Samstag, Dezember 01, 2012

Kurzreviews November/II/2012

Hiermit präsentiere ich wiederum die 16 Filme (ausgeschlossen Serien und Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe), die ich im Monat November seit der letzten Liste gesehen habe:

Re-Animator (1985)
Stuart Gordon und Lovecraft sind habituell eine gelungene Kombination, in diesem Film gereicht es sogar zum selbstironischen Kult-Splatter, den man gesehen haben sollte, schon allein wegen Jeffrey Combs. (8/10 auf einer B-Movie-Skala)

Prometheus - Dunkle Zeichen (2012)
Als "Alien"-Prequel ärgerlich, ärgerlich und nochmals ärgerlich, als Sci-Fi-Film optisch beeindruckend, mit ganz, ganz schlimmen, unausgegorenem, von gigantischen Logiklöchern durchsiebtem Drehbuch, lächerlichen Charakteren und peinlichen Versuchen religiöser oder philosophischer Thematik. Das man viele Fragen für ein Sequel offen gelassen hat, wirkt zudem forciert und impertinent. Die bessere "Prometheus"-Variante: "Event Horizon". Nicht cleverer, aber zumindest gut zusammengeklaut. (4,5/10)

Das Gold von Sam Cooper (1966)
Die unterhaltsame Iatlowestern-Variante vom "Sierra Madre" mit kunterbunten Charakteren und in einem rauen Ton. (6,5/10)

Goyas Geister (2006)
Eindrucksvoll kostümiert und gut gespielt fehlt es Milos Forman an dramatisch-emotionaler Wucht oder einer Aussage. Goya ist ein besserer Nebencharakter, Religion und Politik werden als Thema halbherzigen angeschnitten, die Inszenierung wirkt mehr wie pompöses TV-Historiendrama. (4/10)

The Town - Stadt ohne Gnade (2010)
Eine Geschichte, die wir schon 1000-mal gehört und gesehen haben. Trotzdem eifert Ben Affleck als Regisseur ordentlich großen Vorbildern wie "Heat" nach, gibt seinen Charakteren genug Seele, um die Spannung und Hoffnung für sie aufrecht zu erhalten. (7/10)

Das Unsichtbare Mädchen (2011)
Einmal mehr beweist Dominik Graf experimentierfreudige Hingabe zu seinem Medium, inszeniert apart, doch bestechend und stößt den deutschen Krimigewohnheiten gekonnt vor den Kopf. (6,5/10)

Flash Gordon (1980)
Kunterbuntes Kult-Sci-Fi-Trash-Vergnügen mit selbst genreimmanent über den Maßen amüsanten Kostümen und Kulissen. Und doch steck unter der Groschenromanoberfläche Hingabe und diese Kombination macht letztendlich den Spaß aus. (7/10 auf einer Trash-Skala)

Flesh Gordon (1972)
Total kindische Sex-Klamotte, so herrlich bescheuert und platt, aber mit für diese Art Filmchen beachtlichem Aufwand inszeniert, dass man sich selbtst über einige Längen hinweg manchmal ob des Wahnsinns ungläubig amüsiert. (8/10 auf einer Trash-Skala)

Scanners - Ihre Gedanken können töten (1981) 
Schon beachtlicher Früh-Cronenberg, der mit wenigen effektiven Mitteln einen spannenden Telikinese-Thriller auf den Weg bringt, allerdings die Cronenberg-typische Tiefe späterer Werke misst. (7/10)
Scanners II (1991)
Gänzlich oberflächliches Sequel, in dem es fernerhin bloß noch um den Effekt geht, mit klischeehaften und chargiert dargebrachten Schauspielleistungen in einer klischeehaften B-Film-Konspirationsgeschichte. Als B-Sci-Fi-Thriller durchaus unterhaltsam. (6,5/10 auf einer B-Movie-Skala)

James Bond 007 - Leben und sterben lassen (1973)
Der Roger Moore-Einstand, wesentlich ernster als die Nachfolger, ein bisschen rassistisch zwar, aber mit Schwung inszeniert und um eine schöner Prise Voodoo-Exotik angereichert. (7/10)

Ip Man 2 (2010)
Donnie Yen meistert seine Darstellung des Kung-Fu-Meisters ohne Ecken und Kanten abermals mit Bravour, die Geschichte wirkt ausgearbeiteter und der Bösewicht ist deutlicher und präsenter als Bedrohung. Die Kämpfe sind ebenfalls wieder hervorragend choreographiert, von gelengtlichen, selten Wire-Fu-Einsätzen abgeshen. (8,5/10)

Doghouse (2009)
Britische Chauvi-Horror-Komödie für den Kumpelsabend dem das Zeug für einen "Shaun of the Dead"-Kult abgeht und der eher für zwischendurch als für längere Zeit unterhält. (5/10)

Ein Fisch namens Wanda (1988)
Kult-Komödie mit einigen Humorspitzen und zwischendurch mit Dauergrinsenauslösern. Die Darstellerregie macht insbesondere den großen Spaß in dieser zum Schreien Komischen Diamantenjagd aus. (8/10)


Robin Hood - Helden in Strumpfhosen (1993)
Wie alle Komödien mit Mel Brooks-Beteiligung ist auch diese Parodie nicht ganz meins, zu albern, flach und wirklich nicht gut inszeniert, teilweise auf Fremdschämniveau, wobei ich mir nicht im Klaren bin, wieviel der deutschen Synchronisation zur Last zu legen ist. (5/10)

Skyfall (2012)
Der Vergleich zu "Ein Quantum Trost" erübrigt sich eigentlich, schließlich konnte es kaum noch schlimmer kommen. Tatsächlich ist der Jubiläumsbond nicht nur besser, er ist sogar richtig gut. Sam Mendes garantiert einen anderen, charakterorientierten Bond, was nicht immer gelungen ist, vor allem in den Actionszenen, die nichtsdestotrotz überzeugen. Besonderen Spaß bereiten kleine Anlehnung an ältere Filme, sowie neue-alte Elemnte wie z.B. Ben Whishaw. Javier Bardem hingegen ist unterfordert, wirkt eher wie ein elaborierter Bösewichtgehilfe. Summa summarum stehen die Zeichen für die Reihe jedoch auf einem aufsteigenden Ast. (7/10)













16 - 6,6 (105,5)

Kommentare:

Madse hat gesagt…

Bei Skyfall stimme ich dir zu, zu Prometheus muss ich intervenieren: Schau ihn dir mehr als einmal an, dann füllen sich schonmal einige der derbsten Logiklöcher. Des Weiteren: Es ist kein Alienfilm, er baut aber stellenweise eine ähnliche Stimmung auf. Die Ausrichtung auf weitere Teile kannst du inzwischen jedem Zweiten FIlm vorwerfen, der in den Kinos kommt.

Okami Itto hat gesagt…

Ich habe, wegen schlechter Kritiken zuvor, den Film im vollen Bewusstsein vieler eventueller Logikschwächen (z.B. wegen dem Red Letter Media-Beitrag, HISHE, natürlich auch "richtiger" Kritiken) gesehen und kann zumindest behaupten mit einer korrespondierenden Wahrnehmung an den Film herangegangen zu sein. Das mag vielleicht nicht dem Gewicht einer zweiten Sichtung entsprechen, sogar von Voreingenommenheit zeugen. Nichtsdestotrotz ändert das nichts daran, dass der Film entweder seine Ideen und Themen äußerst vage formuliert (gewiss hinsichtlich eines Sequels) oder generell unsinnig ist.

Lass mich Dir dennoch sagen: gemessen an dem allgemeinen Tenor, den die Rezensionen von von mir respektierten Kritikern vermittelten, fand ich den Film letztendlich besser als erwartet. Was nichts daran ändert, dass er gleich auf mehreren Ebenen misslungen ist:

1. Viele Dinge, die "Alien" ausgemacht haben, sind in "Prometheus" nicht mehr präsent: starke Charaktere müssen Lachnummern von Wissenschaftlern weichen; die psychosexuelle Komponente weicht ungenügend ausdeklinierten Kreationismus- und Religionsthemen; die eindringliche, suggestive Inszenierung weicht einem zugegebenermaßen visuell beeindruckendem Optik-Pomp. Hinsichtlich des Arguments, "Prometheus" sei kein Alienfilm: das Unsinn, da er von allen Beteiligten als solcher gemeint ist und von Anfang war. Und selbst wenn er ein eigenständiger Science-Fiction-Film wäre - nun, dann gibt es überdies dutzend andere Probleme.

2. Das Drehbuch ist eine mittelgroße Katastrophe. Wie ut supra erwähnt sind die Charaktere mit unglaubwürdig noch euphemistisch umschrieben. Unsinnige Einfälle (z.B. OP, Weyland) bereiten dem Film ein Ausmaß an unfreiwilliger Komik. Unzählige Logiklöcher, große, wie kleine, narrativ-immanent einerseits, allgemein, handlungsunabhängig andererseits, sabotieren die Glaubwürdigkeit des Films.

3. Am schlimmsten fällt das Gesamtkonzept ins Gewicht: ein Prequel zu "Alien" - kann man machen. Aber der gewählte Ansatz ist grundliegend ungünstig gewählt. Gewisse Dinge sind attraktiver in der Form eines Rätsels. Und der Jockey ist eines der wohl reizvollsten Rätsel der Filmgeschichte und wirkte als solches. Die einfältige Stilisierung dieses Wesens zu einem Schöpfer fällt dabei beinahe noch reizvoll aus, ist letztendlich jedoch alles andere als kreativ. Zumal jede Anwandlung von deutungsreicher Metapher, die das Alien bot, aufgegeben wird, um einer veralteten pseudo-religiösen (V)Erklärung Raum zu schaffen. Simultan wird aufgrund unserer heutigen kritischen Perspektive auf Religion der Zweifel mitgeliefert - womit der Film höchtselbst seine obsolete Thematik direkt als solche entlarvt und sich in unvereinbarer Antinomie suhlt.
Dazu gesellt sich die Hollywood-Manie, jeder Geschichte sein Sequel (und darüber hinaus) zu spendieren und das nicht, weil man viel zu erzählen hätte. Deswegen sind viele Themen in "Prometheus" einfache Platzhalter. Dinge die angesprochen ohne ausdiskutiert zu werden, damit man noch etwas zu erzählen hat, wenn der Nachfolger produziert wird. Eine Entwicklung, die sich mehr und mehr der TV-Serie nährt (während sich TV-Serien ironischerweise mit großen Schritten dem Kino annähern), hinsichtlich des Konzepts eines Pilotfilms.

Okami Itto hat gesagt…

(da Blogger das Kommentarfeld von der Länge her begrenzt hier die Fortsetzung)

Ich breche das hier ab. Erwähnen muss ich noch, dass mir all das nach einer einmaligen Sichtung, mit wenig Aufwand und einer eher vernächlässigten Auseinandersetzung mit dem Film in den Sinn kommt. Das lässt sich noch vertiefen. Und dadurch wird mein Urteil nicht positiver.

Dazu ergänze ich gleich: wenn Du den Film magst, dann freue ich mich für Dich! Das sei Dir gekönnt! Ich glaube nicht, dass sich das durch meine Meinung ändern wird. Und wenn Du Deine eigenen Gedanken zum Film hast, die für Dich von einer solchen Relevanz sind, dass Du Dich zu einer Apologie hinreisen lässt, solltest Du Dir das bewahren! Aber wenn ich "Prometheus" sehe, sehe ich die unzähligen Fehler und, was für mich bei jedem Film am schlimmsten ist und mich stets ärgerlich macht, die vertanen Chancen, nicht genutztes Potential. Wunderbare Sets, beeindruckende Spezialeffekte, solide Darsteller, Michael Fassbender (dem eine der besten Szenen des gesamten Films gehört), tatsächlich vor allem zu Beginn mit eindringlicher Atmosphäre - und dann haben sie alles andere so dermaßen versaut. Daher mein Kommentar: ärgerlich, ärgerlich und nochmals ärgerlich.

Madse hat gesagt…

Wow!
Autsch!

Leider kann ich zu meiner Verteidigung nicht genug handfeste Argumente anbringen, um den Rahmen eines Kommentars zu sprengen, ich muss mich ganz verschämt auf eines der heutzutage Schwächsten berufen: Gefühl. Ein scheinbar überholtes Konzept, doch ich habe mich bei jedem Durchgang von Prometheus unterhalten gefühlt, für mich war die Atmosphäre da und dicht, ich fand ihn letztlich gut. Auch kann ich die Logikfehler nicht wegargumentieren, aber mir fallen sie nicht so ins Gewicht. Bei mir bekommt die BluRay ihren Platz im Regal neben der angestammten Quadrologie.
Trotzdem danke für diese überwältigende Antwort^^

Okami Itto hat gesagt…

Sicher, sicher. Ich will "Prometheus" gewiss nicht seinen Unterhaltungsfaktor absprechen. Den hat er ja. Und guck Dir mal meine Liste an Filmen an, die ich unterhaltsam finde: da ist RICHTIGER Schrott dabei. ;-)
Nichtsdestotrotz kann ich persönlich nicht über die Fehler bei "Prometheus" hinwegsehen und zwar aus dem Grund, dass der Film stets mehr sein möchte, auch behauptet mehr zu sein, als er letztendlich ist. Deswegen bezeichne ich übrigens "Event Horizon" als bessere "Prometheus"-Variante: unterhaltsam zusammengeklaut, ohne den Anspruch eines Meisterwerks zu erheben.

Und eins sollte bei meinen Kommentaren unbedingt jedem klar sein: "Alien" ist einer meiner All-Time-Favourites und für mich einer der besten Filme aller Zeiten. Das "Prometheus" mich vor diesem Hintergrund besonders verärgert, ist hoffentlich verständlich. Dennoch, wie gesagt: da gibt's wesentlich schlimmeres und gut unterhalten kann man sich mit dem Film. 'nough said.

prophet hat gesagt…

Flash Gordon fand ich furchtbar anstrengend, aber nicht so unerträglich wie Barbarella.

Zu Promentheus stimme ich dir zu.

Bei Helden in Strumpfhosen muss ich dir aber widersprechen - den finde ich großartig.

Okami Itto hat gesagt…

Ich glaube, wenn ich "Helden in Strumpfhosen" im Original gucken würde, fänd ich ihn wesentlich besser. ;-)

"Barbarella" habe ich bisher noch nicht einmal versucht... vllt., wenn Robert Rodriguez doch noch sein Remake auf die Reihe bekommt (Gott bewahre).

Jens hat gesagt…

Zu Prometheus: Sehr gut. Also der Kommentar. :D