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Mittwoch, November 06, 2019

Kurzreviews Oktober/2019

Hiermit präsentiere ich wiederum die 21 Filme und 8 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Oktober gesehen habe:


Serien-Staffeln
Downton Abbey - The London Season (2013) - (7,5)
Archer 1999 (Season 10) (2018) (6-7)
Ghul [Ghoul(2018) - (5,5-6,5)
Channel Zero: Candle Cove (Season 1) (2016) - (6-7)
Downton Abbey (Series 5) (2014) - (7-7,5)
Downton Abbey - A Moorland Holiday (2014) - (7,5)
Das Büro [The Office(Season 1) (2005) - (6,5-7+)
Sandokan - Der Tiger von Malaysia [Sandokan] (1976) - (6-7)

Filme
Tad Stones und das Geheimnis von König Midas [Tadeo Jones 2: El secreto del Rey Midas (Tad the Lost Explorer and the Secret of King Midas)] (2017)
Ganz das Sequel: ein bisschen höher, schneller, lauter, derweil im Kern dasselbe kindgerechte Indiana-Jones-Abenteuer, bunt, rasant und vergnüglich, wobei die Mumie Nerv-Potential besitzt. Der sympathische Everyman-Held Tad Stones/Tadeo Jones, sowie die kreativen Action-Szenen halten allweg durchgängig bei Laune. (6)

Wrong Turn 6: Last Resort (2014)
Aus Jux und Tollerei in umgekehrter Reihenfolge: der letzte der verhalten reüssierenden Backwood-Horror-Reihe, weniger beängstigend als ungustiös, wenn es daran geht, das Familien-Erbe anzutreten, was in concreto bedeutet die Inzucht-Linie fortzuführen. Demgemäß unangenehm sexualisiert, was die Nummernartigkeit der Gewalt-Einschübe fast deutlicher zu Tage treten lässt. (4,5)

Wrong Turn 5: Bloodlines (2012)
Den fand ich unterhaltsam: die Belagerung der Polizei-Station durch die Inbreds, auf die Befreiung ihres sardonischen und widerlichen Ziehvaters abzielend, ist zwar schön-blöd logikbefreit, aber auch herzlich unsinnig niederträchtig, blutrünstig und schadenfreudig, wobei ich ihm ein Minimum an Spannung zugestehen möchte. (5,5)

Unheimliche Begegnung der dritten Art [Close Encounters of the Third Kind(1977)
Director's Cut. Steven Spielbergs stilbildender Science-Fiction-Klassiker, ein optischer Genuss, inhaltlich entzückend naiv und positiv gestimmt, bisweilen beinahe religiös in seiner Ikonographie, zweifelsohne wegweisend im Bereich der Special Effects und seiner Portraitierung der außerirdischen Fremden als freundliche, erlösende Besucher, die unseren Erfahrungshorizont natürlich ohne böse Absichten erweitern möchten. (7,5)

Die Goonies [The Goonies(1985)

Chaos im Netz [Ralph Breaks the Internet(2018)
Disney-Propaganda-Szenen à la dem hiesigen Prinzessinnen-Kabinett erzeugen bei mir inzwischen übelste Bauchschmerzen in einem Maße, das mich sonst allenfalls bei religiösen oder politischen Agitations-Machwerken überkommt. Zum Glück halten sich solche im "Wreck-it Ralph"-Sequel in Grenzen. Ralphs und mehr noch seiner Freundin Vannellopes aus dem Vorläufer bekannte Emanzipation-Bestrebungen zur Behauptung seines bzw. ihres Stellenwerts eines Individuums in einer konformistischen Gesellschaft (blanker Hohn in einer Disney-Produktion...) konfrontieren Phil Johnston und Rich Moore im zweiten Teil durchaus pointiert mit den Auswüchsen des Internets. Das geschieht wohl gemerkt ohne jemals die Sphäre einer ausgemachten Satire zu tangieren, vorsichtige Kritik mag sich nichtsdestotrotz zwischendurch bemerkbar machen. Die Darstellung der Netzwelt in Form und Gestalt einer schillernden, kunterbunten, eine Vielfalt an reizüberflutenden Eindrücken darbietenden Megalopolis, um nicht zu sagen eines Sündenpfuhls der Marke Hure Babylons, ist eine opportune kindgemäße Reifikation des komplexen abstrakten Gebildes "Internet", des unaufhörlichen Verkehrs, des ständigen Kommens und Gehens, des Miteinanders, seltener: des Gegeneinanders, allgemein des "Vernetztseins". Freilich stets versöhnlich, leicht verdaulich, unangenehme Themen höchstens dünngesät anschneidend, lieber knuffigen Verweisen und Anspielungen Raum gebend. In jedem Fall eine sympathische Variation des "Bauerntrampels, den es in die Stadt zieht", in deren Verlauf beide Charaktere eine nachvollziehbare Wandlung durchlaufen und an ihren Konflikten reifen. (7)

Joker (2019)
Der Aufreger der Saison, das Massenphänomen, der R-Rated-Erfolg (der dankenswerterweise den unsäglichen "Deadpool" vom Thron der gewinnträchtigsten R-Rated-Erfolge gestoßen hat), der rohe Psychopath im Comic-Einerlei, der aufbegehrende Underdog, der Beweis, dass aneckende, Risiken in Kauf nehmende Filme genauso Kasse machen können und dass das Kino nicht verkümmernd auf brachiale Publikumsverblödung à la Disney kontingentiert werden muss...
Manch einer mag Todd Phillips vorwerfen, einen platten Abklatsch von Martin Scorseses "Taxi Driver" fabriziert zu haben und das nicht von ungefähr: Parallelen, Zitate und Referenzen sind überdeutlich vorhanden, er sucht regelrecht ostentativ die Nähe zum legendären großen Bruder. Allein, wo die einen Plagiat schreien, halten andere das Konzept der Pastiche oder Hommage dagegen. Für mich persönlich kommt die Umdeutung und Rekontextualisierung der gefährlichen, psychopathischen Innenansicht und Weltanschauung eines Travis Bickle als Joker-Origin-Story einem kleinen Genie-Streich gleich: die Transponierung von Themen, zuzüglich zu stilistischen und formellen Eigenarten, der fragwürdigen Erzählperspektive, der unmittelbaren Exponierung des Innenlebens des Charakters, der sich der Zuschauer in der Folge ausgesetzt sieht, der unverhohlenen politischen Brisanz auf den beliebten und berüchtigten Comic-Bösewicht bietet sich vorbehaltlos an. Zumal "Joker" auch abseits seiner "Taxi Driver"-Affinität genug Eigenständigkeit zu bieten weiß. Zuvorderst ist er keineswegs die einfallslos lineare Provenienz-Geschichte des 08/15-Marvel-Helden, die nichts weiter zu erzählen hat, außer das Übermensch A von Punkt B nach Punkt C gegangen ist, um Superheld X zu werden und ERJB Y zu besiegen. Live. Die. Repeat.
Joaquins Phoenix Joker dahingegen ist eine verlorene Seele, ein von vorneherein gebrochener Mann, ein allein gelassener Außenseiter, eine arme Sau, ein Mensch auf der Suche nach Zuwendung, Zugehörigkeit und einer Identität, von der er glaubt, sie der ihn umgebenen Gesellschaft gefällig formen zu müssen. Geplagt und verstört gerät er dergestalt in einen unaufhaltsamen Strudel aus Gewalt und Aversion gegenüber seiner psychischen Disposition, zurückgestoßen, sich selbst überlassen, verlacht. Anknüpfpunkte und helfende Hände sucht er vergebens.
Wenig überraschend gerät dies zur schauspielerischen Tour de Force für Phoenix, der den bemitleidenswerten Tropf Arthur Fleck eine erschreckend intensive Performance beschert, der beizuwohnen zum schmerzhaften Zeugnis gerät. Konsequent ist man an seine Perspektive, seine Sichtweise der Dinge, seiner Version der Geschehnisse gebunden und muss sich mehr als einmal fragen, ob das, was man soeben zu sehen bekam, tatsächlich der Realität entsprach oder nicht doch einem Gespinst des Wahns der Hauptfigur entsprang. Man ist gefangen im Kopf des Protagonisten, teilt seine Erfahrungen, nimmt Teil an seinen Demütigungen, sieht die Welt durch seine Augen - und die Welt, die einem solcherart begegnet, ist ein kaputter, kalter, abweisender Moloch, der einem nichts als Feindschaft und Zurückweisung entgegenzubringen vermag. Das auf dieses Martyrium der Befreiungsschlag mittels der gewaltsamen Ablehnung der ihm angedachten Rolle in der Gesellschaft folgt und er in deren Anti-These aufgeht, wird gemeinhin als Aufforderung zur Revolution und Griff zur Waffe fehlgedeutet. Aus dem einfachen Grund, dass vielfach eine Kausalität in konsekutiver Geradlinigkeit postuliert wird, die in diesem Fall einfach nicht gegeben ist, viel mehr eine komplexe Interdependenz zwischen den verschiedenen Einflüssen und Faktoren vorherrscht. Fraglos birgt seine Apotheose zur in Wahrheit unverschuldeten und unbeabsichtigten Inkarnation der wütenden Masse und sein kurzfristiger Weg dorthin einiges an brisantem Diskussionspotenzial. Wohingegen expressis verbis darin der Reiz von "Joker" liegt, dass man sich argumentativ nicht bloß auf den Höhepunkt von Arthur Flecks Leidensweg, auf sein Aufgehen in der gewalttätigen Gestalt des Jokers beschränkt, sondern die Treppenstufen dahin begreift und Empathie entwickelt. Wehret den Anfängen. Denn in dem Fall wäre ein Joker für die Pop-Kultur und die Gesellschaft gar nicht erst von Nöten. (8,5)
Taxi Driver (1976)
Da es gerade passt: Martin Scorseses legendärer Neo-Noir, ein moralisch zutiefst und bewusst ambivalentes Bild eines in der Gesellschaft gestrandeten und verlorenen Mannes, einerseits vor dem thematischen Hintergrund des Vietnamkriegs und der Watergate-Affäre zeitgebunden, andererseits von universeller Relevanz (was ein "Joker" nachdrücklich unterstreicht), ein Ausschnitt eines prekären Aspekts der Gesellschaft, ausdruckstark gespielt von Robert De Niro, nachhaltig und überkommend inszeniert. Gehörte nie zu meinen Lieblingen, ein überlebensgroßes Ding ist er nichtsdestoweniger, speziell aufgrund seiner Ambiguität. (8)

Parasite [기생충 Gisaengchung(2019)
Bong Joon-hos bissige Sozial-Satire ist zunächst einmal wunderbar räumlich dreidimensional: lustvoll kostet er jeden seiner Schauplätze maximal aus, vergrößert, engt ein, bewegt und transformiert Zimmer, Gemächer, Innen- und Außenareale korrespondierend zu seinen Protagonisten, körperlich wie geistig. Unter diesen Bedingungen wird die Illustration des Klassenkampfes zu einer in höchstem Maße plastischen Angelegenheit: Aufstieg und Fall, Täuschung und Entlarvung, Armut und Reichtum, die kleinste soziale Ungleichheit, all das findet seine Entsprechung in ausgedehnten oder beengenden Räumlichkeiten, im architektonischen und landschaftlichen Auf und Ab, sowie in den kataklystischen Folgen der Naturgewalten, welche die einen unbeschadet überstehen, alldieweil die anderen um alles kämpfen müssen. Joon-ho bewegt sich in diesem teuflischen Reigen der Gesellschaftsschichten auf einem schmalen Grat zwischen lakonischen Humor und bitterem Drama, lässt seine Protagonisten einen riskanten Spießrutenlauf absolvieren, bis am Schluss unweigerlich und gnadenlos die Katastrophe über alle ohne Ausnahme hereinbricht, ganz gleich ob arm oder reich. Alle schmieden sie Pläne und hängen Zukunftsvisionen an, von Blindheit geschlagen, dass sie ein ungerechtes System dadurch bloß bestärken, gleichwohl niemals überkommen werden. Und somit finden sie sich in einem hoffnungslosen Teufelskreis, einer stumpfen Diallele gefangen. (8)

Annabelle 3 [Annabelle Comes Home(2019)
Das "Conjuring"-Spin-off "Annabelle" war ein Rohrkrepierer vor dem Herrn, sein Prequel "Annabelle: Creation" (ebd.) in Angesicht dessen eine nicht zu unterschätzende positive Überraschung und Teil 3 ist... in jeder Hinsicht ein Franchise-Produkt, nett formuliert: eine bessere Trailershow für weitere potentiell ausschlachtbare Spin-off-Grusel-Fratzen aus der Abstellkammer der Warrens, dargebracht in Gestalt einer mäßig schaurigen Geisterbahnfahrt vorbei an den verschiedenen angestaubten, in den Regalen des Hinterzimmers versauernden Spuk-Erscheinungen, als wolle man ausloten, welche von diesen beim Publikum gut genug resonieren, um ihnen ihre eigenen Ableger zu spendieren. Ist das gruselig? Nein. Vollends durchschaubar ohne Frage. (4)

Unknown Identity [Unknown(2011)
Die erste der Jaume Collet-Serra-Liam Neeson-Kollaborationen, ein grundsolider, fesselnder Reißer mit Hitchcock'scher Prämisse, der seinen Protagonisten in fremder Umgebung, dieses Mal das altbekannte Berlin, aussetzt, die Identität raubt und in der Folge gnadenlos die Jagd auf ihn eröffnet, Bourne-Assoziationen inklusive. Schwächelt nach Hinten raus, ansonsten verlässliches Action-Thriller-Terrain. (6,5)

96 Hours [Taken(2008)

Höllenfahrt nach Santa Fé [Stagecoach(1939)
aka "Ringo". John Fords vielbeschworener Western-Klassiker, der den Grundstein für seine langjährige Partnerschaft mit John Wayne legte bzw. Waynes Karriere erst richtig durchstarten ließ. Eine meisterhafte Sektion eines Mikrokosmos verschiedener Repräsentanten von Archetypen der Gesellschaft, eingefangen und verdichtet in der Enge der eponymen Postkutsche, konterkariert vermittels der endlosen Weite der Prärie, imposant gefilmt, gen Ende gar inklusive für die Zeit beeindruckender Stunts. Ein Meisterstück! (8)

Downton Abbey (2019)
Ein Geschenk an die Fans der Serie mit Herz und Seele. Man mag stänkern, dass es sich hierbei inhaltlich und strukturell um einen besseren Zweiteiler handelt, der nicht zwangsläufig den Umweg über die große Leinwand nötig gehabt hätte. Aber warum sollte Fans das kümmern? Im Gegenteil hat es was Herzbewegendes, das Anwesen Downton Abbey in schwelgerischen, glanzvollen Breitwand-Aufnahmen zu genießen, obendrein die Lords und Ladies mitsamt Bediensteten im prächtigen Kinoformat ausgelassen tanzen, leiden, lieben und konspirieren zu sehen. Jeder bekannte und liebgewonnene Charakter hat im Rahmen der Möglichkeiten seine Szene und offen gelassene Entwicklungen des finalen Weihnachts-Specials werden für alle zufriedenstellend abschließend ausformuliert. Sicherlich leichte Muse und nichts für Anti-Royalisten (es sei denn, man ist wie ich ein kleiner Brenson, ergo den Crawleys und ihrem pompösen Adelsleben unerklärlicherweise zugetan), ein wunderschönes Wiedersehen ist es demungeachtet alle Male. Nicht zu vergessen: sollte es der Letzte bleiben, wäre der Kinofilm ein herzbewegender Abschied vom Highlight der gesamten Serie: Maggie Smith(7,5)

Judo Saga - Die Legende vom großen Judo [姿三四郎 Sugata Sanshirō (Sanshiro Sugata)] (1943)
Kurosawa Akiras Debut (sieht man von "Uma" ab), noch im Klima der Zeit und unter Zensurregiment Japans während des Zweiten Weltkriegs entstanden, weswegen unter anderem 17 Minuten aus dem fertigen Produkt geschnitten wurden und wahrscheinlich unwiederbringlich verloren sind. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist "Sugata Sanshirō" eine bemerkenswert eigenständige, stilsichere und vor allem ungewöhnlich introvertierte Betrachtung seines Heroen Sanshirō und seines Werdegangs. Das auf dem Weg zum unbesiegbaren Judo-Meister infolge der Zensuren unbillige Lücken entstehen, die in meiner Fassung unter Zuhilfenahme von Texttafeln zu überbrücken versucht werden, trübt den Gesamteindruck, was nicht daran rüttelt, dass bereits Kurosawas offizielles Erstlingswerk ein starkes und bildkräftiges Stück Kino darstellt. (7)

Pets 2 [The Secret Life of Pets 2(2019)
Numero uno ist ein von mir gerne angeführtes Beispiel für den Typus "hyperaktiver Animations-Kinderfilm", seine Weiterführung hat mich anfänglich sogar derart angenervt, dass ich kurz davor war, der Chose ein Ende zu bereiten. Glücklicherweise fängt er sich und nachdem er seine unterschiedlichen Einzelepisoden auf den Weg gebracht hat, habe ich mich doch noch gut unterhalten gefühlt. Im besonderen Harrison Ford in der Rolle des lapidaren Farm-Hundes Rooster reißt einiges wieder raus. "Pets 2" ist zudem stellenweise hinreißend schön animiert (6,5)

Wir [Us(2019)
Jordan Peeles zweiter Soziopolitischer Horrorfilm nach dem erfolgreichen "Get Out" gehört wie dieser zu dem Typus Horror, der zu schlau für sein eigenes Wohl ist, bzw. der sich zu schlau fühlt, als ihm in Wahrheit gut zu Gesicht steht (siehe auch: "Hereditary"). Ich meine damit, dass er ca. in der ersten halben Stunde zugegeben effektiv eine beängstigende, lauernde Bedrohung aufbaut, alsbald jedoch sich besser darin gefällt, sein verkopftes Szenario auszubauen, stärker einer Satire zuneigt. Das macht er wohlgemerkt nicht schlecht, zumal er mit guten Darstellerleisungen punktet, seine Intensität hält er hingegen nicht aufrecht und präsentiert uns sein Plädoyer gegen soziale Ungleichheit auf dem Umweg einer hanebüchene Science-Fiction-Horror-Mär, die derart abstrus ausfällt, dass sie kaum eine Verbindung zur Realität herzustellen vermag (geschweige denn ängstigt), allerhöchstens im exegetischen Bereich, wenn Peele in einer Vielzahl an Szenen "ask me what it means" zu schreien scheint (wenigstens in dieser Hinsicht nicht in einem vergleichbar über die Strenge schlagenden Maße wie der hohle "Hereditary"). Alles nicht verkehrt und auf einem wichtigen gesellschaftskritischen Grundgedanken fundiert, eine sonderlich durchdringende Wirkung stellte sich bei mir dahingegen nicht ein. Musik und Schluss-Twist mochte ich indes. (7)

Am allerschönsten [一番美しく Ichiban utsukushiku (The Most Beautiful)] (1944)
Kurosawa Akiras zweites Schaffen steht nachdrücklicher unter dem Propaganda-Scheffel und wird in dieser Weise zu seinem ambivalentesten Frühwerk: die teils im dokumentarischen Stil dargebrachte Geschichte einer Gruppe Fabrikarbeiterinnen, die Präzisionslinsen für den Kriegseinsatz herstellen und in Zeiten des Notstands sich selbst aus freien Stücken zum Wohle des Vaterlands an die Grenze des Belastbaren und Menschenmöglichen treiben, geizt nicht mit patriotischen Gesten, fröhlichem Liedersingen von Stücken, die vom Sieg der japanischen Krieger über die mongolischen Horden handeln, hingebungsvoller Marschkapellen-Aufmarschiererei und allgemein an den Tage gelegte Opferbereitschaft für die größere Sache. Auf der anderen Seite verblüfft Kurosawa, neben der allgegenwärtigen Leidenschaft, die in Bildern und Inszenierung ruht, vermöge der tiefen Sensibilität gegenüber seinen Protagonistinnen (tragende weibliche Rollen sind im Œuvre des Regisseurs ohnehin eine bezeichnende Ausnahme), von denen er einzelne gezielt herauspickt und ihr Einzelschicksal immer mal wieder in den Fokus rückt. Bei Kurosawa rangierte "Ichiban utsukushiku" ganz oben auf der Liste seiner eigenen Lieblingsfilme, womöglich nicht zuletzt, weil er Hauptdarstellerin Yōko Yaguchi bei den Dreharbeiten kennen und lieben lernte. Woran es auch liegen mag: Beachtung verdient er allemal. (7)

Sugata Sanshiro Fortsetzung [續姿三四郎 Zoku Sugata Sanshirō (Sanshiro Sugata Part II)] (1945)
aka "Judo Saga II". Das Kurosawa Akira von der Propaganda-Abteilung aufgezwungene Sequel (Trivia: der Verlautbarung nach eines der ersten Sequels, dem ein frugales "Teil 2" an den Titel angehängt wurde), dementsprechend wenig begeistert runtergekurbeltes Loblied auf den japanischen Kampfesgeist und Wiederstandwillen gegenüber den niederträchtigen Amerikanern, die ins nachteilige Licht zu rücken das Drehbuch keine Gelegenheit auslässt (Sanshirōs müheloser Sieg gegen den überheblichen US-Boxer gleicht einer für den Amerikaner blamablen Stummfilm-Slapstick-Komödie). Insofern hat Kurosawa vielen modernen chinesischen Martial-Arts-Filme (etwa "Fearless" oder "Ip Man", mehr noch "Ip Man 2") die Blaupause geliefert, wie man traditionsbewusste und moralisch lautere Kampfsportler, die ihre altehrwürdige Kampfkunst gegenüber dem modernen westlichen Mächten erfolgreich verteidigen, in Szene zu setzen hat. Drum würde ich "Zoku Sugata Sanshirō" zu Kurosawas unter der Aufsicht des japanischen Zensor-Rats entstandenen zugänglichsten, da weitestgehend ambitionslosesten Werken zählen. Gleichwohl blitzt Kurosawas Talent selbst hier unverkennbar auf, hauptsächlich beim Subplot um die Rivalität zwischen Karate und Judo, insbesondere hinsichtlich des Schicksals Tsukigata Ryūnosukes einstmaligen Widersachers aus dem Vorgänger, sowie des schönen Finales mit dessen Brüdern. (6,5)

Die Männer, die dem Tiger auf den Schwanz traten [虎の尾を踏む男達 Tora no o wo fumu otokotachi (The Men Who Tread on the Tiger's Tail)] (1945)
Kurosawa Akiras nächstes Projekt entstand in der turbulenten Zeit des letzten Kriegsjahres und des Übergangs: die Niederlage stand bevor, die japanische Zensur ging, die der amerikanischen Besatzungsmacht kam. Kreativ erdrückt von den Rahmenbedingungen geriet Kurosawas Adaption des Kabuki-Stücks "Kanjinchō" zu einer ungemein knapp gefassten, theaterhaft komprimierten Bearbeitung des Ursprungsmaterials. Abgesehen von dem Umstand, dass "Tora no o wo fumu otokotachi" die Ehre zuteilwird, Kurosawas erster Jidai-geki eiga zu sein, ist das Endresultat ein schnörkelloses, makelloses, besonders in der zentralen Szene am Grenzposten hochspannendes Drama, aufgelockert durch den an das amerikanische Kino gemahnenden Comic Relief-Charakter Enomoto Ken'ichis, einem beim japanischen Publikum beliebten Komödianten. Hervorragen tut einmal mehr Sugata Sanshirō-Darsteller Fujita Susumus nuanciertes Spiel, das bis heute Zuschauer rätseln lässt, ob er Yoshitsune und sein Gefolge erkannt hat oder nicht. (7,5)

Kein Bedauern für meine Jugend [わが青春に悔なし Waga seishun ni kuinashi (No Regrets for Our Youth)] (1946)
Kurosawa Akiras erster Nachkriegsfilm, der sehr zum Missfallen des Regisseurs mehrfach umgeschrieben wurde, ist angesiedelt vor dem Hintergrund des Takigawa-Vorfalls, in dessen Verlauf der Universitäts-Professor Takigawa Yukitoki von seinem Lehrstuhl an der Universität Kyoto gefeuert und ein Student wegen Hochverrats hingerichtet wurde. Allerdings stellt dieser Zwischenfall bloß das Stimulans dar, welches die Handlung in Gang setzt, deren Hauptaugenmerk auf Hara Setsukos Yagihara Yukie und ihrer Suche nach Erfüllung, nach dem, was das Leben ausmacht, liegt. Ihr Entwicklungsweg ist eng verknüpft mit denen zweier Studenten, von denen der eine sich dem Konformismus beugt, alldieweil der andere sich politisch engagiert, was ihm im Endeffekt zum Verhängnis wird. Ihre Verbindung zu letzterem (bravourös: Fujita Susumu) wird auschlaggebend für ihr existentialistisches Streben, das auf die Gegenwehr des beschränkten, ignoranten Gesellschaftsdenken trifft, dafür im Triumph dieses Strebens mündet. In ihrem über zwölf Jahre währenden Existenzkampf spiegelt sich deutlich Kurosawas Philosophie, wie auch das Nachkriegs-Japan, das sich ähnlich neu zu finden und zu orientieren hatte. Dabei ist Regisseur und Drehbuchautor Kurosawa weniger an politischen Verwicklungen gelegen als am seelischen Fortgang seiner Protagonistin, überwältigend verkörpert von Hara Setsuko und, sieht man von "Ichiban utsukushiku" ab, die einzige weibliche Hauptakteurin in seinem Schaffenswerk. Trotz Problemen bei der Produktion aufgrund von Einmischung dritter sind Kurosawa einige exzellent arrangierte Sequenzen gelungen, welche die Figurenkonstellation und Aufgewühltheit Yukies ausdrucksvoll wiedergeben. (8)




















21 - 6,9 (144,5)

Montag, Januar 04, 2016

Kurzreviews Dezember/II/2015

Hiermit präsentiere ich wiederum die 25 Filme und 4 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Dezember seit der letzten Liste gesehen habe und somit die letzte Reviewliste des Jahres 2015. Sie ist dieses Mal umfangreicher geraten, da sie unter anderem so etwas wie eine kleine "Star Wars"-Retrospektive enthält, bevor ich zum Hype des Jahres komme. Also:


Serien-Staffeln
Deutschland 83 (2015) (7-7,5)
Master of None (Season 1) (2015) (6-6,5)
The Man in the High Castle (Season 1) (2015) (5,5-7)
Sense8 (Season 1) (2015) (6-7,5+)

Filme
Eine Bahre für den Sheriff (1965)
Brauchbarer früher Italo-Western, der ohne die prägenden Stilmittel eines Sergio Leone auskommen muss und deutlich in den Schuhen des klassischen Westerns steckt. (5)

Töte Amigo (1967)
Damiano Daminanis politscher Western ist eben das und weniger genretypischer Italo-Streifen, sticht dadurch aus der Masse deutlich heraus, setzt seine vielschichtigen, allegorischen Charaktere in einen komplexen Kontext. Besonders Gian Maria Volonté weiß zu überzeugen. (8)

Fünf Klumpen Gold (1972)
Der Witz ist an mir vorbeigegangen. (4)

Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung (1999)
Enter Jar Jar Binks. Um das von vornherein klarzustellen: ich gehöre scheinbar zu dem verschwindend geringen Prozentsatz, der die Prequels nicht für eine einzige filmische Katastrophe hält. Ich mag sie sogar recht gern. Gleichwohl weiß ich um ihre Schwächen und das sie in einer gänzlich anderen Liga als die Original-Trilogie spielen, besser als eine Ergänzung zu dieser als eigenständige Filmreihe zu gebrauchen sind.
Und doch bin ich der Meinung, dass George Lucas viel und viel zu wenig Respekt erwiesen wird für das, was er hier angestrebt hat. Denn (im Gegensatz zu Jar Jar Abrams und Disney) er war ausgesprochen experimentierfreudig, wollte etwas anderes, frisches, zeitgemäßes ausprobieren und keine Wiederholung begehen. Zugegeben: Narrenfreiheit tut nicht immer gut, gerade Episode I wirkt unfokussiert und querbeet, viele neue Ansätze, wie etwa die Midi-Chlorianer, funktionieren überhaupt nicht, schaden im schlimmsten Fall dem Mythos, die richtigen Charaktere haben zu wenig Raum, die falschen zu viel, das Identifizieren und Mitfiebern wird erschwert. Zwiespältig ist zudem der mehrheitlich digitale Look, der Verzicht auf in der Realität verhafteten, Haptik vermittelnde Masken und Modelle verstärkt den Charakter überzogener Artifizialität, obgleich dies Lucas andererseits ein breites Instrumentarium für großflächige künstlerische Entfaltung zur Hand gibt, das er, aller Kritik zum Trotz, zu nutzen wusste. Schwächen am Drehbuch, speziell Dialoge, vermag er im Übrigen durch die Inszenierung wettzumachen, ausschlaggebend im Bereich der Actionszenen (der finale Lichtschwerkampf etwa). Über alle Zweifel erhaben ist John Williams, dessen Soundtrack (für alle drei Filme) mit zum Besten gehört, was der Blogbustersektor zu bieten hat.
Ein Wort zu Jar Jar Binks: so nervig seine Slapstick-Einlagen geraten sein mögen, ich habe das Ausmaß des unendlichen Hass ihm gegenüber nie so richtig nachvollziehen können. Jake Lloyd fand ich um Welten schlimmer und, wo wir schon dabei sind: Walter White ist für mich ebenfalls ein viel, viel nervigerer Charakter. Und jetzt ducke ich mich, wenn die Steine geflogen kommen. (7)

Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger (2002)
Enter Hayden Christensen. Mit dem Mittelteil befindet sich George Lucas langsam auf Kurs, kann inhaltlich mehr überzeugen, schafft Raum für Charakterentwicklung, verabschiedet sich von einigen grundlegenden Schwächen des Vorgängers. Als das dicke Plus im Ensemble erweist sich Ewan McGregor, ein gewitzter, charismatischer Obi-Wan Kenobi, dem man jederzeit abnimmt, hier die junge Version von Alec Guinness vor sich zu haben. Mimisch nicht so stark befähigt fällt sein Counterpart Hayden Christensen aus, der streckenweise recht unbeholfen bis hölzern agiert, aber ein Totalausfall ist er nicht. Zieht man die Dialoge in Betracht, die er in den Mund gelegt bekommt, macht er seine Sache ganz manierlich, kann hinzukommend in den meisten Fällen auf die anderen Darsteller zählen. Mit Natalie Portman muss er sich durch eine Vielzahl platter Dialoge arbeiten, die die große, bittersüße Liebe rein textlich nicht wirklich vermitteln können. Inszenatorisch kann Lucas jedoch vieles auf der visuellen Ebene retten, so dass das Gesprochene im Verhältnis zum optischen Ausdruck subaltern ausfällt.
Das gilt darüber hinaus für die an Spektakularität gewinnenden, exzellenten Actionszenen nicht weniger, die, obwohl schnell und detailreich inszeniert, nie zu Gunsten hektischer Bildgewitter an Übersichtlichkeit einbüßen und ihre fantasievollen, wenn auch durch und durch computergenerierten Settings voll und ganz auskosten. Sie sind letztlich die große Stärke des Films und im Grunde genommen der gesamten Trilogie, denn so vielseitige, mitreißend dargebrachte Schlachten, Verfolgungsjagden und (Licht)Schwertduelle suchen nach wie vor ihresgleichen, selbst wenn der emotionale Aspekt zeitweilig zu kurz kommt. Inhaltlich wird ferner die Intrige und der drohende Schatten der Sith deutlicher spürbar, der tragische Weg Anakins nimmt seinen Lauf, das Ende der Jedi und der alten Republik hängen wie ein Damoklesschwert über dem Geschehen. Gewöhnungsbedürftig: die Slapstickeinlagen der Droiden, sowie die fehlgegriffene Reinterpretation von Yoda als Kampfflummi. (7)

Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith (2005)
Das große Finale. Für mich der beste der Prequels und insgesamt ein toller, toller dramatischer Abgang, opernhaft und von Shakespeare’sche Tragik. Das schwerwiegendste Manko sei mit der überstürzt abgehandelte Verführung Anakins zur dunklen Seite, vielfach und zur Genüge kritisiert und parodiert, genannt. Dessen ungeachtet setzt sich George Lucas Inszenierung einmal mehr über inhaltlichen Schwächen und Engpässe hinweg, bietet die besten Charaktermomente der Prequels, fernerhin abermals makellose Action. Da der Ausgang der Geschichte hinlänglich bekannt ist, flüchtet er sich in den Spektakelfaktor und lässt die Jedi, Anakin, die gesamte Republik in einem spektakulären, dramatischen Rausch unter- und im Imperium und der klassischen Trilogie aufgehen. Das Resultat ist ein pompöses Gewitter, eine Aneinanderreihung von atemberaubenden Kinomomenten und ein zufriedenstellendes, versöhnendes Ende, das einen schönen Bogen zur Episode IV schlägt. Aus dem, was sie haben, machen alle Beteiligten das Beste, sogar Hayden Christensen gibt eine einprägsam finstere Darbietung des gefallenen Helden und Ian McDiarmid unterhält prächtig als intriganter Oberfiesling. Wunderschön finde ich übrigens den Epilog nach dem überwältigendem Finale, der komplett ohne ein gesprochenes Wort, allein von John Williams wunderbaren Score getragen auskommt, alles in Bildern einfasst, die die zukünftigen Herausforderungen und die Hoffnung, die der Titel der vierten Episode bereits in sich trägt, zum Ausdruck bringen. (8,5)

Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung (1977)
(Kinofassung) George Lucas bahnbrechendes Sci-Fi-Märchen, das bis heute eine Millionenschaft in ihren Bann zieht, ein ambitioniertes, aus vielen Inspirationsquellen schöpfendes Wunderwerk. Inhaltlich auf klassischer Linie, er erzählt die archetypische Geschichte des Kampfes Gut gegen Böse, vom Reifen eines jugendlichen Helden, von hellen und dunklen Zauberern, ambivalenten Schurken und schönen, zu rettenden Prinzessinnen, fasziniert, abgesehen vom Generationen überdauernden Erfolg, insbesondere die in allem wohnende Leidenschaft und kreative Energie, die aus relativ einfachen Mitteln ein immersives Universum voller Abenteuer formen. Die Protagonisten sind im Grunde genommen die reinsten Klischees, doch vielleicht gerade wegen ihrer Einfachheit prägnant, sympathisch, zur Identifikation mit ihnen einladend, während Darth Vader bereits einen optisch bedrohlichen Bösewicht hergibt. Charakterlich und dramaturgisch sollte sich Lucas noch steigern, bereits im Angriff auf den Todesstern beweist er ein geschicktes Händchen für großartige Actionsequenzen. (9)

Star Wars: Episode V - Das Imperium schlägt zurück (1980)
(Kinofassung) Der vermutlich stärkste Mittelteil einer Trilogie, der je gemacht wurde. Wenngleich George Lucas den Regieposten Irvin Kershner überließ, vertieft er sein Universum in allen Belangen, gibt den Charakteren und ihrer gegenseitigen Freundschaft mehr Essenz, vertieft den Mythos, sprich den spirituellen Aspekt rund um das Jeditum und wartet mit einem brillanten Twist auf, der der gesamten Held-Bösewicht-Konstellation eine tragische familiäre Dimension verleiht. Nach dem imposanten Auftakt auf Hoth lässt er seine Protagonisten auf unterschiedlichen Wegen zum Finale reisen, die einen in einer gnadenlosen, andauernden Verfolgungsjagd, die nebenbei zum Besten gehört, was Weltraum-Jagden zu bieten haben, den anderen auf dem Weg der schmerzhaften Erkenntnis. Wenn sich alle im wunderbar entrückten Setting der Wolkenstadt zum einmaligen, beispiellosen Showdown treffen, ist das eine unerreichte emotionale Klimax sondergleichen. (9,5)

Star Wars: Episode VI - Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983)
(Kinofassung) Das ursprüngliche große Finale. Kershner weicht Richard Marquand, im Hintergrund führt unverändert Lucas das Zepter. Nach der Rückkehr auf den Planeten, auf dem alles begann (Tatooine) und der Rettung Han Solos steht alles auf großer Schlusskampf, ein paar letzte Enthüllung werden präsentiert, das letzte maßgebliche Duell mit Darth Vader dramatisch angeteast. Da mehr oder minder der gesamte Film als ein einheitliches, gewaltiges Finale auf gleich drei Schlachtfeldern fungiert, werden viele Charaktermomente bisweilen im Vorbeigehen abgehandelt. Leider verfällt die Geschichte auf Endor zunehmend einem kindgerechten Kuschelfaktor mit der Einführung der Ewoks, die in der alles entscheidenden Schlacht mit Bogen und Steinschleuder tatsächlich das gewaltige galaktische Imperium zu Fall bringen. Das strapaziert die Geduld des Erwachsenen Zuschauers, dem sich glücklicherweise mit der kolossalen Raumschlacht, sowie der letzten Konfrontation mit Darth Vader und dem Imperator ein wuchtiger emotionaler Schlusspunkt bietet. Wenn am Ende der zweite Todesstern in einem gewaltigen Feuerball aufgeht, ist das ein stürmisches Feuerwerk der Gefühle und das Ende einer der schönsten Filmtrilogien der Filmgeschichte. (8,5)

Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht (2015)
Enter Jar Jar Abrams, enter Disney. Gemessen am Ergebnis dieser Kollaboration, müsste man allgemein die Prequel-Trilogie nachträglich aufwerten, denn ungeachtet aller Fehler, aller Irrtümer, aller Unzulänglichkeiten muss man George Lucas allermindestens zu Gute halten, dass er Mut bewiesen hat, künstlerische Wege und technische Möglichkeiten bis zu einem Maximum ausloten wollte, sich außerdem als kreativer Filmemacher und begnadeter Actionregisseur bewiesen hat. Kurz: Lucas ist das kreative Filmgenie, das genug Energie und künstlerischen Willen an den Tag legt, um ein Phänomen dieser Größenordnung zu stemmen.
Abrams ist das nicht (und Disney interessiert sich ausschließlich für das eine). Er ist ein nicht ungeschickter Handwerker und meisterlicher Marketing-Stratege. Vor allem aber ist er großer "Star Wars"-Fan (was man seinemVerrat bereits überdeutlich anmerkte), weswegen der überhypten Fortsetzung eines auf jeden Fall zuzugestehen ist: die Liebe und Leidenschaft zur Ur-Trilogie findet sich allerorts. Allein das macht keinen guten "Star Wars"-Film. Was wir hier haben, ist ein teuer finanziertes Fan-Projekt, ein Fan-Film mit hohem Aufwand, der sich zu keiner Sekunde traut, eigene Wege zu beschreiten, kreativ zu werden oder der es vermag, einen vergleichbaren Elan wie Lucas an den Tag zu legen. Abrams agiert im Großen und Ganzen in dem, was Lucas einst geschaffen hat, kann lediglich durch die Arbeit bestehen, die zuvor geleistet wurde. Weil überall Herzblut drinsteckt, weil John Boyega und Daisy Ridley (die mir persönlichen in manchen Szenen, wo es weder zum Geschehen, noch zum Charakter passte, zu sehr ins heulend-grimassierende gedrängt wurde) gute Protagonisten sind, weil Harrison Ford den Film über weite Strecken an sich reißt und mit Charme und Nostalgie erfüllt, ist das ein bisschen mehr als ein geistloses Remake von Episode IV. Hingegen dramatisch und inszenatorisch liegt das Welten entfernt von Lucas "Star Wars", vieles wirkt wie Fan-Service, ein ostentatives Kokettieren mit Nostalgie, um es ja den von den Prequels enttäuschten Fans recht zu machen (sowas von der falsche Weg).
Natürlich, Episode VII ist kein schlechter Film, er ist ordentlich gemacht, getrickst, gut gespielt, mir gefällt der Bösewicht (Kylo Ren, nicht der hässlichste aller hässlichen CGI-Klumpen mit dem grenzdämlichen Namen Snoke, der bei mir bei weitem mehr Spott auslöst als Adam Driver), gerade wegen seiner menschlichen Regungen und Imperfektionen, und er unterhält achtbar. Aber weil Jar Jar Abrams Episode IV einen neuen Anstrich verpasst und fälschlicherweise künstlerische Ambition idiotischem Fandom geopfert hat, das macht bei weitem keinen guten "Star Wars"-Film. (6)

Hangover 3 (2013)
Erstaunlich, Todd Philips hat nicht ein Quäntchen dazu gelernt. Nerviges, todlangweiliges Stück Filmdreck. (1)

Snow Sharks (2013)
Das Dilettantismus zu nennen, wäre reinste Schmeichelei, trotz allem lustiger als alles, was Todd Philips mit "Hangover" fabriziert hat. (Trash-Skala: 1,5)

Black Mask (1996)
In dieser Schnittfassung stark inkohärentes Konstrukt, als HK-Action-Reißer klar seinem 90er-Jahre-Milieu entsprungen, hektisch, overstylt, ein explosives Erlebnis. (6,5)

Der Sternwanderer (2007)
Fantastisches Märchenabenteuer, das sich hie und da Ironie gestattet, von Matthew Vaughn stellenweise zu rasant inszeniert ist. Die Hauptdarsteller sind durchweg sympathisch, selbst wenn, natürlich ihrem grundlegenden Märchencharakter entsprechend, einfach gezeichnet, was sich indes durch zahlreiche, schillernde Nebencharaktere ausgleicht. Insgesamt eine schöne magische Reise für das Klientel, dem "Herr der Ringe" zu düster oder erwachsen erscheint. (7)
White Collar Hooligan 3 (2014)
Ach nee, Idioten, die sich wegen Fußball prügeln, könnt ihr mir nicht sympathisch machen, selbst wenn sie, wie in diesem Fall, kaum ihrem debilen Hobby nachgehen, statt dessen lieber in Rio ein bisschen rumrächen. (3)

Sukeban Boy (2006)
Ganz heißer Kandidat, sollte ich mich jemals auf der Suche nach einem aussagekräftigen Exemplar nipponschen Irrsinns befinden, um einem unschuldigen Dritten zu verdeutlichen, was im japanischen Film alles schief läuft. (0)

The Child's Eye (2010)
Ich und die Pangs werden keine Freunde mehr, ihre Filme finde ich nie gruselig, ihre Machart überschaubar. (3)

Locked Down (2010)
Verzeihlicher B-Action-Klopper im Knast-Klischee-Sumpf mit Gewalt und vielen nackten Tatsachen. (B-Action-Skala: 3)

Ein Seltsames Paar (1968)
Ziemlich dated, theaterhaft und mit biederem Sinn für Humor. Dafür sind Jack Lemmon und Walter Matthau unvermindert ein Genuss. (6,5)

Zero Tolerance - Zeugen in Angst (1999)
Guter Krimi/Thriller aus dem kühlen Norden, spannend, selten reißerisch, gelegentlich sogar subtil. (6,5)

Rebecca (1940)
Alfred Hitchcocks Gothic Romance, ungewohnterweise kein Kriminalfall, sondern ein weitestgehend humorfreies Drama, dessen Spannungen in erster Linie durch Konflikte zwischen den Charakteren und durch den Schatten des (nicht übernatürlicher Natur entspringenden) Geistes der titelgebenden Rebecca entstehen. Ausdrücklich wegen des für den Meister unüblichen Sujets interessant und spannend. Könnte bei erneuter Sichtung besser gefallen. Der Musikeinsatz war mir zu viel. (7)

Drüber, drunter und drauf (1976)
Mein erster Russ Meyer und was für ein vergnügliches, frivoles Erlebnis mit schräger Handlung, Anleihen beim griechischen Drama (!), Wagner (!!) und genussvoller Huldigung des Körpers, Sexploitation in Reinform. (6)

Ich kämpfe um dich (1945)
Highlight: die von Salvador Dalí entworfene Traumsequenz. Reizvolle Prämisse, arg hanebüchen, beinahe konventionell umgesetzt. Arrangiert man sich damit, wird man mit einem spannenden, gewitzten Thriller belohnt. (6,5)

Der Fall Paradin (1947)
Gerichtsfilme haben es von Anfang an schwer bei mir, dementsprechend wird das nie mein Lieblings-Hitchcock. Dabei macht der Meister das spannendste aus der Geschichte, was rauszuholen ist, obwohl er mit der Besetzung nicht zufrieden war. Höhepunkte sind die Szenen auf dem Landsitz und tatsächlich der letzte Akt im Gericht. (6,5)

Abenteuer des kleinen Panda - Teil 1 & 2 (1972 & 1973)
Leichtherziges,  kindgerechtes Abenteuer aus dem Hause Studio Ghibli, voller Lebenslust und positiver Energie, die einen regelrecht ansteckt. Leider zu kurz. (8)



















25 - 5,8 (144,5)

Donnerstag, September 17, 2015

Kurzreviews August/II/September/I/2015

Mit deutlicher Verspätung hab ich endlich meine aktuellen Reviewlisten fertiggestellt. So ist das wohl, wenn man aus dem Urlaub zurückkommt, erst mal entspannen möchte, nur um anschließend unumgehend beruflich voll eingenommen zu werden. Unschön zudem, dass die erste Nachricht, die einen bei der Rückkehr erwartet, die vom Tod eines weiteren großen des Films ist.

Denn am 30. August 2015 verstarb Horrorfilm-Legende Wes Craven an einem Hirntumor. Er war das Genie hinter Kultobjekten und Meilensteinen des Horrors wie "The Last House on the Left", "The Hills Have Eyes" und ganz besonders natürlich "A Nightmare on Elm Street" und "Scream". Aber ich mochte auch andere Filme von ihm, wie die kunterbunte Abenteuerreise in das Reich des Voodoo in "The Serpent and the Rainbow", seinen aparten Gestaltwechselhorror "Shocker" oder seinen ökonomischen, augenzwinkernden Thriller "Red Eye". Mit ihm verliert der Horrorfilm einen seiner stilbildenden, einflussreichsten Künstler, den wir von diesem Format nie wieder bekommen werden.

Cui honorem, honorem: Requiescat in pace!

Wie dem auch sei: hiermit präsentiere ich wiederum die 18 Filme und 4 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat August seit der letzten Liste und bisher im Monat September gesehen habe:

Serien-Staffeln
Bob's Burgers (Season 1-3) (2011-2013) (6,5-8)
Constantine (Season 1) (2014-2015) (6-7)

Filme
Bloodnight (1989)
Reichlich blutiger, schräger Slasher mit abstruser Auflösung, sowie einigen ausgefallenen Kameraperspektiven und -spielereien, die Scott Spiegels Freundschaft zu, generell den Einfluss durch Sam Raimi offenkundig machen. (B-Movie-Skala: 6,5)

Superman - Der Film (1978)
Deutlich dated, auch, aber nicht speziell wegen der Effekte, mehr weil Richard Donner die Geschichte hinlänglich naiv gestaltet, der an sich bereits einseitigen Figur Supermans keine Ecken und Kanten oder interessanten Aspekte abzugewinnen weiß. Das Hadern mit seinen Mächten in den Jugendjahren gehört zu den eindrucksvollsten, spannendsten Momenten des Films, die sich leider kaum in den Rest der Handlung erstrecken. Hinzu kommt, dass Gene Hackman und seine Bande im Wesentlichen als Witzfiguren taugen, dem diabolische Genie Lex Luthor kaum Präsenz verleihen. Etwas langweilig, ich mag ihn trotzdem. (mit Wohlwollen: 7)

Kill Bill: Vol. 1 (2003)
Mit Sicherheit nicht Quentin Tarantinos bester Film, doch die Hommage an den Rachefilm der 70er, Italo-Western, sowie das Yakuza-Genre und den japanischen Chambara-Film ergeben ein schillerndes, stellenweise recht brutales cineastisches Panorama, das in einer einzigen grandiosen, blutbespritzten Actionsequenz mündet. Insgesamt misst die Geschichte die dichte Dialogstärke anderer Tarantino-Produktion, gefällt sich zu sehr im fleißigen Zitateraten. Ein Spaß für Genrefans. (7,5)

Die Todeskandidaten - The Condemned (2007)
Macht zu Beginn den passablen Eindruck einer amerikanische B-Action-Version von "Battle Royale", bietet ab und zu brauchbare Survival-Action-Momente, ist letztlich zu unspektakulär, verrät sich überdies selbst durch die allzu aufgesetzt wirkende, die meiste Laufzeit einnehmende Pseudo-Medienkritik. (B-Action-Skala: 3,5)

Leviathan (1989)
"Rambo II"-Regisseur George P. Cosmatos versucht sich an einem Unterwasser-Mix aus "Alien" und "The Abyss" in lauschigen Kulissen. Die Darsteller machen ihre Sache ordentlich, Cosmatos erreicht selbstredend nie die Intensität seiner Vorbilder. (B-Movie-Skala: 6)

Dämon - Trau keiner Seele (1998)
Finde ich nicht mehr arg so schlimm wie früher, grundsätzlich mag ich Filme rund um körperlose Gestaltwechsler, aber dem Film fehlt vollkommen die Spannung, er ist entsetzlich vorhersehbar und geschwätzig, obwohl der Antagonist eine omnipräsente Gefahr darstellt, kommt nie das Gefühl der unausweichlichen Bedrohung auf, zumal Denzel Washingtons Charakter ein Langweiler vor dem Herrn ist. (4)

Hijacked - Entführt (2012)
Billige, ereignisarme, unspektakuläre Mischung aus "Stirb Langsam", "Air Force One" und "Einsame Entscheidung". (B-Action-Skala: 2)

RoboCop (1987)
Paul Verhoevens unerreichter Sci-Fi-Action-Klassiker, voller Energie inszeniert, blutig und mit satirischen Spitzen. (8,5)

Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit (2006)
Time Travel-CSI on the Case! Zugegeben: Tony Scott und Denzel Washington nerven hier nicht ganz so schlimm. Daher: anguckbar. (5)

Con Air (1997)
Mag ich. Warum? Punkt 1: Nicolas Cage und seine Haare. Punkt 2: die spielfreudige Besetzung, die herrlich am Rad dreht. Punkt 3: der Film ist ein knalliges Vorzeigebeispiel des Typus 90er-/Jerry Bruckheimer-Actionfilm, gleichzeitig eine vorzügliche Parodie desselbigen. Super-unterhaltsam! (7)
Hollywood (1972)
aka "Andy Warhol's Heat". Hinter der etwas sleazig wirkenden Oberfläche verbirgt sich eine ätzende Abrechnung mit den Erfolgsmachermechanismen des Hollywoodsystems, das Menschen zu Objekten und Steigbügeln degradiert. (7)

Buddha-Killer - Die Panther im Tempel der Shaolin (1980)
Sprunghafte Geschichte, die mal hier, mal da Storystränge anschneidet, ohne sie stimmig zu Ende zu denken. Immerhin kämpft der immer gern gesehene Hwang Jang-Lee mit einem der ulkigsten Kampfstile, die ich je gesehen habe, gegen einen gemobbten Kung-Fu-Adepten und seinen dauer-besoffenen (Drunken Boxing NICHT inklusive) Penner-Shao-Lin-Meister. Spaßig! (7)

Face/Off - Im Körper des Feindes (1997)
Das Duell der Egos: schöner als Nicolas Cage vs. John Travolta wird's eigentlich nicht mehr. Zumal die beiden auch noch die Rollen tauschen müssen. Mit John Woo an der Action kann die Achterbahn beginnen. In dem Sinne: Face... off! (6,5)

Operation: Broken Arrow (1996)
John Woo lässt zwar einiges in die Luft gehen, das elementare Duell misst hingegen die Extravaganz des Nachfolgers "Face/Off", denn Christian Slater ist einfach kein Nic Cage, bleibt blass, kann Travolta keine Paroli bieten. (5,5)

Der Anschlag (2002)
Ist bis auf den eponymen Anschlag nicht weiter der Rede wert. (5)

Auf der Jagd (1998)
Der hat mir überraschenderweise sehr gut gefallen. Wiederholt ein bisschen die Geschichte des Erfolgs "Auf der Flucht", nur eben mehr aus der Perspektive von Tommy Lee Jones. Das funktioniert indes ausgezeichnet, zeigt ein eingespieltes Ermittlerteam und bietet eine spannende Hetzjagd, sowohl aus Sicht des Gejagten, als auch des Jägers. (7)

Ein Perfekter Mord (1998)
Hitchcock konnte es besser, keine Frage. Dafür konzentriert sich Andrew Davis einfach zu sehr auf oberflächliche Spannung und zu wenig auf die Charaktere. Possierlich ist dafür Michael Douglas, der abermals in der Rolle des widerlichen, auf jede Situation kühl reagierenden Arschlochs brilliert. (5,5)

A Touch of Sin (2013)
Desolates Gesellschaftsportrait Chinas, in Episodengeschichten von in die Enge getriebenen Menschen voller Wut und Verzweiflung erzählt, die zwangsläufig in Gewalt enden müssen. Intensiv gespielt und mit einer unbeschreiblich tollen Kameraarbeit von Nelson Lik-wai Yu, der selbst den trostlosesten Bildern eine Art natürlicher Schönheit und Poesie abzugewinnen vermag. (8)

















18 - 6,0 (108,5)

Samstag, August 08, 2015

Kurzreviews Juli/II/2015

Gestern bei rottentomatoes.com gewesen, das Tomatometer für "Fantastic Four" gesehen - und:

Sagte ich nicht, es könne kaum schlimmer werden als die JAlba-Filme?

Armer, armer Josh Trank.

Wie dem auch sei: hiermit präsentiere ich wiederum die 18 Filme und 3 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Juni seit der letzten Liste gesehen habe:

Serien-Staffeln
Veronica Mars (Season 1) (2004-2005) (7-7,5)
Rom (Season 1) (2005) (8-8,5)
Buffy - Im Bann der Dämonen (Season 2) (1997-1998) (7-7,5)

Filme
Evolution (2001)
Spaß bereitet der Film, wenn er seiner Idee und der bunten Vielfalt an Kreaturen Raum lässt. Das macht er leider zu selten, fokussiert anstelle dessen die lustig gemeinten Eskapaden von David Duchovny und den unerträglich verkrampft auf witziger Sidekick getrimmten Orlando Jones. Trotzdem, nur Gott weiß weshalb, mag ich den, läuft gut im Samstagnachmittagprogramm nebenher. Guilty Pleasure. (5)

Mystery Men (1999)
Noch ein Guilty Pleasure: eine sein Potential sicherlich kaum ausschöpfende Superheldenparodie und Außenseitergeschichte, die mit guten Darsteller und witzigen Ideen punkten kann. Mir gefallen speziell das Setting, das tief 90er-Atmosphäre atmet, sowie Geoffrey Rush und Greg Kinnear. (6)

Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (1980)
Treffende Parodie auf den Flugzeug-Katastrophenfilm mit Gags in Sekundentakt, allen Orts versteckt in Bild und Ton. (7)

Hook (1991)
Ultra-schwülstiges Fantasy-Kostüm-Kitschfest von Steven Spielberg, dessen anschaulichen Kulissen und kreative Geschichte derart in Familiensülze ertränkt werden, dass man es kaum ertragen möchte. Wäre als das Musical, als das er ursprünglich gedacht war, vielleicht besser aufgehoben gewesen. (5)

Entity - Es gibt kein Entrinnen vor dem Unsichtbaren das uns verfolgt (1982)
Zu Beginn gewöhnungsbedürftiger Suspensefilm (nach einer wahren Geschichte, bla, bla) mit einem unsichtbaren, absolut bösartigen Eindringling. Die lange Laufzeit teilt sich in intensiv bedrohliche, äußerst bedrückende Momente der Hilflosigkeit einerseits, dramalastige andererseits, die Barbara Hershey Raum zur Portraitierung ihres Charakters geben. Ron Silver steuert ferner eine ernstzunehmende, weil glaubhafte wissenschaftliche, psychologische Perspektive bei. Definitiv interessant. (7)
Tränen der Sonne (2003)
Antoine Fuqua tut sein Bestes, einen Spagat zwischen spannender Verfolgungsjagd vor schöner Kulisse, Kriegsaction und Genozid-Zeigefinger zu realisieren, kommt dennoch nicht ohne aufrechte G.I.s, die schlussendlich das Richtige tun, stets auf ihre Vorgesetzten zählen können, und ambivalenzlos böse maximalpikmentierte Verfolger aus. Besonders mutlos: das Happy End. (4,5)

Minority Report (2002)
Steven Spielberg mogelt sich mit seiner sicherlich gelungen Hetzjagd mit hitchcock'schem Flair leider um den spannenden Grundgedanken und den ethischen Diskurs drum rum, liefert dafür solide Sci-Fi-Kost mit chic designter Zukunftsvision. (7)

Air Force One (1997)
So sagenhaft dumm-patriotisch, dass man ihn gar nicht ernst nehmen kann. Destillierter Pro-Amerika-Edel-Action-Trash. (Trash-Skala: 5)

Jurassic Park (1993)
Was soll ich sagen? Ich habe damals mit Dinos gespielt! Steven Spielbergs fantastische Saurier-Tour überzeugt heute noch, ist fantastisch inszeniert und in seiner Wirkung schlicht nicht reproduzierbar. (8,5)

Die Mädchen der Ginza (1960)
Mein erster Mikio Naruse. Steht Kenji Mizoguchis Werken hinsichtlich des pessimistischen Frauenbilds in nichts nach. Tatsächlich ist die Regie regelrecht zurückhaltend, unaufdringlich, verweigert die eine, alles bestimmende Katastrophe, die Keiko stürzen lässt, betont unverblümt die allgegenwärtige Unausweichlichkeit des gesellschaftlichen Käfigs, die allenenthalben selbst oder vor allem im Kleinen auftretenden Barrieren, die ein Entkommen unmöglich machen. Erschreckender Fatalismus ist die Konsequenz. Ganz starke Leistung von Hideko Takamine. (8,5)

Loriots Ödipussi (1988)
Typischer Loriot-Humor, Einzelsketche die mehr lose denn stimmig durch die Handlung beisammen gehalten werden. Loriot und Evelyn Hamann machen das natürlich toll, aber gegen mehr Katharina Brauren hätte ich nichts einzuwenden gehabt. (7)

Die Letzte Nacht der Titanic (1958)
Der Titanic den ihr gebührenden Rang der heimlichen Hauptdarstellerin zuzugestehen, lag James Cameron besser, er verlieh ihr die entsprechende cineastische Gravitas. Roy Ward Bakers Perspektive ist merklich nüchterner, beinahe dokumentarisch, das Schiff dient eher als Kulisse für die Vielzahl von Charakteren, aus denen höchstens Kenneth More hervorsticht. Was sich in den ersten 30 Minuten als zäh erweisen kann, trägt später, schließlich nimmt der Untergang der Titanic den Großteil der Laufzeit ein, bittere Früchte, wenn der schmerzliche, überzogene Melodramatik vermeidende Realismus in Verbindung mit dem nicht unkritischen Querschnitt durch alle gesellschaftlichen Klassen die tragische Katastrophe auf traurige, greifbare Weise Nahe bringt. (8)

Blau ist eine warme Farbe (2013)
Schwierig den Film losgelöst von den die Entstehung umkreisenden Debatten und Kontroversen zu betrachten. Zumal die Kritik an den recht expliziten Sexszenen nicht von der Hand zu weisen ist, sie bis zu einem gewissen Grad pornographischen Charakter aufweisen. Überhaupt schwankt der Regiestil oftmals zwischen sensibler Authentizität einerseits und aufdringlich erscheinendem Voyeurismus andererseits. Über jeden Zweifel erhaben sind die scheinbar unter extremem Bedingung erbrachten darstellerischen Leistungen von Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux, für die allein es sich lohnt, diese drei Stunden intensiven Dramas zu erleben. (7)

Naked Lunch (1991)
Hier muss ich passen, ich habe nichts gerafft, konnte allenfalls oberflächlich interpretieren oder vielleicht projizieren - jedoch diesen ultra-schrägen, wirren, hermetischen Drogen-Trip kann ich unmöglich einordnen - allerdings habe ich das Buch auch nicht gelesen. Liegt's vielleicht daran? (keine Bewertung)

Chihiros Reise ins Zauberland (2001)
Magisches, an Fantasie überbordendes Anime-Märchen, besinnlich, witzig und vielschichtig. Einfach wunderschön! (8,5)

Die Unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff (1982)
Natürlich nicht so gut wie der Vorgänger, witzig aber allemal, insbesondere der William Shatner-Cameo ist pures Gold wert. (6,5)

Die Falschspielerin (1941)
Vergnügliche Screwball-Komödie, die gekonnt mit Schein und Sein spielt. Und Barbara Stanwyck ist einfach unwiderstehlich-hinreißend. (7)

Sonicman (1979)
Trash-Gold, ein fleißig zusammengeklauter Superheldenmumpitz aus Spanien, voller urkomischer Szenen, variationsreicher Superheldenfähigkeiten und bahnbrechender Special Effects. Cameron Mitchell schießt als pseudo-philosophischer Bösewicht den Vogel ab. (Trash-Skala: 8)




















18 - 6,4 (115,5)

Dienstag, Mai 06, 2014

Die Jar Jar-Pflicht ruft

Ja, ich nehme Jar Jar seinen verräterischen Ausverkauf von "Star Trek" immer noch übel und bin mir dahingehend im Unklaren, wie ich zu der neuen "Star Wars"-Trilogie stehe. Zwar hat er mit SEINEM "Star Trek" immerhin eine mannierliche "Star Wars"-Fingerübung abgeliefert, nichtsdestotrotz stehe ich dem Projekt mehr skeptisch denn hoffnungsfroh gegenüber, einschließlich des potentiell gefahrvollen Disney-Einflusses. Insofern ist das hier ein bloßer Pflichtpost zu "Star Wars Episode VII":

Denn die ersten Namen der Darstellerriege zur Sequel-Trilogie sind benannt. Die Hauptrollen übernehmen angenehm unverbrauchte Darsteller wie John Boyega ("Attack the Block", "Half of a Yellow Sun", "The Whale"), Adam Driver ("Girls", "Bluebird", "Inside Llewyn Davis"), Daisy Ridley ("Silent Witness", "Casualty", "Mr Selfridge"), Oscar Isaac ("The Nativity Story", "Balibo", "Robin Hood") und Domhnall Gleeson ("True Grit", "Harry Potter and the Deathly Hallows", "Dredd"), unterstützt von gestandenen Recken wie Andy Serkis ("The Lord of the Rings", "King Kong", "Dawn of the Planet of the Apes") und Max von Sydow ("The Seventh Seal", "The Exorcist", "Judge Dredd"). Sehr erfreulich, wenn auch ein wenig gefällig, ist die Nachricht, dass die "Star Wars"-Urgesteine Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill, Anthony Daniels, Peter Mayhew und Kenny Baker wieder in ihre respektiven Rollen schlüpfen (ich vermute dahinter indes wenig mehr, als Cameos eines Nimoy-Grades). Nicht zu vergessen, dass John Williams abermals die Musik komponiert.

Gleichzeitig wurde jedoch alles aus dem sogenannten "Star Wars Expanded Universe" (sprich sämtliches fiktive und (ursprünglich) offiziell lizenzierte Material außerhalb der beiden Original-Filmtrilogien) und den Spielen als nicht-kanonisch gebranntmarkt - was im Grunde nichts anderes verheißt, als dass Jar Jar erneut auf alle scheißen darf, was eine treue und (überwiegend) ambitionierte Gruppe von Fans über die Jahre geschaffen hat, nur um seinen eigenen Müll zu erzählen (was Disney übrigens arrogant und anmaßend als "a New Page" euphemisiert und bestimmt geschickt auszubeuten versteht). Dann wiederum spricht dabei bloß der hasserfüllte Trekkie in mir, schließlich betrifft dies dieses mal "nur" das Expanded Universe, während er bei "Star Trek" Gene Roddenberrys Erbe elementar vergewaltigt hat. Insofern...

Freitag, Februar 01, 2013

Kurzreviews Januar/II/2013

Hiermit präsentiere ich wiederum die 6 Filme (ausgeschlossen Serien und Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe), die ich im Monat Januar seit der letzten Liste gesehen habe:

Die Hexen von Eastwick (1987)
In erster Linie großer Spaß wegen seines spielfreudigen Ensembles. Cher, Susan Sarandon und Michelle Pfeiffer zelebrieren ihre Rollen genüsslich und Jack Nicholson gibt einen formidablen Teufel. Mit dezentem Humor und recht freizügig in seiner Darstellung und Sprache. (7/10)

Der Kampf um die Todessiegel (1970)
Die Kampfchoreografie lahmt und misst Spektakularität. Dafür beweist sich der Film gerade zu Beginn als asiatisches Pendant zum Western. Gegen Ende wird es zunehmend bizarrer und der Epilog macht alles Geschehene zum einem einzigen großen Witz. (5,5/10)

Im Todesnetz der gelben Spinne (1976)
Für mich ein unterhaltsames Glanzstück der Shaw Brothers, denn es vereint Intrigen, irrsinniges Kampfgetümmel und eine gehörige Portion Trash in ungeheurer Dichte. Nebenbei beinhaltet der Film tatsächlich ein mitreißendes Drama. Diese ungelaubliche Mischung aus den verschiedensten Komponenten macht diesen Film zu einem ganz großen Vergnügen. (8/10)

Sleep Tight (2011)
"REC"-Regisseur Jaume Balagueró hätte Hitchcock mit diesem Film gewiss eine Freude bereitet: der Psychopath/Soziopath als Protagonist, dem die sehr ambivalente Zuneigung des Zuschauers stets und voll und ganz gehört, also die Umkehrung der Formel sorgt für klischeefremden Suspense. Daraus wird nie eine psychologische Studie, wohl aber ein herausragender, teilweise böser Thriller. (7/10)


Fearless (2006)
Selbst in der internationalen Fassung beweist Jet Lis Volkshelden-Verfilmung, dass eine harmonische Symbiose aus Martial Arts und Drama möglich ist und die Geschichte eben nicht subaltern sein muss. Gleichzeitig bietet der Film hervorragende Kämpfe und eine überzeugende Schauspielleistung Lis. Einzig die bösen Westmächte wirken klischeehaft eindimensional. Das trübt den nachdenklichen Genuß indes keineswegs. Nichtsdestotrotz wirkt der längere Director's Cut runder. (8/10, Director's Cut 9/10)
Resident Evil: Retribution (2012)
Dümmer als es jedes PC-Spiel zu sein wagt (ausgenommen vllt. RapeLay... aber das steht wohl außer Frage) - dennoch so unterhaltsam! Paul W.S. Anderson schickt Milla Jovovich abermals in einen unterirdischen Umbrella-Komplex und dann... wird geballert. Und zwar nicht zu knapp. Meistens ins Zeitlumpe, meistens in stylishen Posen und selten ohne pseudo-coolen Spruch auf den Lippen. Und das ist tatsächlich gut genug produziert, dass der Film trotz permanenter Beleidung von Geist und Fantum mit Trash und Action unterhält. Hochglanz-Edeltrash deluxe. (7/10 auf einer Trash-Skala)











6 - 7,1 (42,5)

Samstag, Juni 18, 2011

The Imperial Alpaca March

Ich steh ja aus irgendeinem unerklärlichen Grund auf Lamas und Alpacas...