Tim Curry... still the best! In diesem Sinne:
Mittwoch, Oktober 31, 2018
Mittwoch, Oktober 03, 2018
Kurzreviews August/II/September/2018
Weil ich im Urlaub war, mich danach intensiv auf eine Prüfung vorzubereiten hatte, habe ich die Reviewliste bewusst auf Anfang Oktober verschoben. Und wie man sieht, bin ich in den letzten anderthalb Monaten in den Genuss nicht allzu vieler Filme gekommen. Darum präsentiere ich hiermit wiederum die kargen 15 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat August seit der letzten Liste und im Monat September gesehen habe:
Serien-Staffeln
The IT Crowd (Series 1-4) (2006-2008, 2010) - (9-10)
Star Trek: Deep Space Nine (Season 4) (1995-1996) - (10)
Filme
Der Unglaubliche Hulk [The Incredible Hulk] (2008)
Bevor das MCU Fahrt aufgenommen, praktisch das Kino für sich erobert hatte, scheiterte Louis Leterrier an dem bislang einzigen Solo-Auftritt des grünen Wutriesen. Dabei gefiel mir der Auftakt in den brasilianischen Favelas sogar, Leterrier brachte dergestalt die Verlorenheit des ins selbstauferlegte Exil getriebenen Bruce Banner optisch reizvoll zum Ausdruck. Sobald es zurück in die good old USA ging, lässt die Geschichte dahingegen rapide nach, verkommt zur schwachbrüstigen, halbherzigen, spannungslosen Verfolgungsjagd, die aus einem gänzlich anderen Drehbuchentwurf zu stammen scheint, darüber seine Charaktere größtenteils im Stich lässt. Zumal mir persönlich Edward Norton in der Titelrolle gar nicht zugesagt hat, die zugegeben schwierige Gradwanderung zwischen unsicherem Außenseiter und genialem Wissenschaftler vermochte ich dem Egomanen Norton leider zu keiner Sekunde abkaufen. Vom nachlässig getricksten CGI-Prügel-Finale sprechen wir gar nicht erst. (5)
Mein Nachbar Totoro [となりのトトロ Tonari no Totoro (My Neighbor Totoro)] (1988)
Der Film, der zum Emblem des Studio Ghiblis wurde, vermutlich die Inspiration für eine Vielzahl von Animes, die das Übernatürliche sinnstiftend mit dem Alltäglichen verbinden - obwohl der eponyme Totoro, wie die fantastischen Elemente insgesamt äußerst behutsam und wohl bemessen eingesetzt werden, niemals den Fokus auf die beiden kindlichen Protagonistinnen verstellen, im Gegenteil ihre Freuden und Ängste stets zur rechten Zeit manifestieren und akzentuieren. Miyazaki Hayao gibt demgemäß eine liebevolle Impression des Innenlebens seiner Figuren und ihrer Befindlichkeiten im Kontext ihrer Umgebung, sowie der unterschiedlichen Belastungen, die es für sie zu verkraften gilt, was sich in Folge der stellenweise an den Tag gelegten Einfachheit des Gezeigten erst recht wunderbar zum Mitfühlen eignet. Sowieso ist "Totoro" ein Film zum Fühlen, weniger zum unterkühlten Durchanalysieren, lässt sich höchstens unzulänglich in Worten wiedergeben oder beschreiben. Man muss, man sollte ihn erleben! Und wird, wie so oft bei Studio Ghibli, mit purer, reiner Schönheit belohnt. (9,5)
Über dem Jenseits [...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (The Beyond)] (1973)
aka "Die Geisterstadt der Zombies". Lucio Fulcis herrlich delirierender Geisterhorror (Zombies spielen keine sonderlich herausragende Rolle), in der er eine wunderbare Fusion von diesseitiger Realität und jenseitiger Alptraumwelt vorlegt, die peu à peu jedwede zuverlässige Erzählweise auflöst, um mehr und mehr in eine Welt "über dem Jenseits" einzutauchen. Dass das kaum mehr einer nachvollziehbaren Logik zu folgen scheint, die Grenze des rational fassbaren weit, weit hinter sich lässt, macht das Ganze umso eindrucksvoller. (8)
Nachtschicht [Graveyard Shift] (1990)
Nicht der Höhepunkt in der langen, langen Reihe der Stephen King-Verfilmung, trotzdem mag ich Ralph S. Singletons Adaption ganz gern, was zuvörderst an dem stimmungsvollen Setting liegen muss: die ein wenig schäbige Fabrik, herrlich dreckig, runtergekommen, alles andere als auf Hochglanz poliert, verleiht der Geschichte, die sich nicht zuletzt dem Kampf des Arbeiters gegen den ausbeuterischen Unternehmer widmet, einen idealen räumlichen Kontext. Nicht zu vergessen: das schnieke getrickste Fledermausmonster. (6)
Brainscan (1994)
Gemeinhin als kleiner Geheimtipp gehandelt und sollte mittels des Tricksters mutmaßlich eine Art Cyber-Freddy Krueger aus der Taufe heben. Dafür hat es nicht gereicht und er geistert seitdem eher unscheinbar in den Hinterköpfen einiger Sammler kapriziöser Genre-Obskuritäten herum. Dabei ist John Flynns Thriller ein eigenwilliges Kleinod, das keck mit dem Aspekt der virtuellen Realität spielt, ohne sonderlich nachhaltige Höhepunkte zu erreichen. Die opportune Verquickung von Fantastik und Teenie-Nöten, das Gimmick der VR als Katalysator und natürlich T. Ryder Smith in der Rolle des flamboyanten Trickster bleiben nichtsdestominder im Gedächtnis. (6,5)
Avengers: Infinity War (2018)
Die große Zusammenkunft des MCUs, der größte aller großen Bösewichte namens Thanos, die Frage, ob sich das Warten, das halbgare Erzählen, die unaufhörlich wachsende Überzahl an Heroen gelohnt haben. Ist "Infinity War" all das Anteasern, all die mit Hinblick auf diese Konfrontation konzipierten Einzel-, Duo- und Gruppenauftritte wert gewesen?
Naja. Es mag Comic-Nerds einen Orgasmus nach dem nächsten bescheren, all die Helden endlich auf der großen Leinwand vereint gegen einen ihrer legendärsten und dem Vernehmen nach mächtigsten Widersacher aus den Heftchen antreten zu sehen. Und ich gebe es geradeheraus zu: Josh Brolins Thanos hinterlässt gar keinen üblen, eindimensionalen Eindruck wie manch anderer MCU-Antagonist, rüttelt nicht unerheblich am weitschweifigen Heldenstammbaum, reiht sich zumindest in die oberen Ränge der ganzen ERJBs ein. In der Tat würde ich nicht zuletzt wegen ihm "Infinity War" im Großen und Ganzen zu den besseren Marvelfilme zählen. Klar: er ist überwuchert von CGI-Actionszenen, so richtig will sich die epische Bedrohung nicht manifestieren und er ist ein buntes Kuddelmuddel wie all die anderen vor ihm (witzigerweise kam mir irgendwann der Gedanke, dass der Film enorm davon hätte profitieren können, konsequent und zur Gänze Thanos Perspektive einzunehmen).
Auf der Habenseite balancieren Anthony und Joe Russo die zahlreichen Action-Set Pieces und die wenigen zentralen Charaktermomente nicht ungeschickt aus, behalten bei der immer schwieriger zu überschauenden Menge an Figuren überraschend das Maß bei, die Mehrzahl von ihnen zufriedenstellend in der Geschichte zu integrieren, obschon viele Superhelden nicht über den Status von Cameo-Auftritten oder Stichwortgebern hinauskommen - was in der Natur der Sache liegt. Groß differenzieren tut sich "Infinity War" von dem üblichen Marvel-Einerlei letztlich nicht, es bleiben dasselbe Konzept, dieselben Probleme und dass Kevin Feige & Co. besonderen Nutzen daraus gezogen hätten, zuvor zigtausend Superheldenfilme zu produzieren, zeigt sich ebenso wenig, davon abgesehen, dass sie für 90 % ihrer Dramatis Personae nicht so zu tun brauchen, als ob sie eine Persönlichkeit hätten. Trotz alledem fühlte ich mich von "Infinity War" adäquat unterhalten, flotter Fantasy-Actionfilm mit überzeugenden Bösewicht, der er ist. (7)
Mission: Impossible - Fallout (2018)
Tom Cruise kann es immer noch, den superunterhaltsamen Starvehikel-Actionfilm auf die Beine stellen und schultern, ohne zu viele Kompromisse eingehen zu müssen. "Fallout" steht in der handwerklich bemerkenswert konsequent guten Tradition der Vorgänger, liefert astreine Hochglanz-Action und -Thrill, arrangiert rund um den letzten großen Hollywood-Star. Ich würde ihn zwar nicht zu dem absoluten Action-Thriller-Meisterwerk erheben, wie sich das die zeitgenössische Kritik oftmals getraut hat, zum herausragenden Vertreter seiner Zunft hingegen ganz ohne Frage, dessen klar und griffig konzipierten Actionsequenzen abermals fantastischen anzuschauen sind. Die Geschichte hat mir kraft seiner vorrangig in der ersten Hälfte zu Tage tretenden Neigung zum Spionagethriller sogar ganz ausgezeichnet gefallen, das Taktieren gegen den unbekannten Maulwurf gehört zweifelsohne zu den Highlights des Films. Christopher McQuarrie inszeniert darüber hinaus rasant und schafft es, selbst vorhersehbare Twists genussvoll und befriedigend aufzulösen. Bisweilen stilisiert er Ethan Hunt bzw. Cruise ein wenig zu sehr zum modernen altruistischen Weltretter-Messias unter den einsamen Agenten, aber das finde ich verzeihlich, schließlich gibt es diesen Typus des überlebensgroßen, megalomanischen Stars kaum noch, also kann man das ruhig ein wenig auskosten... in Maßen. (7,5)
Die Brut des Bösen (1979)
Ein Kuriosum, einer der wahrscheinlich ersten Martial Arts-Klopper aus deutschen Landen, zu allem Überfluss aus dem geistigen Schaffensnebel von Christian Anders hervorgetreten. Kopiert vorwitzig Kampfsportfilme aus Fernost, ohne jemals die Dynamik der Kampfchoreografien der Vorbilder auch nur ansatzweise zu erreichen. Anders gibt derweil höchstselbst den Bruce Lee-Klon (das rein optisch gar nicht mal schlecht - gilt das dann als Bruceploitation?) und fernöstliche Glückskeksweisheiten zum Besten, bevor er sich, seine Jünger/Schüler (inklusive Love Interest), sowie seine bescheidene Karateschule in Madrid (Warum Madrid? Tja, vielleicht wegen des exotischen Flairs?) gegen die pösen, pösen Drogenschmuggler verteidigen muss. Die werden übrigens von einem kleinwüchsigen Paten regiert, der gerne Mal auf die Schultern seines hünenhaften Handlangers springt, Kommandos in alle Richtung bellt, wenn er nicht seine unfähigen Schläger beschimpft oder seiner große Liebe Cora hinterherschmachtet... bevor er sie zwecks Kompromittierung in die Bettlaken von Anders schickt. Warum möchte er unbedingt die Schule in Besitz nehmen? Warum muss er sich unablässig mit Anders anlegen? Wer weiß das schon? Ulkiger, bisweilen wahnwitziger Trash. (Trash-Skala: 6,5)
Auschwitz (2011)
Ach du großer Gott. Ein grottenschlechter Regisseur ist die eine Sache. Ein grottenschlechter Regisseur mit übersteigerten Ambitionen und einem Anliegen, das umzusetzen er offenkundig nicht im Stande ist, nochmal eine gänzlich andere. Der dreiste Versuch Uwe Bolls, Holocaust-Bewältigung zu betreiben, indem er die Realität aufzeigen möchte (?), die Unwissenheit von Schülern bloßstellt (um dadurch Ignoranz zu unterstellen?), sowie Alain Resnais zu kopieren, legt das offen, wie kaum ein anderes Machwerk aus Bolls Schaffenswerk. Die geschmacklose, unterqualifizierte Bebilderung von entblößten Menschen in Gaskammern kommt zu keiner Sekunde über den Eindruck von Voyeurismus und Exploitation hinaus, dass Herr Dr. Boll höchstselbst in SS-Uniform auftritt, hilft dem Eindruck eines ernst gemeinten Anliegens ebenso wenig. (0)
Postal (2007)
Dann versucht er obendrein lustig zu sein. Inzwischen wissen wir: Uwe Boll schert sich einen Dreck um vorlagengetreue Videospiel-Verfilmungen (im Grunde scheint er sich um Videospiele im Allgemeinen einen Dreck zu scheren). Stattdessen gestaltet sich seine Version vom Skandal-Shooter wie die bizarre Wiedergabe seines eigenen Geisteszustand aus, bietet all den Dingen eine Bühne, die den Mann sei jeher empören und die seiner Ansicht nach in der Welt alle schieflaufen. Ein bisschen gleicht Uwe Bolls "Postal" einer pervertierten Nachbildung von Richard Fleischers "Fantastic Voyage" (Nachtrag: Tarsems "The Cell" wäre hier definitiv die akkuratere Analogie gewesen...): in "Postal" unternehmen wir eine groteske Reise in den Kopf des Regisseurs und durchleben unerträglich in die Länge gezogen hautnah seine gesamte Inkompetenz, seine defizitären Eigenschaften als Filmemacher, seine Weltsicht und seinen... "Humor". Was in den Händen eines fähigen Filmschaffenden oder auch nur passablen Routiniers durchaus Potenzial zur reflexiven, derben Satire voller Absurditäten, Geschmacklosigkeiten und Grenzüberschreitungen beweisen würde, gerät bei Boll zu einem einzigen Manifest seines Scheiterns, offenbart eklatante Defizite beim Schnitt, bei der Regie, beim Timing, bei der Inszenierung von Actionszenen, grundlegend bei allem, was er berührt. Nicht mal sich selbst karikieren kann der Mann. (0,5)
Volcano (1997)
Boah, ein sagenhaft dämliches Exemplar des bereits an Dämlichkeiten nicht armen 90er-Jahre-Katastrophenfilms. Tommy Lee Jones muss sich als bärbeißiger Actionheld wahrhaftig eines Vulkanausbruches und den daraus eruptierenden zerstörerischen, unaufhaltsamen, wenigstens außerordentlich beeindruckend getricksten Magmaströmen erwehren, nebenbei den gesamten Katastrophenschutz und die Evakuierung von Los Angeles organisieren, seine Tochter vor der Lava retten, für die Überwindung von Rassenvorurteilen sorgen, nicht zuletzt die ein Vierteljahrhundert jüngere Anne Heche bezirzen. Weil das alles wirklich ausnahmslos derart dämlich ist, drückt Mick Jackson durchgängig auf die Tube, wenn sie nicht jeden Gesetzen der Logik zuwiderlaufende Maßnahmen gegen die feurige Bedrohung durchführen, labern, quatschen und schnattern alle Beteiligten nur so vor sich hin, auf dass man das Geschehen nicht hinterfrage. Doof, aber... irgendwo spaßig. (4,5)
Stalag 17 (1953)
Contaminator [Terminator II] (1989)
aka "Shocking Dark". Vermöge seines Rufes hatte ich übelsten Trash erwartet und ja, irgendwo habe ich ihn tatsächlich bekommen. Ich meine: Bruno Mattei verfügt höchstens über einen Bruchteil des Budgets, kopiert dessen ungeachtet tolldreist und schamlos James Camerons "Aliens", gewürzt mit einer Prise "Terminator", frei von jedwedem Hauch der geringfügigsten Anstrengung, diesen Abklatsch zu verhehlen. Und doch muss ich gestehen: als ungenierter Plagiator erhobenen Hauptes macht er gar keinen üblen Job, inszeniert vergleichsweise stimmig und temporeich. Klar: die Kulissen, Darsteller und das Drehbuch sind kaum auf B-Movie-Niveau und für unzählige Dümmlichkeiten, die schon ans Reich der Parodie grenzen, ist er sich ebenso wenig zu schade. Dennoch finde ich, dass Mattei eine superunterhaltsame Trash-/B-Movie-Version der großen Vorbilder hingezaubert, das Beste aus seinen Ressourcen gemacht hat. (B-Movie-Skala: 7)
Blubberella (2011)
Hier kann mich bestenfalls wiederholen (siehe "Postal"). Wobei ich gestehen muss, dass "Blubberella" aufgrund seiner überschaubaren Laufzeit und der grundlegenden Blödheit seiner Prämisse, die niemals mehr ist als das und nie versucht mehr zu sein, nicht ganz so fürchterlich ausfällt... furchtbar ist er nichtsdestoweniger. Außerdem: Uwe Boll als Hitler! (1,5)
Kikis kleiner Lieferservice [魔女の宅急便 Majo no takkyûbin (Kiki's Delivery Service)] (1989)
Der erzählerische Rahmen, bzw. der motivische Hintergrund folgt der Ausrichtung von "Totoro": dosierte fantastische Elemente geben alltäglichen Sorgen und Nöten ein attraktives Äußeres, zuzüglich zu Miyazaki Hayaos schwerelosen Träumen vom losgelösten Fliegen. Selbstredend steckt das höchstens das Grundgerüst der Geschichte ab, denn maßgeblich konzentriert sich Miyazaki abermals voll und ganz auf seine jugendliche Hauptfigur und ihren Reifeprozess. Hierin erscheint die eigentliche Handlung beinahe noch banaler und noch episodenhafter als bei "Totoro", weswegen manch einer meinen mag, den (haltlosen) Vorwurf der inhaltlichen Leere bekräftigen zu müssen: kein eindeutig auszumachender Bösewicht, keine Bedrohung von kataklystischen Ausmaßen, kein sagenhaftes Abenteuer erfüllt die etwaige Anforderung an eine "große Geschichte". Stattdessen beschwört Miyazaki eine schlichte Poesie und Schönheit des Alltäglichen, der Begegnungen, des Miteinanders, der Aufrichtigkeit. Wahrhaftig ist "Kikis kleiner Lieferservice" im wahrsten Sinne des Wortes der bislang malerischste Film des Studios, der selbst herkömmlichsten Dingen den Glanz einer zeitlosen, zauberhaften Schönheit verleiht. Darin eingebettet entfaltet die uns letztlich so nah befindliche Geschichte Kikis eine viel größere Wirkung, als es einer Erzählung von gottgleichen Heroen, die zum x-ten Mal die Welt retten, je möglich wäre. (9)
15 - 5,7 (86,0)
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Okami Itto
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Mittwoch, August 15, 2018
Kurzreviews August/I/2018
Hiermit präsentiere ich wiederum die 11 Filme und 3 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat August gesehen habe:
Serien-Staffeln
Babylon 5: Schatten am Horizont [Babylon 5: The Coming of Shadows] (Season 2) (1995-1996) - (8,5-9,5)
Black Mirror (Series 4) (2017) - (5-7,5+)
Mortal Kombat: Legacy (Season 1) (2011) - (5-6,5+)
Filme
The Human Centipede III (Final Sequence) (2015)
"Final Sequence" - na hoffentlich. Wer mit den Erwartungen an eine Steigerung im Grad der Geschmacklosigkeiten an das zweite Sequel ran gegangen ist, muss sich auf eine bittere Enttäuschung gefasst machen (zugegeben: eine Ausweitung der Abartigkeiten von Teil 2 möchte ich gar nicht erleben): was die Gewalt-Voyeure und Sicko-Gore-Enthusiasten befriedigende Zeigefreudigkeit anbelangt, kann man Teil 3 durchaus als zurückgenommenen Magerhappen bezeichnen, dessen wenigen deftigen Gewaltspitzen Blutdurst stillendes Anschauungsmaterial bloß punktuell bieten und das bei weitem nicht mit der abstoßenden Intensität des Vorgängers. Stattdessen fällt Tom Mix auf die Spielart einer bizarren Groteske zurück, versucht sich stellenweise an einer merkwürdigen, absurden Meta-Parodie auf die gesamte "Trilogie", was weder in Form eines gelungenen ironischen Witzes, noch als sinnreicher Kommentar auf das eigene Schaffen gelingt, für beides fehlt es allenthalben an Raffinesse. Stattdessen verlustiert sich Dieter Laser in transzendierender Overacting-Höchstform an ausnahmslos jeder Szene genüsslichst, schreit, grimassiert, glotzt, verform fratzenhaft sein Gesicht, verbiegt, verdreht und beugt seinen gesamten Körper in ungeahnter Weise, kurz: übertreibt dermaßen jeden denkbaren Aspekt der Anti-Schauspielkunst, dass es äußerste Mühe kostet, die zirkusreife Darbietung durchgängig zu ertragen, zumal er das Geschehen zu jeder Sekunde dominiert. Ironischerweise machen allerhöchstens Laurence R. Harvey und ausgerechnet Porno-Sternchen Bree Olson das Beste aus der Chose, darüber hinaus ist der Abschluss der "The Human Centipede"-Saga gründlich misslungen - und das im Angesicht der beiden Vorgänger. (1)
A Serbian Film [Српски филм Srpski film] (2010)
Der etwa zeitgleich zu "The Human Centipede" reüssierende Skandal-Schocker aus Serbien und ähnlich wie bei Teil 3 besagter Reihe dürften geifernde Gewalt-Voyeure ihren Enthusiasmus rasch gedämpft finden. Im direkten Vergleich zu Tom Six erweist sich Srdjan Spasojevic fraglos als der talentiertere Filmemacher und dadurch, dass er größeren Wert auf den Teil legt, der das Projekt zum funktionablen Film macht, insgesamt ein besseres Verständnis für die Mechanismen des Mediums beweist, darüber hinaus seine alles andere als leicht zu schluckende Tour de Degout mit einem politischen Anliegen unterlegt, attackiert er durch die an den Tag gelegte konsequente Drastik und heftige Kompromisslosigkeit zwar effektiv den sich in Sicherheit wähnenden Zuschauer, bedient demgegenüber nicht gefällig ein Panoptikum an Gewalt-Exhibitionismus zur Stillung voyeuristischer Bedürfnisse. Dafür fällt die Darstellung von abstoßenden Anstößigkeiten und von den den Rahmen des Zeigbaren kontinuierliche sprengenden Verbrechen, Gewalt- und Untaten weit, weit jenseits irgendeiner Grenze egal ob guten oder schlechten Geschmacks zu schockierend, zu niederdrückend und nihilistisch aus, ungeachtet einer nicht zu verhehlenden Tendenz zum verstörenden Selbstzweck. Da steckt in der Tat etwas nicht zu verachtendes herausforderndes, provozierendes, glatt bilderstürmerisches drin, ein roher brutaler Schlag in die Magengrube. Demgemäß war "A Serbian Film" nie geschaffen, um zu gefallen. (7)
Two Thousand Maniacs! (1964)
Zu Herschell Gordon Lewis im Allgemeinen: siehe "Blood Feast". Selten war eine Gore-reiche Schlachtplatte derart heiter und frohgemut wie in diesem Fall. Es fällt schwer, sich dem Enthusiasmus und der Ausgelassenheit der feiernden, mörderischen Südstaatler zu entziehen, sich von ihrer Heiterkeit und dem Hochgefühl nicht anstecken zu lassen, mit der sie munter foltern, morden und vierteilen - stets spielerisch vergnügt, voller Inbrunst und sadistischer Freude. Ich würde behaupten: hier war sich jemand der leicht pervers-voyeuristischen Ader seines Publikums durch und durch bewusst. (8)
Das Schloß im Himmel [天空の城ラピュタ Tenkû no shiro Rapyuta (Laputa: Castle in the Sky)] (1986)
Der erste abendfüllende Anime-Spielfilm aus dem Hause Studio Ghibli unterscheidet sich, trotz vieler thematischer Ähnlichkeiten, zu dem noch etwas anders gelagerten, anspruchsvolleren "Nausicaä aus dem Tal der Winde", denn, obgleich ihm ein vergleichbares ernsthaftes Anliegen und eine eindringliche Botschaft zugrunde liegen, Miyazaki Hayaos temporeiches Fantasy-Abenteuer ist deutlich zugänglicher und freudiger, ein restlos harmonierender Kompromiss aus Enunziation und mitreißender Unterhaltung, der gekonnt aufregende, stürmische Actionszenen, liebenswerte Charakterentwicklung, nachdenkliche Momente und seine wichtige Aussage mit einer beneidenswerten Leichtigkeit austariert, zudem bereits betörend schön animiert ist. Anime auf höchstem Niveau! (9)
Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf [Lethal Weapon 4] (1998)
Folgt im Wesentlichen der Ausrichtung des Vorgängers, addiert weitere alberne Elemente, Chris Rock etwa, und Familien-Schmu hinzu, verfügt andererseits über Jet Li, der selbsterklärend zu keiner Sekunde voll aufdrehen darf und arg unter der Eindimensionalität des Charakters zu leiden hat, mir dennoch in der Rolle des Antagonisten ausgezeichnet gefallen hat. Das Macho-Gebaren und der unverhohlene Rassismus gegenüber den Chinesen seitens Riggs gefiel mir hingegen weniger. Mochte ich früher lieber, guckt sich insgesamt noch ganz gut weg. (7)
Atemlos [Breathless] (1983)
"A Bout de Souffle Made In USA" - ein Sakrileg sondergleichen? Ich fand Jim McBrides Interpretation jedenfalls auf seine eigene Art und Weise bezaubernd, charmant und... atemberaubend, passend zum vor Energie strotzenden Richard Gere, der den Film lässig alleine schultert und von dem eine sinnentsprechende Wirkung auf seine gesamte Umgebung ausgeht, vornehmlich natürlich konzentriert auf Valérie Kaprisky. Jean-Luc Godards Original mag die filmhistorisch bedeutendere Version sein, es war nicht der Film "to end all movies". Daher: "Breathless" gefällt mir speziell aufgrund seiner Eigenheiten, seinem Verve und Gere. (8)
Evil Dead (2013)
Gefiel mir bei der zweiten Sichtung tatsächlich besser. Nach wie vor gilt, dass Fede Alvarez angesichts der undankbaren Aufgabe, einen Kult-Klassiker wie "The Evil Dead" neuaufzulegen, das best-mögliche Ergebnis geliefert hat (abgesehen vom reichlich sinnfreien Prolog), dem Genre zwar keine neuen Nuancen abzuringen vermochte, im Wesentlich das Original an Konventionen des kontemporären Horrorfilms angepasst hat, jedoch im Unterschied zur Gesamtheit der von dilettantischen Videoclip-Regisseuren zu Grunde gerichteten Remakes handwerkliches Geschick (ohne die triebhafte, energiegeladene Experimentierfreude Sam Raimis zu erreichen) und Respekt der Vorlage gegenüber bewies, was in einem atmosphärisch dichten, nicht zu sehr auf Klischees und selbstzweckhaften Gore-Szenen bauenden, spannenden Horrorfilm resultierte, der viel, viel der Musik von Roque Baños zu verdanken hat. (7)
Evil Dead from Aparato on Vimeo.
Nemesis 2 - Die Vergeltung [Nemesis 2: Nebula] (1995)
Das Sequel zu Albert Pyuns "Nemesis" ist im Besten Sinne schnörkelloses B-Sci-Fi-Action-Futter, dessen ungewöhnlichen, beinahe androgyn zu nennenden Heldin Non-Stop vor ihrem Widersacher, einem unaufhaltsamen Androiden aus der Zukunft, fliehen muss, bevor sie sich ihm im finalen Duell stellt. Obgleich sich die Schauplätze auf eine Wüste und ein verlassenes Fabrikgelände beschränken, macht das für kurze 84 Minuten Feuerwerk durchaus was her. (B-Action-Skala: 7)
Winterbeast (1992)
Zufallsfund auf YouTube. Obskurer Low Budget-Horror inklusive putziger Stop-Motion-Effekte, der zwar stellenweise krude, ein bisschen trashig und unaufgeregt von Statten geht, hingegen ab und an in der Tat creepy sein kann. (B-Movie-Skala: 5)
Die Letzten Glühwürmchen [火垂るの墓 Hotaru no haka (Grave of the Fireflies)] (1988)
Es kostet mich jedes Mal Überwindung, mich überhaupt an den zu wagen (meinem ersten Studio Ghibli-Film übrigens), weil eine Sichtung grundsätzlich mit mir heulend und deprimiert in der Ecke endet. Nach dem rasanten "Das Schloß im Himmel" ist Takahata Isaos (R.I.P.) Drama über zwei Kriegswaisen, die, von der Gesellschaft ausgegrenzt, am Ende wie zwei Glühwürmchen viel zu früh verglühen, ein grundlegend anderes Filmerlebnis, sicherlich voller wunderschöner, rührender, zu Herzen gehender Momente, auf der Kehrseite hingegen nicht arm an niederschmetternder Tragik und traurigem, schrecklichem Realismus. Bei wenigen Filmen nimmt mich das Geschehen auch nach mehrmaligem Ansehen derartig mit, löst es in mir eine ähnliche Achterbahn der Gefühle aus. Es ist eine der schönstens, wenngleich betrüblichsten, wehmütigsten Erfahrungen für mich, jedes Mal aufs Neue. (10)
Ich glaube, ich stehe Pascal Laugiers "Martyrs" unverändert zwiespältig gegenüber, will ihm eine weitreichende Wirkung hingegen nicht absprechen. "Ghostland" habe ich folglich nicht sehnlichst erwartet, war allerwenigstens neugierig. Was ich mag: der Twist, den ich tatsächlich nicht habe kommen sehen und der eine willkommene psychologische Ausrichtung offenbart, das elaborierte Set-Design, die Lovecraft-Affinität, sowie die ein oder andere Einstellung. Ansonsten kam mir das kaum ergiebiger vor als der handelsübliche, gut gemachte Slasher oder eine kreativere Episode einer Anthologie-Serie à la "Tales From the Crypt" oder "Black Mirror". Für mehr fehlte mir der letzte inszenatorische Kniff oder ein Konzept, dass mehr aus dieser Idee gemacht hätte. (6,5)
11 - 7,6 (83,5)
Auf die Welt losgelassen von
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Samstag, August 04, 2018
Nachschlag No. 36: Dokutaa desu!
Okay, wäre das "echt", würde mich das in einen schweren Konflikt geraten lassen: wer ist mir lieber? Jodie Whitaker? Oder Kotabe Akie, der "Japanese Doctor Who" aka Dokutaa Who? Ich weiß es nicht...
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Okami Itto
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Mittwoch, August 01, 2018
Kurzreviews Juli/II/2018
Hiermit präsentiere ich wiederum die 14 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Juli seit der letzten Liste gesehen habe:
Serien-Staffeln
Mortal Kombat - Conquest [Mortal Kombat: Conquest] (Season 1) (1998-1999) - (6-7)
Marvel's The Defenders [The Defenders] (Season 1) (2017) - (6-6,5+)
Jekyll (2007) - (6,5-7,5)
Raven (Season 1) (1992) - (6,5-7)
Star Trek: Deep Space Nine (Season 3) (1994-1995) - (10)
Filme
Runaway Train - Express in die Hölle [Runaway Train] (1985)
Der nächste Schritt auf den Spuren von "Panik im Tokio-Express". Nach einer Drehbuchidee von niemand geringerem als Kurosawa Akira inszeniert Andrei Konchalovsky ein Thriller-Drama, das die Grenzen des Action-Abenteuerfilms bewusst überschreitet und mehr liefert als ein simples testosterongesteuertes Vehikel. Obgleich die ersten 20 Minuten Knastklischees in Reinform aufbieten und die nachfolgende Flucht an Bord des eponymen Güterzuges hinreichend nervenaufreibende Spannung erzeugt, beweist Konchalovsky durchaus künstlerische Ambitionen, wenn er über die Geschichte und insbesondere qua Jon Voights ambivalenten Charakter existenzialistische Themen allerwenigstens anschneidet. Insofern hinterlässt der Film einen nachhaltigen Eindruck, einen bitteren Beigeschmack und steht fernab der Genre-Barrieren des Action- bzw. Katastrophenfilms. (8)
Die Bourne Verschwörung [The Bourne Supremacy] (2004)
Der erste Teil widmete sich der Neubildung von Jason Bournes Identität, im zweiten Teil holt ihn die Vergangenheit ein. Und weil es schier unmöglich ist, sich seinem einstmaligen Agentendasein und Auftraggebern zu entziehen, befindet sich Matt Damon erneut auf der Flucht. Dahingegen versteht er es, sich gekonnt (daher der passendere Originaltitel) der Überlegenheit seiner Agenteninstinkte zu bedienen, seine Ausbildung effektiv gegen seine Verfolger einzusetzen, ihnen stets einen Schritt voraus zu sein und die verschwörerischen Umtriebe unter seinen Widersacher aufzudecken, um schlussendlich einen Moment der Katharsis zu erleben. Paul Greengrass setzt dabei inszenatorisch zur Gänze auf die intensified continuity, kreiert unfassbar schweißtreibende Verfolgungsjagden und Actionszenen, nutzt diesen Stil geschickt dazu, die Hektik, den Stress der Action verdichtet zu vermitteln und auf den Zuschauer zu übertragen. Ich glaube, das versteht Greengrass wie kaum ein zweiter. Unglücklicherweise wurde die allem zugrundeliegende Symbiose aus Handlung und Ausdrucksform oftmals unterschätzt und missverstanden, was zu einer Vielzahl an Epigonen führte, die hingegen nie die Intensität der "Bourne"-Trilogie erreichen sollten. (8,5)
Unstoppable - Außer Kontrolle [Unstoppable] (2010)
Hier ist es, das adrenalingeladene Spektakel, dass Andrei Konchalovsky in "Runaway Train" (s.o.) bewusst vermieden hatte. Die thematischen Ähnlichkeiten, sowie die ein oder andere Szenen machen deutlich, dass Tony Scott sich mindestens von Konchalovsky hat inspirieren lassen. Der Unterschied liegt darin, wie die beiden Regisseure erzählen und da geht Scott, große Überraschung, den Weg des geringsten Widerstandes, zaubert einen straighten, plakativ in Szene gesetzten Katastrophen-Thriller aus dem Hut, dessen andauernden, Schwindel erzeugenden Kamerarotationen und Reißzooms auf die Dauer repetitiv und enervierend wirken, insbesondere angesichts der Tatsache, dass hier bisweilen für Doofe inszeniert wird. Interessanterweise überkommt der Film ab einer gewissen Stelle diese ostentativen Manierismen und erzeugt einen mitreißenden Strom, dem man sich nicht mehr entziehen kann, was ich vor allem an Denzel Washington und Chris Pine verorte, zwei außerordentlich sympathische und volksnahe Everyman-Charaktere, die man einfach triumphieren sehen möchte und mit denen man inbrünstig mitfiebert. Weswegen "Unstoppable" gerade aufgrund seiner Einfachheit und Direktheit großen Spaß bereitet. (6)
Happy Deathday [Happy Death Day] (2017)
Ein klassischer Videotheken-Film, würde es noch eine Videothekenkultur geben. Christopher Landon spielt seine Slasher-Groundhog-Day-Version brav und straight von A bis Z durch, garniert mit Humor und dem Minimum an Charakterentwicklung der Protagonistin weg von der Bitch, die sie ist. Daran ist nichts neu, nichts wirklich aufsehenerregend oder sonderlich cleveres, es bleibt ein unterhaltsames One-Trick-Pony, einmal ausgeliehen, seinen Spaß damit gehabt und wieder vergessen. Mehr nicht. (5,5)
Devil's Candy [The Devil's Candy] (2015)
Motivisch schöpft Sean Byrne aus vielen Quellen, da haben wir das Haus mit finsterer Vergangenheit, die sympathische Familie, deren Vater bald einer ungesunden Obsession verfällt, das gruselige, scheußliche Muttersöhnchen, natürlich ein Kindermörder, und... Satan (wen sonst). Was Byrne letztlich fehlt, ist die Entschlossenheit, aus diesen Quellen mehr zu machen, neues abzuleiten und tatsächlich unangenehm zu werden, Abbiegungen zu nehmen, aus denen es kein Zurück mehr gibt. Dafür belässt er die übernatürlichen Elemente nicht uneffektiv im Hintergrund walten, legt nie hundertprozentig offen, ob die satanische Anwesenheit eindeutig dem Wahn entspringt oder ob nicht vielleicht doch der Teufel in persona sein Finger im Spiel hat. Grausamkeiten gibt es hiergegen zu Genüge, selbst wenn Byrne willkommenerweise auf plakativen Splatter keinen zu großen Wert legt. (6,5)
Henker des Shogun [Shogun Assassin] (1980)
Wie viele Jahre ist es her, dass ich den gesehen habe? Natürlich bedeutete "Shogun Assassin" seinerzeit für mich, wie für so viele andere, den ersten Kontakt mit der "Lone Wolf & Cub"-Reihe, die mich im Nachhinein für den Jidai-geki eiga und das Chambara-Genre regelrecht hat entflammen lassen, von Koike Kazuos kongenialen Mangas ganz abgesehen. Robert Houstons vorwitziger Zusammenschnitt, der aus den Actionszenen der ersten beiden "Lone Wolf"-Teile einen straffen actionlastigen 80-Minüter macht, kann man im Gegensatz dazu so und so finden: entweder, man ist entsetzt ob seiner Dreistigkeit, an der Handlung großzügig den Rotstift anzusetzen, durch freches Neu-Arrangieren und die (höchstens mittelmäßige) Synchronisation eine eigene, versimplifizierte Rache-Geschichte zu erzählen, dazu den stilsicheren Original-Score durch ulkiges Synth-Gedudel zu ersetzen. Oder man genießt dieselbe Dreistigkeit Houstons, ob seiner trashigen Anflüge und dem immerhin hohen Tempo, mit der er Fecht-Szene an Fecht-Szene reiht. Für meinen Teil genügen hingegen die nostalgischen Anwandlungen, sowie das Anliegen Houstons, die tolle Kozure Ōkami-Saga einem westlichen Publikum näherzubringen. Alles Weitere besorgen die Original-Filme. (Nostalgie-Bonus: 8)
Double Down (2005)
Sensationelles Trash-Delirium von Multi-Talent in geistiger Umnachtung Neil Breen (neben den Posten Regie, Chefautor, Hauptdarsteller, Produktion, Schnitt und Musik lässt sich der Mann in den Credits tatsächlich für das Catering (!) auflisten), derart qualvoll konfus, repetitiv und prätentiös erzählt und inszeniert, dass es einem wie eine avernalische, immerwährende, niemals enden wollende Endlosschleife im ödesten Film-Purgatorium der Existenz an sich vorkommt. Sagenhaft miserable Regie, Schauspielkünste und Autorenschaft, die selbst Tommy Wiseau wie Orson Welles, "The Room" wie "Citizen Kane" aussehen lassen. Auf der anderen Seite macht "Double Down" deutlich, wie wenig dazu gehört, kryptischen, hermetischen, vielfältig interpretierbaren Nonsense a la Terrence Malick oder David Lynch zu produzieren...immerhin kann ich jetzt mit Fug und Recht behaupten: das hat selbst Neil Breen geschafft! Er hatte nur das Pech, keinen Emmanuel Lubezki auf der Gehaltsliste stehen zu haben... ;) (Trash-Skala: 2)
The Human Centipede II (Full Sequence) (2011)
Nachdem mich der Erstling so semi geschockt hat (also... gar nicht), muss ich gestehen, dass Tom Six für das Sequel eine ordentliche Schippe Abartigkeiten draufgelegt hat. In pseudo-künstlerischem Schwarz-weiß und mit absolutem Verzicht auf jedwede Form von Narration holt er das Maximum an Degout aus seiner reichlich groteske Idee heraus, vermeidet nicht die geringste Widerlichkeit, kostet jede abstoßende, krankhafte Eingebung, die einem vermöge dieser reichlich bescheuerten Perversion kommen mag, genüsslich aus. Body-Horror-Kunst oder skandalträchtige Grenzüberschreitung? Ich weiß es nicht. Laurence R. Harveys Martin bleibt schlechterdings auf jeden Fall im Gedächtnis hängen. (5)
Blood Feast (1963)
Born to Be Wild - Saumäßig unterwegs [Wild Hogs] (2007)
Brave und biedere Suburbia-Upper-Class-Midlife-Crisis-Komödie mit gut aufgelegten Darstellern und einer schwungvollen Inszenierung, witzig und kurzweilig. Ich fühlte mich, trotz etwaiger Anstoßpunkte, gut unterhalten. (6,5)
Easy Rider (1969)
Wieder eine Lücke geschlossen. Natürlich einerseits das kultige Abbild der Gegenkultur, ein Nachhall des Freiheitsgedankens und der Hippie-Kultur, ein musikalisch ikonisch unterlegte Roadtrip durch die USA, aber zugleich ein zutiefst bitterer Abgesang, ein Eingestehen des Scheiterns im Angesicht schlichtweg feindselig-gewalttätiger konservativer, reaktionärer Kräfte. Steht nahtlos Seite an Seite mit Filme wie "Vanishing Point" und "Two-Lane Blacktop". (7)
Black Panther (2018)
Dann holen wir mal die Marvel-Checkliste raus. Zugegeben: "Black Panther" verfügt über einen nötigen Schuss Exotik, der ihn geringfügig herausstechen lässt, kann optisch einiges für sich verbuchen und funktioniert im Großen und Ganzen dankbarerweise sogar als eigenständiges Werk. Leider erstickt er gleichermaßen unter seinem CGI-Overkill, kann seinem durch und durch blassen Titelhelden keine einnehmenden Charakteristiken abringen, dazu müssen erneut die Nebencharaktere herhalten, ebenso wenig hinterlassen die Antagonisten einen nachhaltigen Eindruck, da abermals der eine der beiden, nachdem man ihn eingeführt und aufgebaut hat, handstreichartig ersetzt wird, um an Stelle dessen ein Familiendrama und einen Putsch zu forcieren, was indessen aufgrund der anberaumten Kurzfristigkeit zu keinem Zeitpunkt Dramatik oder große Emotionen zu erzeugen im Stande ist, nie im Stande sein konnte. Zumal das geheiligte Land Wakanda als Ort, als Raum nie wirklich greifbar wird, in generische Einzelversatzstücke aus dem Rechner zerfällt, die nie den Eindruck eines organischen Ganzen erzeugen. Im effektelastigen Hauruck-Finale, dass irgendwie an das Pendant aus "The Phantom Menace" erinnert (nur schlechter), gibt es somit einmal mehr bunte Farben und Gerangel zu sehen, zufriedenstellend oder gar erfüllend ist jedoch auch dieser Beitrag zum MCU zu keiner Sekunde. (5,5)
Nausicaä aus dem Tal der Winde [風の谷のナウシカ Kaze no tani no Naushika (Nausicaä of the Valley of the Wind)] (1984)
aka "Sternenkrieger - Warriors of the Wind". Miyazaki Hayaos Meilenstein der Anime-Geschichte, der den Grundstein für das unvergleichliche Studio Ghibli legte, erzählt vor dem Hintergrund einer originellen, glaubhaften apokalyptischen Welt die Geschichte seiner Erlöserfigur Nausicaä mit atemberaubender Schönheit, schreckt andererseits nicht vor Actionszenen, die die gezeigte Gewalt dahingegen stets reflektieren und verurteilen, und zutiefst nachdenklichen Passagen zurück, die dem Film eine profunde Ebene verleihen, die ihn weit jenseits von Zeichentrick-Bespaßung stehen lässt, eine höchstmöglich relevante Botschaft ansprechend vermittelt und immense emotionale Wallungen hervorzurufen imstande ist. Schlicht und ergreifend ein frühes Meisterwerk mit sagenhafter Musik von Joe Hisaishi. (9,5)
Train to Busan [부산행 Busanhaeng] (2016)
Zombies im Zug sind natürlich bloß eine Variation der Zombies im... jedem anderen räumlich begrenzten Setting, nichtsdestotrotz wundert es mich, dass bisher kaum Filmemacher auf diesen Einfall gekommen sind. Yeon Sang-ho erreicht selbstredend nicht die Meisterschaft des Genrekönigs George R. Romero, dessen ungeachtet liefert er einen effektiven Horror-Thriller inklusive koreanischer Manierismen, der seinen Schauplatz geschickt und spannungsgeladen zu nutzen weiß, darüber hinaus Genre-typische Sozialkritik und Charakterentwicklung nicht vernachlässigt, denn, so knapp bemessen sie ausfallen mögen, letztlich fiebert man mit dem Schicksal Yoo Gongs und seiner Tochter aufrichtig mit. Gelungen. (7)
14 - 6,5 (91,5)
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Samstag, Juli 28, 2018
Docteuse in Bewegung
Der Doctor ist tot! Lang lebe der Doctor! Am 25. Dezember 2017 hatte Peter Capaldi im Christmas Special "Twice Upon A Time" seinen (vorerst) letzten regulären Auftritt als berühmt-berüchtiger Doctor aus "Doctor Who" - ebenso wie Steven Moffat als Showrunner. Zuvor wurde bereits bekannt gegeben, dass es sich bei der nächsten und nun mehr 13. Inkarnation des Doctors, künftig unter der Leitung von Chris Chibnall (längjähriger Whovian, zudem ein erfahrener Schreiberling für das "Doctor Who"-Franchise (Chefautor für "Torchwood", verfasste die Who-Abenteuer "42", "The Hungry Earth", "Cold Blood", "Dinosaurs on a Spaceship", "The Power of Three", davon abgesehen bekannt für "Broadchurch"), zum zweiten ersten Mal in der Geschichte der sagenhaft langlebigen Science Fiction-Serie um eine Frau handeln werde: Jodie Whitaker ("Attack the Block", "Black Mirror", "Broadchurch"). Hijinks ensued...
Denn selbstredend wollte und will eine Gruppe Fanatiker (naja, scheinbar eine unbedeutende Minderheit) unter keinen Umständen wahrhaben, dass der Charakter, den sie bisher stets als Mann wahrgenommen haben, urplötzlich das Geschlecht wechseln könne - das wäre ja auch absurd bei einem tausendjahre alten Außerirdischen, der mit einer Telefonzellenartigen Police Box durch Zeit und Raum reist, die Erde und andere Planeten vor den Invasionsscharen fahrender Salzstreuer und weiterer Ed Wood-Weltraum-Gummimonster bewahrt, zudem durch seine Fähigkeit, sich im Moment des nahenden Todes in eine physiognomisch komplett andere Person zu "regenerieren", nahezu unsterblich ist. Nein, dass dieser er zu einer der werden kann, hat ganz klar die Grenzen des Absurden und Vertretbaren überschritten, ist bloß Ausdruck von PC-SJW-Hardcore-Lesben mit Femnazi-Allüren, die die Weltherrschaft an sich reißen und den Männern den Spaß an und die ganz klar heterosexuelle Bewunderung zu ihrem Lieblingszeitreisenden berauben wollen... abgesehen davon muss die Serie qualitativ durch den Genderwechsel ganz ohne Frage gegenüber den vorhergehenden Staffeln abfallen, Frauen können alles schlechter als Männer, außer Kinder kriegen... aber sicher doch. Wie müssen diese Fans wohl auf April O'Neil reagiert haben?
Jedenfalls ließ neues Anschauungsmaterial der frisch gekührten Docteuse lange auf sich warten, doch in den letzten Tagen wurden den verbliebenden Anhänger der Serie sowohl ein Teaser, als auch ein Trailer spendiert, der einen ersten Blick auf die neuen Companions (Bradley Walsh, Tosin Cole, Mandip Gill), die neuen Welten, den neuen Sonic Screwdriver (three settings?), den neuen Akzent und den neuen Doctor in voller Pracht (ihr Debut feiert sie freilich bereits in besagtem Christmas Special) erlaubt. Wie dem auch sei: ich bin gespannt auf die neuen Abenteuer des Doctors und freue mich so richtig auf Jodie Whitaker!
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Montag, Juli 23, 2018
Robin Hood - G20-Edition
Wir haben in jüngster Zeit bereits einige Klassiker auf der Leinwand zu sehen bekommen, die einer Frischzellenkur unterzogen worden sind, ob es nun die drei Musketiere, Sherlock Holmes, König Artus oder Viktor Frankenstein waren. In die Gesellschaft solcher illustrer Regisseure wie Paul W.S. Anderson, Guy Ritchie und Paul McGuigan begibt sich jetzt Otto Bathurst ("Criminal Justice", "Black Mirror", "Peaky Blinders"), der sich, unterstützt von Produzent Leonardo DiCaprio, anschickt, eine neue, moderne, frischere (noch und nöcher) Version von "Robin Hood" zu fabrizieren. Klassischerweise geht es dabei um den Kampf Robin Hoods, hier mit jugendlichem Elan dargestellt von Taron Egerton ("The Smoke", "Kingsman: The Secret Service", "Eddie the Eagle"), gegen den sinisteren Sheriff von Nottingham, gespielt vom neuerdings scheinbar auf Bösewichte abonnierten Ben Mendelssohn ("Bloodline", "Rogue One: A Star Wars Story", "Ready Player One"). Innerhalb dieser archetypischen Geschichte erlaubt sich Bathurst, der gemeinsam mit David James Kelly auch das Drehbuch schrieb, hingegen einige Freiheiten, wie der Trailer bereits erahnen lässt. Robin von Locksley wird demzufolge scheinbar zu einem mittelalterlichen Anonymous-Superhelden umgedichtet, der von Little John (Jamie Foxx ("Ray", "Collateral", "Baby Driver")) zu einem Lucky Luke-artigen Meisterbogenschützen ausgebildet wird, der schneller annockt als sein Schatten, und später die unterdrückten Massen gegen das Establishment anführt. Ob das passt? Kann Robin Hood mitsamt Anspielungen auf die aktuelle politische Lage zu einem neuen Symbol für den Kampf der Unterdrückten werden? Zählt bei Bathurst die Botschaft mehr als das Actionspektakel? Wir werden es sehen!
Natürlich dürfen Maid Marian und die Merry Men in einer Robin Hood-Geschichte nicht fehlen: Eve Hewson ("This Must Be The Place", "The Knick", "Papillon") gibt Robins Holde, Tim Minchin ("Two Fists, One Heart", "Californication", "Squinters") ist als Bruder Tuck zu sehen, Jamie "Mr. Grey" Dornan ("Marie Antoinette", "The Fall", "Fifty Shades of Boring") tritt als Will Scarlet auf. Außerdem dabei: Guy von Gisborne, dargestellt von Paul (nicht W.S.) Anderson ("Sherlock Holmes: A Game of Shadows", "In the Heart of the Sea", "The Revenant"). Scheinbar müssen wir auf Prinz John leider, leider wieder verzichten, ein Richard Löwenherz-Cameo fänd ich hingegen ganz nett.
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Freitag, Juli 20, 2018
Cage n' Demons
Ein neuer Film mit Nicolas Cage kann alles bedeuten, ist dessen ungeachtet meistens auf die ein oder andere Art ein Grund zur Freude. Der Trailer zu Panos Cosmatos ("Beyond the Black Rainbow"), dem Sohn des berüchtigten Canon-Regisseurs George P. Cosmatos ("Rambo: First Blood Part II", "Cobra", "Tombstone"), "Mandy" verspricht hingegen ein ganz besonderes Schmankerl zu werden. Denn hier spielt Hamsterbacke Red Miller, dessen heimelige Familienidylle anno 1983 jähstens von einer Bande wildgewordener Kultisten und Dämonen gestört wird, die bloß Verheerung zurücklassen - folglich nimmt der gebrochene, einzig und allein vom Gedanken an Rache erfüllte Red mit seiner speziell für diesen Zweck geschmiedeten Axt die Verfolgung der satanischen Meute auf. Wenn das nicht super klingt, weiß ich auch nicht... und der Trailer macht ziemlich Appetit auf mehr! Ich meine, wem "Cage gives the performance of a life time" noch nicht reicht, der kriegt Cage vs. Kultisten und Dämonen inklusive Äxte und Kettensägen... dazu kann ich nur sagen:
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Okami Itto
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Montag, Juli 16, 2018
Kurzreviews Juli/I/2018
Hiermit präsentiere ich wiederum die 9 Filme und 2 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich bisher im Monat Juli gesehen habe:
Serien-Staffeln
Black Mirror (Series 3) (2016) - (6-9)
Raven - Die Rückkehr der schwarzen Drachen [Raven: Return of the Black Dragons] (Pilot) (1992) - (6-7)
Filme
Mad Max (1979)
Ökonomischer Straßenfilm und Klassiker des Postapokalyptischen Films schlechthin, selbst ungeachtet der Tatsache, dass die meisten ikonischen, das Genre bestimmenden Elemente frühestens im Nachfolger zu finden sind. Hier jedenfalls bebildert George Miller eine Rache-Geschichte vor einer fein hintergründigen apokalyptischen Welt voller verrückter Figuren, deren sich Mel Gibson zunächst erfolgreich verwehrt, bis er schlussendlich von ihnen zum Äußersten und in den gleichberechtigten Wahnsinn getrieben wird. Schick, schick. (7,5)
Sanjuro [椿三十郎 Tsubaki Sanjûrô] (1962)
Das irgendwie-Sequel zu "Yojimbo" (ursprünglich sollten sie nichts miteinander zu tun haben) besticht natürlich einerseits durch die dynamische Inszenierung Kurosawa Akiras, nicht allein in den Fechtszenen, sondern darüber hinaus, insbesondere in der ersten Hälfte, durch die rege Erzählweise. Ferner gefallen die einfallsreichen Kadrierungen, sowie das Gegenüberstellen von Polen, von Alt und Jung, besonnen und hitzköpfig, äußerem Schein und darunter verborgen liegenden Wahrheit, humorvoller Leichtigkeit und bitterem Ernst. In jedem Fall: toll! (8,5)
Leprechaun 2 (1994)
Wir gucken die Teile ja in einer gänzlich wirren, losen Reihenfolge und sind immer noch nicht durch, trotzdem wage ich zu behaupten: Nummero 2 wird sich als der beste, weil witzigste Beitrag herausstellen: die gesamte Prämisse, die ihre Wurzeln irgendwo zwischen "Gremlins" und "Chucky" verorten dürfte, ist seit ihren Anfängen eher trashig unterhaltsam denn gruselig. Rod Flanders, meine Rodman Flenders Sequel geht was das anbelangt in die Vollen, versteht den Leprechaun weniger als furchteinflößendes Monster, denn als fiesen, hinterlistigen, eigensüchtigen Kobold und hat dementsprechend Spaß mit seinem Schabernack, inklusive kreativer Kills und absurden Situationen, in denen sich Warwick Davis (herrlich wie immer) nach Herzenslust austoben darf (absoluter Höhepunkt: das Trink-Duell mit ihm in einer Kneipe zum St. Patrick's Day in Anwesenheit einer ganzen Rotte Kleinwüchsiger in Leprechaun-Verkleidung, die "Einer von uns!" skandieren!). Natürlich hilft es, dass die Protagonisten liebenswerte Loser sind, dessen Schicksal einen nicht kalt lässt, obgleich man genauso wenig den Leprechaun verlieren sehen möchte. Wir treffen uns in der Mitte: wunderbarer, super-unterhaltsamer Fantasy-Ulk! (7)
The Descent - Abgrund des Grauens [The Descent] (2005)
Auch nach all der Zeit ein unvermindert effektiver, hochspannender Horrorfilm, der auf zweierlei Arten nachhaltig ängstigt, durch die Urängste beschwörende Dunkelheit, Panik hervorrufende Beengtheit, Paranoia erzeugende Eingeschlossenheit des Höhlensystems einerseits, die metaphorische Reise ins Unterbewusstsein andererseits. So oder so verfehlt er seine Wirkung nicht. (8)
Welt am Draht (1973)
Ich kann Fassbinder einfach nicht. Wirklich nicht. Jeder Versuch ist bisher kläglich gescheitert, ich komme mit seinem Stil, seiner Art überhaupt nicht zu Rande. "Welt am Draht" bildet da keine Ausnahme, trotz des hochgradig spannenden Themas und der ausgezeichneten Kameraarbeit von Michael Ballhaus finde ich nichts an der Romanverfilmung, das mich fesseln oder langfristig beschäftigen oder intellektuell reizen würde (gestalterisch, nicht inhaltlich). Stattdessen zerrt der überlange Zweiteiler von Anfang bis Ende immens an meinen Nerven, die kapriziöse Inszenierung mag auf Rainer Werner Fassbinders Theaterbühne funktionieren, hier gibt sie mir nichts, der Musikeinsatz strapaziert meine Gehörgänge, die prätentiöse Verarbeitung des Themas meine Geduld. Nein, Fassbinder kann ich einfach nicht. (5)
The 47 Masterless Samurai [忠臣蔵 桜花の巻 菊花の巻 Chûshingura: ôka no maki, kikka no maki] (1959)
Im Gegensatz zu Mizoguchi Kenji ganz der dem Heldengesang entsprechende Historienschinken, ganz das üppig ausgestattete Kostümdrama, vor allem hübsch anzusehen, aber befreit von jedweder Schwermut und reflexiver, kontemplativer Komponente, dafür pathetisch, gravitätisch und schwülstig, eben ganz das Samurai-Epos, das Hohelied auf die Untertanentreue bis in den Tod, das alle Beteiligten frohgemut und unkritisch anstimmen. Mitreißend auf seine Art und Weise. (7)
Außer Atem [À bout de souffle] (1960)
Wieder eine Lücke geschlossen. Ich denke, Jean-Luc Godards wegweisendes Noir-Drama wurde von findigeren Menschen als mir zu Genüge ausführlichst in Augenschein genommen, in seine Einzelteile zerlegt, jeder Aspekt für sich weidlich durchanalysiert und alles wieder zusammengesetzt auf das Siegertreppchen der französischen Nouvelle Vague gestellt. Was kann ich also noch dazu sagen? Zurecht! Er wird nicht mein Lieblingsfilm werden, schneidig in Szene gesetzt ist er dahingegen ohne Frage, die Stilbrüche, die das Publikum fordern und reizen, Bestehendes in Frage stellen, einen willkommenen Bruch zu bekannten Mitteln des Kinos repräsentieren, wirken bereits wie aus einem Guss, als hätte es nie etwas anderes gegeben, als wäre nie auch nur eine Probe- oder Übergangsphase von Nöten gewesen. Ganz groß. (9)
Panik im Tokio-Express [新幹線大爆破 Shinkansen daibakuha (The Bullet Train)] (1975)
Batman Begins (2005)
Neue Wertung: (8)
9 - 7,4 (67,0)
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Okami Itto
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Montag, Juli 09, 2018
Predator Update 4.0.2. Fix
Ungeachtet des doofen deutschen Titels ("Predator: Upgrade"... wirklich?) und trotz der Re-Shoot-Berichte bin ich gespannt auf Shane Blacks (als Autor: "Lethal Weapon", "The Last Boy Scout", "Last Action Hero"; als Regisseur: "Kiss Kiss Bang Bang", "Iron Man 3", "The Nice Guys") neusten Beitrag zur Predator-Franchise, frugal "The Predator" betitelt. Black verfasste zusammen mit Fred Dekker ("House", "Night of the Creeps", "The Monster Squad") das Drehbuch und übernahm kurzerhand die Regie selbst. Nach einigem Hin und Her bei der Besetzung (u.a. wurden James Franco und Benicio del Toro in Betracht gezogen, sogar Arnold Schwarzenegger sollte kurzzeitig wieder in die Rolle des Major Alan "Dutch" Schaefer schlüpfen) übernimmt schlussendlich Boyd Holbrook ("Milk", "Gone Girl", "Narcos") die Rolle des Quinn McKenna, ehemaliger Army Ranger und Vater von Rory McKenna (Jacob Tremblay ("The Smurfs 2", "Room", "Wonder")). Weil Sohnemann unbeabsichtigt die in jedem Predator-Raumschiff standardmäßig integrierte Autoalarmanlage auslöst, finden abermals die Jagd-Verrückten Außerirdischen ihren Weg zur Erde. Doch der unter Predatoren grassierende ungesunde Trend zu fragwürdigen Steroid-Injektionen auf Basis der DNA anderer todbringender Weltraum-Monster trägt ungeahnte Früchte, weswegen sie sich selbstverständlich als noch tödlicher, noch gefährlicher und noch hässlicher herausstellen - was sonst.
Folglich liegt es an McKenna gemeinsam mit einigen aus einem Pool geschädigter, ehemaliger Soldateska rekrutierten "Expendables" (u.a. Thomas Jane ("The Punisher", "Hung", "The Expanse") und Alfie "Reek" Allen ("Atonement", "Game of Thrones", "John Wick")) sowohl Sprössling, Frau (Yvonne Strahovski ("Chuck", "Dexter", "The Handmaid's Tale")), Heim, Hund und Herd, als auch die Menschheit im Allgemeinen gegen die Außerirdische Brut zu verteidigen - vielleicht sogar, wer weiß, mit der Hilfe eines freundlich gesinnten Predators.
Ferner spielen mit: Trevante Rhodes ("Westworld", "Moonlight", "12 Strong"), Olivia Munn ("Beyond the Break", "The Newsroom", "X-Men: Apocalypse"), Edward James Olmos ("Blade Runner", "Miami Vice", "Battlestar Galactica"), sowie Gary Buseys Sohn Jake Busey ("Starship Troopers", "The Frighteners", "From Dusk Till Dawn: The Series"), der in Pappis Fußstapfen tritt: er übernimmt die Rolle des Sohnes des aus "Predator 2" bekannten Peter Keyes. Ich bin jedenfalls gespannt, würde mich über Cameos von Schwarzenegger und Jean-Claude Van Damme selbstredend auch freuen.
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Donnerstag, Juli 05, 2018
Pitt & DiCaprio - together at last!
Schniekes Bild zu Quentin Tarantinos anstehenden Film über die Manson Family "Once Upon a Time in Hollywood", in dem eben (abgesehen von Margot Robbie (als Sharon Tate), Dakota Fanning, Timothy Olyphant, Damian Lewis (als Steve McQueen... passt!), Tim Roth, Zoë Bell, Michael Madsen, Kurt Russell, sowie Burt Reynolds und Al Pacino) Leonardo DiCaprio (in der Rolle eines Fernseh-Westernstars, dessen Stern im Sinken begriffen ist, da der Wechsel auf die große Leinwand partout nicht klappen möchte) und Brad Pitt (als sein langjähriges Stunt Double und treuer Kumpan) gemeinsam vor der Kamera stehen - wie es ursprünglich für diese Szene angedacht war. Na endlich!
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Montag, Juli 02, 2018
Kurzreviews Juni/2018
Hiermit präsentiere ich wiederum die 24 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Juni gesehen habe:
Serien-Staffeln
Rick and Morty (Season 3) (2017) - (6-7,5+)
Star Trek: Discovery (Season 1.2) (2018) - (6,5-7)
The Terror (Season 1) (2018) - (6,5-7, vllt. 7,5, bin da unentschlossen)
Star Trek: Deep Space Nine (Season 2) (1993-1994) - (9,5-10)
Babylon 5: Zeichen und Wunder [Babylon 5: Signs and Portents] (Season 1) (1994) - (8-9)
Filme
Event Horizon - Am Rande des Universums [Event Horizon] (1997)
Fleißig zusammengeklauter Sci-Fi-Horror von Paul W.S. Anderson, in dem an sich nicht viel passiert, dessen Set Design hingegen einfach toll anzuschauen ist und eine gewissen atmosphärischen Sog erzeugt, was ihn nach mehr aussehen lässt und wodurch er sich nach mehr anfühlt. Liebt man oder hasst man. (6,5)
Phase IV (1974)
Saul Bass psychedelischer Tierhorror, einer der besten seines Subgenres, ein einzigartiges Duell Mensch gegen Tier, eine Konfrontation mindestens auf Augenhöhe, wenn nicht gar einseitig zu Gunsten der Ameisen, ein Aufeinandertreffen voller Symbolik, philosophischer und soziologischer Implikationen, das in einem nachgerade utopischen Finale mündet (insbesondere im leider selten anzutreffenden Original-Ende). Und die Ameisen-Aufnahmen sind schlicht unfassbar. (9)
Die 47 Samurai [元禄 忠臣蔵 Genroku Chûshingura (The 47 Ronin)] (1941/42)
Manches, was ich zu "Chūkon giretsu: Jitsuroku Chūshingura" von mir gab, lässt sich dergleichen für Mizoguchi Kenjis Verfilmung der legendären Geschichte der 47 Samurai äußern. Allerdings wo Makino Shôzôs Film ganz und gar Spektakel war, ist Mizoguchis Version regelrecht in sich gekehrt, grüblerisch. Der propagandistische Ton, das hohe Heldenlied auf die höchste Untertanentreue der Lehnsmänner gegenüber der Führung, für die sie alles opfern, zu sterben bereit sind, konterkariert und exkaviert, sogar dominiert und vergällt er durch einen zutiefst bedauernden, gleichwohl nie explizit ausgesprochenen Kommentar auf das Schicksal dieser Männer und die Verfehlungen der Regierenden ihnen gegenüber.
Seine filmische Version der Geschichte zeichnet sich primär durch das aus, was er nicht zeigt: keine strahlenden Helden, die ihre Loyalität und ihr Pflichtgefühl stolz zur Schau tragen oder durch aufrüttelnde Taten eine Stimme verleihen, keine unfehlbaren Monumente Samurai'scher Tugend und Ehrerbietung, die er uns vor Augen führt. Oftmals sind es besonnene Menschen, die zwar von der Richtigkeit ihrer Handlungen und Entschlüsse fest überzeugt sind (bis zur letzten Konsequenz), die gleichwohl lange mit ihnen hadern, sie reflektieren, diskutieren, vielfach indirekt, nicht zuletzt die folgenschweren Konsequenzen nie aus den Augen verlieren.
Die beinahe vier Stunden Film, in denen es gerade mal zwei (!) Actionszenen gibt und selbst die sind kleinformatig (der Ansturm auf das Anwesen und die Stellung des Fürsten Kira etwa werden bloß indirekt mitgeteilt), sind demnach geprägt von Gesprächen, Dialogen, zumeist in einem zurückgezogenen, privaten Rahmen, wo die Dinge zwar nicht weniger feinfühlig und Etikette und Anstand geschuldet selten offen prononciert werden, nichtsdestoweniger in einem gänzlich anderen Ton zur Sprache kommen, gänzlich differenzierteren Konnotationen Raum geben. Gleichzeitig ist das, was Mizoguchi und Kameramann Sugiyama Kôhei den Zuschauer durch das Auge der Kamera sehen lassen, so weit vom pathetischen Samurai- und Chambara-Epos entfernt, wie nur denkbar möglich. Die wirklich wunder-, wunder-, wunderbare Schwarz-Weiß-Kameraarbeit ist zugleich das, was den Film über alle Maße auszeichnet: die ungemein langen Totalen, der ausschließliche Verzicht auf Close-ups von Gesichtern einzelner Akteure oder besonderen Details, die behutsamen Kameraschwenks, die präzise Mise-en-scene, die Raum und handelnden Personen in einen akribischen Kontext setzt, zeugen nicht allein von einer peniblen Ausdruckskraft, sondern laden darüber hinaus ein, sich in der wundervollen Fotografie zu verlieren, in ihrer Länge zu verweilen, das Gezeigte genau zu betrachten, regelrecht zu studieren, stets mit einer letztgültigen emotionalen Wallung in die nächste, nicht minder staunenswerte Kadrierung zu wechseln.
Vier Stunden Angehörige der Kriegerkaste mit ritueller Halbglatze beim Parlieren, Grübeln und Diskutieren von Geschehenem und Absichten, Konsequenzen und Taten zu betrachten ist beileibe keine frohgemute Unterhaltung, geschweige denn Kurzweil. Mizoguchis umsichtiger Inszenierung ist es hingegen zu danken, dass "Genroku Chûshingura" weitaus mehr zeigen und auszudrücken im Stande ist, als es ein simplifizierendes Schlachtengemälde, das an der Tugendhaftigkeit und treuherzigen Pflichterfüllung keine Zweifel gelassen hätte (und gar nicht hätte lassen können), je gewesen wäre. (9,5)
Gamblers in Okinawa [博徒外人部隊 Bakuto gaijin butai (Sympathy for the Underdog)] (1971)
Hält sich hartnäckig in den Listen der besten Yakuza-Filme und das kommt nicht von ungefähr: zum einen kommt "Sympathy for the Underdog" einem Präludium und Übergangswerk zu Fukasakus Kinjis jitsuroku-Stil gleich, zum anderen erzählt er seine bis hier romantisierende Yakuza-Geschichte vor der unverbrauchten Kulisse Okinawas, die einigen schillernden Momenten Raum gibt, etwa der Darstellung Überbleibsel der amerikanischen Besatzung. Doch schleichen sich schon hier bittere Untertöne in das abenteuerliche, verklärte Gangsterstreben ein, die Fukasaku folgend intensivieren sollte. (7,5)
Battles Without Honor and Humanity [仁義なき戦い Jingi naki tatakai] (1973)
Der Einstieg in die legendäre Yakuzafilm-Reihe. Hiermit begründete Fukasaku Kinji die nicht allzu langlebige, dafür umso prägendere jitsuroku eiga-Welle, bereichert die handelsüblichen Yakuza-Thematik um eine semi-dokumentarischen Stilausrichtung, tendiert weg von der Romantisierung hin zum Realismus, bebildert eindrucksvoll die Nachkriegszeit in Japan, verarbeitet eigene Erfahrungen und unterlegt alles mit einem Gefühl der Unsicherheit im Hinblick auf Gegenwart und Zukunft. Inhaltlich wirkt sich das insofern aus, dass er nicht länger eine kultisch-verklärende Sichtweise auf die Yakuza und ihre Taten einnimmt, im Gegenteil der episch angelegten Geschichte, die dem Spektrum nach Francis Ford Coppolas "The Godfather" nachempfunden ist, einen zutiefst ernüchternden, vergällenden Beigeschmack verleiht: Gangster-Ehre, -Treue und Menschlichkeit liegen den Handlungen der Protagonisten längst nicht mehr zu Grunde, Verrat, Mord und Übervorteilung, stets den eigenen Vorteil im Sinn, das sind die Prinzipien, welche die verschiedenen Yakuza-Clans und ihre Mitglieder antreiben. Gerade dieser Pessimismus zeichnet die erfolgreiche Reihe aus und hebt sie aus dem weitem Feld der unzähligen Yakuza-Filme hervor. (8,5)
Graveyard of Honor [仁義の墓場 Jingi no hakaba] (1975)
Während er sich in "Battles Without Honor and Humanity" der Dekonstruktion der Yakuza-Organisation als Ganzes verschrieb, konzentriert sich Fukasaku Kinji in "Graveyard of Honor" auf die Karriere eines einzelnen Individuums der japanischen Unterwelt, das als antiautoritäre Figur durchaus rebellisches Ansehen genießt. Sein von nichts als Gewalt gesäumtes Leben schildert Fukasaku jedoch gemäß seinem jitsuroku-Stil gänzlich ohne Glamour und Heldenverehrung, im Gegenteil erweist sich Watari Tetsuyas Ishikawa Rikio in erster Linie als zerstörerisches Element für sich und seine Umgebung, voller ungebündelter Energie ohne Ziel, die schließlich in alle Richtung austeilt, sich schlussendlich gegen sich selber richten und verbrennen muss. Bitter. (7)
Rächer der Unterwelt [The Killers] (1946)
Einer der absoluten Klassiker des Film Noir, primär reizvoll durch seine verschachtelte Erzählweise und die sichere Inszenierung Robert Siodmaks, eine spannende Entdeckung des Schicksals eines tragischen Unglücksvogels, seiner fatalen Begierden und der resultierenden fatalistischen Abwärtsspirale. Kann man nicht anders sagen: exzellent! (8,5)
Hiruko - The Goblin [妖怪ハンター ヒルコ Yôkai hantâ: Hiruko (Ghost Hunter: Hiruko)] (1991)
Der fällt aus dem Rahmen. Und das meine ich in Hinsicht auf Tsukamotos Shin'yas sonstige Filmografie, die mit außergewöhnlichen und schrägen Einträgen nicht unbedingt geizt. So gesehen ist "Hiruko" beinahe Mainstream, eine relativ straighte Horror-Mär, die stellenweise an amerikanische Vorbilder gemahnt, angereichert um japanische Absurditäten, Slapstick und Splatter. Es mag der leichtverdauliche Ausreiser in Tsukamotos Œuvre sein, wenngleich er genug Kuriositäten parat hält, um das Interesse wach zu halten, abgesehen davon thematisch unleugbar reichlich Tsukamoto-typisches hergibt. Ich fühlte mich jedenfalls prächtig unterhalten. (6,5)
Stolz und Vorurteil [Pride & Prejudice] (2005)
Bisher bin ich nicht in den Genuss eines Jane Austen-Romans gekommen (Schande über mich), nichtsdestoweniger finde ich Joe Wrights Adaption richtig, richtig großartig: seine Inszenierung Hand in Hand mit Roman Osins schwelgerischen Kameraarbeit und Dario Marianellis anmutiger Musik ist purer Genuss. Neben den wunderbaren, gleitenden Kamerafahrten durch die Gesellschaften gefallen die bedeutungsvollen Blicke aus dem Hintergrund heraus, ebenso wie die kleinen, umso bedeutenderen Details. Und Keira Knightley beweist überwältigend, was für eine famose Schauspielerin sie sein kann, wenn man sie lässt: ihre Elizabeth Bennet trägt mühelos das Gros des Films, die Chemie zwischen ihr und Matthew Macfadyen knistert vor verhohlenem Verlangen. Allgemein lassen die Darsteller keine Wünsche offen, agieren durch die Bank weg hervorragend. Abstriche muss man höchsten bei den Charakterisierungen der Schwestern machen, die, in Anbetracht der begrenzten Laufzeit, nicht alle ausgiebig bedacht werden können, obgleich Wright sein Möglichstes tut, das auszugleichen. Ansonsten: wundervoll! (9)
Die Rote Wüste [Il deserto rosso] (1964)
Mit seinem ersten Farbfilm kostet Michelangelo Antonioni die gesamte Farbpalette in ihrer symbolischen Kraft genüsslich aus, reiht eindrucksvolle Bilder aneinander, fängt die Umgebung und Räume der Handlung einerseits mit überwältigender Schönheit ein, lässt sie andererseits zur Manifestation bzw. zur Anti-These der inneren Befindlichkeiten seiner Protagonistin werden, die offenkundig mit der modernen Welt, der dort vorherrschenden emotionalen Kälte und Taubheit, sowie ihrer Rolle in der Gesellschaft zu kämpfen hat, überdies beinahe allen Orts auf Unverständnis und wenig Gegenliebe stößt. Bei Antonioni alles Ausdruck der Unzulänglichkeiten modernen menschlichen Miteinanders oder doch Gegeneinanders insgesamt. Keine leichte Kost. (8,5)
Valerian - Die Stadt der tausend Planeten [Valerian and the City of a Thousand Planets] (2017)
Ich glaube, der wird mir von Mal zu Mal besser gefallen. Ich genieße Luc Bessons Odyssee durch die kreative Sci-Fi-Vielfalt Alphas viel zu sehr, um mich an etwaigen Schwächen zu stören oder daran aufhalten zu lassen. Zudem finde ich es ungemein bedauerlich, dass diesem prächtigen, bildhübschen Weltraumabenteuer kein größerer Erfolg vergönnt war, denn von dieser Welt, an dessen Oberfläche man höchstens flüchtig gekratzt hat, möchte man noch so viel mehr sehen. Also: bitte, bitte, bitte lass ein Sequel kommen! Bis dahin erfreue ich mich weiterhin an dem, was ich habe. (8,5)
Eraserhead (1977)
David Lynchs berühmt-berüchtigtes Debut, eine verstörende Kollage aus nicht enden wollenden, irremachenden Alpträumen, die weniger entschlüsselt, denn intuitiv erfasst werden wollen, in ihrer Gesamtheit eine unfassbare Wirkung erzielen, die ganz und gar von dem großen Fragezeichen lebt. Abgründig, irritierend, schockierend. Kann nicht unerwähnt bleiben: das ausnehmend dichte Sound-Design. (8,5)
Tetsuo II: Body Hammer [子鉄男II Body Hammer] (1992)
Wechsel zu Farbe und... zu so etwas wie einer Geschichte. Grundlegend führt Tsukamoto Shin'ya die Stilmittel und Thematiken des Vorgängers fort, allerdings verfeinert, fokussierter, unwesentlich weniger experimentell, sozusagen auf Kurs, trotzdem genehm chaotisch. Es bleibt eine faszinierende Meditation über die Mensch-Metall-Fusion und die Wiedergeburt durch Zerstörung. (8)
Mercenary: Absolution [Absolution] (2017)
Keoni Waxman macht in der Regel das beste aus der Zusammenarbeit mit Aikido-Speckie Steven Seagal. Die standardmäßige Reue-Geschichte spult er jedenfalls zügig ab, gönnt Seagal zahlmäßig überschaubare, dafür stets schmerzhafte Schlägereien, derweil er den Rest in den zuverlässigen Händen Byron Manns belässt... eine gute Entscheidung. (B-Action-Skala: 5)
The Phantom of Regular Size [普通サイズの怪人 Futsû saizu no kaijin] (1986)
Tsukamoto Shin'yas Exerzitium für "Tetsuo", enthält auf kleinem Raum alle wesentlichen Stilmittel und Storyelemente seines großen Durchbruchs, freilich experimentierfreudig und wahllos zusammengewirbelt. Interessant nichtsdestoweniger. (6,5)
Tetsuo: The Iron Man [鉄男 Tetsuo] (1989)
Tsukamoto Shin'yas aufsehenerregender internationaler Durchbruch und eines der Werke, die eine Renaissance des japanischen Films initiierte. Ein vor ungezügelter Energie und Experimentierfreude brodelndes Cyperpunk-Erlebnis, das eine Unzahl von Themen und Elementen, die Tsukamoto bis heute bewegen, erforscht und unkontrolliert vermengt, auf der Suche nach der rechten Ausdrucksform für die komplexen Empfindsamkeiten und innersten Triebkräfte seines Schöpfers. Ein wüster Bilderrausch, eine grenzwertige audiovisuelle Erfahrung, die erst recht mittels ihrer Unmittelbarkeit, rohen Kraft und intuitiven Diktion den Betrachter überwältigt. (9)
xXx² - The Next Level [xXx: State of the Union] (2005)
Schon der Vorgänger kam nicht über den Habitus seines MTV-Proll-Gehabes hinaus, das Sequel wirft verbleibende gelungene Wesensmerkmale endgültig über Bord: Ice Cube erweist sich als mangelhafter Ersatz für Vin Diesel, vermag den Film bei Weitem nicht vergleichsweise zu schultern, was an seiner einseitig Ghetto-Trotz-Attitüde liegen mag, die daneben keinen interessanten Charakterzug aufweist, derweil die Story lieblos zusammengeklatscht ausfällt und die Action erst gegen Ende halbwegs zufriedenstellend anzieht. Unspektakulärer Action-Langweiler. (2,5)
Hereditary - Das Vermächtnis [Hereditary] (2018)
Oh weh. Mein erster Gedanke nach dem Kinogang war: das kann unmöglich euer Ernst sein! DAS soll der beste Horrorfilm seit Jahren sein? Nachdem ich drüber geschlafen hatte, fiel mein Urteil milder aus, nichtsdestotrotz kann ich den "Hereditary" umkreisenden Hype bloß ungläubig wahrnehmen.
Klar: objektiv betrachtet macht Ari Aster formell nichts falsch, die Inszenierung entspricht der Thematik der Trauerbewältigung und der daraus resultierenden Zerstörung des familiären Zusammenhalts (u.a. aufgrund von Wahnsinn). Außerdem liefert Aster reichlich Szenen, die sich für weitläufige Interpretations-Selbstläufer regelrecht anbiedern. Mein Problem mit "Hereditary" verorte ich daher daran, dass er zwar als Drama passabel funktioniert, als Horrorfilm jedoch überhaupt nicht. Und um den ganzen "Oh, das sagst Du nur, weil es eine komplett andere Art von Horrorfilm ist, der nicht von Jump Scares lebt"-Apologeten vorzubeugen: daran liegt es nicht! Sicher: das kontemporäre Horrorkino ist furchtbar überfüllt mit Jump Scares, bedauerlicherweise insbesondere derer dilettantischer Art. Insofern begrüße ich jede frische, abwechslungsreiche Herangehensweise, die Alternativen aufbietet - freilich sollte sie auch Alternativen zu bieten wissen, insbesondere Alternativen, die funktionieren.
Konkret auf "Hereditary" bezogen: die zweite Hälfte des Films, das, was man Horror nennen mag (alles davor ist zweifelsohne furchtbar, erschütternd und niederschmetternd, seinem Wesen nach hingegen dem Drama mehr verpflichtet) funktioniert hinten und vorne nicht. Aster verfehlt sowohl den mutmaßlich ursprünglich angedachten quälenden Effekt, der das Leiden der Familie vermitteln würde, als auch den sukzessiven Abstieg in den Wahnsinn gewisser Angehöriger. Das liegt zum einen daran, dass er nie wieder die bleierne, schwer erträgliche, deprimierende Intensität der Szene erreicht, in der Toni Collette am Boden zerstört, von unerträglichem Schmerz erfüllt nur noch den Tod herbeisehnt. Was danach folgte, konnte lediglich wie eine Besserung der Stimmung anmuten, weswegen ich mich fragte, wie der Drama-Teil überhaupt mit dem Horror-Teil in Einklang gebracht werden könnte. Ich bezweifelte sehr, dass das überhaupt möglich ist und behielt Recht: Aster verlegt sich in der Folge zusehends auf eine Okkultismus-/Geisterbeschwörungs-/Satanisten-Mär (die es per se schwierig bei mir haben) plattester Art, bemüht abgedroschene Gruselideen und -Klischees, die weder ihre ordnungsgemäße Funktion erfüllen, nämlich zu gruseln, geschweige denn das Leid der Familie funktionsfähig vermitteln. Schlimmer noch: das Gegenteil ist der Fall. Das Gezeigte wirkt schlicht und ergreifend albern und lachhaft. Gleichzeitig ist das, was Aster zeigt, zu keinem Zeitpunkt wagemutig oder irritierend genug, um den Abstieg in den Wahnsinn besagter Familienmitglieder treffend zu illustrieren. Zu fad, zu abgenutzt ist das, was wir zu sehen bekommen.
Irgendwann war ich von der Chose nur noch extrem genervt, wünschte mir ärgerlich das Ende herbei oder zumindest, dass es endlich vorangeht. Ähnlich wie "VVitch" lässt das, was den Film zu Beginn packend erscheinen ließ, mehr und mehr nach, ersetzt Atmosphäre durch Hysterie und mündet in einem lachhaften Finale, das mit seiner arg, arg bemühten, halbherzigen Symbolik im Nichts aufgeht. Da ich mich in letzter Zeit mit eindringlichen Filmen wie "Tetsuo" oder "Eraserhead" beschäftigt habe, zudem wieder in den Genuss von Michelangelo Antonionis Umgang mit der Verquickung von (filmischen) Raum und Innenleben der Protagonisten gekommen bin, etwas, was Aster gänzlich verpasst, obgleich ich auf Basis von der im Endeffekt reichlich überflüssigen Sache mit den Puppenhäusern auf vergleichbares gehofft hatte, kann mich nichts an "Hereditary" hinter dem Ofen hervorlocken. Wenn es um filmisch realisierte Trauerbewältigung bzw. Besesenheit geht, haben "Don't Look Now" und sogar "The Babadook" weiterhin die Nase vorn. (4,5)
Dead Silence (2007)
Nach seinem die Torture Porn-Welle aus der Traufe hebenden Überraschungshit "Saw" wandte sich James Wan ohne Verzug dem zu, was man bloß als Vorspiel oder Fingerübung zu seinen langlebigen "Insidious"- und "Conjuring"-Reihen (inklusive Spin-offs) bezeichnen kann. Lange vor diesen vereinte er in "Dead Silence" grässliche Puppen, gruselige Grandmas und einen wohltuenden leicht altmodischen Stil, ohne in Gewalt- oder Blutorgien versinken zu müssen, selbstredend einschließlich der habituellen Jump Scares. Fand ich seinerzeit tatsächlich Gänsehaut erzeugend, heute machen sich die Abnutzungserscheinungen von Wans Art deutlich bemerkbar. (6)
Tokyo Fist [東京フィスト TOKYO FIST] (1995)
Ein Thema, das bislang bei Tsukamoto Shin'ya unterschwellig Eingang fand, bringt er hier zur vollen Entfaltung: das beengende, zermürbende, abstumpfende Großstadtdasein attackiert er via Body Horror, erzählt vordergründig von einer Dreiecksbeziehung, die hingegen für keinen der Beteiligten Erfüllung oder gar Erlösung bringen kann, infolge der urbanen emotionalen Sterilität, die sie befallen hat, sie quält und plagt. Erst die Modifikation und Überwindung des Körpers durch die verformenden Resultate des Boxens bzw. Bod Mods schenkt den Protagonisten nach und nach zerstörerischen Segen. Ein wortwörtlicher Befreiungsschlag. (8)
Der 1. Ritter [First Knight] (1995)
Für die Herren der Schöpfung gibt's Schlachtengetümmel, für die holde Damenwelt den Dreiecksliebe-Schmachtfetzen rund um Richard Gere - alles brav, bieder, einfallslos und volle Kanne 90er. Der ist ohne Widerspruch zu Recht an den Kinokassen untergegangen, zu unspektakulär, formelhaft, schlechtweg altbacken ist er ausgefallen, da helfen weder Sean Connerys Präsenz, noch Jerry Goldsmiths Musik. (4,5)
Robin Hood - König der Diebe [Robin Hood: Prince of Thieves] (1991)
Im Grunde dasselbe in Grün, doch wo "First Knight" übermäßig antiquiert wirkte, trumpfen die beiden Kevins Costner und Reynolds mit gelungenen Modernisierung auf, peppen das Abenteuer durch fesche Action, dosierten augenzwinkernden Humor, Völkerverständigungsplädoyer qua Morgan Freeman und nicht zuletzt den herrlich chargierenden Alan Rickman (R.I.P.) auf. Unterm Strich: flotte 90er-Unterhaltung. (7)
Bullet Ballet [バレット・バレエBullet Ballet] (1998)
Die konsequente Weiterentwicklung von "Tetsuo" und "Tokyo Fist", stilistisch und inhaltlich eine Fusion beider Formen in atemberaubenden schwarz-weiß, abermals eine unbeschreiblich durchdringende audiovisuelle Vermittlung des betäubenden, frustrierenden Lebens im Großstadtmoloch Tokio, von der sich die Protagonisten in einem gewalttätigen, selbstzerstörerischen Wirbel (oder Ballett) zu befreien versuchen. Zugleich wagt sich Tsukamoto Shin'ya an eine sozialkritische Komponente kraft der Betrachtung der Aktivitäten scheinbar sinnloser, zielloser Gewalt von Jugendgangs, gleichwohl stellt sich dies letzte Endes als Symptom ein und desselben Ursprungs, derselben Krankheit heraus. (9)
Der Überfall der teuflischen Bestien [Rabid] (1977)
aka "Rabid - Der brüllende Tod". Exploitation wie "Shivers" plus den David Cronenberg-typischen Body-Horror. Zugegeben: die Idee des nymphomanen Vampirs ist reizvoll, Porno-Legende Marilyn Chambers in der Rolle passend, die Eskalation der sich verbreitenden Epidemie beunruhigend schleichenden Schrittes. Leider reißt das Geschehen dahingegen nie wirklich mit, ist repetitiv und misst Spannung. Die Protagonisten sind zu blass, der Inhalt im Vergleich zu anderen Cronenberg-Werken zu straight und Genre-typisch. Dröges Frühwerk. (5,5)
24 - 7,2 (173,0)
Auf die Welt losgelassen von
Okami Itto
Der Wahnsinn begann um
12:00 PM
4
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