer hier böses denkt. Was bleibt sind die ansehnliche Optik und... zugegeben: Jennifer Beals beziehungsweise Marine Jahans (oder gar Crazy Legs?) körperbetonte Räkelübungen SIND hübsch anzuschauen, keine Frage. (3,5)

Footloose (1984)
Holt merklich mehr aus seinem Sujet heraus, präsentiert sich als Generations- und Weltanschauungs-Konflikt primär zwischen Kevin Bacon und John Lithgows nicht vollständig verbohrtem Reverend, ein Spiegel einer Umbruchzeit, des begreiflichen Aufbegehrens und verständlichen Wunsches nach freier Entfaltung von jungen Erwachsenen gegenüber einem bornierten, spießbürgerlichen Establishment, was gleichermaßen in den 80ern, wie in den 50ern seinen Platz hätte finden können. Herbert Ross versucht das derart breit auszuspielen, aus dermaßen vielen verschiedenen Winkeln zu betrachten, dass "Footloose" zwischen all den angeschnittenen Komplexen an allen Ecken ein eine Idee zu kurz kommt. Entgegen den Erwartungen wird das Tanzbein zudem vergleichsweise selten geschwungen, ein vor zorniger, trotziger Energie nur so strotzendes Highlight à la Kevin Bacons Vorstellung in der Lagerhalle ist eine rares Glanzlicht in einem Werk, das nicht hundertprozentig wagt, auf pure visuelle kinetische Ausdruckskraft zu setzen, statt dessen meint, sich nach Art eines filmischen Entwicklungsromans aufführen zu müssen. (6)

Das Leben des Brian [Life of Brian(1979)
Die Mutter aller Blasphemie-Klassiker, eine treffsicher respektlose Verulkung von Religion, Politik und religiösem Monumental-Epos auf bewährte Monty Python-Art. Unübertroffen! (9)

Dogma (1999)
Habe ich den als Jugendlicher vergöttert (gnihihi)! Schlägt naturgemäß in eine ähnliche Kerbe, angereichert um Kevin Smith-Manierismen noch und nöcher. Was ich seinerzeit himmelschreiend komisch fand! Und deswegen und wegen der durchgängig christliche Fantasy auf den Arm nehmenden, sie bis zu einem gewissen Maße andererseits verklärenden Gag-Parade fröhlich abgefeiert habe. Diese wohligen Jugend-Erinnerungen haben das Wiedersehen nicht schadlos überstanden, was vor allen Dingen an Smith recht überschaubaren Art der Inszenierung zu verorten ist, unterdessen das spielfreudige Ensemble auch heute noch die ganze Zeit über die gute Laune aufrecht hält. (7)

Joker (2019)

Top Gun (1986)
Ein weiteres Kuriosum der 80er, das wahrscheinlich homoerotischste Anwerbungs-Video der Welt (oder in Tarantinos treffsicheren Worten: ein schwuler Fantasyfilm), ein mit allerlei ins Nichts laufenden Pseudo-Dramen aufgepolsterter Luftikus, ein inhaltliches Vakuum unter Tony Scotts chic abgelichteten Lobgesang auf die kernige Männlichkeit, die feschen, großspurigen Draufgänger der US-Luftwaffe, die sich unablässig an sich selbst aufgeilen. Dass er inhaltlich und ironischerweise zuvorderst in den brachialen Flugszenen (die ich extrem unübersichtlich und chaotisch (was der Realität entsprechen mag), in der Folge alles andere als involvierend empfand) ausgerechnet seiner Parodie "Hot Shots" unterliegt, die allen Albernheiten zu Trotze wenigstens Plot-Elemente wie den Sabotage-Nebenstrang bot, ja sogar den Bromance-Cock-Contest besser hinbekommen hat, macht vielleicht die Substanzlosigkeit der Chose ersichtlich. Im Besonderen das Problem des Krieges bzw. der Feindes-Darstellung bemüht er sich putzig holprig zu umschiffen. Um fair zu bleiben: was blieb ihm anderes übrig, ohne sich in eine prekäre Zwickmühle zu befördern? Der Verlust eines unzweifelhaft zwingend zu unterwerfenden Feindes geht umstandslos einher mit einem zügigen Verlust an Sinngehalt für die Rolle des Soldaten, der, so eine hammergeile Sau er auch sein mag, ohne zu überkommenen Feind kopfüber an Bedeutung verliert. Also bleibt "Top Gun" vage was das Wer, Wie und Warum der Kampfhandlungen anbelangt, gegen wen, aus welchen Gründen und vor allem mit welcher Berechtigung hier gekämpft wird, damit die affengeile Testosteron-Propaganda-Show nicht in die Verlegenheit kommt, zugeben zu müssen, dass es hier realiter um gar nichts geht, eine affengeile Sau von Pilot ohne eindimensionalen Konflikt seine Geilheit gar nicht erst auszuspielen vermag, in der Konsequenz zu einer ihres Raison d’Être völlig beraubten Tötungsmaschine verkommt. Und da bleibt einfach nicht mehr viel übrig, außer die eigene Sinnlosigkeit des Seins zu zelebrieren. Zu dieser Erkenntnis ist "Top Gun" sehr zu seinem Pech nicht fähig. (4)

Der Leuchtturm [The Lighthouse(2019)
Wahnsinn und das unbändige Meer zum Ersten: Chapeau! zu Robert Eggers bedingungslosen formellen Stilwillen, die seiner Seemansmär eine nicht zu verachtende wiedererkennbare Eigenständigkeit verleiht. Ansonsten spult er die aus "VVitch" bewährte Masche ab: während er sich drüben beflissen am Schatz von Neuenglands Hexen-Schreckgeschichten bediente und diese ohne allzu tiefgreifende Reflexion bebilderte, schöpft er  hüben aus einem Quellenhort reich an allerlei Seemannsgarn, dass er zu einem Geflecht von Abgeschiedenheit, Wahnsinn und rachsüchtigen Meeresgewalten spinnt, nach allen Regeln der Kunst ausgeschmückt mit sexuellen und psychologischen Facetten. Was am Ende im Gedächtnis bleibt, sind zwei sich den Teufel von der Seele spielende Akteure und ein gnadenloser Abwärtsstrudel in den gischt-geschwängerten Wahnsinn - oder man drückt es in den entwaffnend lapidaren Worten meiner besseren Hälfte aus: da werden halt ein bis zwei Männer wahnsinnig! Na und? Trifft es irgendwo genauso gut. (7,5)

Dagon (2001)
Wahnsinn und das unbändige Meer zum Zweiten: einer der dünngesäten geglückten Versuche, Lovecraft'scher Vesania Herr zu werden und wie es nicht anders hätte sein können zeichnete sich der zu meinem Bedauern kürzlich verstorbene Stuart Gordon (R.I.P) hierfür verantwortlich. Die größten Mängel ergeben sich aus den budgetbedingten Grenzen, denen sich das Projekt gegenüber sah, was sich am ehesten an den missratenen CGI-Effekten zeigt, deren Einsatz sich zum Glück in Grenzen hält. Denn abgesehen davon ist Gordon eine überaus stimmige Umarbeitung von Lovecrafts "Shadow over Innsmouth" gelungen (des Autors Kurzgeschichte "Dagon" hat allenfalls am Rande mit seinem Film-Pendant zu tun): das abgeschiedene spanische Fischerdorf weiß er als Setting diesbezüglich wunderbar alptraumhaft in Szene zu setzen, wenn er grotesk gebeugt gehende, bizarre Geräusche von sich gebende, in kaschierendes Ölzeug gekleidete Gestalten zwischen den in sintflutartige Regenschwälle gehüllten gedrängten Gässchen herumhatschen lässt. Eine unheilvolle Stimmung kommt in diesen anfänglichen Minuten in erster Linie dadurch auf, dass man das Abscheuliche höchstens andeutungsweise wahrnimmt oder mitunter nur zu sehen glaubt, bis Gordon zur rechten Zeit den Hund (oder... Fisch...) von der Leine lässt, einen aufgebrachten Mob missgestalteter Mensch-Fisch-Hybriden über die Protagonisten hereinbrechen lässt und die Menschenjagd feuchtfröhlich eröffnet. Was es mit dem Dorf und seinen Bewohnern auf sich hat, von der fürchterlichen Transformation, ausgelöst durch den verhängnisvollen Pakt mit den unheilbringenden Göttern, denen sich die Dörfler willfährig unterworfen haben, erlangt der Zuschauer bloß indirekt Kenntnis, der allem zugrunde liegende Mythos verbleibt überwiegend Lovecraft-gerecht im Dunkeln. Alles in allem überzeugt Gordons "Dagon" namentlich im Bereich der Atmosphäre, die einen guten Eindruck davon gibt, was eine Lovecraft-Verfilmung sein kann und sein sollte. (7)

Wall Street (1987)
Ein stilbildender Klassiker der 80er-Jahre, unterlegt mit Oliver Stones unverkennbaren didaktischem Anspruch, seiner speziellen Sicht auf die Machenschaften an der Börse und auf die Menschen, die sich dafür verantwortlich zeichnen. Es obliegt Michael Douglas in der Rolle (die er übrigens bravourös ausfüllt) des zum skrupellosen Prima inter pares verabsolutierten Börsengurus, für den Profit alles bedeutet, derweil Menschenschicksale zur Nebensächlichkeit geraten, dem abgefeimtem Typus Börsenmakler ein Gesicht zu geben. Was Stone von seinesgleichen hält und für wen er Partei ergreift, liegt auf der Hand. Letzten Endes kann der Filmemacher trotz und allem nicht umhin, eine gewisse Faszination, um nicht zu sagen heimliche Bewunderung für den Charakter Gordon Geckos zu hegen. Umso überzeugender fällt Charlie Sheens Entwicklung vom naiven Anfänger zum hörigen Schüler Geckos aus, der dessen diabolischen Energie und Überzeugungskraft und den süßen Verheißungen eines luxuriösen Glamour-Lebens, das einem jeden materialistischen Wunsch zu erfüllen verspricht, erliegt. Die Kunst von Stones Herangehensweise ist, dass er weder zu subtil, noch zu plakativ arbeitet, seine Meinung in der Sache unmissverständlich vertritt, den Verlockungen des Widersachers dahingegen nicht blind gegenübersteht. Einer von vielen Gründen, weshalb "Wall Street" bis heute einer der besten Beiträge zum Thema Börse ist. (8)

9 1/2 Wochen [Nine 1/2 Weeks(1986)
Auf zum nächsten Kultstück der 80er. Ich muss gestehen, "Nine 1/2 Weeks" ist einer dieser Kandidaten, die tatsächlich erst im Nachhinein ihre Wirkung entfalten und die Gehirnwindungen durchaus in Bewegung zu versetzen in der Lage sind. Unmittelbar nach der Sichtung empfand ich Adrian Lynes Erotik-Drama zunächst einmal als dröge Schlaftablette in der nichts Aufsehenerregendes passiert. Die zahmen erotischen Spielchen locken niemand hinter dem Ofen hervor, die stylische Optik wirkt auf den ersten Blick durchgehend unterkühlt und sinnentleert, die Charaktere erwecken wenig bis gar kein Interesse, wenn Kim Basinger Mickey Rourke schlussendlich eröffnet, dass seine emotionale Öffnung zu spät erfolge, deckt sich das mit meiner Einschätzung der Figuren: bewegendes bekennen sie zu spät. Gleichzeitig muss ich einräumen, dass "Nine 1/2 Weeks" ohne Frage die visuelle Apotheose, das Epitom des mondänen 80er-/90er-Erotik-Thrillers darstellt, zwei äußerst attraktive Schauspieler in fiebriger Fotografie einfängt und nicht zuletzt anerkennenswert eine dysfunktionale Liebesbeziehung, ein Sinnbild 80er-Jahre Machismos und Fetischisierung von Hochglanz-Banalitäten, in Szene zu setzen weiß. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen zwei Antipoden: geleckte Bild-Arrangements, die gleichermaßen hohl und bedeutsam zu sein scheinen, schwach konturierte Charaktere, lähmende Trägheit und Taubheit, was beides selbst zur Sprachmelodie gerinnt, Trivialität und Bedeutsamkeit im Kampf und doch im Verein. Eventuell ohne es sein zu wollen, gerät "Nine 1/2 Weeks" zu einem beachtenswerten Zwitterwesen, in seiner Ausdrucksweise "La Dolce Vita" (s.o.) nicht unähnlich: einerseits findet es sich als Produkt des 80er-Jahre-Kinos selbst dem superfiziellen Fetisch verbunden, zelebriert ihn gewissermaßen lustvoll und schwelgerisch. Andererseits unterläuft er dessen oberflächliche Attraktivität, legt deren schmerzliche Leere und Unterdrückung von Emotionen bestürzend deutlich bloß. Und wäre er nicht Mitglied des Clubs, wäre ihm diese Selbsterkenntnis unter Umständen gar nicht möglich gewesen. (6)

Monsieur Claude 2 [Qu'est-ce qu'on a encore fait au bon Dieu?(2019)
Uff, ganz dünnes Eis. In meiner Verwandtschaft gibt es eine Reihe an Leuten der älteren Generationen, die sich bei dem scheckiglachen, alldieweil ich daneben sitze und mich frage, was ich gerade verpasse. Nach wie vor möchte ich nicht so sehr auf dem Rassismus-Aspekt rumreiten, der unzweifelhaft vorhanden ist. "Qu'est-ce qu'on a encore fait au bon Dieu?" bietet im Wesentlichen mehr vom selben, ist, je nachdem, wen man fragt, etwas besser oder weist Sequel-Ermüdungserscheinung auf. Für mich bleiben die Mängel des Erstlings bestehen. Drum: siehe dort. (5)

Monsieur Claude und seine Töchter [Qu'est-ce qu'on a fait au Bon Dieu?(2014)








































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