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Montag, März 09, 2020

Lebenszeichen zum fünften

Der Papst stirbt und kommt an die Himmelstür. Petrus begrüßt ihn und fragt nach seinem Namen.


"Ich bin der Papst."

"Papst, Papst", murmelt Petrus. "Tut mir leid, ich habe niemanden mit diesem Namen in meinem Buch."

"Aber ich bin der Stellvertreter Gottes auf Erden!"

"Gott hat einen Stellvertreter auf Erden?",sagt Petrus verblüfft. "Komisch, hat er mir gar nichts von gesagt."

Der Papst läuft krebsrot an. "Ich bin das Oberhaupt der Katholischen Kirche!"

"Katholische Kirche? Nie gehört", sagt Petrus. "Aber warte mal einen Moment, ich frag den Chef."

Er geht nach hinten in den Himmel und sagt zu Gott:

"Du, da ist einer, der sagt, er sei dein Stellvertreter auf Erden. Er heißt Papst. Sagt dir das was?"

"Nee", sagt Gott. "Kenn ich nicht. Weiß ich nichts von. Aber warte mal, ich frag Jesus. "Jeeesus!"

Jesus kommt angerannt. "Ja, Vater, was gibt´s?"

Gott und Petrus erklären ihm die Situation.

"Moment", sagt Jesus, "Ich guck mir den mal an. Bin gleich zurück."

Zehn Minuten später ist er wieder da, tränenlachend.

"Ich fass es nicht", japst Jesus. "Erinnert ihr euch an den kleinen Angelverein, den ich vor 2000 Jahren gegründet habe? Den gibt es immer noch!"

Donnerstag, Mai 05, 2016

Die glorreiche Sieben gegen Theben... und Ben Hur

Hollywood verwurstet wieder mal seine eigenen Klassiker höchstselbst, remaket zwei der legendärsten Filme US-amerikanischer Kino-Geschichte, vollkommen ungeachtet dessen, dass die Filme unweigerlich mit der Zeit und den Umständen, in denen sie entstanden, verknüpft sind: ja, Hollywood remaket "Ben Hur" und "Die glorreichen Sieben" - weil, wie wir in den vergangenen Jahren bereits gesehen haben, Western und Monumentalfilm-Produktionen mit Bibel-Touch die reinsten Erfolgsgaranten sind. Was schrieb ich einst in grauer Vorzeit zu Klassiker-Remakes?


Also, No. 1: "Ben Hur".
Zeit-Check: 136 Jahre nach der Publikation Lew Wallaces historischer Novelle "Ben-Hur: A Tale of the Christ", 91 Jahre nach der ersten Stummfilm-Verfilmung der Novelle von Fred Niblo, 57 Jahre nach der bis heute imposanten Monumental-Verfilmung von William Wyler, 13 Jahre nach dem Animationsfilm von Charlton Hestons Produktionsfirma Agamemnon Films und 6 Jahre nach der TV-Mini-Serie.

Produziert wird die unter anderem als  "re-adaptation", "reimagining" oder "new interpretation" deklarierte Neuverfilmung von der für Bibelverfilmungen wie die "The Bible"-Miniserie, ihr Sequel "A.D. The Bible Continues" oder "Son of God" bekannte Religions- und Familien-TV-Schmiede Lightworkers Media und gibt damit bereits die Richtung des Films vor. Auf dem Regie-Stuhl nimmt niemand geringerer als Timur Bekmambetov ("Night Watch", "Wanted", "Abraham Lincoln: Vampire Hunter"), Russlands-Export-Shooting-Star, Platz, der uns mit "Wanted" zwar einen sehr schicken Actionfilm bereitet hat, aber auch solchen B-Krims-Krams wie "Abraham Lincoln: Vampire Hunter". Zumindest an die Actionszenen könnte man also passable Erwartungen richten, auf seine Version des Wagenrennens bin ich fast schon ein bisschen neugierig.
Unter den Darstellern finden sich Jack Huston ("Boardwalk Empire", "American Hustle", "Pride and Prejudice and Zombies") als Ben Hur und Toby Kebbell ("Prince of Persia: The Sands of Time", "Wrath of the Titans", "Fantastic Four") als Messala, in weiteren Rollen sind Morgan Freeman ("The Dark Knight Rises", "Transcendence", "London Has Fallen"), Nazanin Boniadi ("Homeland", "Scandal", "Shirin in Love"), Sofia Black D'Elia ("All My Children", "Skins", "Gossip Girl"), Ayelet Zurer ("Nina's Tragedies", "BeTipul", "Man of Steel") und natürlich Rodrigo Santoro ("The Last Stand", "300: Rise of an Empire", "Lost") als Jesus zu sehen. Letzterer hat für seine Rolle gar den Segen des Papstes erhalten. Ach herrje.

William Wylers "Ben Hur" war beileibe kein perfekter Film, ist im Wesentlich wegen dieser einen grandiosen, wegweisenden Action-Szene legendär, wohingegen mich der religiöse Aspekt bereits damals außerordentlich störte, aber nun mal seiner Zeit verhaftet ist. So oder so: manchen Dingen kann man nichts mehr hinzufügen, schon gar nicht, wenn sie ihrer Zeit so dermaßen hinterherhinken wie dieses Remake: die Zeit für Bibelverfilmungen oder eben solchen Historienschinken mit starkem Hang zur religiösen Verklärung sollte eigentlich schon lange, lange, lange vorbei sein, der Maß an Obskurantismus und rückschrittlicher Ideologie, die sie vermitteln, hätten wir längst hinter uns lassen müssen. Stattdessen versucht sich der Kirchenfilm seinen Platz in der Blogbuster-Filmlandschaft zurückzuerobern und das halte ich für eine sehr, sehr bedenkliche Entwicklung. Abgesehen davon, dass ich solche Remakes an sich für ein Unding halte. Wie dem auch sei: da bekannt sein dürfte, was ich von solchen orthodoxen Religions-Verfilmungen halte, spare ich mehr jedes weitere Wort.


Apropos Unding: No. 2: "Die glorreichen Sieben".
Zeit-Check: 62 Jahre nach Akira Kurosawas meisterlichem "Shichinin no Samurai", 56 Jahre nach John Sturges überlebensgroßen Edel-Western "The Magnificent Seven", 50 Jahre nach dem Sequel "Return of the Seven", 47 Jahre nach dem folgenden Sequel "Guns of the Magnificent Seven", 44 Jahre nach dem letzten Sequel "The Magnificent Seven Ride", 16 Jahre nach Ende der Serien-Adaption, und nach unzähligen Parodien, Hommages und Epigonen aus allen Herren Ländern, die auf die ein oder andere Weise die Thematik in mannigfaltigen Szenarien adaptierten.

Unter der Regie von Antoine Fuqua ("Training Day", "Shooter", "Olympus Has Fallen") schickt sich Denzel Washington ("Flight", "2 Guns", "The Equalizer") also an, Chris Pratt ("Parks and Recreation", "Guardians of the Galaxy", "Jurassic World"), Ethan Hawke ("Dead Poets Society", "Before Midnight", "Boyhood"), Vincent D'Onofrio ("Full Metal Jacket", "Law & Order: Criminal Intent", "Daredevil"), Byung-hun Lee ("The Good, the Bad, the Weird", "I Saw the Devil", "G.I. Joe: The Rise of Cobra"), Manuel Garcia-Rulfo ("Cake", "From Dusk Till Dawn: The Series", "Term Life") und Martin Sensmeier ("K'ina Kil: The Slaver's Son", "Salem", "Lilin's Brood") zu versammeln, um gegen den bösen Peter Sarsgaard ("Shattered Glass", "Kinsey", "Jarhead") und seine Bande anzutreten.

Abgesehen davon, dass ich Denzel Washington nicht unbedingt zu meinen Lieblingsdarstellern zähle, kann das Remake schon allein deswegen nicht funktionieren, weil sich hier nicht die Creme de la Creme der Western-Helden zum großen Genre-Happening einfindet, das wahrscheinlich signifikanteste Merkmal des Originals, im Grunde genommen gar nicht einfinden kann - selbstredend ein schwieriges Unterfangen, bedenkt man, dass es entsprechende Genre-Größen in unserer Zeit einfach nicht gibt, ist doch das zugrundeliegende Genre in der heutigen Kinolandschaften so gut wie ausgestorben. Wenigstens ist Fuqua ein guter Action-Regisseur und insofern betrachte ich das nicht als ebenbürtiges Remake, wie könnte ich auch, sondern als unterhaltsame Action-Variation, die eben in dem gewaltigen Schatten, den das Original wirft, untergehen muss. Das dürfte allen Beteiligten klar sein, vielleicht wollen sie es ja lieber als Hommage verstanden wissen, nur wenn man von vornerein nicht ansatzweise an die Qualitäten des Vorbilds anknüpfen kann, warum es dann überhaupt erst versuchen?

Montag, Februar 17, 2014

Super Bowl XLVIII

Da ich gerade etwas Zeit habe, widme ich mich kurz dem einzigen Aspekt des Super Bowls 2014, der mich auch nur im geringsten interessiert: die Trailer. Selbstredend wurden primär Blogbuster gezeigt, insofern drüfte es nicht überraschen, dass zwar Filme mit mächtig Geld im Arsch, aber ansonsten kaum interessanten Werten gezeigt wurden.
Also haben wir Marvel-Material wie "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Eletro" (da ich weder die Comics gelesen, noch den Vorgänger gesehen habe, generell kein großer Spider-Man-Fan bin, ist es einzig Andrew Garfield, der mich vielleicht ein bisschen reizt) oder "Captain America 2: The Winter Soldier" (Umstände wie bei Spider-Man, überraschenderweise bin ich auf den trotzdem neugierig), sichere Filme wie "The Monuments Men" (gähn) oder so Zeugs wie "Need For Speed" (abgesehen von Aaron Paul nichts erwähnenswertes), Muppets Most Wanted, "Pompeji" (Paul W. S. Anderson, ist also alles drin von unterhaltsam bis grottig, außerdem: Jon Snow), "Three Days To Kill" (Kevin Costner hechelt Liam Neeson hinterher) und natürlich passenderweise "Draft Day" (Kein Kommentar...).

 
Soweit so unaufregend, bis auf die zwei wirklich gruseligen Trailer zu "Transformers: Age Of Extinction" und "Noah". Zum vierten "Transformers"-Teil muss ich gar nicht viel sagen, jeder, der meinen Blog kennt, weiß, dass ich Michael Bay für die cineastische Pest und Cholera in Personalunion, den Prima inter Pares für alles, was in Hollywood falsch läuft, halte und die "Transformers"-Filme sind in diesem Sinne ganz ohne jeden Zweifel sein Opus magnum. Selbst Dinos als Transformer-Reittiere können da nichts mehr retten.
Das andere Machwerk regt mich bereist als Trailer in hiesigen Kinos auf, bevorzugt Rücken an Rücken mit Dreck wie "Vaterfreuden", damit das Vomitiv auf jedenfall doppelt wirksam ist (siehe auch: Schweiger/Schweighöfer, der frontale Dolchstoß ins Gesicht des deutschen Kinos). Aus irgendeinem Grund besinnt sich Holywood (kein Schreibfehler) 2014 mal wieder auf die Bibel, räubert an den schönsten Stellen des größten Bestsellers aller Zeiten (dürfte genau der Vorstellung jeder Marketingabteilung entsprechend), geflissentlich ignorierend, dass die Zeiten des Bibel-Epos-Monumentalfilms längst vorbei sind. Als Speerspitze von noch kommenden Re-Imaginationen wie "Son of God" (weil Jesus medial immer noch nicht genug ausgeschlachtet wurde und ihr glaubt die Kreuzigung wäre seine größte Passion gewesen), "Exodus" (Ridley-Scott-Christian-Bale-Moses-Team-Up) oder "Mary, Mother Of Christ" fungiert zunächst Darren Aronofskys "Noah", in dem Russel Crowe, Jennifer Connelly, Emma Watson, Logan "Der Schinken" Lerman, Douglas Booth und Leo McHugh einen Haufen Holz und den größten Zoo der Welt akkumulieren, um sich vor Gottes feuchtem Zorn zu retten, während sie sich gleichzeitig den Sündern erwehren - ich wette, Mel Gibson war Russel Crowe im Kampf um die Hauptrolle nur knapp im Karaoke-Wettbewerb unterlegen. Der Trailer lässt genau den Rotz an reaktionärem, humorlosen, unkritischen Pro-Bibel-Fokus (Kommentare von besorgten Christen, die da meinen, im Trailer erkannt zu haben, dass Noah scheinbar ein wenig an seiner göttlichen Aufgabe zweifelt (no fucking shit?), können wir getrost ignorieren) vermuten, den wir eigentlich seit mindestens einem Jahrhundert längst hätten überwunden haben müssen. Da hat die Lobby ultra-orthodoxer Christenverbände in Amerika ordentlich Hebel in Bewegung gesetzt. Noch mehr bestürzen mich dahingegen Kommentare von Leuten, die den Film wegen eines einzigen Arguments gucken wollen: Darren Aronofsky. Der Trailer wäre zwar unterwältigend, aber ich gehe stur darein, nur weil der Name Aronofsky drüber steht. Und das sind genau die Leute, die später am lautesten aufbegehren, wenn in ihrer Lieblingsverfilmung nach Namen und nicht nach Können besetzt wird. Ich hoffe wider besseren Wissens auf einen Flop. Auch im Kino müssen wir nach vorne und nicht nach hinten blicken.