Ja, ja, von wegen 15. Februrar, ich faule Sau. Trotzdem noch eine kleine ergänzende Bemerkung zu den Titel: sollten der deutsche Titel und der Originaltitel identisch sein, entfällt die zusätzlich Nennung in Klammern.
Jetzt aber ohne weitere Verzögerungen präsentiere ich wiederum die 10 Filme und 12 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen
Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B.
nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete
Serienstaffeln), die ich im Monat Januar gesehen habe:
Serien-Staffeln Doctor Who (Series 1) (2005) - (7,5-8,5) Doctor Who: The Christmas Invasion(2005) - (6,5) Doctor Who (Series 2) (2006) - (7-8,5+) Doctor Who: The Runaway Bride(2006) - (7+) Doctor Who (Series 3) (2007) - (7,5-9) Doctor Who: Voyage of the Damned(2007) - (7,5+) Doctor Who (Series 4) (2008) - (8-9,5) The Sarah Jane Adventures: Invasion of the Bane(2007) - (6) Geschichten aus der Gruft [Tales from the Crypt] (Season 1-2) (1989-1990) - (6-7+) Shaun das Schaf [Shaun the Sheep] (Season 1) (2007) - (8-9) The Pacific(2010) - (6,5-8,5)
Filme Die Addams Family in verrückter Tradition [Addams Family Values] (1993) Gefällt mir schlussendlich sogar einen Schuss besser, allein wegen des alptraumhaften Feriencamps, dass dankbarerweise Christina Ricci mehr Raum zur Entfaltung gibt. Nicht zu vergessen: die glänzende, spielfreudige Schauspielriege, ergänzt um die innbrünstig manische Joan Cusack. Herrlich! (7,5)
Das Verlorene Wochenende [The Lost Weekend] (1945) Billy Wilders oscarprämiertes Alkoholiker-Drama, anfangs in seiner Regie zurückgenommen, um seinen Hauptdarsteller Ray Milland in den Vordergrund zu stellen, eine schwierig zu schluckende Darbietung zwischen charmant und unerträglichem Arschloch, das alles in seiner Macht tut, die Leute, die ihm zur Seite stehen wollen, zu hintergehen und betrügen. Sobald Millandzusehends tiefer in den ihn niederreißenden Sog gerät, bis er am Rande der Selbstzerstörung steht, tritt Wilders Geschick deutlicher zu Tage, er gibt seinen Protagonisten einem alptraumhaftem Martyrium anheim, das zunehmend einen glücklichen Ausgang undenkbar macht. In all diesem gibt der Film nicht ausschließlich die Leseweise alkoholkranker Verzweiflung her, sondern einer Sinn- und Existenzkrise an sich, aus der der Alkoholismus als tragisches, destruktives Symptom hervortritt. Ein komplexer, wichtiger, hervorragend gespielter, gewiss jedoch kein leichter Beitrag. (9)
Blues Brothers [The Blues Brothers] (1980) Die Blues Brothers als Phänomen zu erfassen - kein leichtes Unterfangen. Der wilde Mix aus teils absurder Komödie, Road-Trip, Musik- und Actionfilm verwehrt sich jeden einseitigen Regelsetzungen und Genre-Grenzen, lässt sich nicht beengen oder simpel kategorisieren, breitet sich rotzfrech über alles aus, was er in die Finger kriegen kann. Aber bei Gott, es ist ein unmöglich zu kopierendes, unerreichtes Erlebnis, das vor Energie, Lust und Laune strotzt, grandiose Musikeinlagen mit legendären Cameos verbindet, sich ganz und gar dem Irrwitz hingibt und somit zur Legende reift. (8,5)
House (1986) aka "House I - Das Horror-Haus". So sähe es wohl aus, hätte Sam Raimi zu "Evil Dead II"-Zeiten "The Amityville Horror" verfilmt. Steve Miner schlägt jedenfalls mit diesem schrägen, fantasievollen Geisterhaushorror eine ähnlich derb-groteske Richtung ein, kombiniert schöne handgemachte Effekte und die Geschichte eines Vietnamveteranen, der neben seinem Kriegstrauma das Verschwinden seines Sohnes überwinden muss, zu einem fachgerechten Horrorcocktail, der gänzlich dem Geiste der 80er-Jahre entsprungen ist. Ein kurioses Abenteuer, wenn auch nur bedingt gruselig. (7)
Das Böse [Phantasm] (1979)
Ich muss von Vorneherein klar stellen, dass ich kein großer Fan der Reihe bin und noch nie war. Zumindest steckt hinter dem ersten Teil ein Potenzial bietendes Konzept: die Verarbeitung von Tod, Verlust und Verlustängsten aus der Sicht eines Teenagers nektiert Don Coscarelli nicht unklug mit Horror und dosiertem Science Fiction, konfrontiert sein Publikum über die unmittelbarste Schnittstelle zwischen Tod und Leben, dem Friedhof und dem Leichenbestatter, die auf einen sich in der Entwicklung befindenden Menschen, zumal selbst vom Tod der Eltern belastet, zwangsläufig eine konfliktnährende Faszination ausüben müssen. Die vielen bizarren Einfälle und die alles durchziehend hypnotische Unruhe haben letztlich ihren Reiz, die Reihe ist reich an unverkennbaren ikonischen Komponenten, für mich hat das ganze hingegen nie hundertprozentig harmoniert, der harte Schnitt, der wechselhafte emotionale Ton und die Charaktere überzeugen mich bis heute nicht, alles wirkt wie eine reichhaltige Idee, die schwer in Bilder und Worten zu fassen ist, möglicherweise zu schwer. Übrigens: die Origin-Story der Jawas! (6,5)
Das Böse II [Phantasm II] (1988) Unter der Ägide von Universal folgte fast zehn Jahre später das Sequel, eine merklich geradlinigere, actionorientierte, weniger ambivalente Angelegenheit mit Zugeständnissen an das Studio, wie ein ausgetauschter Hauptdarsteller und ein weiblicher Love Interest. Daher dürfte der zweite Teil den Zugänglichsten der Reihe darstellen, obwohl Don Coscarelli an der fremdartigen, surrealen Atmosphäre des Erstlings erfolgreich festhält. (6)
Das Böse III [Phantasm III - Lord of the Dead] (1994)
Für den dritten versammelte Don Coscarelli im Wesentlichen das Team des Erstlings, holte zuvörderst A. Michael Baldwin zurück ins Boot, landete jedoch gleichzeitig im Bereich des 90er-Jahre Horror-Trashs, mit abstrusem Charakteren und einer eher absonderlichen Vertiefung der Mythologie. Trashig Unterhaltsam. (B-Movie-Skala: 6)
Blind Woman's Curse [怪談昇り竜 Kaidan nobori ryû] (1970) Ishii Teruos Film ist in erster Linie ein visuell bestechender Genuss in prächtigen Farben, schicken Kulissen und ansprechend gefilmt, die Geschichte um verfeindete Yakuza-Clans hingegen zwar voller bunter Vögel, aber auch wirr und unübersichtlich, schwankend im Ton zwischen ernst, pathetisch, amüsiert und surreal, am Rande ergänzt um ein wenig Rachethematik (mit Kaji Meiko zur Abwechslung am anderen Ende des Spektrums) und dezente Horrorelemente. (6,5)
Das Böse IV [Phantasm IV: Oblivion] (1998)
Den vierten zu bewerten muss gezwungenermaßen unfair ausfallen, die Produktion hatte schwer mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen und konnte mit Sicherheit nicht mal die Hälfte von dem umsetzen, was Don Coscarelli im Sinn hatte. Herausgekommen ist ein zusammengeschustertes, unnötig verkompliziertes, unsinniges Werk, voller unvollständiger Ansätze, unzähliger neuer Fragen, ohne eine Lösung zu bieten oder zufriedenzustellen. (3)
Oh weh, das nenne ich eine üble Verspätung. Weihnachten war stressig, alles, was mich nebenbei noch beschäftigte nicht minder, weswegen ich erst heute dazu gekommen bin, die Reviewliste für Dezember fertigzustellen - im Februar. Ja, ja, ja, ich weiß was sie jetzt denken: so lange, wie ich für diese Liste gebraucht habe, lassen die meisten Leute ihren Weihnachtsbaum nicht stehen (außer meiner Patentante und das ist kein schlechter Witz, sondern die Wahrheit), immerhin ist die letzte Liste von wann, November? Und bereits diese war kam am 7. Dezember mit einer Woche Verspätung. Nichtsdestotrotz habe ich es endlich fertiggebracht, die Dezemberausgabe zu Ende zu bringen und möchte sie gerne veröffentlichen, um das wahrhaft schreckliche Jahr 2016 end-, end-, endlich hinter mich zu bringen und abzuschießen, meine -zuschließen.
Da ich mich wenig um meinen Blog gekümmert habe, werde ich dieses Jahr zudem wahrscheinlich kein Wort zu den Oscars verlieren. Jedoch ein Blick auf die Nominierungen dieses Jahres genügt, um festzustellen, dass sie dem nichtssagenden Filmjahr 2016 entsprechend langweilig ausgefallen sind. Weitere Kommentare sind im Grunde genommen überflüssig.
Bevor ich somit zur eigentlichen Liste komme, möchte ich noch ein, zwei kleine formale Änderungen erwähnen, die ich künftig ab 2017 anwenden werde: Nummer 1 betrifft den bereits in der Oktober/II/2016-Liste eingeführten Umgang mit Verlinkungen zu Reviews aus älteren Reviewlisten Filme betreffend, zu denen mir nichts neues zu sagen mehr einfallen will oder kann (in dieser Liste: "Der Mann mit dem goldenen Colt"). Bei "Coraline" habe ich es noch gehandhabt, dass eine Veränderung der Wertungen mit dem Vermerk "Neuer Wertung" unter dem Link selbst notiert ist. Künftig wird die neue Wertung beim alten Review zu finden sein, mit der alten Wertung als kleine Zahl danebenstehend (Beispiel "Coraline": (98,5)). Nummer 2 betrifft die Titel von Filmen und Serien, genauer deren Original-Titel, die ich ab dieser Liste in eckigen Klammern hinter dem deutschen Titeln hinzufügen werde (ich hadere noch mit mir selber, ob ich das rückwirkend für ältere Listen durchsetze). Das grundlegende Schema bleibt bestehen: deutsche Titel entnehme ich der OFDB, Original-Titel der IMDB. Ein Spezialfall fällt bei asiatischen Filmen an: den Original-Titel entnehme ich bei diesen ebenso der IMDB, ergänze indes die entsprechende Schriftweise des Originallandes (etwa Kanji bei japanischen, Hanzi bei chinesischen Produktionen) und in runden Klammern den geläufigen englischen Titel (Beispiele finden sich in dieser Liste). Deutsche Alternativtitel nenne ich nach wie vor mit einem aka "xy" vor dem regulären Review.
Weil die Dezemberlist sich so schlimm verspätet hat, kommen übrigens die gesamte Januar-Liste erst am 15.2.25.2. und die gesamte Februar-Liste am 1.33.3.
Und somit präsentiere ich endlich wiederum die 23 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen
Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B.
nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete
Serienstaffeln), die ich im Monat Dezember gesehen habe:
Serien-Staffeln Seinfeld (Season 9) (1997-1998) - (6-7) Children of Dune (2003) - (7-7,5) Black Books (Series 1-3) (2000, 2002, 2004) (6,5-7,5)
Filme Hellboy - Die goldene Armee [Hellboy II: The Golden Army] (2008)
Wie bereits erwähnt: nochmal eine Steigerung gegenüber dem bereits tollen Vorgänger. Wir kennen Hellboy und seinen Freundeskreis inzwischen gut genug (ein John Meyers, der uns an die Hand nimmt, ist nicht mehr von Nöten), ihre Marotten, Vorzüge und Makel. Folglich kann Guillermo del Toro den Teufel befreit von der Leine lassen, taucht genüsslich in dessen Welt ein, schildert ihn und seine Mitstreiter als liebenswerte Außenseiter, die mit ihrem Schicksal und ihrer Rolle in der Welt merklich hadern. Stimmungstechnisch geht er einen etwas anderen Weg als der Vorgänger oder die Comics, platziert Ron Perlman (erwähnte ich schon, dass man nicht besser casten konnte?) & Co. in einer stimmungsvollen, reich bevölkerten Fantasywelt, die parallel zur der der Menschen existiert, verleiht ihr darüber hinaus einen melancholischen Glanz von vergangener Schönheit und Ehrfurcht. Es ist eine glaubhafte Bühne auf der die Charaktere miteinander agieren, teils eine tragische Dimension bekommen, sogar der Antagonist Prinz Nuada besitzt mehr Facetten anstatt ausschließlich die des bösen Widersachers. Und gerade das ist es, was den Film, auch jenseits des massiven Aufwands, der hinter den sagenhaften, detaillierten, fantastischen Kostümen, Kulissen und Kreaturen steckt, so wunder-, wunderschön macht, weil er seine Charaktere und ihre Probleme ernst nimmt, ihnen Tiefe (im Rahmen des Möglichen) verleiht, sie sich entwickeln lässt und dies zum dominierenden Element macht, ohne den Fantasy-Abenteuer-Teil darunter leiden zu lassen.
Wenn man will, mag man kritisieren, dass del Toroeine ganze Menge Material in den Film gestopft hat, an manchen Sachen vorbeizurasen scheint, oft an der Grenze schrammt, die Kontrolle über dieses sagenhafte Fantasy-Füllhorn zu verlieren. Gleichwohl (in meinen Augen) hat er die Kontrolle gewahrt, sich nicht hinreißen lassen und einen großartigen, großartigen Fantasyfilm mit tollen, bezaubernd-charmanten Charakteren, mit so viel Herz und Wärme, Tragik und Melancholie, charakterlicher Tiefe und Spektakel geschaffen, dass es unwahrscheinlich erscheint, dass das alles unter einen Hut zu bekommen gewesen war. Allerspätestens in der Szene, wenn Hellboy und Abe in der Bibliothek sitzen, über die Damen ihres Herzens lamentieren, dazu Bier trinken und "I can't smile without you" zum Besten geben, muss man einfach sein Herz an den Film verlieren - es sei denn, man hat keins. Schön, dass es sowas gibt. (9)
Okami - Die tätowierte Killerin [子連れ狼 親の心子の心 Kozure Ôkami: Oya no kokoro ko no kokoro (Lone Wolf and Cub: Baby Cart in Peril)] (1972) Beim dritten Teil der Reihe wurde mir noch bewusst, wie sehr sich Geschmack mit der Zeit verändern kann. Der vierte hat mir nun vor Augen geführt, wie geringfügig sich Geschmack mit der Zeit verändern kann - manchmal lehrt sie einen bloß sich selbst besser zu verstehen. Ich finde ihn unvermindert misslungen, die Geschichte der tätowierten Killerin, in Koike Kazuos Manga eine der beklagenswertesten Figuren und tragischsten Erzählungen, vermögen Drehbuch und Regisseur Saito Buichi, der Misumi Kenji ablöst, nicht in adäquaten Worten und Bildern einzufangen, Azumia Michis Rachefeldzug entwickelt bei weitem nicht die Dramatik ihres Pendants im Manga. Ähnlich wie der Subplot um Yagyu Ganbei wirkt sie zu beiläufig, zu desinteressiert vorgebracht. Hinzu kommt, dass die obligatorische, frei hinzugedichtete finale Massenschlacht weiteren Schaden anrichtet, einen plumpen, viel zu actionbetonten Nachklapp liefert, der innopportun von der stillen, nachdenklichen Traurigkeit, die Oyukis Schicksal erzeugen sollte, ablenkt, ihn regelrecht negiert. Schade drum. (6)
Traitor (2008)
Mit Terrorismus-Thrillern kann man mich jagen, "Traitor" hat mir wider Erwarten ganz gut gefallen. In erster Linie dem Action-Thriller verhaftet, versucht Jeffrey Nachmanoff allerwenigstens, kein eindimensionales, simplifizierendes Bild des prekären Themas und der Beteiligten zu zeichnen. Ohne Frage liegen die Sympathien mehr auf der Seite der Behörden, es ist und bleibt schließlich ein amerikanischer Film. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings nicht, dass sie in einem durchgängig positiven Licht erscheinen, ebenso wenig wie die Terroristen apodiktisch wie verklärte Fanatiker und misanthropische Monster umrissen werden. Die Verfolger verdienen Kritik, den Verfolgten wird, bei aller Ablehnung und Verurteilung ihrer verabscheuenswürdigen Taten, als Menschen gerecht zu werden versucht: manche manipulieren ihre Soldaten, instrumentalisieren die Religion, andere glauben unverfälscht an die Rechtschaffenheit ihrer Taten, politisch, wie religiös, sind obendrein nicht unsympathische Zeitgenossen, wieder andere stellen sich als verzweifelte, desorientierte und hilflose Opfer heraus, die für eine Sache eingespannt werden, die sie nicht gänzlich verstehen. Don Cheadle in der Rolle des eponymen Verräter in mannigfaltiger Hinsicht steht zwischen allen Fronten, nimmt gleichermaßen eine Vermittlerposition zwischen den Parteien, sowie die Funktion eines emblematischen Punkts, an dem alle Konfliktherde psychisch und moralisch zerren, ein. Gewiss bleibt der Film seinem Genre-Naturell verpflichtet, eine tiefgehende, kontemplative Auseinandersetzung mit dem Thema findet nicht statt, es fehlt der Mut dahin zu gehen, wo es wirklich weh tut und auf political correctness zu verzichten. Nichtsdestotrotz ein guter Ansatz. (harsche Wertung: 6,5)
Sharknado 4: The 4th Awakens (2016)
Wie beim dritten Teil richtig erkannt, war das der vorläufige Höhepunkt des Asylum-Trash-Outputs, Nr. 4 kann trotz des temporeichen Las Vegas-Beginns nicht mehr bieten, wird schnell langweilig, beliebig, wirkt von seiner Idee selbst ermüdet. Ein, zwei Szenen amüsieren, ansonsten sollte das bitte endlich den Schlusspunkt darstellen. (Trash-Skala: 4)
Lost in Translation (2003)
Sah ich das erste Mal auf dem Höhepunkt meiner "The Lord of the Rings"-Manie und weil es sowas gänzlich anderes war, konnte mich Sofia Coppolas kleine, feine Charakterstudie seinerzeit gehörig umhauen. Die gleiche Begeisterung löst er heute bei mir nicht mehr aus, nach wie vor halte ich ihn für ein gelungenes Porträt zweier im Leben gestrandeter Seelen, zeitlich betrachtet an unterschiedlichen Punkten ihres Seins, ungeachtet dessen innerlich miteinander zutiefst vertraut und verwandt. Um diese Verlorenheit zu symbolisieren, konnte Coppola, zumindest für die "westliche" Perspektive, keinen besseren Handlungsort wie Tokio wählen, der selbst auf unvoreingenommene Zuschauer wie eine schräge, nicht allein sprachlich unmöglich zu verstehende Welt wirken muss, in der man sich ebenso fehl am Platze fühlt wie die beiden Protagonisten. Was den Film hingegen wirklich hervorstechen lässt sind die Schauspielleistungen von Bill Murray und Scarlett Johansson, wunderbar zurückhaltend und doch voller Aussagekraft, sie machen vor allem anderen den Film bis heute sehenswert. (8)
Wenn die tollen Tanten kommen (1970) Unfassbar unlustige deutsche Chauvi-Komödiengrütze, prall gefüllt mit grässlichen Schlagernummern, um die bereits knappe, miserabel ausgefüllte Geschichte, wenn man es so nennen möchte, auf Filmlaufzeit zu strecken. War damals ein Kinohit? Passt. Armes Deutschland, die Filmwüste. (1)
Okami - Der weiße Pfad der Hölle [子連れ狼 冥府魔道 Kozure Ôkami: Meifumadô (Lone Wolf and Cub: Baby Cart in the Land of Demons)] (1973) Für den vorletzten Teil kehrt Misumi Kenji, der maßgeblichen Anteil daran hatte, die Reihe groß zu machen, zum vierten und letzten Mal auf den Regiestuhl zurück, erzählt eine relativ verworrene, wenigstens aber das Interesse haltende und konzentrierte Geschichte, die Actionszenen versucht er durch ungewöhnliche Kadrierungen zu variieren, welche die Schwertkämpfe bisweilen an den Rand des Geschehens weichen lassen. Im Großen Finale führt er die vielfältigen, verschiedenste Interessen umfassenden Erzählstränge zufriedenstellend zusammen und bietet einen spektakulären, wie drastisch-konsequentem Endpunkt. (8)
Iron Tiger [方世玉續集 Fong sai yuk 2] (1993)
Im Unkenntnis des Erstlings: typischer Kung-Fu-Klamauk der 90er-Jahre, der seine Albernheiten hauptsächlich im Spannungsfeld der Geschlechter, Mann und Frau, Mutter und Sohn, Gatte und Gattin zuzüglich Nebenfrau, situiert findet, garniert mit Kung-Fu-Slapstick, patriotischem Pathos und hysterischen Frauchen, die samt und sonders Jet Lis Charme kaum widerstehen können, von Corey Yuen gewohnt rasant und mit viel Wire-Fu gestaltet. (6)
Total Risk [鼠膽龍威 Shu dan long wei (Meltdown)] (1995) aka "High Risk". Wong Jing realisiert mit sicherer Hand einen "Die Hard"-Epigonen, den er auf HK-Art um einige explosive Action-Elemente erweitert, von denen John McClane bloß zu träumen vermag. Bevor es zur das Konzept determinierenden Geiselnahme und Einzelkämpferausgangslage kommt, insofern abweichend, dass sich Jet Li mitsamt Entourage inklusive kreischenden Weibchen der Terroristen zu erwehren hat, gönnt Wong den Figuren einen ausgedehnten Vorlauf, stellt die Protagonisten ausführlich vor, formuliert Jet Lis tragische Vorgeschichte mit Kelvin Wong aus. Besonderen Fokus legt er auf Jacky Cheungs hanswurstige Parodie des repräsentativen HK-Kung-Fu-Stars Marke Bruce Lee oder Jackie Chan mit Star-Allüren, was, neben des offensichtlichen platten Comic Relief, zunächst als flamboyante Kontrastfigur zum besonnen agierenden Helden seinen Zweck erfüllt, im Grunde genommen Lis Kit Li überhaupt erst definiert, später jedoch unüberlegterweise zu sehr in den Mittelpunkt rückt, Raum für unzählige affige Slapstickeinlagen macht (gefühlt hat er mehr Laufzeit als Li). Im Ganzen geizt der Film nicht mit HK-gewohnten Humoreinlagen, welche die Action laufend unterbrechen. Wie Wong die verschiedenen Teile mischt, Albernheiten, Action und Ernst wie selbstverständliche Teile des Ganzen nebeneinander stehen lässt, das ergibt einen prächtigen, temporeichen Cocktail, wie er so einzig in HK möglich erscheint. (7)
Jack Frost - Der eiskalte Killer [Jack Frost] (1997) Anti-Weihnachten! Absurder, billig runtergekurbelter Horror-Mumpitz mit schlecht getrickstem, vermutlich witzig-gemeintem Killer, selbst für Trash-Fans langweilig. (Trash-Skala: 2)
Die Truman Show [The Truman Show] (1998)
Die Prämisse birgt Potenzial für Missverständnisse und falsche Erwartungen, derjenige, der dachte eine ätzende Abrechnung mit dem Konzept des Reality-TV zu sehen bekommen, muss sich auf eine Enttäuschung gefasst machen. Peter Weir präsentiert uns keine ausgemachte Medien-Satire, obzwar er an Seitenhieben nicht spart, sondern eine tragikomische Auseinandersetzung mit Existenzialismus, Determinismus, freiem Willen, Gesellschaft und Individuum, sowie religiösen Implikationen, arrangiert um Jim Carreys Everyman und Ed Harris Künstler mit Gott-Komplex. Mehr entkrampft nachdenklich denn amüsant. (8)
Gremlins - Kleine Monster [Gremlins] (1984) Anti-Weihnachten! Alle Jahre wieder sind Gizmo und seine teuflisch-chaotische, trotzdem liebenswerte Brut, ihr anarchischer Unsinn, mit dem sie diesen Mikrokosmos amerikanischen Vorstadttums heimsuchen und auf den Kopf stellen, dessen urigen Einwohner und natürlich Joe Dantes stimmiger, detailtiefer Regie-Stil ein höllischer Spaß. Einer meiner Lieblinge. (9)
Okami - Blutiger Schnee [子連れ狼 地獄へ行くぞ!大五郎 Kozure Okami: Jigoku e ikuzo! Daigorô (Lone Wolf and Cub: White Heaven in Hell)] (1974)
Der sechste Teil bildet den Abschluss der Kinofilmreihe, bedauerlicherweise ohne sie tatsächlich abzuschließen. Unter Kuroda Yoshiyukis Regie schlägt der Beitrag zudem eine absonderliche Richtung ein, entfernt sich vom Gefühl her am weitesten vom Manga, der plötzliche Hang zum Fantasy-Horror kommt einem deutlichem Bruch zum Samurai-Tropus gleich, zumal die Fünf-Räder-Technik der Yagyu gänzlich aus dem Kontext gerissen bis auf den blanken Effekt seinen Sinn verliert. Wie insgesamt der ausgeprägte Hang zum etwas trashigen, actionlastigen B-Movie schwer ignorierbar ist. Es bleiben allerwenigstens der gelungene Teil mit Yagyu Kaori (der Ersatz für Sayaka) und das aberwitzige Finale im Schnee, in dem sich Wakayama Tomisaburo im mit Skiern und MG bewehrten Kinderwagen und Katana in der Hand einer Ninja-Streitmacht erwehrt, die ihn ihrerseits auf Skiern akrobatisch attackiert, während Ôki Minoru Artillerie-Sperrfeuer aus seinem Kanonenschlitten bereitstellt. Einen irrsinnigeren und bombastischeren Schluss hätten man sich nicht wünschen können. (7)
Tatis Schützenfest [Jour de fête] (1948)
Ja, es ist ein Klassiker der französischen Komödie und das spielerische, unerschöpfliche Ideenreichtum, das Tati mit seinem Fahrrad zur Ausführung seiner komödiantischen Eskapaden an den Tag legt, ist schon ziemlich toll. Weswegen es mir umso schwerer fällt auszudrücken, warum mich sein "Schützenfest" höchstens leidlich amüsiert hat. Möglicherweise fehlt mir das Faible für das beschauliche Leben dieser Art einer französischen Dorfgemeinschaft. Hängt nicht mein Herz dran. (6,5)
Stirb langsam [Die Hard] (1988) Anti-Weihnachten! Kann man nicht viel zu sagen, ist und bleibt einer der besten Actionfilme, die je gemacht wurden. (10)
We Are Still Here - Haus des Grauens [We Are Still Here] (2015)
Die Ausgangslage ist vielversprechend: ein trauerndes Paar, ein unheimliches Haus einschließlich dunkler Vergangenheit, die sich insbesondere im lichtscheuen Keller geisterhaft manifestiert, eine verschworene Dorfgemeinde, alles vor einer 70er-Jahre-Kulisse - Ted Geoghegan hat einen beträchtlichen, in alle Richtungen austeilenden Mischmasch fabriziert, dem er zu allem Überfluss um eine Wahrsagerin und Seancen bereichert. Mit all diesen Elementen ist er freilich merklich über das Ziel hinausgeschossen, was sich am auffälligsten in der cheesigen sektengleichen örtlichen Bevölkerung niederschlägt, sowie im blutigen Finale, das in seinem chaotischen Gemetzel nur noch ulkig ist. Sollte das eigentlich eine Komödie/Parodie sein? (6)
Ein Held auf Rollerblades [Search for the Jewel of Polaris: Mysterious Museum] (1999) aka "Mysterious Museum - Rollerblade Knights". Für einen günstig produzierten, kindgerechten TV-Fantasyfilm mit Trash-Neigung fand ich den ganz in Ordnung und sympathisch. Blöd, ja, aber ich kann und will ihm nicht böse sein. (5)
Herkules [Hercules] (1983)
Ach, an den habe ich seinerzeit mein Trash-Herz verloren, ihm bedenkenlos die Trash-Königswürde erteilt. Er ist und bleibt toll, ein würdiger Souverän, im Grunde genommen nicht allein als Trash-Film, sondern als Fantasyfilm an sich. Wie könnte man diese wilde, kunterbunte, traumgleiche Verarbeitung griechischer Sagen nicht lieben? (Trash-Skala: 10)
Ein Königreich vor unserer Zeit I [Wizards of the Lost Kingdom] (1985)
Und nun zum kompletten Gegenteil: nichts anderes als inkohärenter, zum Schießen komischer Fantasy-Trash ohne Budget. Ich sage nur: KUSCHELCHEWBACCA. (Trash-Skala: 7)
Die Tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten [Those Magnificent Men in Their Flying Machines or How I Flew from London to Paris in 25 hours 11 minutes] (1965)
Die verschiedensten Klischeegeburten der jeweiligen Länder und ihre Darsteller miteinander interagieren, konkurrieren und sich untereinander frotzeln zu sehen, das ist herrlich. Dass das eigentliche Flugrennen der geschürten Erwartung nicht ganz standhalten kann, ist angesichts der fabelhaften Flugmaschinen und staunenswerten Kameraarbeit mehr als verschmerzbar. (7,5)
Die Rache des Ungeheuers [Revenge of the Creature] (1955)
Der Gil-Man wird seiner natürliche Umgebung entrissen und im Zoo eingesperrt. Leider schweift die Handlung davon zu sehr ab in Richtung John Agar und (zweifachen) Love Interest Lori Nelson, zu weit weg von der Interaktion mit dem "Monster", wodurch sich bis zum großen Ausbruch und der anschließenden Jagd Längen einstellen und selbst dann will keine richtige Fahrt aufkommen. Sicher, es ist ein B-Monster-Movie, das war das Original allerdings auch und verstand es deutlich mehr in seiner knappen Prämisse unterbringen können. (6)
Santa Claus (1959)
Kann man das einen Anti-Weihnachtsfilm nennen? OK, Santa Claus spielt die Hauptrolle - wie genau seine Horde von Kinderarbeitern (deren Darsteller zu grauenhaft miserablen Gesangseinlagen und von ihren Eltern offensichtlich unter Androhung von Prügelstrafen auf das Set gezwungen wurden), sein High-Tech-Fairy-NSA-Labor, Merlin als magischer Q, sowie zu allem Überfluss der Teufel, der seinen unfähigsten Handlanger entsendet, Santas Weihnachtstour gründlich zu sabotieren (nebenbei ein arbiträr ausgewähltes Mädchen zum Diebstahl, ein ebenso zufällig erwähltes Rowdy-Trio zu allerlei Schabernack zu nötigen) sich in dieses unfassbare Gesamttrashwerk fügen... nun, diesen Wahnsinn sollte jeder für sich selber erfahren. Unter Vorwarnungen! (Trash-Skala: 7)
Hiermit präsentiere ich wiederum die 11 Filme und 3 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen
Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B.
nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete
Serienstaffeln), die ich bisher im Monat November gesehen habe:
Filme Ferien in der Hölle (1971)
Ein selten beachtetes Juwel von "First Blood"-Regisseur Ted Kotcheff, ein vergällender Blick auf das Leben im australischen Outback, denn je tiefer Gary Bond in diese abgelegenen Gegenden vordringt, gestrandet, vom wohl geordneten, kategorisiertem städtischen Leben getrennt, weit weg von allem, was wir unter Zivilisation verstehen, desto stärker steigen ihm die Hitze, das triste Naturell der Umgebung und das Gefühl, vom Rest der Welt abgesondert zu sein, zu Kopf, treiben ihn in einen tatsächlich höllenhaft anmutenden Wahn, einen fiebrigen Albtraum, der ihm allmählich, wie den Bewohnern dieses unwirtlichen Landstriches, Vernunft und Menschlichkeit auszutreiben scheint. Ein schwer zu schluckender Brocken. (8,5)
Hellboy (2004) Eine meiner Lieblingscomicverfilmungen, schließlich steckt Fantasyfilm-Genius Guillermo del Toro dahinter, der der Geschichte seinen eigenen Stempel aufdrückt, unter Beibehaltung des grundsätzlich düsteren, apokalyptische n Tons des Comics eine hinreißende Außenseitergeschichte konstruiert, getragen von dem großartigen Ron Perlman, die bestmögliche Castingentscheidung. Selbst optisch ein Genuss, mit rasanten Actionszenen, Atmosphäre, Hingabe und fühlbar viel Herz. Love it! Steigert sich noch im zweiten Teil. (8,5)
Formicula (1954)
Der Klassiker unter den Monsterameisen-Filmen, über weite Strecken ein wirksamer Thriller, besonders im ersten Abschnitt in der Wüste New Mexicos, wo die Präsenz der Ameisen zunächst bloß indirekt, hauptsächlich durch die Spuren der Verwüstung, die ihre Angriffe zurücklassen, oder durch das charakteristische, Unheil erahnen lassende Zirpen, spürbar wird. Die Bedrohung lauert gehörige Zeit ungesehen in der kargen, weitläufigen Landschaft, bevor man das erste Mal die großartigen Animatronics leibhaftig zu sehen bekommt und da haben sie bereits einen gehörigen Build Up hinter sich, dem sie zum Glück standhalten. Dieser Teil bleibt der stärkste des Films, bei der folgenden Jagd auf die entkommenen Königinnen stellen sich Längen ein, was damit zusammenhängt, dass es keinen dezidierten Helden gibt, der durch diese Zeit führt, der verwaltungstechnische Teil viel Raum einnimmt und der Darstellung des Militärs vor der der Ameisen Vorzug gegeben wird, was die Leseart des Films als Parabel auf den Kampf gegen den Kommunismus und der Ängste vor der Atombombe unterstützt. Zum Finale in der Kanalisation wird's wieder aufregender, dort gibt es gehörig Action im Kampf gegen die Ameisen. Letztlich hätte man dennoch gern mehr von ihnen, weniger von den Soldaten gesehen, aber das rüttelt kaum merklich am Klassikerstatus des Films, der in vielerlei Hinsicht als reichhaltige Inspiration späterer Monsterinsektenfilme wie "Tarantula" dient. Kurzum: toll getrickst, tolles erstes Drittel, etwas zäh bis zum Finale und mit vergessenswerter Kommunismusparabel. (8)
Okami 2 - Am Totenfluss (1972) aka "Der Unbesiegbare Samurai". Wirkt actionorientierter als der Einstieg, mit der Exposition aus dem Weg und angesichts der toll arrangierten, blutigen Kämpfe warum auch nicht. Die verschiedenen kombinierten Kurzgeschichten der Vorlage wurden folglich in einer zweigliedrigen, recht einfachen, verwirrende Zeitsprünge oder allzu komplexe Intrigen vermeidenden Geschichte adaptiert: einerseits müssen sich Wakayama Tomisaburô und Tomikawa Akihiro einer Zweckallianz bestehend aus Kurokuwa-Spionen und einer weiblichen Yagyu-Killerbrigade angeführt von Kayo Matsuo (als Yagyu Sayaka, im Manga anders als hier niemand geringeres als die Tochter Yagyu Restusdos) erwehren, andererseits einen weiteren Mordauftrag erfüllen, dazu die drei Bentenrai-Brüder überwinden. Beide Stränge bieten spannende Aspekte, zum einen Kayos Beziehung zu den Okamis, zum anderen die illustren Kampfstile der Brüder, die mitunter am meisten Spaß machen. Ferner bekommen wir tiefere Einblicke in die Beziehung von Vater und Sohn. Kenji Misumis Bildkompositionen sind hier hinzukommend besonders prägnant. (8,5)
Okami 3 - Der Wind des Todes(1954) aka "Japango" (warum auch immer). An dem wurde mir bewusst, wie sich Geschmack über die Zeit verändern kann. Früher einer meiner Lieblingsteile der Reihe hat er zwar mit den Watarikachi und der Einführung von Gô Katôs Kanbei, sowie den Bohachimon-Teil um Hama Yûko einen beeindruckenden, sogar relativ dialogstarken Auftakt, der ohne exzessive Schwertkämpfe auskommt, sobald Okami jedoch seinen Mordauftrag erhält, verliert die Geschichte einen Teil seines anfänglichen Verves, da urplötzlich ein neuer Widersacher samt Sidekicks eingeführt wird, die allesamt kaum Profil entwickeln können. Zumal Okamis Plan einen Schuss konfus geraten ist, die sporadischen Angriffe der Yagyu-Häscher ablenkend wirken. Immerhin mündet alles in einer schicken Massenschlacht. (7,5)
Kommissar Beck: Tödliche Sackgasse (2016) Nicht die cleverste Idee mitten in der Reihe reinzuschauen, über die Charaktere und ihre vielfältigen privaten Sorgen die Übersicht zu behalten, musste entsprechend schwer fallen. Da es sich um einen Krimi skandinavischer Prägung handelt, fällt die Stimmung obendrein beträchtlich trostlos aus, verstärkt durch die ausgeblichenen Farben und die unablässig im Halbdunkel gehaltenen Charaktere. Der verzwickte Kriminalfall trägt genauso kaum zur Sonnenscheinstimmung bei, ist spannend, wenn man Schritt hält. (6,5)
The Musketeer (2001)
Ein weiterer, schlichtweg gescheiterter Versuch, Alexandre Dumas klassische Geschichte zu modernisieren. D'Artagnan, der die meiste Zeit im Fokus steht, sehr zu Ungunsten der anderen charakterlos bleibenden Musketiere, die kaum noch als Nebencharaktere zu identifizieren sind, leidet unter seinem charismabefreiten Darsteller Justin Chambers, seine und seiner Kameraden Mission Frankreich zu retten ist konfus geschrieben und unspektakulär ausgeführt, was sich item für die von Xin Xin Xiong mit Wuxia-Touch choreografierten Actionszenen sagen lässt, in der Werbung großartig aufgeblasen, in der Realität schlecht beleuchtet, unmöglich nachvollziehbar, sowieso zu dürftig an der Zahl und zu kurz (PG-13 sei Dank?), das finale Duell wurde gleich aus "Once Upon a Time in China" entlehnt. Schade um Tim Roth und die an sich ordentlichen Kulissen und Kostüme. Tauglichere moderne Versionen: die Disney-Verfilmung oder Paul W.S. Andersons Action-Spektakel. (4)
Augen ohne Gesicht (1960) aka "Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff" (warum auch immer). Hat ja einen gewissen Klassiker bis Geheimtipp-Status und ich verstehe durchaus warum. Mir hat er indes seit jeher wenig gegeben, obwohl ich seine grundsätzlich vorhandenen poetischen Elemente und interessanten Ansätze ausgesprochen reizvoll finde. Gleichwohl bin ich unverändert der Meinung, dass keiner diese Ansätze zufriedenstellend umgesetzt wurde, Georges Franju reißt unzählige faszinierende Themen an, verpasst jedoch, sie brauchbar auszufüllen. Das Vater-Tochter-Verhältnis bleibt oberflächlich, ähnlich die Beziehung Pierre Brasseurs zu Alida Valli, zeitweise die einnehmendste Figur, zumal Brasseur selbst in jeder Hinsicht unterwältigend schauspielert. Zwischendurch wechselt der Film tonal von Krimi zu Thriller zu Drama, doch ohne diese Teile im Einzelnen entschlossen zu Ende zu bringen. Dann wiederum gibt es einen Abschnitt in der Geschichte, der komplett auf der Stelle tritt, weder den Teilaspekten, noch oberflächlicher Spannung Rechnung zollt. Was bleibt sind einige gut ins Werk gesetzte Passagen und Bilder, Alida Valli, sowie selbstredend die berüchtigte mit kühler, beinahe klinischer Präzision dargebrachte OP-Szene. Ansonsten finde ich den insgesamt verschenkt. (6)
Night Train to Munich (1940) Carol Reed inszeniert ein packendes Spionage-Geplänkel mit stetig steigender Spannungskurve bis zum Höhepunkt im eponymen Nachtzug und in der Seilbahn, dabei geben Rex Harrison und Paul Heinreid als Spiegelbildwidersacher und gegeneinander Taktierende Agenten eine vorzügliche Darbietung. Hinzukommt ein spürbarer Funke des Kampfgeistes der Briten zu diesem Zeitpunkt des Krieges. (7)
Ausgestoßen (1947) Robert Kraskers Kameraarbeit, das Spiel von Licht und Schatten, die expressive Kraft, gehört mit zum beeindruckensten, schönsten, was Schwarzweißfotografie im Bereich des Kinos hervorgebracht hat, inklusive Carol Reeds eigenem "The Third Man". Inhaltlich unterläuft der Film einigen Wandlungen, beginnend als Heistfilm, als Flucht und Menschenjagd fortgeführt, rückt mehr und mehr James Masons Martyrium in den Mittelpunkt, seine Leiden, körperlicher, wie moralisch-ethischer Natur gleichermaßen, und das Leiden seiner Mitmenschen, bis zu einem geradezu surrealistischem Nahtodzustand. Besonders im späteren Verlauf verlagert sich die Erzählperspektive allerdings weg von Mason, hin zu der der Menschen, die ihm begegnen. Das öffnet einer Vielfalt von Menschentypen Tür und Tor, die eine höchst lebendige Landschaft aus Persönlichkeiten, einen gehaltvollen gesellschaftlichen Querschnitt konstituieren, durch dieses Aufeinandertreffen zudem oftmals selbst in eine Zwickmühle geraten, alles vor der ausdruckstarken Kulisse einer vom Krieg gezeichneten Stadt. Politische und religiöse Untertöne akzentuieren den Leidensweg Masons, dominieren ihn dahingegen nie, der Mensch als Objekt mannigfaltiger Einwirkungen und Träger schwerwiegender Entscheidungen steht klar im Mittelpunkt. Ein atemberaubendes Erlebnis von einem Film Noir. (8,5)
Hunde, wollt ihr ewig leben? (1959)
Ein früher Versuch der deutschen Nachkriegs-Filmlandschaft die Vergangenheit aufzuarbeiten, gleichzeitig einer der ersten deutschen Kriegsfilme dieser Zeit, der sich an die Darstellung kämpferischer Auseinandersetzungen wagte. Demgegenüber spielt die Bebilderung von Kriegsaction eine untergeordnete Rolle, vornehmlich wird das Schicksal der deutschen Soldaten in Stalingrad behandelt, die hier als ebensolche Opfer des Krieges und fehlerhafter Entscheidungen fehlgeleiteter Offiziere präsentiert werden, einfache Menschen in Uniformen. Frank Wisbar ist dementsprechend erpicht darauf, den Krieg als Gräuel darzustellen, dem Menschen gnaden- und sinnlos zum Opfer fallen. Gleichzeitig wird Politik weitestgehend ausgeklammert, was allem einen paradoxen Unterton verleiht. (6,5)
Anlässlich meiner Sichtung von "Suicide Squad" möchte ich feststellen, dass es in der Medienwelt ein Duo gibt, dass einer modernen Version des Jokers und Harley Quinn, in DCs katastrophalen Kino-Umsetzung eine nichtssagende, einfallslose, durchschaubar kalkulierte "rebellisches Girlie und ihr Schatzi"-Version, wesentlich näher kommt: Ninja und ¥O-LANDI VI$$ER von "Die Antwoord". Sicher, das Bestreben eine angemessen hassenwert-liebenswerte Bösewichttruppe zu versammeln, konnte an den eigenen Blogbuster-Ansprüchen nur scheitern, denn ihnen fehlt voll und ganz die anarchische Energie, um dem gerecht zu werden. "Die Antwoord" ist ihnen dabei Welten voraus.
(P.S.: Sogar Cara Delevingne haben sie besser einzusetzen gewusst als David Ayer & Co.)
Wegen eines Trips nach Wien musste ich die Reviewliste auf Anfang Dezember verschieben, ich hatte einfach kaum Zeit für Filme, geschweige denn Einträge dazu zu verfassen. Als Ersatzleistung krame ich statt dessen diese an Internet-Zeit gemessen uralte Meldung hervor: Steven Seagal wird Russe und zwar auf Anordnung und mit Segen der obersten politischen Landesinstanz, Zar Wladimir Wladimirowitsch Putin I. - womit sich noch einmalmehrere hundert Kilo purstes Schauspielgewicht zusätzlich der Russischen Föderation anschließen. Dabei muss sich selbstverständlich und unausweichlich die Frage stellen, ob Putin diesen Clip kennt.
Und weil es an dieser Stelle gerade gut passt: zu Donald Trump habe ich kein einziges Wort verloren (oder zählt das?)), wie könnte ich, die politische Niete schlechthin, dies auch tun? Jedoch finde ich, die aktuelle "South Park"-Episode "Members Only" hat es zielsicher wie immer auf den Punkt gebracht.
Nur eins möchte ich loswerden: an die Damen und Herren der europäischen Politik und all ihre treuen Anhänger, tut bitte nicht so schockiert! Mit besorgter Überraschung oder Panik auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl in den USA zu reagieren wirkt halbseitig Blind und weltfremd. Wir leben in einem Staatenverbund, dessen politisches Klima sich erschreckenderweise einer Realität nähert, in der rechtspopulistische Grütze wie die AFD die Oberhand zu gewinnen und in die Regierung einzuziehen droht, von den ganzen Front Nationals, Viktor Orbáns, PiS und wie sie alle heißen ganz zu schweigen. Es wäre vielleicht an der Zeit, sich die Frage zu stellen: läuft nicht doch irgendwas in der Art der etablierten Eliten zu regieren gewaltig schief, dass die Leute reihenweise in die Arme jener Wahnsinnigen getrieben werden? Sollte man, nur vielleicht, nicht endlich dahin zurückkehren, dass die Politik das Volk vertritt, anstatt es mit Füßen zu treten? Auf lange Sicht, selbst auf kurze Sicht kann es nicht gut gehen, die Probleme der Bevölkerung stiefmütterlich zu behandeln und nach dem Prinzip des eigenen Vorteils zu handeln. Freilich gehört dazu ebenfalls der Bürger, der endlich erwachen muss, statt sich in einer Welt von falschen Versprechungen oder glitzernden materialistischen Ablenkungen wiegen zu lassen. Leider, leider, es ist wahr: wir stagnieren. Und jetzt wisst hier, warum ich Politik versuche fernzubleiben.
Hiermit präsentiere ich wiederum mit Verspätung (ein wichtiges Projekt hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, außerdem musste ich lange grübeln, ehe ich halbwegs passende Worte für "Wilder Sommer" gefunden habe) die 17 Filme und 1 Serienstaffel (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten,
weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat Oktober seit der letzten Liste gesehen habe - mit einer kleinen Änderung: wenn ich demnächst Filme zum wiederholten Male sehe und ich der Meinung bin, einem bereits verfassten Kommentar nichts mehr hinzufügen zu können, verlinke ich auf die Review-Liste, die diesen Kommentar enthält. Passiert hier das erste Mal mit "Coraline", der zudem eine neue Wertung erhält:
Filme I Hired a Contract Killer (1990)
Mein erster Aki Kaurismäki. Emotional verwahrloste Personen in den heruntergekommensten Gegenden von London, eine Symbiose aus Moloch und Mensch, ein urbaner Spiegel des verkümmerten Innenlebens der Protagonisten, eisig, desolat, nichts beschönigend. Nach einer Weile stellte sich bei mir allerdings der Eindruck ein, die immerfort gleiche Variation desselben Nichtgesellschaftsfähigen vorgesetzt zu bekommen, ohne, dass sich eine nennenswerte Entwicklung abzeichnen würde, weswegen mein Interesse mehr und mehr versandete. Das ergreifendste Schicksal für mich war nichtsdestotrotz Kenneth Colleys Killer. (6,5)
Wilder Sommer (1959)
Ein Film über die Befindlichkeit der Italiener zu dieser Zeit hat es bei mir sachgemäß schwer oder andersrum: ich habe Schwierigkeiten mit ihm, da ich keine Verbindung emotionaler Natur, noch was Fachwissen angeht dazu habe. Hier kommt Valerio Zurlini ins Spiel, der mit seinem Werk trotz meiner oben genannten Unzulänglichkeiten großartiges leistet, da er exakt diese Befindlichkeit spürbar macht. Das gelingt ihm auf Grund der brillanten Darstellung der Protagonisten, deren Gefühlswelt er im Fokus behält, während er politische Motivationen und Einflüsse im Hintergrund wirken lässt. Daraus ergibt sich ein sehr menschennahes Bild der Beteiligten, ein intensives Wechselbad der Gefühle, das speziell in der wunderschönen, zurückgenommenen Liebesgeschichte ein komplexes Dilemma offenbart. Toll: Eleonora Rossi Drago. (8,5)
Der Wolfsmensch (1941)
Weiß ich nicht viel drüber zu sagen: einer der ersten Filme mit Werwolfthematik, archetypisch, ikonisch aufgrund Jack Pierces Maske, kompetent inszeniert, extrem stimmungsvoll durch sein in tiefsten Nebel getauchtes Bühnenbild. Schöner, schöner Gruselfilm. (7)
Black Book (2006)
Damals im Kino eine herbe Enttäuschung, sonderlich gebessert hat sich mein Eindruck nicht. Obgleich Paul Verhoeven abermals seinen Blick auf den kärglich behandelten holländischen Widerstand richtet, dabei dessen Mitglieder nicht als reine Helden und idealisierte Freiheitskämpfer, sondern ebensolche Opfer des Krieges, als denen ihnen oftmals die Menschlichkeit ausgetrieben wurde, dessen Umstände ihre "dunkle Seiten" aus dem Schatten treten ließen, darstellt, "Gut" und "Böse" auf beiden Seiten verortet, schlägt sich dieses Gefühl der Paranoia, der Bedrohung von allen Seiten im fertigen Film nur selten nieder. Viele Charaktere sind zu flach, der Film thematisch zu weitläufig, erst gegen Ende hat er denkwürdige Momente zu bieten, die erahnen lassen, was Verhoeven zuvor erreichen wollte. Da ziehe ich "Der Soldat von Oranien" klipp und klar vor. (6)
Pets (2016)
Genau das, was zu erwarten war: Bunt, laut, schnell, voller (gewollt) "verrückter" Charaktere, alles im kindgerechten Maße serviert. Problematisch sind einerseits die Hyperaktivität, die im Animationsfilm inzwischen leider Usus ist, andernorts hingegen schon schlimmer zu erleben war, andererseits die arg einfallslose Geschichte. Nichts Erinnerungswürdiges. (6)
Lights Out (2016)
Ein Kurzfilm auf Spielfilmlänge ausgeweitet und leider, leider: man merkt's. Alles, was inhaltlich über die auf der 3-Minütigen Vorlage basierende Szene hinausgeht, ist ausgesprochen formelhaft geraten, erinnert stellenweise an eine simplere, zugänglichere Version von "The Babadook". Dabei war ich dem Film insgesamt nicht abgeneigt, Regie und Darsteller waren durchaus ordentlich, bedeutend mehr als eine zugegeben unheimliche, auf das Urängste provozierende Dunkel angewiesene Kreatur hat er jedoch einfach nicht zu bieten. Übel: der Trailer. Hat man den gesehen, braucht's den Film nicht. (5)
Escape - Vermächtnis der Wikinger (2012) Fokussierter Abenteuerfilm vor ursprünglicher Kulisse, auf die Flucht durch die raue Natur und Rache der Hauptfigur konzentriert, sich wenig Ablenkungen erlaubend, gerade deswegen über die kompakte Laufzeit fesselnd. (7)
Phantom der Oper (1943)
Der üppig ausgestattete Langweiler unter den Universal Monsterfilmen, prächtige Kulissen und Kostüme übertünchen mehr schlecht als recht eine unausgegorene Adaption, künstlich in die Länge gezogen durch ausufernde Musiknummern, zur Gänze ungruselig, unspannend, undramatisch. (4,5)
Der Spion, der aus der Kälte kam (1965)
Das Gegenkonzept zum schillernden Agentenleben eines James Bond, eine unbarmherzige, Menschen zermürbende, Seelen verrohende Schilderung des Spionagehandwerks, ein keine Ruhe gönnendes Taktieren und Betrügen, ein menschenunwürdiges Spiel, dessen Mitspieler als Bauernopfer missbraucht und allzu leichtfertig geopfert werden. Bedrückend und großartig inszeniert. (8,5)
Suicide Squad (2016) Genau die Katastrophe, wie allen Orts verkündet. Was der böse Zwilling von Marvels "Avengers" hätte sein können, krankt an den absolut inhaltsleeren Charakteren, die, unter völliger Missachtung, dass Kevin Feige & Co. manchen Superhelden wenigstens ganze Spielfilme gewidmet haben, bevor sie sie vereint in die Schlacht schickten, null bis gar kein Profil aufweisen, allerhöchstens durch ihre singulären Marotten zu identifizieren sind; krankt an der unaufgeregten, arrhythmischen Inszenierung, krankt an der versatzstückhaften Geschichte, die keinen Ton findet, krankt an den unspektakulären Actionszenen. Der Film versammelt keine sympathische Bande von Misfits, an deren Schicksal und Zusammenraufen einem redlich gelegen wäre, verfügt damit zusammenhängend über keine familiäre Attitüde der Gruppe untereinander, die er dennoch kläglich zu evozieren versucht, über keinen Sinn für Humor, keine Coolness, keine Schauwerte, bis auf wohlmöglich ein, zwei visuell brauchbare Momente; was er nicht hat, versucht er einfallslos mit Pop-Musik-Clips zu füllen... es bleibt offen und ehrlich nichts von diesem Fehlschlag im Gedächtnis haften. Und Harley Quinn, so passend ich Margot Robbie weiterhin finde, nervt im durchschaubar kalkulierten Modus ihres Charakters vollauf, ihre aufgepfropfte Nebenhandlung mit dem Joker hat der Handlung nichts hinzuzufügen. Sieht man einmal, vergisst man umgehend. (2,5)
Kommando: U.S. Navy Seals II (2001) Pures B-Material an allen Ecken, aber mit für amerikanische Verhältnisse imposanten Martial Arts-Fights, immerhin steht hinter dem Ganzen Isaac Florentine. (B-Action-Skala: 6)
Miracles (1989) aka "Canton Godfather". Jackie Chan höchstselbst remaked Frank Capras"Die Unteren Zehntausend", bloß auf Kantonesisch. Inhaltlich hält er sich dicht an das Original, siedelt das Geschehen im Hong Kong der 30er-Jahre an, versammelt ein Ensemble bekannter HK-Mimen und reichert es um für Chan übliche Stunteinlagen an. Eine Winzigkeit zu lang geraten (im deutschen Sprachraum wurde der Film unverzeihlicherweise um beinahe 40, teilweise essenzielle Handlungs-Minuten beraubt) ist ihm damit, obgleich die Meisterschaft Capras missend, eine zwar nicht jederzeit ausgewogene, indes unterhaltsame Genre-Mixtur gelungen, die insbesondere dort Spaß macht, wo Jackie durch die elaborierten, schön anzusehenden Set-Bauten turnt. Der Rest ist halt kantonesischer Humor. (7)
7 Sekunden - Timing ist alles! (2005) Annehmbarer Thriller aus den B-Gefilden mit verwertbaren Actionszenen und Wendungen. Simon Fellows pflegt dazu einen eigensinnigen, dann und wann bemühten Regie-Stil, der wiederholt an Guy Ritchie oder "Ocean's Eleven" erinnert, dem Ganzen zumindest einen erträglich Anstrich verleiht. (B-Movie-Skala: 5)
Sabrina (1954)
Trotz dünngesäter Billy Wilder-Momente konnte ich dieser, gemessen an anderen Filmen des Regisseurs, konventionellen, überraschungslosen Romantikkomödie nicht viel abgewinnen, ihr fehlen Verve und Spitzzüngigkeit, die man sonst von Wilder kennt. Langweilig und etwas ideenlos. (5)
Dracula (1931)
Das Urgestein des Universal-Monsterfilms versprüht eine große Menge morbiden Charmes, zu demBela Lugosis unvergleichliche Interpretation des untoten Titelcharakters als charismatischer Adliger immens beiträgt. Als frühe Ausgabe eines Horrorfilms ist er freilich blutarm, stellenweise schleicht sich ein bieder Unterton, eine gewisse Steifheit ein. Ungewohnt zudem der Verzicht auf Filmmusik (meine erste Bekanntschaft war indessen mit der Philip Glass-Version), der dahingegen eine unheimliche Stille über die Bilder legt. Wie dem auch sei: der Stimmung tut das keinen Abbruch, selbst wenn er heute keine Angstzustände mehr verursachen dürfte. Klassiker. (8)
Halloween - Die Nacht des Grauens (1978)
Aus gegebenen Anlass:John Carpenters wegweisende Weiterentwicklung des Slashers, bereits ein Zeugnis meisterhafter Mise-en-scene, das sich nicht in einer gedankenlosen, blutdurchtränkten Gewaltorgie, sondern in der grandiosen Kameraarbeit und dem langsamen, sich stetig intensivierenden, das Kopfkino anregenden Aufbau der Szenen manifestiert. Die abgrundtiefe Boshaftigkeit, sowie die grausamen Taten des Michael Meyers sind in erster Linie suggestiven Ursprungs und das in vollendeter Form. Wer das langweilig findet, der leidet unter einem grundsätzlichen Missverständnis von Filmkunst und Horror. (9)
Aus purer Faulheit präsentiere ich jetzt erst die 25 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten,
weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat September seit der letzten Liste und bisher im Monat Oktober gesehen habe:
Serien-Staffeln Seinfeld (Season 3) (1991-1992) - (6,5-7) Seinfeld (Season 4-5) (1992-1994) - (6,5-8) Dune - Der Wüstenplanet (2000) - (Wüsten-Matte Paintings, diese Wüsten-Matte Paintings: 4-6) Wolfgang (1991) - (8-9)
Filme Die Unteren Zehntausend (1961)
Die Welt möchte betrogen werden. Im Geiste dessen präsentiert uns Frank Capra ein typisch verklärtes Hollywood-Märchen von der armen Bettlerin, deren Güte und Gutherzigkeit ihr treue Freundschaften bringen, mit deren Hilfe sie Augenblicke des Glücks erfährt - gewürzt mit Gangstern und Showgirls. In der Exposition etwas zu ausufernd und witzarm geraten, gibt es später viele erheiternde Szenen und eine positive Grundeinstellung zum menschlichen Miteinander, was man, die Drehbedingungen und Streitereien im Hinterkopf, nicht vermuten würde. Gen Ende wird arg der Deus ex machina bemüht. (6,5)
Die Mumie (1932)
Allen Parallelen zu Tod Brownings "Dracula" zum Trotz: ein gemächlicher, recht geschwätziger Gruselfilm, weswegen sich der Gruselfaktor an manchen Stellen in Grenzen hält. Nichtsdestotrotz trägt er eine reizvolle Aura des Mysteriösen, des rätselhaften Schattens aus der Vergangenheit vor sich her und Boris Karloff erfüllt seine Auftritte mit seiner unverwechselbaren charismatischen Ausstrahlung. (6,5)
Keine Gnade für Ulzana (1972) Nachhaltiger und eindrucksvoller Spätwestern, auf den ersten Blick eine einseitige Verdammung der Apachen als grausame Schlächter, bei genauere Betrachtung eine bemerkenswerte Reflexion über das Konflikte unweigerlich provozierende Aufeinandertreffen grundverschiedener Kulturen und unvereinbarer Wertesysteme, bei der Robert Aldrich ohne zu beschönigen, ohne zu romantisieren beiden Seiten die nötige Aufmerksamkeit widmet, ohne einseitig Partei zu ergreifen. Auch ungeachtet der Vietnam-Allegorie äußerst packend. (8,5)
Mit Dynamit und frommen Sprüchen (1975) Geradliniger, nach bekanntem Muster gestrickter, schön gefilmter Western, dessen Herzstück die spitzfindigen, amüsanten Wortgefechte zwischen John Wayne und Katharine Hepburn darstellen. Davon abgesehen nichts Besonderes. (6)
Die Gewaltigen (1967) Erquicklicher Western-Heist-Movie, insbesondere immer dort, wo John Wayne und Kirk Douglas aufeinandertreffen. (6,5)
X-Men - Apocalypse (2016)
Von den "X-Men"-Filmen lassen ich mich immer wieder gerne "überrollen". "Überrollen", weil ich es vorziehe, mich von dem mitreißenden Superhelden-Spektakel, das sie in der Regel hergeben, treiben zulassen, dabei dazu neige, was für mich irgendwie dazu gehört, die Schwächen großzügig auszublenden. Hinzukommt, dass sie mich im Gegensatz zum maschinenartigen Fließband-Output von Marvel sogar emotional erreichen, speziell bei allem, was zwischen Patrick Stewart/James McAvoy und Ian McKellen/Michael Fassbender stattfindet. Worin "Apocalypse" keine Ausnahme bildet, obendrein eine frische und talentierte Nachwuchs-Riege an Darstellern für alte und ein paar neue Rollen bietet, die sich allesamt ausgezeichnet im filmischen X-Men-Universum machen, eine gute Chemie untereinander beweisen und denen sich der Film im Großen und Ganzen zu widmen scheint. Manchmal fehlt nicht viel, wo der Film aufgrund der fürwahr großen und breitgefächerten Menge an Charakteren den Fokus und Anschluss zu ihnen in einem reinen CGI-Gewitter zu verlieren droht, in der Regel kriegt er jedoch kurz davor die Kurve. Er sabbert nur, meine En Sabah Nur hinterlässt als Widersacher hingegen nicht den denkwürdigsten Eindruck, besitzt allerwenigstens eine bedrohliche Präsenz und nachvollziehbare Motivation. Insgesamt ist "Apocalypse" konsequent eine Comic-Verfilmung für Fans, nicht für die ganz breite Masse, was ihn wiederum sympathisch macht, funktioniert gut als Abschluss des "First Class"-Erzählbogens bei gleichzeitigem anteasern der "Next Generation" X-Men. (7)
Wishmaster (1997) Mag ich nach wie vor, obgleich höchstens der deftige handgemachte Splatter, sowie der hinreißend diabolische Andrew Divoff für den Film sprechen, der weniger als Horrorfilm, mehr aufgrund der abgrundtiefen Boshaftigkeit des Djinns unterhält, meistenteils dünngesät gruselt. Hinzukommend ein kleines Stelldichein vieler Horrorfilm-Darsteller. (B-Movie-Skala: 7)
To Hell with the Devil (1982)
Ein weiteres Mal, wer hätte das gedacht, lässt John Woo den HK-Everyman zwischen die Fronten geraten, diesmal ganz ungeniert in den Kampf des Himmels und der Hölle um dessen Seele. Garnieren tut er das bunte Tauziehen um Erlösung und Verdammnis mit der üblichen Kritik am simplen Mammon, insbesondere in den von Stanley Donens "Bedazzled" inspirierten Sequenzen. Trotz einiger schnieker fotografischer Tricks sind die Gags die meiste Zeit von sehr platter, alberner Art, das Schicksal Ricky Huis Charakter geht nicht so zu Herzen, wie sein Pendant in "From Riches To Rags". Wie immer gibt das Woo-typische Chaos-Finale, in dem er den Kampf gegen den Agenten des Bösen als Arcade-Game (!) inszeniert, zumindest Grund zu Freude auf. (knapp: 6)
Letzte Grüße von Onkel Joe (1966)
Und wo wir schon bei Chaos waren: kurzweilige schwarze Komödie britischer Prägung um Erbschleicher, aufrechte Liebende, grantige Greise und vertauschte Leichen, voller ausgefallen spinniger Charaktere. (6)
Der Siebte Geschworene (1962) Anfangs empfand ich diesen Film Noir als ausgesprochen schwerfällig, erdrückt von der eigenen Last ausgestellter Moral. Doch mit der Zeit verschärft sich das Bild eines soghaften Labyrinths der gnadenlosen, uneinsichtigen Gesellschaft, gegen die Bernard Blier verzweifelt versucht, sein Gewissen und die Rechtsprechung zu verteidigen. Natürlich sind seine Bemühungen schlussendlich zum Scheitern verurteilt, die Wahrheit wird in immer wahnwitzigeren Ausmaßen ignoriert und modifiziert, bloß damit der Anschein und Status quo gewahrt bleiben kann. (7)
Okami - Das Schwert der Rache (1972) Kenji Misumis Manga-Verfilmung (eines der besten Comics überhaupt) hat unfraglich starke Exploitation-Qualitäten, an Sex und Gewalt mangelt es nicht, letzteres vor allem in Form der einnehmenden, drastischen Schwertkampfauseinandersetzungen. Nichtsdestoweniger eine exzellente Umsetzung der Vorlage, mit klug ausgewählten Geschichten und einem starken Hauptdarsteller-Duo, das für mich bis heute die absolute filmische Inkarnation der entsprechenden Charaktere bedeutet. (9)
Ed Wood (1994) Tim Burton huldigt dem unrühmlich (und zu Unrecht) betitelten schlechtesten Regisseur der Welt, schafft ausgerechnet auf Grund dieser Sache, als auch durch die gleichermaßen rührenden, wie betrüblichen Männerfreundschaft zwischen Ed Wood und Bela Lugosi eine der wundervollsten Liebeserklärung an das Medium Film, an das Feuer und die Leidenschaft, die es in einem auszulösen vermag, an die Hingabe, die es oft erfordert, an die Freude und Erfüllung, die es einem bereiten kann. Beinahe beiläufig hält er hierin der Industrie einen Spiegel vor, liefert eine der treffendsten Darstellungen nicht allein der schönen, sondern auch der mühevollen Seiten des Filmemachens. Ganz, ganz großartig in allen Belangen. (10)
Frankenstein (1931)
Ein unerschütterlicher Klassiker, ein Referenzwerk des Horrorfilms, voller ikonischer Momente und Manierismen, man denke etwa an das von Jack Pierce entworfene Monster-Make-Up, bis heute ein fester Bestandteil der Pop Kultur, eingefangen in schön schauriger Optik und fantastischen Kulissen. Direkt gruselig wirkt der Film heute freilich nur noch selten, diesbezüglich sympathisiert James Whale zu sehr mit dem Monster, übt stattdessen Kritik am Menschen: Frankenstein wirkt in seiner anmaßenden Hybris Gott herauszufordern, sich zum Lebenserschaffer aufzuschwingen bedeutend ungeheuerlicher, obgleich ihm am Ende nicht als Versagen beschert ist, denn er weigert sich, für sein Wesen, seine Schöpfung die Verantwortung zu übernehmen und bringt letztendlich für sich und andere ausschließlich Leid hervor. (8)
Katzenmenschen (1942) Jacques Tourneur macht aus der Not eine Tugend: dadurch bedingt, dass das knappe Budget große Effekt-Money Shots verhindert, ist der Film voll und ganz auf das allein durch die Beleuchtung realisierte, ausdruckstarke Schattenspiel angewiesen, was schlussendlich zu seiner größten Stärke wird. Torneur versteht es meisterhaft, den Kontrast zwischen Licht und Schatten effektiv und spannungsfördernd einzusetzen, das ungewisse, bedrohliche der Schattenwelt einzigartig einzufangen. Gleichzeitig erweist es sich als ideale Ausdrucksform für die im Dunkeln liegenden Seiten der Seele der Protagonistin, eine Metapher für unterdrückte Sexualität. Ein kleiner, sehr, sehr feiner Film, der mehr Aufmerksamkeit verdient hat. (8)
Ich folgte einem Zombie (1943)
Ein weiteres Beispiel für Jacques Tourneurs aussagekräftigen Umgang mit Licht und Schatten, gepaart mit einem gehörigen Schuss Exotik durch die Voodoo- und Zombie-Thematik. Genau wie bei "Katzenmenschen"baut er die Geschichte langsam auf, lässt die tragische Familiengeschichte erst nach und nach aus dem Nebel der Vergangenheit hervortreten, taucht alles in dichte, fiebrige Atmosphäre. Stimmungstechnisch fand ich den sogar noch ein Quäntchen ausgereifter als "Katzenmenschen". (8,5)
Der Fluch des Dämonen (1957)
Hier ebenfalls erzeugt Jacques Tourneur eine ganz besondere, bedrohliche Atmosphäre, die stellenweise Lovecraft'sche Ausmaße annimmt: das Warten auf das Unausweichliche, rational schwer greifbare Grauen, das auf einen lauert, am Ende des Weges mit Gewissheit auf einen wartet. Zeitweilig hätte ich mir gewünscht, dass Tourneur die Gegenwart des Dämonen in mehr Szenen andeutungsvoll spürbar gemacht hätte, aber vielleicht bin ich vom modernen Horrorfilm durch Überbetonung und Zeigefreudigkeit des monströsen zu verwöhnt, schließlich erzielt Tourneur gerade durch die Körperlosigkeit des Übels seine Wirkung. (8)
Frankensteins Braut (1935) Kein Schnellschuss-Sequel, viel mehr eine sorgfältige Weiterentwicklung des Grundgedankens, eine Erweiterung vieler Aspekte. Das Monster darf fernerhin mit seiner von allen verhassten Existenz hadern, trotzdem einen kurz währenden Moment der Freundschaft erfahren, während Frankenstein unter missgünstiger Leitung von Dr. Prätorius tiefer in das Gott-Spielen verwickelt wird. Bei allem Drama webt James Whale an manchen Stellen sogar ein wenig Satire ein, etwa in dem von Prätorius geschaffenen politischen und klerikalen Mikrokosmos, ein verblüffend überzeugender Effekt von John P. Fulton. (8)
Die Nackte Kanone 33 1/3 (1994)
Will man mich drauf festnageln, dann, ja, ist es der schwächste der Reihe. Macht ihn für mich nicht weniger witzig, selten hat mich eine Oscarverleihung in so einem Maße amüsiert. (7)
Boulevard der Dämmerung (1950)
Betrachtet man "Ed Wood" als humorvolle Liebeserklärung an das Medium Film, muss Billy Wilders "Sunset Boulevard" zwangsläufig als sein finsterer Zwilling erscheinen, eine bittere Abrechnung insbesondere mit dem Starruhm und Personenkult, wenn er Gloria Swanson als vergangene Stummfilmgröße gnadenlos im verklärten und von der Realität so gänzlich entfremdeten Wahnsinn untergehen lässt, erfüllt von ihrem eigenen Blick auf die (Film)Welt und ihrer Rolle darin. Meisterhaft inszeniert, unvergleichlich brillant gespielt, ein Meisterwerk sondergleichen. (10)
Wishmaster 2 - Das Böse stirbt nie (1999)
Eine Wiederholung des Erstlings, erheblich langweiliger: weder die wenigen blutigen Einschübe, noch die Eskapaden der für die Wünschenden fatalen Wunscherfüllungen, noch Andrew Divoff, mit dem Drehbuch und Regie nichts anzufangen wissen, können einen vergleichbaren Unterhaltungsfaktor produzieren. Hinzu kommen die langweiligen, mitunter unsympathischen Protagonisten. (B-Movie Skala: 3,5)
Die Gräfin (2009) Interessant, da Julie Delpy das Schicksal der Erzebet Bathory weder von aufgeblasener Historien-Melodramatik, noch von plakativ blutig bebilderten Horrorszenarien überschatten lässt, im Gegenteil die menschliche Tragödie im Fokus behält, sowohl den Wahn der Gräfin thematisiert, als auch die Umstände, den Druck von außen wie innen, der zu diesem führt. Selbstredend nicht ohne all dies als subtilen Kommentar auf Schönheitswahn und zu der Rolle der Gräfin als Spielball der Männer zu präsentieren. Große Emotionen wallen dabei nicht auf, hierzu sind die Taten der Bathory zu grausam, um sich ungehindert mit ihr zu identifizieren, der Regie-Stil zu zurückhaltend. Unberührt lässt es einen dennoch nicht zurück. (6,5)
Contagion (2011) Beklemmendes Pandemie-Szenario, unter der Ägide Steven Soderberghs nüchtern und realitätsnah, kaum effektheischend oder sensationslüstern aufgezogen, intensiv, mancherorts eine Gänsehaut erzeugend. (7)
Zulu (2013) Nicht viel neues, vieles alte dafür mit sicherer Hand, spannend, inhaltlich wenig überraschend inszeniert. Eine Mischung aus düsterem Krimi, pessimistischem Thriller und Drama mit sozio-politischen Ingredienzien, an opportunen Stellen mit heftigen Härten, kurz und schmerzhaft, wenig beschönigend, kratzt letztlich lediglich an der Oberfläche. Orlando Bloom und Forest Whitaker wissen zu gefallen. (6,5)
Nickelodeon (1976) Peter Bogdanovich verbeugt sich vor den Pionieren des Films, speziell der Stummfilmzeit. Doch, obwohl es lustige Momente gibt, er eine liebenswerte Chaos-Truppe versammelt, das Resultat ist chaotisch, querbeet, wirkt unentschlossen, Geschichte und Charaktere können mit dem Willen zur Hommage nicht mithalten. (5)
El Superbeasto (2009) Wie "Fritz the Cat" aufbereitet für das Samstagmorgencartoon-Programm à la "Ren & Stimpy", gefiltert durch die Sicht eines hyperaktiven, not- und tittengeilen Teenagers, fabriziert für Gleichgesinnte mit Negativwertaufmerksamkeitsspanne, die meinen, bei Russ Meyer ginge es einzig und allein um Rieseneuter. Zugegeben: die Animationen sind but, detailliert und anspielungsreich. Nur was hilft's, Rob Zombie überfachtet seine Szenen maßlos (vornehmlich mit Witzchen über Möpse und Sex), beweist kein Humor-Timing, führt sich auf, ähnlich den Charakteren im Film, wie ein 8 Jähriger, der zu früh den Playboy seines Vaters in die Hände bekommen hat. (4)
Hiermit präsentiere ich wiederum die 5 Filme und 1 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen
Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B.
nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete
Serienstaffeln), die ich bisher im Monat September gesehen habe:
Filme Need for Speed (2014)
Schön sind die handwerklich an ältere Vertreter des Autorennfilms angelehnten, also mit handgemachten Stunts und ohne CGI-Überfluss realisierten Rennszenen und Verfolgungsjagden, immersiv inszeniert und spannend anzuschauen. Gerade in der Verneigung vor den Größen des Genres wird deutlich, wie sehr tatsächlich durchgeführte Fahrmanöver und Karambolagen noch heute dem Vergleich mit computergenerierten Spektakeln a la "The Fast & The Furious" standhalten. Technisch macht die Videospielverfilmung demnach Spaß, beim Drehbuchschreiben wäre eine stilistisch gehaltvollere Inspirationsquelle als "Gone In 60 Seconds" hingegen erschwinglicher gewesen. (6,5)
Der Schrecken vom Amazonas (1954)
Verliere ich mal wieder den Glauben an das kontemporäre Kino, erhellt ein ungetrübter Klassiker wie Jack Arnolds "Creature from the Black Lagoon" mein Gemüt, einer der schönsten Monsterfilme seiner Zeit und selbst nach über einem halben Jahrhundert voll im Saft, fantastisch gefilmt, spannend und subtil, mit einer Kreatur, die Monster und Protagonist zugleich ist. Ganz, ganz toll. (8,5) The Floating Castle - Festung der Samurai (2012) Unterhaltsamer Kampf weniger gegen viele, das ein oder andere nette Schlachtengetümmel ohne ein Höchstmaß an Spektakularität zu erreichen, kein grimmiger Heldengesang, sondern eine erheiternde Aneinanderreihung von Scharmützeln, aufschlussreiches Taktieren und eine Ansammlung von bunt-prägnanten Charakteren. (6)
Schlachthof 5 (1972) Eigensinnige Verquickung von Biographie- und Kriegsdrama mit einem Schuss Science Fiction, die durch ihr interessantes assoziatives Erzählkonzept in den Bann zieht, aufgrund der nicht-linearen Erzählweise ein emotionales Muster vermittelbar macht, gleichwohl auf der anderen Seite tonal etwas schwankend wirkt, angesichts des fatalistischen Protagonisten nie ganz mitreißt oder betroffen macht. (6,5)
Der Unsichtbare (1933)
Mit eigensinnigem Sinn für Humor, manche Teile des Films sind mehr Slapstick als Grusel, präsentiert uns James Whale eine frühe Version des größenwahnsinnigen und vom Wahnsinn geplagten Wissenschaftlers. Auffällig, neben dem an den Tag gelegten Witz ungeachtet aller Untaten, sind selbstredend die Unsichtbarkeits-Effekte, die auch heute noch beeindrucken. (7)
Hiermit präsentiere ich wiederum die 10 Filme und 5 Serienstaffeln/-specials (ausgeschlossen Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten,
weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe und noch nicht beendete Serienstaffeln), die ich im Monat August seit der letzten Liste gesehen habe:
Serien-Staffeln Jackie Chan Adventures (Season 1) (2000-2001) (6-6,5) Seinfeld (Season 1) (1989-1990) (6-6,5) Raumschiff Enterprise (Season 3) (1968-1969) - (mit Star Trek- und Kindheitsnostalgiebonus: 9-10) Orange Is the New Black (Season 2) (2014) - (6,5-7) Jean-Claude Van Johnson (Pilot) (2016) - (4)
Filme Avengers: Age of Ultron (2015)
Fügt sich in das MCU wie ein weiteres Mosaiksteinchen in einem Werk, bei dem jedes weitere Teilstück als vollwertiges, vollendetes Kunstwerk verkauft wird, ohne dass sich absehen lässt, ob es im großen Ganzen eine künstlerische oder überhaupt eine nennenswerte kreative Leistung ergibt. Es fehlt der konstruktive Impetus, der es über den Eindruck des Franchisebuildings erhebt, denn wie gewohnt wird im zweiten Avengers Assemble-Film viel, laut und bunt gekämpft, doch schütter erzählt und selbst im Kontext des MCU dürftig nennenswertes erreicht. "Ultron" wirkt von Vorn bis Hinten wie eine mittelmäßige, uninteressante Füllerepisode einer unterhaltsamen, aber nährstoffarmen Fantasy-Serie, in die daran gemessen ein unbegreiflich überzogenes Budget versenkt wurde. Bis auf die üblichen gelungenen Momente der Avengers untereinander, die ordentlichen Actionszenen und den ein oder andere One-Liner von Ultron gibt das verschwindend denkwürdiges her. (5)
Ant-Man (2015) Mit ein bisschen mehr Wagemut hätte das, wer weiß, der beflügelte Underdog im MCU werden können ("Guardians Of The Galaxy" ausgenommen), die Ameisen-Idee gefällt und der Ausflug ins Genre des Heist-Films macht in dieser Kombination besonders Spaß. Stolpern tut der Film überall dort, wo eine einen Film zufriedenstellend ausfüllende Geschichte und ausgearbeitete, zu Ende gebrachte Charakter-Erzählbögen der Stellung des Films im großen Plan des MCUs geopfert werden. Auf diese Art fallen hinlänglich bekannte Elemente, wie der zur Genüge durchgekaute Expositionscharakter oder die Trainingsmontage, halbherzig, überstürzt und innovationslos aus, weil sie gar nicht mehr oder besser erzählt werden dürfen - ein symptomatischer und exemplarischer Makel aller MCU-Beiträge. Viele gelungene, unterhaltsame Momente und Alleinstellungsmerkmale, sowie die an sich sympathische Besetzung gleichen das immerhin zur Genüge aus. (6)
Noch ein Käfig voller Narren (1980)
Ein lauwarmer Aufguss, der den Witz und Charme des Vorgängers kaum zu reproduzieren vermag, da das Herzstück, die Charaktere und das Spannungsfeld zwischen der Travestie-Welt und dem erzkonservativem Bürgertum, zu Gunsten einer klamaukigen und lahm erzählten Verwechslungskomödie reduziert, insbesondere Michel Serrault zu einer reinen Witzfigur degradiert wird. (5,5)
Die Nackte Kanone (1988) & Die Nackte Kanone 2 1/2 (1991) Tausend Mal gesehen und trotzdem lache ich immer wieder Tränen. (7,5)
Ariane - Liebe am Nachmittag (1957)
Ein vergnügliches Lustspiel mit vielen charmanten Billy Wilder-Momenten, detailfreudig inszeniert und beschwingt gespielt. Während ich Gary Cooper als Fehlbesetzung empfand, entzückt Audrey Hepburn, mein persönlicher Favorit war sowieso Maurice Chevalier - und seine Reaktion, wenn er Cooper die Tür öffnet, ist pures Gold. Das Ende hingegen fand ich hingegen leicht ärgerlich. Nicht Wilders Bester, nichtsdestotrotz schön. (6,5)
Batman v Superman: Dawn of Justice (2016) Extended Cut. Um die überstrapazierte Floskel zu bemühen: die zusätzlichen Minuten machen das Aufeinandertreffen spürbar runder. Lex Luthers Masterplan gibt nicht mehr das schlimm widersinnige Bild der Kinofassung ab, einige Nebenstorystränge wirken vollständiger, den Charakteren tun die ergänzenden Szenen ebenfalls gut. Wem, wie mir, die Kinofassung bereits Spaß bereitet hat, sei die längere Fassung bedenkenlos ans Herz gelegt, Zweiflern mag sie den ergiebigeren Film bieten, gewohnheitsmäßigen Hatern ist sowieso nicht zu helfen. Für mich vergingen die drei Stunden jedenfalls wie im Flug. (7)
Der Große Coup (1973) Raffinierter und einfach großartiger Gangster-Thriller mit charismatischen, ausgefuchsten Protagonisten und brutalem Gegenspieler, von Don Siegel spröde, schmucklos und unromantisierend in Szene gesetzt. (8,5)
Feuchtgebiete (2013) 10 Minuten gelaufen und ich fragte mich, was der Film noch zu erzählen haben könnte. Viel kam schlussendlich nicht bei rum, bereits nach dieser kurzen Zeit hatte die Geschichte in all ihrer pseudo-skandalösen Sex- und Ekel-Manier an Zugkraft verloren. Was schade ist, denn David Wnendt und sein Team pflegen einen Stil mit visueller Finesse, der tatsächlich nach Kino statt nach der x-ten auf Kinoformat aufgeblähten Tatort-Episode ausschaut. Wie viel Schuld der Vorlage zuzuschreiben ist, kann ich nicht sagen, so oder so geht der anfängliche Schwung, den die Handlung bei der anfänglichen, fernab von einer klinischen Reinlichkeitsstilisierung und Äshtetisierung geprägten Erkundung des eigenen Körpers und seiner Körperfunktionen durch die höchstens bedingt sympathische Protagonistin an den Tag legt, schnell verloren, wenn sich der Fokus fernerhin Richtung biederer Familienträumereien und plattester Traumata-Bewältigungspsychologie verschiebt. Was bei der Stange hält, ist tatsächlich einzig und allein die Inszenierung, die man sich in solcher Form für mehr deutsche Kinoproduktionen wünscht. (5)
Insidious: Chapter 2 (2013)
Die Zeit, zu der ich die Filme von James Wan mochte, liegt im Grunde genommen hinter mir, immer schon war er ein Hit or Miss-Kandidat, das "Insidious"-Sequel fällt in letztere Kategorie. Zugegeben: er versucht nicht zu sehr das Jump Scare-Schema durchzuexerzieren, bietet an Stelle dessen jedoch keinen Ersatz, das Verweben von verschiedenen Zeitebenen und die Tendenz zur Übererklärerei von Szenen des ersten Teils rauben dem Film das dämonische Flair und das eigentlich angsteinflößende ungewisse Unbekannte. Unspannend, ungruselig, nicht mal unfreiwillig komisch. (3)
Conjuring 2 (2016)
Die Nacht der schaurigen Koteletten und creepy Nonnen. Zwar besteht Abnutzungsgefahr bei den Gruselmethoden Wans aufgrund von Wiederholungen, zumal er geringfügig neues liefert, sich motivisch großzügig bei alteingesessenen Horrorklassikern bedient. Was indessen nicht heißt, dass sie ihre Wirkung verfehlen würden, in bedrohlich-stimmiger Atmosphäre inszeniert Wan das spukhaften Geschehen mit Spannung, bevor er es in Schockeffekten kulminieren lässt, bemüht sich um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen ruhigeren Szenen, Aufbau der schaurigen Vorkommnisse und Jump Scares. Wie in allen seinen Filmen braucht man hier ebenso wenig Innovationen oder sagenhaft Intellekt herausforderndes erwarten, insbesondere, wo die christlichen Aspekte überbetont werden, für genügend Gänsehautmomente ist jedenfalls gesorgt und solides Horrorfutter liefert er allemal. (6,5)
Zumindest meinen das beiwohnende Fans erkannt zu haben, als Pro7 am Donnerstag, dem 25.8. der neuen Synchronstimme von Homer Simpson als Fan-Event ihre eigene Premiere in Berlin in der Astor Filmlounge auf dem Ku'damm zuteilwerden ließ. Homer Simpsons langjähriger und legendärer SprecherNorbert Gastellverstarb tragischerweise im Alter von 86 Jahren am 26.9.2015 und hinterließ eine noch klaffendere Wunde im Ensemble der Synchronsprecher der "Simpsons" als ihrerzeit Elisabeth Volkmann. Die deutsche Schauspielerin, Komikerin und Synchronsprecherin sprach bis zu ihrem Tod im Juli 2006 Homers treuherzige und liebende Lebenspartnerin Marge und bereits nach ihrem Ableben entwickelte sich eine hitzig geführte Debatte darüber, wer ihre Nachfolge antreten würde oder überhaupt antreten könne. Ihre Stimme war im Bewusstsein des deutschen Publikums mit der Rolle auf eine Art und Weise verschmolzen, dass eine Neubesetzung unmöglich erschien und von Vornherein für die Nachfolgerin zu einer unüberwindbar scheinenden Bürde werden musste. Schlussendlich stellte sich Anke Engelke dieser schwierigen Aufgabe, eine Entscheidung, die mit Sicherheit nicht jeden erfreute. Aber Engelke machte und macht ihre Sache bis heute ausgezeichnet, dabei orientiert sie sich stimmlich näher an Marges amerikanischen SprecherinJulie Kavner als an der Interpretation Elizabeth Volkmanns.
Indessen sindNorbert Gastell und Homer dahingehend noch eine Stufe schwieriger, schließlich, was für die Verschmelzung von Stimme und Rolle für Elisabeth Volkmann und Marge Simpsons gilt, gilt für diese beiden in noch größeren Maße. Gastell sprach den jähzornigen, naiven, genusssüchtigen, faulen Familienvater von 1991 an ohne Unterbrechung bis zu seinem Tod, also sage und schreibe 24 Jahre lang. All dessen Charakterzüge zum Leben zu erwecken oblag seiner unverkennbaren, wechselvollen Stimme, was ihm ebenso ebenso kongenial, wie unverwechselbar gelang und zu seiner bekanntesten Arbeit als Synchronsprecher machte. Angesichts dieser Hingabe und dieses Zeitraums musste zwangsläufig eine besondere und besonders wirksame Beziehung und Zusammengehörigkeit zwischen Künstler und Rolle entstehen, zumal es sich dabei um eine derartig kulthaft verehrte Serie wie "Die Simpsons", ferner noch die innerhalb der Serie mutmaßlich ikonischste Rolle handelt. Aber das ist noch mehr: Norbert Gastells Stimme IST Homer Simpson. Sie ist alles, was ihn in der deutschen Fassung ausgemacht und definiert hat, schon allein deswegen, weil sie von Anfang an, seit den ersten Folgen Teil des Charakters war, sie ist der Klang, der einem in den Sinn kommt, denkt man an Homer Simpson. Weshalb sie in der deutschsprachigen Welt schwerlich, im Grunde genommen überhaupt nicht mehr von der Figur zu trennen ist - ein Umstand, der sowohl Gastells Sukzessor, als auch die Personen, die ihn erwählen, vor eine noch schwerwiegendere, noch unmöglicher erscheinende Aufgabe stellt.
Nachdem sich Pro7 lange Zeit in Schweigen gehüllt hatte, auf wen die Wahl fallen würde (selbst bei oben erwähntem Event ließen sie es sich nicht nehmen, keinen Namen fallen zu lassen), steht inzwischen für viele Fans fest: der Münchener Schauspieler und Synchronsprecher Christoph Jablonka ist
die neue Stimme von Homer Simpson, konnte sich gegen 30 weitere
Anwärter durchsetzen und steht dieser wahnsinnig, wahnsinnig heiklen
Berufung gegenüber. Er ist ein gestandener und bewährter Synchronsprecher, war etwa die Station Voice für
Pro7 von 1992 bis 2000 und übt die gleiche Stellung seit 2009 für Sky aus. Seine Stimme
lieh er einem breiten Spektrum von Figuren in einer Vielzahl von Serien
und Filmen, so war er zu hören in größeren Produktionen wie "Flags Of
Our Fathers", "J. Edgar", "Gran Torino", "Big Fish", in mittelgroßen wie
"Final Destination", "Der blutige Pfad Gottes" oder "Doomsday", hin und
wieder zudem in Albernheiten wie "The Happening" oder "Bonnie & Clyde vs. Dracula". Er sprach den herrlich irren Kung Fu-Priester McGruder
in Peter Jacksons abgefahrenen Splatter-Klassiker und "Psycho"-Hommage "Braindead"
(aka "Dead Alive"), einen der Trolle in "Der Hobbit - Ein unerwartete
Reise" oder Peter Dinklage in "Narnia", manchmal auch bloß einen
Straßenverkäufer wie in "Kevin - Allein in New York". Für "Star Trek"
hat er seine Stimme in "Star Trek VI - Das unentdeckte Land" und "Star
Trek Enterprise" hergegeben, ebenso wie für "Godzilla - Der Urgigant"
(ich glaube, das ist der 17. in der Reihe der "Godzilla"-Filme).
Außerdem hatte er Sprechrollen in Serien wie "Law & Order", "Die Tudors",
"Poirot", "Community", "Herkules" oder "How I Met Your Mother". Häufig ist er für Zeichentrickfilme und -serien tätig, oftmals für
japanische Anime, etwa "Vampire Hunter D: Bloodlust", "Das Schloss im
Himmel", "Ghost In The Shell", "One Piece", den "Transformers"-Cartoon,
"Drawn Together" oder sogar "South Park Imaginationland".
Kurzum: hier folgt auf Gastell ein erfahrener und versierter Synchronsprecher - der in den ersten Folgen, die auf der Präsentation von Pro7 zu sehen und hören waren, offenbar Fans und Kritiker gleichermaßen ausnahmsweise nicht zu Wutausbrüchen und Hassbekundungen getrieben, im Gegenteil die meisten zufrieden gestellt hat, viele empfinden Jablonka der Stimme von Gastell recht nahe kommend. Das gibt doch Grund zu
Hoffnung. Wer einen Vorgeschmack haben möchte, kann sich die dreist
abgefilmten paar Sekunden bei YouTube zu Gemüte führen. Ansonsten heißt
es warten, bis die neuen Folgen auf Pro7 anlaufen.
Hinter dieser selbstredend gravierenden Neubesetzung ist ein wenig untergegangen, das ein weiterer langjähriger Sprecher "Die Simpsons" verlässt: Ulrich Frank, der Ned Flanders, den gottesfürchtigen Nachbarn der Simpsons, seit langer, langer Zeit seine Stimme geliehen hat, geht in den (wohlverdienten) Ruhestand und hinterlässt ebenfalls eine schwer zu füllende Lücke. Wer ihn künftig ersetzt, steht indes noch nicht fest.