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Montag, Februar 18, 2019

Kurzreviews Januar/2019

Hiermit präsentiere ich, wie versprochen, die üppige Januar-Reviewliste, die dank einem der übelsten Infekte, die mich je befallen haben, schlappe 30 Filme und magere 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe, sowie noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Januar gesehen habe, umfasst. Allein fünf davon gehen auf das Konto Fukasaku Kinjis legendärer und durch und durch großartiger "Battles Without Honor And Humanity"-Reihe, die ich mir endlich zur Brust genommen habe - wofür ich dem Infekt glatt dankbar bin. Viel Spaß beim Lesen!


Serien-Staffeln
Who Is America? (Season 1) (2018) (7-9)
Star Trek: Deep Space Nine (Season 5) (1996-1997) - (10)

Filme
Mandy (2018)
Drive Angry 2001: A Cage Odyssee. Ein Bilderrausch, in beiden Kategorien wortwörtlich zu verstehen: George Cosmatos Sprössling Panos Comatos schickt Nicolas Cage in einen rauschartigen, implizierten Drogen-Rachetrip durch die Hölle, eine rein visuelle Raserei, eine Aneinanderreihung von betont bildhaften, traumgleichen Sequenzen, die gen Ende apokalyptische Ausmaßen annehmen. Ob das einen tieferen Sinn in sich birgt, zur Entschlüsselung der Bilder einlädt, wird zur Nebensache. Sonderlich nahrhaft würde ich persönlich das Ergebnis nicht nennen, maximal ist "Mandy" eine Arthaus-mäßige Spielart zu "Drive Angry", ohne jemals dessen Spaßfaktor zu erreichen. Drogen intus mag mögen das freilich anderweitig beeinflussen. (6)

True Romance (1993)
Fand ich den in Teenager-Jahren geil! Inzwischen sind die Jahre ins Land gezogen und so begeistert wie seinerzeit bin ich von Tony Scotts/Quentin Tarantinos nostalgischer Gangster-Romanze nicht mehr, unterhaltsam würde ich sie nach wie vor nennen. "True Romance" ist zuvorderst unverkennbar das Produkt des 90-Jahre-Schaffens der beiden Herren, voller popkultureller Referenzen von Elvis bis John Woo, mit demonstrativ "coolem" Figureninventar bestehend aus lässigen Gangstern, abgebrühten Killern und solchen, die es werden wollen, allesamt furchtbar geschwätzig und in geleckter Optik ins rechte Licht gerückt. Am besten funktioniert der Film hiergegen immer dann, wenn er seinen Gaststars Raum gibt (Gary Oldman, Dennis Hopper, Christopher Walken), sowie in den stilisierten Gewalt-Eruptionen, davon ab ist das reine Makulatur in schnieken Bildern. (7)

BloodRayne (2005)
War Uwe Boll überhaupt zu irgendeinem Zeitpunkt am Set anwesend? In keiner Szene lässt sich vermuten, dass ein sachverständiger Filmemacher gleichgültig wann geistig oder körperlich gegenwärtig gewesen sein könnte, dass irgendjemand dieser lustlos runtergeleierten Aneinanderreihung von Bildern und Gore-Dreingaben eine Richtung geben wollte. Alles wirkt, als ob die Kameras während des ersten, miserablen Probe-Takes schlechtweg mitgelaufen sind, angefangen bei den traurig aufspielenden Mimen (selbst solche, die es besser könnten), über die lachhafte Kampf-Choreografie, bis hin zu den selbstzweckhaften, gelangweilt hingerotzten Splatter-Einschüben. Selten hat Boll seine Verachtung für das Ursprungsmaterial deutlicher zu Tage treten lassen. (1)

Marie Brand und der Reiz der Gewalt (2019)
Will viele, möglicherweise zu viele Themen anschneiden, um sie innerhalb eines 90-Minuten-Limits zufriedenstellend abzuhandeln. Obschon durchaus ambitioniert für's deutsche Fernsehen kann dergestalt vieles höchstens angerissen werden, ohne einen vernünftigen Abschluss zu finden. (6,5)

Game Night (2018)
Boardgames are awful. Stimmt natürlich nicht. Aber so sehr schert sich "Game Night" im Grunde nicht um seinen Aufhänger des Spieleabends (der über blassen Standards nie hinauskommt). Wichtiger sind ihm seine Protagonisten, ihr Miteinander, ihre Konflikte, aus denen sich selbstverfreilich das Gros der Komik nährt. Und das bereitet vermöge der liebenswerten Charaktere (Rachel McAdams *herz*) ersprießliches Vergnügen, zuzüglich des ein oder andere netten Twists, wobei ein stärkerer Hang zu Verrücktheiten à la "Clue", welche sich ihrem Brettspiel-Sujet bereitwilliger und spielerischer hätten widmen dürfen, ihm mit Sicherheit gut zu Gesicht gestanden hätten. (6,5)

Victor Frankenstein - Genie und Wahnsinn [Victor Frankenstein(2015)
Weder Genie, noch Wahnsinn, schlicht ein weiterer gescheiterter Versuch, Frankensteins Drama für die Moderne aufzumotzen - was Paul McGuigan als Ausrede verstanden zu haben scheint, einen Marsch über den Rummelplatz, eine Fahrt in einer Achterbahn-/Geisterbahn-Kombination zu veranstalten, sprich: viel reißerische Oberfläche, null Substanz. Sein manierierter "Sherlock"-Stil unterstreicht das in unübersehbarer Deutlichkeit, macht offenkundig, dass er sich nicht sonderlich schert um das Schicksal seiner Charaktere, die Bromance zwischen Igor und Frankenstein oder den Konflikten von Ethik und Moral, Religion und Hybris, Genie und Wahnsinn, Themenkomplexe, die allesamt halbherzig aufgegriffen und stante pede liegen gelassen werden. Schade um James McAvoy und Daniel Radcliffe. (3,5)

Zombie Massacre (2013)
Was für ein grottenöder Zombie-Actionfilm, inklusive Cameo von Produzent Uwe Boll. (1,5)

Hilfe, Dinosaurier! [Adventures in Dinosaur City(1992)
Ay, ay, ay, diese Filme, die man in der Kindheit derart oft gesehen hat, das sie einem nachgerade in Fleisch und Blut übergegangen sind, von denen man im Erwachsenenalter merkt, dass sich das Gesehene regelrecht ins Gedächtnis eingebrannt hat. "Adventures in Dinosaur City" ist einer dieser Kandidaten in meinem Fall, einer, der eine gehörige Zeit lang mein Unterbewusstsein heimsuchte, bevor ich (mit etwas Hilfe) endlich in der Lage war, ihn aufzustöbern. Und was für ein schönes Wiedersehen das war! Zweifelsfrei kommt er über den Status eines ganz und gar kindgerechten Abenteuers, naiv und simpel in seiner Dramaturgie, sowie der Darstellung anthropomorpher Dinosaurier, stupider Höhlenmenschen und schrulliger Sci-Fi, nie hinaus. Das tut dem Spaß demgegenüber keinen Abbruch, kuschelt sich viel mehr wohlig mit mir unter meine gemütliche Nostalgie-Decke. (Dicker Kindheitsnostalgie-Bonus: 8)

Auslöschung [Annihilation(2018)
Sci-Fi made by Netflix. Auf der einen Seite präsentiert uns Alex Garland eine chic fotografierte Odyssee, ein kreatives, fremdartiges Design und einen willkommen entschleunigten Erzählstil, ein bisschen "Solaris" hier, ein wenig "Stalker" da. Auf der anderen übt er sich in einer heiklen Gratwanderung zwischen grüblerischer Science-Fiction und introvertierter Bewältigung verschiedener Konflikte der Protagonistinnen, insbesondere tödliche Krankheiten bzw. Krebs betreffend. Das geht soweit, dass sich der Science-Fiction-Anteil vermehrt auf ein Minimum reduziert, der Handlungsraum zu einer nach Außen gestülpten kollektiven Innenansicht der Beteiligten wird, bis sich das, was man als realen Raum ansehen mag, vollständig aufzulösen scheint, die Umgebung die Handelnden beinahe vollständig absorbiert. Zumindest wirkte er dergestalt auf mich. Fraglos bietet "Annihilation" hinreichend Anknüpfpunkte für eigene Interpretationen, immerhin behält es sich Garland vor, vielen Dingen ihre Uneindeutigkeit zu lassen. Was für mich den größten Kritikpunkt darstellt: die Tendenz vage zu bleiben, sich nicht auf eine Richtung festzulegen, großräumig anzudeuten, jedoch nie konkret zu werden, öffnet selbstredend Tor und Tür für Deutungsversuche aller Art, drückt sich dahingegen davor, einen klaren, festumrissenen Bezugspunkt zu schaffen und diesen auch zu vertreten. Drum lässt einen "Annihilation" zum Schluss rätselnd zurück, was genau man von ihm mitnehmen könnte. (7)
Cam (2018)
Der absonderlichen Welt der Cam-Girls nähert sich Daniel Goldhaber auf beinahe Cronenberg'sche Weise an, indem er seine Hauptfigur in Konflikt mit ihrem anamorphotischen Spiegelbild, ihrer Web-Persona geraten lässt, ganz konkret manifestiert dadurch, dass er letztere von ihrer Quelle, dem wahren Menschen hinter der gespielten, den Fans gefälligen Internet-Performance, trennt und autark agieren lässt. Ein Kontrollverlust, ein Peter Pan-artiges Ringen mit dem eigenen Schattenbild, dem eigenen Zerrbild, eine Konfrontation mit dem anderen Ich. Goldhaber geht hierin zweifelsohne kaum in die Tiefe, sondern entwickelt diesen Zwiespalt als zurückhaltendes Drama, aber in erster Linie als Thriller, der gleichzeitig eine merkwürdige Neugierde für die nicht minder merkwürdige Welt seiner Zentralfigur erkennen lässt, ohne jemals unangenehm voyeuristische Ausmaße anzunehmen. Ebenso verweigert er sich einer eindeutigen moralischen Abstrafung des Gezeigten, obgleich es naheliegend scheint, den Kampf zwischen Madeline Brewers Alice und ihrem Cam-Girl Alter Ego Lola solchermaßen auszulegen, dass sie durch die ihr aufgezwungene Lösung von und Reflektion durch ihre Persona zu der Erkenntnis gelangt, sich selbst in dieser Rolle nicht ertragen zu können, sich dadurch zu Dingen gezwungen sieht, denen sie sich zuvor stets verweigert hat. Die Konsequenz: die Zerstörung des anderen Ichs – allerdings nur, um letztendlich in neuer Gestalt in alte Muster zurückzukehren, möglicherweise obendrein mit einem neu erwachsenen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Ein neuer Anfang also, keine Läuterung. (7)

The Guilty [Den skyldige(2018)
Ein Mann, ein Raum, eine Verbindung zur Außenwelt. Der Rest ist Kopfkino. Mehr benötigt Gustav Möller nicht, um auf staunenswerte Art und Weise aus diesem minimalistischen Rahmen die größtmögliche, sich beständig steigernde Spannung und Intensität zu beziehen und die Vorstellungskraft des Zuschauers allein durch das Gehörte ungeahnt zu stimulieren, ihn zu involvieren und zu packen. Gleichwohl nutzt er das optische Element, das keineswegs zur Nebensache wird, geschickt zur Akzentuierung des Geschehens, konzentriert sich vollends auf seinen Hauptdarsteller, seine Reaktion, seine Entwicklung, seinen Kampf gegen die eigenen Dämonen. Erstklassig! (8,5)

Der Powerman [快餐車 Faai Caan Ce (Wheels on Meals)] (1984)
Neue Wertung: (8)

Club War [Troma's War(1988)
Wenn Michael Herz und Lloyd Kaufman "Lost" verfilmt hätten... gewohnt hingebungsvoll derb taktlos, genüsslich Grenzen des guten Geschmacks übertretend (Señor Sida...), eine Actionfilm-Groteske weit abseits von Gut und Böse, gänzlich dem Wahnsinn verfallen. Kurz: Grandioser Trash-Spaß aus dem Hause Troma! (Trash-Skala: 8)

Schwerter des Königs - Dungeon Siege [In the Name of the King: A Dungeon Siege Tale(2007)
Eine Rezeptur die Böses verspricht: Uwe Boll + Videspielverfilmung + Überlänge + ein für Bolls Verhältnisse üppiges Budget. Dass der Film wider Erwarten nicht in einem absoluten Debakel geendet ist, als Fantasy-Film sogar passabel unterhält, mache ich an zwei Punkten fest: erstens an Jason Statham, der sich selbst in den miserabelsten Machwerken ein Mindestmaß an Charisma bewahrt, zweitens an 2nd Unit Director Siu-Tung Ching, der, davon gehe ich aus, die gar nicht so üblen, ansehnlich choreografierten Action- und Kampfszenen inszeniert haben dürfte, was ihm um Welten besser gelingt als Boll, dessen mangelndes Talent in allem abseits der Action hingegen wieder zu Tage tritt. (6)

Southbound - Highway to Hell [Southbound(2015)
Manierlicher Anthologiefilm mit brauchbarer auswegloser Grundstimmung, von dem indessen höchstens die Krankenhaus-Episode im Gedächtnis bleibt. (6)

Der Seidene Faden [Phantom Thread(2017)
Mir scheint, bei Paul Thomas Andersons Filmen entwickle ich ein ähnliches Problem wie bei Wes Anderson: ich erkenne an, dass sie im Grunde ihres Herzens toll gemacht sind, Hingabe und Willen zur Kunst beweisen, nur können sie mich auf Teufel komm raus nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen, erfassen mich nie aufgrund der Ausgestelltheit ihrer künstlerischen Schöpfung. "The Phantom Thread" will ich das nicht zu sehr anlasten, er ist in seiner Sonderbarkeit ziemlich großartig und bewundernswert, erzählt ausgesprochen individuell von einem Geschlechterkampf, von schwierig zu handhabenden Menschen, von einer eigentümlichen Beziehung und von einer widerspenstigen Zähmung. Das ist erlesen gefilmt und gespielt, holt mich bloß, wie gesagt, aus einem schwer zu fassenden Grund nicht hundertprozentig ab. (8)

Fifty Shades of Grey - Befreite Lust [Fifty Shades Freed(2018)
Spielt diese pseudo-skandalöse SM-Sache (ihr wisst schon, diese eine Sache, weswegen die Reihe vormals die Gemüter warum auch immer überhaupt erst erhitzte, die ihr womöglich den einsamen, schwachen Anflug von Legitimität verlieh) überhaupt noch eine Rolle? Die wohl langweiligste, lustloseste (zu keiner Sekunde bekommt man den Eindruck, dass irgendeiner der Beteiligten Bock auf den Film hatte) Soundtrack-Promo ever. Könnte tatsächlich imstande sein, den bereits sagenhaft lustlos langweiligen zweiten Teil noch zu unterbieten... eine bemerkenswerte Leistung. (1)

Blutiger Sommer - Das Camp des Grauens [Sleepaway Camp(1983)
Ein weiterer herkömmlicher "Friday the 13th"-Epigone ohne nennenswerten Qualitäten? Oder reicht der dezent berühmte finale Twist aus, um ihn über Genre-Kollegen zu erheben? Meine persönliche Meinung: "Sleepaway Camp" verbindet das betrübliche Schicksal des Killers, seine Probleme mit seiner Identität und die aus dieser Irritation resultierenden problematischen Reaktionen auf seine Umgebung auf recht interessante Weise, sodass die verhältnismäßig ausgiebig dargestellten Vorkommnisse im Camp, die sich die meiste Zeit genau genommen weniger um die relativ unspektakulären, blutarmen Morde, mehr um das Miteinander der Camp-Mitglieder drehen, zum zentralen, integralen Teil dessen werden, was den Killer und seine Motivation ausmachen. Auf jeden Fall besteht zwischen beiden Teilen eine bedeutend stärkere, ausdrücklichere Verbindung im Vergleich zu den meisten anderen Slasher-Vertretern seiner Zeit, was ihn ganz gewiss gegenüber diesen auszeichnet (6,5)

The Mutilator (1984)
Bleiben wir bei den Slashern. Im Großen und Ganzen ein der Gewohnheit entsprechender Genre-Repräsentant, eine überschaubare Zahl jungspundiger Opfern, ein lauernder, erbarmungsloser Killer und kreative, äußert brutale und ins Detail gehende Mord-Szenen, die dem Titel alle Ehre machen. Größtenteils überraschungsfrei überzeugt "The Mutilator" nichtsdestotrotz als Genre-Ware, ist handwerklich einwandfrei und stimmungsvoll finster. (6,5)

Aftermath (2012)
Okayer, mit bescheidenen Mitteln realisierter Endzeit-Film, der das Beste aus dem macht, was er hat, dem Thema angemessen trostlos und fatalistisch zu Werke geht. (5)

Die Braut des Teufels [The Devil Rides Out(1968)
Christopher Lee zur Abwechslung in der Rolle des Streiters für die Mächte des Lichts, der sich und seine Freunde vor einem sinisteren Hexenmeister (eindrücklich bedrohlich: Charles Gray) und dessen Zirkel bewahren muss. Ein modernerer Grusler aus Hammers Hand, des ungeachtet kaum weniger dem Okkulten und schwarzer Magie verpflichtet, das Studio-Habitué Terence Fisher gewohnt atmosphärisch, mit einigen adretten Special Effects effektvoll in Szene setzt. (7)
Planet des Schreckens [Galaxy of Terror(1981)
Roger Cormans "Alien"-Ripoff vereint zunächst einmal die ein oder andere Persönlichkeit vor und hinter der Kamera, etwa Robert Englund und Sid Haig bei den Darstellern, unterdessen sich niemand geringerer als James Cameron für das beeindruckende Production Design verantwortlich zeichnet. Abgesehen davon hat Bruce D. Clark einen zugegeben reißerischen Exploiter fabriziert, der andererseits durch seine psychologische Komponente und nicht zuletzt die darin begründet liegende finstere, abgründige Atmosphäre in seinen Bann zu ziehen und zu gefallen weiß. Mag sein, dass die Viren in meinem Körper mich das alles haben intensiver wahrnehmen lassen, doch für einen B-Sci-Fi-Psycho-Horror hat mir "Galaxy of Terror" ausgezeichnet gefallen. (B-Movie-Skala: 7)

Battles Without Honor and Humanity [仁義なき戦い Jingi naki tatakai] (1973)

Battles Without Honor and Humanity: Deadly Fight in Hiroshima [仁義なき戦い 広島死闘篇 Jingi Naki Tatakai: Hiroshima Shitō-hen(1973)
aka "Hiroshima Death Match". Die Perspektive verlässt vorerst die Szenerie des Vorgängers, widmet sich einem anderen, daneben existierenden Konflikt und neuen Figuren, erweitert dadurch das Spektrum nicht unerheblich, legt zudem den Grundstein für die ansteigend an Komplexität gewinnenden Ereignisse der folgenden Teile der Saga. Zugleich macht er Sugawara Buntas Hirono Shozo zum Nebendarsteller in seiner eigenen Filmreihe, an seiner statt wird Kitaoji Kinyas tragisches Los in den Mittelpunkt gerückt, dessen Aufstieg und Niedergang binnen der Yakuza-Ränge, sowie dessen hoffnungslose Liebe zu Kaji Meikos Uehara Yasuko ihn zu einem besonders beklagenswerten Subjekt und Opfer seiner Zunft machen. "Hiroshima Shitō-hen" gerät somit zum mitunter tragischsten, persönlichsten Beitrag innerhalb Fukasaku Kinjis "The Yakuza Papers". (8,5)

Violent Cop [その男、凶暴につき Sono otoko, kyôbô ni tsuki(1989)
Kitano Takeshis Regie-Debut. Ob und inwiefern das ein "echter" Kitano ist, darüber lässt sich mit Gewissheit streiten, schließlich übernahm Kitano den Regie-Posten bloß von Altmeister Fukasaku Kinji, änderte ferner das Drehbuch dahingehend ab, dass das Endergebnis nicht in der ursprünglich angedachten Komödie, sondern in einem waschechten Cop-Drama mündete, in welchem er einen "Dirty Harry"-artigen Cop spielt, der infolge seines Unvermögens, sich anderweitig auszudrücken, zu heftigen Gewaltausbrüchen neigt. Das verfügt unweigerlich über Kitano-typische Manierismen, ist wunderbar gegen den Strich gebürstet und zeugt schon hier vom seinem schlummernden Regie-Talent. So oder so bedeutete es den Beginn von Kitanos Karriere eines ernstzunehmenden Filmemachers. (7,5)
Battles Without Honor and Humanity: Proxy War [仁義なき戦い 代理戦争 Jingi naki tatakai: Dairi sensô(1973)
Wofür die beiden Vorgänger die Saat ausgestreuten, trägt nun allmählich Früchte: die mit jedem Teil mühseliger zu überblickende Fülle an Schauplätzen, Gruppierungen, Untergruppen, Akteuren und Betroffenen offenbart eine breit gefasste Palette an Yakuza-Querelen, die hier durch ihre eponymen Stellvertreterkriege zudem an den gefährlich schwelenden Konflikt zwischen den Supermächten USA und Russland im Kalten Krieg gemahnen, deren Konflikt gleicherweise mehr Kollateralschäden als Nutzen für beide Seiten zu verantworten hatte. Für Sugawara Buntas Hirono Shozo bedeutet "Dairi sensô" die Rückkehr in das Auge des Sturms, wo er sich zwischen allen Fronten wiederfindet, des Weiteren dank seines zumindest im unmittelbaren Vergleich scheinbar halbwegs lauteren Charakters zu einem der wenigen verbleibenden Orientierungspunkte in diesem unüberschaubaren Wirrwarr an Intrigen, Winkelzügen, wechselnden Loyalitäten und eiskalt durchgeführten Attentaten wird – ein Orientierungspunkt an dem man sich als Zuschauer inzwischen verzweifelt klammert. (8)

Karate Bullfighter [けんか空手 極真拳 Kenka karate kyokushinken (Champion of Death)] (1977)
In etwa für Masutatsu Ōyama, was "Ip Man" für Yip Man war, sprich: hauptsächlich Beweihräucherung und Legendenbildung ohne tiefergehende kritische Auseinandersetzung. Gut, das war von einer Verfilmung eines Mangas, der bereits ein Hohelied in Verkleidung unkomplizierter Unterhaltung anstimmte, nicht anders zu erwarten, zumal Masutatsu höchstselbst den Filmemachern beratend zur Seite stand, derweil sein Schüler Sonny Chiba in die filmisch-biografischen Fußstapfen des Lehrers trat. Löblich anzumerken sei, dass der Versuch unternommen wurde, keinen anspruchslosen Martial-Arts-No-Brainer vorzulegen, stattdessen neben den Kampfeinlagen der charakterlichen Entwicklung der Titelfigur gebührenden Respekt zu zollen. Ein hehres Anliegen, das hingegen rasch unter der kitschigen Oberflächlichkeit des Gezeigten verschwindet, keinen organischen Reifeprozess offenlegt, sondern einzelne Episoden von mal mehr, mal weniger großer Tragweite aneinanderreiht, dessen emotionale Höhepunkte untermalt von melodramatischen Gesangseinlagen vergleichsweise einfache Lösung für komplexe Probleme bieten. Machen wir uns nichts vor: Masutatsu in "Karate Bullfighter" bleibt ein Actionheld, dem ein wenig Drama spendiert wurde, der am Schluss dennoch schlag- und trittkräftig gegen die Bösen auszuteilen hat. Mehr nicht. (6)

Battles Without Honor and Humanity: Police Tactics [仁義なき戦い 頂上作戦 Jingi naki tatakai: Chôjô sakusen(1974)
Die Zwistigkeiten setzten sich fort und wie bei jedem Teil der "Yakuza Papers"-Saga verliert man zu Beginn erst mal gehörig den Überblick über das Geschehen, wer mit wem, wie, wann, warum und aus welchem eigentlichen Grund, bis sich wie üblich der Nebel zusehends lichtet und man neuerlich den Durchblick einigermaßen zurückgewinnt. Ergänzend zu den aus den Vorgängern bekannten Konflikten steigt in "Chôjô sakusen" im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio (1964) erschwerend der öffentliche Druck auf die Polizei, dem Treiben der Yakuza endlich einen Riegel vorzuschieben. Die verstärkten Maßnahmen der Einsatzkräfte zur Einschränkung der durch die Banden-Kriege verursachen Gewalttaten begrenzen anwachsend Aktionsmöglichkeiten und -Spielraum der einzelnen Klans und Akteure gehörig, vermögen demungeachtet deren Aktivitäten und kriminellen Machenschaften niemals endgültig zu beenden, drängen sie bestenfalls in den Schatten zurück, der sie geboren hat. Schlimmstenfalls eröffnen sie diesem oder jenem intriganten Schachzug sogar willkommene neue Optionen. Ein trauriges Wechselspiel. (8,5)

Battles Without Honor and Humanity: Final Episode [仁義なき戦い 完結篇 Jingi naki tatakai: Kanketsu-hen(1974)
Das große Finale von Fukasaku Kinjis "Yakuza Papers"-Epos schlägt spürbar nachdenkliche, sorgenschwere Töne an, legt ein entsprechendes Tempo vor, kommt in toto wie ein kummervoller Abgesang rüber. Die ältere Riege der Yakuza, die bisherigen Akteure, Protagonisten und Antagonisten, nehmen nach und nach ihren Hut, die einen gehen in den Ruhestand, die anderen finden wenig überraschend ein gewaltsames Ende. Eine jüngere Generation steht heißblütig in den Startlöchern und droht die Fehler ihrer Vorgänger gedankenlos zu wiederholen, unfähig zur Reflektion. Einige wenig versuchen die Klans zu einen und für eine neue Zukunft zu wappnen, die sich unter gänzlich anderen Vorzeichen am Horizont abzeichnet. Den tragenden Figuren wie Hirono Shozo scheint bewusst geworden zu sein, wie fruchtlos und nichts als zerstörerisch all die Quertreibereien und Gräueltaten letzten Endes gewesen sind, wie viele sinnlose Opfer sie gefordert haben, wie weit man sich vom ursprünglichen Ziel, ein zufriedenstellendes Leben zu führen, entfernt hat.
Ein guter Zeitpunkt, um abschließende Worte über die gesamte Reihe zu verlieren: in meinen Augen hat Fukasaku ein Meisterstück des japanischen Kriminalfilms im Allgemeinen, des Yakuza-Filmes im speziellen geschaffen, eine komplexe Saga, deren einzelne Filme man nicht für sich betrachten, sondern als Teil eines fünfteiligen Epos verstehen und sehen sollte und muss. "Battles Without Honor and Humanity" zeichnet ein eindrückliches und zutiefst bitteres Bild der Yakuza in Hiroshima über einen Zeitraum von einem Vierteljahrhundert, vermeidet durch Fukasakus jitsuroku eiga-Stil scheinheilige Heldenverehrung, ebenso wie Beschönigung der Taten der Yakuza und ihrer Mitglieder, legt viel mehr die Sinnlosigkeit der Gewalt, des Mordens und des Sterbens schmerzhaft offen. Nicht weniger als ein Meisterwerk, inhaltlich und stilistisch gleichermaßen. Die abschließende Bewertung bezieht sich deshalb auf die gesamte Reihe: (9)

Boiling Point [3-4X10月 3-4 x jûgatsu(1990)
Bereits Kitano Takeshis zweite Regie-Arbeit bezeugt seinen Hang zum grotesken, surrealistischen. In "Boiling Point" amalgamiert Kitano eine wilde Mischung aus Themen, die künftig den Großteil seines Œuvres konstituieren sollten: Sport, Alltäglichkeiten, Zuneigung, die keiner Worte bedarf, Yakuza, Soziopathen und plötzliche Akte der Gewalt, alles findet sich in einem wirren, teilweise auf absonderliche, schwer fassbare Weise urkomischen Strudel wieder, der so abstrus, so irreal daherkommt, das ich nicht umhinkonnte, mich unversehens in ihm zu verfangen. (8)
















30 - 6,5 (194,5)

Montag, November 12, 2018

Kurzreviews Oktober/2018

Weil ich wieder mal vom Studium her voll ausgleastet war, bin ich mit der Reviewliste für die erste Oktoberhälfte nicht rechtzeitig fertig geworden. Daher präsentiere ich hiermit verspätet die 24 Filme und 3 Serienstaffeln (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Oktober gesehen habe:


Serien-Staffeln
Narcos (Season 1) (2015) (7)
Fingersmith (2005) - (7-7,5+)
Spuk in Hill House [The Haunting of Hill House(Season 1) (2018) - (7,5-8,5+, das Ende: 5)

Filme
Hardcore [Hardcore Henry(2015)
Die wahrscheinlich akkurateste Wiedergabe eines Videospiels in Filmform. Das Gimmick der Egoperspektive ist beileibe kein Novum, was Ilya Niashuller Herangehensweise hervorstechen lässt, ist, wie stringent und flüssig er es zum Einsatz bringt. Sofern man sich darauf einlassen möchte, evoziert Niashuller, der bereits für Musikvideos Gebrauch von dem Stilmittel machte, ein atemberaubendes Immersions-Gefühl, legt ein Höllentempo in den Actionszenen hin, das einen regelrecht schwindeln und nach Luft schnappen lässt. Überraschenderweise geht diese immersive Rasanz nie auf Kosten der Übersichtlichkeit, das Geschehen bleibt nachvollziehbar, verschafft dem Zuschauer dennoch einen dröhnenden Adrenalin-Kick nach dem nächsten. Mehr noch: trotz des Affentempos und dem Fokus auf halsbrecherische Stunts, knallige Schießereien, schmerzhafte Prügeleien und brachiale Verfolgungsjagden, schafft es Niashuller, seine straighte Geschichte nie aus den Augen zu verlieren, seine Charaktere nie im Stich zu lassen, garniert darüber hinaus diese wahnwitzige Tour de Force mit genügend trockenem Humor, um die Chose nie albern ernsthaft ausarten zu lassen. Ich bin begeistert! (7,5)

Die Insel der Ungeheuer [The Food of the Gods(1976)
Ätzend öder B-Monsterfilm, übersät mit schlecht reinkopierten Riesentierchen und unsympathischen Arschgeigen von Charakteren, die in jeder Situation unfassbar dümmlich und realitätsfern agieren. Hinzu kommt, dass die armen Ratten offenkundig mit echten Farbpatronen beschossen wurden und das finde ich absolut unverzeihlich - dass der Film hundsmiserabel ist, setzt dem bloß noch die Krone auf. (2)

Wir sind keine Engel [We're No Angels(1955)
Kurios: Fundstück aus einem dieser öffentlichen Bücher-Regale, wo eine fleißige Leserschaft ihre ausgelesenen Schmöker (und manchmal DVDs... ab und an sogar VHS-Kassetten) abladen, an denen man sich hernach fröhlich bedienen darf. Dass die Kombination Michael Curtiz, Humphrey Bogart, Peter Ustinov, Basil Rathbone, Leo G. Carroll et al. mich erfolgreich ködern musste, ist selbsterklärend. Tatsächlich ist "We're No Angels" ein kleine Perle, ein warmherziger Weihnachtsfilm allererster Güte vor der ungewöhnlichen Kulisse Französisch-Guayanas, mit einem nicht minder ungewöhnlichen "Engels"-Trio (bzw. qua der Schlange Adolf (!) Quartett): alle drei sind entflohene Sträflinge, die wegen Mordes und Betrugs im Gefängnis saßen und deren ursprüngliche Absichten demgemäß vorsahen, ihre Schützlinge auszurauben und abzumurksen - bis deren gütiges, rührseliges, über allen Maßen liebenswertes Wesen sie zutiefst rührt, folglich einen Sinneswandel durchleben lässt, auf Grund dessen sie kurzerhand beschließen, ihren "Opfern" unter die Arme zu greifen, schließlich sowohl in Liebesangelegenheiten, als auch gegen den niederträchtigen, gefühlskalten Vetter beizustehen. Ohne Frage kann die Geschichte einerseits eine unvermeidlichen, der Zeit geschuldeten Schein von Biederkeit nicht abschütteln, unterläuft diesen Eindruck andererseits fidel mittels der hingebungsvoll spitzbübischen Darstellung Bogarts, Ustinovs und Aldo Rays, ein willkommen schwarzhumoriger, ironischer und scharfzüngiger Gegenentwurf zur makellosen Unschuld. In jedem Fall gleichermaßen ein zu Herzen gehender, wie unterhaltsamer, durchweg unterschätzter Weihnachtsfilm. (7,5)

Immortal [Immortel (ad vitam)(2004)
Wenn es einem Comicautor vergönnt ist, sein eigenes Werk zu verfilmen... kommt er offenkundig nicht umhin, sich einer helfenden Hand zu bedienen (nicht wahr, Mr. Miller?), sollen die kreativen Energien in den richtigen Bahnen verlaufen, funktionell auf das andere Medium übertragen werden. Case and point: Enki Bilal, dem sich die Chance bot, den ersten Teil seiner Nikopol-Trilogie für die große Leinwand zu adaptieren. Um sein kapriziöses, an faszinierenden, anregenden Attraktion, Themen und Motiven nicht armes Sci-Fi-Fantasy-Cyberpunk-Noir-Amalgam überhaupt realisieren zu können, ohne alle Budgetgrenzen zu sprengen (zumindest im Rahmen dessen, was sich hinsichtlich der absehbaren Publikumsakzeptanz gerechnet hätte), fundierte er das gesamte Werk beinahe vollständig auf der Tricktechnik. Ein Minimum an Darstellern bildet den Kern, der Rest, Umgebung wie Akteure, stammt zur Gänze aus dem Rechner, was, das Problem der sichtlich veralteten Tricktechnik außer Acht gelassen, immerhin einer verlockenden, reizvollen Welt Raum zur Entfaltung gibt. Demgemäß verorten sich die Schwächen weniger an der Optik, stärker jedoch am Drehbuch, dass insbesondere nach Hinten raus zusehends verflacht, überstürzt die verschiedenen Handlungsstränge krampfhaft zu einem Ende bringen zu müssen meint, was unzählige Frage offenlässt, manche Teilgeschichten nie auflöst, sogar komplett verschwinden und rückblickend für den Verlauf der Geschehnisse reichlich irrelevant erscheinen lässt. Zufriedenstellen kann Bilal mit diesem Gewirr schlussendlich nicht. (6)

John Wick (2014)

Far Cry (2008)
Uwe Boll kann's noch schlechter, was seine Version von Cryteks wegweisendem Shooter fraglos nicht vorteilhafter dastehen lässt. Inspirationslose Actionszenen aneinanderzureihen musste jedenfalls unweigerlich schiefgehen, da der Mann sie nach wie vor nicht umsetzen kann... zumal er mit Til Schweiger in der Hauptrolle geschlagen ist. Bonus für Udo Kier. (3,5)

1968 Tunnel Rats [Tunnel Rats(2008)
Uwe Boll kann's auch besser! Sein Versuch eines Vietnamfilms kann sich durchaus sehen lassen, nimmt sich mit den Vietcong-Tunneln eines relativ unverbrauchten Szenarios an, dass er obendrein klaustrophobisch und bedrückend einzusetzen weiß. Woran "Tunnel Rats" letztlich ebenfalls scheitert, ist die polemische Stammtisch-Art Bolls, die egomanische Selbstüberschätzung, die Menschen, die Politik und die Welt unzweifelhaft entlarvt, folglich das Recht zur überambitionierten Kritik für sich gepachtet zu haben, die einer ausdruckstärkeren Inszenierung, welche in besonders gelungen Momenten demungeachtet immer mal wieder durchblitzt, obstruierend im Wege steht. (6,5)

Sicario (2015)
Bittere Bilanz des Kriegs gegen die Drogen, denn daran lässt Denis Villeneuve zum Schluss keine Zweifel: es ist ein Krieg, der um seiner selbst willen geführt wird, von Politikern und Bürohengsten durchkalkuliert, von kaltschnäuzigen Zynikern und erbarmungslosen, lebensverneinenden Soldaten umgesetzt, gesäumt von furchtbaren, katastrophalen Kollateralschäden an Mensch und Besitz links und rechts und allerorts, sich endlos im Kreis drehend, ohne Ziel, ohne bemerkbare Fortschritte oder Ergebnisse, einzig erfüllt von Tod und Verwüstung. Diese bittere Pille schlucken wir gemeinsam mit Emily Blunts Charakter, aus deren Perspektive wird den Großteil der Ereignisse miterleben und wie sie tappen wir die meiste Zeit im Dunkeln, bekommen einen Eindruck des Gesamtbildes, falls sich ein solches überhaupt zusammenstellen lässt, höchstens Häppchenweise gefüttert und an nicht einem Gramm lässt Villeneuve Positives haften. Am Schluss steht Fassungslosigkeit, gefolgt von Ernüchterung, zum Schluss die schmerzvolle Erkenntnis: das ist das Land der Wölfe. (8)

Boomerang (1992)
Ein merkwürdiges Zwitterwesen, ein äußerst schwach austarierter Mischmasch aus Liebesfilm und Komödie, ärgerlich sexistisch, speziell in Momenten, in denen Versöhnung oder Miteinander auf Augenhöhe zwischen den Geschlechtern vorgetäuscht werden soll, nur um letztlich doch den Herren der Schöpfung Recht zu geben. Zumal er auffällig ziel- und planlos, obendrein inhomogen vonstattengeht, Dinge aufgreift, sie wieder fallen lässt, zwischen Komödie und Schnulze munter hin und her pendelt, selbst in Momenten, in denen das jeweils andere gemeint gewesen sein könnte. Das macht ihn obendrein sehr tranig und lässt den Zuschauer des Öfteren ratlos zurück. (4)

Der Superbulle schlägt wieder zu [Squadra antitruffa(1977)
Tomas Milian zum dritten Mal in der langlebigen Rolle des raubauzigsten Ermittlers, den Rom aufzubieten weiß, betont plebejisch, zauselig, proletenhaft, nichtsdestoweniger der Star seiner Abteilung, gerade aufgrund seiner volksnähe der beste Mann für den Job und sein Ressort. In Kombination mit der schnodderigen Synchro, hier passender denn je eingesetzt, ein ulkiger Krimi, voll und ganz durch seinen Hauptdarsteller belebt, angefochten höchstens von Special Guest Star David Hemmings. (6,5)

Rogue One: A Star Wars Story [Rogue One(2016)
Der Anfang: eine dreiste Kopie von "Inglourious Basterds", Ben Mendelsohn tritt als magerer Hans Landa-Abklatsch auf, liefert einen idiotensicheren, wenigstens brauchbaren Impetus für Felicity Jones Jyn Erso. Aber Gareth Edwards ist nicht Quentin Tarantino, überhaupt wissen wir spätestens seit "Godzilla", dass Edwards kein sonderlich überragender Regisseur ist, zumindest nicht, was eine groß angelegte, spektakuläre Inszenierungen angeht, die in diesem Falle trotz allem bitter, bitter nötig gewesen wäre und an der er abermals fatal vorbeibrettert: wie bei "Godzilla" hat er das überwältigende, bewegende Spektakel zu keiner Sekunde im Griff oder eine Ahnung davon, wie man es zufriedenstellend, imposant präsentieren könnte. Dadurch fehlt es an fulminanten Attraktionen, ebenso an emotionaler Sogkraft. Vielleicht ist es ungerecht, das alles Edwards anzulasten, schließlich möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie es sich ausmacht, für Kathleen Kennedy & Co. zu arbeiten. Andererseits gibt "Godzilla" genügend Auskunft über Edwards fehlendes Gespür für mitreißende, ergreifende Kinomomente.
Hinzu kommt, dass keiner der Helden-wider-Willen diese Mängel auch nur im Geringsten auszugleichen wüsste, keiner kommt über die platteste Charakterskizzierung eines einseitigen DIN A4-Entwurfs hinaus, jedem einzelnen Mitglied dieser Bande von Misfits fehlen grundlegende Charakteristika, zwischenmenschliche Dynamik oder berichtenswertes, was sie als Menschen oder Figuren ergiebig machen, als Gruppe, Freunde oder eben launige Söldnerbande, die aus reiner Not zusammenhalten müssen, auszeichnen würde. Niemals stellt sich ein zwingendes Zusammengehörigkeitsgefühl ein, niemals fesseln sie als Charaktere, dass man mit ihrem Schicksal mitfiebern könnte. Sie sind reines pseudocooles, schrecklich gewolltes Charakterdesign, wie wählbare Klassen aus einem Videospiel. Im schlimmsten Fall hält unsere Heldin, eine weitere pseudo-starke Frauenfigur auf Anbiederungskurs bei PClern inklusive White Knights, insipide, pathetische Reden, um mal eben die Rebellen mir nichts dir nichts zum couragierten Aufbegehren zu überreden. Wenn sich dann vor der großen End-Schlacht die gesamte Meute plus unzähliger gesichtsloser Red Shirts versammelt, ganz nach dem Motto "Niemand hilft mir! - Na, dann dreh Dich mal um, da sind sie doch alle, obwohl sie gegen alle Befehle verstoßen", verpufft das schlichtweg im Nirgendwo. Das wärmende Gemeinschaftsgefühl stellt sich niemals ein.
Nostalgiker und Fans werden pflichtschuldig mit In-Jokes, bekannten, liebgewonnen, memefähigen Figuren aus der Original-Trilogie, sowie dem allgemeinen Flair der nicht erzählten Zwischenepisode geködert und bis zum Erbrechen gefüttert. Wohlfeilster, durchschaubarster Fan-Service, auf den die Mehrzahl der Fans nichtsdestotrotz schonungslos reinzufallen scheint. Kein Wunder: auf der Suche nach dem einen, erlösenden Sequel (das nach wie vor brennend auf sich warten lässt) wirkt "Rogue One" exakt wie Episode VII von vorne bis hinten wie gefällige, anbiedernde, schöntuende Fanficition - doch zu keiner Sekunde mehr als das. Positiv zu vermerken: das Production Design mag Spaß an der Sache gehabt haben und ich freue mich über Donnie Yen. Ansonsten weiß ich nicht, ob ich mich ärgern oder resignierend mit den Schultern zucken soll. (4,5)
Die Strickmütze [Squadra antiscippo (The Cop in Blue Jeans)] (1976)
aka "Der Superbulle mit der Strickmütze" aka "Die Bullen auf den heißen Feuerstühlen" (Gott segne wer auch immer in den 70ern Film-Titel übersetzt hat...). Tomas Milians erster Auftritt in der Rolle des Nico Giraldi (oder Tony Marroni, die Kastanie, wie ihn die Eindeutschung nennt...). Tendenziell klamaukig fällt bereits der Erstling aus, wobei ich den Krimiteil noch als dominanteren Aspekt wahrgenommen habe. Milians Gebaren bzw. seine äußere Erscheinung sind zwar die eines Mannes, der seine Verbindung zur Straße genüsslich provozierend zur Schau trägt, andererseits war seine Darstellung steigerungsfähig - so zottelig wie in "Squadra antitruffa" (s.o.) tritt er hier noch nicht auf. (7)

Superbulle gegen Amerika [Squadra antigangsters (The Gang That Sold America)] (1979)
Der hingegen ist purer Klamauk. Der Schauplatzwechsel und der lustige Sidekick stoßen den sechsten Beitrag der Reihe in Richtung einer albernen Parodie, insbesondere im ersten Viertel ist er ausgeprägt dialoglastig, wirkt dadurch ein wenig zäh. Hernach lockert er das Geschehen durch einige Kloppereien und Verfolgungsjagden wieder etwas auf, die schnoddrige Synchro tut ihr übriges. (6)

Running Man [The Running Man(1987)
Der gute Ahnold. Klar: der sozialkritische Aspekt ist allerhöchstens kosmetischer Natur, kaum mehr als Koketterie. Paul Michael Glasers Darbietung lebt hingegen vollends von den ein Maximum an 80er-Jahre-Glamour atmenden Show-Sequenzen und den visuell höchst reizvollen Actionszenen, wozu die kapriziösen, schillernden Gladiatorenjäger ihren nicht zu vernachlässigenden Beitrag leisten. Herrlichster 80er-Schwarzenegger-Camp. (B-Movie-Skala: 7)

Resident Evil (2002)
Auftakt zum "Resident Evil"-Marathon (erster Teil). Oft genug erwähnt: kann ich, aus mir unerklärlichen Gründen, rauf und runter gucken, ohne, dass er mir langweilig wird. Vermutlich Paul W.S. Andersons Schuld, auf seine unnachahmliche Art und Weise. Ich fühle mich von der Videospielverfilmung (das dazugehörige Spiel habe ich seinerzeit bestenfalls angespielt) seit jeher gut unterhalten und will gar nicht so tun, als ob mich die streckenweise Dummheit des Gesehenen abschrecken würde. Guilty pleasure. (7)
 
Horror Aliens - Eaten by Aliens [Alien Incursion(2006)

Premutos - Der gefallene Engel (1997)
Walter rulez! (Trash-Skala: 7,5)

Resident Evil: Apocalypse (2004)

Resident Evil: Extinction (2007)
Russell Mulcahy bringt frischen Wind in die Reihe, zitiert fleißig aus bewährten Klassikern (u.a. "Mad Max" und "Day of the Dead"), liefert einen temporeichen Beitrag ab, der ordentlich zur Sache geht. Was will man mehr. (7)

Resident Evil: Afterlife (2010)
Bei dem bin ich zwiegespalten. Einerseits garantiert Paul W.S. Andersons Rückkehr auf den Regie-Stuhl stilsichere Action, andererseits fühlte ich mich seltsam unterwältigt, sogar eine Spur gelangweilt vom Gezeigten. Ich kann nicht in Worte fassen, woran das lag. Vielleicht nach einer Zweitsichtung. (6)

Resident Evil: Retribution (2012)

Resident Evil: The Final Chapter (2016)
Es hätte so schön enden können. Beim Versuch, die unsinnige Story bzw. die einzelnen Storyfäden der "Saga" zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen, verpasst Paul W.S. Anderson den immens hoch angelegten Unterhaltungsfaktor der Vorgänger, die immer am besten damit gefahren sind, sich auf die aberwitzigen Actionszenen zu konzentrieren und diese abzufeiern. Ärgerlicherweise sabotiert Anderson (oder Cutter Doobie White, je nachdem) eben diesen Aspekt durch einen unsäglichen Stakkato-Schnitt, der besagte Action grausamst zerschneidet, jedwede Übersichtlichkeit oder optischen Genuss gnadenlos untergräbt, indem er 50+ Schnitte in zwei Sekunden packt, was es unmöglich macht nachzuvollziehen, wem gerade was wiederfahren ist (im Endkampf wird eine Kombattantin regelrecht zu Boden geschnitten) oder die stylishe Choreografie zu genießen. Schade drum, Ideen hatte selbst dieser Teil. (5)

Halloween (2018)
Michael Myers Rückkehr auf die Leinwand fühlt sich altmodisch an. Damit meine ich, dass er wie ein müde runtergekurbeltes Teenie-Slasher-Sequel im Stile der End-90er-, Anfang-2000er-Jahre anmutet, zwar angereichert um vielfältige Nostalgie-Koketterie und mit einer tollen Jamie Lee Curtis, abgesehen davon wenig ergiebig, null gruselig oder gar abgründig, dafür voller tumber Figuren. David Gordon Green hinterlässt in der Funktion eines Horror-Regisseur keinen guten Eindruck, erzeugt wenig bis keine Spannung, seltene Geistesblitze ausgeschlossen. (5)

Summer of 84 (2018)
Reitet fleißig die 80er-Nostalgie-Welle im Fahrwasser von "Stranger Things". Weil er sich seinen Protagonisten ausgiebiger widmet als der Jagd auf den Serienkiller, fernerhin nicht auf 400 Minuten gestreckt und durch ein Episoden-Format in Kleckerteile zerfasert wird, reißt er merklich mehr mit als der überhypte große Bruder, zumal die Hauptdarsteller durch die Bank einen ausgezeichneten Job machen. Man muss sich allerdings mit der langsamen Erzählweise arrangieren können. Das bitterböse, düstere Ende bietet obendrauf eine bedrückende Alternative zum ansonsten wohligen Nostalgiegefühl, auf dass sich wesensverwandte Produktion allzu gerne verlegen. (6,5)

Star Wars: Die letzten Jedi [Star Wars: Episode VIII - The Last Jedi(2017)
Ich gebe zu: "The Force Awakens" im Hinterkopf bin ich gänzlich ohne Erwartungen an den Nachfolger rangegangen und habe mich gar nicht erst um oberflächliche Mängel geschert, habe versucht, ihn anhand der Charakterentwicklung und der emotionale Resonanz zu messen. Insofern waren mir die unzähligen klaffenden Logiklöcher, der überflüssige zweite dritte Akt, die fragwürdigen Designentscheidungen und die schlichtweg beleidigende, grobschlächtig demontierende Behandlung, die der "Star Wars"-Mythos und seine beliebtesten, inspirierenden Charaktere unter Vortäuschung von Innovation über sich ergehen lassen mussten, zunächst egal. Fakt ist, dass wir es abermals mit dilettantischer "Star Wars"-Fanfiction zu tun haben, diesmal "The Empire Strikes Back" und einen Hauch "Return Of The Jedi" betreffend. Denn Rian Johnson kopiert detto einfallslos die narrative Struktur des legendären "Star Wars"-Sequels, ohne auch nur ansatzweise einen vergleichbaren emotionalen Unterbau zu Verfügung zu haben oder zu erschaffen. Wenn er etwas Neues hinzufügt, sabotiert er sein eigenes Werk, den bereits schwachen Vorgängerfilm (den ich, im Nachhinein betrachtet, in vielerlei Hinsicht viel zu sanft angepackt habe), im schlimmsten Fall sogar die Originalfilme.  An allem scheitert Johnson phänomenal, die Charaktere bleiben schwach und profillos, dafür hat Jar Jar Abrams im Vorfeld genügend gesorgt, Rey ist und bleibt eine langweilige, lachhaft übermächtige Mary Sue, Finn ist egal, hat im Grunde gar keine Funktion in der Geschichte. Einzig Dameron Poe und der ihm zukommenden Rolle in der Filmhandlung kann man sowas wie Interesse entgegenbringen, selbst Kylo Ren halte ich nach wie vor für die geringste Schwäche der Sequels. Was Johnson und Kennedy indes mit Luke Skywalker anstellen, spottet jeder Beschreibung. Es ist wahrhaft schwer anzusehen und zu ertragen, schlichtweg bösartig, wie sie Luke ein Schlag nach dem anderen in die Fresse verpassen, die einstmalige strahlende, inspirierende Heldenfigur eiskalt mit dem Vorschlaghammer einreißen und auf die Trümmer spucken und pissen, als ob sie Mark Hamill eins auswischen, ihn für seine Leistung, seinen Einfluss, seine Rolle in der Popkultur beneiden und ihn gründlichst zu Grunde richten wollten. Das schmerzt unfassbar, das tut in der Seele weh.
Wie kaum ein anderer Film hat "The Last Jedi" die Fanbase gespalten. Während es unter den Hatern genügend gibt, die sich ausführlich mit den Schmähungen, Affronts und Erniedrigungen, die sich Johnson und Kennedy rausgenommen haben, auseinandersetzen, finde ich solche Fans, die Episode VIII verzweifelt verteidigen, wesentlich beachtenswerter, zugleich ernüchternd und wunderschön in ihrem Streben, dieser Abrissbirne, dieser unkontrollierten Gebäudesprengung von einem Film etwas sinnvolles, gelungenes abzuringen, in der Hoffnung, ein würdiges Sequel zu bekommen, Erklärungen und Deutungen zu forcieren, allem etwas positives abzugewinnen - was der Film selbst einfach nicht hergibt, jedoch für die Leidenschaft und Inspiration spricht, die George Lucas, entgegen aller Schelte, ehedem bei ihnen zu entfachen vermochte. Vieles davon klingt tausendfach interessanter, aufregender, innovativer als es diese Gurke von Film zu träumen wagen würde. Deswegen bitte ich euch, liebe Fans: macht so weiter! Haltet an dieser Kreativität, dieser Inspiration fest! Gebt sie an eine neue Generation weiter, in der Hoffnung, dass aus ihr vielleicht die Generation Filmemacher erwächst, die in einer weit, weit entfernten Zukunft das Sequel kreiert, das "Star Wars" und seine Fans verdient haben. Inspiriert von dieser Leidenschaft, von dieser Vorstellungskraft und Hingabe, die euch einst angezogen hat. Nur eins tut bitte nicht: missversteht eure eigene, in euch wohnende, auf diesen Schund projizierte Zuneigung und Schöpfungskraft nicht als Merkmale eines gelungenen Films. Denn das ist "The Last Jedi" zu keiner Sekunde. (3,5)


































24 - 6,0 (143,5)

Freitag, Juli 20, 2018

Cage n' Demons

Ein neuer Film mit Nicolas Cage kann alles bedeuten, ist dessen ungeachtet meistens auf die ein oder andere Art ein Grund zur Freude. Der Trailer zu Panos Cosmatos ("Beyond the Black Rainbow"), dem Sohn des berüchtigten Canon-Regisseurs George P. Cosmatos ("Rambo: First Blood Part II", "Cobra", "Tombstone"), "Mandy" verspricht hingegen ein ganz besonderes Schmankerl zu werden. Denn hier spielt Hamsterbacke Red Miller, dessen heimelige Familienidylle anno 1983 jähstens von einer Bande wildgewordener Kultisten und Dämonen gestört wird, die bloß Verheerung zurücklassen - folglich nimmt der gebrochene, einzig und allein vom Gedanken an Rache erfüllte Red mit seiner speziell für diesen Zweck geschmiedeten Axt die Verfolgung der satanischen Meute auf. Wenn das nicht super klingt, weiß ich auch nicht... und der Trailer macht ziemlich Appetit auf mehr! Ich meine, wem "Cage gives the performance of a life time" noch nicht reicht, der kriegt Cage vs. Kultisten und Dämonen inklusive Äxte und Kettensägen... dazu kann ich nur sagen:

Abgesehen von Cage geben sich Andrea Riseborough ("Birdman", "Oblivion", "The Death of Stalin") als dessen Frau, sowie Linus Roache ("Law & Order", "RFK", "Vikings"), Bill Duke ("Commando", "Predator", "Menace II Society"), Richard Brake ("Batman Begins", "Doom", "31"), Ned Dennehy ("Tyrannosaur", "Blitz", "Harry Potter and the Deathly Hallows – Part 1") und Olwen Fouere ("The Survivalist", "This Must Be the Place", "The Other Side of Sleep") die Ehre. Das Drehbuch stammt von Cosmatos und Aaron Stewart-Ahn, an der Kamera sitzt Benjamin Loeb ("King Cobra", "Hello Destroyer"). Außerdem ist es einer der letzten Filme, für den Jóhann Jóhannsson ("Sicario", "Arrival", "The Theory of Everything") vor seinem frühzeitigen Tod am 9. Februar 2018 (R.I.P) die Musik beigesteuert hat. Der Film sieht jedenfalls nach einem Erlebnis eines Höllentrips aus!