Sonntag, April 15, 2012

Kurzreviews April/I/2012

It's Sanjuro-Time!
Mit seinem ganz und gar nicht üblichen Ronin Sanjuro, der in einem japanischen Dorf 2 Banden gegeinander ausspielt, schuf Meisterregisseur Akira Kurosawa 1961 in "Yojimbo – Der Leibwächter" einen formidablen Anti-Helden, einen ehemaligen Samurai, der allen bekannten kastenimmanenten Prinzipien und Tugenden zu widersprechen schien und ein ganz anderes, antiromantisches Bild der Samurai zeichnete. Dies setzte sich verspitzt im losen Sequel "Sanjuro" von 1962 fort. Kurosawas Filme sind für japanophile Cineasten ein Juwel sondergleichen, denn seine Inszenierung ist präzise und seine Motive frisch, entromantisierend, jedoch nicht ohne Humor.Das gefiel einem Mann in Europa besonders, der beschloss, den Film als Vorbild für eine eigene Filmreihe zu konvertieren, wodurch er berühmt wurde und ein eigenes Genre intialisierte: Sergio Leone und der Italo-Western. Sein Remake von "Yojimbo" "Per un pugno di dollari", hier unter dem Titel "Für eine Handvoll Dollar" veröffentlicht, bediente sich eines vergleichbaren Kniffs: er denobilitierte den Western und seine heldenhaften Cowboys, indem er einen dreckigeren, brutaleren Stil pflegte und mit Clint Eastwoods namenlosen Fremden, eine ikonische Rolle für den Darsteller, alles andere als einen strahlenden Held vorsetzte. Die Geschichte blieb im Kern diegleiche, nur anstatt mit Schwertern wurde mit Revolvern gekämpft, der Humor wurde deutlich runtergeschraubt.Die Rechnung ging auf, Leones Film wurde ein voller Erfolg und trat eine Lawine von Italo-Western los, sprich in Italien oder Spanien produzierte "Anti-Western" die Leones Film ähnliche, unlautere Motive (insbesondere Rache und Vergeltung) und zumeist depravierte Charaktere fern von Hollywoods Edelwestern verwendeten. Leone selbst lieferte dem Genre ergiebiges Material mit den zwei Sequels zu "Für eine Handvoll Dollar" (gemeinsam bilden sie die sogenannte "Dollar"-Trilogie mit Clint Eastwood als namenlosen Protagonisten als Konstante), sowie seinem vielfach erklärten Meisterwerk "C’era una volta il West", den weltberühmten "Spiel mir das Lied vom Tod", dem er ebenfalls zwei Sequels spendierte und mit diesen drei seine "Amerika-Trilogie" erschuf.Eine der bedeutensten Charakteristiken seiner Filme ist mit Sicherheit die Musik seines Hofkompsiteurs Ennio Morricone, dessen charakteristische Musik und kultigen Melodien bis Heute wirken und von Regisseuren wie Quentin Tarantino ("Kill Bill"), der sich gleichfalls darüberhinaus genussvoll bei Leone bedient, oder Matthew Vaughn ("Kick-Ass") verwendet wird. Diese Musik trug einen nicht unwesentlich Teil zur Reputation des Italo-Westerns bei und besitzt definitiv Kultcharakter.

Ungeachtet der Kritik an seinen Werken, ob ihres hohen Gewaltgrades, der alles andere als Vorbildfunktion erfüllenden "Helden" oder der vermittelten Werte wie Rache oder Gier, aber auch seines scheinbar chauvinistischen, patriarchalischen Gesellschaftsbildes, hat Sergio Leone bis heute den Status eines Kultregisseurs inne, seine Filme sind Dauerbrenner bei Cineasten, sein Einfluss auf die italienische Filmlandschaft ist unbestritten, Epigonen seiner "Dollar"-Filme findet man allenorts. Und doch schuldet er in letzter Konsequenz vieles einem anderen Meister des Kinos: Akira Kurosawa.Weswegen ich diesen Monat einen Blick auf Akira Kurosawas beiden "Sanjuro"-Filme, Leones "Dollar"-Trilogie", sowie zwei Epigonen geworfen habe! Und dieses mal erfolgreich durchgehalten (im Gegensatz zu manch anderem)! Ein gutes Gefühl... ;-)

Abgesehen davon präsentiere ich wiederum die 15 Filme (ausgeschlossen Serien und Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe), die ich bisher im Monat April gesehen habe:

Die Scharfschützen - 3. Kommando ohne Wiederkehr (1994)
Sharpe No. 3: was für den Vorgänger galt, trifft nicht minder auf Pete Postlethwaite (R.I.P.) zu: herrlich überzogen und ekelig. Dazu gibt's schönes Schlachtengetümmel.(7/10)

Insidious (2010)
James Wan gelingt mit seinem Geister-/Dämonen-Horror keine Meisterleistung. Aber der Film wirkt, erzeugt durchgehend eine Gänsehaut und hat seine Horrormomente. Neu ist daran nichts, sogar viel zusammengeklaut. (6,5/10)

Die Scharfschützen - 4. Armee des Schreckens (1994)
Sharpe No. 4: ein bisschen langweiliger, da die Konflikte kaum greifen. Gegen Ende spitzt sich die Lagen dann doch ein bisschen zu, 2 kleine Scharmützel inklusive. (6,5/10)

Für eine Handvoll Dollar (1964)
Der Sergio Leone-Klassiker nach Akira Kurosawa, der Grundstein des Italo-Westerns: rau, dreckig, brutal. Macho-Western-Kino mit einem obercoolen Clint Eastwood. (7/10)

Für ein paar Dollar mehr (1965)
Ein bisschen lockerer, ein bisschen ausgefeiltere Charaktere - und das Traumgespann Clint Eastwood und Lee Van Cleef sorgen für ein bisschen viel mehr Coolnes. (7,5/10)

Zwei glorreiche Halunken (1966)
Der Abschluss der "Dollar-Trilogie". In den Vorgänger hat er noch geübt, in "The Good, the Bad and the Ugly" bringt Sergio Leone es zur Meisterschaft: die MacGuffin-Jagt durch das vom Bürgerkrieg gezeichnete Land lebt voll und ganz durch seine Charakte. Die immercoolen Clint Eastwood und Lee Van Cleef wird dabei die Show eindeutig von Eli Wallach gestohlen, der den nötigen Grad aus liebenswerter Boshaftigkeit und lakonischem Humor mitbringt. Einer meiner Lieblingsfilme, allein schon wegen der Musik Ennio Morricones. (9/10)

Der Krieger und die Hexe (1984)
Trashiger Fantasy-Epigone des ersten "Dollar"-Films mit David Carradine. Größtes Problem stellt sicherlich das Budget des ansonsten recht ordentlichen, da beinahe 1 zu 1 vom Vorbild kopiert, Film. Und doch Trash bleibt Trash. (6/10 auf einer Trash-Skala)

Miller's Crossing (1990)
Mit den Coens kann ich einfach nicht viel anfangen. Der verspielte Umgang mit dem Gangsterfilm bereitet mir in diesem Fall allerdings Spaß, wegen seines trockenen Witzes und den schillernden Charakteren. (7/10)

Last Man Standing (1996)
Das amerikanische "Sanjuro"-Pendant liefern Walter Hill und Bruce Willis. Kleine Durststrecken werden gleich mitgeliefert, trotz der kurzweiligen, aber zu kuren Schießereien. (7/10)

Yojimbo - Der Leibwächter (1961)
Das Original. Akira Kurosawas Inszenierung ist stets ein Genuss. Mit diesem Film hat er dem Italo-Western und dem Anti-Helden umfangreiches Material geliefert. Und Toshirô Mifune ist eine nicht minder coole Sau. (8/10)

Nobody Knows (2004)
Tragische Geschichte von sträflicher Vernachlässigung, die gerade durch ihre zurückhaltende Inszenierung mächtig wirkt. Großartige Jungdarsteller. (8,5/10)Zombieland (2009)
Die amerikanische Version von "Shaun of the Dead" lässt sich am besten mit einem Wort bezeichnen: sympathisch. Durch und durch. Die Darsteller, die Geschichte, die dezente Parodie. Trotzdem ist das Vorbild besser. (7/10)

Butterfly Effect (2004)
Bunte Zeitreisegeschichte mit vielfältigen Klischeevariationen. Spaßig. (6,5/10)

Bulletproof Monk - Der kugelsichere Mönch (2003)
Die Beteiligten mühen sich redlich ab, sogar Seann William Scott, dem man keinen Vorwurf machen kann. Aber das Drehbuch ist katastrophal und die Action-Szenen nerven durch die bescheuerten und lächerlichen Wire-Fu-Einsätze. (4/10)

Sanjuro (1962)
Gleichfalls wie in der "Dollar"-Trilogie ist Akira Kurosawas Sequel zu "Yojimbo" in jedem Belang einen Tick besser, runder. Die Geschichte, der Grad zwischen Humor und Ernst, insbesondere aber der Charaktere von Sanjuro selbst. (8,5/10)















15 - 7,1 (106)

1 Kommentar:

Citara hat gesagt…

Während mich Western an sich niemals richtin interessierten, mag die Leone-Western sehr gerne, dabei hat natürlich auch die großartige Musik ihren Anteil.